2019 Goluecke 150Als Käthe Golücke (Jahrgang 1981) im Juni 2014 die Diagnose eines Hodgkin-Lymphoms erhält, hat sie bereits eine Odyssee hinter sich. Schon über ein Jahr zuvor sendet ihr Körper ihr eine Vielzahl an Symptomen, die sie zahlreichen Ärzten schildert, ohne dass ein eindeutiger Befund erhoben werden konnte. Fast mit Erleichterung nimmt sie die Diagnose auf. Und mit festem Willen gestaltet sie selbst ihren dann folgenden Genesungsweg.   

Die Geschichte, die ich hier erzählen möchte, beginnt im November 2014. Zu dieser Zeit hatte ich gerade eine Chemotherapie scheinbar erfolgreich hinter mich gebracht. Ich war dem Rat der Ärzte gefolgt und hatte den schulmedizinischen Behandlungsweg durchschritten. Das Ergebnis war gut. Allerdings war ich durch die Nebenwirkungen der Chemotherapie stark gezeichnet. Dennoch: Das Thema Krebs sollte nun der Vergangenheit angehören.

Das Rezidiv

Februar 2015. Seit einigen Wochen hatte ich erneute Symptome wahrgenommen, die ich von meiner ersten Erkrankung kannte und die mit dem Rückgang des Krebses im Therapieverlauf verschwunden waren. Konnte es sein, dass sich die Krankheit zurückmeldete? Nun stand die erste reguläre Kontrolle bevor. Das CT zeigte vergrößerte Lymphknoten. Die Ärzte erklärten, dies sei als Folge der Chemo noch im normalen Rahmen. Zur Sicherheit veranlasste der mich behandelnde Onkologe ein bildgebendes Verfahren (PET-CT) zur Überprüfung. Bei diesem zeigte sich – nur drei Monate nach der (nun muss ich sagen mehr oder weniger erfolgreichen) Chemotherapie – dass ich ein schnell wachsendes Frührezidiv (eine Rückkehr des Krebses) mit Knochenbefall im 4. Stadium hatte. Die Ärzte gaben mir noch drei bis fünf Monate zu leben, wenn ich nicht schnellstens eine Doppelhochdosischemotherapie mit Stammzelltransplantation beginnen würde. Aber ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht von den Folgen der ersten Chemotherapie erholt. Unvorstellbar für mich, gleich die nächste zu beginnen. Ich hatte mehr Angst vor der Behandlung als vor der Krankheit und durch das frühe Rezidiv wenig Vertrauen in einen langfristigen Erfolg einer erneuten Chemotherapie. Es musste einen anderen Weg geben. Diesen wollte ich suchen.

In den nächsten Tagen holte ich Zweit- und Drittmeinungen bei Onkologen ein. Parallel versuchte ich, einen Arzt zu finden, der bereit sein könnte, mich auf einem alternativen Weg zu begleiten. Alles war entmutigend. Ich wurde wie eine lebensmüde Spinnerin behandelt. Aber ich hatte bereits gemeinsam mit einer Freundin, die ebenfalls von den Selbstheilungskräften des Körpers überzeugt war, einen Plan geschmiedet, den ich umsetzen wollte. Über eine Empfehlung kam ich zu einem komplementärmedizinisch ausgerichteten Arzt. Zwar empfahl auch er mir den schulmedizinischen Behandlungsweg, aber er sagte etwas, das für mich ein Leitsatz werden sollte: „Sie müssen sich Ihr Leben anschauen! Irgendetwas muss in Ihrem Leben oder Ihrer Lebensweise sein, das wie eine Sollbruchstelle in Ihrer Gesundheit ist. Sie haben so eine starke Chemotherapie bekommen, und trotzdem sind Sie nach drei Monaten wieder voller Krebs inklusive Knochenbefall.“ Er schickte uns weiter zu einem Professor in Bonn. Zwar war dieser abwesend, doch konnte ich einen baldigen Termin vereinbaren.

Mein Konzept

Mein Plan war es, möglichst viele Aspekte zu berücksichtigen, um meinen Körper wieder ins Gleichgewicht zu bekommen. Neben mehr Achtsamkeit und einer Entschleunigung meines Lebens stand aber vor allem mein Säure-Basen-Haushalt im Mittelpunkt. Die Basis bildeten dabei die Erkenntnisse von Otto Warburg, gepaart mit einer strikt veganen, rohköstlichen, chlorophyllhaltigen Ernährung ohne Zucker und Kohlenhydrate.

