Forschung / Studien

Dass es unter Antiandrogentherapie bei bestimmten Risikogruppen vermehrt zu kardialen Ereignissen kommt, bestätigt nun eine Studie mit Daten von 5077 Männern und cT1c-T3N0M0-Tumoren, von denen 30 Prozent neoadjuvant mit GnRH-Agonisten vor einer Brachytherapie behandelt wurden (Ziehr D et al. / Urological Oncology 2014).
Insgesamt ließ sich unter der Androgen-Deprivation keine Häufung von kardial bedingten Todesfällen beobachten. Anders war dies jedoch bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder einem Herzinfarkt vor Studienbeginn: Hier lag die Sterberate mit Hormonentzug bei sieben Prozent und ohne bei zwei Prozent.
Ist der Androgenentzug wirklich ursächlich beteiligt, muss nach Berechnungen der Forscher innerhalb von fünf Jahren mit einem zusätzlichen Herztodesfall gerechnet werden, wenn 20 Patienten mit Herzinsuffizienz oder Herzinfarkt eine Antiandrogentherapie erhalten.
Der Großteil der Prostatakrebspatienten muss sich jedoch unter Antiandrogentherapie keine Sorgen machen. Zur Risikogruppe gehörten in dieser Studie nur etwa 5 Prozent.

GfBK-Kommentar: Da die Ergebnisse in dieser Studie nur knapp signifikant waren, sind die Resultate mit Vorsicht zu betrachten. Außerdem waren die Patienten, die eine Antiandrogentherapie erhielten, älter, was einen Selektions-Bias bedeuten kann. Die Ergebnisse sollten aber dennoch Anlass geben, genauer hinzuschauen, bevor man einem Prostatakrebs-Patienten mit Niedrig-Risiko-Karzinom und einer koronaren Herzerkrankung eine antihormonelle neoadjuvante Therapie empfiehlt.