Patienten fragen

Hier finden Sie Meldungen, die von der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V. regelmäßig in der Mitgliederzeitschrift SIGNAL veröffentlicht wurden.

Wir haben uns bemüht, wegen der besseren Verständlichkeit möglichst wenige medizinische Fachbegriffe zu verwenden. Daher bitte für die Suche vor allem laienverständliche Begriffe (z.B. „Brustkrebs“ anstelle „Mammakarzinom“) verwenden.




Brustkrebs

Fibroadenom in der Brust

Vor einigen Jahren hatte ich Brustkrebs.Nun hat meine Tochter (25 Jahre) ein Fibroadenom in einer Brust diagnostiziert bekommen. Habe ich ihr möglicherweise eine Veranlagung für Krebs vererbt? Und was kann sie tun, damit sie gesund bleibt?

Ein Fibroadenom lässt sich meistens sehr gut im Ultraschall sehen und damit auch leicht diagnostizieren. Wenn der Befund eindeutig ist, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Fibroadenome sind gutartige Gewebsknoten. Sie treten vor allem bei Frauen zwischen dem 20. Und dem 40. Lebensjahr auf. Hormonelle Faktoren, wie die Einnahme der „Pille“ oder eine Schwangerschaft, begünstigen das Entstehen von Fibroadenomen. Mit zunehmendem Alter bilden sie sich meistens zurück. Normalerweise reicht es, wenn der Befund in regelmäßigen Abständen vom Frauenarzt kontrolliert wird. Eventuell wird der Gynäkologe Ihrer Tochter aufgrund Ihrer Vorerkrankung einen Gentest empfehlen – unabhängig vom Fibroadenom. Ihr Brustkrebsrisiko steigt nicht durch diesen Knoten. Auch ein chirurgisches Eingreifen ist in der Regel nicht notwendig. Fibroadenome sollten erst entfernt werden, wenn sie größer werden oder wenn ihr Umfang mehr als 2 cm Umfang beträgt. Zur Vorbeugung vor Brustkrebs halten wir es für wichtig, bestehende Lebensstilfaktoren zu hinterfragen, vor allem wenn andere Veränderungen in den Brüsten Ihrer Tochter erkennbar sein sollten, wie z. B. eine Mastopathie. Studien zeigen immer wieder: Mit Bewegung und Ernährung lässt sich das Brustkrebsrisiko wirksam senken. Ratsam ist es, drei bis fünf Mal die Woche 30 Minuten Sport zu treiben. Ein gesunder Speisenplan enthält wenig tierisches Fett und tierisches Eiweiß, reichlich Gemüse, Früchte, Omega-3-Fettsäuren und Leinsamen. Auch milchsauer vergorene Gemüsesäfte bzw. Kanne Brottrunk können hilfreich sein. Empfehlenswert ist außerdem das „Budwig-Müsli”. Dafür mischt man einen Esslöffel Leinöl und Milch, 100 Gramm Magerquark, einen Teelöffel Honig und einen Esslöffel frisch geschrotete Leinsamen. Wer mag, gibt frisches Obst dazu. Falls vor der Periode immer wieder Brustschmerzen auftreten, sind die Brüste vermutlich wegen Wassereinlagerungen geschwollen. Dann kann versuchsweise der Konsum von Koffein und Alkohol reduziert werden. Bei starker Wassereinlagerung helfen Tee oder Frischsaft aus der Brennnessel sowie die Einnahme von proteolytischen Enzymen. Generell ist allen Frauen von aluminiumhaltigem Deodorant abzuraten. Behutsame Massagen der Brüste können gesunde ebenso wie vormals erkrankte Frauen selbst durchführen. Ihre wohltuende Wirkung wird leider oft unterschätzt. Verwenden Sie nach Ihrem Geschmack ein Öl aus Wildrosen, Johanniskraut, Ringelblumen oder Löwenzahn. Auch Lymphdiaral-Salbe oder Schüßlersalz-Salben sind für die sanfte Massage geeignet. Neben der körperlichen Wirkung trägt solch eine Selbstmassage dazu bei, ein freundliches Verhältnis zum Körper zu gewinnen und einen entspannten Umgang mit der eigenen Weiblichkeit zu finden. Verspannungen oder Verhärtungen lösen sich nicht nur im Körper, sondern auch im seelischen Bereich. Und noch ein wichtiger Hinweis zu guter Letzt: Ihre Tochter ist erwachsen und darf selbst entscheiden, welche Maßnahmen sie ergreifen möchte, um ihre Gesundheit zu erhalten. Für uns als Mütter ist das oft ein Balance-Akt, den jungen Frauen in dieser Situation ihren berechtigten Freiraum zu lassen. Die Gefahr ist groß, dass wir unsere Ängste auf sie übertragen und deshalb mit Druck versuchen, auf ihr Verhalten einzuwirken. Auf der Seelenebene braucht sie Sie vor allem als Mutter, nicht als medizinische Ratgeberin. Auch eine gesunde Mutter-Tochter-Beziehung ist krebsvorbeugend. Deshalb bleiben Sie – so gut Sie können – entspannt. Bieten Sie Informationen an und akzeptieren Sie, dass Ihre Tochter selbst wählt, was für sie persönlich passt. Manchmal trägt es zur Harmonie in der Familie bei, wenn man das Thema an außenstehende Experten abgibt. Selbstverständlich berät der ärztliche Beratungsdienst der GfBK auch Ihre Tochter gerne.

Umweltfaktoren als Krebsursache?

Als Brustkrebspatientin frage ich mich, ob Umweltgifte zur Entstehung meiner Krank heit beigetragen haben könnten. Kennen Sie dazu irgendwelche Forschungsergebnisse?

Ihre Frage berührt ein wichtiges Thema, das noch viel zu wenig im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen ist. In der Tat gibt es neue Forschungsergebnisse zur Frage nach der Bedeutung von Umweltschadstoffen für die Entstehung von Krebs.
Laut der Forschergruppe um Barbara Cohn vom Public Health Institute in Berkeley, Kalifornien, erkranken Frauen, die im Mutterleib einer erhöhten Konzentration des Pestizids DDT ausgesetzt waren, im Erwachsenenalter viermal häufiger an Brustkrebs (Cohn BA et al. / JCEM 2015).
Das Pestizid DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) wurde in den USA bis in die 1960er-, in Europa sogar noch bis in die 1970er-Jahre eingesetzt. Es gehört zu den ersten Umweltgiften, für die eine hormonartige Wirkung belegt werden konnte. Als sogenannter »endokriner Disruptor « kann es in kleinster Menge die fetale Frühentwicklung stören. In der Studie wurde untersucht, welche Auswirkungen es später auf die Töchter hatte, wenn ihre Mütter vor oder während der Schwangerschaft dem Gift ausgesetzt waren. Die Forscher analysierten Daten von 20.754 Frauen. Sie hatten in den Jahren 1959 bis 1967 an den Child Health and Development Studies teilgenommen. Ihre Blutproben waren damals archiviert worden. Insgesamt 9.300 Teilnehmerinnen gebaren während dieser Zeit ein Mädchen. Zum Zeitpunkt der Studie waren die Kinder bis zu 52 Jahre alt. Einige von ihnen waren an Brustkrebs erkrankt. Die Forscher setzten die Konzentration eines DDT-Metaboliten im Blut der Mutter mit der Brustkrebsrate bei den Töchtern in Beziehung. Die Ergebnisse zeigten, dass eine erhöhte DDT-Exposition in der Gebärmutter das Brustkrebsrisiko der Töchter fast um den Faktor vier erhöht. Bei 83 Prozent der Tumoren handelte es sich um ein Östrogenrezeptor-positives Mammakarzinom, was die ursächliche Bedeutung des Pestizids bestätigt.
Außerdem zeigte die Studie, dass die Pestizidbelastung mit dem Tumorstadium zusammenhing. Frauen, die im Mutterleib einer höheren DDT-Konzentration ausgesetzt waren, erkrankten häufiger an schnell wachsendem Krebs. Ihre Tumoren waren auch häufiger HER2-positiv. Das passt zu den Ergebnissen aus experimentellen Studien der Wissenschaftlerin Barbara Cohn: Sie stieß ebenfalls darauf, dass DDT die Bildung des HERProteins fördern kann. 
Diese Erkenntnisse belegen eindrucksvoll, dass das Krebsrisiko steigt, wenn der Fötus im Mutterleib Umweltgiften ausgesetzt ist.
In der Vergangenheit konnten schon andere Studien aufzeigen, dass viele Schwangere gleich mit mehreren Chemikalien verseucht sind, die ihren heranreifenden Nachwuchs schädigen können (Tracey J et al. / Environ Health Perspect 2011). Dazu zählen Polychlorierte Biphenyle (PCB), Pestizide, FluorKohlenstoffVerbindungen (PFC), polybromierte Diphenylether (PBDE), Phthalate, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH) und Perchlorate. Selbst DDT, das seit 1972 in den USA verboten ist, wurde in dieser Untersuchung immer noch nachgewiesen. Bisphenol A (BPA) ist in Plastik und Epoxydharzen enthalten. Die Substanz wurde in einigen Ländern für Babyflaschen verboten. BPA war bei 96 Prozent der Schwangeren nachweisbar. Also waren fast alle Kinder schon vor ihrer Geburt mit BPA belastet. Umweltschadstoffe sind biologisch nicht gut abbaubar. Deshalb kann man momentan nur zwei Dinge tun: entweder politisch aktiv werden und/oder bestimmte Haushaltsprodukte meiden. Dies sind vor allem beschichtetes Kochgeschirr, Plastikwaren und Körperpflegemittel, die schädigende Chemikalien enthalten.
Billig kann hier – wie so oft – letztlich ziemlich teuer werden. Und selbst kostspielige Nobel-Marken sind nicht automatisch auch gesund. Achten Sie auf das Siegel der geprüften Naturkosmetik. Bei der Auswahl Ihrer Körperpflegeprodukte helfen zudem Testberichte von Stiftung Warentest und Öko-Test. Beim BUND gibt es eine kostenfreie »ToxFox-App«, damit Kosmetikprodukte mit hormonell wirksamen Schadstoffen nicht mehr im Einkaufskorb landen. Angesichts der hohen Resorptionsfähigkeit der Haut gilt grundsätzlich: Tragen Sie nur das auf, was Sie auch essen würden. Diesen Grundsatz haben wir bei der Grande Dame der Naturkosmetik, Dr. med. Ita Wegmann, entliehen.

Brustkrebs: Multivitaminpräparate verringern die Sterblichkeit

Ich habe Brustkrebs und bin mir unsicher, ob ich Nahrungsergänzungsmittel einnehmen soll. Was können Sie mir raten?

Der Einsatz von Multivitaminpräparaten bei Brustkrebs und bei Krebserkrankungen im Allgemeinen wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert, obwohl es mehrere Studien gibt, die Hinweise auf positive Wirkungen gezeigt haben.
In einer Studie aus den USA wurden von 1997 bis 2000 insgesamt 2.236 Frauen mithilfe von Fragebögen zu ihren Lebensgewohnheiten befragt. Die Studienteilnehmerinnern befanden sich im Frühstadium einer Brustkrebserkrankung (Stadium I ≥1 cm, II oder IIIA) (Kwan ML et al. / Breast Cancer Res Treat 2011). Bei den Patientinnen, die sich gleichzeitig gesund ernährten, war die Einnahme eines Multivitaminpräparats mit einer Senkung ihres Sterberisikos verbunden. Ähnliches zeigte sich in dieser Studie bei Frauen, die regelmäßig Sport trieben. Gegenüber der Vergleichsgruppe, in der die Teilnehmerinnen noch nie ein Multivitaminpräparat genutzt hatten, war das Rückfallrisiko etwas geringer und auch das Sterberisiko vermindert, wenn die an Brustkrebs Erkrankten schon vor der Diagnosestellung und auch danach ein Multivitaminpräparat zu sich nahmen.
Eine aktuellere Studie aus dem Jahr 2013 kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Hier wurden 7.728 Frauen zwischen 50 und 79 Jahren durchschnittlich 7,1 Jahre lang beobachtet (Wassertheil-Smoller S et al. / Breast Cancer Res Treat 2013). Ihr Risiko, an Brustkrebs zu sterben, war um 30 Prozent geringer, wenn sie ein Multivitaminpräparat einnahmen.
Unserer Ansicht nach bekräftigen diese Studien die Annahme, dass Multivitaminpräparate die Heilungschancen bei Brustkrebs nicht verschlechtern, sondern zur Verbesserung der Prognose beitragen können. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse und Obst sowie sportliche Aktivität wichtige Grundlagen für die Genesung sind. Den Einsatz eines Multivitaminpräparats – idealerweise auf pflanzlicher Basis – empfehlen wir ohne Bedenken als Ergänzung zu einer gesunden Ernährung.
Wenn Sie einzelne Vitamine als Nahrungsergänzung nutzen wollen, sollten Auswahl und Dosierung auf Ihre persönlichen Bedürfnisse individuell abgestimmt sein. Gewisse Mangelzustände lassen sich mit Laboranalysen abklären. Nur so kann für bestimmte Nährstoffe eine optimale Dosis festgelegt werden. Vor der Einnahme empfehlen wir, folgende Blutwerte untersuchen zu lassen: Vitamin D als 25-OH-Vitamin-D, Vitamin B12 als Methylmalonsäure, Selen und Zink. Zink muss möglichst im Vollblut bestimmt werden, da dieses Spurenelement vor allem in den Zellen vorkommt.
Außerdem zeigen Studien immer wieder, dass die kombinierte Gabe von Vitalstoffen auf pflanzlicher Basis der isolierten Gabe von künstlichen Vitaminen überlegen ist. Ein typisches Beispiel ist das Vitamin E: In künstlicher Form wirkt es sich ungünstig auf den Organismus aus. Achten Sie daher darauf, dass Sie Vitamin-E als alpha-Tocopherol einnehmen und nicht als künstliches dl-alpha-Tocopherol.
Die Gabe von Vitaminen ersetzt nicht eine vitalstoff reiche Ernährung. Verzehren Sie bevorzugt Vollkorngetreide und -produkte (nicht zu grob!), Rohkost (in kleinen Mengen), Biogemüse und naturbelassene pflanzliche Öle und Fette (insbesondere Olivenöl und Leinöl).

Antihormonelle Therapie

Die konventionelle Sicht

Der erste Vertreter der so genannten Antihormontherapeutika war das Tamoxifen, ein Antiöstrogen. Es wurde zum ersten Mal 1973 zur Behandlung von fortgeschrittenem Brustkrebs zugelassen. Tamoxifen soll verhindern, dass sich Östrogen an die Östrogenrezeptoren des Tumors bindet, indem es diese Empfangsstellen blockiert. Wenn man sich diese Östrogenrezeptoren als Schloss vorstellt, wäre das Östrogen der Schlüssel dazu. Und dieser Schlüssel wird nutzlos, wenn das Tamoxifen wie Knetmasse schon das Schlüsselloch verklebt hat – der Tumor bekommt keinen Östrogennachschub mehr und „schwächelt”.
Allerdings entwickeln manche Tumoren im Laufe der antihormonellen Therapie eine Gegenstrategie: Sie bilden lauter neue Schlüssellöcher. So viele, dass die Knetmasse Tamoxifen nicht alle zustopfen kann. In diesen Fällen kann der im Blut ja immer noch vorhandene Schlüssel Östrogen doch noch an einige Östrogenrezeptoren vordringen: Das Tamoxifen hat dann die Grenze seiner Wirksamkeit erreicht. Es entwickelt sich eine Resistenz gegenüber Tamoxifen. Forscher fanden mit den so genannten Aromatasehemmern neue Behandlungsalternativen, die vielleicht in der Lage sind, einige Mechanismen zu unterlaufen, die zur so genannten Antiöstrogenresistenz führen. Die Wirkstoffe dieser Gruppe heißen beispielsweise Anastrozol, Letrozol oder Exemestan. Während Tamoxifen die Hormonrezeptoren des Tumors blockiert, setzen Aromatasehemmer eine Stufe vorher an: Sie verhindern durch die Blockade des Enzyms Aromatase die Umwandlung von Östrogenvorstufen zu Östrogenen in Geweben wie Muskeln, Fett- und Brustdrüsengewebe.
Die Aromatasehemmer werden heutzutage nach Meinung zahlreicher Fachleute als das überlegene Produkt gesehen. Sie plädieren dafür, dass hormonrezeptorpositive Brustkrebspatientinnen nach den Wechseljahren von Tamoxifen auf einen Aromatasehemmer wechseln sollten. Sie seien besser verträglich und hätten weniger Nebenwirkungen. Allerdings kann es auch bei den Aromatasehemmern zu starken Nebenwirkungen kommen, jedoch von anderer Art als beim Tamoxifen. Das renommierte unabhängige Arzneimitteltelegramm weist bereits in seiner ersten Ausgabe des Jahres 2005 darauf hin, dass bei den Aromatasehemmern die Zahl der Knochenbrüche, Muskel- und Gelenkbeschwerden deutlich zunehmen. Bei längerer Einnahme ist zudem das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen (Schlaganfälle) erhöht. Dies ist wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass Aromatasehemmer zwar das rückfallfreie Überleben, nicht jedoch das Gesamtüberleben verlängern.
Immerhin scheint der Wechsel von Tamoxifen auf einen Aromatasehemmer besser zu sein als fünf Jahre lang die gleiche antihormonelle Therapie einzunehmen. Außerdem sprechen Patientinnen, mit Tumoren, die HER2-positiv sind oder viele Ki-67-positive proliferierende Zellen enthalten, wahrscheinlich besser auf Aromatasehemmer als auf Tamoxifen an.
Auch hier zeigt sich, dass die Vorgänge in unserem Organismus wesentlich komplexer und vielfältiger ablaufen und dass vermutlich der Nutzen einer antihormonellen Therapie nicht nur vom Ausmaß der Hormonrezeptorausprägung, sondern auch von anderen Tumoreigenschaften abhängig ist!

Die Sichtweise der GfBK

Die folgenden Gedanken sollen nicht grundsätzlich eine antihormonelle Therapie in Frage stellen, sondern Frauen, die sich vielleicht gegen eine solche Therapie entscheiden, eine Hilfestellung sein.
Eindeutige Untersuchungen im Labor oder am Gewebe sind nur bedingt auf unseren lebendigen Organismus übertragbar. So ging man in der Medizin beispielsweise mehrere Jahrzehnte nur von den positiven Wirkungen einer Hormonsubstitution im Alter aus und verordnete fast jeder Frau in den Wechseljahren Hormonpräparate. Heute sind Frauenärzte wesentlich kritischer bei der Verordnung, da aktuelle Studien auf die problematischen Nebenwirkungen hinweisen.
Zwar zeigen Studienergebnisse für die antihormonelle Therapie positive Resultate, dennoch ist neben dem so genannten Rezeptorenstatus die Indikation im Einzelfall streng zu prüfen: Es gilt, persönlich abzuwägen, ob eine Verschlechterung der Lebensqualität die wahrscheinliche Verlängerung der Überlebenszeit, manchmal um einige Monate, rechtfertigt.
Denn neben den fraglich positiven Wirkungen birgt die Einnahme des am häufigsten verordneten Antihormons Tamoxifen erhebliche Risiken für die Gesundheit der Frau: Die Entstehung von Krebs der Gebärmutterschleimhaut wird gefördert, Netz- und Hornhautschäden am Auge können entstehen, die Chance von gefährlichen Thrombosen, Schlaganfällen und Lungenembolien nimmt zu und der Abbau des Antihormons stellt eine Belastung für die Leber dar. In einer Liste von 218 Substanzen, die vom nationalen amerikanischen Umweltinstitut im Jahr 2000 erstellt wurde und die als krebserregend gelten, ist Tamoxifen mitaufgeführt. Dazu kommen die subjektiven Beschwerden in Form einer Verschlimmerung der Wechseljahre-Symptomatik: Schweißausbrüche, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Nachlassen der Lust auf Sex und Gewichtszunahme.
Außerdem ist nicht eindeutig geklärt, wie das Problem der Gewöhnung und damit Nichtwirksamkeit (sog. Resistenz) einer antihormonellen Therapie einzuschätzen ist. Man weiß aber inzwischen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tumor hormontherapieresistent wird, im Laufe der antihormonellen Behandlung kontinuierlich zunimmt.
Übrigens, durch Bestimmung eines bestimmten Enzyms, dem CYP2D6, kann man feststellen, ob Tamoxifen in der Leber überhaupt zum aktiven Stoffwechselprodukt umgewandelt und damit wirksam werden kann. Ein Bluttest (AmpliChip® CYP450) kann darüber Auskunft geben und wird in Laboren durchgeführt, die auf humangenetische Analysen spezialisiert sind.

Unser Rat: Der Wunsch von Frauen nach Brustkrebs, alles zu unternehmen, um einem Rezidiv vorzubeugen, ist verständlich und nachvollziehbar. Wird bei einem positiven Rezeptorstatus eine antihormonelle Therapie wirklich gut vertragen und vermittelt sie ein Gefühl der Sicherheit, dann würden wir die Anwendung nicht zur Diskussion stellen. Für den Fall einer starken Einschränkung der Lebensqualität und einer inneren Ablehnung der antihormonellen Präparate halten wir ein kritisches Überdenken der Notwendigkeit für gerechtfertigt, da in diesem Fall die negativen Wirkungen wahrscheinlich überwiegen.
Nachgewiesenermaßen haben Bewegung und Ernährung einen eindeutig schützenden Effekt hinsichtlich eines Rückfallrisikos. So senkte in einer großen Studie moderater Ausdauersport, d.h. wöchentlich drei bis fünf Stunden Laufen oder gleichwertige Übungen, das Risiko an Brustkrebs zu sterben, um bis zu 40% (Holmes MD / Physical activity and survival after breast cancer diagnosis. JAMA 2005). Es gibt derzeitig in der Medizin keine Therapie, die einen solchen Effekt annähernd erreichen könnte! Manch eine Frau wird sich daher nach einer konventionellen Therapie auf die Faktoren Bewegung und Ernährung verlassen. Im Optimalfall ist es die mündige Patientin, die zusammen mit ihrem behandelnden Arzt eine Entscheidung für ihre Zukunft fällt, die leider in jedem Fall mit Risiken behaftet ist.

Im Folgenden möchte die GfBK Ihnen einige Ratschläge geben, wie Sie im Falle der Einnahme von Antihormonpräparaten den Nebenwirkungen vorbeugen oder diesen besser begegnen können:

Thrombophlebitis/Thrombose
Höheres Risiko einer Thrombophlebitis.
Folgende Kräuter können zur Stärkung der Venen, Reduktion von Reizungen und Entzündungen und zur Vorbeugung von Blutgerinseln
eingesetzt werden: Wiesenklee (Trifolium pratense), Brennessel (Urtica dioica, Urtica urens) und Schachtelhalm (Equisetum arvense): Teemischung mit ¼ l kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten ziehen lassen. 2 bis 3 Tassen täglich trinken – behutsame Blutverdünnung, wirkt Entzündungen entgegen.
Jegliche durchblutungsfördernde Bewegung beugt einer Thrombophlebitis vor und stärkt zugleich das Immunsystem – z. B. täglich eine halbe Stunde spazieren gehen.

Leberbeschwerden
6-fach erhöhter Anstieg von Leberkrebs bei Tamoxifen-Einnahme von länger als zwei Jahren, selten auch Hepatitis.
Folgende Kräuter dienen zur Stärkung und zum Schutz der Leber: Essig oder Tinkturen aus Löwenzahn, Großer Klette, Schafgarbenwurzeln oder  Mariendisteln (siehe auch Therapiebaustein „Leberstärkung“ der GfBK), Beispiel für apothekenpflichtige Präparate: Legalon®, Silymarin®.

Augenprobleme
Bei täglich 20 mg Tamoxifen schädliche Veränderungen der Horn- und Netzhaut möglich. Die Traditionelle Chinesische Medizin sieht einen Zusammenhang zwischen Augen und Leber. Da Tamoxifen die Leber schädigt, kann es demnach auch Augenprobleme verursachen. Kräuter (siehe oben bei  Leberbeschwerden), carotinhaltige Lebensmittel und Fenchelsamen stärken die Augen.

Krankhafte Veränderungen der Gebärmutter
Auftreten von Wucherungen an der Gebärmutter wie Polypen, Tumore, Endometrium-ähnliches Gewebe und Carcinome bei einer signifikanten Anzahl von Frauen unter Tamoxifen-Einnahme. Je höher die Tamoxifendosis und je länger die Einnahme, desto größer das Risiko solcher Veränderungen.
Bei irregulären Regelblutungen, Scheidenblutungen, Veränderungen des Scheidenausflusses, Beckenschmerzen, Schmerzen oder Druck im Unterleib umgehend einen Arzt aufsuchen. Vorbeugung: z. B. das Becken kräftigende Yoga-Übungen, Bevorzugung phytohormonhaltiger Nahrungsmittel (Soja, Linsen, Leinsamen)

Gelenkbeschwerden
Die unter Aromatasehemmern auftretenden Gelenkschmerzen sind schwer zu behandeln. Neue Studienergebnisse zeigen, dass eine zusätzliche Vitamin-D-Gabe (Khan QJ/J Clin Oncol 2012) oder sogar sportliche Aktivität (Irwin ML/San Antonio 2013) helfen kann.

Weiterlesen in der Broschüre der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr: Brustkrebs ganzheitlich und individuell behandeln

Alkohol und Brustkrebs

Ich habe Brustkrebs und würde gerne wissen, wieveil Alkohol ich trinken darf?

Neueren Studien zufolge wirkt übrigens nicht nur Kaffee gegen Brustkrebs, sondern auch ein mäßiger Alkoholkonsum. Das ergab eine aktuelle US-amerikanische Studie mit 23.000 Brustkrebs-Patientinnen. Die Frauen, die wöchentlich 30 bis 60 Gramm Alkohol tranken, lebten länger als diejenigen ohne Alkoholkonsum. (Newcomb PA/Journal of Clinical Oncology 2013). Zur Orientierung: Ein Glas Wein (200 ml, 11 Vol.-%) enthält 17,6 g Alkohol.
Da ein erhöhter Alkoholgenuss mit einer Vielzahl von Risikofaktoren verbunden ist, wird wohl keiner einem Krebspatienten zum Alkoholkonsum raten wollen. Dieses Studienergebnis veranschaulicht aber, dass vieles, was vermeintlich gesundheitsschädlich ist, nicht immer Schaden anrichtet, wenn man es genauer unter die Lupe nimmt. Leider wurde in dieser Studie nicht untersucht, welche Art von Alkohol die besten Ergebnisse erzielt. Das wäre interessant gewesen, zumal die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu sterben, durch mäßigen Alkoholkonsum nur um drei Prozent gesenkt werden konnte.

Mehr dazu lesen: Alkohol und Brustkrebs

Milchkonsum - Risiken

In Ihren Infos lese ich gerade, dass ich als Brustkrebspatientin Milch meiden soll. Das ist doch ein Grundnahrungsmittel, das seit Menschengedenken auf den täglichen Speiseplan gehört! Wie kommen Sie darauf, dass Milch schädlich ist?

Vor 60 Jahren gab eine Kuh maximal 10 Liter Milch am Tag, heute produzieren Hochleistungs-Milchkühe täglich bis zu 50 Liter des Drüsensekrets. In industriellen Molkereien werden die Kühe bis zu 300 Tage im Jahr gemolken, um eine möglichst hohe Ausbeute zu erzielen. Milch ist zum Massenprodukt geworden. Die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe und damit die Qualität der Milch haben sich in den letzen Jahrzehnten ganz wesentlich verändert. Otto Bruker (»Der Murks mit der Milch«) stellte schon Anfang der 1990er-Jahre fest, dass zu viel Milch problematisch ist.
Inzwischen gibt es umfangreiche Untersuchungen zum angeblichen »Männer-Munter-Macher«: Sie belegen, dass in industriell hergestellter Milch hormonaktive Östrogenderivate in erheblichen
Konzentrationen enthalten sind. Das betrifft etwa 95 % der im Handel befindlichen Milchprodukte. Forscher der weltweit renommierten Harvard-Universität weisen darauf hin, dass der Hormongehalt der Milch das Risiko für hormonbezogene Krebsarten, wie z. B. Eierstockkrebs, erhöhen kann (Milksymposium, Harvard Study: Pasteurized milk from industrial dairies linked to cancer, 2/2012). Ursachen findet man zum einen darin, dass sogenanntes »Wachstumsfutter « zugefüttert wird, das entsprechende Hormone enthält. Zum anderen werden die Kühe auch gemolken, während sie trächtig sind. Dann ist der Hormongehalt der Milch naturgemäß besonders hoch. In traditionellen Hirtengesellschaften, wie z. B. in der Mongolei, käme niemand auf die Idee, eine schwangere Kuh zu melken. Dass ein hoher Milchkonsum das Risiko für Brustkrebs erhöhen kann, bestätigen seit Jahren mehrere Studien. Eine groß angelegte Untersuchung, in der die Ernährungsgewohnheiten von 40 Ländern in Augenschein genommen wurden, zeigt beispielsweise einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Milch und Fleisch mit dem Auftreten von Brustkrebs (Ganmaa D, Sato A/Med Hypotheses 2005). In den 50 Jahren zwischen 1947 und 1997 ist auch in Japan der Konsum von Milch (20-fach), Fleisch (10-fach) und Eiern (7-fach) deutlich angestiegen. Im gleichen Zeitraum hat sich dort die altersstandardisierte Sterblichkeit an Brustkrebs in etwa verdoppelt (Li XM et al./Med Hypotheses 2003). Außerdem wurde bei mehr als 25 000 Norwegerinnen untersucht, welchen Einfluss die Höhe des Milchkonsums auf die Wahrscheinlichkeit hat, an Brustkrebs zu erkranken. Das Ergebnis: Wer täglich mehr als 750 ml Vollmilch trank, hatte ein um 191 % erhöhtes Risiko gegenüber den Frauen, die am Tag weniger als
150 ml Vollmilch zu sich nahmen (Gaard M et al./Int J Cancer 1995). Wozu brauchen wir Milch eigentlich? Glaubt man den Aussagen der Milchindustrie, baut das Kalzium aus der Milch unsere Knochen auf und schützt uns damit vor Osteoporose. Dem widersprechen Studienergebnisse ganz entschieden: Weder in der Nurses’ Health Study noch in der Health Professionals Follow-up Study aus den USA war irgendein positiver Effekt von Milch auf die Knochendichte nachweisbar, selbst wenn Frauen bereits in der Kindheit und Jugend regelmäßig Milchprodukte verzehrten (Feskanich D/JAMA Pediatr 2014). Eine aktuelle Veröffentlichung aus Schweden zeigt sogar einen gegenteiligen Effekt: 61 433 Frauen und 45 339 Männer hielten ihre Ernährungsgewohnheiten in Fragebögen fest. Die Studienteilnehmer wurden 11 Jahre lang nachbeobachtet. In der Zeit kam es bei hohem Milchkonsum vermehrt zu Knochenbrüchen (Frakturen) infolge von Osteoporose (Michaëlsson K et al./BMJ 2014). Vor allem für Frauen erhöhte sich das Osteoporoserisiko durch Milch: So nahm für jedes Glas Milch am Tag das Frakturrisiko um 2 % zu; bei den Hüftfrakturen betrug der Anstieg sogar 9 %. Außerdem – und das ist erstaunlich und bedenklich zugleich – erhöhte der Milchkonsum die Sterberate: Die Autoren der Studie ermittelten einen Anstieg der Gesamtsterblichkeit je 200 ml Milch um 15 % bei Frauen und um 3 % bei Männern. Asiaten mit ihrer traditionellen Ernährung kennen das Problem der Osteoporose kaum. Sie decken ihren Kalziumbedarf nicht mit Milch, sondern mit pflanzlicher Ernährung, vor allem mit Sesam. Sesam kann als Sesamsalz (Gomasio) übrigens sehr gut in die westliche Küche integriert werden. Viel Kalzium steckt auch in grünem Gemüse, verschiedenen Kohlsorten, Blattsalaten und Kräutern.
Vergleicht man konventionelle Industriemilch mit Milch aus Demeter-Landwirtschaft, enthält die Bio-Milch zwei Drittel mehr an gesunden Omega-3-Fettsäuren (Food Standards Agency FSA, Großbritannien, 3/2004). In der Aprilausgabe der Zeitschrift Öko-Test erfahren Sie, welche Milch wirklich von Kühen stammt, die Heu und Gras fressen, sodass ihr Omega-3-Gehalt hoch ist.
All diese Forschungsergebnisse und Beobachtungen geben Anlass, Milch als Lebensmittel kritisch zu betrachten und die Konsumgewohnheiten zu überdenken – sowohl quantitativ als auch qualitativ. Wir empfehlen, lieber zu pflanzlichen »Milch-Alternativen« zu greifen, die es in vielen Varianten gibt, wie z. B. Hafer-, Dinkel-, Mandel-, Reis- oder Sojamilch. Die Geschmäcker sind verschieden. Probieren Sie mehrere Hersteller aus, bis Sie ein Produkt gefunden haben, das Ihnen
mundet.

Tamoxifen und Wechselwirkungen

Muss ich bei der Einnahme von Tamoxifen auf Wechselwirkungen mit Pflanzenstoffen achten?

Mögliche Wechselwirkungen sind in den letzten Jahren vor allem bei Johanniskraut untersucht worden. Johanniskraut ist an einer Vielzahl von Enzym- und Transportsystemen beteiligt. Dadurch kann es den Abbau anderer Medikamente in der Leber beeinflussen.
Solche Wechselwirkungen betreffen auch andere Präparate. Viele Arzneien, vor allem schulmedizinische sollten nicht parallel zu Tamoxifen eingenommen werden, weil sie seine Umwandlung in die aktive Stoffwechselform Endoxifen in der Leber behindern. Das ist beispielsweise so bei dem Antiarrhythmikum Amiodaron, bei bestimmten Magenmitteln (Cimetidin, Ranitidin), bei manchen Antidepressiva und Neuroleptika (Clomipramin, Imipramin, Clozapin, Haloperidol, Trazodon), bei SSRI-Hemmern (Paroxetin, Fluoxetin, Sertralin), Anti-Pilzmitteln (Miconazol, Ketoconazol) und einem Wirkstoff zum Senken des Blutdrucks (Nicardipin).
Diskutiert wird noch, ob Baldrian und Grüner Tee die Wirkung von Tamoxifen verändern. Eindeutige Belege fehlen bisher. Grüner Tee beeinflusst bestimmte Transportproteine. Vermutlich wird daher mehr Tamoxifen vom Organismus aufgenommen, wenn man Grünen Tee trinkt. Ob dadurch die aktive Stoffwechselform im Körper höher konzentriert ist, hat man leider noch nicht untersucht.
Die Menge der pflanzlichen Wirkstoffe ist unüberschaubar. Daher sind Wechselwirkungen generell noch viel zu wenig erforscht. Nehmen Sie im Zweifelsfall ein pflanzliches Präparat zeitlich versetzt zum Tamoxifen ein. Es ist ratsam, während der Tamoxifen-Therapie auf Johanniskraut, SSRI-Hemmer und die anderen oben genannten Substanzen komplett zu verzichten. Als Alternative zu den oben aufgelisteten Antidepressiva können Venlafaxin, Citalopram oder Escitalopram gegeben werden. Sie beeinträchtigen die Wirkung von Tamoxifen nicht. Falls Sie Antidepressiva nutzen, sprechen Sie bitte unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt. Er muss wissen, dass Sie Tamoxifen einnehmen.