Bereits vor rund 100 Jahren hatte Otto Warburg herausgefunden, dass Krebs in einem basischen, möglichst sauerstoffreichen Milieu eine deutlich schlechtere Lebensgrundlage vorfindet. Für seine Forschungen wurde er sogar mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Ich machte mir seine Erkenntnisse zunutze und baute mein Konzept darauf auf: Ich nahm Rizolöl zur Erhöhung der Sauerstoffsättigung und Kaiser-Natron zur Anhebung des PH-Wertes. Das Kaiser-Natron vermengte ich mit Zuckerrohrmelasse, um es als „trojanisches Pferd“ direkt in die Krebszelle zu schleusen. Diese Methode, die sich den Zuckerhunger des Krebses zu eigen macht, wurde ebenfalls von Otto Warburg entdeckt und wird noch heute in der Schulmedizin bei der Erstellung von PET-CTs (zur Diagnose) angewandt.

21. März 2015. Zwar hatte ich noch keine Entscheidung getroffen, aber mein Bauchgefühl sträubte sich gegen den empfohlenen Weg der Ärzte. Alle Ratschläge und Arztmeinungen sprachen gegen meinen Plan. Da ich ein Mensch der Optionen bin, ließ ich erneut eine Knochenstanze für eine mögliche Chemotherapie erstellen. Während ich auf meine Besprechung wartete, kam mein behandelnder Arzt und gab mir ein 58-seitiges Dokument, das an diversen Stellen mit farbigen Zetteln markiert war, mit den Worten: „Wenn Sie an den markierten Stellen unterschreiben, dann können wir am Montag direkt anfangen.“

Ich saß in einem überfüllten Wartezimmer und hatte noch geschätzte 10 Minuten Zeit bis zu meinem Termin. Dieser Umstand gab mir keine Chance, das Dokument durchzulesen, geschweige denn alles zu verstehen. Ich war schockiert darüber. Ich teilte meinem Arzt im Gespräch mit, dass ich solch eine Entscheidung nicht treffen könne, ohne alle Risiken zumindest theoretisch berücksichtigt zu haben. Ich ließ die Knochenstanze über mich ergehen, nahm die Unterlagen anschließend mit nach Hause und vereinbarte, aufkommende Fragen am Montag bei meiner stationären Aufnahme durchzusprechen. Denn immerhin ging es in dem Dokument auch darum, dass die Behandlung selbst ein eigenes Sterberisiko mit sich brachte. Dieses Gespräch war ein weiterer Schlüsselmoment für mich, der zeigte, dass eine Chemotherapie nicht der richtige Weg für mich war.

Zu Hause angekommen, waren schon Freunde und Familie da, um mir beim Umzug zu helfen, der an dem Tag stattfinden musste. Wir ackerten den ganzen Tag, was mit einem gestanzten Beckenkamm nicht sehr spaßig ist. Da ich nicht wusste, wie die Zukunft für mich werden sollte, nahm ich meinen Auszug zum Anlass, am Abend eine ordentliche Abschiedsparty zu geben. Wovon genau, das wusste ich selbst nicht so recht. Ich genoss das Fest, merkte aber auch, dass der Krebs mir so massiv die Luft nahm, dass mich der Abend sehr anstrengte.

22. März 2015. Mit Luftnot wachte ich auf. Ich kannte das Gefühl, das durch den schnell wachsenden Tumor im Brustkorb hervorgerufen wurde. Genau dieser Moment war es, welcher der Startschuss für meinen alternativen Weg sein sollte. Nur wenige Menschen in meinem Umfeld konnten mich verstehen. Ich setzte mir eine Frist von vier Wochen und begann meine „Therapie“. Sonntagabend, nach zwei Tagen Salat, Smoothies, Tee und stillem Wasser, war ich überzeugt, dass dieser Weg eine Chance verdient hat. Ich rief beim Casemanagement des Krankenhauses an und stornierte per Nachricht auf dem Anrufbeantworter mein für den nächsten Tag gebuchtes Zimmer auf der Station und damit auch die Chemotherapie. Mit großartiger Unterstützung brachte ich die ersten Tage hinter mich und fühlte mich schon nach gut einer Woche deutlich besser. Vor allem die Freundin, die mich schon während der Planung zu diesem Weg ermutigt hatte, half mir dabei sehr. Dennoch war ich weiterhin auf der Suche nach begleitender ärztlicher Unterstützung, sollte diese aber zur Halbzeit meiner 4-Wochen-Frist finden.

