Forschung / Studien

Eine frühzeitig begonnene palliative Therapie hat in einer randomisierten Studie (Temel J / New England Journal of Medicine 2010) bei Patienten mit nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) nicht nur die Lebensqualität verbessert, sondern auch die Überlebenszeiten um mehrere Wochen verlängert.
Die Studie umfasste 151 Patienten, bei denen die Diagnose eines metastasierten NSLCL nicht länger als 8 Wochen zurücklag. Alle Patienten erhielten die vorgesehene onkologische Therapie. Der Hälfte wurde von Anfang an zusätzlich eine sog. integrierte palliative Betreuung angeboten. Diese Patienten trafen sich monatlich mit einem professionellen palliativen Team, das sich aus einem Facharzt für Palliativmedizin und einer Krankenschwester zusammensetzte. Dabei wurde nach Möglichkeiten zur Behandlung der psychischen und körperlichen Beschwerden gesucht.
Wie in anderen Studien bereits belegt werden konnte, kam es erwartungsgemäß durch die palliative Intervention zu einer Verbesserung der Lebensqualität. Ebenso gingen die depressiven Symptome der Patienten zurück, übrigens ohne dass den Patienten vermehrt Antidepressiva verschrieben wurden. Die Patienten, die eine palliative Betreuung erfuhren, unterzeichneten außerdem häufiger Patientenverfügungen und erhielten am Lebensende seltener aggressive Chemotherapien. Umso überraschender war für die Autoren das Ergebnis, dass die Patienten unter der integrierten palliativen Betreuung um 2,7 Monate länger lebten (11,6 vs. 8,9 Monate)!

GfBK-Kommentar: Das NSCLC zählt zu den aggressivsten Krebserkrankungen, und nach dem Auftreten von Metastasen sind die Möglichkeiten von Radio- und/oder Chemotherapie sehr begrenzt. Im günstigsten Fall wird eine Lebensverlängerung um wenige Wochen erzielt. Von einer palliativen Behandlung würde man einen solchen Effekt nicht unbedingt erwarten, weshalb die Ergebnisse dieser Untersuchung bemerkenswert sind und zeigen, dass Zuwendung und Aufklärung einen lebensverlängernden Effekt haben können.
Dass sich auf eine ähnlich lange lebensverlängernde Wirkung auch die Zulassungsanträge für viele, oft kostspielige Krebsmedikamente stützen, gab übrigens selbst den Editorialistinnen Amy Kelley und Diane Meier von der Mount Sinai School of Medicine in New York zu denken.
Da die Angaben zu palliativen Therapie in der Veröffentlichung nicht sehr detailliert ausfallen, muss leider zunächst unklar bleiben, welcher Aspekt der palliativen Therapie für diese Lebensverlängerung verantwortlich gewesen ist. Eines ist aber sicher: Aggressive Therapien sind aus medizinischer Sicht am Lebensende oft unnötig, viel wichtiger ist eine dem Patienten zugewandte palliative Betreuung, die besser ist als manches Krebsmedikament.