Patienten fragen

Nebenwirkungen



Yoga reduziert Nebenwirkungen

Inwieweit können Entspannungsverfahren bei belastenden Therapien hilfreich sein?

 Sie sprechen ein aktuelles Thema an. Erst kürzlich wurden die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, in der die Wirkungen von verschiedenen Entspannungsverfahren auf die Lebensqualität verglichen wurden (Chandwani D et al./JCO 2014). Forscher des Anderson Cancer Centers in Houston untersuchten 191 Brustkrebspatientinnen, die während einer Strahlentherapie der Brust entweder Yogaübungen, einfache Streckübungen oder gar keine Übungen durchführten. Sie übten sechs Wochen lang, und zwar dreimal wöchentlich. Anschließend beantworteten die Frauen einen Fragebogen zu den Nebenwirkungen der Strahlentherapie. Zusätzlich wurde bei ihnen das Stresshormon Cortisol im Speichel bestimmt. Die Untersuchung zeigte, dass die täglichen Cortisol-Werte bei der Yoga-Gruppe am stärksten abfielen. Dies ist eine wichtige Beobachtung, da angenommen wird, dass ein gestörter Cortisol-Tagesrhythmus den Erkrankungsverlauf bei Krebspatienten ungünstig beeinflussen kann. Außerdem litten die Teilnehmerinnen, die regelmäßig Yoga- oder Streckübungen durchführten, seltener an Schwäche oder Abgeschlagenheit. Die körperliche Lebensqualität wurde durch Yoga-Übungen mehr gefördert als durch Streckübungen. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Entspannungsverfahren zur Linderung von Nebenwirkungen belastender Therapien. Auch eine andere Studie bestätigt die enorme Bedeutung: Durch Meditation und Entspannung können entzündliche Reaktionen verhindert werden (Kaliman P/Psychoneuroendocrinology  2014).

Säureblocker schwächen die Knochen

Ich nehme Magensäureblocker ein und habe Angst vor Nebenwirkungen. Worauf muss ich achten?

Magensäureblocker (Antazida) sollen die Magensäureproduktion verringern. Vor allem während der Chemotherapie werde sie häufig verschrieben, um Sodbrennen oder eine Magenschleimhautentzündung zu behandeln. Allerdings liegt die Ursache dieser Probleme während einer Chemotherapie nicht in einem Zuviel an Magensäure, sondern in der Schädigung der Magenschleimhaut durch die Zytostatika. Wenn dann Magensäure auf eine entzündete Schleimhaut trifft, verstärkt sich das Problem. Die natürliche Säure im Magen ist wichtig für eine gesunde Verdauung. Außerdem schützt sie den Körper vor Krankheitserregern und Keimen. Wird diese Wirkung durch Medikamente beeinträchtigt, welche die Magensäure neutralisieren, kann es zu einer erhöhten Infektanfälligkeit im Magen-Darm-Trakt kommen. Dies wurde 2011 erstmals in einer Studie bestätigt: Patienten, die Magensäureblocker einnahmen, hatten ein höheres Risiko an den Folgen einer Infektion mit dem Krankenhauskeim Clostridium difficile zu sterben. Magensäureblocker können die Aufnah-me von arzneilichen Wirkstoffen im Organismus verringern. Daher dürfen sie grundsätzlich nicht gleichzeitig mit anderen Medikamenten eingenommen werden. Dies betrifft Antibiotika, die oral verabreicht werden, ebenso wie Eisen, Zink, B-Vitamine, Vitamin A und C. Zwischen der Einnahme eines Säureblockers und anderer Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel braucht es daher einen Abstand von etwa zwei Stunden. Berücksichtigen Sie auch, dass Schmerzmittel, wie z. B. Acetylsalicylsäure oder Diclofenac Sodbrennen verstärken können. Die Nebenwirkungen, die Magensäureblocker in der dauerhaften Anwendung haben, werden oft nicht berücksichtigt. Eine aktuelle Studie kommt sogar zu dem Schluss, dass Magensäureblocker aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer (Omeprazol oder Pantoprazol) das Risiko für Knochenbrüche erhöhen, wenn sie länger als zwei Jahre eingenommen werden. Greifen Sie daher nur im Akutfall zu Antazida. Wir raten bei leichten Fällen von Sodbrennen und Gastritis eher zu naturheilkundlichen Mitteln. Versuchen Sie den Beschwerden ganzheitlich zu begegnen, z. B. durch Ernährungsmaßnahmen, Heilpflanzen (Melisse, Kamille), Heilerde, Homöopathie bzw. eine Säure-Basen-Regulation.

Trockene Augen – was hilft?

Seit einiger Zeit sind meine Augen gereizt, sodass ich ständig daran reiben muss. Welche naturheilkundlichen Mittel können hier Linderung bringen?