31. März 2015. Zehn Tage nach dem Start meines Experiments trug ich meinen Plan dem Professor in Bonn vor. Obwohl auch er als Schulmediziner den Weg der Chemotherapie als Weg der ersten Wahl empfahl, diskutierte er meine Überlegungen auf Augenhöhe mit mir. Er überraschte mich mit einer Aussage, die mich in meinem Plan bestärkte: „Wissen Sie, wir wissen nicht, wo Krebs herkommt, und es wäre anmaßend zu sagen, dass er genau deswegen nicht auch wieder weggehen könnte, wenn man seinem Körper hilft. Eine Therapie kann nur erfolgreich sein, wenn der Patient diese mit Überzeugung macht. Wenn Sie von der Chemotherapie nicht überzeugt sind, machen Sie das, was Sie mir gerade erzählt haben, weiter. Aber lassen Sie in 4–6 Wochen ein CT machen, um den Verlauf zu kontrollieren. Die Chemotherapie ist so stark, dass sie auch wirkt, wenn sie erst in ein paar Wochen anfangen. Wenn sie dann nicht wirkt, dann hätte sie es wahrscheinlich auch nicht getan, wenn Sie jetzt damit begonnen hätten.“ Diese Sätze beflügelten und motivierten mich.

16. April 2015. Mitte April hatte ich einen Termin in der Klinik. Doch statt auf den mir vertrauten Onkologen zu treffen, mit dem ich nur 5 Tage zuvor persönlich den Termin vereinbart hatte, erwartete mich dort dessen Nachfolger. Der neue Arzt redete auf mich ein, dass es lebensmüde sei, die mich rettende Hochdosischemotherapie noch nicht begonnen zu haben. Ich sagte ihm, dass ich vor der Chemotherapie mehr Angst hätte als vor dem Krebs und dass ich daher meinem Weg folgen wolle, der mir vielversprechend erscheine. Ich berichtete ihm, was ich die letzten Wochen gemacht hatte, dass ich mich besser fühlte und dass ich keine Chemotherapie beginnen würde, bevor ich nicht ein erneutes PET-CT (ein bildgebendes Verfahren zur Feststellung des Tumorstatus) erhalten hätte. Seine Antwort schockierte mich: „Wir haben ein PET-CT das fünf Wochen alt ist. Dieses zeigt mehr als eindeutig, dass Sie ein Rezidiv im 4. Stadium haben. Heute wollen Sie ein PET-CT, weil sie anders gegessen haben, und nächstes Mal gehen Sie nicht in die Chemotherapie, weil sie vorher bei der Fußmassage waren.“ Die Freundin, die mich unterstützte und begleitete, war über diese Aussage ebenso entgeistert wie ich. Ich teilte dem Arzt mit, dass es keinen Sinn hätte, das Gespräch unter diesen Voraussetzungen weiterzuführen. Der Arzt entschloss sich, meinen bisherigen behandelnden Arzt in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. Dieser kannte mich als sachlich-nüchterne Patientin, die sich schon immer viel informiert hatte. Nach knapp 20 Minuten kam er zu uns und teilte mir mit, dass ich am nächsten Tag ein Low-Dose-PET-CT erhalten würde. Das war bereits ein kleiner Etappensieg für mich.

”Schlüsselmomente zeigten mir, dass Chemotherapie nicht der richtige Weg für mich war.“

17. April 2015. An diesem Tag wurde das zweite, hart erkämpfte PET-CT durchgeführt. Diese Untersuchungen werden von den Ärzten im einmal wöchentlich stattfindenden Tumorboard besprochen. Deshalb hieß es für mich: warten. Ich war überzeugt, dass der Weg der richtige war. Einzig die kurze Zeitspanne sorgte mich. Würde die Zeit ausgereicht haben, um bereits eine Veränderung zum Positiven im Befund erkennen zu können? Zu meiner Freude war aber genau das schon der Fall. Der Bericht lautete: „Im Rahmen der Panel-Besprechung 22.04.2015 wurde für o.g. Patientin folgende Empfehlung gegeben: Bei rückläufigen FDS-Aufnahmen in axillär, mediastinalen Lymphknoten sowie auch in der LWS rückläufiger Befund. Derzeit kein Hinweis auf Progress – weiter konservatives Vorgehen empfohlen.“