Bisphosphonate nur noch alle drei Monate

Wie oft sollen Brustkrebspatientinnen mit Knochenmetastasen Bisphosphonate gegeben werden?

Bisphosphonate sind Medikamente, die zur Behandlung von Osteoporose und darüber hinaus zur Behandlung von Knochenmetastasen eingesetzt werden. Es handelt sich um Phosphorverbindungen, die, einmal im Knochen angelangt, viele Jahre dort verbleiben und den Knochenabbau verhindern. Bekannt ist, dass durch die Gabe von Bisphosphonaten die Beschwerden durch Knochenmetastasen wirksam gelindert werden können. Eine aktuelle Studie (OPTIMIZE-2-Studie) untersucht die Therapieintervalle bei Brustkrebsbetroffenen mit Knochenmetastasen am Beispiel von dem Bisphosphonat Zoledronsäure (Zometa). Ihr Ergebnis: Nach einem Jahr kann die Medikation von 4 mg alle vier Wochen auf 4 mg alle drei Monate reduziert werden, ohne dass die Wirkung beeinträchtigt wird. Eine Patientengruppe erhielt das Bisphosphonat alle drei Monate, die andere monatlich. Nach einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von zwölf Monaten wurde die Anzahl »skelettbezogener Ereignisse« verglichen. Dabei stellte sich heraus, dass für die insgesamt 403 Patientinnen die längeren Intervalle keine deutlichen Nachteile (23,2 Prozent zeigten skelettbezogene Ereignisse) gegenüber der Standardbehandlung (22 Prozent zeigten skelettbezogene Ereignisse) hatten.
Auch in punkto Nebenwirkungen zeigten sich in den beiden Gruppen keine statistisch relevanten Unterschiede. Zwei Patienten mit monatlicher Gabe entwickelten Nekrosen des Kieferknochens, bei Patienten mit größeren Intervallen wurden derartige Nebenwirkungen nicht beobachtet. Aus der Studienlage heraus kann man den Betroffenen durchaus empfehlen, mit ihrem Arzt über die Verlängerung der Intervalle auf drei Monate zu sprechen.

Brustkrebs: Neue Methoden der Bestrahlung

Ich habe Brustkrebs und soll mich bestrahlen lassen. Wie viele Bestrahlungssitzungen sind wirklich notwendig? Gibt es Erfahrungen damit, vom empfohlenen Standard abzuweichen?

Inzwischen gibt es neuere Methoden, durch die die Strahlenbelastung minimiert werden soll. Die intraoperative Strahlentherapie wird – wie der Name verrät – während der Operation direkt im Anschluss an die Tumorentfernung angewandt. Rund 10 Prozent der zertifizierten Brustzentren in Deutschland bieten diese Form der Bestrahlung an (IORT oder INTRABEAM). Es ist fraglich, ob durch die IORT eine ausreichende Dosisdichte an den Rändern des Tumorbettes erreicht wird. Deshalb wird in den meisten Fällen eine zusätzliche Boost-Bestrahlung durchgeführt. Kritiker bemerken, dass die bisherige Beobachtungszeit von fünf Jahren zu kurz ist (Vaidya J/Lancet 2014), um aufschlussreiche Erkenntnisse über die nachhaltige Wirksamkeit der Methode zu gewinnen. Daher wird die IORT bisher vor allem bei Patientinnen empfohlen, die über 50 Jahre alt sind, deren Tumor etwa 2 cm groß ist und günstige Tumoreigenschaften aufweist. Ob durch die IORT die Nebenwirkungen wirklich reduziert werden können, wird unter Fachleuten noch diskutiert. Es scheint eher so zu sein, dass die Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen geringer ist und dass andere Nebenwirkungen (Gewebefibrosen und Wundheilungsstörungen) auftreten als unter herkömmlicher Bestrahlung. Ältere Frauen mit günstigen Tumoreigenschaften (Tumor kleiner als 2 cm, G1 oder G2, hormonrezeptorpositiv, HER2-negativ, kein Lymphknotenbefall) sollten vor allem nach einer hypofraktionierten Bestrahlung fragen. Hier reichen bereits 15 statt der sonst üblichen etwa 25 Sitzungen aus. Es werden höhere Einzeldosen, dafür aber eine geringere Gesamtdosis verabreicht. Dadurch verkürzt sich die Behandlungszeit von sieben bis acht auf drei bis fünf Wochen. Aktuelle Studiendaten legen nahe (Haviland JS/Lancet 2013), dass die hypofraktionierte Bestrahlung trotz geringerer Gesamtstrahlendosis einen stärker antitumorösen Effekt hat und daher mindestens so effektiv ist wie die übliche Bestrahlung. So kam es im Vergleich zur Standard-Bestrahlung mit insgesamt 50 Gy unter der hypofraktionierten Bestrahlung mit einer Gesamtdosis von 40 Gy innerhalb von zehn Jahren sogar seltener zu Lokalrezidiven (5,5 Prozent gegenüber 4,3 Prozent). Während in Großbritannien seit 2009 die hypofraktionierte Bestrahlung in den Leitlinien verankert wurde, ist in Deutschland diese Behandlungsform nur als mögliche Option definiert. Grundsätzlich können aber alle Strahlentherapie-Abteilungen die Brust auch hypofraktioniert bestrahlen. Es lohnt sich, vor Ort nachzufragen. Bei älteren Patientinnen kann unter bestimmten Umständen auf eine Strahlentherapie eventuell sogar ganz verzichtet werden. Darauf weist die Datenlage der PRIME-II-Studie hin (Kunkler I/San Antonio 2013). An ihr nahmen 1326 Frauen im Alter von über 65 Jahren teil. Die Heilungschancen der Teilnehmerinnen wurden als sehr hoch eingestuft, weil der Tumor kleiner als 3 cm war und bei der brusterhaltenden Operation ohne Tumornachweis in den Randschnitten entfernt werden konnte. Hier war der Verzicht auf die Strahlentherapie nach 5 Jahren Beobachtungszeit nur geringfügig häufiger mit einem Rezidiv verbunden (4,1 gegenüber 1,3 Prozent). Einen Einfluss auf die Überlebenszeit hatte die Bestrahlung bei diesen Frauen nicht.

Schilddrüse

Meine Seit einigen Wochen fühle ich mich unwohl und habe häufiger Schwindel. Nun hat mein Hausarzt eine leichte Unterfunktion der Schilddrüse festgestellt. Wegen meiner Brustkrebserkrankung habe ich Angst, dass sich das negativ auswirken könnte. Was können Sie mir zu Problemen mit der Schilddrüse sagen?

Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ im vorderen Halsbereich. Ihre Bedeutung wird oft unterschätzt. Die Schilddrüsenhormone beeinflussen den Energiestoffwechsel
und den Funktionszustand fast aller Organe. Die von der Schilddrüse gebildeten Hormone Triiodthyronin (T3) und Thyroxin/ Tetraiodthyronin (T4) sind Iodverbindungen.
Deshalb muss eine ausreichende Zufuhr von Iod über die Nahrung gewährleistet sein. Sind die beiden Hormone T3 und T4 »zusammengebaut«, werden sie in der Schilddrüse gespeichert, bis die Speicherzellen das Signal erhalten, die aktiven Hormone T3 und T4 ins Blut abzugeben. Dieses Signal kommt vom thyreoideastimulierenden Hormon (TSH, »Thyreoidea « = Schilddrüse), das aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) stammt. TSH gelangt über das Blut zur Schilddrüse und bindet an spezielle TSH-Rezeptoren. Sobald sich das stimulierende Hormon mit dem Rezeptor verbunden hat, entlässt die Schilddrüse die Hormone T3 und T4 ins Blut.
Sowohl die Ursachen als auch die Erscheinungsformen von Erkrankungen der Schilddrüse sind vielfältig. Am häufigsten treten gutartige Vergrößerungen (sog. Jodmangelstruma), aber auch Entzündungen und Autoimmunerkrankungen (Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis) auf. Alle Schilddrüsenkrankheiten können zu Störungen des Hormonstoffwechsels führen. Diese machen sich entweder als Überfunktion (Hyperthyreose) oder als Unterfunktion (Hypothyreose) der Schilddrüse bemerkbar.
Da Rezeptoren für Schilddrüsenhormone überall im Organismus vorhanden sind, kann es infolge von Funktionsstörungen der Schilddrüse zu Beschwerden in fast allen Organsystemen kommen. So kann eine Überfunktion Herzrasen, unwillkürlichen Gewichtsverlust, Nervosität und Zittern sowie Durchfall verursachen. Eine Unterfunktion äußert sich meistens in einem verlangsamten Herzschlag, einer Gewichtszunahme, Verstopfung, Müdigkeit, Schwindel und häufigem Frieren. Es gibt sogar Patienten, bei denen die Unterfunktion der Schilddrüse eine Depression auslöst.
Viele dieser Beschwerden können auch andere Ursachen haben. Daher ist es immer ratsam, eine Laboruntersuchung durchführen zu lassen. Im Blut werden das Schilddrüsen-Steuerhormon TSH und das freie Schilddrüsenhormon T3 und T4 gemessen. Liegt der TSH-Wert über 4 mU/l, sollten Sie mit Ihrem Arzt über eine mögliche Behandlung sprechen. In einigen Fällen sind nur die Laborwerte auffällig, ohne dass der Patient Beschwerden hat.
Therapeutische Maßnahmen werden dann von Spezialisten eher kritisch beurteilt. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie meldet, dass in den letzten Jahren die TSH-Referenzwerte gesenkt worden sind, was die zunehmende Verordnung von Schilddrüsen-Hormonen erklären könnte. Ob der Körper Abwehrstoffe (sogenannte Autoantikörper) gegen die eigene Schilddrüse bildet, erkennt der Arzt anhand einer Blutuntersuchung auf »MAK, TAK und TRAK«. Sind diese stark erhöht, liegt in den allermeisten Fällen ein Morbus Basedow oder eine Hashimoto-Thyreoiditis vor. Weichen diese Werte geringfügig von der Norm ab, hat das allerdings auch hier nicht immer einen Krankheitswert.
Aus naturheilkundlicher Sicht empfehlen wir bei Autoimmunerkrankungen und Funktionsstörungen der Schilddrüse die Gabe von Omega-3-Fettsäuren und Selen. Bei entzündlichen Vorgängen können Sie Beinwell-Salbe (z. B. Kytta-Salbe) oder Retterspitz-Wickel in der Schilddrüsenregion lokal anwenden. Neben den Störungen der Schilddrüsen funktion kommt es hierzulande leider immer noch zu einer Vergrößerung der  Schilddrüse durch Jodmangel (Jodmangelkropf) – obwohl sich jodiertes Speisesalz fast überall durchgesetzt hat. Professor Markus Luster vom Uniklinikum Marburg beobachtet sogar den Trend einer rückläufigen Jodversorgung in Deutschland. Vielleicht liegt dies auch daran, dass natürliches Jod besser aufgenommen werden kann als Jodid aus dem Speisesalz. Zudem werden viel zu viele fluorhaltige Zahncremes und Lebensmittel (z. B. fluoridiertes Salz) verwendet. Fluorid verhindert nämlich die Jodaufnahme in die Schilddrüse! Sie können Ihre Jodversorgung durch jodiertes Salz (am besten Meersalz) oder mit natürlichem Jod (z. B. mit Jod angereicherten Algen als Presslinge) verbessern.
Fischkonsum ist als alleinige Jod-Quelle laut der DGE leider nicht ausreichend. Dabei betont die DGE auch, dass das Einnehmen von Jod selbst bei Entzündungen oder Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse unbedenklich ist. Eine Beziehung zwischen Schilddrüsenerkrankungen und Brustkrebs wird in der Fachwelt immer noch diskutiert. Prof. Gärtner in München bemerkt, dass die häufigste Assoziation, die sich in Studien zeigt, der Zusammenhang zwischen Jodmangelerkrankungen, Hypothyreose und Brustkrebs ist. Außerdem weiß man, dass Jod und seine Stoffwechselprodukte auch in der Brustdrüse eine entscheidende Rolle hinsichtlich der Wachstumsregulation spielen. In Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass natürliches Jod, bzw. Seetang, die Entstehung von chemisch erzeugten Mamma-Karzinomen verzögert, nicht aber Jodid in der Nahrung.
Durch die langfristige Zufuhr von Jod konnte die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Brustkrebs bei Ratten um 70 % gesenkt werden. Klinische Studien mit Brustkrebs-Patientinnen ergaben, dass die Wachstumsrate in den Tumoren um 50 Prozent reduziert werden konnte, wenn die Frauen vor der Operation über vier Wochen 4 Milligramm Jod pro Tag erhalten hatten (Vega-Riveroll L et al./ Thyroid Suppl ATA 2007). In Japan werden diese positiven Effekte bereits seit Urzeiten genutzt: Asiatinnen verzehren besonders gerne Miso-Suppe mit Seetang. Möglicherweise ist dies auch ein vielversprechender Ansatz bei der Vorbeugung und Therapie von Brustkrebs in Europa.

Leinsamen, Sesam und Kürbiskerne bei Brustkrebs

Ich habe Brustkrebs und habe gehört, dass Pflanzenhormone aus Saaten bei dieser Erkrankung sinnvoll sein sollen. Können Sie das bestätigen?

Aufgrund ihrer Erkenntnisse aus vielen Untersuchungen der letzten Jahre schreiben Tumorexperten den Phytoöstrogenen, Pflanzeninhaltsstoffen mit hormonähnlicher Wirkung, krebshemmende Eigenschaften zu. Mit Ihrer Frage meinen Sie vermutlich die im Jahr 2011 veröffentlichte Studie von Buck im Journal of Clinical Oncology. Bruck konnte erstmals anhand von Biomarkern zeigen, dass Pflanzenhormone aus Saaten (z. B. Leinsamen, Sesam und Kürbiskernen) das Überleben von Brustkrebspatientinnen positiv beeinflussen. Dabei nahmen die Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg zwischen 2002 und 2005 Blutproben von 1140 Frauen. Die Teilnehmerinnen der Studie waren nach den Wechseljahren an Brustkrebs erkrankt. Aus dem Blut bestimmte man die sogenannten Enterolaktone; das sind die Stoffe, die nach dem Verzehr von Leinsamen & Co. im Darm gebildet und aufgenommen werden. Das erstaunliche Ergebnis: Die Teilnehmerinnen mit den höchsten Enterolakton-Spiegel hatten im Vergleich zu den Frauen mit den niedrigsten Blutwerten ein um 40 Prozent geringeres Sterblichkeitsrisiko. Berücksichtigten die Wissenschaftler zusätzlich das Auftreten von Metastasen und Zweittumoren, kamen sie zu einem ähnlichen Resultat. Frauen mit den höchsten Enterolakton-Werten hatten bessere Chancen auf einen in dieser Hinsicht günstigeren Krankheitsverlauf. Besonders profitierten von dem erhöhten Enterolakton die Patientinnen mit hormonrezeptornegativen Tumoren. Das könnte bedeuten, dass Lignane den Schutz vor Krebs nicht nur über ihre hormonartige Wirkung vermitteln. Es ist bekannt, dass durch Pflanzenstoffe vielfältige Reaktionen im Organismus ausgelöst werden können, die krebsvorbeugend wirken. So können sie den Zelltod von Tumorzellen (Apoptose) und das Aussprießen neuer Blutgefäße (Angiogenese) zur Versorgung des Tumors hemmen. Besonders bei Brustkrebspatienten empfehlen wir daher die regelmäßige Einnahme von Leinsamen, die neben viel Lignanen auch wertvolle Ballaststoffe, Vitamine und vor allem Omega-3-Fettsäuren enthalten, die ebenfalls wichtig für die Gesunderhaltung sind.

Kaffee bei Brustkrebs

Ich habe Brustkrebs und trinke gerne meinen Nachmittagskaffee. Nun hat mir eine Bekannte davon abgeraten. Was meinen Sie dazu?

Neuere Forschungsergebnisse bestätigen die prinzipiell sogar gesundheitsfördernde Wirkung von Kaffee. Eine schwedische Studie zeigt, dass der Genuss des Heißgetränks die Wirkung von Tamoxifen verstärkt (Simonsson M/Cancer Causes Control 2013). In dieser Untersuchung wurden 600 Patientinnen über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtet. Die Hälfte der Frauen nahm gleichzeitig Tamoxifen ein. Das Ergebnis: Frauen, die zwei oder mehr Tassen Kaffee am Tag tranken, hatten halb so viele Rückfälle, wie die Frauen mit einem täglichen Kaffekonsum von maximal einer Tasse. Eine Erklärung für diese Beobachtung findet sich in einer anderen Studie (Schliep KC/American Journal of Clinical Nutrition 2012), die belegt, dass bei weißen US-Amerikanerinnen der Östrogenspiegel durch Kaffee gesenkt wird.
Dass ein moderater Kaffeekonsum sich hemmend auf das Wachstum von Brustkrebs auswirken könnte, legen bereits Studien aus den Jahren 2006 und 2011 nahe. Interessanterweise gilt dieser Effekt nicht nur für Östrogenrezeptor-positive Tumore, sondern auch bei Östrogenrezeptor-negativen (Li J/Breast Cancer Research 2011). Warum das so ist untersuchte eine experimentelle Studie (Geraets L/Biochem Pharmacol 2006). Sie offenbarte, dass Kaffee (ohne Filter) wie ein PARP1-Hemmer wirkt. Diese Substanzen werden u. a. bei Triple-negativen Tumoren eingesetzt. Zusammengefasst ergibt sich das Bild, dass Kaffee nicht nur Genuss bringt, sondern auch eine heilsame Wirkung bei Brustkrebs erzielen kann. Wir empfehlen Kaffee ohne Filter und ohne Milch als Espresso zu genießen.

 

 

Gentest und dann?

Meine Mutter ist an Brustkrebs gestorben. Dass ich eventuell eine erbliche Vorbelastung habe, ist mir bewusst. Ich versuche daher möglichst gesund zu leben. Durch die Presseberichte über die Amputation von Angelina Jolie bin ich aufgeschreckt. Was meinen Sie: Soll ich auch einen Gentest machen? Und ist es wirklich notwendig, sich beide Brüste abnehmen zu lassen, falls er positiv ausfällt?

Frau Jolie hatte angeblich ein 87-prozentiges Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, durch die Amputation sank es auf fünf Prozent. Solche Zahlen scheinen auf den ersten Blick überzeugend. Als eine »heldenhafte Tat«, wie ihr Mann Brad Pitt die Amputation nennt, würden wir diesen Eingriff aber nicht bezeichnen wollen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Operation ist der Ausdruck von hilfloser Angst. Viele Menschen haben Angst vor Krebs. Und wenn eine Frau den Tod ihrer eigenen Mutter durch Brustkrebs miterlebt hat, ist es verständlich, dass sie ihr persönliches Risiko für eine Krebserkrankung so gering wie möglich halten will.
Der Sinn von Gentests in diesem Zusammenhang ist fraglich und aus ethischer Sicht sind solche Untersuchungen äußerst kritisch zu betrachten. Die Erkenntnisse der Forschung zur Epigenetik haben längst bewiesen, dass erbliche Dispositionen kein Schicksal besiegeln. Gene können vereinfacht gesprochen an- und abgeschaltet werden. Unser Lebensstil, unsere psychische Balance
und andere Aspekte haben Einfluss auf das Auftreten von Erkrankungen. Krebs ist ein multifaktorielles Geschehen, d. h. es gibt zahlreiche Einflussfaktoren, die wir positiv gestalten können – ohne uns von vollkommen gesunden Körperteilen zu trennen. Studien belegen beispielsweise, dass regelmäßige Bewegung das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, um 50 Prozent senkt.
Mit der Erwartung, dass die Krankheit mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten wird, steigt tatsächlich das Risiko einer Erkrankung. Die Erkenntnisse der Psychoneuroimmunologie belegen die Wechselwirkungen zwischen Seele und Abwehrsystem. In diesem Sinne hatte Frau Jolie nach dem
Test sicher ein erhöhtes Krebsrisiko. Die Schauspielerin hat mit dem Eingriff ihre Angst besänftigt. Hierfür hätte es sicher auch andere Wege gegeben, die in der Öffentlichkeit weniger Aufsehen erregt hätten. Wir alle leben täglich mit der Möglichkeit, lebensbedrohlich zu erkranken. Das Sterberisiko liegt unausweichlich bei 100 Prozent für jeden von uns. Es gibt buchstäblich Hunderte von Krebserkrankungen und viele Tausend andere Möglichkeiten dem Tod zu begegnen. Mit diesem Wissen müssen wir fertig werden. Das ist natürlich umso schwieriger, wenn die Angst durch eigene Erkrankung, Krankheiten der Verwandten oder andere Risikofaktoren ein bestimmtes Gesicht hat. Bevor wir mit solchen Situationen konfrontiert werden, verdrängen wir die Gedanken an die eigene Endlichkeit in der Regel. Tritt sie dann in unser Bewusstsein, trifft uns die Angst umso heftiger. Das ist vollkommen normal und menschlich. Sich dieser Angst zu stellen, kann ein Meilenstein der persönlichen Entwicklung sein, erfordert aber viel Mut und Verantwortung für sich selbst von jedem einzelnen.
Es gibt viele Möglichkeiten, diesen sensiblen Schritt zu unterstützen. Einfühlsame Begleiter finden sich im therapeutischen Kontext und in der Seelsorge.

Ginseng

Meine Frau erhält eine Chemotherapie und möchte zur Stärkung Ginseng-Kapseln einnehmen. Nun haben wir gehört, dass dies während einer Chemotherapie nicht sinnvoll sei. Was genau ist Ginseng und wie sollte er verwendet werden?

Die getrockneten Wurzeln des Ginseng werden in der traditionellen asiatischen Medizin zur Behandlung unterschiedlicher Erkrankungen eingesetzt. Die meisten Studien zu Ginseng stammen daher aus dem asiatischen Raum. In Laborstudien aktivierte Ginseng die Immunzellen. Verschiedene Ginsengextrakte sind Laborexperimenten zufolge in der Lage, das Wachstum von Tumorzellen zu verhindern und zu einem Absterben von Tumorzellen zu führen. Allerdings gibt es erst eine Studie an operierten Magenkrebspatienten, bei denen durch die Gabe von Ginseng eine verbesserte Überlebenszeit und eine schnellere Wiederherstellung der Abwehrlage erreicht wurden.

Ginseng weist östrogenähnliche Wirkungen auf, weshalb die Einnahme für Patientinnen mit Brustkrebs oder anderen hormonabhängigen Tumoren eher nicht empfehlenswert ist. Ginsengpräparate sollten insbesondere bei Brustkrebspatientinnen nur unter gewissenhafter Abwägung dieser Aspekte eingesetzt werden. Auch die möglichen Nebenwirkungen von Ginseng müssen bedacht werden. Dies sind zum Beispiel eine erhöhte Herzfrequenz, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Unruhe, Hautausschläge und allergische Reaktionen. Wird parallel Koffein zugeführt, kann Ginseng vermehrt zu Schlafstörungen und Nervosität führen.

Außerdem sind Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten möglich. So wurde eine erhöhte Blutungsneigung bei gleichzeitiger Therapie mit Blutgerinnungshemmern wie Cumarin oder ASS beschrieben. Bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Antidepressiva (MAO-Hemmer) können Kopfschmerzen, neurologische Erscheinungen (Tremor) und ernst zu nehmende psychische Störungen (manische Episoden) auftreten. Die Wirkung von Antidiabetika, insbesondere Sulfonylharnstoffen und Insulin, kann verstärkt werden, so dass Unterzuckerungen möglich sind. Der Serumspiegel des Herzmittels Digoxin kann ansteigen und zu gefährlichen Überdosierungen führen. Wegen der möglichen Neben- und Wechselwirkungen halten wir es für sinnvoll, in jedem Fall vor der Einnahme einen Arzt zu befragen. Von einer Eigenmedikation mit Präparaten aus dem Drogeriemarkt raten wir entschieden ab.

Ursache von Krebs

Ich bin an Brustkrebs erkrankt und würde gerne mehr darüber erfahren, inwieweit Umweltgifte eine Rolle spielen und was ich selbst zur Vermeidung eines Rückfalls tun kann?

Krebs ist immer als eine multifaktorielle Erkrankung anzusehen. Das bedeutet, dass im Laufe des Lebens verschiedene Belastungsfaktoren zusammenkommen, die dann eine Krebserkrankung auslösen können, wenn das Gleichgewicht im Organismus zunehmend verschoben ist und das sprichwörtliche Fass überläuft. Was viele nicht wissen: Familiäre genetische Belastungen sind nur für einen geringen Anteil aller Brustkrebserkrankungen (fünf bis zehn Prozent) verantwortlich.

Um Rückfällen vorzubeugen, können Sie all das, was diesen Krebs verhindern hilft, für sich einsetzen: Die Statistik zeigt beispielsweise, dass schlanke und körperlich aktive Frauen seltener an Brustkrebs erkranken. Auch haben bereits erkrankte Frauen, die auf ihr Gewicht achten und sich regelmäßig bewegen, größere Chancen, wieder gesund zu werden. Brustkrebs-Patientinnen, die sich drei bis viermal pro Woche 40 Minuten oder länger bewegen hatten nach fünf Jahren deutlich weniger Rückfälle.

Ferner scheint eine Kost mit hohem Obst- und Gemüseanteil sowie reichlich Vollkornprodukten bei begrenzter Fettzufuhr mit einer günstigeren Prognose verbunden zu sein. Zum Beispiel vermindern hohe Carotinoid-Spiegel im Blut das Brustkrebsrisiko. Carotinoid-reich sind insbesondere gelbe bis orangefarbene Obst- und Gemüsesorten (Karotten, Paprika, Süßkartoffel, Kürbis, Aprikosen, Papaya, Mango, Pfirsiche, Sanddorn, aber auch Tomaten) und grünes Gemüse (Spinat, Brokkoli, Kresse, Endivien etc.). Zahlreiche Studien belegen auch die Bedeutung einer ausreichenden Vitamin D-Konzentration im Blut für die Minimierung des Brustkrebsrisikos und die Vermeidung von lokalen Rückfällen und Tumorabsiedlungen. Eine Berechnung aus den U.S.A. ergab, dass die Anhebung des Vitamin D-Spiegels durch die Gabe einer Dosis von 2000 I. E. (= Internationale Einheit) täglich jedes Jahr etwa 58.000 neue Fälle von Brustkrebs verhindern könnte.

Brustkrebszellen werden in ihrem Wachstum entscheidend durch Hormone beeinflusst. Hormonelle Faktoren spielen daher bei der Brustkrebsentstehung eine wichtige Rolle. So schützen ein spätes Eintreten der ersten Regelblutung und ein früher Eintritt in die Wechseljahre vor Brustkrebs, da der weibliche Organismus dann nur wenige Jahre einem Hormoneinfluss ausgesetzt ist. Dies erklärt auch, warum die zusätzliche Einnahme von Geschlechtshormonen in den Wechseljahren das Brustkrebsrisiko erhöht: Die Brustzellen erhalten einen zusätzlichen Wachstumsimpuls durch die Hormone. In großen Untersuchungen stellte sich heraus, dass vor allem die Gabe von weiblichen Hormonen (= Östrogene) gegen Wechseljahresbeschwerden das Brustkrebsrisiko um bis zu 45 Prozent erhöht.

Es wird diskutiert, ob die sogenannte Östrogendominanz am Anfang der Wechseljahre, die oft kombiniert mit einem Progesteronmangel ist, die Entstehung und das Wachstum von Brusttumoren fördern kann. Experten vermuten, dass dabei auch der Einfluss von Umweltschadstoffen eine Rolle spielt, da diese häufig östrogene Eigenschaften besitzen. Histologische Untersuchungen ergeben oft, dass Brustkrebsgewebe mit Schadstoffen, vor allem mit Pestiziden und Schwermetallen überlastet ist. Außerdem kommt es darauf an, wann die Aufnahme von Umweltschadstoffen erfolgte. Besonders die sensiblen Phasen der vorgeburtlichen Entwicklung und der Pubertät gelten als besonders gefährlich.

Auch andere Substanzen in der Umwelt können schädigend auf den Menschen einwirken. Erst vor kurzem hat die International Agency for Research on Cancer (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die gesundheitlichen Gefahren durch Dieselabgase neu bewertet und stuft sie eindeutig als krebserregend ein. Immer wieder erscheinen Pressemeldungen, dass Pestizide unerwartet im menschlichen Organismus nachgewiesen werden konnten. Besonders bei den Umweltschadstoffen sieht man, dass es zunehmend kompliziert wird, das Störungspotential genau einzukreisen, da inzwischen unüberschaubar viele Umweltfaktoren auf die Menschheit einwirken oder auf frühere Generationen eingewirkt haben.

Dieser umweltmedizinische Aspekt kann für betroffene Frauen wichtig sein, da er eine andere Färbung in die Diskussion um die Krankheitsentstehung einbringt. Schließlich gibt es immer mehr Frauen, die trotz gesunden Lebensstils an Brustkrebs erkranken. Aus epigenetischer Forschung weiß man inzwischen, dass wir nicht nur das sind, was wir beispielsweise momentan essen, sondern auch durch das beeinflusst werden, was unsere Mütter oder Großmütter gegessen haben.

Übrigens enthalten auch vermeintlich gegen die Erkrankung wirkende Medikamente zweifelhafte Stoffe. Werfen wir einen Blick auf die sogenannten Hilfsstoffe der marktüblichen Antihormone. Was für die Krankenkassen vordergründig billiger ist, hat möglicherweise einen hohen gesundheitlichen Preis: Manche Präparate enthalten Farbstoffe, z. B. E 102, die in früheren Jahren verboten waren, da sie Nebenwirkungen vor allem bei Kindern haben und Krebs fördern sollen. Aufgrund der EU-Gesetzgebung wurde diese wieder zugelassen. Sie sehen, dass es auch hier wichtig ist, die verschriebenen Präparate zu hinterfragen und genauer nachzuschauen.

Übrigens: Bei allen negativen Meldungen zu potentiellen Umweltschadstoffen ist es wichtig, dass wir eine gesunde Balance im Umgang mit dem Thema finden. Jede Form von Fanatismus schadet. Lassen Sie sich den Genuss beim Essen nicht verderben! Denn auch die Psyche trägt entscheidend dazu bei, wieder gesund zu werden. Wenn Sie fortan bei jedem Apfel ängstlich oder misstrauisch darüber nachdenken, ob er mit Schadstoffen belastet sein könnte, ist das Ihrer Gesundheit auch nicht zuträglich.

Knochenstärkung bei Knochenmetastasen

Ich habe Brustkrebs mit Knochenmetastasen und erhalte deswegen Bisphosphonate sowie eine lokale Bestrahlungsbehandlung Außerdem plagt mich eine schon seit längerem bestehende Osteoporose. Was kann ich tun, um einem weiteren Knochenschwund vorzubeugen?

Nachfolgende Empfehlungen können parallel zu einer Therapie mit Bisphosphonaten bzw. zu einer möglichen Strahlentherapie durchgeführt werden. Dies sind eine Säure-Basen-Regulationstherapie, eine homöopathische Behandlung z.B. mit Silicea D12 zusammen mit Calcium fluoratum D12 (je 3 x 2 Tabl.) oder Steirocall® (3 x 50 Tr.) sowie die Einnahme von mineralstoffreichen Präparaten, wie z.B. braune Wildhirse mit täglich 3 EL (erhältlich im Reformhaus/Naturkostladen) oder schwarzem Sesam-Ursamen mit täglich 2 TL. Ein sehr kalziumreiches Nahrungsmittel ist Sesam, das als Sesamsalz (Gomasio) sehr vielseitig in der Küche verwendet werden kann. Außerdem möchten wir Ihnen empfehlen, Ihren 25-OH-Vitamin-D-Spiegel im Blut bestimmen zu lassen und darauf abgestimmt zusätzlich Vitamin D einzunehmen. Alle genannten Empfehlungen können gleichzeitig oder parallel durchgeführt werden, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen, wobei die Einnahme von mineralstoffreichen Präparaten am wichtigsten ist.
Zusätzlich kann zur Schmerzerleichterung eine Magnetfeldtherapie mittels einer Magnetfeldmatte versuchsweise auf Leihbasis für zunächst 4 Wochen und täglicher Anwendung empfehlenswert sein. Bei multiplen sehr schmerzhaften Knochenmetastasen ist es ratsam, den behandelnden Arzt auf eine sog. Radionuklidtherapie anzusprechen, die von verschiedenen Strahlenkliniken durchgeführt wird.

Herceptin bei Brustkrebs

Ich habe Brustkrebs und mein behandelnder Frauenarzt hat mir die Gabe von Herceptin empfohlen. Nun mache ich mir Sorgen, weil ich gehört habe, dass dadurch Herzschädigungen auftreten können. Was ist das für eine Substanz und wie unbedenklich ist deren Anwendung?

