Forschung / Studien

Im Jahr 2012 hat die International Agency for Research on Cancer (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die gesundheitlichen Gefahren durch Dieselabgase neu bewertet und stuft Dieselabgase eindeutig als krebserregend ein. Grundlage sind mehr als 35 Studien, die aktuellste eine Untersuchung an Bergarbeitern (Silverman DT/J Natl Cancer Inst 2012), in denen mehrere Störfaktoren (Nikotinabusus etc.) heraus gerechnet werden konnten. Nach Angaben der IARC gilt der Zusammenhang mit der Entstehung von Lungenkrebs als nachgewiesen; ein Zusammenhang mit Blasenkrebs wird vermutet.
Zusammenfassend kann man feststellen, dass in den 35 Studien ein um bis zu um 40 Prozent höheres Lungenkrebsrisiko auftrat, im Vergleich zu Arbeitern, die sehr niedrige oder gar keine Dieselabgase eingeatmet hatten. Die Studien untersuchten neben Bergarbeitern auch Bahnarbeiter, Hafenarbeiter und LKW-Fahrer.
Auch für Brustkrebs wird ein Zusammenhang zu Autoabgasen vermutet. So konnte in einer Fall-Kontroll-Studie nachgewiesen werden, dass Brustkrebspatientinnen häufiger in Regionen mit hohen NO2-Konzentrationen in der Luft wohnen (Crouse DL/Environmental Health Perspectives 2010).

GfBK-Kommentar: Dass Dieselabgase Krebs auslösen, vermutete man schon seit 1955, weil die die Abgase polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzo(a)pyren enthalten, die an ultrafeine Partikel gebunden bis tief in die Atemwege eindringen und dort kanzerogen wirken können. Eigentlich unvorstellbar, wie lange es braucht, bis bereits in mehreren Studien nachgewiesene Zusammenhänge zwischen dem Aufreten von Lungenkrebs und der Exposition mit Benzo(a)pyren öffentlich anerkannt werden.
Die Anzahl der potentiell Betroffenen lässt aufhorchen: So sind Schätzungen der WHO zufolge in Europa etwa drei Millionen Arbeiter regelmäßig Dieselabgasen ausgesetzt. Andere Schätzungen der Deutschen Krebsgesellschaft gehen davon aus, dass sich in Deutschland durch Rußfilter für Dieselfahrzeuge etwa 1100 bis 2200 Lungenkrebstodesfälle pro Jahr vermeiden lassen.
Dass dies nicht nur den KFZ-Verkehr, sondern auch die Abgase des Schiffsverkehrs betrifft, wurde jüngst am 11.07.2012 in der Plusminus-Sendung der ARD deutlich. Nach deren Recherchen sterben in Europa jährlich 50.000 Menschen alleine durch die Abgase aus dem Schiffsverkehr. Ein Beispiel wurde auch genannt: ein Kreuzfahrtschiff stößt so viel Schwefeldioxid aus wie 376 Millionen Autos. Auf Nord- und Ostsee stößt allein der Schiffsverkehr, obwohl dort schärfere Grenzwerte gelten, pro Jahr 1,5 Millionen Tonnen Stick- und Schwefeloxide aus. Das ist fast so viel, wie jährlich von allen Haushalten, der Industrie und dem Straßenverkehr auf dem deutschen Festland verursacht wird!