Forschung / Studien

Die britische NSCLC.Metaanalysen-Gruppe veröffentlichte zu der Frage, inwieweit eine adjuvante Chemotherapie bei nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) das Überleben verbessern kann, zwei Metaanalysen mit aktualisierten Studiendaten (NSCLC Meta-analyses Collaborative Group / Lancet 2010).
Dabei wurden Studien eingeschlossen, deren Randomisierung ab 1965 begonnen hatten und in denen folgendes verglichen worden ist: Operation plus adjuvante Chemotherapie vs. Operation; Operation und Bestrahlung plus adjuvante Chemotherapie vs. Operation und Bestrahlung. Primärer Endpunkt war jeweils das Gesamtüberleben. In der ersten Metaanalyse (ohne Bestrahlung) von 34 Studien mit 8447 Patienten ergab sich durch die adjuvante Chemotherapie eine absolute Zunahme der Überlebensrate um 4% nach fünf Jahren (von 60 auf 64%). In der zweiten Metaanalyse (mit Bestrahlung) von 13 Studien mit 2660 Patienten ergab sich durch die adjuvante Chemotherapie eine absolute Zunahme der Überlebensrate um ebenfalls 4% nach fünf Jahren (von 29 auf 33%).

GfBK-Kommentar: Die adjuvante Chemotherapie ist bereits seit Jahren als Standard für Patienten mit NSCLC im Stadium II-III etabliert. Überzeugend sind diese Ergebnisse aus unserer Sicht jedoch nicht, wenn man bedenkt, dass der absolute Vorteil nur 4 % beträgt. Daran kann man sehen, wie gering die Erfolgsquoten ausfallen müssen, damit sich eine nebenwirkungsreiche Chemotherapie als Standard etablieren kann. Erschreckend ist auch, dass eine Strahlentherapie offensichtlich einen ungünstigen Einfluss auf das Überleben hat.
Auch die von Experten häufig gemachte Gegenargumentation, dass moderne Therapieregimes die Überlebensraten um bis zu 15 % steigern können, täuscht nicht darüber hinweg, dass eine Chemotherapie bei NSCLC eine relativ unwirksame Therapieform ist und dass die Verbesserung im Laufe der Jahre auch durch bessere Diagnostik, bessere Patientenselektion und/oder verbesserte supportive Therapien (s.o.) verursacht worden sein kann.