Forschung / Studien

Talactoferrin, eine rekombinant hergestellte Form des in der Muttermilch vorkommenden Lactoferrins, aktiviert natürliche oder Lymphokin-induzierte Killerzellen und verstärkt zusätzlich die Toxizität polymorphkerniger Zellen und Makrophagen.

Ob Talactoferrin für die Therapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms geeignet ist, wurde in einer offenen Phase-II-Studie getestet (Jonasch / Cancer 2008). Dabei wurden 44 Patienten mit progredientem oder metastasiertem Nierenzellkarzinom behandelt, bei denen mindestens eine systemische Therapie nicht angesprochen hatte. Talactoferrin wurde in einer Dosierung von zweimal täglich 1,5 g für zwölf Wochen eingenommen. Nach weiteren zwei Wochen erfolgte eine Computertomografie, um das Ansprechen der Tumoren zu beurteilen. Nach insgesamt 14 Wochen waren 59% der Patienten ohne Progression; zwei Patienten (4,5%) zeigten eine partielle Response. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 6,4 Monate, das mediane Gesamtüberleben 21,1 Monate. Die Daten wurden einer kontrollierten Studie mit vergleichbarer Patientenpopulation im Placeboarm gegenübergestellt (Yang / N Engl J Med 2003), wobei dort der Anteil der Patienten mit progressionsfreiem Überleben nach vier Monaten lediglich 20% betrug. Als häufigste Nebenwirkungen traten unter der Talactoferringabe Erschöpfung, Flatulenz und Diarrhoe auf, schwerwiegende therapiebedingte Ereignisse traten nicht auf.

GfBK-Kommentar: Ein interessanter Behandlungsansatz des eher schwer zu therapierenden Nierenzellkarzinom. Ob sich das geringe Nebenwirkungspotential und die Effektivität von Talactoferrin bestätigt, muss allerdings erst noch in größeren randomisierten Untersuchungen bestätigt werden, bevor eine klinische Anwendung erfolgen kann. Bis dahin sind sicherlich andere Maßnahmen wie z.B. der Einsatz Tyrosinkinase-Inhibitoren geeigneter.