Therapie begleiten – Hilfe bei Nebenwirkungen

Editorial der momentum 3 / 2026 von Dr. med. György Irmey
Eine Krebstherapie fordert den ganzen Menschen. Neben der medizinischen Behandlung stellt sich für viele Betroffene die Frage, was sie selbst tun können, um Beschwerden zu lindern und ihre Lebensqualität zu erhalten. Sinnvolle Unterstützung reicht von Bewegung, Ernährung und Entspannung bis zu gezielten integrativmedizinischen oder komplementäronkologischen Maßnahmen.
Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele Ansätze oder Methoden gleichzeitig auszuprobieren. Weniger ist oft mehr. Eine Maßnahme sollte zur persönlichen Situation, zur jeweiligen Therapiephase und zu den eigenen Bedürfnissen passen. Ebenso wichtig ist es, Sinn und Grenzen zu verstehen. So lässt sie sich bewusster in den Alltag integrieren. Dabei möchte die Gesellschaft für Biologische Krebsheilkunde Orientierung geben: unabhängig, gut verständlich und vor allem mit Blick auf den ganzen Menschen. Viele konventionelle Krebstherapien wirken gegen Tumorzellen, können jedoch zugleich gesunde Zellen und Körperfunktionen beeinträchtigen oder schädigen. Betroffen sein können Haut und Schleimhäute, das Nervensystem, die Verdauung oder der Hormonhaushalt. Die Folgen reichen von Erschöpfung, Fatigue und Schlafstörungen über Hautreizungen und Verdauungsbeschwerden bis hin zu Polyneuropathien.
Dr. Nicole Weis gibt in ihrem Leitartikel einen fundierten Überblick über Möglichkeiten, typische Nebenwirkungen zu begleiten und Beschwerden zu lindern. Im Mittelpunkt steht die individuelle Auswahl. Nicht jede Empfehlung eignet sich für jeden Menschen, und nicht alles, was allgemein als hilfreich gilt, ist in jeder Therapiesituation sinnvoll. Eine gute Begleitung berücksichtigt Diagnose, Behandlung, Begleiterkrankungen und persönliche Belastbarkeit.
Auch das Fasten rund um eine Chemotherapie wird zunehmend diskutiert. Ärztlich begleitet kann es für ausgewählte Patientinnen und Patienten eine unterstützende Möglichkeit sein. Dr. Annette Jänsch erläutert, für wen ein solches Vorgehen infrage kommt, worauf zu achten und wann davon abzuraten ist.
Neben körperlichen Beschwerden spielen seelische Belastungen eine große Rolle. Ängste, Unsicherheit und Kontrollverlust können die Erkrankung zusätzlich erschweren. Dr. Petra Barron sprach hierzu mit Dr. Gunther Schmidt, Mitbegründer des Milton-Erickson-Instituts Heidelberg und langjähriger ärztlicher Leiter der sysTelios Kliniken.
Eine seiner zentralen Aussagen lautet: Menschen verfügen über weit mehr innere Ressourcen, als sie meist vermuten. Diese Ressourcen wollen erkannt und aktiviert werden. Frühere Erfahrungen prägen unsere Entwicklung, und auch die gegenwärtigen Lebensbedingungen haben großen Einfluss. Doch wir sind dem Erlebten nicht zwangsläufig ein Leben lang ausgeliefert. Erkenntnisse aus Hirnforschung und Psychotherapie zeigen, dass Veränderung möglich bleibt.
Entscheidend ist daher nicht allein, was früher geschehen ist, sondern wie wir heute damit umgehen. Gerade bei einer Krebserkrankung kann gute Begleitung dazu beitragen, dass Menschen erleben: Ich bin mehr als meine Angst, mehr als meine Diagnose und mehr als das, was mir widerfahren ist. Wirkliche Unterstützung schafft keine Abhängigkeit. Sie stärkt Orientierung, Vertrauen und schließlich die Erfahrung und das Erleben von Selbstwirksamkeit.
Mit dieser Ausgabe möchten wir vielfältige Anregungen geben, die medizinische Therapie gut informiert und selbstbestimmt zu begleiten – mit Augenmaß, fachlicher Orientierung und großem Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten.
In herzlicher Verbundenheit
Ihr Dr. med. György Irmey
Ärztlicher Direktor der Gesellschaft für Biologische Krebsheilkunde e. V.
Hinweis:
Der Text ist als Editorial der Heftnummer 3 / 2026 „Therapie begleiten – Hilfe bei Nebenwirkungen“ erschienen. Die „momentum – gesund leben bei Krebs“ erscheint viermal jährlich für alle Mitglieder unserer Gesellschaft.
Wenn auch Sie Mitglied unserer Gesellschaft werden möchten, finden Sie alle Informationen hier auf unserer Website.


