Forschung / Studien

Die wichtige Frage, ob nach einer neoadjuvanten Behandlung eines Rektumkarzinoms eine adjuvante Therapie erfolgen sollte, kann mit einem NEIN beantwortet werden. Dies bestätigen die 10-Jahres-Daten der randomisierten EORTC-22921-Studie (Bosset J-F/Lancet Oncol 2014), in der 1.011 Paltienten mit resezierbarem Rektumkarzinom im Stadium T3 oder T4 entweder präoperativ eine Radiotherapie (45 Gy) mit oder ohne parallele Chemotherapie als neoadjuvante Therapie erhielten. Außerdem wurde postoperativ entweder eine adjuvante Chemotherapie durchgeführt oder nur beobachtet. Die Chemotherapie bestand aus 350 mg/m2 Fluorouracil sowie 20 mg/m2 Folinsäure pro Tag, beides als i. v. Bolus. Die neoadjuvante Chemotherapie wurde in zwei Zyklen während der Wochen 1 und 5 der Radiotherapie verabreicht; die adjuvante Chemotherapie in vier Zyklen im Abstand von drei Wochen.
Das Ergebnis nach median 10,4 Jahren: Das Gesamtüberleben war bei 49,4 % in der Gruppe ohne und bei 50,7 % mit neoadjuvanter Chemotherapie, nach adjuvanter Chemotherapie waren es 51,8 % und ohne adjuvante Chemotherapie 48,4 %. Diese zeigte sich auch darin, dass das Auftreten für ein Lokalrezidiv unter Chemotherapie zwar etwas reduziert wurde, nicht aber das Auftreten von Fernmetastasen. Auffällig war, dass die Patientengruppen in puncto Lokalrezidiv und Metastasen am schlechtesten abschnitten, die nur eine präoperative Strahlentherapie ohne gleichzeitige Chemotherapie erhalten hatten.
GfBK-Kommentar: Auch wenn Kritiker bemerken werden, dass die adjuvante Therapie nicht mehr unbedingt dem heutigen Standard entspricht (heutzutage wird meistens noch aggressiver, nämlich mit Oxaliplatin behandelt), sind die Ergebnisse eindrucksvoll und zeigen wieder einmal, dass mehr Therapie nicht zwangsläufig auch mehr Nutzen für den Patienten bedeutet. Im Gegenteil, eine adjuvante Chemotherapie nach neoadjuvanter Radiotherapie (mit oder ohne Chemotherapie) beeinflusst das krankheitsfreie und das Gesamtüberleben nicht.