Schätzungen zufolge leiden etwa 15 Prozent der Bevölkerung unter trockenen Augen. Auch bei Patienten, die eine Chemo- oder Antihormontheapie erhalten, können Beschwerden durch trockene Augen auftreten. Hormonelle Störungen oder Entzündungen der Tränendrüsen können dazu führen, dass der Tränenfilm nicht ausreicht. Oft klagen die Betroffenen gar nicht über ein trockenes Auge, sondern darüber, dass es brennt, juckt oder tränt. Konsultieren Sie in diesem Fall immer zuerst einen Augenarzt. Dieser wird Ihnen wahrscheinlich Tränenersatzmittel als Gel oder Tropfen verschreiben. Augensprays mit Liposomen scheinen etwas besser die Fette in der Tränenflüssigkeit nachzuahmen. Achten Sie besonders darauf, dass diese Medikamente frei von Konservierungsmitteln sind. Trockene Augen bzw. das sogenannte Sicca-Syndrom sollten vielschichtig angegangen werden. In der Naturheilkunde hat sich die Anwendung von Augentrost (Euphrasia) als Augentropfen bewährt. Sie können die Tropfen alleine oder kombiniert mit Fencheltee auf Kompressen träufeln und diese zur Beruhigung auf die geplagten Augen legen. Die Anthroposophische Apotheke nutzt bei trockenen Augen außerdem die Wirkung von Schöllkraut: Chelidonium wird häufig als Lebermittel eingesetzt. Und so tragen beispielsweise die Weleda Chelidonium RhD4-Augentropfen der Beziehung zwischen Leber und Auge Rechnung, wie sie auch aus der östlichen Medizin bekannt ist. Die Leber direkt zu stärken mit Leberwickeln oder pflanzlichen Mitteln (Mariendistel & Co.) kann ebenso Bestandteil einer ganzheitlichen Herangehensweise sein, wie die Sanierung der Darmflora (Symbioflor, Colibiogen etc.). Denn eine Störung des schleimhautassoziierten Abwehrsystems im Darm kommt ebenfalls als Ursache in Betracht. Auch der gezielte und verantwortungsbewusste Einsatz von homöopathischen Arzneien kann erwogen werden. Wenden Sie sich bei anhaltenden Beschwerden an einen naturheilkundlich orientierten Arzt oder Heilpraktiker.

Krebstherapie mit Antikörpern – Behandlung von Hautausschlägen

Ich habe Lungenkrebs und bekomme seit einigen Monaten eine Antikörperbehandlung mit Tarceva. Nun treten seit einigen Wochen vermehrt akneartige Hautausschläge im Gesicht auf, die mich sehr belasten. Was kann ich dagegen tun?

Viele neue Therapieformen wie z.B. Antikörper, die bei Tumoren der Lunge oder des Darms zunehmend eingesetzt werden, haben völlig andere Nebenwirkungen als chemotherapeutisch wirksame Substanzen. Insbesondere die akneartigen Hautreaktionen, die sich auch entzünden können, machen den Betroffenen oft sehr zu schaffen. Ein kleiner Trost ist häufig dann nur, dass bei Auftreten dieser Hautveränderungen meist auch die Therapie anspricht. Insofern für viele Patienten ein wichtiger Grund, um die Behandlung trotzdem weiterzumachen.

Von schulmedizinischer Seite werden antientzündlich wirkende Präparate wie lokale Kortikoide oder Antibiotika eingesetzt, die aber auch wiederum Nebenwirkungen haben. Da die geschädigte Haut bei Untersuchung unter dem Mikroskop Ähnlichkeit mit der Psoriasis (Schuppenflechte) aufweist, wäre auch ein Behandlungsversuch mit Selen und Thymuspeptiden denkbar, da bei Psoriasis-Patienten Abheilungen der Hautveränderungen durch eine Kombinationstherapie mit Selen, Thymuspeptiden, Zink und Vitamin-B-Komplex beobachtet wurde. Ob dies jedoch auch auf Patienten übertragbar ist, bei denen Hautveränderungen durch Antikörper (wie z.B. Tarveca) aufgetreten sind, bleibt spekulativ. Da von Selen bekannt ist, dass es das die Nebenwirkungen von belastenden Therapien reduziert, möchten wir Ihnen als Therapieversuch zumindest eine Selengabe mit Natrium-Selenit empfehlen.

Gut helfen auch lokale Maßnahmen, wie z.B. eine Austrocknung durch Gels, die bei Entzündungen auch Antibiotika enthalten sollten. Zunächst sollte auf eine rückfettende Hautpflege verzichtet werden, sondern die Haut eher mit Lotionen gepflegt werden. Zur Beruhigung der Haut kann es auch sehr gut sein, ein mit reinem Aloe vera Saft getränktes Vlies auf die betroffenen Stellen einwirken zu lassen. Besonders im Sommer ist es wichtig, Lichtschutzpräparate mit hohem Lichtschutzfaktor zu verwenden bzw. die zu starke und zu lange Sonneneinstrahlung eher zu vermeiden. Bei der täglichen Hautreinigung ist es wichtig, Reinigungsgele oder milde Cremeseifen, die unparfümiert sind und den pH-Wert der Haut erhalten, zu verwenden. Außerdem ist es sinnvoll, Handtücher nach einmaliger Verwendung bei 60 Grad zu waschen, um Entzündungen vorzubeugen.

