Forschung / Studien

Onkologen aus Berlin und Heidelberg untersuchten, ob bei Patienten mit kolorektalen Karzinomen und Lebermetastasen eine aktiv-spezifische Immunisierung mit einer Virus-behandelten Tumorzellsuspension die Gesamtüberlebenszeit sowie die Metastasen-freie Zeit verlängert wird (Schulze / Cancer Immunol Immunther 2008). Dazu benutzten sie autologe Tumorzellen, die mit einem nicht lytischen und niedrig pathogenen Stamm des Newcastle Disease Virus (NDV) infiziert worden waren.

Im Rahmen dieser Phase-II-Studie erhielten 50 Patienten mit kolorektalen Karzinomen zusätzlich zur üblichen schulmedizinischen Therapie 2 bis 3 Wochen nach chirurgischer Entfernung der Lebermetastasen randomisiert die spezifische Vakzine intradermal in den Unterarm oder eine wirkungslose Spritze (Kontrollgruppe), wobei die Impfung danach in bestimmten Abständen mehrfach wiederholt wurde.

Zunächst war das Resultat enttäuschend: Denn nach durchschnittlich 9,5 Jahren unterschieden sich in der Studienpopulation weder die Raten der Metastasenrezidive noch das Gesamtüberleben. Betrachteten die Onkologen jedoch nur die Kolon-Ca-Patienten, kam ein deutlicher Unterschied zugunsten der Geimpften heraus: Vier von 13 Patienten (31 Prozent) starben im Studienzeitraum in der Vakzinationsgruppe, 9 von 14 Patienten (79 Prozent) in der Kontrollgruppe. Auch die krankheitsfreie Zeit war in der Verumgruppe deutlich verlängert, die metastasenfreie Überlebenszeit war ebenfalls signifikant länger. Dagegen gab es bei den 23 Studienteilnehmern mit metastasiertem Rektumkarzinom keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Warum eine unterschiedliche Wirkung der Vakzine bei beiden Tumorentitäten auftrat, konnte nicht geklärt werden.

GfBK-Kommentar: Sehr häufig sind es die Lebermetastasen, die bei Patienten mit kolorektalen Karzinomen trotz kompletter Resektion die Überlebenszeiten deutlich verkürzen. Bereits 1992 hatte Professor Volker Schirrmacher aus Heidelberg in einer Phase-II-Studie festgestellt, dass Lebermetastasen-Rezidive deutlich seltener auftraten (61 versus 87 Prozent), wenn nach der Operation eine adjuvante Immunisierung erfolgt war.

Hintergrund des Wirkungsmechanismus bei Tumorerkrankungen ist die Beobachtung, dass eine Tumorimpfung unter anderem zu einer verbesserten Interaktion zwischen Tumor- und T-Zellen führt, die zytotoxische Wirkung von T-Zellen, Makrophagen und Monozyten verstärkt und die Bildung bestimmter Zytokine auslöst.

Die beste Wirksamkeit einer Tumorimpfung kann besonders dann erreicht werden, wenn die Impfung gleich nach der Erstbehandlung, also nach der Operation erfolgt. Außerdem sind die Ergebnisse umso besser, je weniger das Immunsystem vorher durch die Zellgifte einer Chemotherapie geschädigt wurde.

Inzwischen bieten mehrere private Labors Tumorimpfungen an. Grundsätzlich kann die Impfung bei allen organbezogenen Krebserkrankungen durchgeführt werden. Voraussetzung ist, dass bei der Operation oder anderen Formen der Gewebeentnahme eine ausreichende Menge an Tumorzellen gewonnen werden kann.