Forschung / Studien

Dass Frauen, die sich viel körperlich bewegen, nur halb so häufig an der Brustkrebs-Diagnose versterben, haben aktuelle Studien klar gezeigt. Doch offenbar kann moderater Sport auch die Überlebenschancen von Männern mit Darmkrebs verbessern, berichten US-Forscher aus Boston (Meyerhardt et al./Arch Intern Med 2009).
Dabei wurde der Krankheitsverlauf bei knapp 670 Männern ohne Metastasen aus der Health Professionals Studie anhand eines Follow-Ups über eine Zeit von im Mittel 8,6 Jahren analysiert. Außerdem wurde mithilfe von Fragebögen bestimmt, wie viel Sport die Männer nach der Krebsdiagnose durchführten. Daraus ermittelten die Forscher das metabolische Äquivalent (MET). Ein MET entspricht dabei dem Energieverbrauch von einer Kilokalorie je Kilogramm Körpergewicht pro Stunde.
Das Ergebnis: Von den Männern ohne jegliche körperliche Aktivität (weniger als 3 MET-Stunden pro Woche) starben etwa 17 Prozent an Darmkrebs, von den Männern mit mehr als 27 MET-Stunden pro Woche waren es dagegen nur 9 Prozent. 27 MET-Stunden entsprechen dabei etwa vier bis fünf Stunden gemütlich Radeln oder Schwimmen in der Woche. Wurden Faktoren wie Tumorstadium, Alter und Krankheitsdauer berücksichtig, so war bei den sportlich Aktiven die tumorbedingte Sterberate um 53 Prozent reduziert, und die Gesamtsterberate war um 41 Prozent niedriger als bei den trägen Darmkrebskranken.
Auch hier vermuten die Forscher ebenso wie bei Brustkrebs, dass kolorektale Tumore insulinabhängig wachsen. Sport reduziert dabei offenbar die Insulinkonzentration und damit auch potentielle Wachstumsfaktoren wie z.B. den Insulin-like-growth-factor (IGF) im Gewebe.

GfBK-Kommentar: Diese Studie zeigt wieder einmal, dass nicht immer Medikamente notwendig sind, um die Überlebenschancen zu verbessern. Zum Vergleich: Eine adjuvante Behandlung mit einer nebenwirkungsreichen Chemotherapie erreicht bei Darmkrebspatienten gerade mal einen Überlebensvorteil von maximal 20 Prozent. Daher ist die Empfehlung, als Krebspatient regelmäßig Sport zu treiben eine sinnvolle Ergänzung und sogar noch besser wirksam als die herkömmliche Krebstherapie. Allerdings sollten die Patienten darauf achten, das richtige Maß zu halten und ihre Kräfte nicht zu überschätzen: 4 Stunden moderate Bewegung in der Woche reichen aus, um oben genannte Effekte zu erzielen.