Forschung / Studien

Für welche Therapien entscheiden sich Ärzte, wenn ihre Patienten nur noch eine limitierte Lebenserwartung haben und was bringt eine Therapie? Dieser Frage gingen Forscher der University of California in San Francisco nach und untersuchten in einer prospektiven Kohortenstudie 1360 Patienten mit Hautkrebs vom Nicht-Melanom-Typ, überwiegend Basalzellkarzinome, die im Median neun Jahre nachbeobachtet wurden (Linos E et al./ JAMA Intern Med. 2013).
Das Ergebnis der Studie ist ernüchternd: Ob ein Patient voraussichtlich bald sterben wird oder nicht, spielt für die Therapieentscheidung keine Rolle: 70 Prozent aller Tumoren wurden herausgeschnitten, 34 Prozent auf dem Wege der Mohs-Chirurgie, einem besonders belastenden Verfahren.

GfBK-Kommentar: Hautkrebs vom Nicht-Melanom-Typ muss bei älteren Menschen vor allem dann behandelt werden, wenn Beschwerden auftreten. Allerdings machen diese Tumore meistens keine Symptome, und die Fünf-Jahres-Rezidivrate liegt bei unter 4 Prozent. In dieser Studie sind jedoch 43 Prozent der Patienten mit limitierter Lebenserwartung bereits nach fünf Jahren und 77 Prozent nach zehn Jahren gestorben; kein einziger durch den Hautkrebs. In der Gruppe mit längerer Lebenserwartung waren es 11 bzw. 33 Prozent. Die Autoren der Studie plädieren daher dafür, die Gesamtprognose des Patienten und die ihm vermutlich noch verbleibende Lebenszeit stärker in die Therapie-Entscheidungen einzubeziehen. Wir sind der Ansicht, dass dies nicht nur für Basaliome, sondern auch für alle anderen Tumorarten gelten sollte. Allzu oft schildern Patienten, dass diese selbst noch in hohem Alter zu aggressiven Therapien gedrängt würden. Vielleicht hilft hier die Definition der Autoren weiter, wann eine limitierte Lebenserwartung vorliegt, und zwar betraf dies Patienten älter als 85 Jahre oder einem Komorbiditätsindex nach Charlson von 3 oder höher. Untätig zu sein ist hier meistens besser als alle Behandlungsoptionen auszuschöpfen.