Nach nur vier Wochen konsequenter Ernährung hatte ich es schwarz auf weiß: Der Krebs hatte sich um zwei Drittel zurückgebildet! Die Ärzte rückten von ihrer bisherigen Meinung ab, dass mich nur eine Doppelhochdosischemotherapie retten könne. Sie empfahlen stattdessen ein konservatives Vorgehen – auch „wait and see“ – genannt.

Was für ein Erfolg!

Mein Körper hatte mir schon während der letzten Wochen ein deutlich positives Feedback gegeben. Aber ein ärztlicher Befund, der sich auf objektive Bilder stützt, war dennoch beeindruckend. Der Arzt, der mich mit seinem Fußmassagenspruch als Spinnerin hingestellt hatte, überbrachte mir dieses sensationelle Ergebnis recht wortkarg. Als ich ihn fragte, ob er wissen wolle, was ich in den letzten Wochen gemacht habe, war seine Antwort kurz und schmerzlos: „nein“.

In Bezug auf die Ärzte war ich bis auf den Professor in Bonn, den mein Weg faszinierte, rückhaltlos auf mich allein gestellt. Es wurde nicht akzeptiert, dass ich mich für einen eigenen Weg entschieden hatte. Oftmals habe ich die Unterstützung der Ärzte vermisst, vor allem bei Entscheidungen, die mein Leben betrafen. Entscheidungen, deren Verantwortung ich zu übernehmen bereit war und deren Konsequenzen und Strapazen ich ganz allein tragen musste. Mir rettete diese Art zu leben mein Leben. Es ist nicht immer leicht. Zuvor habe ich gerne Fleisch gegessen. Auch auf viele andere Dinge hatte ich Appetit, aber ich verzichte seither größtenteils konsequent darauf. Für viele Menschen wirkt dieser Weg, als müsse man sein Leben aufgeben. Das empfinde ich aber nicht so. Denn ich sehe auch die Möglichkeiten, die sich mir eröffnen. Der Versuch – nicht nur als Krebspatient – es einfach mal 4–6 Wochen auszuprobieren, lohnt sich – meiner Meinung – nach immer. Die Sorge des Verzichts wird immer kleiner, je mehr man über die neue Art der Ernährung lernt und somit auch viele Arten des Essensgenusses kennenlernt.

”Meine mit Überzeugung selbst gewählte Art zu leben, rettete mein Leben.“

Während der ersten Chemotherapie „durfte“ ich zwar essen, worauf ich Lust hatte, konnte aber irgendwann aufgrund angegriffener Schleimhäute kaum noch etwas zu mir nehmen. Die Auswahl der Dinge, die ich essen konnte, war durch die Behandlung äußerst limitiert. Während der alternativen Therapie ist man zwar auch in der Auswahl der Lebensmittel eingeschränkt, kann diese aber mit Genuss und ohne Schmerzen verspeisen. Im Laufe der Zeit wächst der Horizont an Möglichkeiten und man entdeckt neue Rezepte und Nahrungsmittel. In unserer heutigen schnelllebigen Zeit, in der wir durch die Gegend hetzen und vorgefertigtes Essen von meist schnell gezüchteten Pflanzen und Tieren zu uns nehmen, kann es nur eine bereichernde Ergänzung der Heilungs- und Wohlfühlkomponente sein, wenn wir in Bezug auf unser Leben und unsere Nahrung achtsamer und bedächtiger werden. Hinzu kommt, dass es eine sehr sanfte Methode ohne Nebenwirkungen ist, dem Körper die Rahmenbedingungen zu geben, die er für seine sensationellen Selbstheilungskräfte braucht.