Hand-Fuß-Syndrom

Seitdem ich als Krebspatientin mit einem bestimmten neuen Medikament behandelt werde, schält sich bei mir die Haut an Händen und Füßen. Was kann ich tun, damit diese belastende Nebenwirkung etwas besser wird?

Vermutlich haben Sie ein Hand-Fuß-Syndrom: Darunter versteht man Störungen der Sensorik an den Handinnenflächen und an den Fußsohlen, die durch entzündliche Hautveränderungen ausgelöst werden. Es tritt meist infolge einer bestimmten Chemotherapie, insbesondere unter Capecitabin (Xeloda), aber auch unter 5-Fluorouracil und liposomalen Doxorubicin auf. Häufig finden sich zusätzlich ein Abschuppen der Haut, Taubheit, Kribbeln und eine Überempfindlichkeit für Wärme. Unbehandelt kann das Hand-Fuß-Syndrom schwere Funktionseinschränkungen auslösen, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen können.
Tritt ein Hand-Fuß-Syndrom auf, wird der behandelnde Arzt meistens eine Dosisreduktion der Chemotherapie empfehlen, in schweren Fällen auch ein Absetzen der Therapie. Begleitend erfolgt eine lokale Behandlung mit Feuchtigkeitslotionen, Cremes und Harnstoffhaltigen Salben.
In der biologischen Medizin liegen gute Erfahrungen mit der Einnahme von ß-Carotin, Vitamin D, E und Hanföl sowie der lokalen Anwendung von Hanföl vor. Vor allem das 2-mal tägliche Eincremen der Hände und Füße mit speziellen Hanfölzubereitungen ist eine einfache und sehr effektive Maßnahme (Koula-Jenik H/DZO 2010).

 

Polyneuropathie

Ich leide an Nervenschmerzen durch eine Chemotherapie und möchte gerne wissen, was ich naturheilkundlich tun kann, um die Beschwerden zu lindern.


Unter dem Begriff Polyneuropathien versteht man Nervenschädigungen, wobei sich das Wort zusammensetzt aus poly (viele) und Neuropathie (Nervenerkrankung). Polyneuropathien können viele verschiedene Ursachen haben. In der Regel sind die Nerven mit besonders langen Leitungsbahnen betroffen, also die Nerven von Händen und Füßen. Am häufigsten betroffen sind Diabetiker und Alkoholkranke. Aber auch bestimmte Chemotherapeutika (z.B. Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin, Taxol, Taxotere) können eine Polyneuropathie auslösen. Allerdings treten nicht bei allen Patienten, die eine solche Chemotherapie erhalten haben, Beschwerden im Sinne einer Polyneuropathie auf, so dass sich die Behandlung immer auch nach dem Schweregrad der Symptome richtet. So bemerken einige Patienten nur ein leichtes Kribbeln und Taubheitsgefühl in Händen und Füßen, das nach einigen Wochen wieder verschwindet. Bei anderen wiederum können die Beschwerden bis hin zu stechenden Schmerzen so ausgeprägt sein, das sie die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
In der biologischen Medizin haben einige Ärzte gute Erfahrungen mit der Einnahme von L-Carnitin, einer vitaminähnlichen Substanz gemacht. Hierbei werden Dosierungen von etwa täglich 3-4 g L-Carnitin vorbeugend eingesetzt. Selen, B-Vitamine und alpha-Liponsäure werden auch häufig empfohlen; die individuelle Dosierung sollte immer mit einem naturheilkundlich erfahrenen Therapeuten besprochen werden.
Vielversprechende Daten gibt es auch für die Gabe von Glutamin, Glutathion und Vitamin E. So gab es weniger Nervenschädigungen, wenn Vitamin E gegeben wurde; allerdings wurde dies in nur wenigen Pilotstudien mit unzureichendem Studiendesign dokumentiert. Ob sich diese Ergebnisse auch auf die breite Praxis übertragen lassen, müssen weitere Studien klären.
Nicht vergessen: Auch krankengymnastische Maßnahmen haben eine große Bedeutung, wie z.B. Massagen und wechselnde Temperaturreizungen mit warmen und kalten Wasser. Die lokale Anwendung eines Peelings kann ebenfalls schmerzlindernd sein: Einmal täglich Hände und/oder Füße mit 2 Teilen Olivenöl und 1 Teil Zucker, 10 Minuten einreiben, danach gut abspülen. Einigen Patienten hilft auch die Anwendung einer Bioresonanztherapie.
Generell ist bei einer nervenschädigenden Chemotherapie das 3-4 x tägliche Eincremen mit Hanföl oder Cremes, die Adelmidrol enthalten, eine einfache und effektive Maßnahme.

