Erhöht Vitamin-D-Mangel das Risiko für Polyneuropathie bei Chemotherapie?
Ich habe gehört, dass Vitamin-D-Mangel das Risiko für Nervenschäden durch Chemotherapie erhöhen kann – stimmt das, und sollte ich vor Beginn meiner Behandlung meinen Vitamin-D-Spiegel überprüfen lassen?
Unter Paclitaxel kann es zu sogenannten Nervenschäden (Polyneuropathien) kommen. Dabei treten Beschwerden wie Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen in Händen und Füßen auf.
Vitamin D
Eine große wissenschaftliche Untersuchung mit über 1.100 Brustkrebspatientinnen zeigt nun, dass ein Vitamin-D-Mangel vor Beginn der Behandlung das Risiko für solche Nervenschäden deutlich erhöhen kann. Frauen mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel (unter 20 ng/ml) entwickelten häufiger eine schwere Polyneuropathie als Frauen mit normalen Werten. Auch bei Versuchstieren konnte dieser Zusammenhang bestätigt werden. Die Ergebnisse stammen aus der US-amerikanischen Studie SWOG S0221 und wurden 2023 veröffentlicht (Chen CS et al. / J Natl Compr Canc Netw 2023; 21(11): 1172–80. e3).
Die Forschenden empfehlen, den Vitamin-D-Spiegel vor der Chemotherapie zu bestimmen. Künftig könnte dieser Wert als Frühwarnzeichen (Biomarker) genutzt werden, um das Risiko für Nervenschäden besser abzuschätzen – und um sie durch rechtzeitige Vitamin-D-Ergänzung vielleicht zu senken.
Weitere Schutzmaßnahmen
Neben einem gesunden Vitamin-D-Spiegel, der laut der Studie von Chen et al. (2023) das Risiko für Nervenschäden durch Paclitaxel senken kann, gibt es noch weitere Möglichkeiten, wie Patientinnen sich während der Chemotherapie schützen können. Zunächst lohnt es sich, vor Beginn der Behandlung wichtige Nährstoffwerte im Blut überprüfen zu lassen – darunter nicht nur Vitamin D, sondern auch Vitamin B12, Folsäure und Magnesium, die ebenfalls eine wichtige Rolle für die Nervengesundheit spielen. Ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung (reich an Vitaminen, gesunden Fetten und Antioxidanzien) kann zusätzlich helfen, den Körper zu stärken.
Bewegung
Während der Chemotherapie kann regelmäßige Bewegung – etwa Spazierengehen, leichte Gymnastik oder Yoga – die Durchblutung verbessern und den Nervenstoffwechsel unterstützen. Auch eine gezielte Fuß- und Handpflege ist wichtig, um Reizungen oder kleine Verletzungen frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Besonders bei Nervenschäden an Händen oder Füßen ist bequemes Schuhwerk wichtig.
Cryotherapy
Ein spezieller, nachweislich wirksamer Ansatz zur Vorbeugung ist der Einsatz von Kühlhandschuhen und -socken (sog. „cryotherapy“) während der Chemotherapie. Durch das Kühlen der Hände und Füße während der Infusion wird die Durchblutung in diesen Bereichen verringert – damit gelangt weniger Chemotherapie-Wirkstoff in das Nervengewebe, was das Risiko für Nervenschäden senken kann. Diese Methode wird inzwischen in vielen Kliniken eingesetzt, insbesondere bei Paclitaxel.
Kribbeln etc.
Wichtig ist außerdem, dass Patientinnen frühzeitig über Symptome wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schmerzen in Händen oder Füßen sprechen, auch wenn diese zunächst mild erscheinen. Je früher das Behandlungsteam informiert wird, desto besser können Gegenmaßnahmen eingeleitet werden – z. B. eine Anpassung der Medikamentendosis oder begleitende Therapien wie das tägliche Eincremen mit cannabinoidhaltigem Hanföl (z. B. PNP-Öl, CBD-Öle) oder anderen schmerzlindernden Ölen (z. B. Aconit-Öl).
Nahrungsergänzung
In manchen Fällen kann nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt auch der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln (z. B. Alpha-Liponsäure, Vitamin E, B-Vitamine oder Omega-3-Fettsäuren) in Betracht gezogen werden, wobei die Wirksamkeit noch nicht einheitlich belegt ist.
Insgesamt gilt
Eine gute Vorbereitung, genaue Beobachtung und offene Kommunikation mit dem Behandlungsteam können helfen, das Risiko für chemotherapie-bedingte Nervenschäden zu senken oder zumindest deren Ausmaß zu begrenzen.