Ich habe am 21. März 2015 mit diesem Weg begonnen. Nach nur sieben Tagen war der Großteil meiner Symptome verschwunden. In erster Linie die massive Luftnot. Von Woche zu Woche fühlte ich mich besser und konnte ein Leben ohne Einschränkungen (wie z.B. Meidung von Menschenmengen aufgrund einer erhöhten Infektionsgefahr, Übelkeit, tägliche Arzttermine usw.) führen. Mein Immunsystem war stark, ich war in den letzten drei Jahren nur einmal krank. Ich trieb Sport und lief am 18. Oktober 2015 meinen ersten 10-km-Volkslauf in 1 Stunde und 8 Minuten. Keine Siegerzeit, aber ich fühlte mich als Gewinnerin, weil an all dies während meiner ersten Krebserkrankung und der Chemotherapie nicht zu denken war. Ich fühlte mich trotz des Krebses so gut wie seit Jahren nicht mehr. Beim CT im Dezember 2015 war keine Stoffwechselaktivität mehr nachweisbar, was bedeutete, dass der Krebs verschwunden war. Der Zeitraum, der dafür nötig war, war vergleichbar mit der Dauer einer Chemotherapie.

Ich empfand das Risiko des alternativen Weges für mich als geringer als das Risiko einer Chemotherapie und die Lebensqualität deutlich höher. Wichtig ist, dass man diesen Weg 100%ig konsequent lebt und maximal viele Faktoren einbezieht. Neben der Ernährung, Schlaf, Bewegung, Entspannung spielt auch die Psyche eine sehr große Rolle und sollte im Rahmen einer professionellen Betreuung einbezogen werden. Häufig sind die Themen, die „anzugehen“ uns am schwersten fällt, die mit der größten Auswirkung. Ebenso wie bei einer Chemotherapie, bei der auch jeder Termin wahrgenommen werden muss. Es funktioniert nur bei absoluter Disziplin und wenn alle Puzzleteile zusammengefügt werden. Krebs ist wie ein Feuer. Solange er glüht, ist Zucker wie ein Brandbeschleuniger.

Ich versuche bei allem im Leben auch immer die andere Seite zu sehen. Die Krankheit ist nicht schön, und ich hatte bedingt durch die chemotherapeutische Behandlung viel Schmerz zu ertragen. Zum Teil leide ich jetzt noch an den Folgen. Ohne den Krebs – vor allem nicht ohne das Rezidiv – hätte ich niemals so innegehalten und mein Leben kritisch beleuchtet. Ich habe gelernt, gelassener zu werden und Dinge anders wertzuschätzen.

Ich habe das Glück, dass ich die Krankheit zweimal überstanden habe und vielleicht sogar stärker aus dieser Zeit herausgekommen bin. Nicht jeder in meinem Umfeld konnte gut mit meiner Situation umgehen, und ich habe während dieser Zeit Menschen verloren, die mir sehr wichtig waren und die ein Loch in meinem Leben hinterlassen haben, weil sie mit meiner Situation nicht zurechtkamen. Das zu verstehen, war nicht ganz einfach für mich, da ich ja keine greifbare Schuld an meiner Erkrankung hatte. Dennoch musste ich jedem zugestehen, sich entfernen zu können, wenn meine Krankheit ihn zu sehr belastete. Auf der anderen Seite waren plötzlich Menschen für mich da, die ich zuvor eher flüchtig kannte und die sich gekümmert und mich aufgefangen haben. Besonders froh war ich persönlich um die, die mir „normal“ gegenübergetreten sind. Das war der Umgang, der mir am liebsten war. Obwohl der Krebs viele Schmerzen und Probleme mit sich brachte, so war auch er es, der die entscheidende Wendung in mein Leben gebracht hat. Diese Veränderung möchte ich nicht mehr missen.

Meinen Weg habe ich in einem Tagebuch niedergeschrieben, das Betroffenen in Form eines roten Fadens auf einem alternativen Weg helfen soll, da eine Umstellung in so vielen Bereichen oftmals überfordert und ich aus meiner eigenen Situation weiß, dass Zeit oftmals der entscheidende Faktor ist, der darüber entscheidet, ob man sich sicher genug für eine solche Entscheidung fühlt.

Dieses Buch kann auf meiner Website erworben werden. Der Erlös fließt zu 100% dem Projekt selbst zu, das ich finanziere und Betroffenen kostenfrei zur Verfügung stelle.

Kontakt: Käthe Golücke, https://help2check.me/, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Käthe Golücke wird beim GfBK-Patienten-Arzt-Kongress am 18.05.2019 im Vortragsprogramm "Selbstbestimmt entscheiden" mitwirken.