Zum Hauptinhalt springen

Warum sollte der Selen-Blutwert bei Brustkrebs und anderen Krebserkrankungen bestimmt werden?

03. Juli 2026

Ich habe gelesen, dass ein niedriger Selenstatus bei Brustkrebs mit einem schlechteren Verlauf und höherem Risiko für Rückfälle verbunden sein kann. Ist das korrekt, und warum sollte der Selenspiegel bei Brustkrebs, aber auch bei anderen Tumorarten regelmäßig bestimmt und ggf. optimiert werden?

Ja, es gibt wissenschaftliche Hinweise darauf, dass der Selenstatus für den Verlauf einer Krebserkrankung eine wichtige Rolle spielt, nicht nur bei Brustkrebs, sondern potenziell auch bei anderen Tumorarten.

Antioxidative Funktion

Selen ist ein essenzielles Spurenelement und Bestandteil wichtiger körpereigener Enzyme (Selenoproteine), die unter anderem antioxidativ wirken und Zellen vor oxidativem Stress schützen. Diese antioxidative Funktion ist für gesunde Zellen wichtig, da sie helfen kann, Schäden an DNA, Zellmembranen und anderen Strukturen zu begrenzen, die durch freie Radikale entstehen. Selenhaltige Enzyme wie Glutathionperoxidase werden mit einem normalen Zellschutz und einer regulierten Immunfunktion in Verbindung gebracht.

Multizentrische Studie

Die von Ihnen genannte prospektive multizentrische Studie zeigt, dass bei Patientinnen mit primä-em invasivem Brustkrebs niedrigere Serum-Selenwerte sowie niedrigere Spiegel von Selenoprotein P und Glutathionperoxidase-Aktivität mit einem höheren Risiko für Sterblichkeit und Krankheitsrückfall assoziiert waren. Frauen mit höheren Werten dieser Biomarker hatten im Beobachtungszeitraum deutlich bessere Überlebenschancen.

Warum ist das wichtig?

Ein niedriger Selenspiegel kann die antioxidative Abwehr schwächen, was möglicherweise Zellschäden und Entzündungsprozesse begünstigt, beides Faktoren, die bei Krebsentstehung und -progression eine Rolle spielen können. Aus epidemiologischen Studien ist zudem bekannt, dass in Regionen mit niedriger Selenversorgung ein höheres Risiko für bestimmte Krebsarten wie Leber-, Darm- oder Prostatakrebs beobachtet wurde und sich das Risiko in einigen Fällen durch eine Optimierung der Selenzufuhr reduzieren ließ.
Auch aus anderen Forschungsarbeiten geht hervor, dass ein ausreichender Selenstatus Teil des antioxidativen Systems des Körpers ist und mit einer besseren Gesamtprognose in Zusammenhang stehen kann, nicht nur bei Brustkrebs, sondern bei verschiedenen anderen Tumorarten.

Bestimmung des Selenspiegels

Deshalb ist es sinnvoll, den Selenspiegel im Blut zu bestimmen, idealerweise bereits vor oder zu Beginn einer Therapie. Eine Messung zeigt, ob ein Mangel vorliegt, der ausgeglichen werden sollte, und hilft, die Selenzufuhr individuell zu steuern, da sowohl zu niedrige als auch zu hohe Selenspiegel langfristig negative Effekte haben können.

Serum-Selenwerte

Medizinische Lehrmeinungen empfehlen, für eine gute Funktion der selenabhängigen Enzyme (z. B. Glutathionperoxidase, wichtig für antioxidativen Zellschutz) und für eine mögliche günstige Wirkung auf Krankheitsverlauf und Prognose bei Krebs einen Serum-Selenwert im Bereich von etwa 120 bis 140 µg pro Liter (µg/L) Blutserum anzustreben. Werte um 120 µg/L gelten als optimal für den Schutz durch selenhaltige Enzyme, und Werte im oberen Bereich um 140 µg/L werden mit teils günstigeren Studienergebnissen insbesondere zu Krebsprävention und reduzierter Mortalität in Verbindung gebracht. Zum Vergleich: Der allgemeine Referenzbereich in vielen Laboren liegt meist zwischen etwa 80 µg/L und 140 µg/L im Serum, abhängig von Labor und Messmethode.

Auswirkung auf das Immunsystem

Ein normaler Selenspiegel ist nicht nur für die antioxidative Zellabwehr wichtig, sondern auch für eine stabile Immunantwort, die im Kampf gegen Tumorzellen eine Rolle spielt. Bei vielen Krebspatienten, vor allem während und nach Chemo- oder Strahlentherapie, sind die Selenwerte häufig erniedrigt, weil der Bedarf steigt und die Versorgung über die Ernährung allein oft nicht ausreicht.
Der gezielte Ausgleich eines Mangels kann daher helfen, die Funktion des Immunsystems zu unterstützen und die Regeneration des Körpers zu fördern. Wichtig ist dabei, dass eine Selenergänzung nicht „auf eigene Faust“ und ohne vorherige Kontrolle der Blutwerte erfolgt, denn Spurenelemente wirken im Körper in einem engen Bereich: Zu niedrige Werte sind ungünstig, aber auch sehr hohe Selenzufuhren können langfristig gesundheitliche Risiken bergen. Die Bestimmung des Selenspiegels ermöglicht deshalb eine sichere, gezielt dosierte Unterstützung. Eine Ergänzung sollte in Absprache mit dem behandelnden Ärzteteam erfolgen, damit sowohl Therapiephasen als auch individuelle Begleiterkrankungen berücksichtigt werden.

Ihre Spende

Unser Ziel ist es, wertvolles Infomaterial frei verfügbar zu machen, um Wissen und Selbstwirksamkeit zu fördern. Mit Ihrer Spende helfen Sie uns, unabhängig zu bleiben und dieses Material einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Jeder Betrag zählt und trägt dazu bei, unsere Mission zu verwirklichen.

Unterstützen Sie uns noch heute und werden Sie Teil unserer Bemühungen – herzlichen Dank!