"Herceptin" (Trastuzumab) ist der Handelsname eines Antikörper-Präparats zur Behandlung von Brustkrebs. Herceptin ist als monoklonaler Antikörper in der adjuvanten Situation (d.h. nach Primäroperation) und bei metastasiertem Brustkrebs zugelassen.
Herceptin wirkt folgendermaßen: Brustkrebszellen tragen auf ihrer Oberfläche häufig Rezeptoren (HER 2), mit denen sie bestimmte Eiweißstoffe aufnehmen. Diese körpereigenen Eiweißstoffe fördern das Wachstum von Brustdrüsenzellen. Brustkrebszellen bilden häufig besonders viele HER-2-Rezeptoren aus. Um diese Wachstumsimpulse für Krebszellen zu verhindern, wurde ein Antikörper entwickelt, der sich ebenfalls an die HER 2-Rezeptoren anbindet und diese blockiert. Dadurch können die körpereigenen Wachstumsförderer nicht mehr andocken, wodurch die Tumorzellen keine Wachstumsimpulse mehr erhalten.
Voraussetzung für die Anwendung ist eine dreifache Ausprägung (sog. Überexpression) des sogenannten HER2-Rezeptors. Nur dann keine eine Herceptin-Therapie überhaupt wirksam werden. Darum muss vor einer Behandlung untersucht werden, ob HER2-Rezeptoren vorhanden sind, am besten mithilfe des sogenannten FISH-Tests. Das sollte in einem darauf spezialisierten Labor geschehen, da der Test noch nicht allgemein standardisiert ist und Fehlerbstimmungen mit bis zu 34 % zwischen einzelnen Labors häufig vorkommen (Lebeau A/Der Gynäkologe 2009). Besonders bei Tumormaterial, das aus der Biopsie gewonnen wurde, werden wiederholt falsch-positive Befunde erhoben. Folglich werden Patientinnen aufgrund eines falschen Biopsiebefundes
mit Herceptin therapiert, obwohl dies völlig unnötig wäre.
Nach Aussage des renommierten pharmaunabhängigen Arzneimitteltelegrammes (at-2005 Jg 36 Nr.11, S 97-98) ist bislang in Studien lediglich der positive Effekt eindeutig belegt, dass die rückfallsfreie Zeit bei HER2-Rezeptor-positiven Patientinnen verlängert wird. Eine Überlebenszeitverlängerung ist vielleicht möglich, aber bis heute statistisch signifikant nicht nachgewiesen! Auch die geeignete Behandlungsabfolge ist laut dem arznei-telegramm noch ungeklärt.
Von den Nebenwirkungen her problematisch ist beim Herceptin vor allem, dass es sich nicht nur gegen Krebszellen auswirkt, sondern auch Rezeptoren im Herzgewebe besetzt und möglicherweise am Herzmuskel irreparable Schäden verursacht. Unter der Gabe von Herceptin treten daher bei mindestens 4% der Patienten Herzschäden und Herz-Kreislauf-Reaktionen auf. Besonders gefährdet sind Frauen, die Herceptin mit bestimmten chemotherapeutischen Substanzen, den Anthrazyklinen, einnehmen oder bereits vor Behandlungsbeginn Anthrazykline erhalten haben. Hier kann sich der Anteil an Herzproblemen auf bis zu 20 % steigern.
Um Herzproblemen vorzubeugen, empfiehlt die GfBK im Falle einer Herceptinbehandlung die kombinierte Gabe von Coenzym Q10 und L-Carnitin. In der Schulmedizin wird zum Herzschutz ein Chelatbildner, das Dexrazoxan eingesetzt. In jedem Fall ist es wichtig, vor und während der Herceptin-Gabe Ultraschalluntersuchungen vom Herzen durchführen zu lassen.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass Herceptin durchaus im Einzelfall vorteilhaft für Patientinnen sein kann, dass man aber noch nicht genau einschätzen kann, welche Frauen besonders von der Herceptin-Gabe profitieren. Wir empfehlen Patientinnen daher, vor einer Therapie die persönliche Entscheidung gemeinsam mit den behandelnden Ärzten kritisch zu hinterfragen. Hinterfragen Sie auch, ob der Herceptin-Rezeptor korrekt bestimmt wurde. Bei Zweifeln wenden Sie sich an ein Zweitlabor.

OP-Vorbereitung bei Brustkrebs

Ich soll in einer Woche an Brustkrebs operiert werden. Was kann ich jetzt schon tun, um meine Abwehrkräfte zu stärken? Und was sollte ich noch beachten?

Grundsätzlich ist es wichtig so früh wie möglich mit einer Stärkung der Abwehrkräfte zu beginnen. Am optimalsten ist es, wenn Sie bereits vor dem OP-Termin bestimmte Maßnahmen anwenden. Dies sind eine Nahrungsergänzung mit Vitaminen und Spurenelementen, abwehrstärkende Maßnahmen mit Mistel sowie Maßnahmen zur Entgiftung bzw. Ausleitung (nähere Informationen erhalten Sie bei der GfBK). Außerdem kann durch die Einnahme von homöopathischen Mitteln wie z.B. Arnika C 30 oder hochdosierten Selengaben OP-Komplikationen wie z.B. Wundheilungsstörungen, Nachblutungen oder Ödembildungen vermindert werden. Eine Gabe von Enzymen empfehlen wir erst nach der Operation, wenn keine Blutungsgefahr mehr vorliegt, da Enzyme das Blut dünnflüssiger machen können.
Außerdem sollten Frauen mit Brustkrebs und noch bestehender Regelblutung wenn möglich darauf achten, den OP-Termin in die zweite Zyklushälfte (= vom Eisprung zur Menstruation) zu legen, da dann die Zweiterkrankungsrate in einer Untersuchung deutlich geringer war (Veronesi U/Lancet 1994).
Es kann möglicherweise ratsam sein, einen Teil des entnommenen Tumorgewebes frisch zu entnehmen, d.h. schockzugefrieren, damit es für spätere Maßnahmen wie beispielsweise eine Tumorimpfung oder spezielle Untersuchungen verwendet werden kann. Dazu muss allerdings die Patientin diese Entnahmemethode rechtzeitig mit dem Operateur absprechen. Außerdem ist es ratsam, vorher ein Labor zu beauftragen, bei dem das Material gelagert werden kann. Diese stellen auch spezielle Entnahmesysteme zur Verfügung (Adressen s. GfBK-Information „Tumorimpfung" und „Wirksamkeitstest für Chemotherapie"). Es gibt übrigens auch viele Universitätskliniken, die eine Gewebeeinlagerung anbieten.

Bisphosphonate zur Vorbeugung von Brustkrebs

Ich habe Brustkrebs und mein Arzt rät mir, Bisphosphonate einzunehmen, da diese das Risiko senken würden, Metastasen zu bekommen. Was können Sie dazu sagen?

Bisphosphonate sind Medikamente, die zur Behandlung von Osteoporose (Knochenschwund) und darüber hinaus zur Behandlung von Knochenmetastasen eingesetzt werden. Bekannt ist, dass durch die Gabe von Bisphosphonaten die Beschwerden durch Knochenmetastasen wirksam gelindert werden können. Seit einiger Zeit wird diskutiert, ob die Behandlung mit Bisphosphonaten auch vorbeugend wirksam ist.
In Studien zeigte sich jedoch nur eine Verbesserung des krankheitsfreien Überlebens. Bisher konnte nicht eindeutig belegt werden, dass die
Frauen auch tatsächlich länger lebten (sogenanntes Gesamtüberleben). So untersuchte eine österreichische Studie (ABCSG-12: Gnant M/N
Engl J Med 2009), ob eine Verabreichung von Bisphosphonaten als Infusion auch zur Vorbeugung wirksam ist. Auch wenn hier die Autoren
von einer Verbesserung des Gesamtüberlebens sprechen: Tatsächlich verbesserte das Bisphosphonat die 4-Jahres-Überlebensrate von
absolut 90,8 auf 94 %!
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die amerikanische Zo-Fast-Studie (Brufsky AM/Clin Breast Cancer 2009). Hier erhielten 1.065 Patientinnen zusätzlich zu einem Aromatasehemmer entweder von Anfang an eine Infusion mit Zoledronat (Zometa®) oder erst bei einer zu geringen Knochendichte. Dabei verbesserte die sofortige Gabe von Zoledronat® das krankheitsfreie Überleben nach fünf Jahren um absolut 3,6 % (88,3 % gegenüber 91,9 %).
Tendenziell zeigte sich nur dann ein Überlebensvorteil, wenn wechseljahrsbedingt niedrige Östrogenspiegel vorlagen. Auch in den Auswertungen der sogenannten AZURE-Studie zeigte sich ein Vorteil nur bei den Patientinnen, deren Menopause schon fünf Jahre zurücklag oder die über 60 Jahre alt waren (Coleman R/Cancer Res 2009). Nach einer aktuellen Metaanalyse der Early Breast Cancer Trialists' Collaborative Group (EBCTG), veröffentlich im Lancet 2015, konnte das Risiko für Knochenmetastasen um 2,2 Prozent (6,6 versus 8,8 Prozent) und die Brustkrebssterblichkeit um 3,3 Prozent (14,7 versus 18,0 Prozent) reduziert werden. An den Studienergebnissen sieht man, dass der Einfluss marginal ist und vor allem das Verhindern von Knochnemetastasen betrifft. Auf Lokalrezidive hatten Bisphosphonate keinen Einfluss. Außerdem zeigte sich in der aktuellen Metaanalyse: Bei Frauen vor der Menopause waren Bisphosphonate nutzlos. Lediglich bei Frauen nach den Wechseljahren zeigten sich oben genannte Einflüsse auf Knochenmetastasen und Brustkrebssterblicheit.

Unsere Empfehlung: Aufgrund der aktuellen Studienlage kann momentan noch nicht eindeutig beantwortet werden, ob Frauen mit Brustkrebs
vorbeugend mit Bisphosphonaten therapiert werden sollten. Noch völlig ungeklärt ist insbesondere, wie lange eine prophylaktische Gabe und mit
welchen Präparaten (ob als Infusion oder Tablette) erfolgen sollte. Wir raten daher, gerade auch in Anbetracht der selten auftretenden Komplikation
von schweren Knochenschädigungen des Kiefers, die Entscheidung individuell abzuwägen beziehungsweise vor Beginn einer Bisphosphonattherapie immer eine zahnärztliche Untersuchung und gegebenenfalls Sanierung durchführen zu lassen. Wichtig ist auch die Durchführung eines Zahn-Panorama-Röntgenbildes vor der Gabe von Bisphosphonaten.

Knochenstärkung und Säure-Basen-Haushalt

Seit meiner Brustkrebs-OP vor 2 Jahren nehme ich Antihormone ein. Nun hat sich bei meiner letzten Knochendichtemessung herausgestellt, dass sich die Werte verschlechtert haben. Was kann ich zusätzlich tun, um die Knochengesundheit zu unterstützen? Gibt es Möglichkeiten von Ernährungsseite auf eine Verbesserung der Situation einzuwirken?

Zunächst ist eine pflanzen- bzw. basenreiche Kost besonders wichtig, weil dadurch die Knochendichte gefestigt wird. So wurde inzwischen nachgewiesen, dass unsere durch ein Übermaß an tierischen Proteinen wie im Fleisch oft säurereiche Kost selbst bei sonst gesunden Personen zu einer Übersäuerung führt, welche im Alter mit abnehmender Nierenfunktion noch zunimmt. Insbesondere, wenn sich die Pufferreserven des Körpers erschöpft haben, werden die Mineralstoffdepots in den Knochen angegriffen. Diesem Teufelskreis wirkt eine pflanzen- bzw. basenreiche Kost entgegen. Der Verzehr von basisch wirkenden Lebensmitteln mit einem hohen Gehalt an säurebindenden Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt die Pufferorgane mit „Munition". Diese liefern insbesondere Gemüse, Obst, Salate und Kartoffeln (als Salz- oder Pellkartoffel) und Gewürzkräuter. Die Ernährung soll zu etwa 70 Prozent aus basischen, zu 30 Prozent aus säuernden Lebensmitteln bestehen. Einzuschränken sind daher säuernde Lebensmittel wie vor allem Fleisch, Wurst, Käse, Weißmehlprodukte, Zucker, Kaffee und Alkohol. Ganz zu vermeiden ist das Genussgift Nikotin. Die tägliche Trinkmenge sollte insgesamt 2 – 2,5 l betragen. An Getränken eignen sich Kräutertees, grüner Tee und kohlensäurearmes Mineralwasser, sowie abgekochtes und energetisiertes Wasser (Ayurveda-Wasser). Zu bedenken ist, dass außerhalb der Ernährung es eine Fülle weiterer Faktoren gibt, die zur Übersäuerung beitragen können, wie Stress, Bewegungsmangel, nicht genügend trinken, allopathische Medikamente sowie die Mehrzahl der konventionellen aggressiven Therapien bei Krebs. Weitere Detailinformationen zum Säure-Basenhaushalt finden Sie auf dem GfBK-Infoblatt "Säure-Basenhaushalt".
Wer es über die Ernährung allein nicht schafft, kann dem Verlust von Knochensubstanz auch durch die tägliche Einnahme eines Basenpräparates entgegenwirken. Empfehlenswert sind Mischungen von Kalzium, Kalium, und Magnesium in Citratform. Diese verändern weder das Magen- noch das Darmmilieu in ihrem vorgegebenen pH-Wert. Sinnvoll ist es auch, den 25-OH-Vitamin-D-Spiegel im Blut bestimmen zu lassen und darauf abgestimmt Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel zusätzlich einzunehmen. Weitere Informationen finden Sie auch auf unserem GfBK-Infoblatt "Vitamin D".

Regionaler Lymphknotenbefall bei Nadelbiopsien häufiger

Ich habe einen mammographisch unklaren Befund in der Brust und soll diesen demnächst punktiert bekommen. Soll ich dies durchführen lassen oder gibt es auch noch andere Möglichkeiten der Diagnose in einer solchen Situation?

Zunächst einmal würden wir Ihnen zusätzliche Verfahren wie Ultraschall und Kernspintomographie zur weiteren Abklärung empfehlen, Eine Studie, die von renommierten Wissenschaftlern durchgeführt wurde, regt zum Nachdenken an, die bisherige Praxis von Nadelbiopsien bei Brustkrebs neu zu überdenken. In dieser Studie mit insgesamt 676 Patientinnen (Durchschnittsalter 58 Jahre) wurde untersucht, ob die Nadelbiopsie die nachfolgende Ausbreitung von Tumorzellen in die Wächterlymphknoten beeinflusst. Dabei wurden 126 Patientinnen einer Feinnadel-Biopsie und 227 einer Dicknadel-Kernbiopsie unterzogen. 323 der Patientinnen hatte den Tumor durch Exzisionsbiopsie oder Lumpektomie (chirurgische Entfernung eines kleinen Brustkrebsknotens unter Erhaltung der Brust) im Ganzen entfernt bekommen. Das erstaunliche Ergebnis: Die Frauen, die eine Nadelbiopsie erhielten, waren einer um 50% höheren Wahrscheinlichkeit ausgesetzt, Krebs in den Wächterlymphknoten zu entwickeln, als die Frauen, deren Tumor chirurgisch per Exzision (Herausschneiden der ganzen Krebsgeschwulst) entfernt worden war. Die Autoren bemerken, dass gegebenenfalls das mechanische Zerreißen des Tumors durch die Biopsiennadel dafür verantwortlich sein könnte, dass es zu einer Verschleppung von Tumorzellen und zu einer Zunahme des Befalls der regionären Lymphknoten kommt.
Ob dieses Phänomen auch bei anderen Entnahmemethoden, wie z.B. der Vakuumbiopsie auftritt, kann nicht bestätigt werden, da hierüber keine Studien vorliegen. Allerdings kommt es auch hier zu einer Manipulation am Tumor, so dass eine Tumorzellstreuung in die Lymphknoten nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann.
Berücksichtigt man, dass Patientinnen mit Lymphknotenbefall als weiter fortgeschritten eingestuft werden und daher eine weitaus ausgeprägtere Behandlung erhalten als Patientinnen ohne Lymphknotenbefall, so sind die Ergebnisse dieser Untersuchung besorgniserregend, da ein Großteil der Lymphknotenmetastasierung durch andere diagnostische Methoden (s.o.) vermieden werden könnte. Und schließlich kann auch durch eine einfache Tumorexzision (eine komplette chirurgische Entfernung der Krebsgeschwulst) festgestellt werden, ob der Tumor bösartig ist oder nicht.

Chemotherapie bei Brustkrebs?

Ich habe Brustkrebs ohne Lymphknotenbefall und soll demnächst eine Chemotherapie erhalten. Ich stehe der Therapie eher skeptisch gegenüber und würde gerne wissen, ob eine Chemo nach dem Gießkannenprinzip wirklich bei allen Patientinnen notwendig ist.

Die Entscheidung darüber, ob bei kleinen und mittelgroßen Tumoren ohne Befall der Lymphknoten (mittleres Risiko) im Anschluss an die Operation eine Chemotherapie durchgeführt werden soll oder nicht, muss heute nicht mehr nur anhand der Tumorklassifikation nach der Operation getroffen werden. Mit dem so genannten uPA/PAI-1 Test (www.femtelle.de) oder anderen Testverfahren ist es möglich, vorab festzustellen, wie hoch das Risiko ist, dass der Tumor Metastasen bildet, ob also eine Chemotherapie notwendig ist oder nicht (siehe GfBK-Broschüre Brustkrebs). Auch die Durchführung eines Chemosensitivitätstests in speziellen Laboratorien kann hilfreich sein (siehe GfBK-Info Wirksamkeitstest für Chemotherapie). Weitere GfBK-Information zu diesem Thema: "Chemotherapie - Eine Entscheidungshilfe".
Jedoch ist auch wenn keine dieser Testungen erfolgen konnte, in Anbetracht der möglichen Nebenwirkungen eine gründliche Information über Sinn und Zweck einer Chemotherapie unabdingbar. Wichtig ist, dass die Entscheidung zu einer Chemotherapie nicht auf Grund von Druck seitens der Ärzte erfolgt. Bis zu Beginn der Chemotherapie ist genügend Zeit, um eigene Wege im Umgang mit der Erkrankung zu finden und um Maßnahmen zu ergreifen, die das Immunsystem stärken helfen. So hat eine dänische Studie gezeigt (Cold S/Brit J Cancer 2005), dass ein früher Beginn der Chemotherapie innerhalb der ersten drei Wochen nach der Operation keinen Überlebensvorteil für die Patientinnen bedeutet. Am besten soll diese Entscheidung mit einem zweiten Arzt, der sowohl schulmedizinische als auch immunbiologische Therapieverfahren kennt und einschätzen kann, besprochen werden.
Frauen mit weniger aggressivem Brustkrebs sollte auch bewusst sein, dass der absolute Vorteil einer Chemotherapie eher klein sein wird. Dies betrifft vor allem Frauen mit kleinen Tumoren ohne Lymphknotenbefall, also der Mehrzahl aller an Brustkrebs Betroffenen:
Als Beispiel sei der Fall einer 50-jährigen Patientin mit durchschnittlicher Gesundheit genannt, die einen 1.1cm bis 2cm großen hormonrezeptorpositiven Brusttumor mit Differenzierungsgrad G2 ohne Lymphknotenbefall hat. Laut www.adjuvantonline.com, eine Internetseite, die Risikobewertungs- und Prognosehilfe für viele Onkologen ist, hätte diese Frau eine 84,1%ige Chance, 10 Jahre später noch am Leben zu sein - auch dann, wenn sie gar keine adjuvante Chemotherapiebehandlung nach der Operation erhalten würde. Ihre Chance in diesem 10-Jahres-Zeitraum zu sterben beträgt 7,7%. Ihre Wahrscheinlichkeit aus anderen Gründen als Krebs während dieser Zeit zu sterben beträgt 8,2%. Wenn man nur die Todesfälle aufgrund der Brustkrebserkrankung mit einbezieht, beträgt die Wahrscheinlichkeit, auch ohne Chemotherapie 10 Jahre später noch am Leben zu sein, 91,6%.
Wenn sie nur Antihormontherapie als alleinige Behandlung wählte (typischerweise Tamoxifen und ein Aromatasehemmer) könnte sie ihre 10-Jahre-Überlebenschancen um 2,3% verbessern. Wenn sie eine adjuvante Chemotherapie, wie z.B. ein heute übliches anthrazyklinhaltiges Regime (z.B. FEC) erhielte, würde das ihre Überlebenswahrscheinlichkeit um 1,6 % verbessern. Bekäme sie jedoch beide, Antihormontherapie und Chemotherapie, so würden sich ihre Chancen um zusammen 3,4% verbessern. In anderen Worten: Chemotherapie verbessert die 10-Jahres- Überlebens-wahrscheinlichkeit gegenüber Operation plus Hormontherapie bei Brustkrebs um nur noch 1,1%! Man kann sich daher grundsätzlich fragen, ob nicht in vielen Fällen die Nebenwirkungen stärker als die Wirkung der Chemotherapie sind.
Natürlich ist das erwähnte Beispiel nur eine Möglichkeit aus einer großen Zahl an Möglichkeiten. Tumore unterscheiden sich in ihrer Größe, ihrem Stadium, ihren genetischen Charakteristika, in dem Grad ihrer Streuung usw. und es gibt Konstellationen, in denen eine aggressive adjuvante Chemotherapie bei Brustkrebs, z. B. bei Tumoren mit sehr starkem Lymphknotenbefall, Hormonrezeptornegativität, starke Ausprägung des Herceptinrezeptors, gerechtfertigt sein kann. Diese Tumorkonstellationen sind jedoch eher selten; und auch dann ist es ratsam, sich von den behandelnden Ärzten bei Adjuvantonline.com einen ersten Eindruck über die Wirksamkeit der Therapie geben zu lassen. Teilweise ist es überraschend, wie selbst bei positivem Lymphknotenbefall der Profit durch eine Chemotherapie laut Adjuvantonline.com eher gering ausfällt.
Und nicht zuletzt sollte man bei der ganzen Diskussion auch einen wichtigen Punkt nicht außer Acht lassen: In einer großen Studie senkte moderater Ausdauersport, d.h. wöchentlich drei bis fünf Stunden Laufen oder gleichwertige Übungen, das Risiko an Brustkrebs zu sterben, um 50%. Es gibt derzeitig in der Medizin keine Therapie, die einen solchen Effekt annähernd erreichen könnte.

Bestrahlung bei Brustkrebs

Ich habe Brustkrebs, der gut örtlich operiert werden konnte. Meine Lymphknoten waren nicht befallen. Ich möchte keine Bestrahlung durchführen lassen. Gibt es irgendwelche Erkenntnisse, welche Frauen wirklich von einer Strahlentherapie profitieren?

Nach brusterhaltender Operation und Bestrahlung beträgt das Risiko für einen erneuten Tumor in der gleichen Brust in den folgenden zehn Jahren ungefähr zehn Prozent. Sind die Lymphknoten nicht befallen, wird durch die Bestrahlung das Rückfallrisiko zwar um 30% gesenkt, die Überlebensrate verbessert sich dadurch aber nicht. Rezidive sind nach einer Strahlentherapie schwerer zu behandeln. In vielen Fällen ist dann eine Entfernung der Brust erforderlich. Auch können Spätfolgen auftreten: Frauen, die zwischen 1970 und 1996 eine Strahlentherapie erhielten, litten 10 Jahre später wesentlich häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wenn die linke Seite bestrahlt worden war. Und laut einer Schweizer Studie leben Brustkrebspatientinnen mit einem erhöhten Risiko, an verschiedenen Zweittumoren zu erkranken, insbesondere an Sarkomen im Bestrahlungsgebiet. So genannte Prognosefaktoren, welche Patientinnen eher an einem Lokalrezidiv erkranken, sind vielfältig: z. B. junges Alter bei der Diagnose, Operationsränder ohne Sicherheitsabstand zum Krebsgewebe und die Dichte des Brustgewebes.
Schon länger ist bekannt, dass die durch Mammographie bestimmte Dichte des Gewebes einen Einfluss auf die Brustkrebsentstehung hat. Nun konnte eine aktuelle Studie belegen, dass auch das Rezidivrisiko davon beeinflusst wird. Ist die Dichte hoch, steigt auch das Risiko für einen Rückfall nach der Operation – insbesondere dann, wenn nicht bestrahlt wurde. Dagegen profitieren Patienten mit einer geringen Brustdichte eher wenig von einer Strahlentherapie. Zukünftig könnte also die Bestimmung der Brustdichte eine einfache Entscheidungshilfe sein, um vorherzusagen, welchen Patienten die Strahlentherapie voraussichtlich nutzt. Fragen Sie Ihren Arzt daher nach der Brustdichte.
Neuere und innovative Bestrahlungsmethoden können helfen, die Belastung für den Patienten zu minimieren. So bieten rund zehn Prozent der zertifizierten Brustzentren in Deutschland die so genannte intraoperative Strahlentherapie (IORT) an, z. B. Heidelberg, Mannheim, München, Berlin, Frankfurt. Die Bestrahlung erfolgt dabei direkt nach der Tumorentfernung noch während der Operation. Im Vergleich zur herkömmlichen Bestrahlung soll die Rückfallrate wesentlich verringert werden. Es lohnt sich also, vor der Operation nachzufragen, welche Kliniken diese Behandlungsmethode anbieten.

Soja und Phytohormone

Darf ich während der Einnahme von Tamoxifen Sojaprodukte essen? Sie enthalten doch sogenannte Phytoöstrogene...?

Fachleute raten davon ab, Tamoxifen und Soja beziehungsweise hochdosierte Phytohormone gemeinsam einzunehmen. Man fürchtet, dass die Wirkung des Antihormons geschwächt werden könnte, weil die Phytohormone dieselben Rezeptoren besetzen. Tatsache ist, dass in Tierversuchen bei der gleichzeitigen Gabe von Tamoxifen und dem Soja-Isoflavon Genistein Wechselwirkungen beobachtet wurden. Solche unerwünschten Wirkungen ließen sich allerdings in Studien am Menschen nicht bestätigen.
Stattdessen häuften sich die Studienhinweise über positive Effekte von Phytohormonen bzw. Soja bei Brustkrebspatienten. In den U.S.A. beobachteten Wissenschaftler 3.088 Frauen nach überstandenem Brustkrebs über einen Zeitraum von 7,3 Jahren (Caan BJ/Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2011). Das Wiederauftreten von Krebs und die Sterblichkeit wurden mit der Zufuhr von Isoflavonen (Sojainhaltsstoffe) in Zusammenhang gebracht. Das Ergebnis: Keine der Frauen, die Isoflavone zu sich nahmen, hatten ein höheres Sterblichkeitsrisiko oder ein erhöhtes Risiko, erneut an Brustkrebs zu erkranken. Das Gegenteil war der Fall: Je höher die zugeführte Menge an Isoflavonen desto länger lebten die Frauen und desto geringer war ihr Risiko, erneut an Krebs zu erkranken.
Ähnliches trifft für eine ebenfalls in den USA durchgeführte Studie mit 1.954 Teilnehmerinnen zu (Guha N/Breast Cancer Research 2009). Die Frauen hatten keine unerwünschten Effekte durch den Verzehr von Isoflavonen bezüglich ihrer Brustkrebsprognose. Der Schutzeffekt durch Soja zeigte sich vor allem bei Frauen mit Brustkrebs nach den Wechseljahren, die Östrogen-Rezeptor-positiv waren und die mit Tamoxifen behandelt wurden. Ihr Rückfallrisiko wurde durch die Sojainhaltsstoffe um etwa 60 Prozent gesenkt.
Eine Studie aus China (Shu XO/JAMA 2009) mit über 5.000 Betroffenen kommt zum selben Ergebnis: Der Verzehr sojahaltiger Nahrungsmittel nach einer Krebsdiagnose verbessert die Prognose. So hatten Patientinnen, die am meisten Isoflavone aufnahmen, ein 29 Prozent niedrigeres Risiko, während der Studienperiode zu sterben. Bei ihnen lag die Wahrscheinlichkeit, dass der Brustkrebs zurückkehrte 32 Prozent unter dem der Betroffenen mit dem geringsten Sojakonsum.
Eine britische Übersichtsstudie fasste Untersuchungen an fast 10.000 Brustkrebs-Patientinnen zusammen und stellte fest, dass der regelmäßige Verzehr von Soja-Produkten keine negativen Auswirkungen hatte. Er ging teilweise sogar mit einem geringeren Risiko einher, an der Erkrankung zu sterben oder einen Rückfall zu erleiden (Magee PJ/ Curr Opin Clin Nutr Metab Care 2012). In dieser Studie konnte übrigens auch keine Wechselwirkung zwischen Soja und der Gabe von Tamoxifen bzw. Anastrozol festgestellt werden.
Diese und andere Studien zeigen, dass der Verzehr sojahaltiger Nahrungsmittel nach einer Krebsdiagnose die Aussicht auf Heilung nicht, wie oft behauptet wird, verschlechtert, sondern verbessert. Die weit verbreiteten Vorbehalte gegenüber Soja bei Brustkrebs, die vor allem auf Laborexperimenten beruhen, dürfen Sie daher kritisch betrachten.
Dass aufgrund laborchemischer Daten zur Vorsicht geraten wird, können wir nicht nachvollziehen. Solch ein voreiliges Urteil wird dem komplexen Wirkungsmechanismus der Phytohormone nicht gerecht. Erst kürzlich hat das American Institute for Cancer Research (AICR) festgestellt, dass ein täglicher Sojakonsum, der maximal 160 g Tofu oder 500 ml Sojamilch entspricht, als unbedenklich gelten darf. Grundlage dieser Aussage war eine Übersichtsanalyse aus 40 Studien.
Eine vielseitig zusammengestellte pflanzenkostreiche Ernährung, die einen natürlichen Verbund an Phytohormonen (Soja, Linsen, Hülsenfrüchte und Leinsamen) enthält, ist durchaus zu befürworten. Wir raten nur von hochdosierten Sojabestandteilen in Nahrungsergänzungsmitteln ab.
Bedenklicher im Hinblick auf eine Brustkrebserkrankung sind Milch und Fleisch. In einer Studie an über 25.000 Norwegerinnen zeigte sich ein um 191 Prozent erhöhtes Krebsrisiko bei Frauen, die mehr als 750 ml Vollmilch täglich tranken, im Vergleich zu einem Konsum von weniger als 150 ml (Gaard M/ Int J Cancer 1995). Fleisch und tierische Produkte allgemein erhöhen das Brustkrebsrisiko deutlich um durchschnittlich 87 Prozent (Toniolo P/ Epidemiology 1994).

Lymphknotenentfernung bei Brustkrebs

Ich bin Brustkrebspatientin und bei mir ist ein Wächterlymphknoten befallen. Nun sollen mir alle Lymphknoten entfernt werden. Ich habe jedoch Angst vor Folgebeschwerden. Ist die komplette Entnahme aller Lymphknoten wirklich noch zeitgemäß?

Eine große aussagekräftige Studie an 891 Frauen mit Brustkrebs (Giuliano / J Clin Oncol 2010) zeigte kürzlich, dass Patientinnen mit günstigem Gesamtrisikoprofil keine Vorteile durch die zusätzlich durchgeführte Lymphknotenentfernung nach positiver Wächterlymphknotenbiopsie haben, da die Heilungschancen dadurch nicht verbessert wurden.
So betrug nach 6 Jahren Beobachtungszeit die 5-Jahres-Lokalrezidivrate ( Krankheitsrückfall direkt in einer Brust ) 3,7%, wenn alle Lymphknoten entfernt wurden und 2,1%, wenn nur der Wächter-Lymphknoten entfernt wurde. Das 5-Jahres-Gesamtüberleben unterschied sich ebenfalls praktisch kaum: So betrug es 91,9%, wenn alle Lymphknoten entfernt wurden und 92,5%, wenn nur der Wächter-Lymphknoten entfernt wurde. Angesichts der Erfahrung, dass eine radikale Lymphknotenentfernung Patientinnen in vielfältiger Weise belasten kann, raten wir dazu, genau hinzuschauen, welches Tumorstadium vorliegt und dies gemeinsam mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Denn inzwischen haben diese Studienergebnisse Eingang in die Empfehlungen der deutschen Fachgesellschaften gefunden und sollten eigentlich bei allen Patienten umgesetzt werden. So wird empfohlen, bei Frauen, die brusterhaltend therapiert werden und die nachfolgende Tumorkonstellation aufweisen (cT1-2, cN0, 1-2 befallene Sentinel-LK, tangentiales Bestrahlungsfeld der Brust) auf eine komplette Lymphknotenentfernung zu verzichten.

Vitamin D und Aromatasehemmer

Ich nehme Aromatasehemmer und leide unter den Nebenwirkungen, besonders unter den Knochenschmerzen. Was kann ich dagegen tun?

Bei vielen Frauen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs werden Aromatasehemmer verordnet. Sie blockieren das Enzym Aromatase und verhindern so die Umwandlung von Östrogenvorstufen zu Östrogen in Geweben wie Muskeln, Fett- und  Brustdrüsengewebe. Aromatasehemmer wirken vor allem bei Frauen nach den Wechseljahren, wenn die Hormonproduktion in den Eierstöcken deutlich nachlässt. Bei vielen Frauen, die sich dieser vorbeugenden Therapie unterziehen, treten Knochen- und Gelenkschmerzen (sog. Arthralgien) sowie Fatigue- Symptome auf, was zu einem Therapieabbruch führen kann. Die Gelenkschmerzen sind leider nur sehr schwer zu behandeln. Bisher empfahlen Therapeuten versuchsweise vor allem Weidenrinde, Teufelskralle oder Akupunktur.
Neue Studienergebnisse zeigen, dass eine zusätzliche Vitamin-D-Gabe helfen kann, diese Nebenwirkungen zu mindern (Khan QJ et al. / J Clin Oncol 2012; 30; suppl; abstr 9000). 147 Patientinnen erhielten täglich eine Therapie mit Letrozol plus 600 I. E. (= Internationale Einheiten), Vitamin D3 und 1200 mg Kalzium sowie zusätzlich nach dem Losprinzip ausgewählt entweder weitere 30 000 I. E. Vitamin D3 pro Woche oder ein Placebo. Von den Patientinnen, die zusätzlich hochdosiert Vitamin D3 erhalten hatten, litten nach 24 Wochen bedeutend weniger unter Knochen- und Gelenkschmerzen sowie an Fatigue-Symptomen.
Durch Vitamin D wird der ungünstige Einfluss der Aromatasehemmer auf Knochen- und Gelenkschmerzen minimiert. Zudem verbessert es die Knochendichte (Osteoporose ist eine weitere Nebenwirkung dieser Therapieform). Daher empfehlen wir, bei jeder Brustkrebspatientin standardmäßig eine Bestimmung des Vitamin-D Spiegels durchführen zu lassen. Bei einer Substitution sollte der 25-OH-D-Spiegel einen Zielwert von mehr als 40 ng / ml erreichen. Wenn Sie einen Aromatasehemmer einnehmen, lassen Sie außerdem halbjährlich Ihre Knochendichte mit dem DXA-Verfahren (= Dual-X-Ray-Absorptiometrie) messen sowie Ihren Kalzium-Spiegel und die Alkalische Phosphatase (AP) im Blut bestimmen.

Heilpilze bei Brustkrebs

Ich habe Brustkrebs und möchte etwas zur Immunstärkung machen. Gerne würde ich dazu Heilpilze einnehmen, da ich darüber viel Positives gehört habe. Was können Sie mir empfehlen?

Präparate aus so genannten medizinischen Pilzen oder Heilpilzen werden in der traditionellen chinesischen Medizin seit mehreren tausend Jahren verwendet und seit längerem in Japan in der Krebstherapie eingesetzt. Heilpilze wirken antioxidativ, entgiftend und enthalten essentielle Aminosäuren sowie eine Vielzahl bioaktiver Substanzen. Sie haben einen hohen Gehalt an B-Vitaminen, Vitamin D und Spurenelementen. Von großem Interesse ist ihr Gehalt an bestimmten Ballaststoffen, den Polysacchariden bzw. Beta-Glucanen (langkettige Zuckerverbindungen). Diese besitzen eine abwehrstärkende Wirkung, indem sie verschiedene Zellen des Abwehrsystems stimulieren, so z.B. natürliche Killerzellen oder Fresszellen.
Laboruntersuchungen und vereinzelte Studien bestätigten die im Tierversuch beobachteten Effekte einer Anti-Tumorwirkung und Immunstärkung. Beispielsweise konnte die mittlere Überlebenszeit von Patienten mit fortgeschrittenem Magenkrebs durch eine Chemotherapie mit Lentinan (Shitake) nahezu verdoppelt werden. Diese Ergebnisse unterstreichen die Vermutung, dass durch Heilpilze die Empfindlichkeit von Tumorzellen gegenüber Chemotherapeutika erhöht werden kann. In Japan ist Lentinan (Shitake) sogar für die Anwendung bei Patienten mit Magen- oder Darmkrebs offiziell zugelassen.

