Wir Menschen sind geistige Wesen
Wenn ich auf die Jahre meiner Brusttumorerkrankung 2004 bis 2007 zurückschaue, so waren dies Jahre der Erkenntnis, der Wandlung und der Beginn einer Neuausrichtung meines Lebens. Als ich den Knoten erstmals bemerkte, bin ich nicht sofort zu einem Arzt gegangen, aus biografischen Gründen. Genau genommen bin ich erst zu einem Arzt gegangen, als der Tumor bereits fünf Zentimeter groß war und sich deutlich über meine Hautoberfläche erhoben hatte. Was der Arzt mir anbieten konnte, war nicht sonderlich einladend, und so war ich alles in allem eineinhalb Jahre mit meinem wachsenden Tumor unterwegs, bis er so groß war, dass er als „inoperabel“ galt.
Auf den erstaunlichen Wegen der göttlichen Fügung gelangte ich schließlich nach Wien zu einem Chirurgen, der das anders gesehen hat und mich erfolgreich von diesem Tumor befreite.
Nun könnte man annehmen, dass diese Zeit, eineinhalb Jahre mit einem wachsenden Brusttumor zu leben, voller Leiden und Ängste gewesen sei – nein, so war das nicht. Ich habe mir viel Zeit genommen, in mich hineinzufühlen, mich über verschiedene Auffassungen und Behandlungsansätze zu informieren, und von Beginn an war ich überzeugt: Wir sind geistige Wesen. Also muss alles, was im Körperlichen Ausdruck findet, im Nichtstofflichen gründen, denn der Körper allein kann gar nichts. Folgerichtig kann er auch keinen Tumor hervorbringen.
Wenn ich, das belebende geistige Wesen, meinen wunderbaren Körper erschaffen habe, dann erschaffe ich auch alle meine Symptome und also auch meinen Tumor. Wenn knapp vierzig Jahre meines Lebens dazu geführt haben, dass ich einen Tumor hervorgebracht habe, dann ist es höchste Zeit, dieses Leben von Grund auf zu verändern.
Meine Zuversicht lag in meiner Haltung, denn wenn ich es bin, die etwas hervorbringt, dann liegt in mir auch die Lösung. Dann bin ich nicht hilflos, und es gibt auch keinen „Feind“, den ich bekämpfen muss.
Auf wundersame Weise hatte ich einige Zeit vor meiner Erkrankung zu einer spirituell-philosophischen Lehrerin gefunden, die Therapeuten in körperorientierter Regressionsanalyse ausgebildet hat. Diese Therapieform ermöglicht, im Unterbewusstsein gebundene Muster und Glaubensstrukturen aufzulösen.
Auf diese Weise konnte ich Themen in mir bearbeiten, die mit meinem Tumor in Verbindung standen. Getragen von der Begleitung meiner spirituellen Lehrerin war ich die ganze Zeit im Fluss, handelnd in meinem Prozess. Alles in mir sagte, dass ich nicht vorhatte, zu sterben.
Vielleicht ist Zuversicht auch, was ich anderen gebe, weil ich lebe. Deshalb habe ich das Buch „Bewusstsein und Heilung“, das ich während meines Krankheits- und Bewusstseinsprozesses geschrieben habe, in diesem Jahr aktualisiert. Heute bin ich mehr als achtzehn Jahre symptomfrei, also gesund und ohne Einschränkungen. Obwohl ich so lange Zeit mit einem sichtbar wachsenden und histologisch als „aggressiv“ klassifizierten Tumor herumgelaufen bin und keine der konventionellen Begleittherapien gemacht habe, kam es nicht zu Metastasen.
Auch wenn es nicht meine Absicht war: Nach dieser langen Zeit gehöre ich zu denjenigen Menschen, deren Leben einiges von dem, was die Medizin heute über „Krebserkrankungen“ annimmt, zumindest in Frage stellt …
In meiner Praxis arbeite ich heute selbst mit der Therapieform, die mich auf dem Weg meines Bewusstseinsprozesses begleitet hat.
Zur Person
Helena Müller hat lange Zeit mit dem Knoten in ihrer Brust gelebt, bevor sie sich einer medizinischen Untersuchung unterzogen hat. Diese Zeit hat sie zur gründlichen Reflexion ihres Lebens und ihrer Situation genutzt, außerdem hat sie die gesundheitlichen und medizinischen Fakten gründlich recherchiert. Erst als sie sich gut orientiert und informiert fühlt, entscheidet sie sich für die Begegnung mit der Medizin, und es kommt zur Diagnose „Krebs“. Mit der Entfernung des Tumors vor über 15 Jahren ist für sie die Krankheit abgeschlossen. Heute ist Helena Müller in eigener psychotherapeutischer Praxis in Bonn tätig.
