Forschung / Studien

Eine Beobachtungsstudie des Journal of National Cancer Institute (JNCI 2007; 99: 754-764), in der laut einem Kommentar des Ärzteblattes angeblich gezeigt werden konnte, dass die regelmäßige Einnahme von Multivitaminen das Risiko auf die Entwicklung eines tödlichen Prostatakarzinoms verdoppelt, fand in den Medien viel Beachtung. Von den seit 1995/95 befragten 300.000 männlichen Teilnehmern waren 10.241 zwischenzeitlich an Prostatakarzinom, 8765 an lokalisierten Tumoren und 1476 an einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom erkrankt. Interessant ist, dass bei der Auswertung von Frau Karla Lawson vom NCI die Erkrankungsraten für das lokalisierte Prostatakarzinom bei den Vitaminanwendern gar nicht häufiger waren als bei den Nichtvitaminkonsumenten, sondern nur die Inzidenzrate bei einem tödlichen Prostatakarzinom von 11,4 auf 18,9 pro 100.000 Personenjahre zunahm.

GfBK-Kommentar: Ohne Zweifel müssen wir zugeben, dass hinsichtlich der Anwendung orthomolekularer Substanzen und Nahrungsergänzungsmittel noch Vieles ungeklärt und zu untersuchen ist. Dennoch wissen wir, dass für einzelne Spurenelemente wie beispielsweise Selen und Zink oder einige Vitamine wie beispielsweise Vitamin C und E ganz eindeutige wissenschaftliche Ergebnisse vorliegen, die ihre Anwendung bei Patienten unter ärztlicher Beratung rechtfertigen.
Letztendlich ist diese Studie ein gutes Beispiel, dass man sich das Design der Studien, deren Ergebnisse und auch die verwendeten Präparate genauer anschauen muss, um daraus Schlussfolgerungen ziehen zu können. So interessierte bei der Endauswertung der Studie lediglich die Tatsache, ob die befragten Männer irgendein Multivitaminpräparat mindestens mehr als siebenmal über einen längeren Zeitraum die Woche eingenommen hatten. Außerdem wurde die Zusammensetzung und Dosierung der Multivitaminpräparate und ein Vergleich mit der Einnahme von Einzelpräparaten nicht adäquat ausgewertet. Auch die genaue Dauer der Einnahme des Multivitaminpräparates wurde nicht evaluiert. Immerhin gesteht das deutsche Ärzteblatt, das diese Studie kommentiert hat, am Ende seines Kommentars zu: das absolute Risiko ist indes gering, für bisherige Anwender besteht sicher kein Grund für übertriebene Ängste.....