Angela Keller und Kalle Olsen GfBK Hamburg„Geh du vor”, sagt die Seele zum Körper, „auf mich hört Angela nicht, vielleicht hört sie auf dich”.–„Ich werde krank werden, dann wird sie Zeit für dich haben”, verspricht der Körper der Seele. (frei nach Ulrich Schaffer)
Erwarten Sie im Flur einer chirurgischen Praxis, dass Ihnen der Arzt beiläufig im Vorbeigehen die Diagnose Krebs mitteilt? Er schaute auf den Histologiebericht in seiner Hand: „Mammakarzinom positiv”, war alles, was er mir sagte. Davon erreichte mich nur das „positiv”; also war alles gut. Als ich mich für seine Information bedankte und lächelnd verabschiedete, hielt er mich mit der Frage zurück: „Haben Sie das verstanden, Frau Keller?” Mein „Nein” kam schneller, als ich denken konnte. Ein atemloser Moment, in dem die Zeit scheinbar stillstand, bis ich begriff, was ich nicht wahrhaben wollte. Plötzlich war nichts mehr sicher.

Nach dem Verkraften des "Diagnoseschocks", ging zuerst mein ganzes Bestreben dahin, den Krebs schnell loszuwerden. Als könnte ich mein "altes" Leben wieder zurückgewinnen. Aus ähnlichen Gründen hatte ich mich ja beim Ertasten eines vermeintlich harmlosen Knotens in der Brust auch für eine sofortige ambulante Entfernung entschieden. Bei der Operation habe ich tapfer zugeschaut und bin danach wieder arbeiten gegangen. Heute kann ich mir das nur so erklären: Ich fühlte mich damals gesund und unverwundbar. Schließlich lebte ich auf dem Land, aß vollwertig, vegetarisch, war Nichtraucherin und hatte gerade eine 7-jährige Ausbildung zur Naturtherapeutin abgeschlossen. Demut vor dem Leben und vor einer Krankheit war etwas, das ich noch lernen durfte.
Kampf gegen das Schicksal
Eine weitere Operation lang ließ ich mit mir machen, was die Ärzte so anboten. Mein zaghafter Wunsch nach der Entfernung nur des "Wächterlymphknotens" wurde 1998 in einer Hamburger Klinik belächelt und abgelehnt. Für die Mediziner war ich bestimmt eine Lieblingspatientin, so freundlich und vertrauensselig, wie ich daherkam.

  • Heute weiß ich, das meine Seele kein Interesse daran hat, mich für andere gesund werden zu lassen.

Nachgedacht habe ich in meiner Situation eher darüber, wie ich bald wieder alle meine Aufgaben als berufstätige Mutter übernehmen kann. Ich wurde doch gebraucht! Mein Mann war beruflich viel unterwegs, mindestens 13 Stunden am Tag. Ich hielt ihm „den Rücken“ frei und hielt mich für unersetzlich. Ein Gefühl für meine persönlichen Bedürfnisse besaß ich kaum. Meine Schwiegermutter verabschiedete mich ins Krankenhaus mit den Worten: „Lass’ mich bloß nicht mit den Kindern allein zurück!”
Verzweifeln
Am vierten Tag nach der zweiten Operation wurde mir nach dem Besuch meines Mannes mit den Kindern klar, dass zu Hause gerade alles im Chaos versank, der empfohlene Therapieweg bei Krebs aber noch kräftezehrend vor mir lag. In diesem Konflikt fühlte ich mich auf einmal todmüde. Ich wusste nicht mehr ein noch aus. Woher sollte ich nur die Kraft nehmen, wieder in mein altes, überlastetes Leben zurückzukehren?

  • Heute weiß ich, dass ich mit dem Akzeptieren, was ist, meinen Widerstand gegen das Leben aufgebe und meinen inneren Heiler aktiviere.

Ich kämpfte nicht nur gegen die Beeinträchtigungen der Krebserkrankung, sondern gegen mein Schicksal überhaupt. Eine Krisis folgte auf dem Fuß. Am Abend bekam ich starke Schmerzen und hohes Fieber. Die Operationswunde in meiner linken Achsel war infiziert mit dem Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA), einem gefürchteten Erreger. Nach der sofort folgenden Operation blieb die große Wunde in der Achsel offen, weil mit diesen antibiotikaresistenten Erregern nur eine "sekundäre Wundheilung" möglich ist, also die Heilung durch Wundkontraktion und Gewebeneubildung. Antibiotika zeigen in diesem Fall keine Wirkung.
Akzeptieren
Ich schwebte in Fieberfantasien. Meine schöne Lebensplanung löste sich in Luft auf; na und wenn schon! All mein Widerstand schmolz dahin. Ich ergab mich in mein Schicksal und erlaubte dem Universum, mit mir zu machen, was auch immer es wollte. Gott sei Dank wusste ich nicht mehr weiter. Endlich war ich bereit, in Gebeten um Hilfe zu bitten und in tiefen Meditationen diese Hilfe auch anzunehmen. Das Universum frohlockte, weil es mir alles aus dem großen Füllhorn der Liebe zukommen lassen konnte, was ich Sturkopf vorher nicht annehmen wollte.
Mein eigener Herzensweg
Nach dieser Krisis, die wie eine Katharsis wirkte,fühlte ich mich klar und zuversichtlich. Was gut für mich war und was nicht, wusste ich plötzlich ganz genau. Ich vertraute meiner "inneren Stimme". Das bekamen dann gleich der Oberarzt und der Stationsarzt zu spüren, die sich am Fußende meines Bettes autoritär aufstellten und auf mich herabsahen. Im histologischen Befund war "mein" Krebsgeschehen mit der hohen Bösartigkeit G III eingestuft worden. Sie rügten mich wie ein dummes Kind, weil ich mich kritisch über die empfohlene Chemotherapie geäußert hatte. Mein noch mühsames "Aufrichten" im Krankenbett, um auf Augenhöhe mit den "Halbgöttern in Weiß" zu kommen, mein erstes deutliches „Nein” wurden zum Schlüsselerlebnis für die neu gewonnene Autonomie. Ihre Antwort: „Dann werden Sie Ihre Kinder wohl nicht groß werden sehen”, habe ich nie vergessen.

