Forschung / Studien

Dass Nachtschichten für ein erhöhtes Tumorrisiko verantwortlich sind, zeigte eine Auswertung von kanadischen Forschern, die die Daten einer älteren Fall-Kontroll-Studie ausgewertet haben (Parent M-E et al./Am. J. Epidemiol 2012; 176: 751-759). In dieser waren zwischen 1979 und 1985 die Teilnehmer auch zu ihrem Berufsprofil und Schichtarbeit bzw. Nachtschichten befragt worden waren. Dabei galt als Schichtarbeit, wenn die Teilnehmer insgesamt mindestens sechs Monate lang nachts zwischen ein und zwei Uhr gearbeitet hatten. Analysiert wurden die Daten von knapp 3200 Männern mit einer ersten Krebsdiagnose und von 512 gleichalten Männern ohne Krebsdiagnose.
Es fiel bei der Auswertung auf, dass Männer mit Krebs deutlich häufiger angegeben hatten, in der Vergangenheit Nachtschichten gemacht zu haben. Die Wissenschaftler errechneten nach Herausrechnung bekannter Risikofaktoren, dass Schichtarbeiter ein etwa dreifach erhöhtes Risiko für Prostatakrebs, ein 2,3-fach erhöhtes Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome und Pankreaskarzinome, ein doppelt so hohes Risiko für Kolon- und Rektalkarzinome sowie ein 1,8-fach erhöhtes Risiko für Lungen- und Blasenkrebs hatten. Dagegen schien das Risiko für Magen-, Leber- und Ösophagustumoren sowie Melanome nicht oder nur geringfügig erhöht zu sein.
Paradox war jedoch die Beobachtung, dass das Tumorrisiko nicht steigt, je länger Nachtschichten gemacht wurden. Dies lies für die Autoren den Schluss zu, dass möglicherweise andere Faktoren die Ergebnisse verzerrt haben könnten.

GfBK-Kommentar: Schichtarbeit kann eine karzinogene Wirkung haben. Dieser Zusammenhang ist nicht neu, weshalb in Dänemark Brustkrebs bei Frauen, die regelmäßig in Schichtarbeit arbeiten, als Berufskrankheit anerkannt ist. Ursächlich wird angenommen, dass durch Nachtarbeit weniger Melatonin gebildet wird. Melatonin wiederum unterdrückt das Tumorwachstum und hemmt die Produktion von Östrogenen. Ältere Untersuchungen bestätigen diesen Mechanismus: In einer prospektiven Studie (Schernhammer ES et al./J Natl Cancer Inst 2001; 93) zeigte sich, dass Wechselschichten über ein bis vierzehn Jahre mit einem erhöhten Risiko von 8% einhergingen. Bei Frauen vor den Wechseljahren erhöhte sich das Mammakarzinom-Risiko unter Wechselschichten sogar um 23%. Schernhammer konnte in einer nachfolgenden Untersuchung sogar nachweisen, dass Nachtschwestern deutlich weniger Melatonin und mehr Brustkrebs fördernde Östrogene im Blut haben. Ein Grund mehr, auf einen ausgeglichenen Tag-Nacht-Rhythmus zu achten.