Erythropoetin und Fatigue

Durch die schulmedizinische Behandlung - insbesondere der Chemotherapie - leide ich zunehmend an Schwäche und Müdigkeit. Mein Arzt hat mir wegen einer Blutarmut zusätzlich die Anwendung von Erythropoetin verordnet. Was halten Sie davon? Und was kann ich von biologischer Seite her zusätzlich tun?

Leiden Krebspatienten unter Schwäche, Müdigkeit und Erschöpfung, so liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit das sog. Fatigue-Syndrom vor. Dieses bezeichnet keine eigene Krankheit, sondern eine Vielzahl an Beschwerden. So unterschiedlich die verschiedenen Tumorerkrankungen und Behandlungsformen sind, so individuell werden auch die Beschwerden geäußert. Viele Betroffene fühlen sich schon nach kleinen Anstrengungen, wie Duschen, Treppensteigen oder beim Essen nachhaltig erschöpft. Andere wiederum können sich schlecht konzentrieren und bringen selbst zum Lesen, Telefonieren oder sogar zum Zähneputzen keine Kraft auf.
Das Fatigue-Syndrom kann durch viele Faktoren begünstigt werden. Als Hauptursache gilt die Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff. Belastende Therapien, wie Chemo– oder Strahlentherapie aber auch die Tumorerkrankung selbst stellen den häufigsten Auslöser dar. Es kommt zu einem Mangel an roten Blutkörperchen (Anämie), wodurch der Körper nur noch mangelhaft mit Sauerstoff versorgt werden kann. Aber auch andere Therapiefolgen wie Übelkeit, Appetitlosigkeit und Mundschleimhautentzündungen führen durch verringerte Nährstoffaufnahme zum Nachlassen der Kraftreserven. Chronische Infektionen, Funktionsstörungen der entgiftenden Organe (Leber, Niere), Schmerzen und Mangel an körperlichem Training können ebenfalls Müdigkeit und Erschöpfung auslösen. Von großer Bedeutung ist auch die psychische Anspannung angesichts der Diagnosestellung und den damit verbundenen existentiellen Sorgen und Ängsten.
Schulmedizinisch konzentrieren sich die meisten Behandlungen darauf, den durch Blutarmut hervorgerufenen Sauerstoffmangel zu beheben. Neuerdings wird alternativ zu Bluttransfusionen ein körpereigenes Hormon eingesetzt: Erythropoetin, kurz EPO genannt. Es regt im Knochenmark die Bildung von roten Blutkörperchen an, die den Sauerstoff im Körper transportieren. Weltweit bekannt wurde das Hormon, seit Sportler es als Dopingmittel missbrauchten. Ein Maß für die Menge an roten Blutkörperchen ist das Hämoglobin (roter Blutfarbstoff). Dieses kann im Blut durch den sog. Hämoglobinwert - Abkürzung „Hb-Wert" - bestimmt werden. Grundsätzlich sollte bei der Behandlung mit Erythropoetin der Hämoglobin-Wert jedoch nicht auf über 12 g/dl angehoben werden, insbesondere da einigen Studien zufolge durch zu starkes „Doping" mit Erythropoetin die Überlebenchancen von Krebspatienten verringert werden können (z.B. Lappin T/Oncologist 2007 und Wright JR/J Clin Oncol 2007). Nachgewiesen ist dies bei Patienten mit Brustkrebs, Kopf-Hals-Tumoren und großzelligem Lungenkrebs. Ursache für diese Beobachtung könnte sein, dass der isoliert gegebene Wachstumsfaktor Erythropoetin auch das Wachstum von Tumorzellen anzuregen vermag. Wir raten deshalb, Erythropoetin nicht allein zur Hb-Wert-Korrektur, sondern nur bei zusätzlich vorliegenden, auf die Anämie zurückzuführenden Beschwerden einzusetzen.
Was man als Patient selbst tun kann, um mehr Sauerstoff ins Gewebe zu bringen, sind Spaziergänge an frischer Luft, Atemgymnastik sowie sportliche oder gymnastische Übungen. Auch die von ganzheitlich arbeitenden Therapeuten angewandte Sauerstoff-Therapie, z.B. als Inhalation, bringt in der ambulanten Behandlung schnelle Erfolge. Bei der Blutbildung wird Eisen gebraucht, daher können Eisenpräparate, Folsäure oder Vitamin B12 zusätzlich helfen. Auch Rote-Beete-Saft oder roter Traubensaft fördern die Blutbildung. Außerdem sollten Nährstoffdefizite ausgeglichen, Entgiftungsorgane gestärkt und die Darmschleimhaut regeneriert werden. (siehe GfBK-Infos: Darmregulation, Ausleitung und Entgiftung wie auch Vitamine) Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gerne an den ärztlichen Beratungsdienst unserer Gesellschaft.

