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Fatigue – Editorial von Dr. med. György Irmey

All das, was in der Welt geschieht, geht nicht spurlos an uns vorbei. Die Geschwindigkeit unserer Welt nimmt kontinuierlich zu. Wir leben in einer Zeit der Verdichtung: Informationen prasseln unaufhörlich auf uns ein, digitale Beschleunigung bestimmt den Alltag, künstliche Intelligenz verändert Arbeits- und Lebenswelten, während vielfältige Krisen, Unsicherheiten und persönliche Sorgen gleichzeitig unsere Aufmerksamkeit fordern. Viele von uns sind erschöpft – so wie auch die Natur erschöpft wirkt, wenn sie sich im Winter zurückzieht.
© Foto: Adobe Stock, goodluz

Raus aus der Müdigkeit – Ressourcen entdecken

Editorial der momentum 1 / 2026

All das, was in der Welt geschieht, geht nicht spurlos an uns vorbei. Die Geschwindigkeit unserer Welt nimmt kontinuierlich zu. Wir leben in einer Zeit der Verdichtung: Informationen prasseln unaufhörlich auf uns ein, digitale Beschleunigung bestimmt den Alltag, künstliche Intelligenz verändert Arbeits- und Lebenswelten, während vielfältige Krisen, Unsicherheiten und persönliche Sorgen gleichzeitig unsere Aufmerksamkeit fordern. Viele von uns sind erschöpft – so wie auch die Natur erschöpft wirkt, wenn sie sich im Winter zurückzieht.

Besonders für Menschen, die sich mit einer Krebserkrankung auseinandersetzen, potenziert sich diese Erschöpfung vielfältig. Der Körper arbeitet auf Hochtouren, die Seele verarbeitet Angst, Sorgen, Hoffnung, Zweifel und Mut, und der Alltag verlangt dennoch nach reibungslosem Funktionieren.

Unser Körper hat keine Beschleunigungslogik. Unsere Wahrnehmung ist nicht darauf ausgelegt, alles gleichzeitig aufzunehmen und immer bereit zu sein, ohne zu verschnaufen. Zu viele Herausforderungen auf einmal, denen wir uns manchmal machtlos gegenüber fühlen, können Kräfte rauben und den Blick für das Wesentliche verstellen. Die Medizin spricht von Fatigue.

Die Natur zeigt uns seit jeher einen anderen Weg: Sie gönnt sich Pausen. Im Winter ruht sie, sammelt Energie und bereitet sich im Verborgenen auf neues Wachstum vor. Der Mensch hingegen treibt sich oft weiter an. Wir wollen alles richtig machen, perfekt sein, sind ständig dabei, uns zu optimieren, und möchten alles unter Kontrolle haben. In diesem Optimierungswahn vergessen wir, wie lebensnotwendig Phasen der Ruhe, der Entspannung und des bewussten Innehaltens sind – gerade dann, wenn wir glauben, keine Zeit dafür zu haben.

Ein erster, einfacher Schritt kann das Medienfasten sein. Legen Sie das Handy bewusst für wenigstens ein paar Stunden beiseite oder entscheiden Sie sich für eine Woche ohne Nachrichtenflut. Diese kleinen Auszeiten schaffen Raum für Stille, für das eigene Empfinden und für das, was Ihnen guttut.

Ebenso wichtig ist die Ernährung: Essen Sie so, dass Ihr Körper – und besonders Ihre Darmflora – sich freut. Victoria Rosenbach schreibt in ihrem Artikel: Ihr Mikrobiom liebt alles, was sein Wirt auch mag: Essen, Ruhe, Bewegung. Ergänzen Sie Ihre Nahrung gegebenenfalls mit sinnvollen Mikronährstoffen. Richten Sie den Blick auf die kleinen Stellschrauben Ihres Lebens. Was lässt sich verändern, um den Alltag leichter, freundlicher oder achtsamer zu gestalten? Manchmal sind es unscheinbare Dinge – ein kurzer Spaziergang, ein Gespräch, das Lächeln eines Kindes, ein bewusster Moment der Selbstliebe, eine kreative Tätigkeit –, die neue Kraft schenken. Kümmern Sie sich um kleine Dinge in Ihrem Leben, die Sie verändern können und die Ihnen helfen, den Alltag besser zu bewältigen.

So wünsche ich Ihnen von Herzen, dass die Knospen in Ihnen reifen dürfen. Mögen die Knospen nach einem Ruheprozess im Laufe des Frühjahrs mit neuer Kraft, Zuversicht und Motivation aufbrechen und sich entfalten – in dem Ihnen gemäßen Tempo und auf die Ihnen gemäße Weise.

In Verbundenheit

Ihr Dr. med. György Irmey

thumb 2025 3Hinweis:
Der Text ist als Editorial der Heftnummer 1 / 2026 „Fatigue – Raus aus der Müdigkeit“ erschienen.  Die „momentum – gesund leben bei Krebs“ erscheint viermal jährlich für alle Mitglieder unserer Gesellschaft.
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