Mehr dazu lesen: Heilpilze bei Brustkrebs

Regionale Chemotherapie bei Brustkrebs

Vor kurzem wurde ich mit der Diagnose eines Brustkrebses konfrontiert. Ich soll nun schon vor der Operation eine Chemotherapie erhalten, um den Tumor zu verkleinern, damit dieser brusterhaltend operiert werden kann. Kennen Sie andere Verfahren, die meinen Körper weniger belasten?

Um auch größere Brusttumoren brusterhaltend operieren zu können, wird seit einigen Jahren eine präoperative, sog. neoadjuvante Chemotherapie durchgeführt. Dies geschieht oft schon ab einer Tumorgröße von etwa 2 Zentimetern. Durch diese Chemotherapie vor der Operation soll der Tumor so verkleinert werden, dass eine schonende und brusterhaltende Operation durchgeführt werden kann. Inwieweit auch bei kleineren Tumoren die mittlerweile immer öfter präoperativ angewandte Chemotherapie Sinn macht, ist gegenwärtig eher mit Skepsis zu beurteilen.
Zur Vermeidung der systemischen Nebenwirkungen und damit zur Entlastung des Gesamtstoffwechsels, ist diese sog. neoadjuvante Chemotherapie neuerdings auch in Form einer regionalen Chemotherapie möglich. Unter regionaler Chemotherapie versteht man die örtliche, also auf eine Körperregion beschränkte Chemotherapie. Das Medikament wird dabei stets über die den Tumor oder die Tumorregion versorgende Arterie zugeführt. Dies führt wiederum zu einem konzentrationsbedingt höheren Übertritt der Zytostatika in die Tumorzellen und folglich zu einer besseren Wirkung vor Ort bei einer gleichzeitigen Minderung der Nebenwirkungen auf den gesamten Organismus. Vermeiden lassen sich Schäden am Blutbild, Schleimhautentzündungen und Haarausfall.
Dass diese Therapieform auch bei Patientinnen mit Brustkrebs vor einer Operation erfolgreich eingesetzt werden kann, hat eine deutsche Studie von Prof. Aigner zeigen können (Aigner KR/Cancer Therapy 2008). Dabei erhielten 53 Patientinnen über ein spezielles Port-System 6 Zyklen einer Kombination aus verschiedenen Chemotherapeutika. Ergebnis der Behandlung: In sämtlichen Fällen konnte die Brust erhalten werden; bei 26% der Patientinnen war bei der feingeweblichen Untersuchung kein Tumorgewebe mehr nachweisbar; und bei 48% war der Tumor stark verkleinert. Auch die Langzeitergebnisse waren erfreulich: So traten innerhalb einer 16-jährigen Nachbeobachtungsphase nur 17% Rezidive auf. Und es lebten nach demselben Zeitraum noch 87% der Patientinnen. Außerdem wurde die Behandlung von den Patientinnen gut vertragen, wobei die meisten Patientinnen zwischen den Behandlungszyklen voll arbeitsfähig waren.
Unser Rat: Lassen Sie sich vor der Chemotherapie beraten, ob eine regionale Chemotherapie auch bei Ihnen möglich ist und fragen Sie gezielt nach Ansprechpartnern über Ihre örtliche Selbsthilfegruppe oder die GfBK.

 

Nachtschichten verursachen Krebs

Ich würde gerne wissen, inwieweit Schlafmangel Auswirkungen auf eine Krebserkrankung haben kann?

Mehrere Studien gehen der Frage nach, ob Schichtarbeit Krebs auslösen kann. Der Zusammenhang gilt als weitestgehend nachgewiesen. In Dänemark ist Brustkrebs bei Frauen, die regelmäßig in Schichten arbeiten, daher als Berufskrankheit anerkannt. Durch Nachtarbeit wird weniger Melatonin gebildet. Dieses Schlafhormon unterdrückt das Tumorwachstum und hemmt die Produktion von Östrogenen. So erklärt sich auch die Beobachtung aus Studien, dass Nachtschwestern deutlich weniger Melatonin und mehr brustkrebsfördernde Östrogene im Blut haben. Ältere Untersuchungen bestätigen diesen Mechanismus: In einer Studie zeigte sich, dass Wechselschichten über ein bis vierzehn Jahre mit einem erhöhten Krebsrisiko von acht Prozent und einem erhöhten Brustkrebsrisiko um 23 Prozent einhergingen (Schernhammer ES et al./J Natl Cancer Inst 2001; 93). Eine andere Untersuchung zeigte sogar, dass bei Patientinnen häufiger aggressive Brusttumore auftraten, wenn sie sich im Mittel für höchstens sechs Stunden schlafen gelegt hatten (Thompson CL/Breast Cancer Res 2012). Auch eine aktuelle Auswertung von kanadischen Forschern kommt zu dem Schluss, dass Nachtschichten für ein erhöhtes Tumorrisiko verantwortlich sind (Parent M-E et al./Am J Epidemiol 2012; 176: 751–759). Bei der Auswertung fiel auf, dass Männer mit Krebs deutlich häufiger als solche ohne Krebserkrankung in der Vergangenheit nachts gearbeitet hatten. Die Wissenschaftler bereinigten die Studie um andere bekannte Risikofaktoren und errechneten, dass Schichtarbeiter ein etwa dreifach erhöhtes Risiko für Prostatakrebs, ein 2,3-fach erhöhtes Risiko für Non- Hodgkin-Lymphome und Pankreaskarzinome, ein doppelt so hohes Risiko für Kolon- und Rektalkarzinome sowie ein 1,8-fach erhöhtes Risiko für Lungen- und Blasenkrebs hatten. Dagegen schien das Risiko für Magen-, Leber- und Ösophagustumoren sowie Melanome nicht oder nur geringfügig erhöht zu sein. Aus diesen Forschungsergebnissen lässt sich die Bedeutung eines ausgeglichenen Tag-Nacht-Rhythmus in Zusammenhang mit dem Krebsrisiko ableiten.

Herzschutz mit Coenzym Q10

Ich bin Brustkrebspatientin und mir wurde von meiner Therapeutinvor allem während der anstehenden Chemotherapie Coenzym Q10 empfohlen. Was wissen Sie darüber?

Coenzym Q10 ist eine vitaminähnliche Substanz, die an allen energieliefernden Prozessen im Organismus beteiligt ist. In jeder menschlichen Zelle wird die Energie aus der Nahrung in körpereigene Energie (ATP) umgewandelt. Coenzym Q10 ist als Coenzym an dieser Umwandlung beteiligt, über die 95 % der gesamten Körperenergie erzeugt wird. Die Organe mit dem höchsten Energiebedarf - wie Herz, Lunge und Leber - weisen deshalb auch die höchste Q10-Konzentration auf.
Coenzym Q10 wird zum Teil über die Nahrung aufgenommen, aber auch im Körper selbst produziert. Allerdings nimmt die körpereigene Q10-Synthese ab dem mittleren Alter immer weiter ab, sodass die Q10-Zufuhr gerade dann empfehlenswert ist. Auch bei einem erhöhten Anfall an Freien Radikalen oder unter herzschädigender Chemotherapie ist eine ergänzende Q10-Zufuhr bei Krebspatienten anzustreben.
Hier werden insbesondere bei Brustkrebspatientinnen unter Herceptin-Therapie und während einer Therapie mit Anthrazyklinen (Wirkstoffe der Chemotherapie) hoch dosiert Coenzym Q10 mit 300 mg täglich in Kombination mit L-Carnitin mit 2-3 g (Einnahme 3 bis 4 Stunden vor der Chemotherapie) während der Dauer der gesamten Chemotherapie empfohlen.

CT-Untersuchungen und Brustkrebs

Ich habe Brustkrebs. Nun habe ich gelesen, dass Röntgenuntersuchungen eine hohe Strahlenbelastung bedeuten, die wiederum Krebserkrankungen auslösen können. Was wissen Sie darüber? 

In der Tat stellen Röntgenuntersuchungen eine hohe und häufig unterschätzte Strahlenbelastung für den Patienten dar. Insbesondere bei computertomografischen Untersuchungen (CT) ist sie 100- bis 500-mal so hoch wie bei einer konventionellen Röntgen-Thorax-Untersuchung. Das fördert die Entstehung von Brustkrebs. Das unabhängig arbeitende US-amerikanische Institute of Medicine veröffentlichte eine aktuelle Untersuchung hierzu. Sie kam sogar zu dem Schluss, dass die kombinierte Hormonersatztherapie und ionisierende Strahlung das Brustkrebsrisiko stärker beeinflussen als andere Umweltfaktoren (Smith-Bindman R/Arch Intern Med. 2012). Erst kürzlich titelte daraufhin das Deutsche Ärzteblatt: »Ist moderne Bildgebung die häufigste vermeidbare Ursache für Brustkrebs?« Wir meinen ja, denn Schätzungen zufolge können wiederholte CT-Aufnahmen des Brustkorbs bei Mädchen im Teenageralter das Zehn-Jahres-Risiko für Brustkrebs mehr als verdoppeln. Das Institute of Medicine schätzt sogar, dass in den USA pro Jahr 2800 Brustkrebsfälle auf das Konto ionisierender Strahlung gehen, davon etwa 1900 auf das von Computertomografien des Thorax. Dies ist insofern bedenklich, als dass selbst Radiologen inzwischen davon ausgehen, dass 30 Prozent der durchgeführten CT-Untersuchungen nicht notwendig sind. Besonders gefährlich wird die Situation bei Frauen, die eine Mutation der beiden Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2 tragen. Hier kann eine einzige Mammografie (Pijpe A/BMJ 2012) oder eine Röntgenuntersuchung des Thorax (Andrieu N/JCO 2006) eine Brustkrebserkrankung auslösen, da die Brustzellen dieser Frauen besonders anfällig gegenüber ionisierender Strahlung sind. Angesichts dieser Daten ist es verwunderlich, dass die aktuelle interdisziplinäre S3-Leitlinie BRCA1/2-Trägerinnen ab dem 30. Lebensjahr immer noch zur jährlichen Mammografie rät. Hier wäre eine Kernspintomografie die geeignetere Untersuchungsmethode.

Zweitmeinung - Second Opinion

Ich habe Brustkrebs in fortgeschrittenem Stadium und war inzwischen bei zwei Ärzten, die sich nicht einigen können, welche Behandlung die beste für mich ist. Nun bin ich total verunsichert und weiß nicht, was ich tun soll. Was raten Sie mir?

Zunächst ist es wichtig, dass beide Ärzte miteinander kommunizieren und Ihnen deutlich machen, warum unterschiedliche Behandlungen
favorisiert werden. Nur so können Sie die Empfehlungen nachvollziehen. Machen Sie Ihre Ärzte darauf aufmerksam, dass Sie verwirrt sind und so nur schwer zu einer Entscheidung kommen können. Falls Sie zu beiden Ärzten kein Vertrauen haben, kann es besser sein, einen dritten Arzt oder den Ärztlichen Beratungsdienst unserer Gesellschaft zurate zu ziehen. Fragen Sie den jeweiligen Arzt vor allem nach den konkreten Vor- und Nachteilen seiner bevorzugten Therapieoptionen. Oft ist die individuelle Therapieentscheidung ein Prozess, und es lohnt sich eigentlich immer, noch einmal darüber zu schlafen. Schreiben Sie Ihre Fragen auf und gehen Sie damit erneut zum Arzt. Nur indem Sie alle fraglichen Punkte bei Ihrem Arzt direkt ansprechen, erhält er die Möglichkeit, Sie näher kennenzulernen. Geben Sie ihm diese Chance, bevor Sie weitere Ärzte konsultieren. Manchmal ist es auch gut, zu einem zweiten Gespräch einen Freund oder eine Freundin mitzunehmen, damit Informationen nicht verloren gehen und auch wirklich alle wichtigen Fragen gestellt werden. Auf diese Weise ist in vielen Fällen ein »Doktor-Hopping« vermeidbar. Meistens ist Aktivität zwar gut – Aktionismus jedoch nicht, da hierdurch noch mehr Verwirrung gestiftet werden kann. Bevor Sie eine Therapie anfangen, überzeugen Sie sich – soweit für Sie nachvollziehbar – von dem, was auf Sie zukommt, und tragen Sie auch innerlich diese Entscheidung mit. Wissenschaftliche Untersuchungen geben eindeutige Hinweise darauf, dass sich die Aussichten auf Heilung deutlich verbessern, wenn der Patient seine Therapien nachvollziehen und mittragen kann. Nehmen Sie sich Zeit, um in Ruhe darüber nachzudenken, was für Sie sinnvoll und notwendig ist. Inzwischen räumen auch Experten ein: »Die sorgfältige Auswahl der Therapie ist bei Krebs wichtiger als der rasche Behandlungsbeginn.« Nur in den Fällen, in denen Sie beim wiederholten Nachfragen das Gefühl haben, dass Ihr Arzt nicht bereit ist, Sie als Mensch zu begleiten, sollten Sie sich jemanden suchen, der diese »Lotsenfunktion« ausfüllen kann. Hier helfen Zweit- oder Drittmeinungen weiter. Bitte beachten Sie, dass Experten aus universitären Einrichtungen oftmals ähnliche Empfehlungen geben. Ziehen Sie daher Mediziner zurate, die sowohl schulmedizinische als auch naturheilkundliche Therapien einschätzen können.

 

Sport und Brustkrebs

Ich habe Brustkrebs und würde gerne mehr für meine Gesundheit tun. Nun habe ich gelesen, dass Sport fast so wirksam ist wie eine Chemotherapie. Bisher war ich jedoch ein Sportmuffel. Was empfehlen Sie mir?

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Sport kann das Sterblichkeitsrisiko je nach Ausmaß der körperlichen Betätigung um 30 bis 60 Prozent reduzieren. Dies gilt für viele Tumorarten, vor allem für Tumore der Brust, des Darms und der Prostata. Eine Studie mit 400 000 gesunden Teilnehmern aus Taiwan belegt, dass bereits eine Viertelstunde Bewegung am Tag die Lebenserwartung um drei Jahre verlängern kann (Wen CP/Lancet 2011). Die Wissenschaftler bewiesen, dass bereits ein Mindestmaß an täglicher Bewegung mit einer verringerten Wahrscheinlichkeit für Krebs (minus 10 Prozent), Gefäßerkrankungen (minus 19 Prozent), Herzleiden (minus 25 Prozent), Schlaganfälle (minus 12 Prozent) und Diabetes (minus 11 Prozent) einherging. Dabei zeigte sich auch, dass das Krankheitsrisiko weiter sinkt, je mehr man sich bewegt. Dies bestätigte auch die sehr umfangreiche Übersichtsarbeit von Michael Leitzmann, die den günstigen Effekt körperlicher Aktivität auf die Lebenserwartung statistisch signikant belegt – und dies in einer Größenordnung, die adjuvanten Therapien nahe kommt (Zitat von Prof. Kleeberg aus Hamburg in der Zeitschrift InFoOnkologie 7/2014). So verringerte jede Steigerung der körperlichen Aktivität um 10 MET (metabolic equivalent task)-Stunden pro Woche die Sterberate von Brustkrebs um 24% und die von Darmkrebs um 28% (Schmid D, Leitzmann MF/Ann Oncol 2014).

Sie müssen aber nicht gleich zum Hochleistungssportler werden oder einen Marathon laufen. Die Freude ist wichtig, und wie vieles anderes macht auch Sport nur Spaß, wenn er ohne Stress und Zwang ausgeführt wird. Nehmen Sie sich daher Zeit für eine Umstellung und beginnen Sie mit kleinen Schritten. Kurze aktive Intervalle wie schnelles Gehen, Radfahren, Schwimmen oder Tanzen sind in ihrer Summe ebenso wirksam wie Ausdauersport. Optimal scheint für den Einstieg das Walken (schnelles Gehen) oder je nach Belastbarkeit auch das Laufen in freier Natur zu sein. Fachleute empfehlen mindestens dreimal pro Woche 45 bis 60 Minuten schnelles Gehen. Beginnen Sie eher mit kleinen Intervallen von 20 Minuten und spüren Sie nach, bei welchem Tempo Sie sich gut fühlen. Finden Sie das Tempo, bei dem Sie noch lächeln oder sich mit anderen unterhalten können. Wenn es zu anstrengend wird, werden Sie einfach langsamer. Lassen Sie sich nicht entmutigen, auch wenn Sie das erste Mal »nur« Spazierengehen. Sie tanken Sauerstoff, Sie sind in der Natur und werden jedes Mal ein bisschen ausdauernder. Übrigens: Als Ergänzung ist ein Minitrampolin für zu Hause ideal, damit man auch bei »Schmuddelwetter« in Bewegung bleibt. Vielleicht möchten Sie auch in eine Laufgruppe einsteigen. Es gibt inzwischen spezielle Sportgruppen der Krebsnachsorge, die von den Landessportbünden in zahlreichen Orten eingerichtet wurden. Eine Liste bietet der Deutsche Sportbund unter www.sportprogesundheit.de.

Tamoxifen und Phytohormone

Ich bin Brustkrebspatientin und habe in der Presse gelesen, dass Phytohormone, wie sie z.B. in Soja enthalten sind, das Wachstum von Tumoren fördern können. Als ich meinen Frauenarzt daraufhin ansprach, weil ich als Folge der Tamoxifentherapie - einem antihormonellen Medikament - stark unter Wechseljahrsbeschwerden leide, meinte der, dass man Phytohormone und Tamoxifen sowieso nicht zusammen einnehmen solle. Jetzt bin ich natürlich sehr verunsichert, da ich meine Ernährung seit der Erkrankung entsprechend umgestellt habe. Was können Sie mir zu diesem Thema sagen?

Die Aussage, dass für Frauen mit Brustkrebs Bedenken gegen die Einnahme von pflanzlichen Hormonen (Phytohormonen) bestehen, beruht ausschließlich auf Versuchen an östrogenfreien Nagetieren, in denen bestimmte isolierte Phytohormone (Genistein und Daidzein) das Wachstum hormonabhängiger Brusttumore stimulierten. Meistens unbeachtet ist allerdings die Beobachtung aus denselben Untersuchungen, dass hohe Konzentrationen von Phytohormonen das Tumorwachstum hemmen und die Tamoxifenwirkung verstärken. Außerdem ist der weibliche Organismus kein Rattenmodell. Soja bzw. Phytohormone haben eine 1000-fach geringere Hormonwirkung als körpereigene weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) und wirken als sog. selektive Östrogen Rezeptor Modulatoren. Das bedeutet, dass Phytohormone Substanzen sind, die teils östrogene, teils antiöstrogene Wirkungen aufweisen. In einem vollständig östrogenfreien Milieu wie in diesem Experiment ist es also durchaus möglich, dass vorwiegend östrogene Effekte zum tragen kommen. Ein solches Milieu gibt es allerdings nur in einem künstlichen Versuchsaufbau. Selbst nach den Wechseljahren lässt sich immer noch eine nachweisbare Östrogenproduktion feststellen, so dass auch hier der antiöstrogene Effekt der Phytohormone zum tragen kommt. Diese Wirkung ist es auch, auf die der Schutz vor Krebs zurückgeführt werden kann.
Ihre zweite Frage war, ob Phytohormone dem tumorwachstumshemmenden Effekt von Tamoxifen entgegenwirken. Tatsache ist, dass in Tierversuchen bei der gleichzeitigen Gabe von Tamoxifen und Genistein Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Substanzen beobachtet wurden, die evt. darauf hinweisen, dass diätetisches Genistein die Antitumor-Wirkung von Tamoxifen reduzieren kann. Allerdings sind dies theoretische Überlegungen; und es fehlen auch hier Erfahrungen an Patienten. Eine Studie bei Brustkrebspatientinnen mit einem Präparat aus der Traubensilberkerze, das häufig bei Wechseljahrsbeschwerden eingesetzt wird, hat jedoch gezeigt, dass das Wiedererkrankungsrisiko unter Einnahme dieses pflanzlichen Hormons nicht erhöht war (Rostock M/Gynecol Endocrinol 2011).
Unser Fazit: Solange nicht eindeutig geklärt ist, ob durch die Gabe von Phytoöstrogenen, die denselben Rezeptor wie Tamoxifen besetzen, die Tamoxifenwirkung abgeschwächt werden kann, sollte die gleichzeitige Einnahme von phytohormonhaltigen hochdosierten Präparaten und Tamoxifen individuell und gemeinsam mit dem behandelnden Frauenarzt überdacht werden. Normale Sojaprodukte in der Ernährung können Sie beruhigt anwenden. Bei sehr stark ausgeprägten Wechseljahrsbeschwerden unter Tamoxifen können auch homöopathische Komplexmittel empfohlen werden.
Übrigens: Da Phytohormone selbst in geringem Maße wie Aromatasehemmer wirken, beeinträchtigen sie die Wirkung von in der Krebsmedizin eingesetzten Aromatasehemmern nicht, da die Wirkung nicht rezeptorvermittelt ist.
Da in Soja und Sojaprodukten Phytohormone im natürlichen Verbund mit anderen Pflanzeninhaltsstoffen wirksam sind, kann man diese Versuche auch nicht auf Sojaprodukte im Allgemeinen übertragen. Ein Reagenzglas- oder Tierversuch sagt außerdem nicht zwangsläufig etwas über die Wirkung im menschlichen Organismus aus, so dass gegen eine pflanzenkostreiche phytohormonhaltige Ernährung (mit Soja, Leinsamen, Linsen) nichts einzuwenden ist.

Trockene Scheide unter antihormoneller Therapie

Ich erkrankte im Alter von 40 Jahren an Brustkrebs. Es erfolgten zwei OP's, mit anschließender Chemotherapie und eine antihormonelle Therapie. Wegen starker Beschwerden im Scheidenbereich (Trockenheit und Juckreiz) empfiehlt mir meine Frauenärztin Zäpfchen, die Östrogene enthalten. Angeblich ist der darin enthaltene Östrogenanteil so niedrig, dass keine Gefahr besteht (mein Tumor war hormonabhängig). Teilen Sie diese Ansicht? Falls "Nein": Welche anderen Therapiemöglichkeiten stehen mir zur Verfügung?

Ob die Verabreichung von östrogenhaltigen Vaginalzäpfchen bei Brustkrebs wirklich unbedenklich ist, kann nicht eindeutig beantwortet werden, da zumindest theoretisch geringe Mengen von Östrogenen durch diese Verabreichungsform in den Organismus gelangen können.
Es gibt jedoch Alternativen: So können Vaginalgels oder -zäpfchen verwendet werden, die Phytohormone enthalten oder auf rein pflanzlicher Basis funktionieren. Auch das Einführen von Vaginal-Zäpfchen mit Vitamin D und Rigelblume hat sich bewährt. Einfach durchführbar und sehr hilfreich kann auch das Einführen von handelsüblichen pflanzlichen Vitamin-E-Kapseln oder das Einbringen eines mit Olivenöl getränkten Tampons in die Scheide sein. Vor allem pflanzliche Öle können für das Eincremen des äußeren Genitale und des Scheideneinganges angewandt werden, so beispielsweise das Damm-Massageöl von Weleda, Mandelöl oder Nachtkerzenöl.
Wir möchten Ihnen empfehlen, eine dieser Maßnahmen mit dem Einführen von Döderlein-Vaginalkapseln und eventuell auch eine Milchsäure-Kur zu kombinieren, um ein normales Gleichgewicht der Scheidenflora wiederherzustellen. Wichtig ist außerdem eine sanfte und natürliche Intimhygiene, abgestimmt auf den physiologischen pH-Wert in der Scheide. Hierzu gibt es spezielle Waschlotionen inzwischen auch in jedem Drogeriemarkt.
Bei sehr starken Beschwerden sollte natürlich auch die Notwendigkeit der antihormonellen Behandlung vor dem Hintergrund der Nebenwirkungen neu überdacht werden.

 

Vitamin D bei Brustkrebs

In einer Zeitschrift stand in einem Artikel über Vitamin D, dass amerikanische Froscher herausfanden, dass es besonders bei Brustkrebs helfen würde. Empfehlen Sie Brustkrebspatientinnen, Vitamin D regelmäßig einzunehmen?

Unter den Vitaminen hat Vitamin D eine Sonderstellung, da der Körper dies in den Hautzellen mit Hilfe von UV-B-Licht selbst in der Haut bilden kann. Durch seinen Einfluss auf den Kalziumstoffwechsel ist Vitamin D für den normalen Aufbau von Knochen und Zähnen sehr wichtig. Außerdem beeinflusst es die Immunabwehr und Zelldifferenzierung.
Inzwischen zeigen zahlreiche Studien bei Krebspatienten, dass eine gute Vitamin-D-Versorgung vor Rückfällen und Metastasen schützen kann. Dies ist bisher vor allem für Patienten mit den häufigen Krebsarten Brust- und Darmkrebs nachgewiesen.
Dass Brustkrebspatientinnen mit niedrigen Vitamin-D-Spiegeln ein erhöhtes Risiko für Metastasen haben, konnte in einer Studie mit 512 Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium gezeigt werden (Goodwin et al. / J Clin Oncol 2008). Aus den Blutproben bei der Erstdiagnose wurden unter anderem die Vitamin D-Spiegel bestimmt. Ergebnis: 192 Frauen von den im Durchschnitt 50-jährigen Frauen hatten einen Vitamin-D-Mangel (unter 20mg/ml) und 197 Frauen einen verringerten Vitamin-D-Spiegel (20 bis 30 ng/ml). Einen ausreichenden Vitamin-D-Spiegel (über 30 ng/ml) hatten nur 123 von 512 Studienteilnehmerinnen. Bei den Nachuntersuchungen fiel auf, dass bei Frauen mit einem verminderten Vitamin-D-Spiegel das Risiko für eine Metastasierung nahezu verdoppelt war im Vergleich zu Frauen mit ausreichender Vitamin-D-Versorgung.
Wir empfehlen daher, dass jeder Gesunde und natürlich auch jede Brustkrebspatientin ihren persönlichen Vitamin-D-Spiegel im Blut kennen sollte, um die Gabe von Vitamin D individuell einstellen zu können. Besonders wichtig ist eine Bestimmung des Blutspiegels vor und nach den Herbst-bzw. Wintermonaten. Weiterlesen können Sie im GfbK-Info Vitamin D-Ein wichtiger Schutzfaktor.

Tamoxifen oder Aromatasehemmer?

Ich habe Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs und nehme seit einigen Monaten Tamoxifen ein. Seitdem habe ich erheblich mit Nebenwirkungen zu kämpfen. Soll ich Tamoxifen weiternehmen oder zu einen sogenannten Aromatasehemmer wechseln, der besser verträglich sein soll?

Zwar zeigen Studienergebnisse für die antihormonelle Therapie gewisse positive Resultate, dennoch ist neben dem so genannten Rezeptorenstatus die Indikation im Einzelfall streng zu prüfen: Es gilt, persönlich abzuwägen, ob eine oft eindeutige Verschlechterung der Lebensqualität wie bei Ihnen die wahrscheinliche Verlängerung der Überlebenszeit um manchmal nur einige Monate rechtfertigen. Neben den geringen positiven Wirkungen birgt die Einnahme des am häufigsten verordneten Antihormons Tamoxifen erhebliche Risiken für die Gesundheit der Frau: Die Entstehung von Krebs der Gebärmutterschleimhaut wird gefördert, Netz-  und Hornhautschäden am Auge können entstehen, die Chance von gefährlichen Thrombosen, Schlaganfällen und Lungenembolien nimmt zu und der Abbau des Antihormons stellt eine Belastung für die Leber dar. Außerdem ist bekannt, dass der Körper Resistenzen gegen das Antihormon bilden kann, die mit zunehmender Therapiedauer zu einer Wirkungsabschwächung des Präparates führen. Dazu kommen die subjektiven Beschwerden in Form einer Verschlimmerung der Wechseljahre-Symptomatik: Schweißausbrüche, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Nachlassen der Lust auf Sex und Gewichtszunahme.
Auch die neue Generation der Antihormonpräparate, die Aromatasehemmer, verursachen Nebenwirkungen, allerdings anderer Art wie das Tamoxifen, die aber für die Betroffenen genauso belastbar sein können. So nehmen unter Einnahme von Aromatasehemmern Muskel- und Gelenkbeschwerden deutlich zu. Auch das Osteoporoserisiko wird erhöht.
So ist Ihre Frage auch nicht pauschal, sondern nur individuell zu beantworten. Denn der Wunsch von Frauen nach Brustkrebs, alles zu unternehmen, um einem Rezidiv vorzubeugen, ist verständlich und nachvollziehbar. Somit ist es die mündige Patientin, die im Optimalfall zusammen mit ihrem behandelnden Arzt eine Entscheidung für ihre Zukunft fällt.
Wird bei einem positiven Rezeptorstatus eine antihormonelle Therapie gut vertragen, und vermittelt sie ein Gefühl der Sicherheit, dann würden wir die Anwendung nicht zur Diskussion stellen. Für den Fall einer starken Einschränkung der Lebensqualität und einer inneren Ablehnung der antihormonellen Präparate halten wir jedoch ein kritisches Überdenken der Notwendigkeit für gerechtfertigt, da in diesem Fall die negativen Wirkungen wahrscheinlich überwiegen. GfBK-Info „Antihormonelle Therapien”

Tamoxifen und Nebenwirkungen

Ich wurde vor zwei Jahren wegen Brustkrebs an der Brust operiert und nehme seit der Strahlentherapie Tamoxifen. Ich habe erhebliche Nebenwirkungen und möchte wissen, ob man dieses Mittel durch eine biologische Alternative ersetzen oder wenigstens etwas gegen die Nebenwirkungen unternehmen kann?

Grundsätzlich können Brusttumore in ihrem Wachstum durch körpereigene Hormone, vor allem den Östrogenen gefördert werden. Das soll eine Anti-Hormon-Therapie verhindern. Das Prinzip: Die Brustdrüsenzellen tragen auf der Oberfläche Rezeptoren, mit denen sie die von den Eierstöcken produzierten Östrogene einfangen. Um das zu verhindern, werden hormonähnliche Substanzen (z. B. "Tamoxifen") verabreicht, die sich ebenfalls an den Rezeptoren festsetzen und diese blockieren. Die körpereigenen Östrogene können nicht mehr wirksam werden. An Stelle von Tamoxifen gibt es neuerdings so genannte Aromatasehemmer wie "Aromasin", "Letrozol", "Anastrozol" oder "Exemestan". Diese verhindern im Gegensatz zur Rezeptorhemmung durch Tamoxifen die Bildung körpereigener Östrogene. Bei Patientinnen, die Tamoxifen nicht vertragen oder erhöhtem Risikoprofil (Thrombose- oder Embolierisiko), werden inzwischen Aromatasehemmer empfohlen. Allerdings können auch unter der Einnahme von Aromatasehemmern erhebliche Nebenwirkungen häufig in Form von Knochen- und /oder Gelenkschmerzen auftreten, die die Patientin je nach Ausmaß in Ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigen können.

Kommt es unter der Behandlung mit Antihormonen zu Wechseljahrsbeschwerden, können biologische Maßnahmen lindernd angewandt werden. So hilft bei leichten Hitzewallungen oder Schweißausbrüchen Salbei als Teeaufguss oder als Präparat. Ähnlich gut wirken eine Akupunktubehandlung (Walker E/Journal of Clinical Oncology 2009 und Bokmand S/Breast 2012) oder Entspannungsübungen (Mann E/Lancet 2012). Günstige Effekte hat auch der tägliche Verzehr von Leinsamenschrot (Pruthi S/J Soc Integr Oncol 2007).
Bei starken Wechseljahrsbeschwerden solte eher auf pflanzliche Präparate aus der Traubensilberkerze zurückgegriffen werden. Bei individuellen Bedenken gegen die Einnahme von Traubensilberkerzenextrakt können auch Komplexmittel, die Traubensilberkerze in homöopathischer Dosierung enthalten, eingesetzt werden. Besprechen Sie dies bitte mit Ihrem behandelnden Arzt.

Grundsätzlich muss man sich bei einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität durch eine antihormonelle Therapie fragen, ob die Nebenwirkungen dann nicht die Wirkung übertreffen. Immerhin ist der Nutzen einer antihormonellen Therapie beschränkt auf Frauen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs (Deutsche Krebsgesellschaft e.V.): So wird durch die 5-jährige Einnahme von Tamoxifen das Rückfallrisiko um 13,4 %, das Sterberisiko um 9 % gesenkt (Möbis V/ In Kreienberg R et al: Management des Mammakarzinoms. Springer 2002; Seite 228). Nicht zuletzt sollte man bei der individuell zu treffenden Entscheidungsfindung auch einen wichtigen Punkt nicht außer Acht lassen: In einer großen Studie senkte moderater Ausdauersport, d.h. wöchentlich drei bis fünf Stunden Laufen oder gleichwertige Übungen, das Risiko an Brustkrebs zu sterben, um 50% (Holmes/JAMA 2005 und Ballard-Banash R/J Natl Cancer Inst 2012). Es gibt derzeitig in der Medizin keine Therapie, die einen solchen Effekt annähernd erreichen könnte.
Unsere Brustkrebsbroschüre mit ausführlichen Informationen zur antihormonellen Therapie können Sie hier downloaden.

Bei Brustkrebs empfehlen wir begleitend zur schulmedizinischen Therapie oder wenn die antihormonelle Therapie schlecht vertragen wird, auch als alleinige Maßnahme z.B. sportliche Aktivität, eine Ernährungsumstellung, eine Nahrungsergänzung mit Vitaminen und Spurenelementen, abwehrstärkende Maßnahmen mit Mistel und/oder Thymus sowie die Gabe von Enzymen. Durch diese Maßnahmen werden Heilungsprozesse nach einer Brustkrebsoperation ebenfalls sinnvoll gefördert.

GfBK-Info „Antihormonelle Therapien”

DCIS

Ich bin 34 Jahre und leide seit einiger Zeit an einer Mastopathie (chronisch entzündliche Veränderung meiner Brustdrüse). Meinem Frauenarzt kam der Befund verdächtig vor und er überredete mich zu einem operativem Eingriff. Dabei wurde eine Vorstufe eines ca. 5 mm großen Ca, ein sogenanntes DCIS (einer bestimmten harmloseren Art bzw. Vorstufe des Brustkrebses) festgestellt und im Gesunden entfernt; die Lymphknoten waren nicht befallen, der Tumor erwies sich als hormonabhängig. Prophylaktisch wurde mit für die Dauer von 5 Jahren eine antihormonelle Therapie mit dem Präparat Tamoxifen vorgeschlagen. Ist das nach Ihrer Meinung sinnvoll ?