Vitamin D und Aromatasehemmer

Ich nehme Aromatasehemmer und leide unter den Nebenwirkungen, besonders unter den Knochenschmerzen. Was kann ich dagegen tun?

Bei vielen Frauen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs werden Aromatasehemmer verordnet. Sie blockieren das Enzym Aromatase und verhindern so die Umwandlung von Östrogenvorstufen zu Östrogen in Geweben wie Muskeln, Fett- und Brustdrüsengewebe. Aromatasehemmer wirken vor allem bei Frauen nach den Wechseljahren, wenn die Hormonproduktion in den Eierstöcken deutlich nachlässt. Bei vielen Frauen, die sich dieser vorbeugenden Therapie unterziehen, treten Knochen- und Gelenkschmerzen (sog. Arthralgien) sowie Fatigue- Symptome auf, was zu einem Therapieabbruch führen kann. Die Gelenkschmerzen sind leider nur sehr schwer zu behandeln. Bisher empfahlen Therapeuten versuchsweise vor allem Weidenrinde, Teufelskralle oder Akupunktur.
Neue Studienergebnisse zeigen, dass eine zusätzliche Vitamin-D-Gabe helfen kann, diese Nebenwirkungen zu mindern (Khan QJ et al. / J Clin Oncol 2012; 30; suppl; abstr 9000). 147 Patientinnen erhielten täglich eine Therapie mit Letrozol plus 600 I. E. (= Internationale Einheiten), Vitamin D3 und 1200 mg Kalzium sowie zusätzlich nach dem Losprinzip ausgewählt entweder weitere 30 000 I. E. Vitamin D3 pro Woche oder ein Placebo. Von den Patientinnen, die zusätzlich hochdosiert Vitamin D3 erhalten hatten, litten nach 24 Wochen bedeutend weniger unter Knochen- und Gelenkschmerzen sowie an Fatigue-Symptomen.
Durch Vitamin D wird der ungünstige Einfluss der Aromatasehemmer auf Knochen- und Gelenkschmerzen minimiert. Zudem verbessert es die Knochendichte (Osteoporose ist eine weitere Nebenwirkung dieser Therapieform). Daher empfehlen wir, bei jeder Brustkrebspatientin standardmäßig eine Bestimmung des Vitamin-D Spiegels durchführen zu lassen. Bei einer Substitution sollte der 25-OH-D-Spiegel einen Zielwert von mehr als 40 ng / ml erreichen. Wenn Sie einen Aromatasehemmer einnehmen, lassen Sie außerdem halbjährlich Ihre Knochendichte mit dem DXA-Verfahren (= Dual-X-Ray-Absorptiometrie) messen sowie Ihren Kalzium-Spiegel und die Alkalische Phosphatase (AP) im Blut bestimmen.

Bestrahlung Kopf-Hals-Bereich

Ich habe Mundboden-Krebs und werde im Kopf-Hals-Bereich bestrahlt. Die starken Nebenwirkungen, wie Mundschleimhautentzündung, plagen mich sehr. Was kann ich dagegen tun?

Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitiden) treten als Nebenwirkungen einer Chemotherapie auf. Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren sind davon besonders schwer betroffen, da meistens auch noch eine Bestrahlung im Mund-Rachen- Bereich erfolgt. Die Naturheilkunde bietet verschiedene Therapieansätze, um diesen Entzündungen vorzubeugen bzw. sie zu lindern. Besonders bewährt haben sich Salbeispülungen, die lokale Applikation von Traumeel-Ampullen und das Ölkauen (siehe S. 14). Außerdem empfehlen wir Ihnen, vor allem während der Bestrahlung hoch dosiert Selen (300 μg) einzunehmen, am besten als Selenase Trinkampullen. Behalten Sie das Selen vor dem Herunterschlucken einige Sekunden im Mund. Wenn Zinktabletten zerkaut werden können und der Geschmack nicht allzu sehr stört, liegen auch gute Erfahrungen mit Zinkorotat vor – die Tablette zerkauen und mit dem Speichel im Mund wirken lassen. Zusätzlich ist es hilfreich, während der Chemotherapie einen Eiswürfel in den Mund zu nehmen und zu lutschen. Durch die Kälte werden die Schleimhäute schlechter durchblutet und nehmen weniger Gifte auf. Gestalten Sie Ihre Ernährung während der Zeit der Therapie möglichst entlastend. Meiden Sie eher heiße, salzige oder stark gewürzte Speisen; dies gilt auch für saures Obst oder Rohkost. Eine Alternative bieten hier fein gemixte »grüne Smoothies«, die durch deren starke Zerkleinerung während Chemo- und Strahlentherapie besser vertragen werden.
Folgende Nahrungsmittel sind während dieser belastenden Phase empfehlenswert: Obst und Gemüse wertschonend gegart bzw. gedünstet, fein vermahlene Vollkornprodukte (Dinkel, Hafer), Säfte möglichst milchsauer vergoren und verdünnt (z.B. Kanne-Brottrunk®), Bio-Soja-Produkte, Bio-Geflügel, Tiefseefisch, Bio-Öle (Lein-, Olivenöl), Kartoffeln als Pell- oder Salzkartoffeln, „bittere” Kräutertees, kohlensäurearme Mineralwässer, zum Süßen in geringer Menge, z. B. Honig, Ahornsirup, Birnen- bzw. Agavendicksaft. Bei sehr starker Beeinträchtigung der Schleimhäute im Mund-Rachen-Bereich kann es ratsam sein,  vorübergehend auf Cremesuppen, Kartoffel- oder Karottenpüree, Hafer, Reis- oder Leinsamenschleimsuppen sowie Apfelmus auszuweichen. Diese dürfen mit wertvollen Ölen (z. B. Leinöl, Olivenöl, Walnussöl) angereichert werden.
Führen Entzündungen im Mund- oder Rachenraum zu erheblichen Schluckbeschwerden, sodass eine Nahrungsaufnahme kaum mehr möglich ist, besprechen Sie dies bitte mit dem behandelnden Arzt. Um dem Verlust an Körpergewicht entgegenzuwirken, kann eine Ernährung über die Vene notwendig werden. Diese sollte möglichst frühzeitig eingeleitet werden, da Studien zeigen, dass die Therapie schlechter vertragen wird, wenn man währenddessen zu stark abnimmt.
Folgende Präparate wirken lokal in der Mundschleimhaut: Paramirum-Tropfen (Fa. Erbasens), Granaimmun-Tropfen (Dr. Jacobs) und Echinacin-Tabletten (z.B. Esberitox). Echinacin darf erst nach der Chemotherapie gegeben werden, da komplexe Wechselwirkungen über Entgiftungsenzyme der Leber möglich sind. Denkbar ist vor allem, dass Präparate, die direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen werden, auch helfen können, das Rückfallrisiko zu minimieren. Dies gilt vor allem für Patienten mit Zungen(-grund) karzinomen oder Tumoren des Rachenbereichs. Eine solche Therapie lässt sich gut mit der hoch dosierten Einnahme von Enzymen (siehe GfBK-Info Enzyme) kombinieren.

Was ist Fatigue?

Im Zusammenhang mit Tumorerkrankungen und aggressiven Therapieformen wie Chemo- bzw. Strahlentherapie hört und liest man zunehmend öfter vom chronischen Fatigue-Syndrom. Was ist darunter zu verstehen?

Das chronische Fatigue- oder deutsch Müdigkeits-Syndrom (= verschiedene Beschwerden mit Erschöpfung, Antriebslosigkeit und Mattheit) ist eine häufige Folge einer Chemo- bzw. Strahlentherapie. Der menschliche Organismus wird durch die kontrollierte Zufuhr starker Zellgifte (bei der Chemotherapie) bzw. durch energiereiche Strahlung nicht selten maximal gefordert und häufig überfordert. Als Reaktion des Körpers kann der gesamte Stoffwechsel. negativ beeinflusst werden und in Folge eine Blutarmut auftreten. Indem weniger Sauerstoff zu allen Zellen gelangt, kann es letztlich zu dem chronischen Müdigkeits-Syndrom kommen. Weitere Erläuterungen und insbesondere viele bewährte Ratschläge zur wirksamen Verminderung des Fatigue-Syndroms enthält das gleichnamige Informationsblatt der GfBK.

Blähungen und Durchfälle

In Folge der Chemotherapie nach einer Dickdarm-Carcinomerkrankung treten bei mir gehäuft nach dem Konsum von Kuhmilchprodukten wie Joghurt, Quark, Kefir und Käse Blähungen und Durchfälle auf. Haben Sie hierfür eine Erklärung?

Zahlreiche Kombinationen der Chemotherapie bedingen in der Regel Schleimhautschäden vor allem im Dünn- und Dickdarmbereich. Dadurch kommt es zu einer vermehrten Allergisierung (= überempfindlichkeit) insbesondere auf solche Nahrungsmittel, die allgemein schon häufig als potentielle Allergieverursacher gelten wie Kuhmilchprodukte und Weizen. Sie sollten daher Ihre Ernährung entsprechend ändern und alternativ vermehrt Ziegenmilchprodukte und beispielsweise Dinkel konsumieren. Eine gezielte Regeneration der Darmflora durch ein so genanntes Immuntraining für den Darm ist bei Ihnen sinnvoll und zweckmäßig. Einzelheiten können Sie einem gleichlautenden Informationsblatt unserer Gesellschaft entnehmen.

Nebenwirkungen der Chemo

Meine weißen und roten Blutkörperchen sind unter Chemotherapie, die ich infolge meiner Hodenkrebserkrankung bekam, stark abgesunken. Was kann ich dagegen tun?

