Forschung / Studien

Ob die prophylaktische Schädelbestrahlung das Leben von Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom (SLCC) verlängern kann, wurde in einer Studie von Radioonkologen der Mayo Clinic in Scottsdale, Arizona, untersucht (Schild SE et al./Ann Oncol 2012; 23(11): 2919-2924). Dabei wurden die Daten von 318 Patienten mit ausgedehntem und von 421 Patienten mit begrenztem SLCC ausgewertet. 459 Teilnehmer hatten eine prophylaktische Schädelbestrahlung erhalten, 280 nicht. Die Bestrahlungsdosis entsprach entweder 30 Gy in 15 Fraktionen oder 25 Gy in 10 Fraktionen.
Ergebnis: Die prophylaktische Radiatio wirkte sich signifikant auf die Überlebenszeiten der Patienten aus, die Sterblichkeit sank um knapp 40%. Nach einem Jahr lebten noch 56% der bestrahlten und 32% der nicht bestrahlten Probanden. Die Anteile nach drei Jahren betrugen 18% und 5%. Dabei zeigte sich auch, dass die Ergebnisse bei 25 Gy besser als bei 30 Gy waren (die Sterblichkeit war 30% niedriger). Letzterer Effekt zeigte sich aber nur in der Gruppe der Patienten mit begrenztem Tumor.

GfBK-Kommentar: Aufgrund der insgesamt schlechten Heilungschancen und der zu erwartenden Nebenwirkungen unter Ganzhirnbestrahlung (wie Alopezie und Antriebsarmut), ist auch hier eine individuelle Entscheidungsfindung nötig. Zu berücksichtigen ist dabei vor allem die in dieser Studie gemachte Beobachtung, dass nur die Patienten von einer prophylaktischen Schädelbestrahlung profitieren, die nach Chemotherapie bzw. Bestrahlung ihres Tumors einen stabilen Krankheitszustand erreicht hatten. Aufgrund anderer Studienergebnisse sollte auch die konkrete Strahlendosis hinterfragt werden, da eine Hochdosisbestrahlung das Mortalitätsrisiko eher erhöht (Le Pechouy C et al./Lancet Oncol 2009; 10: 467-74). Weniger Bestrahlungsdosis ist hier besser.