  • Heute weiß ich, dass ich der Stimme meines Herzens vertrauen kann.

18 Jahre sind seitdem vergangen. Ich habe auf meinem Heilungsweg noch oft laut und deutlich meine Meinung vertreten. Dass mein Herz jedes Mal vor Aufregung gezittert hat, habe ich mir nicht anmerken lassen. So habe ich Verantwortung für mich übernommen und bin erwachsen geworden, genau wie meine wundervollen Töchter.
Unterstützung
Mit jeder klaren, mutigen Entscheidung auf meinem „Herzensweg” zog ich magnetisch genau die richtige Unterstützung für mich an: wertvolle Informationen, ganzheitliche Medizin und gute Therapeuten. Meine Lehrerin für Naturtherapie, Gertrud N., empfahl mir einen sehr guten anthroposophischen Arzt, Dr. Bruno E., und eine fachgerechte Misteltherapie. Sie selbst schenkte mir ihre geistigen Heilbehandlungen und erklärte mir meinen Genesungsweg als mein Meisterstück: „Jetzt kannst du zeigen, dass du alles, was du als Heilerin gelernt hast, auch nutzbringend bei dir selbst anwenden kannst. Dein vermeintlicher Feind ‚Krebs’ zwingt dich, stark und weise zu werden. Gewinne ihn zum Verbündeten.” Mein Herz verstand das sofort. Wir entwickelten eine Visualisierungsübung für die Strahlentherapie, um das Energiefeld meines Körpers zu schützen. Zur Pflege der gereizten Hautareale gab es Mittel aus der anthroposophischen Medizin, zum Entgiften viel stilles Heilwasser und Atemübungen an der frischen Luft. Die Strahlentherapie war übrigens die einzige Therapieempfehlung der Klinikärzte, der ich folgte, weil sie sich für mich stimmig anfühlte. Bei meiner ersten Operation hatte der Chirurg leider den Knoten bereits in der Brust aufgeschnitten.
Heilung der Wunde
Sechs lange Monate dauerte die Abheilung meiner Achsel auf dem sekundären Heilweg. Das war sehr unangenehm, weil die Wunde anfangs groß war und der starke Lymphfluss mit dem Wundsekret mich regelrecht einnässte. Wegen einer Pflasterallergie konnte ich mir nur dicke, saugfähige Lappen unter den Arm klemmen. Statt eines Krankenhausaufenthalts besuchte mich zu Hause täglich ein mobiler Pflegedienst aus dem Nachbardorf. Schwester Heike war ein Schatz. Sie war bereit, mich nach den Rezepten und anthroposophischen Vorgaben von Dr. E. aus Hamburg zu versorgen. Selbst über die 100 Kilometer Distanz wurden wir ein kreatives Team beim Überwinden von allerlei Hindernissen auf meinem Heilungsweg.
Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V.
Nach über einem Jahr kehrten Energie und Tatendrang zurück zu mir. Ich gründete als neu zugelassene Heilpraktikerin für Psychotherapie eine Selbsthilfegruppe für Krebserkrankte in Barum. Darunter war auch eine Patientin, die mich auf die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V. aufmerksam machte. Sie meinte scherzhaft, die würden genauso "ticken" wie ich. Ihr Hinweis war Gold wert und sollte bald mein Leben bereichern. "Zufällig" richtete die GfBK 2000 einen Kongress in meiner Nähe aus. Das interessante Programm mit den namhaften Referenten lockte mich nach Celle. Besonders freute ich mich auf einen Kurs bei Dr. O. Carl Simonton. Ich wollte immer schon seine Form des Visualisierens lernen. Er wurde von da an bis zu seinem Tod ein wichtiger Lehrer für mich. Überall auf dem Kongress war dieser angenehme Gleichklang in den Vorstellungen über das ganzheitliche Heilen spürbar. Ich erfuhr so viel Bestärkung auf meinem Weg, dass ich zu Tränen gerührt war. Bisher hatte ich mich als eine Autodidaktin und Einzelkämpferin in der Provinz betrachtet. Jetzt traf ich Gleichgesinnte. Ich fühlte mich wie "zu Hause" angekommen und wie ein Mitglied der "Familie" Biologische Krebsabwehr e.V. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Es ist ein großes Glück, so vom Leben geleitet worden zu sein. Dafür bin ich sehr dankbar. Im Frühling 2006 eröffneten dann Jutta Trautmann und ich gemeinsam das neue Hamburger Beratungsbüro der GfBK in der Waitzstraße 31. Gleichzeitig vernetzten wir uns mit der Hamburger Volkshochschule und dem Projekt ÜberLebensKunst – Leben mit Krankheit – Leben mit Krebs. 2016 ist ein Jahr der Jubiläen. Jutta Trautmann und ich haben allen Grund uns zu freuen, weil wir so viel Gutes bewirken konnten und immer noch von Herzen gerne gemeinsam für die GfBK tätig sind.