Unter Chemotherapie stellt sich sehr häufig eine Verminderung von weißen und roten Blutkörperchen ein. Schulmedizinisch soll die Bildung von roten Blutkörperchen durch Erythropoetin angeregt werden. ähnliche Wachstumsfaktoren werden auch (z.B. GCSF) bei einem Mangel an weißen Blutkörperchen angewandt.  In der ganzheitlichen Medizin ist es möglich durch die Gabe von Mistel-, Enzym- und/oder Thymus/Organotherapeutika, Schäden am Blutbild zu reduzieren. Bei der Blutbildung wird Eisen gebraucht, daher können Eisenpräparate, Folsäure oder Vitamin B12 zusätzlich helfen. Auch Rote-Beete-Saft oder roter Traubensaft fördern die Blutbildung.  Da unter Chemotherapie ein Mangel an roten Blutkörperchen auch bedeutet, dass weniger Sauerstoff in die Gewebe gelangt, bringt auch die Sauerstoff-Therapie, z.B. als Inhalation, Erfolge. Was man als Patient selbst tun kann, um mehr Sauerstoff ins Gewebe zu bringen, sind Spaziergänge an frischer Luft, Atemgymnastik sowie sportliche oder gymnastische übungen. Außerdem sollten Nährstoffdefizite ausgeglichen, Entgiftungsorgane gestärkt und die Darmschleimhaut regeneriert werden.

Mundtrockenheit bei Zungenkrebs

Ich habe ein Zungengrundkrebs und leide nach Bestrahlung unter häufigem Pilzbefall des Mundraumes und Mundtrockenheit. Was kann ich naturheilkundlich tun, um die Beschwerden zu lindern?

Durch Chemotherapie und ganz besonders infolge lokaler Strahlentherapie werden die Verdauungsleistung im Organismus herabgesetzt und die Schleimhäute geschädigt. Maßnahmen, um einen bestehenden rezidivierenden Soorbefall und Mundtrockenheit zu lindern, beinhalten vor allem lokale Maßnahmen, aber auch eine entsprechend angepasste Ernährung. So regen zuckerfreie Bonbons oder Kaugummis sowie Pfefferminz -und Zitronentee die Speichelbildung an. Man sollte außerdem häufig einen Schluck Wasser trinken und bevorzugt wasserhaltige Lebensmittel zu sich nehmen. Es sollte auch daran gedacht werden, die Lippen mit einer Fettcreme geschmeidig zu halten.  Außerdem erhalten Sie in Apotheken Speichelersatzpräparate bei sehr starker Mundtrockenheit (wie z.B. Glandosane-Spray oder Aldiamed-Gel). Weil Speichelersatzpräparate mit einem schwach sauren pH-Wert den Zahnschmelz demineralisieren können, werden diese aber meist nur zur kurzfristigen Anwendung empfohlen.   Als lokale Maßnahmen bietet sich bei Entzündungen der Mundschleimhaut das Spülen und Gurgeln mit Pflanzenextrakten (z.B. aus Salbei, Kamille) an; aber auch andere Lösungen sind zum Mundspülen geeignet (z.B. Silicea Balsam). Auch die zusätzliche Anwendung von Traumeel®-Tropfen kann sinnvoll sein. Das Ölkauen kann bei Schleimhautproblemen im Mundbereich ebenfalls hilfreich wirken. Informationen zum Ölkauen finden Sie hier. Je nach Stärke der Beschwerden, kann es notwendig sein, einige Empfehlungen zeitgleich durchzuführen; gegebenenfalls reichen aber auch einzelne Maßnahmen.   Um Pilzbefall vorzubeugen, sollte die Zahnbürste wöchentlich gewechselt werden. In jedem Fall sollte bei vorliegendem rezidivierendem Pilzbefall im Mundbereich eine konsequente lokale Behandlung mit einem Antimykotikum erfolgen. Dabei sollte auch an die Behandlung eines möglichen Pilzbefalls im Darm gedacht werden, ggf. auch eine Darmsanierung. Bei Verdacht auf einen Pilzbefall des Darms haben sich natürliche Präparate bewährt, wie z.B. Teebaumöl (3 x täglich 1 Tropf. in einem Glas Wasser vor den Mahlzeiten).  Auch regelmäßige lokale Mundspülungen mit Teebaumöl können bei Mundsoorbefall helfen.

Übelkeit bei Chemotherapie

Ich bekomme Chemotherapie und leide trotz verschiedener Antibrechmittel an ausgeprägter übelkeit und Erbrechen. Was kann ich naturheilkundlich tun?

