Forschung / Studien

In einer aktuellen prospektiven Studie wurde der Frage nachgegangen, ob Patienten mit kolorektalen Karzinomen, die unter der Therapie mit Cetuximab einen starken Abfall von Serum-Magnesiumspiegeln aufweisen, möglicherweise länger krankheitsfrei leben. Allerdings bestätigten sich die Hinweise aus früheren Studien in dieser Untersuchung nicht. Im Gegenteil: Bei den 511 Patienten mit vorbehandelten, fortgeschrittenen kolorektalen Karzinomen, die entweder „Best Supportive Care“ mit oder ohne Cetuximab erhielten, war ein Schweregrad an Hypomagnesiämie von ≥ 1 oder eine mehr als 20 %-ige Reduktion mit einem schlechteren Gesamtüberleben assoziiert (Vickers MM et al. / Ann Oncol. 2013). Dabei wurden die Magnesiumspiegel vor Therapiebeginn und an Tag 28 bestimmt. Die mittlere prozentuale Reduktion von Magnesium am Tag 28 betrug 10 % für die 260 Patienten der Cetuximabgruppe gegenüber 0 % für die 251 Patienten der Kontrollgruppe.
Auffällig war, dass auch andere Nebenwirkungen wie Dyspnoe und Anorexie bei Patienten mit einem Magnesiumabfall mehr als 20 % häufiger als bei denen mit einem geringerem Abfall auftraten. Dabei hatte das Ausmaß der Hypomagnesiämie sogar einen größeren prognostischen Wert als das Ausmaß des Hautausschlags.

GfBK-Kommentar: Eine Metaanalyse zeigte (Petrelli F et al. / Expert Opin Drug Saf. 2012), dass 36,5 Prozent aller Patienten, die aufgrund verschiedener Tumorerkrankungen Cetuximab erhalten, eine Hypomagnesiämie erleiden, davon 5,6 % vom Grad 3 bzw. 4. Die Ursache dafür ist wohl, dass in den Nieren weniger Magnesium zurückresorbiert wird, weil Cetuximab einen Magnesiumtunnel blockiert.
Der oft drastische Abfall des Serum-Magnesiums unter Cetuximab hatte in der obigen Studie von Vickers MM et al. ein deutlich schlechteres Gesamtüberleben zur Folge. Unklar ist allerdings, ob ein Anheben des Magnesium-Spiegel diesen Effekt wieder umkehren kann. In jedem Fall lohnt es sich aber, bei Patienten, die Cetuximab erhalten, den Magnesium-Spiegel im Auge zu behalten. Dies gilt übrigens auch für Patienten, die Cisplatin erhalten und bei denen nicht selten Magnesiummangeltetanien auftreten können.