  • Heute weiß ich, dass ich alles in mir trage, um jede Krise zu meistern.

Krisenzeiten
Vor diesen schönen Erfolgserlebnissen lagen bei mir bis 2006 noch zwei kritische Jahre, die mir vieles abverlangt haben, bis ich die "Meisterprüfung meines Lebens" bestehen konnte. In meinem linken Arm breitete sich ein chronisches Lymphödem aus, es gab einen neuen Krebsverdacht, meine Ehe scheiterte nach über 20 Jahren und meine Mutter starb in der Nacht vor der Eröffnungsfeier der GfBK-Beratungsstelle. Da war die Freude aus meinem Leben gewichen. Wieder einmal fühlte ich mich wie "auf den Hund gekommen".
Schwarze Nächte
Meine beste Freundin hat mir einmal sehr anschaulich eine Krise als einen Sturz in unergründliches Wasser beschrieben. Du tauchst unter und fühlst dich sinken, du strampelst und versuchst verzweifelt, wieder an die Oberfläche zu kommen. All dein Bemühen scheint vergeblich. Denn erst, wenn du am dunklen Grund des Wassers angekommen bist, kannst du dich abstoßen und schnell wieder auftauchen. Es gab brunnenschwarze Nächte, in denen das Grauen meiner Existenzängste in alle Knochen drang. Zeit zum Nachdenken und zum Überlebenstraining bekam ich reichlich. Ich vertraute meiner "Herzenskraft" und öffnete meine Schatzkiste an Lebenserfahrungen. Ich wusste meine aufgewühlten Gefühle zu beruhigen, zu visualisieren und zu meditieren. Ich konnte immer wieder meine geistige Verbindung finden und ich hörte auf mein Herz.
Neubeginn in Hamburg
2005 traf ich dann in der größten Not folgenschwere Entscheidungen: In meine Heimatstadt Hamburg zurückzugehen und die Scheidung einzureichen. Konkret bedeutete das für mich, geliebte Menschen und Tiere, Haus, Garten und Praxis zurückzulassen und mit über 50 Jahren allein etwas Neues zu beginnen. Aber ich glaube, wäre ich geblieben, hätte der Krebs mich aufgefressen. Unmittelbar nach diesem Entschluss wurde mir die Beratungstätigkeit bei der GfBK in Hamburg angeboten. Unglaublich schnell fand ich eine schöne Wohnung in der Nähe meiner Schwester. Ich konnte ein Licht am Ende des Tunnels sehen.

  • Heute weiß ich, Heilung kommt von innen und ist ein Geschenk.

Schaue ich zurück, dann sehe ich, dass mir dieses Leben die Gelegenheit geboten hat, schwierige Lektionen zu lernen. Der Krebs ist vorbei. Ich bin jetzt überzeugt davon, dass sich alles zum Besten ergab und mich auf das vorbereitete, was ich jetzt von Herzen gerne tue. Aber ohne den Leidensdruck hätte ich wohl kaum freiwillig diese Entwicklung gemacht.
Kalle Olsen
Im Herbst 2011 bin ich dann absichtlich "ganz schön auf den Hund gekommen" ... und sowas von glücklich bei einem kleinen, klugen, dänischen Hofhund gelandet. Er heißt "Kalle Olsen" und wurde zum Therapiebegleithund ausgebildet. Zuerst einmal hat er mich gesund und glücklich gemacht. Jetzt darf er mich gelegentlich bei Patienten unterstützen. "Dr. Olsen" ist beliebt und bekannt wie ein "bunter Hund". Er bringt pure Freude in das Leben kleiner und großer Menschen. Was krank und traurig macht, ist dann schnell vergessen. In der Freizeit stromern wir beide so gerne durch die Natur. Alle Last fällt dann von mir ab. Kalle wuselt vor mir her, dreht sich ab und zu nach mir um und zeigt ein fröhliches Hundegrinsen. Dann wird mir ganz warm ums Herz.

Kontakt: Angela Keller, Beim Hammer Marktplatz 3, 20535 Hamburg, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!