Forschung / Studien

Wissenschaftler um Prof. Efferth im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) analysierten systematisch die Wirkstoffe in 76 chinesischen Medizinalpflanzen aus der traditionellen chinesischen Medizin und wurden dabei fündig: Extrakte aus 18 der untersuchten Pflanzen hemmen deutlich das Wachstum einer speziellen Krebszell-Linie, die durch die Überproduktion eines Transportproteins in der Zellwand besonders resistent gegen viele gebräuchliche Zellgifte ist (Efferth / Molecular Cancer Therapy 2008). Zu diesen potentiell krebsabtötenden Substanzen gehören etwa Substanzen aus dem Rangoon-Schlinger, einer rot blühenden Zierpflanze, oder aus dem Rotwurzel-Salbei. Als nächsten Schritt wollen die Forscher die Hemmwirkung auf 60 Krebszelllinien mit den Genaktivitätsprofilen dieser Zellen vergleichen, um festzustellen, welche Genprodukte das zelluläre Angriffsziel für diese Wirkstoffe sind.

GfBK-Kommentar: Dass sich Wissenschaftler auf der Suche nach neuen Wirkstoffen zunehmend auf Stoffe aus Pflanzen der traditionellen Heilkunde konzentrieren, ist grundsätzlich begrüßenswert, hat aber nicht immer zur Folge, dass infolgedessen auch verträglichere Krebsmedikamente entwickelt werden. Denn viele der in der Schulmedizin verwendeten Chemotherapien gegen Krebs sind Naturprodukte oder wurden anhand natürlicher Ausgangsstoffe entwickelt. So stammen die bei Prostata- und Brustkrebs verwendeten Taxane aus der Eibe. Und die Zytostatika Topotecan und Irinotecan sind Abkömmlinge eines Inhaltsstoffs des in China beheimateten "Happy Tree".

Patienten sollten sich außerdem nicht allzu viel Hoffnung machen, dass aufgrund dieser ersten Ergebnisse bald neue Produkte auf dem Markt erhältlich sind, da diese Versuche bisher nur in der Kulturschale und nicht am Menschen selbst gemacht wurden. Insofern ist es immer noch am besten, wenn man Extrakte aus chinesischen Heilpflanzen einnehmen möchte, sich an einen Therapeuten zu wenden, der Erfahrung mit der Anwendung traditioneller chinesischer Heilkunde hat