Forschung / Studien

Ursprünglich wurde anhand der CALBG-89803-Studie bei Patienten mit Kolonkarzinom im Stadium III die Wirksamkeit einer adjuvanten Therapie mit 5-Fluorouracil/Folinsäure (5-FU/FS) alleine und 5-FU/FS plus Irinotecan verglichen. Heraus kam, dass die Wirkungen der beiden Chemotherapien sich nicht unterschieden, dafür aber unter Irinotecan mehr Nebenwirkungen auftraten (Saltz LB et al. / J Clin Oncol 2007). Aktuell wurden die Daten der CALBG-89803-Studie noch einmal untersucht, und zwar dahingehend, ob Kaffee, Tee und Koffein einen Einfluss auf die Rückfallhäufigkeit und Sterblichkeit zeigten.
Zu dieser Fragestellung lagen von 953 der 1.264 Patienten aus der CALGB-89803-Studie Daten zur Auswertung vor. Patienten, die vier oder mehr Tassen koffeinhaltigen oder koffeinfreien Kaffee pro Tag tranken, hatten im Vergleich zu Patienten ohne Kaffeekonsum ein geringeres Rückfall-/Mortalitätsrisiko. Bei Patienten, die vier oder mehr Tassen koffeinhaltigen Kaffee tranken, fiel dieses Risiko sogar noch kleiner aus. Die Risikoreduktion zeigte sich jedoch nicht für den Konsum von Tee und koffeinfreiem Kaffee. Zahlreiche mögliche Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Stadium, Art der Chemotherapie, BMI, körperliche Aktivität und Zuckerkonsum wurden in dieser Studie heraus gerechnet. Trotzdem blieben die positiven Effekte von Kaffeekonsum bei allen prognostischen Untergruppen bezüglich Rückfallrisiko und Sterblichkeit nachweisbar.

GfBK-Kommentar: Schon in anderen Studien konnte gezeigt werden, dass die Wirkung des Kaffeetrinkens früher wohl zu negativ eingestuft worden war. Inzwischen werden dem Kaffee von einigen Forschern entzündungshemmende, antioxidative sowie proapoptotische Eigenschaften zugesprochen. Zumindest konnte durch diese Studie gezeigt werden, dass Kaffee offensichtlich positive Effekte hat, auch wenn noch nicht ganz klar ist, ob die positive Wirkung auf das Colon ascendens beschränkt ist. Denn in einer japanischen Studie zeigte sich in der linken (nicht jedoch in der rechten) Kolonseite ein signifikanter Anstieg der Rezidivhäufigkeit bei allerdings nur kleiner Fallzahl (Nakamura T et al. Eur J Cancer Prev 2015). Immerhin stellt sich die Frage, ob die Ergebnisse aus dem asiatischen Raum überhaupt auf Europäer übertragbar sind, so dass es keinen Grund gibt, Darmkrebspatienten vor dem Genuss von Kaffee (am besten als Biokaffee) abzuraten. Im Gegenteil, PD Dr. Michael Fink aus Fürth stellte in einem Kommentar zur Studie die gleichzeitig provokative und ernst zu nehmende Frage „FOLFOX4 – oder 4 Tassen Kaffee?“ (Quelle: In|Fo|Onkologie 04/2016).