Forschung / Studien

Aykut B, Pushalkar S, Chen R et al. The fungal mycobiome promotes pancreatic oncogenesis via activation of MBL. Nature 2019; 574: 264–267. doi:10.1038/s41586-019-1608-2

Eine neue Studie von US-Forschern hat herausgefunden, dass sich bestimmte Pilze und Bakterien in dem Pankreas ansiedeln, wo sie das Wachstum von Tumoren ankurbeln können. Bis vor wenigen Jahren galt die Bauchspeicheldrüse noch als steril. Umso mehr überraschte es nun, dass bestimmte Mikroorganismen durch den Schließmuskel des Ductus pancreaticus gelangen können und bis in die Pankreasregion eindringen können. Mit Hilfe eines fluoreszierenden Farbstoffes konnte dies an Mäusen nachgewiesen werden. Dabei unterschieden sich die Pilztypen, die in den Pankreas gelangten, von denen, die den Darm besiedelten. Dies betraf vor allem eine bestimmte Pilzart, Malassezia, die nicht nur sehr häufig in Mäusen mit Pankreastumoren vorkam, sondern auch in Proben von Pankreaskarzinompatienten. Eine Behandlung mit dem Breitspektrum-Antimykotikum Amphotericin B beseitigte bei den Mäusen nicht nur die Pilze, sondern reduzierte auch das Gewicht der Tumore. Eine erneute Infektion hingegen beschleunigte im Vergleich zu einer Kontrollgruppe das Wachstum der Tumore um 20 Prozent. Dies ist ein Hinweis darauf, wie Faktoren in der „Mikroumgebung“ eines Tumors die Entwicklung von Tumoren beeinflussen können. "Wir müssen nicht mehr nur an Tumorzellen denken, sondern an die gesamte Nachbarschaft, in der der Tumor lebt", sagte dazu Dr. Brian Wolpin vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston.

GfBK-Kommentar: Die vorliegenden Ergebnisse der Forschergruppe sprechen dafür, dass eine Infektion mit bestimmten Pilzen ein wichtiger Cofaktor bei der Entstehung von Pankreaskarzinomen sein könnte.
In anderen Tier­versuchen dieser Forschergruppe zeigte sich übrigens auch, dass Bakterien eine ähnliche Rolle spielen. Am häufigsten wurden hier Proteobakterien, Actinobakterien und Fuso­bakterien gefunden. Die Konzentrationen im Tumorgewebe waren teilweise mehr als tausend­fach höher als im Rest des Pankreas. Dies konnte in Gewebeproben von Krebspatienten ebenfalls nachgewiesen werden. Einen ähnlichen Effekt wie bei den Pilzen erzielte eine Antibiotikatherapie der Tiere. Die Tumore schrumpften laut Studienleiter George Miller um 50 Prozent.
Vieles, vor allem die therapeutischen Konsequenzen, die sich daraus ableiten könnten, sind noch unklar. So vermuten die Forscher, dass die Bakterien eine Hemmung der Immunantwort über eine vermehrte Expression des Rezeptors PD-1 bewirken, was wiederum für den Einsatz von Checkpoint-Inhibitoren sprechen würde.
Allerdings sind Antibiotika bei Checkpoint-Inhibitoren nicht unumstritten, da eine propylaktische Behandlung mit Breitbandantibiotika in einer Studie die Effektivität einer Krebsbehandlung mit Checkpoint-Inhibitoren deutlich verschlechterte
[1].
Inwieweit eine Bestimmung der Pilzpopulation in der Bauchspeicheldrüse und eine damit einhergehende antibiotische oder antimykotische Eradikation in Kombination mit einer Darmflorasanierung hilfreich sein könnte, bedarf ebenfalls der Abklärung durch weitere Studien.
Das bedeutet aber auch, dass man vorbeugend schon jetzt viel tun kann, um das Millieu und die Immunabwehr im Bereich das Darms zu stärken, und zwar mit einer ballaststoffreichen und vielseitigen Ernährung mit einem hohen Anteil an Obst und Gemüse, Omega-3-Fettsäuren und dem regelmäßigen Verzehr probiotischen Lebensmitteln wie Kefir, roter Bete oder fermentierten Speisen.

Literatur:
[1] Pinato DJ, Howlett S, Ottaviani D, et al. Association of Prior Antibiotic Treatment With Survival and Response to Immune Checkpoint Inhibitor Therapy in Patients With Cancer. JAMA Oncol. 2019. doi:10.1001/jamaoncol.2019.2785