Die von Ihnen beschriebene Vorstufe einer Krebserkrankung, ein sog. DCIS (Duktales Carcinoma in situ) ist nicht als invasiver Tumor anzusehen. Daher ist dieses Krankheitsbild unserer Ansicht nach im Anschluß an den operativen Eingriff meist auch ohne konventionelle Behandlungsmethoden therapierbar. Der Sinn einer Nachbehandlung mit Tamoxifen wird vielfach inzwischen auch von Schulmedizinern in Frage gestellt.  Dem geringen Therapieeffekt bei einer Vorstufe eines Mamma-Karzinoms stehen Nebenwirkungen (klimakterische Beschwerden) und potentielle Risiken (Thromboembolien - Blutgerinnungsstörungen, Endometriumkarzinom  -  Krebserkrankung der Schleimhäute in der Gebärmutter, Leberschäden, Augenschäden) gegenüber, deren langfristige Folgen nicht abzuschätzen sind. Bei einem DCIS sollte daher einer intensiven biologischen Nachbehandlung ohne antihormonelle Therapie der Vorzug gegeben werden. In der großen UK/ANZ-DCIS-Studie (Cuzick J/Lancet Oncology 2011) konnte dies bestätigt werden: Lokale Rückfälle wurden in dieser Studie nicht durch Tamoxifen, sondern nur durch eine Strahlentherapie verhindert.

Hormone in den Wechseljahren

Ich habe einen östrogenabhängigen Brustkrebs und habe neun Jahre lang in den Wechseljahren Hormone genommen. Inwieweit kann die Entstehung des Brustkrebs auf die Hormongabe zurückgeführt werden?

Inzwischen weiß man durch die Ergebnisse einer groß angelegten amerikanischen Studie, dass sich bei einer Hormonersatztherapie mit Östrogenen und Gestagenen über mehr als 5 Jahre das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, erhöht. Umgerechnet erkrankten 8 von 10000 Frauen unter Hormontherapie mehr an Brustkrebs als Frauen, die keine Hormone eingenommen hatten. Weitere Nebenwirkungen einer Hormontherapie sind die Gewichtszunahme und negative Effekte auf das Herz-Kreislaufsystem (vor allem Herzinfarkte!). Wegen der erhöhten Brustkrebsrate und anderen Komplikationen (erhöhtes Thromboserisiko und Häufung von Herz-Kreislauferkrankungen) wurde diese Studie im Jahr 2002 abgebrochen. Ob reine Östrogenpräparate ähnliche Risiken bergen, wurde in einer aktuellen Studie untersucht. So zeigte sich, dass bei Frauen, die nur weibliche Geschlechtshormone (Östrogene) einnahmen, das Auftreten von Herzinfarkten im Vergleich zur Placebogruppe nicht erhöht war; allerdings wurden vermehrt Schlaganfälle beobachtet. Ein vermehrtes Auftreten von Brustkrebs konnte in dieser Studie mit reinen Östrogenpräparaten ebenfalls nicht festgestellt werden. Die tägliche Anwendung von Östrogenen und Gestagenen steht somit stärker im Verdacht, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen. Auf Grund der Studien der letzten Jahre sollte man Frauen insbesondere darüber aufklären, dass ein noch unentdeckter Brustkrebs unter einer Hormontherapie schneller wachsen kann und unter einer kombinierten Langzeittherapie mit Östrogenen und Gestagenen mehr zusätzliche Brustkrebsdiagnosen festgestellt wurden. Diese Studienergebnisse hatten zwischenzeitlich zur Folge, dass von deutschen Fachgesellschaften eine hormonelle Therapie von Wechseljahrsbeschwerden wie Schlaflosigkeit, Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen nur bei Wechseljahresbeschwerden empfohlen wird, wenn diese Beschwerden die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken und naturheilkundliche Maßnahmen nicht geholfen haben.

Seelischen Faktoren - Brustkrebs

Meiner Meinung nach beschäftigt sich die Medizin viel zu wenig mit dem Einfluss seelischer Faktoren in der Behandlung von Brustkrebs? Immer wieder höre ich in den Kliniken, dass nur die Gene oder evidenzbasierte wissenschaftliche Therapien einen Einfluss auf den Krankheitsprozess haben. Welche Meinung vertritt die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr in dieser Hinsicht? Was können Patientinnen tun, die sich für diese Fragestellung interessieren?

Seelische Einflussfaktoren werden sowohl im Hinblick auf die Entstehung wie auch die Behandlung von Brustkrebs in der Psychoonkologie zu wenig erforscht. Wie in der Wissenschaft nicht selten scheinen bislang einerseits viele Ergebnisse widersprüchlich, andererseits werden wichtige Erkenntnisse bewusst nicht zur Kenntnis genommen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. So wird zwar seelischen Einflussfaktoren bei der Behandlung von Brustkrebs eine Verbesserung der Lebensqualität zugebilligt - die eindeutigen Hinweise auf die Verlängerung der überlebenszeit bei diesem Krankheitsbild werden aber negiert. Obwohl schon die Studienergebnisse von David Spiegel Anfang der 90-er Jahre die Verlängerung der überlebenszeit durch seelische Unterstützung bei Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs eindeutig belegten und auch die Ergebnisse einer aktuellen Studie, die im Artikel Motivation und Hoffnung (Signal 1/2009, Seite 10) zitiert werden, eine Senkung der Sterblichkeitsrate bei Brustkrebs um 68% beweisen, kümmert sich die Medizin um solche im Grunde genommen sensationellen Ergebnisse kaum. Im Vergleich zu den ungeheuren und mit Milliardenbeträgen finanzierten Forschungsanstrengungen mit pharmazeutischen Produkten und technischen Innovationen - denen die Berechtigung nicht grundsätzlich abgesprochen werden soll - sind die Fortschritte der Erkenntnisfindung und praktischen Umsetzung einzelner Forschungsergebnisse in der Psychoonkologie ein kleiner Tropfen auf einen heißen Stein. Beispielsweise wurden in der wissenschaftlichen öffentlichkeit auch die Ergebnisse einer Aufsehen erregenden norwegischen Studie mit annähernd 110.000 Frauen, die unlängst in einer renommierten amerikanischen Fachzeitschrift veröffentlicht (Journal Archives of Internal Medicine, Zahl - 2008) und sogar in der New York Times diskutiert wurden, nicht zur Kenntnis genommen. Die Studie diente dem Vergleich von Frauen, die das Mammographiescreening in Anspruch nahmen und einer vergleichbaren Gruppe, die dem Angebot nicht folgte. Da es in der Gruppe der Frauen, die nicht an dem Screening teilnahmen über ein fünftel weniger Brustkrebs gab, muss man davon ausgehen, dass es bei 22% der Frauen in dieser Gruppe zu einer Spontanheilung gekommen sein muss. In dem Zusammenhang mit obiger Frage soll nicht über die Sinnhaftigkeit von Screeningprogrammen diskutiert werden. Es ist nur sehr bedauerlich, dass erneut ernsthaften Hinweisen auf Spontanheilungen nicht nachgegangen wird und dieses Phänomen trotz bahnbrechender Erkenntnisse der jungen Wissenschaft der Psychoneuroimmunologie nicht eingehend erforscht wird. Welche Schlussfolgerungen lassen sich praktisch ziehen? Eine "hoffnungslose" Prognose gibt es nur für die Patientinnen, die die Hoffnung selbst aufgegeben haben. In jedem Menschen ist ein unendliches Heilungspotential angelegt, welches auch bei sehr fortgeschrittenen Krankheitsbildern noch eine Umkehr des Krankheitsprozesses bewirken kann. Daher können bei Krebskranken durchaus Mittel und Methoden eine positive Wirkung entfalten, denen die konventionelle Medizin eine Unwirksamkeit nachsagt. Jeder Krebskranke wird von Angehörigen, Mitpatientinnen und Mitpatienten sowie Therapeuten und ärzten mit einer Vielfalt gut gemeinter Ratschläge überschüttet und ist mit sehr vielen Informationen sein Krankheitsbild betreffend konfrontiert. In dieser Situation ist es für den Betroffenen besonders wichtig, den "inneren Arzt" zu entdecken. Durch angstlösende Gespräche, Entspannungs- und Visualisierungsübungen, Meditation und ähnliche Verfahren kann der Krebskranke lernen, Entscheidungen für sich und nicht nur gegen die Krankheit zu fällen. Eine innere Stabilität hilft dem Patienten auch, sich im Spannungsfeld schulmedizinischer und unkonventioneller Heilmethoden besser zurechtzufinden. Viele weitere wertvolle Hinweise enthält die Broschüre "Wege zur seelischen Begleitung".

Brustkrebs - Vorbeugung - Ernährung - Leinsamen

Meine Mutter ist an Brustkrebs erkrankt. Gerne möchte ich etwas tun, um auch bei mir Brustkrebs vorzubeugen, insbesondere da bei mir seit längerem eine Mastopathie besteht, wodurch ich vor meiner Regelblutung Schmerzen in der Brust habe. Nun habe ich gehört, dass der regelmäßige Verzehr von Leinsamen sinnvoll sein soll. Stimmt das und gibt es noch andere Ernährungmaßnahmen, um Brustkrebs vorzubeugen?

Lignane sind in Samen, Getreide, Gemüse und Obst enthalten und zählen zu den von Europäern am häufigsten verzehrten Phytohormonen. Aktuell konnte in einer großen Studie die krebsvorbeugende Wirkung von Lignanen und damit auch Leinsamen, das sehr viel Lignane enthält, belegt werden. Schwedische Forscher haben im Rahmen einer Mammographie-Studie über 50.000 Frauen nach ihren Essgewohnheiten befragt und die aufgenommene Menge an Lignanen geschätzt. über einen Zeitraum von acht Jahren wurde beobachtet, wie häufig Brustkrebs auftrat. Das Ergebnis: Frauen nach den Wechseljahren, deren Kost viele Lignane enthält, erkranken um 17 Prozent seltener an Brustkrebs als Frauen, bei denen nur wenig lignanhaltige Lebensmittel verzehrt werden. Die Lignane wirkten besonders bei Frauen, die Hormone einnahmen. Dies könnte an der phytohormonartigen Wirkung liegen, da Phytohormone bei hohen östrogenspiegeln eher wie leichte Antihormone wirken. Und sicherlich spielen auch noch andere Wirkungsmechanismen eine Rolle. Bei hohem Ballaststoffgehalt der Nahrung werden beispielsweise weniger Hormone durch den Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Leinsamen ist eine besonders reiche Lignanquelle. Außerdem enthält eine getreide- bzw. ballaststoffreiche Kost besonders viel Lignane. Lignane sind auch sonst weit verbreit und finden sich in vielen Obst - und Gemüsesorten (wie z.B. Kirschen, Äpfel, Birnen, Pfirsiche, Karotten, Brokkoli, Fenchel, Zwiebel und Knoblauch). Zur Vorbeugung und auch bei bereits Erkrankten ist die regelmäßige Einnahme von Leinsamen, der neben viel Lignanen auch wertvolle Ballaststoffe, Vitamine und vor allem Omega-3-Fettsäuren enthält, empfehlenswert. Die tägliche Verzehrmenge beträgt dabei 1-2 TL, z.B. in Jogurt verrührt. Damit die Inhaltsstoffe aufgenommen werden können, muss der Leinsamen vorbehandelt werden. Besonders gut verwertbar ist dabei extra aufgeschlossener Leinsamen (in Reformhäusern erhältlich) oder frisch geschroteter Leinsamen. Zur weiteren Vorbeugung und Bekämpfung von Brustkrebs haben sich neben Leinsamen folgende Pflanzenstoffe bzw. Lebensmittel bewährt: Soja und Sojaprodukte, Linsen, Omega-3-Fettsäuren (Fischöl), Gelbwurz, Knoblauch, alle Kreuzblütler (wie z.B. Brokkoli, Rosenkohl, Blumenkohl, Weißkohl, Wirsingkohl, Kresse, Radieschen, Rettich, Rucola), Grüner Tee, äpfel, Beeren und Sprossen. Außerdem sollte nur in geringen Mengen Eiweiß und Fett in Form von Fleisch und Wurst verzehrt werden. Um Brustkrebs vorzubeugen, ist eine fettarme Ernährung besonders wichtig. Raffinierter Zucker, Süßgetränke, Weißmehlprodukte, hocherhitzte Speisen (über 180 Grad C), Fertigprodukte und Fast Food sind stark einzuschränken. Stattdessen ist es empfehlenswert, auf die Zufuhr hochwertiger Kohlehydrate mit viel Ballaststoffen und antioxidativen Vitaminen, also Gemüse, Salate, Obst und Vollkornprodukte - möglichst in naturbelassener Form - und auf die Zufuhr naturbelassener pflanzlicher öle (insbesondere Olivenöl und Leinöl) zu achten. Außerdem sollte Alkohol eher gemieden und genügend Flüssigkeit aufgenommen werden: mindestens 2 - 2,5 l/Tag in Form von kohlensäurearmen Mineralwässern und Kräutertees; Säfte nur verdünnt trinken (und möglichst auch milchsauer vergorene Säfte wie Sauerkraut-, Sellerie-, Karottensaft, Kanne- Brottrunk). Dieselben Ernährungsempfehlungen gelten auch für an Brustkrebs Erkrankte.

Verursachen BHs Brustkrebs?

Unlängst wurde in unserer Selbsthilfegruppe diskutiert, ob Brustkrebs durch ständiges Tragen eines BH′s verursacht werden? Was denken sie als Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr zu diesem Thema? Einen wirklich schlüssigen Beweis für diese Behauptung lässt sich in der Literatur nur schwer finden. Dennoch ist es durchaus sinnvoll im Zusammenhang mit der Ursachenforschung von Krebserkrankungen auch diese Frage zu stellen. Außer einer einzigen Studie gibt es allerdings kaum Untersuchungen, die einen Zusammenhang eindeutig nahe legen.

Unserer Ansicht nach soll die Krebserkrankung immer als ein multifaktorielles Geschehen mit verschiedenen Störfaktoren und Ursachen bewertet werden. Eine Brustkrebserkrankung allein am Tragen eines BH′s festzumachen ist unserer Meinung nach zu einfach gedacht und für die Betroffenen auch nicht nützlich. Natürlich kann das ständige Tragen eines BH eine Belastung für die Lymphabflusswege im Brustbereich bedeuten. Wir sind durch unsere heutige Lebensweise aber leider vielen solchen Belastungsfaktoren ausgesetzt, die wir nicht alle unmittelbar beseitigen können oder müssen. Experten weisen zu Recht darauf hin, dass das individuelle Zusammenwirken seelischer Aspekte, Umwelteinflüsse, hormoneller Risikofaktoren, u.v.m. bei der Ursachenforschung ausgewogen zu berücksichtigen.

Akupunktur bei Lymphstauungen

Vor einem Jahr wurde mir wegen Brustkrebs die linke Brust abgenommen und 13 Lymphknoten aus der Achsel entfernt. Da drei Lymphknoten befallen waren, wurde ich nachbestrahlt. Als Folge dieser Maßnahmen leide ich unter Lymphstauungen im linken Arm insbesondere im Unterarmbereich und in der Hand. Eine Bekannte von mir hat gute Erfahrungen mit der Akupunktur gemacht. Darf ich überhaupt am linken Arm genadelt werden?

Die Therapie sollte nur von einem erfahrenen Akupunkturarzt durchgeführt werden. Wenn erforderlich dürfen auch gewisse Punkte am linken Arm genadelt werden. Zusammen mit Lymphdrainage und der Einnahme spezieller pflanzlicher bzw. homöopathischer Präparate können die Lymphabflußstörungen am linken Arm günstig beeinflußt werden. Positiv verstärkende Effekte sind zusätzlich durch eine tiereiweißarme Ernährung und über eine geregelte Verdauung zu erreichen.

Antihormontherapie

Schon bei der Diagnose "Brustkrebs" stand mein Entschluss fest, mich nur operieren zu lassen. Wegen der Tumorgröße, zweier befallener Lymphknoten und positiver Hormonrezeptoren wurde mir jedoch eine kombinierte Chemo-Strahlen-Therapie und eine über fünf Jahre dauernde Anti-Hormon-Therapie als unbedingt notwendige Nachbehandlung empfohlen. Da ich diese Massnahmen weiterhin ablehne, finde ich mich als Außenseiterin massivem Druck von ärztlicher Seite wie auch aus dem familiären Umfeld ausgesetzt. Wie stehen Sie zu meiner Entscheidung?

Die GfBK respektiert Ihre individuelle Entscheidung und wird Sie, falls gewünscht, gerne beratend begleiten. Aus der Sicht der konventionellen Medizin ist ohne Zweifel eine intensive Nachbehandlung notwendig, wobei Ihre persönliche Einstellung zu Krankheit und Therapie unserer Meinung nach ebenso entscheidende Faktoren für den Krankheitsverlauf sind. Daher gibt es bei Ihrem Erkrankungsfall für Sie persönlich keine zwingende Verpflichtung für die vorgeschlagene aggressive Nachbehandlung, auch wenn Ihnen ein solcher Behandlungsweg nahegelegt wird. Ob aufgrund manchmal fragwürdiger statistischer Aussagen und Wahrscheinlichkeiten Ihre Prognose entscheidend positiv beeinflusst wird, kann leider niemand wirklich versprechen. Natürlich sollten Sie nicht unverantwortlich mit Ihrem Schicksal umgehen und sich Informationen und rationalen Argumenten nicht verschliessen  -  bei gewissen Entscheidungen kann aber die emotionale Komponente wichtiger sein als die rationale. Eine andere Patientin mit einem Befund, der in jeder Hinsicht Ihrem Befund gleicht, könnte sich beispielsweise zu einer Strahlen- und antihormonellen Nachbehandlung entscheiden und würde bei diesem Vorgehen für sich den größten Sinn sehen.

Alternative zur Operation?

Durch Selbsttasten habe ich vor etwa einer Woche einen Knoten in meiner linken Brust bemerkt. Das Nachtasten beim Frauenarzt bzw. die Mammographie bestätigen leider den hochgradigen Verdacht auf ein Mamma-Ca. Ich bin 28 Jahre alt. Mein Frauenarzt drängt mich zu einer baldigen operativen Entfernung des Tumors. Gibt es für mich Alternativen zur OP?

Wir empfehlen Ihnen, sich baldmöglichst den Brusttumor operativ entfernen zu lassen. Durch die Sicherung der Diagnose über den histologischen (=feingeweblichen) Befund wird die psychisch belastende Situation beendet. Die Entfernung des Tumors stärkt die Eigenregulation des Organismus, indem die belastende Tumormasse entfernt wird.  Ein über unsere zentrale Beratungsstelle erhältliches Operationsvor- und Nachbereitungsprogramm hilft, Wundheilungsstörungen und die Nachblutungsgefahr zu verringern. Weiterhin können Sie im Vorfeld der Operation die Herstellung einer Tumor-Impfstofflösung (siehe unser Informationsblatt Tumorimpfung) in die Wege leiten. Zusammengefasst gibt es aus unserer gegenwärtigen Sicht und Erfahrung keinerlei Alternative zu einem operativen Eingriff. Auch wenn wir aus den genannten medizinischen Gründen den operativen Eingriff als sinnvollste Intervention sehen, würden wir eine anderslautende Entscheidung Ihrerseits natürlich auch akzeptieren und Ihren weiteren Weg soweit möglich unterstützen.


Darmkrebs

Beschwerden nach Darmoperation

Vor etwa sechs Monaten wurde ich wegen Darmkrebs kontinenzerhaltend operiert. Nach sorgfältiger Abwägung hatte ich mich seinerzeit gegen die vom Arzt empfohlene Chemotherapie entschieden. Die große Bauchnarbe ist äußerlich gut verheilt. Jedoch leide ich nach jeder Mahlzeit unter krampfartigen Bauchschmerzen und starken Blähungen. Bei der endoskopischen Kontrolle war alles in Ordnung. Haben Sie einen Tipp für mich, wie ich diese Beschwerden in den Griff bekommen kann?

Zur inneren Wundheilung benötigt der Organismus etwa drei Monate Zeit. Die damals länger bestehende Tumorbelastung, der Operationsstress und die operationsbedingten anatomischen Veränderungen haben Ihre Darmmotorik gestört und Ihre Verdauungsleistung (das »Innere Milieu«) nachhaltig geschwächt. Um Ihre Beschwerden zu lindern, brauchen Sie jetzt ein bisschen Zeit und Geduld. Wir empfehlen Ihnen eine hochwertige, vollwertige und dennoch leicht verdauliche Ernährung: Verspeisen Sie Ihr Essen in der Regel gegart, genießen Sie Rohkost nur in sehr kleinen Mengen, verdünnen Sie konzentrierte Säfte mit Wasser und trinken Sie sie nicht pur, verwenden Sie Vollkorn als Feinkorn, nicht als Grob- bzw. Mehrkorn.
Bewährte Ballaststoffhilfen für den Darm sind Flohsamenschalenpulver und Inulin.
Trennen Sie Essen und Trinken zeitlich voneinander, um die Verdauungssäfte nicht zu »verdünnen«. Setzten Sie vor und nach den Mahlzeiten ein Bitterstoffpräparat ein, z. B. Bitterstern ®. Kombinieren Sie es mit einem homöopathischen Komplexmittel wie z. B. Spascupreel®, das entkrampfend auf die Hohlorgane wirkt. Nach den Mahlzeiten können feucht-warme Bauchwickel mit Kanne-Brottrunk® bzw. Retterspitz-äußerlich® zusätzliche Linderung der Beschwerden bringen. Empfehlenswert ist auch eine naturheilkundliche Darmsanierung, siehe GfBK-Infoblatt Darmregulation. Lassen Sie zuvor eine laborchemische Stuhlanalyse vornehmen, damit diese Behandlung genau auf Ihre aktuelle Situation angepasst werden kann.

Vorsorge Darmkrebs

Ich bin 57 Jahre alt und wissentlich von keiner Krebserkrankung betroffen. In meiner Familie gab es bisher keine Krebserkrankungen. Dennoch stehe ich vor der Frage, ob ich eine Darmspieglung durchführen lassen soll. Ich bin verunsichert, da in der Öffentlichkeit regelmäßige Darmspiegelungen zunehmend propagiert werden. Wie stehen Sie dazu und wie risikoreich ist eine solche Untersuchung?

Durch öffentliche Kampagnen mit bekannten Größen aus Show und Sport wird verstärkt auf Darmspiegelungen als Mittel zur Früherkennung von Darmkrebs hingewiesen. Wissenschaftlich ist jedoch nicht erwiesen, ob vermehrte Darmspiegelungen tatsächlich die Darmkrebssterblichkeit senken. Allerdings sind Nebenwirkungen der Untersuchungsmethode bekannt, auf die nur selten hingewiesen werden. Wir möchten Ihnen daher empfehlen, dass vor einer Darmspiegelung immer zwischen Notwendigkeit und möglichen Nebenwirkungen abgewogen werden sollte. Die Schätzungen, wie sehr die Darmspiegelung die Heilungschancen erhöhen, sind widersprüchlich. Gegenwärtig ist noch unklar, wie viele Tumore sich entwickeln, ohne dass sie vorher als Polypen (Veränderungen der Darmschleimhaut) zu erkennen sind. Bekannt ist, dass Koloskopien, so die medizinische Bezeichnung für Darmspiegelungen, auch Risiken bergen. So können bei einer Koloskopie Blutungen und Beschädigungen der Darmwand auftreten. Die Vorbereitung und die Untersuchung selbst können gerade bei älteren Menschen Komplikationen hervorrufen: So kann es insbesondere bei dieser Altersgruppe beim vorhergehenden Abführen zu Kreislaufbelastungen kommen; die ausbleibende Nahrungsaufnahme und medikamentöse Ruhigstellung während der Untersuchung kann zu einer körperlichen Schwächung führen. Wichtig ist es auch, sich einen Arzt zu suchen, der diese Art der Untersuchung regelmäßig durchführt, um Komplikationen zu vermeiden. Selbstverständlich macht bei einer familiären Disposition, Ängsten vor einer Krebserkrankung oder bei einem Verdacht eine Darmspiegelung Sinn. Das gilt natürlich auch für Menschen, die von einer Darmkrebserkrankung betroffen waren.
Bei großen Aufklärungskampagnen sollte es auch darum gehen, die Achtsamkeit der Menschen für Vorgänge in ihrem Organismus zu stärken und sie damit ein Stück unabhängiger von technischen Untersuchungen zu machen. So helfen verschiedene Faktoren, das Erkrankungsrisiko zu minimieren. Wichtig ist auch, auf das, was im Darm geschieht, zu achten: Verstopfungen oder andere Funktionsstörungen sind Warnsignale, auf die reagiert werden muss. Zudem hilft regelmäßiger Sport und eine ausgewogene Ernährung, das Erkrankungsrisiko zu minimieren. Pflanzliche Kost wie Obst, Gemüse und Getreide neutralisiert Schadstoffe und stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte gegen entartete Zellen. Positiv auf das Darmmilieu wirken außerdem milchsaure, vergorene Produkte wie Sauerkraut, Gemüsesäfte oder Joghurt.

 

Wundheilungsstörungen nach Operation im Enddarmbereich

Nach meiner Tumor-Operation im Enddarmbereich heilt die Wunde schlecht zu. Mein Schulmediziner rät mir abzuwarten. Was kann ich naturheilkundlich zusätzlich tun?

In der Akutsituation können im Enddarmbereich Sitzbäder Linderung verschaffen. Naturheilkundlich bewährt haben sich bei Wundheilungsstörungen auch die Gabe von hochdosiertem Zink (mindestens 20 mg am Tag) und Vitamin C (500 bis 1000 mg in drei Einzeldosen verteilt), sowie die Gabe von Enzymen, Selen und eine Säure-Basen-Regulation. Enzyme und Selen können auch helfen, Lymphödeme oder Schwellungen abzulindern. Zusätzlich kommen, insbesondere wenn eitrige Entzündungen im Wundbereich vorliegen, wöchentliche Vitamin-C-Infusionen in Betracht. Bei längerem Verlauf und immer wieder kehrenden Infektionen denken Sie bitte auch an eine Darmregulation (siehe GfBK-Infoblatt: Darm-Regulation).

Darmkrebs, Ernährung und Sport

Ich hatte Darmkrebs, bin operiert und möchte gerne wissen, was ich selbst für meine Gesunderhaltung tun kann.

Da sich bei Darmkrebspatienten oft in der Leber zuerst Metastasen bilden, sollte in der Lebensweise alles vermieden werden, was die Leber unnötig belastet: Alkohol meiden, Zurückhaltung bei Genussmitteln und chemischen Medikamenten. Eine Aufgabe der Leber ist es auch, eine Übersäuerung der Gewebe zu verhindern. Deshalb ist es wichtig, tierisches Eiweiß und andere säuernde Lebensmittel (Fleisch, Süßwaren) zu reduzieren.
Günstig auf den Heilungsprozess wirken alle Arten von pflanzlicher Kost. Mit Obst, Gemüse und Getreideprodukten werden dem Körper die meisten lebenswichtigen Vitalstoffe zugeführt. Die darin enthaltenen bioaktiven Pflanzenstoffe schützen vor Krebs und hemmen seine Entwicklung. Sie neutralisieren und entgiften Schadstoffe und stärken die Abwehr- und Selbstheilungskräfte. Sehr günstig auf das Darmmilieu wirken milchsaure, vergorene Produkte wie Sauerkraut, Gemüsesäfte, Joghurt, Kefir oder Brottrunk bzw. Fermentgetreide.
Mangelnde Bewegung führt außerdem dazu, dass der Darm träge wird und der Nahrungsbrei zu lange im Darm verbleibt. Mehrere Studien haben gezeigt (Meyerhardt JA/Arch Intern Med 2009 und Schmid D/Ann Oncol 2014), dass Sport die Überlebenschancen von Darmkrebspatienten verbessert und dass Männer, die sich vier Stunden in der Woche körperlich bewegen, nur halb so häufig an der Darmkrebs-Diagnose versterben. Daran sieht man, dass nicht immer Medikamente notwendig sind, um die Überlebenschancen zu verbessern. Zum Vergleich: Eine adjuvante Behandlung mit einer nebenwirkungsreichen Chemotherapie erreicht bei Darmkrebspatienten gerade mal einen Überlebensvorteil von maximal 20 Prozent. Daher ist die Empfehlung, als Krebspatient regelmäßig Sport zu treiben und sich gesund zu ernähren eine mehr als sinnvolle Ergänzung zur herkömmlichen Krebstherapie.

Vitamin D und Darmkrebs

Von einem Mitpatienten, der ebenfalls wie ich an Darmkrebs erkrankt ist, habe ich gehört, dass die zusätzliche Einnahme von Vitamin D empfehlenswert ist. Können Sie das bestätigen?

Auch wir halten die zusätzliche Einnahme von Vitamin D bei Krebspatienten insbesondere mit Darmtumoren für sinnvoll. Vitamin ist aber auch bei Gesunden empfehlenswert, da in den letzten Jahren immer deutlicher wird, dass Vitamin D nicht nur die Kalziumaufnahme und die Knochenmineralisierung fördert, sondern auch eine wichtige Rolle bei der Kontrolle des Tumorwachstums und der Entstehung von Tumoren spielt. Somit ist Vitamin D nicht nur ein „Knochenvitamin" zum Schutz vor Osteoporose, sondern auch ein „Anti-Krebs-Vitamin" zum Schutz vor Krebs. Besonders wurde dies nachgewiesen bei Brust- und Darmkrebs, aber auch bei anderen Tumorarten (vor allem Tumoren des Magen-Darm-Traktes). Hier konnten hohe Vitamin D-Konzentrationen im Blut nicht nur das Neuauftreten von Tumoren reduzieren, sondern auch bei vorhandenen Krebserkrankungen das Auftreten von Rezidiven oder Metastasen verhindern und die Überlebenschancen verbessern.
Hinzu kommt noch, dass viele Ärzte bei genauer Blutanalyse sehr häufig Mangelzustände und suboptimale Werte nicht nur bei Krebspatienten sondern auch bei Gesunden feststellen. So weiß man längst, dass das Risiko einer schlechten Versorgung mit Vitamin D ist nicht nur bei älteren Menschen gegeben ist. So kommt die Nationale Verzehrsstudie zu dem Ergebnis, dass insgesamt 82 Prozent der Männer und 91 Prozent der Frauen die empfohlene tägliche Zufuhr von Vitamin D nicht erreichen. Besonders kritisch ist dies in den Wintermonaten, da von Oktober bis April in unseren Breitengraden in der Haut durch die Sonne gar kein Vitamin D gebildet wird, selbst wenn die Sonne einmal scheinen sollte.
Experten bemerken außerdem, dass der „Normwert" von Vitamin D im Blut von 50 ng nicht optimal ist. So konnte in einer Studie gezeigt werden (Jenab M/British Medical Journal 2010), dass Menschen, die leicht über dem Normwert liegen, ihr Dickdarmkrebsrisiko um weitere 12%, bei optimalen Werten über 100 nmol/l um weitere 23% senken konnten. Vergleicht man Menschen mit der besten Versorgung mit denen mit einer sehr schlechten Ausstattung, so wird das Risiko für Dickdarmkrebs damit fast verdoppelt.
Da eine optimale Aufnahme über die Nahrung fast nicht möglich ist, sollten Krebspatienten zumindest im Winter zusätzlich Vitamin D-Präparate mit mindestens 2000 I.E. täglich einnehmen. In Abhängigkeit vom Vitamin D-Spiegel wird von Ernährungswissenschaftlern sogar eine tägliche Zufuhr von 2000-4000 I.E. Vitamin D empfohlen, um bei den meisten Krebspatienten die wünschenswerte Vitamin D-Konzentration von mehr als 75, besser 100 nmol/l zu erreichen. Veranlassen Sie daher am besten eine Bestimmung Ihres Vitamin D-Spiegels im Blut, um die optimale Dosierung festlegen zu können. Als sicher - auch ohne Überprüfung des Laborwertes - gelten übrigens Dosierungen bis 2000 I.E. (Kinder bis 1000 I.E.).
Weitere Informationen zu Vitamin D finden Sie auch im Therapieinfo der GfBK.

Abwarten beim Rektumkarzinom

Ich hatte einen bösartigen Tumor des Enddarms und möchte mich nicht operieren lassen, weil der Tumor nach der Erstbehandlung mit Chemotherapie und Bestrahlung verschwunden ist. Was raten Sie mir?

Es ist richtig zu überlegen, ob Sie unter diesen Umständen auch einfach nur abwarten können. Dies entspricht einem Vorgehen, das bisher nur bei Prostatakrebs angewandt wird. Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden zeigt, dass bei Patienten mit Enddarmkrebs eine Operation keinen Vorteil für das Zwei-Jahres-Überleben der Patienten brachte, wenn Chemotherapie und Bestrahlung der Tumor vollständig zum Verschwinden gebracht hatten (Maas M/J Clin Oncol 2011). Mit der Operation sind unangenehme Begleitfolgen verbunden, wie ein künstlicher Darmausgang. Wir empfehlen Ihnen, mit Ihrem weiterbehandelnden Arzt ausführlich über das weitere Vorgehen zu sprechen.

Biologische Maßnahmen bei Darmkrebs

Ich habe Darmkrebs und seit einem Jahr Lebermetastasen. Welche biologischen Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach sinnvoll, um die Leberfunktion zu stärken? Können diese Mittel auch schon während einer Chemotherapie angewandt werden?

Das Entgiftungsorgan Leber wird durch eine Chemotherapie, andere Medikamente und durch toxische Abbauprodukte von Tumorzellen stark belastet. In einer so geschwächten Leber können sich leichter Metastasen bilden als in einem voll funktionsfähigem Organ. Um die Leberfunktion zu stärken, raten wir daher auch bei Patienten ohne bereits aufgetretene Lebermetastasen zu einer Stärkung der Entgiftungsfunktion durch naturheilkundliche Maßnahmen. Es ist sinnvoll, diese Maßnahmen bereits während einer Chemotherapie anzuwenden, um der Leber bei der Entgiftung von Schadstoffen zu helfen.
Die Entgiftungsfunktion der Leber wird durch Präparate aus der Mariendistel oder Mittel mit dem Wirkstoff Ornithinaspartat gefördert. Diese Mittel können begleitend zur Chemotherapie und auch anschließend gegeben werden. Eine Übersäuerung der Gewebe lässt sich auch durch Bikarbonate (z. B. Bullrichs Vital® oder Dr. Jacob´s Basenpulver®) mindern. Leberstärkend wirken ferner einige Aufbau- oder Nahrungsergänzungsmittel, z.B. Kombucha-Tee, Papaya-Konzentrat (mit Kombucha-Teepilz) und Kräutertees, die in Reformhäusern angeboten werden. Wenn Obst, Gemüse und Getreideerzeugnisse schlecht vertragen werden, können „Cellagon-Aurum” oder ähnliche komplexe Nahrungsergänzungen helfen. Schließlich sind Bitterstoffe beispielsweise in der Fertigmischung der Bittersterntropfen®, welche über Ihre Apotheke erhältlich ist, empfehlenswert. Der Kräuterbitter basiert auf Rezepturen aus dem Umfeld Hildegard von Bingens. In ihm sind die Auszüge von die 18 Leber und Galle stärkenden Kräutern von Absinth, Engelwurz, Ingwer, Kümmel, Koriander über Scharfgabe, Galgant bis zu Majoran, Lavendel und Löwenzahn zu finden. Bei Bedenken wegen des Alkoholgehaltes der Tropfen kann auch das BitterKraft®Vitalpulver oder das Urbitter-Biogranulat® von Dr. Pandalis empfohlen werden.
Bei Vorliegen von Lebermetastasen ist außerdem auf eine entsprechende Ernährung zu achten. Bewährt hat sich eine Vollwertkost, bei der vorwiegend Gemüse, Obst und Getreideprodukte verzehrt werden. Zu viel tierisches Eiweiß und Fett (auch Quark) belasten die Leber unnötig. Genussmittel wie Süßwaren und Kaffee sind stark einzuschränken, Alkohol ist ganz zu meiden.

