Antihormonelle Therapien

Brusttumore aber auch Prostatatumore können in ihrem Wachstum durch körpereigene Hormone (vor allem Östrogene) gefördert werden. Das kann eine Anti-Hormon-Therapie verhindern.
Das Prinzip bei Brustkrebs: Die Brustdrüsenzellen tragen auf der Oberfläche Rezeptoren, mit denen sie die von den Eierstöcken produzierten Östrogene einfangen. Um das zu verhindern, werden hormonähnliche Substanzen (z. B. „Tamoxifen“) verabreicht, die sich ebenfalls an den Rezeptoren festsetzen und diese blockieren. Die körpereigenen Östrogene können dann nicht mehr wirksam werden. Bei Frauen nach den Wechseljahren wird diese Therapie mit neuen Wirkstoffen, den sogenannten Aromatasehemmern (wie „Aromasin“, „Letrozol“, „Anastrozol“ oder „Exemestan“) im Wechsel mit Tamoxifen eingesetzt. Die Aromatasehemmer verhindern die Bildung körpereigener Östrogene.

Dem geringen Therapieeffekt (9% Reduktion der Brustkrebssterblichkeit und 13,4% des Rückfallrisikos, aus: Möbis V/In Kreienberg R et al: Management des Mammakarzinoms. Springer 2002) sind Nebenwirkungen (klimakterische Beschwerden) und potentielle Risiken insbesondere bei der Gabe von Tamoxifen (Thromboembolien, Endometriumkarzinom, Leberschäden, Augenschäden) entgegenzusetzen, deren langfristige Folgen schwer abzuschätzen sind. Auch bei Aromatasehemmern kann es zu Nebenwirkungen kommen. Bedeutend sind hier das Auftreten von Knochen –und Gelenkschmerzen sowie die Abnahme der Knochendichte.

Außerdem ist nicht eindeutig geklärt, wie das Problem der Gewöhnung und damit Nichtwirksamkeit (sog. Resistenz) einer antihormonellen Therapie einzuschätzen ist. Man weiß aber inzwischen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tumor hormontherapieresistent wird, im Laufe der antihormonellen Behandlung kontinuierlich zunimmt.

Durch Bestimmung eines bestimmten Enzyms, dem CYP2D6, kann man feststellen, ob Tamoxifen in der Leber überhaupt zum aktiven Stoffwechselprodukt umgewandelt und damit wirksam werden kann. Ein Bluttest (AmpliChip® CYP450) kann darüber Auskunft geben und wird in Laboren durchgeführt, die auf humangenetische Analysen spezialisiert sind. Bei nachgewiesener Behandlungs-Resistenz werden die Kosten häufig von den Krankenkassen übernommen.

GfBK-Info: Antihormonelle Therapie

Antikörper-Therapien

Viele neue Therapieformen wie z.B. Antikörper, die bei Tumoren der Lunge, des Darms oder der Brust eingesetzt werden können, haben völlig andere Nebenwirkungen als chemotherapeutisch wirksame Substanzen und sind keineswegs immer als harmlos zu betrachten. So kann es je nach Medikament zu lästigen Hautreaktionen, aber auch zu Herzschädigungen oder Schädigungen des Darms kommen. Herceptin zum Beispiel, das bei einer bestimmten Art von Brustkrebs eingesetzt wird, löst bei jeder 200. Patientin Herzprobleme aus, angefangen mit Herzkreislauf-Reaktionen bis hin zu seltenen Infusionsreaktionen.

Es zeigt sich zunehmend, dass auch bei diesen Therapieformen eine individuelle Abwägung unerlässlich ist. Denn: noch ist unklar, ob sich mit diesen neuen meist teuren Substanzen wirklich eine Verbesserung des Gesamtüberlebens erreichen lässt.

GfBK-Kurzinfo: Herceptin

Bisphosphonate

Bisphosphonate sind Medikamente, die zur Behandlung von Osteoporose und darüber hinaus zur Behandlung von Knochenmetastasen eingesetzt werden. Seit einiger Zeit wird diskutiert, ob die Behandlung mit Bisphosphonaten auch vorbeugend, insbesondere bei Brustkrebspatienten wirksam ist. Nach einer aktuellen Metaanalyse der Early Breast Cancer Trialists' Collaborative Group (EBCTG), veröffentlich im Lancet 2015, konnte das Risiko für Knochenmetastasen um 2,2 Prozent (6,6 gegenüber 8,8 Prozent) und die Brustkrebssterblichkeit um 3,3 Prozent (14,7 gegenüber 18,0 Prozent) reduziert werden. An den Studienergebnissen sieht man, dass der Einfluss marginal ist und vor allem das Verhindern von Knochnemetastasen betrifft. Auf Lokalrezidive hatten Bisphosphonate keinen Einfluss. Außerdem zeigte sich in der aktuellen Metaanalyse: Bei Frauen vor den Wechseljahren waren Bisphosphonate nutzlos. Lediglich bei Frauen nach den Wechseljahren zeigten sich oben genannte Einflüsse auf Knochenmetastasen und Brustkrebssterblicheit.

Allerdings sind Bisphosphonate nicht ohne Nebenwirkungen: So können Knochenschmerzen, Gelenkschmerzen oder Fieber auftreten. In seltenen Fällen (5-10 %) können Bisphosphonate sogar Knochenentzündungen und -defekte im Kieferbereich hervorrufen. Außerdem stehen sie im Verdacht Krebs der Speiseröhre und atypische Knochenbrüche auszulösen. Daher gilt auch hier: die Entscheidung immer individuell abzuwägen bzw. vor Beginn einer Bisphosphonattherapie in jedem Fall eine zahnärztliche Untersuchung und Sanierung durchführen zu lassen.

GfBK-Kurzinfo: Bisphosphonate