Forschung / Studien

In einer prospektiven Studie aus den Niederlanden konnte gezeigt werden, dass es bei Patienten mit Rektumkarzinom sicher ist, auf eine Operation zu verzichten, wenn mit einer neoadjuvanten Radiochemotherapie der Tumor vollständig zum Verschwinden gebracht werden konnte (Maas M/J Clin Oncol 2011).
Dabei behandelte die niederländische Forschergruppe 192 Patienten mit lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom mit einer Radiochemotherapie. 21 Patienten, bei denen klinisch keine Tumorreste mehr nachweisbar waren (klinisch komplettes Ansprechen, cCR), wurden der Wait-and-See-Gruppe zugeteilt. Als Kontrollgruppe dienten Patienten, bei denen nach der Radiochemotherapie wegen Verdachts auf einen Resttumor eine Standardoperation durchgeführt worden war, wobei auch hier nach der Operation histologisch kein Resttumorgewebe mehr nachweisbar war (pathologisches komplettes Ansprechen, pCR).
Bei allen Patienten wurden zur Nachkontrolle alle drei bis sechs Monate ein Kernspin, eine CT-Untersuchung sowie eine Endoskopie durchgeführt. In der cCR-Gruppe trat während der Nachbeobachtung von 25±19 Monaten bei einem Patienten nach 22 Monaten ein lokales Rezidiv ohne Lymphknotenbeteiligung auf, das nachfolgend operiert wurde. Damit lag die kumulative Wahrscheinlichkeit für ein krankheitsfreies 2-Jahres-Überleben in der cCR-Gruppe bei 89 %, für das 2-Jahres-Gesamtüberleben bei 100 %.
In der Kontrollgruppe starben zwei Patienten, einer nach einem Jahr infolge operationsbedingter Komplikationen, der zweite nach fünf Jahren aufgrund einer Metastasierung. Bei keinem der 20 Patienten trat innerhalb von 35±23 Monaten der Nachbeobachtungszeit ein lokales Rezidiv auf. Die kumulative Wahrscheinlichkeit des krankheitsfreien 2-Jahres-Überlebens lag bei 93 %, für das Gesamtüberleben bei 91 %.
Vorteil für die cCR-Gruppe: Zehn der 21 Patienten hatten endständige Tumoren, die eine permanente Kolostomie erfordert hätten. Durch die abwartende Strategie konnte dies den Patienten erspart bleiben. Erwartungsgemäß traten bei deutlich mehr (nämlich 35 %) Patienten der pCR-Gruppe Operationskomplikationen auf. Außerdem klagten deutlich mehr Patienten der pCR-Gruppe über funktionelle Einbußen in puncto Darmentleerung.

GfBK-Kommentar: Diese Studie unterstreicht den Nutzen der sog. Wait-and-See-Strategie bei Rektumkarzinom-Patienten; ein Vorgehen, das bisher nur bei Prostatakarzinomen angewandt wird. Insbesondere da durch den Verzicht auf eine Operation den Betroffenen unangenehme Begleitfolgen erspart werden und sich keine Unterschiede im Gesamtüberleben zeigten, halten wir es für wichtig, zukünftig bei cCR-Patienten auch an diese Option zu denken. Außerdem wäre es wünschenswert, weitere Studien, die die Patienten länger als zwei Jahre nachbeobachten, zu initiieren.