Ist Astragalus während einer Chemotherapie sicher?
Ich habe gehört, dass Astragalus eine Chemotherapie unterstützen und Nebenwirkungen lindern kann. Stimmt das, und ist es sicher, Astragalus während meiner Behandlung einzunehmen?
Einführung in Astragalus membranaceus
Astragalus membranaceus, eine in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seit Jahrhunderten eingesetzte Heilpflanze, rückt zunehmend in den Fokus onkologischer Forschung. Insbesondere ihr potenzieller Nutzen als begleitende Maßnahme während einer Chemotherapie wird intensiv untersucht. Studien legen nahe, dass Astragalus nicht nur die Wirkung konventioneller Krebstherapien steigert, sondern auch deren Nebenwirkungen mildern könnte.
Studienergebnisse zur Wirksamkeit
Eine umfassende Metaanalyse von McCulloch et al. (2006), die 34 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2.815 Patienten umfasste, zeigte vielversprechende Ergebnisse: Die Kombination von astragalusbasierten Heilmitteln mit platinbasierter Chemotherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem nichtkleinzelligem Lungenkrebs führte zu einer Verlängerung der Überlebens- sowie einer verbesserten Tumoransprechrate. Ähnliche Resultate ergaben sich in einer Analyse von Lin et al. (2019), die 22 Studien mit Darmkrebspatient:innen auswertete. Auch hier konnten Verbesserungen der Lebensqualität, eine Reduktion der Nebenwirkungen sowie eine verstärkte Tumorantwort dokumentiert werden. Ergänzend berichtete eine Übersichtsarbeit von Pang et al. (2021) über positive Effekte bei Patientinnen mit Gebärmutterhalskrebs: Die Kombinationstherapie linderte Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Erschöpfung und verbesserte das Ansprechen auf die Therapie.
Einfluss auf das Immunsystem
Darüber hinaus zeigen Untersuchungen, dass Astragalus das Immunsystem beeinflussen kann. So wurden entzündungsfördernde Stoffe im Körper gesenkt und bestimmte Abwehrzellen gestärkt. Das könnte vor allem für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem – wie Krebspatient:innen – von Vorteil sein.
Methodische Herausforderungen in der Forschung
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse bleibt zu beachten, dass die Qualität vieler bisheriger Studien als gering eingestuft wurde. Methodische Schwächen wie unzureichende Verblindung, kleine Stichprobengrößen oder fehlende Standardisierung der pflanzlichen Zubereitungen schränken die Aussagekraft ein. Daher betonen Expertinnen und Experten die Notwendigkeit weiterer hochwertiger randomisierter Studien, um die Sicherheit, Wirksamkeit und die möglichen Wechselwirkungen von Astragalus in der onkologischen Therapie bewerten zu können.
Dosierung und Zubereitungsarten
Ein weiteres Problem betrifft die Dosierung. In den meisten Studien wurde Astragalus nicht als einzelne Pflanze gegeben, sondern als Teil traditioneller chinesischer Mehrkräuterrezepturen – meist in Form von Dekokten (Abkochungen), Granulaten oder standardisierten Kräutermischungen. Die täglich eingesetzten Mengen schwankten dabei erheblich, oft im Bereich zwischen 15 und 60 Gramm getrockneter Wurzel.
Die unterschiedlichen Zubereitungsarten – etwa wässrige Extrakte, Pulver, Kapseln oder alkoholische Auszüge – erschweren zusätzlich die Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Moderne westliche Präparate verwenden in der Regel standardisierte Extrakte, bei denen vor allem der Gehalt an immunmodulatorischen Polysacchariden im Vordergrund steht. Diese werden häufig in Dosierungen von 500 bis 1500 Milligramm pro Tag eingesetzt, jedoch fehlen bislang hochwertige klinische Studien, die diese Formulierungen systematisch mit den traditionellen Anwendungen vergleichen.
Herausforderung bei der Qualitätssicherung
Zudem ist zu beachten, dass die genaue Zusammensetzung und Qualität der eingesetzten Kräuterzubereitungen in vielen Studien nur unzureichend dokumentiert wurden. Angaben zur Wirkstoffkonzentration, zur Verarbeitung der Pflanzen sowie zur Pharmakokinetik fehlen häufig oder sind lückenhaft. Dies macht eine präzise Dosierungsempfehlung derzeit nahezu unmöglich und stellt eine Herausforderung für die klinische Anwendung dar. Für die künftige Forschung ist es daher essenziell, standardisierte und reproduzierbare Präparate mit klar definiertem Wirkstoffprofil zu verwenden, um belastbare Aussagen über Wirkung, Sicherheit und optimale Dosierung treffen zu können. Bis dahin sollte die Anwendung von Astragalus – insbesondere während einer Krebstherapie – immer in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt oder Onkologen erfolgen.
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