Forschung / Studien

Ein Team um Shuji Ogino vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston hat 1.019 Kolorektalkarzinome nach genetischen Spuren von Fusobacterium nucleatum gesucht. Die Gewebeproben stammten von Teilnehmern der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-up Study, die seit Jahrzehnten regelmäßig nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt worden waren. In früheren Analysen war aufgefallen, dass Teilnehmer mit einem westlichen Ernährungsstil häufiger an Darmkrebs erkrankten.
In der Analyse fanden die Forscher heraus (Mehta RS et al./JAMA Oncol 2017), dass Menschen, die sich vollwertig ernährten, seltener an Tumoren erkrankten, in denen genetische Spuren von Fusobacterium nucleatum nachgewiesen wurden. Eine vollwertige Kost mit einem hohen Verzehr von Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukten war hoch signifikant mit einem um 57 % geringeren Risiko für Darmkrebs mit Nachweis von Fusobacterium nucleatum verbunden. Darmkrebserkrankungen ohne Fusobacterium nucleatum im Tumorgewebe traten dagegen nicht seltener auf, wenn die Personen sich vollwertig ernährt hatten.

GfBK-Kommentar: Diese Ergebnisse sind bedeutend, um die Entstehung von Darmkrebs besser verstehen zu können, zumal der Nachweis des Darmbakteriums Fusobacterium nucleatum im Darmkrebsgewebe häufig mit einem aggressiven Verlauf der Krebserkrankungen verbunden ist. Andererseits gehört Fusobacterium nucleatum zu den Darmbakterien, die durch eine westliche Kost mit einem hohen Anteil von rotem und verarbeitetem Fleisch begünstigt werden.
Dies bestätigten auch die Ergebnisse einer Interventionsstudie, in der es bereits zwei Wochen nach einer Nahrungsumstellung von einer vollwertigen auf eine westliche Kost zu einer Zunahme von Fusobacterium nucleatum in der Darmflora gekommen war (O’Keefe S et al./Nature Communications 2015). Auch wenn dies noch nicht beweist, dass der Erreger den Tumor ausgelöst hat, halten wir die hier vorliegende Studie für ätiologisch bedeutsam.
Ähnliche Hinweise lieferte jüngst eine weitere Auswertung der Nurses’ Health Study, durch die gezeigt werden konnte, dass häufige Antibiotika-Behandlungen langfristig das Darmkrebsrisiko durch vermehrte Bildung von Polypen erhöhen können (Cao Y et al./Gut 2017). Auch hier, so postulieren die Autoren, könnte eine Verschiebung der Darmflora zu den Fusobacteriae eine wichtige Rolle spielen. All dies sind gute Gründe, weniger Antibiotika zu verordnen und Patienten für eine vitalstoffeiche und vollwertige Ernährung mit wenigen tierischen Fetten zu motivieren.