Ich nehme Letrozol (zuvor Tamoxifen) und habe gelesen, dass Curcuma und besonders Piperin die Wirkung dieser Medikamente beeinträchtigen könnten. Stimmt das – und darf ich Curcuma überhaupt noch essen oder als Nahrungsergänzung verwenden?
Viele Brustkrebspatientinnen, die eine antihormonelle Therapie erhalten – sei es mit Letrozol oder zuvor mit Tamoxifen –, stoßen bei ihrer eigenen Recherche auf Informationen zu möglichen Wechselwirkungen mit pflanzlichen Wirkstoffen wie Curcumin (aus Curcuma) oder Piperin (aus schwarzem Pfeffer). Diese Bedenken sind verständlich, denn beide Substanzen können sogenannte Cytochrom-P450-Enzyme in der Leber beeinflussen – Enzyme, die auch für die Verstoffwechslung von Krebstherapeutika wie Letrozol und Tamoxifen wichtig sind.
Im Fall von Letrozol erfolgt der Abbau überwiegend über die Enzyme CY-P3A4 und CYP2A6. Curcumin kann diese Enzyme in Laborversuchen hemmen, was theoretisch dazu führen könnte, dass Letrozol langsamer abgebaut wird und dadurch in höherer Konzentration im Blut verbleibt. Ob das in der Praxis tatsächlich passiert – und vor allem in einem klinisch bedeutsamen Ausmaß –, ist bislang nicht durch belastbare Studien am Menschen belegt. Wichtig ist daher die Unterscheidung zwischen Curcuma in der Ernährung und in hochdosierter Form als Nahrungsergänzungsmittel: Die übliche Verwendung von Curcuma als Gewürz, etwa beim Kochen, ist völlig unbedenklich. Bei konzentrierten Präparaten mit hohen Dosen von Curcumin, insbesondere wenn zusätzlich Piperin enthalten ist, ist hingegen Vorsicht geboten. Piperin verstärkt die Aufnahme von Curcumin im Körper erheblich, hemmt aber ebenfalls mehrere Leberenzyme und kann damit die Verstoffwechslung von Medikamenten beeinflussen.
Für Tamoxifen ist die Lage noch sensibler: Dieses Medikament muss im Körper zunächst durch das Enzym CYP2D6 in seine aktive Form umgewandelt werden. Piperin und möglicherweise auch Curcumin können dieses Enzym hemmen. Wird CYP2D6 blockiert, kann Tamoxifen nicht ausreichend aktiviert werden – was theoretisch die Wirksamkeit der Behandlung beeinträchtigen könnte. Auch hier fehlt ein klarer klinischer Nachweis für diesen Effekt, doch aus Vorsicht wird empfohlen, bei einer Tamoxifen-Therapie auf Curcumin-Piperin-Präparate zu verzichten, solange kein ärztlicher Rat eingeholt wurde.
Curcuma als Gewürz ist bei einer antihormonellen Therapie mit Letrozol oder Tamoxifen unproblematisch. Wer jedoch hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel mit Curcumin und Piperin einnehmen möchte, sollte dies vorher mit dem behadelnden Arzt besprechen. Besonders bei Tamoxifen kann es sonst zu Wechselwirkungen kommen, die möglicherweise die Wirksamkeit beeinträchtigen. Bei Letrozol ist ein solcher Einfluss zwar theoretisch denkbar, aber bislang nicht belegt.
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