Forschung / Studien

Song M, Wu K, Meyerhardt JA, Ogino S, Wang M, Fuchs C, Giovannucci E. Fiber Intake and Survival After Colorectal Cancer Diagnosis. JAMA Oncol 2018; 4(1): 71-79

Erneut gibt es Daten zur Rolle der Ernährung bei Darmkrebs. Diesmal wurde anhand von zwei prospektiven Beobachtungsstudien (der Nurses' Health Study und der Health Professionals Follow-up Study) untersucht, inwieweit eine gesunde Ernährung die Heilungschancen bei Darmkrebspatienten unterstützen kann. Dabei konnte auf Daten zu Lebensgewohnheiten und Krankheiten von 121.700 Krankenschwestern beziehungsweise 51.529 männlichen Angehörigen zurückgegriffen werden.
Nachdem die Todesfälle mit den Ernährungsgewohnheiten der Darmkrebsüberlebenden in Beziehung gesetzt wurden, ergab sich folgendes Bild: Eine ballaststoffreiche Kost war eindeutig mit einer erhöhten Überlebenschance und einem relativ um 14 Prozent verminderten Sterberisiko verbunden. Für die durch Darmkrebs bedingten Todesfälle zeigte sich im Quartil-Vergleich sogar ein um 22 Prozent verringertes Sterberisiko. Auch wenn die absoluten Zahlen niedriger ausfielen, so sprechen die Zahlen dennoch dafür, dass durch eine ballaststoffreiche Kost das Sterberisiko gesenkt wird.

GfBK-Kommentar: Studien haben bisher vor allem den positiven Effekt einer ballaststoffreichen Ernährung in der Primärprävention nachgewiesen. Hier lag in einer Analyse von 25 Studien die Risikosenkung von Darmkrebs pro pro 10 Gramm Ballaststoffe bei 10 Prozent ([6]. Diese Studie weist nun erstmals einen Effekt in der Sekundärprävention nach, und das auch dann, wenn die Patienten erst nach der Diagnose ihre Ernährung umstellten. Ein Grund mehr, nicht nur im Rahmen der Primärprävention sondern auch bereits Erkrankten eine vorwiegend pflanzlich orientierte Kost, die einen hohen Anteil an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen enthält, zu empfehlen.
Der Grund für die positive Wirkung der Ballaststoffe liegt vermutlich darin, dass diese die Karzinogene in der Nahrung binden und über eine beschleu¬nig¬te Passagezeit die karzinogene Wirkdauer verkürzen können. Außerdem führt die heute fleischreiche und ballaststoffarme Ernährung zu einer deutlichen Abnahme gesunder Darmbakterien und zur Zunahme problematischer Keime wie bestimmten Clostridien- und Bacteroidesstämmen. Diese metabolisieren primäre Gallensäuren wie Cholsäure und Chenodesoxycholsäure zu den sekundären Gallensäuren wie Desoxycholsäure und Lithocholsäure, welche mit Dickdarmkrebs in Zusammenhang gebracht werden [7].
Außerdem vermutet der deutsche Nobelpreisträger Harald zur Hausen, dass zusätzlich infektiöse Faktoren aus nicht durchgekochtem, rotem Fleisch das Risiko für Dickdarmkrebs stark erhöhen können, indem onkogene Viren den Dickdarm infizieren. Auch dies ein Grund mehr, den Fleischkonsum zu reduzieren und kein gegrilltes, innen noch rohes Fleisch zu verzehren, das nicht nur außen kanzerogen ist, sondern innen eventuell eine Virenbelastung aufweist.

Literatur:
[6] Aune D, Chan DS, Lau R, Vieira R, Greenwood DC, Kampman E, Norat T. Dietary fibre, whole grains, and risk of colorectal cancer: systematic review and dose-response meta-analysis of prospective studies. BMJ 2011; 343: d6617
[7] Horie H, Kanazawa K, Okada M, Narushima S, Itoh K, Terada A. Effects of intestinal bacteria on the development of colonic neoplasm: an experimental study. Eur J Cancer Prev 1999; 8(3): 237-45