Forschung / Studien

Peled JU, Devlin SM, Staffas A, Lumish M, Khanin R, Littmann ER et al. Intestinal Microbiota and Relapse After Hematopoietic-Cell Transplantation. Journal of Clinical Oncology 2017; 35(15): 1650-1659

Eine Forschergruppe um Dr. Jonathan U. Peled vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York untersuchte, ob bestimmte Bakterien der Darmflora den Erfolg einer Stammzelltransplantation beeinflussen können. Dazu wurden Stuhlproben von mehr als 500 Patienten auf Bakterien untersucht und die Zusammensetzung der Darmflora dokumentiert.
Die Analyse der Bakterien erfolgte über die Sequenzierung der 16S-rRNA der Keime, wodurch sich exakte Aussagen über die Art der Bakterien und deren Häufigkeit in der untersuchten Probe machen lassen. Pro Patient stand mindestens eine Stuhlprobe zur Verfügung, gewonnen innerhalb drei Wochen nach der Stammzelltransplantation. Insgesamt etwa 2300 Stuhlproben wurden analysiert. Primärer Endpunkt der Studie war die Zeit bis zum Rezidiv oder bis zum Fortschreiten der hämatologischen Grunderkrankung.
Die meisten Studienteilnehmer hatten eine akute myeloische Leukämie (36 Prozent). Knapp 32 Prozent wurden mit unveränderten Stammzelltransplantaten mit Zellen aus dem peripheren Blut oder aus dem Knochenmark behandelt und mehr als 17 Prozent mit hämatopoetischen Stammzellen aus dem Nabelschnurblut. Jeder zweite Patient, also die Mehrzahl, erhielt ein allogenes Transplantat, aus dem zuvor die T-Zellen entfernt worden waren.
Die Auswertung ergab, dass das Risiko für ein Rezidiv oder ein Krankheitsprogress am geringsten war, wenn die Stuhlproben große Mengen vom Bakterium „Eubacterium limosum“ enthielten. Mit jedem Anstieg der Bakterienzahl um das Zehnfache sank die Wahrscheinlichkeit für ein Rezidiv oder ein Krankheitsfortschreiten um 18 Prozent. Darüber hinaus hatten Patienten, bei denen dieser Keim nachweisbar war, ein um 48 Prozent verringertes Risiko, gegenüber den Patienten, bei denen der Keim nicht nachgewiesen werden konnte. Die sogenannte kumulative Zwei-Jahres-Inzidenz für Rezidive bzw. Krankheitsprogression war mit 19,8 Prozent bei Patienten mit Nachweis dieses Keimes signifikant niedriger als bei Patienten ohne solche Bakterien (33,8 Prozent).
Untersuchungen aus dem Jahr 2017 bestätigen ebenfalls die Bedeutung der Darmflora bei anderen Krebsarten und den neuen Immuntherapien. So hatte 2015 Laurence Zitvogel vom Institut de Cancérologie Gustave Roussy in Paris die Beobachtung gemacht, dass Patienten, die unter der Behandlung mit dem Checkpointinhibitor Ipilimumab eine Kolitis entwickel¬ten und mit Antibiotika behandelt wurden, eher an einem Progress erkrankten [2]. Jetzt veröffentlichte er erneut in der renommierten Fachzeitschrift Science einen Artikel über den Zusammenhang zwischen Darmflora und dem Erfolg einer Behandlung mit PD-1/PD-L1-Inhibitoren aus der Gruppe der Checkpoint-Inhibitoren. In dieser Studie bekamen 69 von 249 Patienten mit Lungen-, Nieren- und Blasenkrebs vor oder kurz nach Beginn der Krebstherapie Antibiotika. Die Patienten, die mit Antibiotika therapiert wurden, erlitten eher ein Rezidiv und verstarben frühzeitig [1]. In einer weiteren Gruppe von 239 Lungenkrebspatienten kam es ebenfalls zu frühzeitigen Rückfällen, wenn die Patienten Antibiotika erhalten hatten. Außerdem konnten die Forscher nachweisen, dass bei den Respondern häufiger das Bakterium Akkermansia muciniphila gefunden wurde.

GfBK-Kommentar: Nicht gänzlich neu ist, dass Antigene von Darmbakterien die Immunantwort modulieren können. Insofern erstaunt es nicht, dass Darmbakterien über deren Rezeptoren, mit denen das Immunsystem Bakterien erkennen kann, das Risiko für ein Rezidiv nach einer allogenen Stammzelltransplantation oder unter einer Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren beeinflussen können.
Noch unklar ist, wie genau die Darmflora mit dem Immunsystem interagiert, um Strategien entwickeln zu können, die den Erfolg der Stammzelltransplantation verbessern. Ganz klar bestätigen die Untersuchungen aber den Wert einer Darmflorauntersuchung spätestens nach abgeschlossener schulmedizinischer Therapie, um Defizite gezielt ausgleichen zu können.

Literatur:
[1] Routy B, Le Chatelier E, Derosa L, Duong CPM, Alou MT et al. Gut microbiome influences efficacy of PD-1–based immunotherapy against epithelial tumors. Science 2017; DOI: 10.1126/science.aan3706
[2] Vétizou M, Pitt JM, Daillère R, Lepage P, Waldschmitt N. Anticancer immunotherapy by CTLA-4 blockade relies on the gut microbiota. Science 2015; 350(6264): 1079-1084. DOI: 10.1126/science.aad1329