Forschung / Studien

Eine randomisierte Studie (Holmberg et al. / N Engl J Med 347, 2002) beschäftigt sich mit einer der wichtigsten Frage in der Behandlung des Prostatakarzinoms: Ist eine radikale Prostatektomie sinnvoll oder sollte man ein „watchful waiting“ ohne Behandlung vorziehen, um dem Patienten die Komplikationen dieses Eingriffs zu ersparen. 695 Patienten wurden mit Tumoren im Stadium T1b, T1c oder T2 untersucht. Es zeigte sich, dass die radikale Prostatektomie die krankheitsbedingte Sterblichkeit reduzierte, allerdings keinen Einfluss auf die Gesamtüberlebenszeit hatte. Insgesamt war die Zahl der Prostatatodesfällle gering: 16 von 347 (4,6%) im Interventionsast und 31 von 348 Patienten (8,9%) in der Kontrollgruppe.

GfBK-Kommentar: Ein abwartendes Verhalten, das sog. „Watchful waiting” wird vor allem bei gut differenzierten und kleinen Prostatakarzinomen, insbesondere bei Männern mit einer Lebenserwartung von weniger als 10 Jahren in Betracht gezogen. Die Studienergebnisse machen Hoffnung, dass bestimmten Patientengruppen eine radikale Prostatektomie erspart werden kann. Aufgrund des mittleren Follow-up's von 6,2 Jahren kann allerdings anhand der bisherigen Ergebnisse nicht beurteilt werden, wie sich das im Interventionsast festgestellte leicht geringere Risiko für Fernmetastasen in der Überlebenszeit langfristig auswirkt. Männer über 70 Jahren sollten grundsätzlich nicht mehr radikal prostatektomiert werden, da kein Überlebenszeitgewinn besteht. Bei jüngeren Männern bietet die Operation Chance auf Heilung.