Pause während Chemotherapie?

Ich habe metastasierten Darmkrebs und möchte, da ich unter den Nebenwirkungen der laufenden Chemotherapie (FOLFOX) sehr leide, gerne eine Pause machen. Mein Arzt ist jedoch skeptisch, ob man nach 6 Gaben bereits eine Pause machen sollte. Was meinen Sie?

Um sich von therapiebedingten Nebenwirkungen zu erholen und die Lebensqualität zu verbessern, können durchaus auch längere Chemotherapiepausen sinnvoll sein. Bei fortgeschrittenem Darmkrebs konnte in mehreren Studien nachgewiesen werden, dass dies keinen Einfluss auf die Ansprechrate und das Überleben hat (Maughan TS et al./Lancet 361, 2003 und de Gramont A et al./J Clin Oncol 25; 2007). Viele der untersuchten Patienten sprachen sogar bei Wiederaufnahme der Chemotherapie erneut auf diese an. Daher können wir Sie in dem Wunsch nach einer Therapiepause bestärken. Schließlich ist es wichtig, dass sich der Organismus von therapiebedingten Nebenwirkungen erholen und wieder Kraft schöpfen kann. Wir halten dies im Übrigen auch bei anderen fortgeschrittenen oder metastasierten Tumorarten für empfehlenswert. Es ermöglicht neben längeren Erholungsphasen für die Patienten auch die Chance auf eine weitere Therapieoption, da die Patienten auch nach längerer Therapiepause erneut mit einem Ansprechen auf die Chemotherapie rechnen können.


Therapien

MMS – Desinfektion als Therapie?

Eine Kollegin aus meiner Selbsthilfegruppe ist davon überzeugt, dass MMS bei allen möglichen Erkrankungen hilft – auch bei Krebs. Was ist das überhaupt und was halten Sie davon?

Miracle Mineral Supplement (MMS) wird im Internet als Natriumchlorit (NaClO2) angeboten, nicht zu verwechseln mit Kochsalz (Natriumchlorid = NaCl). Durch Zugabe einer verdünnten Säure (Citronensäure oder Weinsteinsäure) entsteht daraus die eigentliche Wirksubstanz, das Chlordioxid (ClO4). Das ist eine hochreaktive instabile chemische Verbindung aus Chlor und Sauerstoff, auch Chlorbleiche genannt. In der Industrie wird diese Substanz als Desinfektionsmittel für Wasser, als Anti-Schimmelmittel sowie zum Bleichen genutzt. In den USA wird Chlordioxid außerdem zur Desinfektion von Hühnerfleisch (»Chlor-Hühnchen«) und anderem Fleisch verwendet.
Der Begründer dieser Therapie, der amerikanische Ingenieur Jim Humble, beschreibt MMS als ein wahres Wundermittel. Er infizierte sich während einer Dschungelexpedition mit Malaria. Statt die üblichen Medikamente zu schlucken, nahm Humble große Mengen Chlordioxids ein, wodurch die Krankheit angeblich binnen weniger Stunden ausheilte. Durch dieses persönliche Erlebnis vertritt er die Meinung, dass das Wasserdesinfektionsmittel in der Lage ist, schädliche Mikroben im Körper abzutöten. Unserer Meinung nach ist dieses Mittel in Schwimmbädern besser aufgehoben, wo es Fußpilzkeime im Wasser abtötet, als in der äußerlichen oder innerlichen Anwendung beim Menschen. Chlordioxid wirkt reizend auf Haut und Schleimhaut. Je nach Dosis können Verätzungen auftreten.
Selbst Jim Humble gibt zu bedenken, dass MMS vor allem bei geschwächten und sensiblen Menschen unangenehme Nebeneffekte hervorrufen kann, wie z. B. Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Kopfschmerzen. Dass eine äußerst sensible Dosierung entscheidend ist, haben US-Forscher von der Northwestern University in Chicago in Tests mit an Neurodermitis erkrankten Kindern und Jugendlichen gezeigt. Hier waren regelmäßige Bäder mit einer geringen Menge an Chlorbleiche ein einfaches Mittel, um den Hautzustand in kurzer Zeit zu verbessern und neuen Schüben vorzubeugen. Laut der Forscher soll die Bleiche wirken, indem sie Bakterien abtötet, darunter auch Staphylococcus aureus, der Erreger findet sich  häufig in den aufgekratzten Bereichen. Äußerlich angewandt soll stark verdünntes MMS auch bei Zahnabszessen, Infekten der Rachenschleimhaut, Kopfschuppen, Insektenstichen, Sonnenbrand und anderen Hautverbrennungen wirken. Viele Anhänger von Jim Humble postulieren, dass die orale Einnahme von MMS eine Vielzahl schwerer Erkrankungen heilen könne. Belege für diese Behauptung gibt es nicht. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat keine einzige Studie gefunden, die einen Nutzen von MMS bei Krebs oder sonstigen Erkrankungen belegt. Eine aktuelle Stellungnahme des BfArM weist darauf hin, dass Produkte mit Natriumchlorit bzw. das daraus entstehende Chlordioxid in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen sind. Außerdem warnt sie vor Verätzungen des Magen-Darm-Trakts sowie vor Erbrechen und Durchfall, wozu es bei hoch dosierter Einnahme des Mittels kommen kann.
Ungeklärt ist außerdem die Frage, was mit den gesunden Darmbakterien passiert, wenn man ein unspezifisch auf alle Mikroben abtötend wirkendes Desinfektionsmittel einsetzt.
Die bisherige Studienlage ist unzureichend, um eine Beurteilung der Substanz für die Anwendung am Patienten zu treffen. Die Aussagen über die angebliche Wirksamkeit bei Krebs beruhen lediglich auf Erfahrungsberichten und sind für uns nicht nachvollziehbar. Wir empfehlen daher, im Falle einer Einnahme achtsam und vorsichtig mit der Substanz umzugehen bzw. eher eine der bewährten Methoden zu bevorzugen.

Mit NADH die Energieproduktion anheizen?

In der Presse habe ich in letzter Zeit immer wieder etwas über NADH gelesen. Inwieweit kann die Gabe von NADH bei Krebserkrankungen hilfreich sein?

Wie man am besten die Kraftwerke der Zellen, die Mitochondrien, aktiviert, wird immer wieder heiß diskutiert. Es gibt inzwischen verschiedene Anbieter in diesem Bereich, angefangen von Glutathion über Coenzym Q 10 und seit Neuestem auch NADH. Letzteres ist schon seit Jahrzehnten im Blickfeld der Wissenschaft. Allerdings war es bisher nicht möglich, eine stabile Form von NADH zu entwickeln. Die Abkürzung NADH steht für Nikotinamid-Adenin-Dinucleotid-Hydrid. Diese Substanz ist in jeder menschlichen Zelle vorhanden. NADH ist die biologische Form von Wasserstoff und reagiert mit Sauerstoff unter Bildung von ATP und Wasser. Je mehr NADH eine Zelle zur Verfügung hat, desto mehr Energie kann sie produzieren, desto besser funktioniert sie und desto länger lebt sie. Die Hauptaufgabe von NADH ist die Energieübertragung und die gesteigerte Bildung von ATP. ATP ist der universelle und unmittelbar verfügbare Energieträger in jeder Zelle. NADH spielt dabei die Rolle des »Treibstoffes«, den die Zellen zur Energiegewinnung benötigen. Genau genommen ist NADH ein Coenzym, das wichtigste in unserem Organismus, das mehr als 1000 Stoffwechselreaktionen »entzündet«. Außerdem ist NADH als starkes Antioxidans zur Zell- und DNA-Reparatur notwendig. In Studien konnte gezeigt werden, dass NADH die Energie in Herzzellen erhöht, die Durchblutung aller Organe, insbesondere von Herz und Gehirn verbessert und den Cholesterinspiegel sowie zu hohen Blutdruck senkt. In einer Studie der Universität Berlin konnte nachgewiesen werden, dass NADH die Produktion von Interleukin-6, einem Botenstoff des Abwehrsystems, stimuliert. NADH kommt in allen lebenden Zellen von Tieren und Pflanzen vor. Daher findet sich NADH auch in unserer täglichen Nahrung, am meisten in Fleisch und Fisch. Davon können jedoch nur minimale Mengen aufgenommen werden, da NADH durch den sauren Magensaft sofort abgebaut wird. Zur Wirksamkeit bei Krebs gibt es bisher nur vielversprechende Erfahrungsberichte und Kasuistiken. Klinische Studien liegen noch nicht vor. Im Rahmen eines biologischen Gesamtkonzepts halten wir die Gabe von NADH für interessant und vertretbar. Wählen Sie Produkte, die NADH in stabilisierter Form enthalten. Stabilisierung heißt, der gasförmige Stoff wird gefestigt. Es hat sich die Anwendung von Lutschpastillen durchgesetzt, auch wenn sie nicht magensaftresistent sind. Alternativ kann man Filmtabletten schlucken, bei denen der Wirkstoff den Magen ungehindert passiert. Diese sind allerdings deutlich teurer. In Österreich haben Prof. Birkmayer (NADH® RAPID ENERGY: www.birkmayer-nadh.com) und Herr Kraxner (NX 10 NADHpur: www.vermonde.com) vergleichbare, qualitativ hochwertige Produkte entwickelt. Bei Krebspatienten werden bis zu 6 Pastillen am Tag empfohlen.

Ölkauen zur Entgiftung

Ich habe infolge einer chemotherapeutischen Behandlung immer wiederkehrende Entzündungen der Schleimhaut im Mundbereich. Nun habe ich vom sogenannten Ölkauen gehört? Wie kann ich dies anwenden und was kann ich lokal sonst noch für meine Schleimhäute tun?

Das Ölkauen beziehungsweise Ölziehen kann bei Krebserkrankungen angewandt werden und dazu beitragen, den Organismus nach belastenden Therapien zu entgiften. Zusätzlich hilft es bei Schleimhautproblemen im Mundbereich infolge einer Chemo- oder Strahlentherapie und ist insbesondere bei Tumoren im Mund-Rachen-Raum empfehlenswert.
Nach Dr. Karach besteht der Grundsatz dieses Verfahrens darin, einfach Öl in der Mundhöhle zu schlürfen und zu saugen. Während dieses Vorgangs wird der Stoffwechsel angeregt. Positive lokale Effekte zeigen sich auch in der Festigung lockerer Zähne, dem Unterbinden von Zahnfleischbluten und dem sichtbaren Weißwerden der Zähne.
So wird das Ölkauen durchgeführt: Nehmen Sie mindestens einen Teelöffel, höchstens einen Esslöffel eines Pflanzenöls in den Mund. Optimal geeignet ist Sonnenblumenöl. 15 bis 20 Minuten lang wird das Öl langsam gesaugt, gespült und durch die Zähne gesogen. Das macht man am besten morgens vor dem Frühstück. Will man die Wirkung verstärken, wird das Ölkauen dreimal täglich vor dem Essen und mit leerem Magen wiederholt. Schlucken Sie das Öl nicht hinunter! Wenn das anfangs dickflüssige Öl dünnflüssiger wird, soll es ausgespuckt werden. Die Flüssigkeit ist dann so weiß wie Milch. Falls sie noch gelb sein sollte, war das Spülen von zu kurzer Dauer. Nach dem Ausspucken ist es wichtig, dass man die Mundhöhle mehrmals gründlich mit Wasser spült die Zähne putzt und das Waschbecken reinigt, denn in der Flüssigkeit befinden sich große Mengen von Bakterien, verschiedene Krankheitserreger und andere schädliche Substanzen.
Neben dem Ölkauen können Sie lokal zum Beispiel vor dem Herunterschlucken mit Selen-Trinkampullen im Mund spülen bzw. etwas hin -und her kauen. Außerdem ist wie bei jedem Krebspatienten eine Sanierung der Zähne und insbesondere eine Entfernung von Amalgamfüllungen empfehlenswert (siehe auch  GfBK-Info: Ganzheitliche Zahnmedizin).
Beachten Sie bitte, dass während einer Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich das Ölkauen nicht angewandt werden sollte, da immer Ölreste auf der Mundschleimhaut verbleiben und diese durch die Strahlentherapie ähnlich wie in einer Bratpfanne überhitzt werden können.

Bisphosphonate kritisch gesehen

In der Presse habe ich gelesen, dass die Gabe von Bisphosphonaten wegen möglicher Risiken nicht unproblematisch sei. Was können Sie dazu sagen?

Bisphosphonate sind Medikamente, die zur Behandlung von Osteoporose und darüber hinaus zur Behandlung von Knochenmetastasen eingesetzt werden. Es handelt sich um Phosphorverbindungen, die, einmal im Knochen angelangt, viele Jahre dort verbleiben und den Knochenabbau verhindern. Außerdem hemmen sie das Anhaften von Tumorzellen im Knochen, so dass Knochenmetastasen (allerdings nur bei Frauen nach den Wechseljahren) verhindert werden können.
Doch diese Substanzen sind in der Tat nicht ohne Risiken: So können Knochenschmerzen, Gelenkschmerzen oder Fieber auftreten. In seltenen Fällen (5-10 %) können Bisphosphonate sogar Knochenentzündungen und -defekte im Kieferbereich hervorrufen. Das Risiko dafür ist erhöht, wenn das Immunsystem sehr geschwächt ist, gleichzeitig Behandlungen mit Chemotherapie oder Cortison nötig sind oder wenn bereits Entzündungen im Mundraum bestehen. Insbesondere chronische Zahnfleischentzündungen mit Taschenbildung und vielen Bakterien sind gefährlich. Das Risiko scheint auch abhängig von der Art des Bisphosphonats zu sein, der Dosierung und der Dauer der Therapie. Frauen, deren Osteoporose mit Bisphosphonaten behandelt wird, in der Regel mit Tabletten, haben ein viel geringeres Risiko als Tumorpatienten, die meistens mit Infusionen behandelt werden.
Auch vor einer anderen Nebenwirkung der Bisphosphonate wird inzwischen gewarnt: So können bei längerfristiger Einnahme in etwa 5 % sogenannte atypische Frakturen vor allem am Oberschenkel auftreten. Diese traten bei Frauen, die orale Bisphosphonate wegen Osteoporose über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren eingenommen hatten, fast dreimal häufiger auf als bei denen, die nur etwa drei Monate Bisphosphonate angewendet hatten (Park-Wyllie L/JAMA 2011). Und zu guter Letzt wird das Auftreten von Krebs der Speiseröhre immer häufiger in Verbindung mit einer Bisphosphonat-Gabe in Tablettenform gebracht. Patienten einer Studie, die zehn oder mehr Rezepte für orale Bisphosphonate erhalten hatten, erkrankten mehr als doppelt so häufig an einem Krebs der Speiseröhre verglichen zur Placebo-Gruppe ohne Bisphosphonate (Cardwell C/JAMA 2010).
Frauen, die Osteoporose, also einem Knochenschwund vorbeugen möchten, raten wir eher zu einfacheren und nebenwirkungsfreien Maßnahmen, wie z.B. die Gabe von Vitamin D und Kalzium, eine effektive Säure-Basen-Regulation sowie ausreichend Bewegung.

Cimetidin zur Verhütung von Metastasen?

Von Bekannten habe ich gehört, dass in Amerika ein bestimmtes Magenmittel zur Verhütung von Metastasen bei Krebserkrankungen im Magen-Darmtrakt eingesetzt wird. Können Sie mir hierzu näheres sagen?

Wahrscheinlich ist das als Magenmittel eingesetzte Cimetidin (bekannt als Tagamet®) gemeint, das in einigen Studien erstaunliche Ergebnisse auch bei Krebspatienten gezeigt hat. Besonders gut wurde dies schon bei Patienten mit Tumoren des Magen-Darm-Traktes untersucht.
Cimetidin reduziert die Bildung von Magensäure, indem es die Histamin-(H2)-Rezeptoren an den säurebildenden Zellen der Magenschleimhaut blockiert und dadurch nicht mehr genügend Magensäure gebildet wird. Daher wird Cimetidin häufig zur Behandlung von Magenbeschwerden verschrieben. Es hat aber auch noch andere Wirkungsweisen: Bereits 1988 wurde eine interessante Beobachtung gemacht, dass Patienten mit einem Magenkarzinom, die zusätzlich mit Cimetidin behandelt wurden, ein besseres und längeres Ansprechen auf die Chemotherapie hatten als Patienten, die kein Cimetidin erhielten (Tonnesen H/Lancet 1988). Nach dieser ersten Studie bestätigten auch andere klinische Studien die Anti-Tumor-Wirkung vor allem bei Darmkrebs-Betroffenen. Hier zwei Beispiele: In einer 1994 durchgeführten Studie erhielten Patienten mit Darmkrebs 7 Tage vor und 2 Tage nach der Operation Cimetidin mit 2 x 400 mg als Tablette. Diese Maßnahme allein reduzierte die 3-Jahressterblichkeit von 41% auf 7% (Adams WJ/Lancet 1994). Eine japanische Studie aus dem Jahre 2002 zeigte bei Patienten mit Darmkrebs,die mit Cimetidin behandelt wurden, dass die Patienten, die postoperativ zur Chemotherapie 800 mg Cimetidin erhielten, eine 10 Jahres-Überlebenszeit von 85% aufwiesen, die Placebogruppe dagegen nur von 50% (Matsumoto S/Br J Cancer 2002). Selbst bei den Glioblastomen, einer Gruppe von sehr aggressiv wachsenden Hirntumoren, zeigte Cimetidin bessere Überlebensraten (Lefranc F/Int J Oncology 2006).
Möglicher Hintergrund der Wirkungsweise von Cimetidin könnte die Beeinflussung des Histaminrezeptors sein, da viele Tumorarten, besonders nach chirurgischen Eingriffen, Histamin freisetzen, was wiederum eine Schwächung des Immunsystems bewirkt.
Leider ist Cimetidin bei vielen Ärzten nicht für dessen krebshemmende Wirkung bekannt. Und da man das Präparat nicht mehr patentieren kann, fehlen weitere aussagekräftige Studien. Unserer Ansicht nach stellt Cimetidin möglicherweise bei Patienten mit Magen- oder Darmkrebs vor und nach Operation ein geeignetes Medikament dar, um das Abwehrsystem zu unterstützen. Bei anderen Tumorarten ist ein ähnlicher Effekt denkbar, aber noch nicht in Studien untersucht worden.
Ob Cimetidin allerdings besser als andere natürlich vorkommende ähnlich wirksame Stoffe ist, muss offen bleiben. Da Forschungsergebnisse zeigen, dass die positiven Effekte vor allem auf die antientzündlichen Wirkungen von Cimetidin zurückzuführen ist, könnte die Gabe von pflanzlichen Entzündungshemmern, wie z.B. Omega-3-Fettsäuren, Gelbwurz (Kurkuma) oder Weihrauch (Bowelliasäuren) durchaus eine Alternative zum Cimetidin darstellen.

Redifferenzierungstherapie – neue Hoffnung bei fortgeschrittenem Krebsleiden?

Nach einer Darmkrebs-OP vor fünf Jahren mit nachfolgender Chemotherapie wegen befallener Lymphknoten wurden bei mir Anfang 2005 Lebermetastasen diagnostiziert. Trotz umfangreicher therapeutischer Bemühungen mit LITT (Laser induzierter Thermotherapie) und erneuter Chemotherapie hat die Lebermetastasierung leider zugenommen. Nun setze ich meine ganze Hoffnung auf die „Redifferenzierungstherapie nach Dr. Kremer”. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Immer wieder werden neue interessante Behandlungskonzepte in den Medien zur Diskussion gestellt und wecken natürlich das Interesse von betroffenen Krebskranken. Im Zellsymbiose-Konzept von Dr. Kremer wurden 2001 sechs besonders bedeutsame Eigenschaften von Krebszellen aufgeführt, die nach seinen Erkenntnissen einen dauerhaften Therapieerfolg erschweren:

  • Zellteilung auch ohne externe Wachstumssignale,
  • Wachstum trotz Stopp-Signal der Nachbarzelle,
  • Umgehen des normalen Selbstzerstörungsprogramms ,
  • Stimulation der Neubildung von Blutgefäßen,
  • Gewinn potenzieller Unsterblichkeit sowie
  • Invasion und Bildung von metastasierenden Tochterzellen.

Aus diesen Erkenntnissen und daraus abgeleiteten biochemischen Reaktionsketten im Organismus entwickelte Dr. Kremer seine sogenannte Redifferenzierungstherapie. Vereinfacht ausgedrückt soll aufgrund seiner Theorie eine Krebszelle wieder in eine normale Körperzelle zurückdifferenziert werden.
Die therapeutischen Vorgaben beinhalten dabei hauptsächlich Nahrungsergänzungsmittel bzw. antioxidativ wirksame Substanzen („Radikalenfänger”) wie z. B. Quercetin, Curcumin, Glutathion und als Enzymmuster Bromelain, die in der komplementären Onkologie schon zum Teil seit längerem angewandt werden.
Präparate und Originaldosierungsvorgaben nach Dr. Kremer können über folgende Adresse nachgefragt werden: www.mecoline.de. Bitte bedenken Sie aber, dass es sich hier nicht um eine neutrale Informationsstelle, sondern um Herstellerangaben handelt.
Wer mehr über die Redifferenzierungstherapie nachlesen will, kann dies im Fachbuch von Dr. Kremer: „Die stille Revolution der Krebs- und Aids-Medizin”, erschienen im Ehlers-Verlag, ISBN 3-934196-14-6, tun.
Von Seiten der GfBK fällt eine Nutzen-Risiko-Bewertung der eingesetzten Präparate zurückhaltend aus. Trotz einiger positiver klinischer Untersuchungen für einzelne Substanzen liegen das Gesamtkonzept betreffend weder ausreichend wissenschaftlich aussagefähige Ergebnisse oder genügend überzeugende Erfahrungswerte von ärztlichen Anwendern vor. Auch wenn das gedankliche Modell dieser Therapieform für uns durchaus plausibel klingt und Sie keine schädlichen Nebenwirkungen befürchten müssen, ist die Anwendung im Einzelfall genau zu prüfen. In Ihrer speziellen Situation empfehlen wir Ihnen eine Beratung durch den ärztlichen Beratungsdienst der GfBK, aus dem Sie bewährte biologische Therapievorgaben in Ihrem Erkrankungsfall erwarten können.

 

Bachblüten

Nach einer Brustkrebs-Operation unterziehe ich mich aktuell einer Strahlentherapie. Da ich durch die Erkrankung und die Therapie seelisch und körperlich belastet bin, wurde mir von einer Heilpraktikerin unterstützend die Bach-Blütentherapie empfohlen. Was versteht man darunter und inwiefern kann mir diese Therapie helfen? 

Die Bach-Blütentherapie basiert auf den Erkenntnissen des englisches Arztes Edward Bach.Demnach können homöopathische Aufbereitungen wässriger Auszüge von 38 verschiedenen Blüten wild wachsender Pflanzen und Bäume bei der Auflösung seelischer Disharmonien und blockierter Energiepotentiale unterstützend auf den Gesamtorganismus wirken. Er ging davon aus, dass fast alle Patienten in einer jeweils typisch-individuellen Gemütshaltung auf Krankheiten reagierten. Hilfe zur Selbsthilfe ist der Kerngedanke der Bachblütentherapie. Im Gegensatz zu  homöopathischen Hochpotenzen, die nur von erfahrenen Homöopathen verordnet werden sollten, sind Bachblüten völlig ungefährlich und heftige Reaktionen werden nicht berichtet.  Als bewährte Kombination in Ihrem Fall käme eine Mischung der Blüten Nr. 2 (Aspen) und Nr. 20 (Mimulus) gegen Ängste, die Nr.1 (Agrimony) zur inneren Harmonisierung,  die Nr. 10 (Crab Apple) als Reinigungsblüte, die Nr. 23 (Olive) und 37 (Wild Rose) gegen körperliche und seelische Erschöpfung und die Nr. 35 (White Chestnut) gegen ständiges Gedankenkreisen in Frage. Lassen Sie sich eine solche Mischung von Ihrer Heilpraktikerin zusammenstellen und nehmen Sie täglich 4 x 4 Tropfen direkt aus der Flasche ein. Sie können relativ rasch eine mitunter deutliche Verbesserung Ihres Allgemeinbefindens feststellen. Die Tropfen können unproblematisch zusätzlich zu anderen Medikamenten eingenommen werden, Nebenwirkungen der Bach-Blütentherapie sind nicht bekannt.

Wo finde ich einen Arzt?

Nach einer Ovarial-Ca-Erkrankung mit Operation und Chemotherapie möchte ich gerne langfristig konsequent ein biologisch-komplementäres Therapieprogramm durchführen. Die ausführlichen Detailinformationen Ihrer Gesellschaft haben mich darin bestärkt und sehr überzeugt. Nun bin ich auf der Suche nach einer geeigneten ambulanten Versorgung, d. h. einer kompetenten Praxis, die mich bei der Umsetzung Ihrer Empfehlungen unterstützt. Ist es sinnvoll, eine onkologische Schwerpunktpraxis bzw. eine Onkologin oder einen Onkologen damit zu betrauen?

Unsere biologischen Therapieempfehlungen umzusetzen bedeutet zunächst einmal, dass Sie recht viel selbständig durchführen können. Dennoch ist die Anbindung an eine dafür aufgeschlossene und kompetente ärztlich Praxis sinnvoll und zweckmäßig. Neben Rezepten und ärztlichen Bescheinigungen benötigen Sie bei verschiedenen Immuntherapien in gewissen Abständen auch Laboruntersuchungen über Ihr Immunsystems. Die Realität ist leider, dass in den onkologischen Schwerpunktpraxen und bei Ärztinnen/Ärzten mit der Zusatzbezeichnung Onkologie immer noch zu häufig ein ausschließlich schulmedizinisches Vorgehen befürwortet wird und unsere Vorschläge sehr prinzipiell abgelehnt werden. Im Hinblick auf die Umsetzung unserer Empfehlungen ist es daher oft besser eine Ärztin oder einen Arzt mit der Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren aufzusuchen.  Am wichtigsten allerdings ist es - unabhängig davon welche Ausrichtung eine Praxis hat -, dass Sie zu Ihrem betreuenden Arzt ein gutes Vertrauensverhältnis haben und sich als Mensch mit Leib und Seele angenommen fühlen. Nur wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin all Ihren Fragen mit Offenheit begegnet und Sie sich nicht nur als ein Fall betrachtet fühlen ist eine gute Vertrauensbasis möglich. Hier finden Sie die Therapeutensuche auf unserer Internetseite.

 

Wie lange dauert die Therapie?

Vor einem Jahr hatte ich eine Totaloperation der Prostata. Seither führe ich konsequent nach Empfehlungen der GfBK ein "Biologisches Therapiekonzept" mit verschiedenen Schwerpunkten durch. Wie lange ist ein solches Programm eigentlich angesagt?

Diese Fragestellung lässt sich keinesfalls pauschal beantworten. Die beiden ersten Jahre nach Diagnosestellung einer Tumorerkrankung gelten allgemein als Zeitraum, in dem am häufigsten ein Rezidiv (Krankheitsrückfall) oder eine Metastasierung (Tochtergeschwülste) auftreten können. Daher sollten Sie Ihr biologisches Programm zumindest in diesem Zeitraum konsequent durchführen. Danach sind je nach individueller Bewertung, insbesondere was den bisherigen Verlauf der Erkrankung, die therapeutischen Massnahmen der konventionellen Medizin und Ihren aktuellen Allgemeinzustand betrifft, Veränderungen des Therapiekonzeptes sinnvoll. Hierbei wird sicher eine Reduzierung der biologischen Massnahmen im Sinne einer verstärkten Intervalltherapie und längeren Behandlungspausen zu diskutieren sein. Bei gewünschten Therapieänderungen empfehlen wir Ihnen diese in Absprache mit Ihrem/r Therapeuten/-in oder dem ärztlichen Beratungsdienst der GfBK vorzunehmen.

Palliative Begleitung

Mein Vater (75 Jahre alt) wurde wegen eines inoperablen Bronchial-Carcinoms (Lungenkrebs) mit einer Chemotherapie behandelt. Nach zwei Zyklen traten derart massive Nebenwirkungen auf, dass die Chemotherapie abgebrochen wurde. Was können wir im häuslichen Umfeld noch für ihn tun?

Die ärztliche Versorgung im häuslichen Umfeld sollte eine stets ausreichende Schmerztherapie beinhalten sowie bei Problemen in der Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme eine entsprechende Nahrungsergänzung durch Infusionen umfassen. Weiterhin können über eine Sauerstoff-Inhalationstherapie, eine täglich praktizierte Misteltherapie und über den Einsatz von Bach-Blüten-Notfalltropfen (Rescuetropfen) die Lebensqualität und die Psyche des Erkrankten entscheidend stabilisiert werden. Ein einfühlsamer Fußreflexzonentherapeut kann auch sinnvoll zur Entspannung Ihres Vaters beitragen. Schließlich sollten Sie nicht vergessen, dass geeignete Musik, die Ihren Vater anspricht, sowohl Angstgefühle vermindern wie auch spirituelle Dimensionen öffnen kann. Ein mögliches Therapiekonzept "Häusliche Versorgung Tumorerkrankter im Endstadium" können Sie auf Anfrage bei der Gesellschaft für biologische Krebsabwehr erhalten.

Anthroposophische Medizin

Durch meine Kinder habe ich sehr positive Erfahrungen mit der Anthroposophischen Medizin gemacht. Nun bin ich selbst an einem Ovarialcarcinom erkrankt, wurde inzwischen operiert und soll in Bälde eine Chemotherapie durchführen. Welche Meinung haben Sie über die anthroposophische Medizin insbesondere im Hinblick auf Tumorerkrankungen?

Die GfBK sieht die anthroposophische Medizin als wichtige Wegbereiterin für ein ganzheitliches Denken in der Medizin. Im Bereich der Tumorerkrankungen verdanken wir ihr die Misteltherapie als inzwischen am häufigsten angewandten biologischen Therapieverfahren, insbesondere zur Aktivierung des Immunsystems und Verbesserung der Lebensqualität. Die künstlerischen Therapien Plastizieren, Malen, Musizieren wie auch die Eutonie sind wichtige Methoden zur Harmonisierung der Seele und somit zur Stärkung der Selbstheilungskräfte. Nur die Ernährungsratschläge der anthroposophischen Medizin werden von uns eher skeptisch gesehen, da gerade Tomaten und Kartoffeln aufgrund ihres Reichtums an sekundären Pflanzenstoffen sehr gesundheitsfördernd sind. Bei stationärer Behandlung in einer anthroposophischen Kliniken erfährt die (der) Erkrankte eine verstärkte persönliche Zuwendung und Betreuung, ausgerichtet an dem Menschenbild des Begründers der Anthroposophie Rudolf Steiner. Adressen von anthroposophischen Kliniken finden Sie unter "Kliniksuche".

Wundermittel bei Krebs

Eine Bekannte von mir ist an Darmkrebs mit Lebermetastasen erkrankt. Von Anfang an versuchte ich, sie für ein ganzheitliches Therapiekonzept zu interessieren. Leider bisher ohne Erfolg. Stattdessen sucht sie täglich im Internet, in Fernsehsendungen und in der Presse nach Wundertherapien, die ihre Prognose entscheidend verbessern sollen. Wie bewerten Sie diese Einstellung?

Wir registrieren seit geraumer Zeit leider eine Entwicklung, die Ihren Schilderungen entspricht. Statt ein sinnvolles und ausgewogenes biologisches Therapiekonzept in Ergänzung der schulmedizinischen Therapie durchzuführen, verwenden viele Erkrankte zu viel Zeit, Energie und Geld, um verschiedene sogenannte Wundertherapien aufzuspüren und durchzuführen. Viel hilft nicht immer viel! Bei jeder Tumorerkrankung und in jedem Stadium besteht die Möglichkeit einer Orientierungshilfe über sinnvolle und bewährte Therapiemöglichkeiten durch die Gesellschaft für biologische Krebsabwehr (GfBK). Versuchen Sie, Ihre Bekannte zu motivieren, den ärztlichen Beratungsdienst der GfBK zu konsultieren. Die Beratungszeiten sind montags bis donnerstags von 9.30 bis 16.00 Uhr, freitags 9.30 bis 15.00 Uhr und mittwochs 9.30 bis 19.00 Uhr. 


Ernährung

Ernährung bei Gewichtsverlust

Ich bin Darmkrebspatient und habe in der Zeit nach der Operation stark an Gewicht verloren. Ich bekomme momentan eine Chemotherapie und habe Angst, dass ich darunter noch mehr an Gewicht verliere. Was kann ich dagegen tun?

Um eine Gewichtszunahme zu erreichen, müssen Sie nicht mehr Nahrungsmengen essen. Reichern Sie ruhig mit Kalorien an; gehen Sie üppiger um mit Sahne, Butter und hochwertigen Ölen um und wählen Sie Sahnekäse statt Magerkäse. Gönnen Sie sich öfter gemixte Säfte, Milchmix- oder Quarkgetränke, die mit Mandelmus oder Sanddorn angereichert sein können oder mit Honig gesüßt werden. Als Zwischenmahlzeit eigne sich auch sehr gut selbst gemixte grüne Smoothies mit einem Schuß Pflanzenöl.
Bei Appetitlosigkeit ist es ratsam, lieber häufiger kleine Mahlzeiten oder Häppchen zu sich zu nehmen und den Appetit vorab mit Artischockencocktail, Aperitif oder gut gewürzten Suppen anzuregen. Bei Übelkeit und Brechreiz kann auch der konsequente Einsatz so genannter „Bitterstoffe" helfen wie z. B. „Amara-Tropfen" (Weleda), „Enzian-Magentonikum" (Wala) oder „Bitterstern-Mixtur, jeweils 15 Minuten vor dem Essen einzunehmen.
Als zusätzliche Nahrungsergänzung haben sich Omega-3-Fettsäuren und bei ausgeprägter körperlicher Schwäche auch die Gabe von hoch dosiertem L-Carnitin, einer vitaminähnlichen Substanz bewährt. Wichtig ist dabei, dass mit 3g täglich ausreichend hoch dosiert wird.
Sprechen Sie auch mit Ihrem behandelnden Arzt darüber, ob eine zusätzliche Ernährung über die Venen sinnvoll wäre. Denn eine Heidelberger Forschergruppe konnte im Jahr 2010 zeigen, dass sich eine sogenannte parenterale Ernährung positiv auf den Gesundheitszustand und sogar auf das Überleben von Darmkrebspatienten auswirken kann (Hasenberg T/Colorectal 2010).

Milch und Krebserkrankung

Von einer Bekannten habe ich gehört, dass Milchprodukte bei Krebs nicht gut sein sollen. Was empfehlen Sie Patienten diesbezüglich? Schließlich soll Milch doch Osteoporose vorbeugen.

