Forschung / Studien

Teras LR, Patel AV, Wang M, Yaun SS, Anderson K, Brathwaite R, Caan BJ, Chen Y, Connor AE, Eliassen AH et al. Sustained weight loss and risk of breast cancer in women ≥50 years: a pooled analysis of prospective data. J Natl Cancer Inst 2019; pii: djz226. doi: 10.1093/jnci/djz226

Frauen, die sich nach der Menopause zu einer Gewichtsabnahme entschließen und diese erfolgreich umsetzen, können ihr Brustkrebsrisiko deutlich senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von 10 prospektiven Kohortenstudien, die das „Pooling Project of Prospective Studies of Diet and Cancer“ an der T.H. Chan School of Public Health in Boston zusammengetragen hat. Anhand dieser Studien wurde der Zusammenhang zwischen Gewichtsveränderung und Brustkrebsrisiko bei 180.885 Frauen ab 50 Jahren untersucht.
Die Ergebnisse: Im Vergleich zu Frauen mit stabilem Gewicht (± 2 kg) hatten Frauen mit anhaltendem Gewichtsverlust ein geringeres Brustkrebsrisiko. Diese Risikoreduktion war linear und spezifisch für Frauen, die keine Hormone nach der Menopause einnahmen. Außerdem waren die Assoziationen „dosisabhängig“, was in epidemiologischen Studien auf eine Kausalität hinweist.
Zusammenfassend zeigt die Studie eindrucksvoll: Frauen, die nach der Menopause 2 bis 4,5 kg abnahmen, erkrankten zu 18 % seltener an Brustkrebs. Bei einer Gewichtsabnahme von 4,5 bis 9 kg sank das Brustkrebsrisiko um 25 %. Und Frauen die mehr als 9 kg abnahmen, erkrankten sogar zu 32 % seltener. Frauen, die mehr als 9 kg abnahmen und wieder etwas (aber nicht alles) davon zunahmen, hatten auch ein geringeres Brustkrebsrisiko.

GfBK-Kommentar: Schon länger ist bekannt, dass Adipositas ein Risikofaktor für postmenopausalen Brustkrebs ist. So berechneten Forscher der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), dass ein erhöhter BMI-Index für etwa 12 % der postmenopausalen Brustkrebserkrankungen in Deutschland verantwortlich ist [1].
Mit dem Eintritt in die Wechseljahre kommt es bei vielen Frauen zu einer Gewichtszunahme. Dies wiederum kann zu einem östrogenen Stimulus führen, da die Umwandlung von Androgenen zu biologisch aktiven Östrogenen von der absoluten Masse des körpereigenen Fettgewebes abhängig ist. Hinzu kommen die Erkenntnisse, dass Fettzellen vor allem des tiefliegenden Bauchfetts eine Reihe von weiteren Hormonen und Zytokinen, die sogenannten Adipokine, ausschütten. Dies führt dazu, dass steigendes Übergewicht in der Postmenopause das Erkrankungsrisiko signifikant erhöht, während dies in der Praemenopause nicht der Fall ist [2].
Da auch bei bereits erkrankten Frauen eine Gewichtszunahme nach Diagnosestellung in der Postmenopause mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko verknüpft ist [6], raten wir sowohl bei Gesunden als auch bei Erkrankten zu einem gesundheitsförderlichen Lebensstil mit Nikotinverzicht, Gewichtskontrolle und pflanzlich betonter Ernährung.

Literatur
[1] Arnold M, Pandeya N, Byrnes G, Renehan AG, Stevens GA et al. Global burden of cancer attributable to high body-mass index in 2012: a population-based study. The Lancet Oncology 2015; 16(1): 36-46. doi: 10.1016/S1470-2045(14)71123-4
[2] Favero A, Parpinel M, Franceschi S. Diet and risk of breast cancer: major findings from an Italian case-control study. Biomed Pharmacother 1998; 52: 109–115. doi: 10.1016/S0753-3322(98)80088-7
[3] Hauner D, Janni W, Rack B, Hauner H. Einfluss von Übergewicht und Ernährung auf die Prognose des Mammakarzinoms. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(47): 795-801 doi: 10.3238/arztebl.2011.0795