Forschung / Studien

Glioblastome sind die häufigsten und zugleich aggressivsten Hirntumoren. Die Standardtherapie besteht aus der operativen Entfernung, einer Radiochemotherapie mit Temozolomid und dem Einsatz von Kortikosteroiden. Kortikosteroide werden zur Behandlung des umgebenen Hirnödems eingesetzt. Eine Studie untersuchte nun die Bedeutung von Kortikosteroiden für das Gliomzellwachstum und das Überleben von Patienten.
Hierfür wurden Daten aus drei unabhängigen Patientenkohorten untersucht und welche Veränderungen im Laborversuch unter dem Einfluss von Steroiden auftreten. Die Ergebnisse zeigen, dass Kortikosteroide die Effektivität einer Therapie reduzieren und das Überleben von Patienten negativ beeinflussen, was auch mit einer Gensignatur korrelierte (Pitter KL et al. / Brain 2016; 139: 1458-71). Deswegen betonen die Autoren dieser Studie, dass sie alternative Konzepte für die Steroidtherapie bei Hirntumorerkrankungen für erforderlich halten. Sie weisen auch darauf hin, dass der Gebrauch an Kortikosteroiden bei Patienten, die Bevacizumab erhielten, geringer und das progressionsfreie Überleben verbessert war, nicht jedoch das Gesamtüberleben.

GfBK-Kommentar: Vor mehr als 25 Jahren wurde das Phänomen der Kortikosteroid-induzierten Apoptose erstmals an hämatologischen Zellen erkannt. In jüngster Zeit wurde die Kortikosteroid-induzierte antiapoptotische Signalisierung, die mit der Apoptose-Resistenz gegenüber der zytotoxischen Therapie assoziiert ist, in Zellen mit epithelialem Ursprung, also den meisten bösartigen soliden Tumoren, u.a. um Frau Prof. Herr aus Heidelberg, identifiziert und beschrieben (Herr I et al. / Cancer Res 2003 und Volden PA, Conzen SD / Brain, Behaviour and Immunity 2012). Neben der Hemmung der Apoptose könnte auch die bekannte Beeinträchtigung des Immunsystems unter Kortikosteroidtherapie ätiologisch bedeutsam dafür sein, dass bereits vor über 50 Jahren bei Brustkrebspatientinnen eine verstärkte Metastasierung beobachtet wurde, wenn sie Kortisonpräparate erhielten (Herr I, Pfitzenmaier J / Lancet Oncology 2006;7: 425-6). Trotz dieser Datenmengen, die sowohl pro- als auch anti-apoptotische Effekte von Kortikosteroiden zeigen, sind die klinischen Effekte noch wenig erforscht. Dies liegt auch daran, weil Kortikosteroide bei den meisten Chemotherapien als Antiemetika oder Schutz vor Organschäden eingesetzt werden und bisher keine Alternativen zur Verfügung stehen. Da diese aktuelle Studie jedoch nicht die erste ist, die Hinweise dafür liefert, dass Kortikosteroide die Effektivität einer Tumortherapie negativ beeinflussen und die Metastasierung fördern können, halten wir ein Umdenken für dringend erforderlich.
Bei Glioblastomen weiß man schon länger, dass Weihrauch eine Alternative zu Kortikosteroiden sein kann. So zeigte eine Freiburger Studie aus dem Jahr 2011, dass Hirntumorpatienten, die eine Woche lang neben der Radiotherapie das Weihrauchextrakt H15 mit 4200 mg täglich erhielten, eine deutlichere Abnahme des Hirnödems zeigten als die Patienten ohne Weihrauch. Eine weitere Beobachtung, die die Wissenschaftler machten, war das verbesserte Ansprechen des Tumors auf die Radiotherapie in der Weihrauch-Gruppe (Kirste S et al. / Cancer 2011; 117: 3788-3795).