Milchprodukte decken ein Viertel unseres täglichen Nahrungsbedarfes, damit verbrauchen die Deutschen ein Vielfaches mehr Milch als andere Länder, wie z. B. die Asiaten, bei denen Milchprodukte so gut wie nicht verzehrt werden. Hierzulande wird uns hingegen – auch aufgrund der Überproduktion – weiß gemacht, dass Milch wegen seines hohen Kalziumgehaltes vor Osteoporose schützt und daher ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Ernährung ist. Allerdings wird dabei häufig nicht beachtet, dass in Japan oder China, wo traditionell wenig bis gar keine Milch getrunken wird, die Osteoporoseraten viel geringer als in westeuropäischen Ländern sind. Somit ist es schlüssig, dass eine ausgewogene Ernährung mit viel pflanzlichen Lebensmitteln, mit wenig oder gar keinen Milchprodukten, die Kalziumbilanz ebenso sichern kann. Denn es gibt viele pflanzliche Lebensmittel, in denen der Mineralstoff in nennenswerten Mengen enthalten ist, so z.B. in grünem Gemüse, Grünkohl, Fenchel, Brokkoli, frischen Kräutern, Hülsenfrüchten, Haferflocken sowie in kalziumhaltigem Mineralwasser. Übrigens schützen auch andere Faktoren vor Knochenschwäche, beispielsweise Bewegung und eine durch mehr Sonneneinstrahlung gesteigerte körpereigene Vitamin-D-Produktion.
Eines wird bei der Diskussion, wie man dem Knochenschwund, der sog. Osteoporose vorbeugen kann, häufig vergessen, dass z.B. Fast Food, süße Mixdrinks, Cola, Fleisch, Wurstwaren und süße Backwaren einen besonders hohen Anteil von Phosphat haben und dadurch die Kalziumaufnahme hemmen. Auch andere Substanzen hemmen die Aufnahme von Kalzium: so z. B. Oxalsäure in Rhabarber und Spinat, Kakao und schwarzem Tee; Phytin im Getreide sowie Koffein. Und auch bei der Verdauung von tierischem Eiweiß wird viel Kalzium verbraucht, so dass bei Menschen, die sehr viel Fleisch essen, Kalzium dem Knochen nicht mehr zur Verfügung steht.
Damit der Körper Kalzium aufnehmen kann, wird zudem ein anderer Mineralstoff, das Magnesium benötigt. Magnesium ist jedoch in Milch und Milchprodukte nur in geringen Mengen enthalten. Ohne genügend Magnesium wird Kalzium z. B. an den Gefäßwänden abgelagert, die zu Gefäßverkalkungen werden. Diese Gefahr der sog. arteriosklerotischen Plaquebildung bestätigt sich auch in aktuellen Studien, wonach eine zu hohe Kalziumaufnahme das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, wie Herzinfarkt und Schlaganfälle erhöht.
Viele Menschen wissen außerdem nicht, dass es mit der Qualität unserer Milch nicht immer zum Besten bestellt ist. So ist die Milch seit den 60er Jahren längst zu einem industriell verarbeiteten Nahrungsmittel geworden, da die Milch wärmebehandelt und homogenisiert wird. Einige Ernährungswissenschaftler warnen sogar davor, dass durch die Homogenisierung die Molekülstruktur von Fett und Eiweiß verändert werden könne, was wiederum den Verdauungstrakt stören kann.
Häufig wird die Frage gestellt, ob Biomilch besser ist. Dies kann bejaht werden, da Biomilch keine Schadstoffe und auch mehr von den gesunden Omega-3-Fettsäuren enthält, da die „Bio-Kühe" viel Grünfutter bekommen.
Gerade bei Krebs ist es wichtig, konventionell hergestellte Milch eher zu meiden, da viele Kühe vorbeugend Antibiotika und Wachstumshormone erhalten, die dann auch in der Milch zu finden sind. So zeigen beispielsweise Untersuchungen, dass das Risiko für Prostatakrebs infolge des Milchverzehrs eher ansteigt, und zwar um etwa 30 Prozent, verglichen mit Männern mit geringem Milchkonsum. Daher raten wir insbesondere bei hormonabhängigen Tumoren zu einem eher eingeschränkten Konsum von Milch und Milchprodukten und dem Ausweichen auf Biomilch, Ziegen- oder Schafsmilch. Insbesondere Ziegen und Schafe weiden auf der Wiese, essen daher vor allem Gras und werden nicht mit Kraftfutter gefüttert.
Milch ist für manche auch deshalb kein empfehlenswertes Nahrungsmittel, da etwa 15 Prozent der Menschen keine Milch vertragen. Dabei fehlt den Betroffenen ein Enzym, das den Milchzucker in seine verdaulichen Bestandteile zerlegt. Ohne das Enzym gelangen die Kohlenhydrate unverdaut in den Dickdarm und werden von Darmbakterien vergoren. Völlegefühl, Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall sowie erhöhte Infektanfälligkeit oder Sodbrennen sind die Folge. Diese sog. Laktose-Intoleranz kann sich während oder nach einer Chemotherapie noch verstärken bzw. neu auftreten, weshalb neu aufgetretene Beschwerden wie Völlegefühl, Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Sodbrennen auch Folge einer Milchunverträglichkeit sein können und spätestens dann Anlass dazu geben sollten, den Milchkonsum zu reduzieren.

Kaffee und Grüner Tee beeinflussen den Hormonspiegel

Ich habe gelesen, dass Kaffee und Grüner Tee Einfluss auf Hormonspiegel haben soll. Können Sie mir darüber etwas sagen?

Zu dieser Frage wurde erst vor kurzem eine amerikanische Studie veröffentlicht (Schliep KC/American Journal of Clinical Nutrition 2012). Dabei wurden 259 Frauen, die sich vor den Wechseljahren befanden, über einen Zeitraum von zwei Monatszyklen bis zu drei Mal wöchentlich eine Blutprobe abgenommen und ein ausführlicher Fragebogen zur Nahrungszufuhr in den letzten 24 Stunden ausgefüllt. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass zwei Tassen Kaffee am Tag den Östrogenspiegel bei Asiatinnen und afroamerikanischen Frauen steigern, während bei weißen US-Amerikanerinnen die gegenteilige Wirkung eintritt und der Östrogenspiegel gesenkt wird.
Allerdings waren die Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen nur auf das Koffein im Kaffee beschränkt. Alle anderen koffeinhaltigen Getränke und Grüner Tee steigerten bei allen Frauen den Östrogengehalt. Die Ausschläge waren jedoch gering und lösten keine Zyklusstörungen aus. Momentan ist es daher noch zu früh, um eindeutige Empfehlungen auszusprechen, zumal bisherige Studien eher positive Wirkungen von Kaffee und grünem Tee aufgezeigt haben. Während bei Kaffee vor allem der moderate Genuss von 1-2 Tassen positive Effekte hat, darf es beim Grünen Tee wohl eher etwas mehr sein. So zeigte eine Studie, dass durch den Genuss von grünem Tee (allerdings mindestens fünf Tassen täglich) das Brustkrebsrisiko um 22 Prozent gesenkt werden konnte (Sun C/Carcinogenesis 2006). Eine andere Studie zeigte einen Schutz vor Krebserkrankungen sogar erst ab dem täglichen Genuss von 10 Tassen Grünem Tee (Nakachi K/Biofactors 2000). Andere Forscher wiederum schränken ein, dass wer mehr als zehn Tassen grünen Tee am Tag trinkt, dadurch seine Leber und Nieren schädigen könnte (Lambert Y/Chem. Res. Toxicol. 2007). Allerdings gilt auch für andere Erkrankungen, wie z.B. Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose, dass man auch hier zur Vorbeugung bzw. Behandlung größere Mengen am Tag zu sich nehmen müsste. Insofern kann man aufgrund der bisherigen Forschungsergebnisse festhalten, dass Mengen zwischen 5 und 10 Tassen (8 Tassen entsprechen einem Liter Tee) bei Krebserkrankten am meisten gesundheitsfördernd wirken und völlig unbedenklich sind. Für die Vorbeugung bei Gesunden reichen wahrscheinlich vier Tassen kräftiger Tee völlig aus.
Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Grünen Tees sind übrigens neben dem anregenden Koffein (bzw. Teein) Wirkstoffe aus der Gruppe der Catechine, deren bekanntester Vertreter das Epigallocatechingallat (EGCG) ist, das für die krebshemmende Wirkung verantwortlich sein soll. Catechine geben übrigens dem Grünen Tee seinen bitteren Geschmack, der sich erst nach längerem Ziehen bemerkbar macht.
Das EGCG kommt allerdings in verschiedenen Teesorten in unterschiedlichen Konzentrationen vor. Generell sollen die japanischen Grüntees hochwertiger als die chinesischen sein. Auch wenn alle japanischen Produkte vor der Einfuhr in die EU einer Kontrolle unterliegen, sollte man dennoch kritisch sein, was die Unbedenklichkeit nach dem AKW-Unfall in Japan angeht. Allgemein kann man sagen, dass der Sencha-Tee wohl die höchsten Konzentrationen an EGCG enthält. Achten Sie generell darauf, dass Sie Produkte verwenden, die aus ökologischer Landwirtschaft kommen. Am besten, Sie verwenden „rückstandskontrolierte" Tees.
Im Gegensatz zu anderen Teesorten sollte man beim Aufbrühen von Grünem Tee nur Wasser mit einer Temperatur von 70 bis 80 °C verwenden, da der Tee sonst zu bitter schmeckt. Normalerweise lässt man das abgekochte Wasser etwa 5 Minuten stehen, bevor man es für den Teeaufguss nimmt. Um maximale Wirkstoffkonzentrationen im Teeaufguss zu erhalten, ist es am besten, den Tee für ca. 8-10 min ziehen zu lassen. Für die Geschmacksverbesserung kann man z.B. etwas Zitrone oder Orangensaft hinzufügen. So soll das darin enthaltene Vitamin C die Aufnahme im Körper verbessern. In keinem Fall Milch dazugeben, da dann die Wirkstoffe nicht aufgenommen werden können. Wer langes Ziehen nicht mag, kann grünen Tee auch zwei- bis dreimal aufgießen, um höhere Wirkstoffkonzentrationen zu erhalten. Allerdings gilt zu beachten, dass bei weiteren Aufgüssen die Ziehzeit kürzer sein sollte.

Zimt weglassen?

Ich habe im Internet gelesen, dass seit den 1970er Jahren Cumarin (ist in Zimt enthalten) unter Verdacht steht, Krebs zu verursachen und auch die Leber schädigen kann. Sollte ich also besser auf Zimt verzichten?

Cumarin ist ein natürlich vorkommender sekundärer Pflanzenstoff, der in verschiedenen Gräsern, im Waldmeister, in Datteln sowie in bestimmten Zimtarten (Cassia-Zimt) enthalten ist. Die Vermutungen, dass das in Zimt enthaltene Cumarin genschädigend wirken könne, gehen auf Tierversuche zurück. Möglicherweise können besonders Menschen mit Leber-Vorerkrankungen wie Hepatitis empfindlich auf Cumarin reagieren. Bisher waren solche Leberschädigungen immer reversibel. Wir bezweifeln, dass Menschen, die sich im normalen Rahmen gesund ernähren, bedenkliche Mengen an Cumarin zu sich nehmen können.

Ketogene Diät

Eine Kollegin aus meiner Selbsthilfegruppe schwört auf die ketogene Diät. Was steckt genau dahinter, und soll ich wirklich komplett jeden Zucker meiden, auch den Fruchtzucker aus meinem geliebten täglichen Apfel?

Die Befürworter der ketogenen Diät gehen davon aus, dass durch eine Ernährungsumstellung auf eine kohlenhydratarme und fett- bzw. eiweißreiche Ernährung das Wachstum von aggressiven Krebszellen und Metastasen gehemmt werden kann. Im Rahmen dieser Diät soll es vor allem wichtig sein, keine stark kohlenhydrathaltigen Lebensmittel mit so genanntem hohen glykämischen Index zu verzehren. Dabei ist von großer Bedeutung, ob der Zucker im Organismus langsam oder schnell verstoffwechselt wird. Der glykämische Index zeigt das Glykämiepotenzial eines Kohlenhydrats; d. h., seine Fähigkeit, nach der Verdauung eine bestimmte Glukosemenge freizusetzen und dadurch den Blutzuckerspiegel zu erhöhen. Die glykämische Last berücksichtigt zusätzlich wie das Verhältnis der Kohlenhydrate zu den anderen Bestandteilen in einem Lebensmittel ist. Ein Beispiel: Der Blutzuckereffekt von 100 g Baguettebrot ist wegen seines sehr hohen Kohlenhydrat-Gehalts trotz identischem glykämischen Index etwa sechsmal so groß wie der von 100 g gekochten Möhren, d. h. man muss ungefähr 600 bis 700 g Möhren zu sich nehmen, um die Blutzuckerwirkung von 100 g Baguette zu erreichen. Was jedoch kaum jemand weiß: 158 g Steak führen zu einer wesentlich höheren Insulinausschüttung als 200 g Pasta, während andererseits bei der ketogenen Diät gerade die Pasta verboten und Schweinebraten empfohlen wird. Bei genauer Sicht der epidemiologischen und ernährungswissenschaftlichen Studienlage ist Vorsicht geboten. Die These, eine »ketogene Diät« könne den Tumor »aushungern« und das Überleben verlängern, ist wissenschaftlich nicht belegt. Bisher gibt es zur Anwendung dieser Diätform nur einen Tierversuch sowie Erfahrungsberichte und keine eindeutigen Ergebnisse klinischer Studien. Dies bestätigt auch eine aktuelle kanadische Studie mit 20.384 Patienten: Der glykämische Index und die glykämische Last der zugeführten Nahrung hatten keinerlei Einfluss auf das Auftreten von Tumoren des Magens, der Leber, der Lunge, der Brust, der Ovarien, der Hoden, der Nieren, der Blase und des Gehirns sowie auf das Auftreten von Non-Hodgkin-Lymphomen, Leukämien und multiplen Myelomen. Lediglich die Entwicklung von Darm- und Prostatakrebs könnte dadurch gefördert werden, so die Autoren der Studie. Dass die ketogene Ernährung im Widerspruch zu ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen steht, zeigt folgendes Beispiel: Die Menschen der Okinawa-Inseln in Japan haben nachweislich die höchste Lebenserwartung und trotz deutlich höherer Lebenserwartung 80 bis 90 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Brust- und Prostatakrebs. Die Ernährung der Menschen aus Okinawa (die sich pflanzen- und kohlenhydratreich, kalorien-, fett- und eiweißarm ernähren) steht dabei im krassen Gegensatz zu den genetisch verwandten kanadischen Inuits, die mit ihrer traditionellen Fett-Eiweiß-Kost die kürzeste Lebenserwartung und die meisten Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aller Kanadier haben. Die in der ketogenen Diät empfohlene erhöhte Zufuhr an Fetten und Eiweißen ist übrigens nicht unproblematisch: Denn tierisches Eiweiß in Form von Fleisch belastet im Übermaß durch Ammoniakbildung im Darm die Leber und damit den Stoffwechsel. Die China Study, die bisher umfassendste Studie über Ernährung, Lebensweise und Krankheit, bestätigt die Bedenken zum Verzehr tierischer Lebensmittel in einer einzigartigen Deutlichkeit in über 100 Originalstudien. Colin Campbell leitete die China Study, an der zwei westliche Universitäten sowie die Chinesische Akademie für Präventivmedizin beteiligt waren. Die als Buch erschienene China Study belegt eindeutig, dass das Risiko, an Darm-, Brust- und Prostatakrebs oder an einer Herzkrankheit zu erkranken, proportional mit dem Fleisch- und Milchkonsum steigt. Quelle: www.thechinastudy.com.
Auch sollte man bedenken, dass allzu häufig tierische Fette mit gesundheitsschädlichen Omega-6-Fettsäuren verzehrt werden und nicht die hochwertigen Omega-3-Fettsäuren (wie sie in Fisch, Fischöl, Leinöl und Rapsöl enthalten sind). Neue Ergebnisse der europäischen EPIC-Studie belegen ebenfalls die hohe Risikokorrelation zwischen Brustkrebs und Fettkonsum. So verdoppelte ein hoher Fettkonsum (Gesamtfett) das Brustkrebsrisiko der deutschen EPIC-Teilnehmerinnen (Schulz et al., 2008). Bei Französinnen führten insbesondere Transfettsäuren aus industriell verarbeiteten Lebensmitteln zu einem 75 Prozent höheren Brustkrebsrisiko (Chajès et al., 2008). Zusammenfassend legt die wissenschaftliche Datenlage nahe, dass zur Vorbeugung unserer heutigen Zivilisationskrankheiten eine abwechslungsreiche, pflanzliche Ernährungsweise die beste Medizin ist. Daher empfehlen wir lieber ein ausgewogenes, an einer vollwertigen Kost orientiertes Ernährungskonzept, dass natürlich auf den einzelnen Menschen und seine Gesundheitssituation abzustimmen ist. Wichtig ist, stark kohlenhydrathaltige Speisen und Getränke mit hohem glykämischen Index zu meiden. Bevorzugen Sie Vollkornprodukte, aus denen die Kohlenhydrate über einen längeren Zeitraum aufgenommen werden und setzen Sie am besten leicht gedünstetes Gemüse täglich auf Ihren Speiseplan. Asiaten und Italiener essen neben Reis und Nudeln – die nach den Maßgaben der ketogenen Diät eher nicht verzehrt werden sollten – sehr viel Gemüse. Asiaten trinken zudem viel grünen Tee. Beides trägt neben regelmäßiger körperlicher Betätigung und ausreichendem Schlaf zur Gesunderhaltung bei. Im Gegensatz zu den Verfechtern der ketogenen Diät sind wir der Ansicht, dass es eher um die sorgfältige und bewusste Auswahl und nicht um das Weglassen oder Überbetonen einzelner Nahrungsmittel geht. Außerdem ist gerade bei Krebskranken eine differenzierte Vorgehensweise erforderlich, welche das Tumorstadium, persönliche Verträglichkeiten sowie vor allem die individuelle Stoffwechselsituation berücksichtigt. Unser Rat lautet daher: Lassen Sie sich nicht verunsichern und hinterfragen Sie den Sinn einseitiger Ernährungsvorschläge kritisch. Und: Jede dogmatisch ausgelegte Diät ist die falsche Diät. Nehmen Sie generell mehr Gemüse als Obst zu sich. Wenn Sie den „täglichen Apfel” vom Magen-Darm-Trakt her vertragen, besteht kein Grund, sich diesen verbieten zu lassen.

Ernährung als Vorbeugung

Meine Mutter ist an Brustkrebs leider verstorben. Daher bemühe ich mich seit Jahren, durch eine gesunde Lebensweise einschließlich der Ernährung mein Erkrankungsrisiko zu reduzieren. Zur Ernährung habe ich folgende Frage: Besteht nach Ihrer Ansicht ein Zusammenhang zwischen der asiatischen und mediterranen Küche und den dort niedrigeren Brustkrebserkrankungszahlen?

Es gibt durchaus einen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen dem Ernährungsverhalten in den asiatischen Ländern und dem dort wesentlich seltener auftretenden Brustkrebs. In Asien zum Beispiel, in denen vor fünfzig Jahren noch sehr wenig Fleisch und keinerlei Milchprodukte gegessen wurden, war Brustkrebs extrem selten: Frauen im ländlichen China hatten eine fünffach geringere Brustkrebs-Mortalität als US-Amerikanerinnen. Wanderten Asiatinnen jedoch in die USA aus, eigneten sie sich nicht nur die dortige Lebens- und Ernährungsweise, sondern auch das höhere Krebsrisiko an (Ziegler RG/J Natl Cancer Inst 1993). Die traditionelle Ernährungsweise der mediterranen Küche wiederum reduzierte mit hohen Mengen an Gemüse, Hülsenfrüchten, Fisch, Olivenöl, Nüssen und Vollkorngetreide das Brustkrebsrisiko nach den Wechseljahren um 20 bis 35% (Buckland G/International Journal of Cancer 2013).
Wir können Ihnen daher empfehlen, Ihre Ernährungsgewohnheiten an den Vorgaben einer asiatischen oder auch der mediterranen Küche auszurichten. Schwerpunktmäßig sollten Sie bevorzugt pflanzliche Lebensmittel, wertschonend gegart bzw. gedünstet in den Speiseplan einbauen und den Konsum von tierischen Produkten - auch von Milch bzw. Milcherzeugnissen - deutlich reduzieren.  Bedeutend ist bei der Entscheidung für eine Ernährungsform jedoch, dass Ihnen diese Ernährung schmeckt, Ihnen gut bekommt  und Sie nicht ständig das Gefühl haben auf irgendetwas verzichten zu müssen. Sehr hilfreiche Literaturempfehlungen zu diesem Thema sind die Bücher "Tomatenrot und Drachengrün" von Susanne Bihlmaier und "Krebszellen mögen keine Himbeeren" von Richard Beliveau. Ebenfalls wertvolle Hinweise können Sie unserer kostenlosen Broschüre Ernährung und Krebs entnehmen, die Sie jederzeit über unsere zentrale Beratungsstelle anfordern können.

Welche Fette sind gesund?

Meist wird vor dem Verzehr von zu viel Fett gewarnt, weil es der Gesundheit abträglich sein soll. Andererseits ist mir zu Ohren gekommen, dass es sehr auf die Art der Fette ankommt, die wir zu uns nehmen. Können Sie mir als betroffenem Tumorpatienten etwas zu den essentiellen Fettsäuren, insbesondere den Omega - 3 - Fettsäuren sagen und ihre Empfehlungen diesbezüglich deutlich machen, damit ich mich da richtig verhalte?

Es ist heute wissenschaftlich erwiesen, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren essentielle Nahrungsbestandteile sind, die im Organismus eine Fülle von wichtigen Aufgaben bei dem Stoffwechselgeschehen haben. Während man früher nur zwischen gesättigten und ungesättigten Fetten unterschieden hat, stellte sich in letzter Zeit auch ein Wechselspiel innerhalb der ungesättigten Fettsäuren heraus  Essentielle Fettsäuren wie die Linol- oder Omega-6-Säure und vor allem Linolensäure oder Omega-3-Säure sind wichtige Stoffe für die Bildung von Hormonen, die dann ihrerseits Zellfunktionen steuern und das Zellwachstum regeln. Besonders die Linolensäure sorgt für Elastizität der Zellwände, wenn sie dort als Bausteine eingesetzt werden. Sind diese Fettsäuren nicht ausreichend vorhanden, so greift der Organismus auf gesättigte Fette zurück, die die Zellwände aber nicht geschmeidig halten können und somit auch die Reaktionsbereitschaft der Zelle abnimmt.   Linol- und Linolen vermindern die Entzündungsneigung. Omega-3-Säuren (Linolen) vermindern außerdem die Klebrigkeit der Blutplättchen und erweitern die Gefäße, sodass der Körper besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt wird. Außerdem wird ihnen als Immunstimulanz eine vor Krebs schützende Funktion zugeschrieben. In Tierversuchen zeigte sich ein Rückgang des Tumorwachstums nach zusätzlicher Gabe von Omega-3-Säure wie auch eine Verlängerung der überlebenszeit.  Omega-3-Säuren sind vor allem in Fischen wie Makrele, Hering, Lachs und Kabeljau enthalten, aber auch in Olivenöl und Lebertran oder Wild. Ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche decken den normalen Bedarf. Die vor Krebs schützende Wirkung von Omega-3-Säuren wird nämlich durch das Vorhandensein von zu viel Linol- oder Omega-6-Säure gemindert.   Ein ideales Verhältnis wäre viermal so viel Omega-3 als Omega-6 bei der Nahrungsaufnahme. Tatsächlich ist in unserer Ernährung meist ein deutliches übergewicht an Omega-6-säuren vorhanden. Omega-3-Säuren sind mit höherem Anteil nur in einigen Pflanzenölen, wie Leinöl, Weizenkeimöl oder Schwarzkümmelöl, aber vor allem auch in Tiefsee und Kaltwasserfischen enthalten. Diese Nahrungsmittel sollten bevorzugt, der Verbrauch von rotem Fleisch, Eiern und Milchprodukten mit den darin überwiegenden Omega-6-Säuren dagegen eher verringert werden.

Budwig-Diät

Ich habe Krebs im fortgeschrittenen Stadium und bekomme seit einigen Monaten eine Chemotherapie. Nun habe ich von Mitbetroffenen von den positiven Wirkungen der Budwig-Diät gehört und möchte diese gerne durchführen. Was halten Sie davon?

Johanna Budwig (1908-2003), eine Chemikerin, war der Meinung, dass Krebs durch eine bestimmte Öl-Eiweiß-Kost heilbar wäre. Bei der Budwig-Diät wird im Fettstoffwechsel der entscheidende Faktor für die Krebsentstehung gesehen. Besonders empfohlen wird der Verzehr von Leinsamen, kaltgepresstem Leinöl, Quark und Hüttenkäse. Auch Gemüse, Sauerkrautsaft, Obst oder Nüsse (jedoch keine Erdnüsse) können verzehrt werden. Gänzlich verzichtet werden soll auf Fleisch, Fisch, Butter, konservierte Nahrungsmittel, Margarine, Nudeln, Tiefkühlkost und Zucker. Laut Johanna Budwig hat die Diät Auswirkungen auf die Zellatmung des Tumorgewebes, indem deranaerobe Stoffwechsel der Tumorzellen zurück zum aeroben Stoffwechsel geführt werden könne. Einen von der Wissenschaft akzeptierten Beweis konnte Frau Budwig aber leider nicht erbringen, so dass viele positive Schilderungen auf die Erfahrungen von Patienten zurückgehen.
Unsere Bewertung: Auch wenn es ohne Zweifel einzelne Erfolge gibt, gibt es keine Krebsdiät, die sich bei einer auffälligen Vielzahl von Betroffenen zur Bekämpfung von Krebs bewährt hat. So sollte auch bei der Budwig-Diät nicht davon ausgegangen werden, dass diese Kost spezifisch wirksam gegen Krebs ist. Die Budwig-Diät ist im Gegensatz zu anderen deutlich einseitigeren Diätformen (z. B. übertriebene Formen der makrobiotischen Kost, Breuß-Fastenkur, strenger Veganismus) als medizinisch unbedenklich anzusehen. Insbesondere das von Frau Budwig vorwiegend verwendete Leinöl ist sehr empfehlenswert und kann ohne weiteres z. B. in Form des Leinöl-Quarks in die tägliche Ernährung integriert werden.
Viele Patienten berichten über eine Verbesserung des Allgemeinbefindens durch die Einhaltung der Budwig-Diät. Sicherlich spielen hier die Verwendung von hochwertigen Ölen und Fetten, die Reduktion der Kohlenhydratzufuhr und der Verzicht auf veränderte industrielle Nahrungsmittel eine Rolle. So weisen zahlreiche Studien auf die krebshemmende Wirkung von Omega-3-Fettsäuren, wie sie auch im Leinöl enthalten sind, hin. Auch aktuelle Forschungen des Tumorwissenschaftlers Johannes Coy zeigen, dass unter bestimmten Voraussetzungen eine glukose- und kohlenhydratarme sowie eine hochwertige öl- und proteinreiche Ernährung eine Krebstherapie unterstützen kann. Auch darin könnte ein Hinweis für die positiven Wirkungen der Budwig-Diät liegen.
Grundsätzlich gilt: Eine gesunde Ernährung sollte neben ihrem gesundheitlichen Aspekt in erster Linie die Lebensfreude stärken. Entscheidend für die Ernährung bei Gesunden und Krebserkrankten ist es, eine ausgewogene, naturbelassene und abwechslungsreiche Ernährung im Sinne einer sog. lacto-vegetabilen Vollwertkost zusammenzustellen, die auf die jeweiligen Bedürfnisse des Einzelnen zugeschnitten ist. Das bedeutet auch, dass z. B. während Strahlen- oder Chemotherapie auf bestmögliche Verträglichkeit und die Verhinderung einer Mangelernährung zu achten ist, so dass eine Vollwertkost unter diesen Bedingungen je nach Verträglichkeit und Verdauungsleistung nicht immer sinnvoll sein muss. Hier können die Bevorzugung von gedünstetem Obst und Gemüse und die Einstreuung milchsäurehaltiger Lebensmittel in den Speiseplan hilfreich sein.

Heilfasten bei Krebs

Ich möchte wissen, ob ich als Brustkrebspatientin, die auch mit Chemotherapie und Bestrahlung behandelt wurde und bei der Behandlung im Januar 2005 schon abgeschlossen war, jetzt zur Entgiftung Heilfasten machen kann - oder schadet mir das?

Grundsätzlich hängt die Durchführbarkeit eines Heilfastens nach einer Brustkrebserkrankung und auch nach anderen Krebserkrankungen von vielen verschiedenen Faktoren ab, so insbesondere der körperlichen Befindlichkeit und Belastbarkeit. Bei stark ausgeprägter körperlicher Schwäche und Gewichtsabnahme ist vom Heilfasten eher abzuraten. Auch ein Heilfasten, das länger als 1 Woche dauert, sollte grundsätzlich auch bei Gesunden nur unter professioneller ärztlicher Begleitung erfolgen. Eine allzu drastische Gewichtsabnahme ist in jedem Fall zu vermeiden, da häufig unter einer Chemotherapie oder Bestrahlung eine Gewichtsabnahme erfolgt und im Rahmen der Erholungsphase eher ein Aufbau und nicht eine weitere Schwächung des Organismus erfolgen sollte. Um eine Entgiftung des gesamten Organismus zu erreichen, können alternativ auch andere Maßnahmen durchgeführt werden, so z. B. die Ausleitung mit homöopathischen Komplexmitteln, eine Säure-Basen-Regulation und darmregulierende Maßnahmen. Auch eine besondere Diätform wie das Basenfasten (Buchempfehlung: Gesundheitserlebnis Basenfasten von Sabine Wacker, erschienen im Haug-Verlag), bei der nicht auf eine Nahrungsaufnahme verzichtet werden muss, ist für einen gewissen Zeitraum durchaus zu empfehlen.

Was sind Transfettsäuren?

Seit einer Darmkrebs-Operation vor sechs Monaten bin ich bemüht, meine Ernährung in Richtung Vollwertkost auszurichten. In diesem Zusammenhang habe ich von dem angeblich sehr negativen Effekt so genannter "Transfettsäuren" in der Nahrung gehört. Was ist darunter zu verstehen?

Bei der industriellen Be- und Verarbeitung flüssiger Fette zu festen, streichfähigen Fetten (z. B. Margarine) entstehen durch den technischen Prozess der Härtung so genannte "Transfettsäuren". Die ungesättigten Fettsäuren (CIS-Form) werden dabei in gesättigte Fettsäuren (trans-Form) umgewandelt. Neben Margarine enthalten z.B. Pommes frites und Kartoffelchips nennenswerte Mengen dieser Fettsäuren. Gehärtete Fette belasten generell die Verdauungsvorgänge im Darm und in der Leber und wirken langfristig schwächend auf das Darm assoziierte (= beigeordnete) Immunsystem ein. In einer gesundheitsfördernden Ernährung, zumal bei Darmkrebs, sollten diese Fette auf ein Minimum reduziert werden.


Nebenwirkungen

Yoga reduziert Nebenwirkungen

Inwieweit können Entspannungsverfahren bei belastenden Therapien hilfreich sein?

 Sie sprechen ein aktuelles Thema an. Erst kürzlich wurden die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, in der die Wirkungen von verschiedenen Entspannungsverfahren auf die Lebensqualität verglichen wurden (Chandwani D et al./JCO 2014). Forscher des Anderson Cancer Centers in Houston untersuchten 191 Brustkrebspatientinnen, die während einer Strahlentherapie der Brust entweder Yogaübungen, einfache Streckübungen oder gar keine Übungen durchführten. Sie übten sechs Wochen lang, und zwar dreimal wöchentlich. Anschließend beantworteten die Frauen einen Fragebogen zu den Nebenwirkungen der Strahlentherapie. Zusätzlich wurde bei ihnen das Stresshormon Cortisol im Speichel bestimmt. Die Untersuchung zeigte, dass die täglichen Cortisol-Werte bei der Yoga-Gruppe am stärksten abfielen. Dies ist eine wichtige Beobachtung, da angenommen wird, dass ein gestörter Cortisol-Tagesrhythmus den Erkrankungsverlauf bei Krebspatienten ungünstig beeinflussen kann. Außerdem litten die Teilnehmerinnen, die regelmäßig Yoga- oder Streckübungen durchführten, seltener an Schwäche oder Abgeschlagenheit. Die körperliche Lebensqualität wurde durch Yoga-Übungen mehr gefördert als durch Streckübungen. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Entspannungsverfahren zur Linderung von Nebenwirkungen belastender Therapien. Auch eine andere Studie bestätigt die enorme Bedeutung: Durch Meditation und Entspannung können entzündliche Reaktionen verhindert werden (Kaliman P/Psychoneuroendocrinology  2014).

Säureblocker schwächen die Knochen

Ich nehme Magensäureblocker ein und habe Angst vor Nebenwirkungen. Worauf muss ich achten?

Magensäureblocker (Antazida) sollen die Magensäureproduktion verringern. Vor allem während der Chemotherapie werde sie häufig verschrieben, um Sodbrennen oder eine Magenschleimhautentzündung zu behandeln. Allerdings liegt die Ursache dieser Probleme während einer Chemotherapie nicht in einem Zuviel an Magensäure, sondern in der Schädigung der Magenschleimhaut durch die Zytostatika. Wenn dann Magensäure auf eine entzündete Schleimhaut trifft, verstärkt sich das Problem. Die natürliche Säure im Magen ist wichtig für eine gesunde Verdauung. Außerdem schützt sie den Körper vor Krankheitserregern und Keimen. Wird diese Wirkung durch Medikamente beeinträchtigt, welche die Magensäure neutralisieren, kann es zu einer erhöhten Infektanfälligkeit im Magen-Darm-Trakt kommen. Dies wurde 2011 erstmals in einer Studie bestätigt: Patienten, die Magensäureblocker einnahmen, hatten ein höheres Risiko an den Folgen einer Infektion mit dem Krankenhauskeim Clostridium difficile zu sterben. Magensäureblocker können die Aufnah-me von arzneilichen Wirkstoffen im Organismus verringern. Daher dürfen sie grundsätzlich nicht gleichzeitig mit anderen Medikamenten eingenommen werden. Dies betrifft Antibiotika, die oral verabreicht werden, ebenso wie Eisen, Zink, B-Vitamine, Vitamin A und C. Zwischen der Einnahme eines Säureblockers und anderer Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel braucht es daher einen Abstand von etwa zwei Stunden. Berücksichtigen Sie auch, dass Schmerzmittel, wie z. B. Acetylsalicylsäure oder Diclofenac Sodbrennen verstärken können. Die Nebenwirkungen, die Magensäureblocker in der dauerhaften Anwendung haben, werden oft nicht berücksichtigt. Eine aktuelle Studie kommt sogar zu dem Schluss, dass Magensäureblocker aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer (Omeprazol oder Pantoprazol) das Risiko für Knochenbrüche erhöhen, wenn sie länger als zwei Jahre eingenommen werden. Greifen Sie daher nur im Akutfall zu Antazida. Wir raten bei leichten Fällen von Sodbrennen und Gastritis eher zu naturheilkundlichen Mitteln. Versuchen Sie den Beschwerden ganzheitlich zu begegnen, z. B. durch Ernährungsmaßnahmen, Heilpflanzen (Melisse, Kamille), Heilerde, Homöopathie bzw. eine Säure-Basen-Regulation.

