Was nährt mich? – Editorial von Dr. med. György Irmey
Mikronährstoffe – was nährt mich?
Editorial der momentum 2 / 2025 von Dr. med. György Irmey, Ärztlicher Direktor der GfBK
Was nährt mich? Diese scheinbar einfache Frage berührt einen tiefen Kern unseres Menschseins. Gerade in Zeiten einer schweren Erkrankung, wie einer Krebsdiagnose, wird sie auf einmal dringlich. Denn es geht dann nicht mehr nur um das reine Überleben, sondern um das Leben an sich. Um das, was trägt, was stärkt, was uns mit Hoffnung und Kraft verbindet.
„Es ist nicht der Mangel an Nahrung, der uns krank macht, sondern der Mangel an dem, was uns wirklich nährt.“ (unbekannt)
Die aktuelle Ausgabe von momentum widmet sich dem Thema der Mikronährstoffe in der orthomolekularen Medizin. Im Zentrum stehen Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente – kurz: Mikronährstoffe, die oft im Schatten stehen und dennoch eine zentrale Rolle für Gesundheit und Wohlbefinden spielen. Eine orthomolekulare Medizin als Ansatz der gezielten Zufuhr von Mikronährstoffen will den Körper darin unterstützen, seine natürlichen Regulationsprozesse zu fördern.
Dazu gehören besonders Vitamin C und D, Selen, Zink, Lithium, Magnesium sowie Omega-3-Fettsäuren und viele Substanzen mehr. Viele von ihnen können eine sinnvolle, unterstützende Begleitung bei einer Krebserkrankung sein. Es ist gut, ihren Einsatz im Idealfall individuell abzustimmen und achtsam in eine Behandlung zu integrieren. Wie bei allenMaßnahmen ist die persönliche Stimmigkeit wichtig.
Dass diese winzigen Helfer so kraftvoll wirken können, zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse nachweislich. Schon 2022 veröffentlichte das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg Daten einer Metaanalyse: Würden alle Menschen über 50 Jahre regelmäßig Vitamin D einnehmen, gäbe es in Deutschland jährlich rund 30.000 krebsbedingte Todesfälle weniger. Eine beeindruckende Zahl – und doch: Solche bahnbrechenden Erkenntnisse finden oft zu wenig und zu spät ihren Weg in die medizinische und individuelle Praxis. Häufig erst dann, wenn eine Erkrankung bereits da ist, öffnen sich Menschen für diese Themen.
Bei vielen chronischen Erkrankungen wie auch Krebserkrankungen gehört zu einer guten Basistherapie allerdings mehr als die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Die Grundlage ist und bleibt eine ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährung – angepasst an die persönlichen Bedürfnisse. Ebenso entscheidend ist eine gesunde Darmfunktion, denn sie ermöglicht die Aufnahme all jener Stoffe, die unseren Körper stärken können und sollen. Und schließlich ist für einen gesunden Lebensstil das Zusammenspiel vieler Elemente entscheidend: Bewegung, Entspannung, Schlaf, frische Luft – all das gehört dazu und sollte in seiner Bedeutung nicht zu gering geschätzt werden. Die Beschäftigung mit Mikronährstoffen ist mehr als eine medizinische oder ernährungsphysiologische Frage. Sie ist auch eine Einladung, sich sich selbst zuzuwenden: Was tut mir gut? Was nährt mich wirklich – körperlich, seelisch, zwischenmenschlich? So geht die Frage „Was nährt mich?“ tiefer. Sie weist über das Physische hinaus – hinein ins Geistige und ins Seelische. Was gibt mir inneren Halt? Was schenkt mir Sinn, Zuversicht, Lebensfreude? Und was tut mir nicht gut? In einer Welt voller Reize und Informationsflut kann auch die „digitale Nahrung“ zur Belastung werden – zu viel davon erschöpft, lenkt ab, raubt innere Ruhe. Gerade in Phasen der Heilung ist es heilsamer, sich bewusst dem zuzuwenden, was wirklich nährt: ein gutes Gespräch, ein Spaziergang, Stille, Musik, ein Lächeln.
Mit den Worten von Luise Reddemann mag ich diese einleitenden Gedanken schließen: „Heilung beginnt dort, wo wir beginnen, gut für uns selbst zu sorgen.“
Ihr Dr. med. György Irmey
Hinweis: Die „momentum – gesund leben bei Krebs“ erscheint viermal jährlich für alle Mitglieder unserer Gesellschaft, einzelne Inhalte veröffentlichen wir auch im Internet. Wenn auch Sie Mitglied unserer Gesellschaft werden möchten, finden Sie alle Informationen hier auf unserer Website. Der Text ist als Editorial der Heftnummer 2 / 2025 „Mikronährstoffe und Stoffwechsel – was uns nährt“ erschienen.