Forschung / Studien

Die Einführung des Mammographie-Screenings hat in Dänemark entgegen früheren Untersuchungen doch nicht zu einem Rückgang der Brustkrebssterblichkeit geführt. Das geht aus einer Studie des Nordic Cochrane Institute im Britischen Ärzteblatt (Jørgensen K et al. / BMJ 2010) hervor.
In Kopenhagen wurde die Brustkrebsfrüherkennung mittels einer Röntgenuntersuchung der Brust bereits 1991 eingeführt. Vor fünf Jahren kamen Anne Helene Olsen von der Universität Kopenhagen und Mitarbeiter zu dem Ergebnis, dass die Brustkrebssterblichkeit seither um 25 Prozent gesunken ist (Olsen A et al. / BMJ 2005).
Der Vergleich mit der Zeit vor Einführung der Mammographie übersieht nach Ansicht von Karsten Jørgensen und Peter Gøtzsche vom Nordic Cochrane Centre in Kopenhagen jedoch die langfristige Entwicklung zu einer sinkenden Sterberate am Mammakarzinom. In ihrer Untersuchung vergleichen sie deshalb die Entwicklung in Kopenhagen und Fünen (wo ebenfalls ein Brustkrebsscreening angeboten wird) mit anderen Regionen des Landes, wo dies nicht der Fall war. Für die gescreenten Regionen ermitteln sie einen Rückgang der Brustkrebssterblichkeit um ein Prozent pro Jahr, die aber nicht das Ergebnis der Früherkennung sein könne, da in den Regionen ohne Screening die Brustkrebssterblichkeit im gleichen Zeitraum um zwei Prozent pro Jahr abgenommen habe.
Am deutlichsten war der Rückgang in den Altersgruppen, die für ein Screening zu jung waren: Unter den 35- bis 54-Jährigen ging die Brustkrebssterblichkeit in den Screening-Regionen um fünf Prozent und in den Kontrollregionen um sechs Prozent pro Jahr zurück. Bei älteren Frauen, denen nicht zur Mammographie geraten wird, ist die Brustkrebssterblichkeit gleich geblieben.
Für Jørgensen und Gøtzsche sind die Ergebnisse ein weiterer Beleg für die Fragwürdigkeit der Mammographie. Den beobachteten Rückgang der Sterblichkeit führen sie auf eine Änderung der Risikofaktoren und eine Verbesserung der Therapie zurück.

GfBK-Kommentar: Diese Untersuchung unterstreicht die bisherigen Erkenntnisse zur Sinnhaftigkeit des Mammographie-Screenings und kommt zu dem Ergebnis, dass das Mammographie-Screening in Dänemark zu keiner Ergebnisverbesserung geführt hat - im Gegensatz zur früheren Annahme, dass mit einer 25%igen Senkung der Sterblichkeit zu rechnen ist. Ein Ergebnis, das unserer Meinung nach eigentlich dazu führen sollte, die bisherige Praxis des Screenings neu zu überdenken, da eine Abnahme der Brustkrebssterblichkeit durch das Screening mehr als fragwürdig ist. Denn schließlich zeigt diese Untersuchung eindrucksvoll, dass auch andere Faktoren für eine Abnahme der Brustkrebssterblichkeit verantwortlich sein können.