Ich nehme Biotin für Haut, Haare und Nägel – jetzt habe ich gehört, dass das meine Blutwerte verfälschen kann. Stimmt das? Welche Werte sind betroffen, und was muss ich beachten, wenn eine Blutuntersuchung ansteht?
Ja, das stimmt – insbesondere hochdosiertes Biotin (auch bekannt als Vitamin B7 oder Vitamin H), wie es in vielen Nahrungsergänzungsmitteln für Haare, Haut und Nägel enthalten ist, kann tatsächlich Blutwerte verfälschen. Das liegt daran, dass viele moderne Laborverfahren sogenannte biotinabhängige Immunoassays verwenden. Diese Testsysteme nutzen die starke Bindung zwischen Biotin und einem Eiweiß namens Streptavidin, um verschiedene Stoffe im Blut nachzuweisen. Wird jedoch zu viel Biotin eingenommen, kann dies in die Testabläufe eingreifen und die Ergebnisse verfälschen.
Besonders häufig betroffen sind Hormonwerte und Herzmarker. Bei den Schilddrüsenwerten zum Beispiel kann TSH fälschlich zu niedrig erscheinen, während fT3 und fT4 zu hoch wirken – das kann zu einer falschen Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führen. Noch kritischer ist der Einfluss auf Troponin, einen wichtigen Marker zur Diagnose von Herzinfarkten: Dieser kann unter Biotineinfluss falsch niedrig angezeigt werden – was im Notfall dazu führen kann, dass ein Infarkt übersehen wird.
Auch andere Tests können betroffen sein, darunter: Beta-hCG (Schwangerschaftstest), Parathormon (PTH), Vitamin D (oft falsch niedrig) sowie Sexualhormone wie FSH, LH, Östrogene, Testosteron und auch Cortisol oder Prolaktin.
Problematisch ist, dass viele Biotinpräparate deutlich höhere Dosen enthalten als eigentlich empfohlen: Während der tägliche Bedarf nur bei etwa 30 bis 60 Mikrogramm liegt, enthalten viele Haut-/Haarprodukte 5 bis 10 Milligramm – also das 100- bis 300-Fache. Schon diese Mengen können bestimmte Tests verfälschen, auch wenn Sie sich körperlich völlig gesund fühlen.
Wenn bei Ihnen eine Blutuntersuchung ansteht – insbesondere für Schilddrüse, Herz, Vitamin D oder Hormone –, sollten Sie Biotin deshalb rechtzeitig absetzen: Bei normalen Dosen reicht meist ein Abstand von zwei bis drei Tagen, bei sehr hohen Dosen (z. B. > 10 mg/Tag) empfiehlt man eher fünf bis sieben Tage Pause.
Wichtig ist außerdem, dass Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder das Laborpersonal unbedingt darüber informieren, dass Sie Biotin eingenommen haben – auch wenn es schon ein paar Tage zurückliegt. Das hilft, mögliche Verfälschungen richtig einzuordnen.
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