Insbesondere während und nach einer Chemotherapie treten gehäuft Beschwerden wie Übelkeit und/oder Brechreiz auf. Schulmedizinisch werden je nach Beschwerdegrad schwache bis starke Medikamente verordnet. Wichtig ist hier insbesondere, dass der Patient dem behandelnden Arzt rechtzeitig Rückmeldung gibt, dass die Antibrechmittel nicht ausreichend gewirkt haben, damit beim nächsten Mal ggf. eine andere Verabreichungsform, z.B. mittels Zäpfchen oder ein stärkeres bzw. länger wirksameres Präparat gewählt werden kann.  Ein für jeden wirksames Rezept gegen Übelkeit gibt es auch aus naturheilkundlicher Sicht leider nicht. In leichteren Fällen genügen oft pflanzliche Beruhigungsmittel aus Baldrian oder Hopfen. Außerdem kann eine Akupressur-Therapie mittels eines Akupressur-Bandes, dem "Sea Band" helfen, das in Sanitätshäusern und Apotheken erhältlich ist. Direkt vor und nach einer Chemo-Infusion kommt auch die Gabe von homöopathischen Substanzen in Frage. Hierzu werden 3-4 Globuli von "Nux vomica D6" eingenommen ( am besten im Mund zergehen lassen). Bei Bedarf kann die Einnahme natürlich mehrmals am Tag wiederholt werden. In schweren Fällen, einhergehend mit starkem Erbrechen kann auch die Gabe von Milzpeptiden als Infusion erwogen werden. Nicht zuletzt sollte auch für eine angenehme und beruhigende Atmosphäre vor bzw. während der Chemotherapie gesorgt werden, am einfachsten mithilfe einer mitgebrachten Entspannungs-CD, um die Angst vor der bevorstehenden Infusion zu nehmen und/oder mit Aromaessenzen, die je nach persönlichen Vorlieben auszuwählen sind; Vorschläge wären : Basilikum, Orange, Blutorange, Bergamotte, Kiefer, Lavendel, Rosenholz oder Melisse.

Kieferschäden durch Bisphosphonate

Ich habe Knochenmetastasen und bekomme zur Knochenstärkung sogenannte Bisphosphonate als Infusionen. Meine Information bis jetzt war, dass diese Bisphosphonate nebenwirkungsarm sind. Nun habe ich aber gehört, dass Bisphosphonate Kieferentzündungen auslösen können. Bin ich nun gefährdet, eine Schädigung des Kieferknochens zu bekommen? Sollte ich die Präparate mir lieber nicht mehr geben lassen?

Bisphosphonate (synthetische Phosphorverbindungen), die häufig in der Behandlung, aber auch zur Vorbeugung von Knochenmetastasen eingesetzt werden, können Knochenentzündungen und -defekte im Kieferbereich hervorrufen. Inzwischen warnen die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) vor Knochenschädigungen des Kiefers in Verbindung mit Bisphosphonaten, vor allem von Pamidronat (Aredia) und Zoledronat (Zometa), die als Infusionen verabreicht werden.
Die schwer therapierbaren Defekte treten häufig nach zahnmedizinischen Eingriffen auf und zeigen sich beispielsweise als lokale Entzündung mit freiliegendem Kieferknochen oder Knochenhautentzündung. Erstmals fiel Ärzten einer New Yorker Klinik für Mund- und Kieferchirurgie eine Häufung von Patienten mit hartnäckigen, teilweise schwerwiegenden Knochenentzündungen und -defekten unter einer Therapie mit Bisphosphonaten auf, die einem Krankheitsbild nach einer Bestrahlung des Kiefers glichen. Während diese so genannten Osteoradionekrosen (Knochenschäden infolge der Bestrahlung) mit ein bis zwei Erkrankungsfällen pro Jahr normalerweise eher selten auftreten, wurde bei 63 Patienten unter Bisphosphonattherapie innerhalb von zweieinhalb Jahren eine Knochennekrose des Kiefers beobachtet, ohne dass bei diesen Patienten eine Bestrahlung des Kiefers durchgeführt worden war. Eine deutsche Fallstudie aus Rostock und weitere Studien bestätigten schließlich die Beobachtungen aus den U.S.A., dass es bei Patienten in seltenen Fällen (5-10%) unter Bisphosphonatgabe zu entzündlichen, teilweise auch mit Antibiotika nicht beherrschbaren Schwellungen im Kieferbereich kommen kann (Steiner B/DMW 2005). Das Risiko dafür ist erhöht, wenn das Immunsystem sehr geschwächt ist, gleichzeitig Behandlungen mit Chemotherapie oder Cortison nötig sind oder wenn bereits Entzündungen im Mundraum bestehen.
Seit Bekanntwerden dieser Studien wird daher eine zahnärztliche Untersuchung vor Therapiebeginn empfohlen. Außerdem sollten unter der Behandlung mit Bisphosphonaten zahnmedizinische Eingriffe möglichst vermieden werden. In der Frage, ob die Bisphosphonat-Therapie nach dem Auftreten von Kiefernekrosen fortgeführt werden kann, muss stets individuell Risiko und Nutzen für den Patienten abgewägt werden, da Bisphosphonate Monate bis Jahre, eventuell lebenslang im Knochen verweilen können und in seltenen Fällen die Ausbildung weiterer Nekrosen trotz Absetzens beobachtet wurde.