Woher kommt unsere Zuversicht
Dieser Text war im Original in unserer Mitgliederzeitschrift „momentum - gesund leben bei Krebs” (Ausgabe 04/2025). Diese Einleitung zu dem obigen Text schrieb für die in dieser Ausgabe vorgestellten vier Patient:innen, Julia Malcherek.
Leider kommt es immer wieder vor: Wir erfahren, dass in unserem Umfeld jemand an Krebs erkrankt ist. Und sofort, ohne Nachdenken wünschen wir – Zuversicht. Was auch immer auf die betroffene Person zukommt: Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass es dann auf jeden Fall besser gehen wird, uns allen scheint klar und offensichtlich, dass Zuversicht nötig ist, um Herausforderungen, Gefahren oder Krisen zu bestehen.
Wer von einer Erkrankung betroffen ist, ist auf besondere Weise auf sich selbst gestellt: Auch wenn viele Menschen unterstützen wollen, auch wenn die Familie, der Freundeskreis zusammensteht und die professionelle Hilfe gut organisiert ist – nur einer ist der Patient oder die Patientin, alle anderen eben nicht.
In dieser existenziellen Situation erleben manche Personen eindeutig, was sie stärker macht, sie nehmen Impulse wahr, die nur sie selbst empfinden. Sie äußern sich für jeden anders, und jeder findet eigene Bilder, Worte und auch eine eigene Umsetzung im Alltag dafür. Wenn wir darüber sprechen, entsteht wieder Gemeinsamkeit: Dann können wir staunen, welche Schritte für Betroffene weitergeführt haben, wie sie sich ihre Zuversicht zurückerobert haben und wie sie mit der Erkrankung, mit der Therapie ihr Leben leben.
Vier Personen berichten als Krebsbetroffene – sie erzählen von sehr unterschiedlichen Situationen und Schwierigkeiten. Alle vier teilen ihre Zuversicht mit uns, sie wollen andere Betroffene ermutigen, auf dem eigenen Weg weiterzugehen und so die eigene Zuversicht wachsen zu lassen, um besser durch Schwierigkeiten zu kommen, auch ungewohnte Schritte zu gehen und sich selbst zu überraschen. Diese Berichte appellieren an alle Beteiligten, den individuellen Weg der Patientin, des Patienten zu respektieren, nicht aus eigener Sorge das Vertrauen zu beschädigen, das meist mühsam erkämpft ist und jeden Tag gepflegt werden will.
Wenn wir von Zuversicht sprechen, geht es nicht um falsche Versprechungen oder Illusionen; Ängste und Zweifel sollen nicht unter den Teppich gekehrt werden. Gerade Patient:innen, die sich mit einer Krebserkrankung auseinandersetzen müssen, wissen, dass immer wieder neue Wendungen auftreten können, die oft genug Enttäuschung und Mutlosigkeit mit sich bringen. Ohne zu wissen, wohin der Weg führt, dennoch wieder aufzustehen und sich für den nächsten Schritt zu entscheiden, erfordert Kraft und Mut. Beides ist rar – und vielleicht ist es hilfreich, zu merken, dass Zuversicht sich im ersten Moment oft zaghaft und klein anfühlt und dass wir sie wachsen lassen, wenn wir dem Leben abseits der Erkrankung und ihrer vielfältigen Begleiterscheinungen Raum geben.
Weitere Informationen
- Zum Weiterlesen: Helena Müller: Bewusstsein und Heilung, 3. erweiterte Auflage; 2025
Information zu unseren Betroffenenberichten
Wir freuen uns, wenn Patient:innen ihren individuellen und persönlichen Genesungsweg finden. Das ist ein Ausdruck des großen Heilungspotenzials in jedem Menschen. Gerne teilen wir diese Erfahrungen mit unseren Leser:innen, auch wenn persönliche Entscheidungen nicht immer auf andere Betroffene übertragbar sind. Sie entsprechen auch nicht in jeder Hinsicht einer konkreten Empfehlung der GfBK für Patient:innen in ähnlicher Situation.
Wägen Sie sorgfältig ab, welche Impulse aus den Patient:innenberichten für Sie in Ihrer aktuellen Lage passend sind. Besprechen Sie diagnostische oder therapeutische Maßnahmen im Zweifel gerne mit unserem ärztlichen Beratungsdienst.
Möchten Sie auch anderen Patient:innen mit Ihrem Bericht Mut machen?
Dann mailen Sie uns unbedingt Ihre Geschichte.
Senden Sie diese an Julia Malcherek: