Mein Partner grillt gerne. Ich bin an Brustkrebs erkrankt, und er hat Prostatakrebs. Immer wieder lese ich, dass Grillen problematisch ist. Was sagen Sie dazu?

Schon lange ist bekannt, dass durch das Grillen krebserregende Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) entstehen, und zwar immer dann, wenn Fett, Fleischsaft oder Öl in der Glut verbrennen. Die PAKs steigen dann im Rauch hoch und lagern sich auch auf dem Grillgut oder in der Kleidung ab. Doch das ist nicht alles. Wenn rotes Fleisch nicht ganz durchgegart ist, überleben Viren, die wir dann mit dem Fleisch verzehren. So kann es zu einer Infektion mit diesen Erregern im Dickdarm oder Rektum kommen. Forscher vermuten, dass dadurch das Risiko für Dickdarmkrebs erheblich ansteigt. Durch die direkte nachbarschaftliche Lage der vergrößerten Prostata zum Dickdarm können auch Kanzerogene, z.B. PAKs aus gegrilltem Fleisch (Knize und Felton 2005) und möglicherweise andere krebsauslösende Erreger aus dem Rektum in die Prostata gelangen und die Entstehung eines Tumors zusätzlich fördern. Das ist ein weiterer Grund, kein gegrilltes, innen noch rohes Fleisch zu verzehren. Es ist nicht nur außen kanzerogen, sondern weist auch im Inneren möglicherweise eine Virenbelastung auf. Das Bovine Leukämie-Virus (BLV), das bei Rindern zu einem B-Zell-Blutkrebs führen kann, steht aktuell in Verdacht, Brustkrebs
auszulösen. In einer Studie konnte das Auftreten der Erkrankung mit dem Vorkommen dieser Viren im Brustgewebe in Verbindung gebracht werden. 59% der Frauen mit Brustkrebs hatten dieses Virus im Brustgewebe, bei den gesunden Frauen war es nur in 29% der Fälle nachweisbar (Buehring et al. 2015: www.welt.de/gesundheit/article146609873/Kann-ein-Rindervirus-Brustkrebs-ausloesen.html). Der Erreger kommt insbesondere in Kuhmilch vor. Vor allem bei großen Kuhherden führt die Vermischung der Milch in den riesigen Milchtanks zu einer Durchseuchungsrate von bis zu 100% (USDA 2008). Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, warum sich das Brustkrebsrisiko um 21% reduzieren lässt, wenn man weniger Milchprodukte zu sich nimmt (Brit J Cancer 2015; 112: 149–152). Eine Studie mit fast 450.000 Männern und Frauen aus 23 europäischen Ländern bestätigte das Risiko eines hohen Fleischverzehrs (Rohrmann S et al. / BMC Medicine 2013; doi:10.1186/1741-7015-11-63). Diejenigen, die mehr als 160 g Fleisch (rotes Fleisch) pro Tag verzehrten (das ist gerade mal ein kleines Schnitzel), hatten ein um 14% erhöhtes Risiko zu sterben als die Studienteilnehmer, die weniger als 20 g pro Tag konsumierten (das entspricht einem Schnitzel pro Woche). Beschränkte man den Vergleich auf verarbeitete Fleischwaren, wie z.B. Wurstwaren und Fertigprodukte, so gab es in der Gruppe der „Fleischesser” (wieder mehr als 160 g dieser Produkte) sogar 44% mehr Todesfälle als bei den überwiegenden „Grasessern“ (weniger als 20 g verarbeitete Fleischwaren). Betrachtet man einzelne Todesursachen, so steigt mit hohem Fleischkonsum die Sterberate um 7% für Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle, aber um 21% für krebsbedingtes Sterben. Schauen wir auf den Verarbeitungsgrad der Fleischwaren: Bei verarbeitetem Fleisch (wie Wurst oder Schinken) kam es bei mehr als 160 g pro Tag zu 72% mehr Herz-Kreislauf-Todesfällen und zu „nur” 21% mehr Krebstoten. Von daher halten wir es für wichtig, den Fleischkonsum insgesamt zu überdenken. Die WHO stuft verarbeitetes Fleisch als genauso krebserregend ein wie das Rauchen und rotes Fleisch so gefährlich wie Arsen. Wenn Sie damit anfangen, weniger Fleisch und dafür mehr Gemüse zu grillen, wäre ein großer Schritt in Richtung Gesundung getan. Gleichzeitig hielten wir es für unangemessen und eindimensional, allein dem Grillen die Schuld an Ihrer Erkrankung zu geben. Krebs ist immer ein multifaktorielles Geschehen. Viele Aspekte haben eine Auswirkung auf das individuelle Erkrankungsrisiko. Auf manche haben wir mehr Einfluss, auf andere weniger. Daher ist es sinnvoll, die Risiken zu minimieren, auf die wir praktisch einwirken können – ohne etwas per se zu verteufeln oder fanatisch zu werden.