Forschung / Studien

Das metastasierende Pankreaskarzinom hat eine äußerst schlechte Überlebensrate. In einer Studie wurde untersucht, ob durch das Hinzunehmen neuer zytostatischer Substanzen eine Verbesserung der Überlebenszeit erzielt werden kann (Conroy T / NEJM 2011). Dabei wurden 342 Patienten randomisiert zwei Therapiearmen zugeteilt. Im einen Therapiearm wurde die Therapie mit dem bisher üblichen Zytostatikum Gemcitabin durchgeführt, im anderen Therapiearm wurde die Dreierkombination „Folfirinox" mit 5-FU, Irinotecan und Oxaliplatin verabreicht.
Ergebnisse: Die Gesamtüberlebenszeit war in dem Therapiearm mit Folfirinox um 63% erhöht. Zu einem bestimmten Prüfungszeitpunkt waren im Folfirinox-Arm 48,4%, im Gemcitabin-Arm hingegen 20,6% der Patienten am Leben. Schaut man sich jedoch die absoluten Zahlen an, so relativiert sich dieser Therapieeffekt. So betrug die mittlere Überlebenszeit im Folfirinox-Arm 6,8, im Gemcitabin-Arm 11,1 Monate, was einen Unterschied von 4,3 Monaten ausmacht. Der Zeitpunkt, zu dem der große Überlebensunterschied von 48 gegenüber 21% zu beobachten war, war ein Jahr nach Beginn der Therapie. Nach 3 Jahren zeigten sich in beiden Therapiearmen jedoch absolut gleiche Überlebensraten: so waren dann noch exakt je zwei Patienten von ursprünglich je 171 Patienten am Leben.

GfBK-Kommentar: Die vermeintlich bessere Therapie mit Folfirinox zeichnet sich durch ein deutlich höheres Nebenwirkungspotential aus, mit zum Teil schwerwiegenden Nebenwirkungen, z. B. gefährliche Neutropenien, Erbrechen, Durchfall und Erschöpfung. Dennoch wirbt die Industrie mit dieser Therapie, da sich die neuen Zytostatika zu wesentlich höheren Kosten verkaufen lassen können. Hier kann unser Ratschlag daher nur lauten: Seien Sie kritisch gegenüber relativen Zahlen und lesen Sie die Original-Studien. Nur so kann den Patienten ein wirklich objektives Bild der Erfolgschancen vermittelt werden.
Aktuelle Studienergebnisse der Universität Greifswald (CARPAN-Studie) zeigen übrigens auch, dass bei Patienten mit Pankreaskarzinom die orale Gabe von L-Carnitin nicht nur die Lebensqualität verbessert, sondern auch zu einer deutlichen Verlängerung der Überlebenszeit führen kann. Zwar erreichten die Daten in dieser Studie keine eindeutige Signifikanz, sind aber laut der Forschergruppe mit dem Ergebnis einer Chemotherapie vergleichbar und dieser zum Teil sogar überlegen.