Trockene Augen – was hilft?

Seit einiger Zeit sind meine Augen gereizt, sodass ich ständig daran reiben muss. Welche naturheilkundlichen Mittel können hier Linderung bringen?

Schätzungen zufolge leiden etwa 15 Prozent der Bevölkerung unter trockenen Augen. Auch bei Patienten, die eine Chemo- oder Antihormontheapie erhalten, können Beschwerden durch trockene Augen auftreten. Hormonelle Störungen oder Entzündungen der Tränendrüsen können dazu führen, dass der Tränenfilm nicht ausreicht. Oft klagen die Betroffenen gar nicht über ein trockenes Auge, sondern darüber, dass es brennt, juckt oder tränt. Konsultieren Sie in diesem Fall immer zuerst einen Augenarzt. Dieser wird Ihnen wahrscheinlich Tränenersatzmittel als Gel oder Tropfen verschreiben. Augensprays mit Liposomen scheinen etwas besser die Fette in der Tränenflüssigkeit nachzuahmen. Achten Sie besonders darauf, dass diese Medikamente frei von Konservierungsmitteln sind. Trockene Augen bzw. das sogenannte Sicca-Syndrom sollten vielschichtig angegangen werden. In der Naturheilkunde hat sich die Anwendung von Augentrost (Euphrasia) als Augentropfen bewährt. Sie können die Tropfen alleine oder kombiniert mit Fencheltee auf Kompressen träufeln und diese zur Beruhigung auf die geplagten Augen legen. Die Anthroposophische Apotheke nutzt bei trockenen Augen außerdem die Wirkung von Schöllkraut: Chelidonium wird häufig als Lebermittel eingesetzt. Und so tragen beispielsweise die Weleda Chelidonium RhD4-Augentropfen der Beziehung zwischen Leber und Auge Rechnung, wie sie auch aus der östlichen Medizin bekannt ist. Die Leber direkt zu stärken mit Leberwickeln oder pflanzlichen Mitteln (Mariendistel & Co.) kann ebenso Bestandteil einer ganzheitlichen Herangehensweise sein, wie die Sanierung der Darmflora (Symbioflor, Colibiogen etc.). Denn eine Störung des schleimhautassoziierten Abwehrsystems im Darm kommt ebenfalls als Ursache in Betracht. Auch der gezielte und verantwortungsbewusste Einsatz von homöopathischen Arzneien kann erwogen werden. Wenden Sie sich bei anhaltenden Beschwerden an einen naturheilkundlich orientierten Arzt oder Heilpraktiker.

Krebstherapie mit Antikörpern – Behandlung von Hautausschlägen

Ich habe Lungenkrebs und bekomme seit einigen Monaten eine Antikörperbehandlung mit Tarceva. Nun treten seit einigen Wochen vermehrt akneartige Hautausschläge im Gesicht auf, die mich sehr belasten. Was kann ich dagegen tun?

Viele neue Therapieformen wie z.B. Antikörper, die bei Tumoren der Lunge oder des Darms zunehmend eingesetzt werden, haben völlig andere Nebenwirkungen als chemotherapeutisch wirksame Substanzen. Insbesondere die akneartigen Hautreaktionen, die sich auch entzünden können, machen den Betroffenen oft sehr zu schaffen. Ein kleiner Trost ist häufig dann nur, dass bei Auftreten dieser Hautveränderungen meist auch die Therapie anspricht. Insofern für viele Patienten ein wichtiger Grund, um die Behandlung trotzdem weiterzumachen.

Von schulmedizinischer Seite werden antientzündlich wirkende Präparate wie lokale Kortikoide oder Antibiotika eingesetzt, die aber auch wiederum Nebenwirkungen haben. Da die geschädigte Haut bei Untersuchung unter dem Mikroskop Ähnlichkeit mit der Psoriasis (Schuppenflechte) aufweist, wäre auch ein Behandlungsversuch mit Selen und Thymuspeptiden denkbar, da bei Psoriasis-Patienten Abheilungen der Hautveränderungen durch eine Kombinationstherapie mit Selen, Thymuspeptiden, Zink und Vitamin-B-Komplex beobachtet wurde. Ob dies jedoch auch auf Patienten übertragbar ist, bei denen Hautveränderungen durch Antikörper (wie z.B. Tarveca) aufgetreten sind, bleibt spekulativ. Da von Selen bekannt ist, dass es das die Nebenwirkungen von belastenden Therapien reduziert, möchten wir Ihnen als Therapieversuch zumindest eine Selengabe mit Natrium-Selenit empfehlen.

Gut helfen auch lokale Maßnahmen, wie z.B. eine Austrocknung durch Gels, die bei Entzündungen auch Antibiotika enthalten sollten. Zunächst sollte auf eine rückfettende Hautpflege verzichtet werden, sondern die Haut eher mit Lotionen gepflegt werden. Zur Beruhigung der Haut kann es auch sehr gut sein, ein mit reinem Aloe vera Saft getränktes Vlies auf die betroffenen Stellen einwirken zu lassen. Besonders im Sommer ist es wichtig, Lichtschutzpräparate mit hohem Lichtschutzfaktor zu verwenden bzw. die zu starke und zu lange Sonneneinstrahlung eher zu vermeiden. Bei der täglichen Hautreinigung ist es wichtig, Reinigungsgele oder milde Cremeseifen, die unparfümiert sind und den pH-Wert der Haut erhalten, zu verwenden. Außerdem ist es sinnvoll, Handtücher nach einmaliger Verwendung bei 60 Grad zu waschen, um Entzündungen vorzubeugen.

Hand-Fuß-Syndrom

Seitdem ich als Krebspatientin mit einem bestimmten neuen Medikament behandelt werde, schält sich bei mir die Haut an Händen und Füßen. Was kann ich tun, damit diese belastende Nebenwirkung etwas besser wird?

Vermutlich haben Sie ein Hand-Fuß-Syndrom: Darunter versteht man Störungen der Sensorik an den Handinnenflächen und an den Fußsohlen, die durch entzündliche Hautveränderungen ausgelöst werden. Es tritt meist infolge einer bestimmten Chemotherapie, insbesondere unter Capecitabin (Xeloda), aber auch unter 5-Fluorouracil und liposomalen Doxorubicin auf. Häufig finden sich zusätzlich ein Abschuppen der Haut, Taubheit, Kribbeln und eine Überempfindlichkeit für Wärme. Unbehandelt kann das Hand-Fuß-Syndrom schwere Funktionseinschränkungen auslösen, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen können.
Tritt ein Hand-Fuß-Syndrom auf, wird der behandelnde Arzt meistens eine Dosisreduktion der Chemotherapie empfehlen, in schweren Fällen auch ein Absetzen der Therapie. Begleitend erfolgt eine lokale Behandlung mit Feuchtigkeitslotionen, Cremes und Harnstoffhaltigen Salben.
In der biologischen Medizin liegen gute Erfahrungen mit der Einnahme von ß-Carotin, Vitamin D, E und Hanföl sowie der lokalen Anwendung von Hanföl vor. Vor allem das 2-mal tägliche Eincremen der Hände und Füße mit speziellen Hanfölzubereitungen ist eine einfache und sehr effektive Maßnahme (Koula-Jenik H/DZO 2010).

 

Polyneuropathie

Ich leide an Nervenschmerzen durch eine Chemotherapie und möchte gerne wissen, was ich naturheilkundlich tun kann, um die Beschwerden zu lindern.


Unter dem Begriff Polyneuropathien versteht man Nervenschädigungen, wobei sich das Wort zusammensetzt aus poly (viele) und Neuropathie (Nervenerkrankung). Polyneuropathien können viele verschiedene Ursachen haben. In der Regel sind die Nerven mit besonders langen Leitungsbahnen betroffen, also die Nerven von Händen und Füßen. Am häufigsten betroffen sind Diabetiker und Alkoholkranke. Aber auch bestimmte Chemotherapeutika (z.B. Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin, Taxol, Taxotere) können eine Polyneuropathie auslösen. Allerdings treten nicht bei allen Patienten, die eine solche Chemotherapie erhalten haben, Beschwerden im Sinne einer Polyneuropathie auf, so dass sich die Behandlung immer auch nach dem Schweregrad der Symptome richtet. So bemerken einige Patienten nur ein leichtes Kribbeln und Taubheitsgefühl in Händen und Füßen, das nach einigen Wochen wieder verschwindet. Bei anderen wiederum können die Beschwerden bis hin zu stechenden Schmerzen so ausgeprägt sein, das sie die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
In der biologischen Medizin haben einige Ärzte gute Erfahrungen mit der Einnahme von L-Carnitin, einer vitaminähnlichen Substanz gemacht. Hierbei werden Dosierungen von etwa täglich 3-4 g L-Carnitin vorbeugend eingesetzt. Selen, B-Vitamine und alpha-Liponsäure werden auch häufig empfohlen; die individuelle Dosierung sollte immer mit einem naturheilkundlich erfahrenen Therapeuten besprochen werden.
Vielversprechende Daten gibt es auch für die Gabe von Glutamin, Glutathion und Vitamin E. So gab es weniger Nervenschädigungen, wenn Vitamin E gegeben wurde; allerdings wurde dies in nur wenigen Pilotstudien mit unzureichendem Studiendesign dokumentiert. Ob sich diese Ergebnisse auch auf die breite Praxis übertragen lassen, müssen weitere Studien klären.
Nicht vergessen: Auch krankengymnastische Maßnahmen haben eine große Bedeutung, wie z.B. Massagen und wechselnde Temperaturreizungen mit warmen und kalten Wasser. Die lokale Anwendung eines Peelings kann ebenfalls schmerzlindernd sein: Einmal täglich Hände und/oder Füße mit 2 Teilen Olivenöl und 1 Teil Zucker, 10 Minuten einreiben, danach gut abspülen. Einigen Patienten hilft auch die Anwendung einer Bioresonanztherapie.
Generell ist bei einer nervenschädigenden Chemotherapie das 3-4 x tägliche Eincremen mit Hanföl oder Cremes, die Adelmidrol enthalten, eine einfache und effektive Maßnahme.

Erythropoetin und Fatigue

Durch die schulmedizinische Behandlung - insbesondere der Chemotherapie - leide ich zunehmend an Schwäche und Müdigkeit. Mein Arzt hat mir wegen einer Blutarmut zusätzlich die Anwendung von Erythropoetin verordnet. Was halten Sie davon? Und was kann ich von biologischer Seite her zusätzlich tun?

Leiden Krebspatienten unter Schwäche, Müdigkeit und Erschöpfung, so liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit das sog. Fatigue-Syndrom vor. Dieses bezeichnet keine eigene Krankheit, sondern eine Vielzahl an Beschwerden. So unterschiedlich die verschiedenen Tumorerkrankungen und Behandlungsformen sind, so individuell werden auch die Beschwerden geäußert. Viele Betroffene fühlen sich schon nach kleinen Anstrengungen, wie Duschen, Treppensteigen oder beim Essen nachhaltig erschöpft. Andere wiederum können sich schlecht konzentrieren und bringen selbst zum Lesen, Telefonieren oder sogar zum Zähneputzen keine Kraft auf.
Das Fatigue-Syndrom kann durch viele Faktoren begünstigt werden. Als Hauptursache gilt die Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff. Belastende Therapien, wie Chemo– oder Strahlentherapie aber auch die Tumorerkrankung selbst stellen den häufigsten Auslöser dar. Es kommt zu einem Mangel an roten Blutkörperchen (Anämie), wodurch der Körper nur noch mangelhaft mit Sauerstoff versorgt werden kann. Aber auch andere Therapiefolgen wie Übelkeit, Appetitlosigkeit und Mundschleimhautentzündungen führen durch verringerte Nährstoffaufnahme zum Nachlassen der Kraftreserven. Chronische Infektionen, Funktionsstörungen der entgiftenden Organe (Leber, Niere), Schmerzen und Mangel an körperlichem Training können ebenfalls Müdigkeit und Erschöpfung auslösen. Von großer Bedeutung ist auch die psychische Anspannung angesichts der Diagnosestellung und den damit verbundenen existentiellen Sorgen und Ängsten.
Schulmedizinisch konzentrieren sich die meisten Behandlungen darauf, den durch Blutarmut hervorgerufenen Sauerstoffmangel zu beheben. Neuerdings wird alternativ zu Bluttransfusionen ein körpereigenes Hormon eingesetzt: Erythropoetin, kurz EPO genannt. Es regt im Knochenmark die Bildung von roten Blutkörperchen an, die den Sauerstoff im Körper transportieren. Weltweit bekannt wurde das Hormon, seit Sportler es als Dopingmittel missbrauchten. Ein Maß für die Menge an roten Blutkörperchen ist das Hämoglobin (roter Blutfarbstoff). Dieses kann im Blut durch den sog. Hämoglobinwert - Abkürzung „Hb-Wert" - bestimmt werden. Grundsätzlich sollte bei der Behandlung mit Erythropoetin der Hämoglobin-Wert jedoch nicht auf über 12 g/dl angehoben werden, insbesondere da einigen Studien zufolge durch zu starkes „Doping" mit Erythropoetin die Überlebenchancen von Krebspatienten verringert werden können (z.B. Lappin T/Oncologist 2007 und Wright JR/J Clin Oncol 2007). Nachgewiesen ist dies bei Patienten mit Brustkrebs, Kopf-Hals-Tumoren und großzelligem Lungenkrebs. Ursache für diese Beobachtung könnte sein, dass der isoliert gegebene Wachstumsfaktor Erythropoetin auch das Wachstum von Tumorzellen anzuregen vermag. Wir raten deshalb, Erythropoetin nicht allein zur Hb-Wert-Korrektur, sondern nur bei zusätzlich vorliegenden, auf die Anämie zurückzuführenden Beschwerden einzusetzen.
Was man als Patient selbst tun kann, um mehr Sauerstoff ins Gewebe zu bringen, sind Spaziergänge an frischer Luft, Atemgymnastik sowie sportliche oder gymnastische Übungen. Auch die von ganzheitlich arbeitenden Therapeuten angewandte Sauerstoff-Therapie, z.B. als Inhalation, bringt in der ambulanten Behandlung schnelle Erfolge. Bei der Blutbildung wird Eisen gebraucht, daher können Eisenpräparate, Folsäure oder Vitamin B12 zusätzlich helfen. Auch Rote-Beete-Saft oder roter Traubensaft fördern die Blutbildung. Außerdem sollten Nährstoffdefizite ausgeglichen, Entgiftungsorgane gestärkt und die Darmschleimhaut regeneriert werden. (siehe GfBK-Infos: Darmregulation, Ausleitung und Entgiftung wie auch Vitamine) Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gerne an den ärztlichen Beratungsdienst unserer Gesellschaft.

Vitamin D und Aromatasehemmer

Ich nehme Aromatasehemmer und leide unter den Nebenwirkungen, besonders unter den Knochenschmerzen. Was kann ich dagegen tun?

Bei vielen Frauen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs werden Aromatasehemmer verordnet. Sie blockieren das Enzym Aromatase und verhindern so die Umwandlung von Östrogenvorstufen zu Östrogen in Geweben wie Muskeln, Fett- und Brustdrüsengewebe. Aromatasehemmer wirken vor allem bei Frauen nach den Wechseljahren, wenn die Hormonproduktion in den Eierstöcken deutlich nachlässt. Bei vielen Frauen, die sich dieser vorbeugenden Therapie unterziehen, treten Knochen- und Gelenkschmerzen (sog. Arthralgien) sowie Fatigue- Symptome auf, was zu einem Therapieabbruch führen kann. Die Gelenkschmerzen sind leider nur sehr schwer zu behandeln. Bisher empfahlen Therapeuten versuchsweise vor allem Weidenrinde, Teufelskralle oder Akupunktur.
Neue Studienergebnisse zeigen, dass eine zusätzliche Vitamin-D-Gabe helfen kann, diese Nebenwirkungen zu mindern (Khan QJ et al. / J Clin Oncol 2012; 30; suppl; abstr 9000). 147 Patientinnen erhielten täglich eine Therapie mit Letrozol plus 600 I. E. (= Internationale Einheiten), Vitamin D3 und 1200 mg Kalzium sowie zusätzlich nach dem Losprinzip ausgewählt entweder weitere 30 000 I. E. Vitamin D3 pro Woche oder ein Placebo. Von den Patientinnen, die zusätzlich hochdosiert Vitamin D3 erhalten hatten, litten nach 24 Wochen bedeutend weniger unter Knochen- und Gelenkschmerzen sowie an Fatigue-Symptomen.
Durch Vitamin D wird der ungünstige Einfluss der Aromatasehemmer auf Knochen- und Gelenkschmerzen minimiert. Zudem verbessert es die Knochendichte (Osteoporose ist eine weitere Nebenwirkung dieser Therapieform). Daher empfehlen wir, bei jeder Brustkrebspatientin standardmäßig eine Bestimmung des Vitamin-D Spiegels durchführen zu lassen. Bei einer Substitution sollte der 25-OH-D-Spiegel einen Zielwert von mehr als 40 ng / ml erreichen. Wenn Sie einen Aromatasehemmer einnehmen, lassen Sie außerdem halbjährlich Ihre Knochendichte mit dem DXA-Verfahren (= Dual-X-Ray-Absorptiometrie) messen sowie Ihren Kalzium-Spiegel und die Alkalische Phosphatase (AP) im Blut bestimmen.

Bestrahlung Kopf-Hals-Bereich

Ich habe Mundboden-Krebs und werde im Kopf-Hals-Bereich bestrahlt. Die starken Nebenwirkungen, wie Mundschleimhautentzündung, plagen mich sehr. Was kann ich dagegen tun?

Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitiden) treten als Nebenwirkungen einer Chemotherapie auf. Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren sind davon besonders schwer betroffen, da meistens auch noch eine Bestrahlung im Mund-Rachen- Bereich erfolgt. Die Naturheilkunde bietet verschiedene Therapieansätze, um diesen Entzündungen vorzubeugen bzw. sie zu lindern. Besonders bewährt haben sich Salbeispülungen, die lokale Applikation von Traumeel-Ampullen und das Ölkauen (siehe S. 14). Außerdem empfehlen wir Ihnen, vor allem während der Bestrahlung hoch dosiert Selen (300 μg) einzunehmen, am besten als Selenase Trinkampullen. Behalten Sie das Selen vor dem Herunterschlucken einige Sekunden im Mund. Wenn Zinktabletten zerkaut werden können und der Geschmack nicht allzu sehr stört, liegen auch gute Erfahrungen mit Zinkorotat vor – die Tablette zerkauen und mit dem Speichel im Mund wirken lassen. Zusätzlich ist es hilfreich, während der Chemotherapie einen Eiswürfel in den Mund zu nehmen und zu lutschen. Durch die Kälte werden die Schleimhäute schlechter durchblutet und nehmen weniger Gifte auf. Gestalten Sie Ihre Ernährung während der Zeit der Therapie möglichst entlastend. Meiden Sie eher heiße, salzige oder stark gewürzte Speisen; dies gilt auch für saures Obst oder Rohkost. Eine Alternative bieten hier fein gemixte »grüne Smoothies«, die durch deren starke Zerkleinerung während Chemo- und Strahlentherapie besser vertragen werden.
Folgende Nahrungsmittel sind während dieser belastenden Phase empfehlenswert: Obst und Gemüse wertschonend gegart bzw. gedünstet, fein vermahlene Vollkornprodukte (Dinkel, Hafer), Säfte möglichst milchsauer vergoren und verdünnt (z.B. Kanne-Brottrunk®), Bio-Soja-Produkte, Bio-Geflügel, Tiefseefisch, Bio-Öle (Lein-, Olivenöl), Kartoffeln als Pell- oder Salzkartoffeln, „bittere” Kräutertees, kohlensäurearme Mineralwässer, zum Süßen in geringer Menge, z. B. Honig, Ahornsirup, Birnen- bzw. Agavendicksaft. Bei sehr starker Beeinträchtigung der Schleimhäute im Mund-Rachen-Bereich kann es ratsam sein,  vorübergehend auf Cremesuppen, Kartoffel- oder Karottenpüree, Hafer, Reis- oder Leinsamenschleimsuppen sowie Apfelmus auszuweichen. Diese dürfen mit wertvollen Ölen (z. B. Leinöl, Olivenöl, Walnussöl) angereichert werden.
Führen Entzündungen im Mund- oder Rachenraum zu erheblichen Schluckbeschwerden, sodass eine Nahrungsaufnahme kaum mehr möglich ist, besprechen Sie dies bitte mit dem behandelnden Arzt. Um dem Verlust an Körpergewicht entgegenzuwirken, kann eine Ernährung über die Vene notwendig werden. Diese sollte möglichst frühzeitig eingeleitet werden, da Studien zeigen, dass die Therapie schlechter vertragen wird, wenn man währenddessen zu stark abnimmt.
Folgende Präparate wirken lokal in der Mundschleimhaut: Paramirum-Tropfen (Fa. Erbasens), Granaimmun-Tropfen (Dr. Jacobs) und Echinacin-Tabletten (z.B. Esberitox). Echinacin darf erst nach der Chemotherapie gegeben werden, da komplexe Wechselwirkungen über Entgiftungsenzyme der Leber möglich sind. Denkbar ist vor allem, dass Präparate, die direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen werden, auch helfen können, das Rückfallrisiko zu minimieren. Dies gilt vor allem für Patienten mit Zungen(-grund) karzinomen oder Tumoren des Rachenbereichs. Eine solche Therapie lässt sich gut mit der hoch dosierten Einnahme von Enzymen (siehe GfBK-Info Enzyme) kombinieren.

Was ist Fatigue?

Im Zusammenhang mit Tumorerkrankungen und aggressiven Therapieformen wie Chemo- bzw. Strahlentherapie hört und liest man zunehmend öfter vom chronischen Fatigue-Syndrom. Was ist darunter zu verstehen?

Das chronische Fatigue- oder deutsch Müdigkeits-Syndrom (= verschiedene Beschwerden mit Erschöpfung, Antriebslosigkeit und Mattheit) ist eine häufige Folge einer Chemo- bzw. Strahlentherapie. Der menschliche Organismus wird durch die kontrollierte Zufuhr starker Zellgifte (bei der Chemotherapie) bzw. durch energiereiche Strahlung nicht selten maximal gefordert und häufig überfordert. Als Reaktion des Körpers kann der gesamte Stoffwechsel. negativ beeinflusst werden und in Folge eine Blutarmut auftreten. Indem weniger Sauerstoff zu allen Zellen gelangt, kann es letztlich zu dem chronischen Müdigkeits-Syndrom kommen. Weitere Erläuterungen und insbesondere viele bewährte Ratschläge zur wirksamen Verminderung des Fatigue-Syndroms enthält das gleichnamige Informationsblatt der GfBK.

Blähungen und Durchfälle

In Folge der Chemotherapie nach einer Dickdarm-Carcinomerkrankung treten bei mir gehäuft nach dem Konsum von Kuhmilchprodukten wie Joghurt, Quark, Kefir und Käse Blähungen und Durchfälle auf. Haben Sie hierfür eine Erklärung?

Zahlreiche Kombinationen der Chemotherapie bedingen in der Regel Schleimhautschäden vor allem im Dünn- und Dickdarmbereich. Dadurch kommt es zu einer vermehrten Allergisierung (= überempfindlichkeit) insbesondere auf solche Nahrungsmittel, die allgemein schon häufig als potentielle Allergieverursacher gelten wie Kuhmilchprodukte und Weizen. Sie sollten daher Ihre Ernährung entsprechend ändern und alternativ vermehrt Ziegenmilchprodukte und beispielsweise Dinkel konsumieren. Eine gezielte Regeneration der Darmflora durch ein so genanntes Immuntraining für den Darm ist bei Ihnen sinnvoll und zweckmäßig. Einzelheiten können Sie einem gleichlautenden Informationsblatt unserer Gesellschaft entnehmen.

Nebenwirkungen der Chemo

Meine weißen und roten Blutkörperchen sind unter Chemotherapie, die ich infolge meiner Hodenkrebserkrankung bekam, stark abgesunken. Was kann ich dagegen tun?

Unter Chemotherapie stellt sich sehr häufig eine Verminderung von weißen und roten Blutkörperchen ein. Schulmedizinisch soll die Bildung von roten Blutkörperchen durch Erythropoetin angeregt werden. ähnliche Wachstumsfaktoren werden auch (z.B. GCSF) bei einem Mangel an weißen Blutkörperchen angewandt.  In der ganzheitlichen Medizin ist es möglich durch die Gabe von Mistel-, Enzym- und/oder Thymus/Organotherapeutika, Schäden am Blutbild zu reduzieren. Bei der Blutbildung wird Eisen gebraucht, daher können Eisenpräparate, Folsäure oder Vitamin B12 zusätzlich helfen. Auch Rote-Beete-Saft oder roter Traubensaft fördern die Blutbildung.  Da unter Chemotherapie ein Mangel an roten Blutkörperchen auch bedeutet, dass weniger Sauerstoff in die Gewebe gelangt, bringt auch die Sauerstoff-Therapie, z.B. als Inhalation, Erfolge. Was man als Patient selbst tun kann, um mehr Sauerstoff ins Gewebe zu bringen, sind Spaziergänge an frischer Luft, Atemgymnastik sowie sportliche oder gymnastische übungen. Außerdem sollten Nährstoffdefizite ausgeglichen, Entgiftungsorgane gestärkt und die Darmschleimhaut regeneriert werden.

Mundtrockenheit bei Zungenkrebs

Ich habe ein Zungengrundkrebs und leide nach Bestrahlung unter häufigem Pilzbefall des Mundraumes und Mundtrockenheit. Was kann ich naturheilkundlich tun, um die Beschwerden zu lindern?

Durch Chemotherapie und ganz besonders infolge lokaler Strahlentherapie werden die Verdauungsleistung im Organismus herabgesetzt und die Schleimhäute geschädigt. Maßnahmen, um einen bestehenden rezidivierenden Soorbefall und Mundtrockenheit zu lindern, beinhalten vor allem lokale Maßnahmen, aber auch eine entsprechend angepasste Ernährung. So regen zuckerfreie Bonbons oder Kaugummis sowie Pfefferminz -und Zitronentee die Speichelbildung an. Man sollte außerdem häufig einen Schluck Wasser trinken und bevorzugt wasserhaltige Lebensmittel zu sich nehmen. Es sollte auch daran gedacht werden, die Lippen mit einer Fettcreme geschmeidig zu halten.  Außerdem erhalten Sie in Apotheken Speichelersatzpräparate bei sehr starker Mundtrockenheit (wie z.B. Glandosane-Spray oder Aldiamed-Gel). Weil Speichelersatzpräparate mit einem schwach sauren pH-Wert den Zahnschmelz demineralisieren können, werden diese aber meist nur zur kurzfristigen Anwendung empfohlen.   Als lokale Maßnahmen bietet sich bei Entzündungen der Mundschleimhaut das Spülen und Gurgeln mit Pflanzenextrakten (z.B. aus Salbei, Kamille) an; aber auch andere Lösungen sind zum Mundspülen geeignet (z.B. Silicea Balsam). Auch die zusätzliche Anwendung von Traumeel®-Tropfen kann sinnvoll sein. Das Ölkauen kann bei Schleimhautproblemen im Mundbereich ebenfalls hilfreich wirken. Informationen zum Ölkauen finden Sie hier. Je nach Stärke der Beschwerden, kann es notwendig sein, einige Empfehlungen zeitgleich durchzuführen; gegebenenfalls reichen aber auch einzelne Maßnahmen.   Um Pilzbefall vorzubeugen, sollte die Zahnbürste wöchentlich gewechselt werden. In jedem Fall sollte bei vorliegendem rezidivierendem Pilzbefall im Mundbereich eine konsequente lokale Behandlung mit einem Antimykotikum erfolgen. Dabei sollte auch an die Behandlung eines möglichen Pilzbefalls im Darm gedacht werden, ggf. auch eine Darmsanierung. Bei Verdacht auf einen Pilzbefall des Darms haben sich natürliche Präparate bewährt, wie z.B. Teebaumöl (3 x täglich 1 Tropf. in einem Glas Wasser vor den Mahlzeiten).  Auch regelmäßige lokale Mundspülungen mit Teebaumöl können bei Mundsoorbefall helfen.

Übelkeit bei Chemotherapie

Ich bekomme Chemotherapie und leide trotz verschiedener Antibrechmittel an ausgeprägter übelkeit und Erbrechen. Was kann ich naturheilkundlich tun?

Insbesondere während und nach einer Chemotherapie treten gehäuft Beschwerden wie Übelkeit und/oder Brechreiz auf. Schulmedizinisch werden je nach Beschwerdegrad schwache bis starke Medikamente verordnet. Wichtig ist hier insbesondere, dass der Patient dem behandelnden Arzt rechtzeitig Rückmeldung gibt, dass die Antibrechmittel nicht ausreichend gewirkt haben, damit beim nächsten Mal ggf. eine andere Verabreichungsform, z.B. mittels Zäpfchen oder ein stärkeres bzw. länger wirksameres Präparat gewählt werden kann.  Ein für jeden wirksames Rezept gegen Übelkeit gibt es auch aus naturheilkundlicher Sicht leider nicht. In leichteren Fällen genügen oft pflanzliche Beruhigungsmittel aus Baldrian oder Hopfen. Außerdem kann eine Akupressur-Therapie mittels eines Akupressur-Bandes, dem "Sea Band" helfen, das in Sanitätshäusern und Apotheken erhältlich ist. Direkt vor und nach einer Chemo-Infusion kommt auch die Gabe von homöopathischen Substanzen in Frage. Hierzu werden 3-4 Globuli von "Nux vomica D6" eingenommen ( am besten im Mund zergehen lassen). Bei Bedarf kann die Einnahme natürlich mehrmals am Tag wiederholt werden. In schweren Fällen, einhergehend mit starkem Erbrechen kann auch die Gabe von Milzpeptiden als Infusion erwogen werden. Nicht zuletzt sollte auch für eine angenehme und beruhigende Atmosphäre vor bzw. während der Chemotherapie gesorgt werden, am einfachsten mithilfe einer mitgebrachten Entspannungs-CD, um die Angst vor der bevorstehenden Infusion zu nehmen und/oder mit Aromaessenzen, die je nach persönlichen Vorlieben auszuwählen sind; Vorschläge wären : Basilikum, Orange, Blutorange, Bergamotte, Kiefer, Lavendel, Rosenholz oder Melisse.

Kieferschäden durch Bisphosphonate

Ich habe Knochenmetastasen und bekomme zur Knochenstärkung sogenannte Bisphosphonate als Infusionen. Meine Information bis jetzt war, dass diese Bisphosphonate nebenwirkungsarm sind. Nun habe ich aber gehört, dass Bisphosphonate Kieferentzündungen auslösen können. Bin ich nun gefährdet, eine Schädigung des Kieferknochens zu bekommen? Sollte ich die Präparate mir lieber nicht mehr geben lassen?

Bisphosphonate (synthetische Phosphorverbindungen), die häufig in der Behandlung, aber auch zur Vorbeugung von Knochenmetastasen eingesetzt werden, können Knochenentzündungen und -defekte im Kieferbereich hervorrufen. Inzwischen warnen die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) vor Knochenschädigungen des Kiefers in Verbindung mit Bisphosphonaten, vor allem von Pamidronat (Aredia) und Zoledronat (Zometa), die als Infusionen verabreicht werden.
Die schwer therapierbaren Defekte treten häufig nach zahnmedizinischen Eingriffen auf und zeigen sich beispielsweise als lokale Entzündung mit freiliegendem Kieferknochen oder Knochenhautentzündung. Erstmals fiel Ärzten einer New Yorker Klinik für Mund- und Kieferchirurgie eine Häufung von Patienten mit hartnäckigen, teilweise schwerwiegenden Knochenentzündungen und -defekten unter einer Therapie mit Bisphosphonaten auf, die einem Krankheitsbild nach einer Bestrahlung des Kiefers glichen. Während diese so genannten Osteoradionekrosen (Knochenschäden infolge der Bestrahlung) mit ein bis zwei Erkrankungsfällen pro Jahr normalerweise eher selten auftreten, wurde bei 63 Patienten unter Bisphosphonattherapie innerhalb von zweieinhalb Jahren eine Knochennekrose des Kiefers beobachtet, ohne dass bei diesen Patienten eine Bestrahlung des Kiefers durchgeführt worden war. Eine deutsche Fallstudie aus Rostock und weitere Studien bestätigten schließlich die Beobachtungen aus den U.S.A., dass es bei Patienten in seltenen Fällen (5-10%) unter Bisphosphonatgabe zu entzündlichen, teilweise auch mit Antibiotika nicht beherrschbaren Schwellungen im Kieferbereich kommen kann (Steiner B/DMW 2005). Das Risiko dafür ist erhöht, wenn das Immunsystem sehr geschwächt ist, gleichzeitig Behandlungen mit Chemotherapie oder Cortison nötig sind oder wenn bereits Entzündungen im Mundraum bestehen.
Seit Bekanntwerden dieser Studien wird daher eine zahnärztliche Untersuchung vor Therapiebeginn empfohlen. Außerdem sollten unter der Behandlung mit Bisphosphonaten zahnmedizinische Eingriffe möglichst vermieden werden. In der Frage, ob die Bisphosphonat-Therapie nach dem Auftreten von Kiefernekrosen fortgeführt werden kann, muss stets individuell Risiko und Nutzen für den Patienten abgewägt werden, da Bisphosphonate Monate bis Jahre, eventuell lebenslang im Knochen verweilen können und in seltenen Fällen die Ausbildung weiterer Nekrosen trotz Absetzens beobachtet wurde.


Diagnostik

Bluttest zum frühzeitigen Krebs-Nachweis

Ich habe von einem neuen Bluttest gehört, mit dem Krebserkrankungen schon im Frühstadium erkannt werden können. Was halten Sie von einem solchen Test?

Bisher gibt es keinen Blut-Test, den man verwenden kann, um Krebserkrankungen in einem Frühstadium zu erkennen. Wir halten diese Meldungen schlichtweg für Sensationsmeldungen. Das gilt auch für Tests, die bei Tumorerkrankten angeblich dazu dienen, den Therapieverlauf zu kontrollieren (z. B. EDIM-Test, Apo-10, Adna Test, Maintrac, CellSearch). Bei den meisten dieser Verfahren werden Eiweiße, Zellkernmaterial oder Oberflächenmerkmale nachgewiesen, die spezifisch für Tumorzellen sein sollen. Es werden also nur Bestandteile von Tumorzellen aufgespürt. Ausnahmen sind der Maintrac-Test und der CellSearch-Test, bei denen anhand von Oberflächenmerkmalen lebende Zellen nachgewiesen werden können.
Beim EDIM-Test wird zum Beispiel nur untersucht, ob in den Fresszellen (Makrophagen) Tumorzellmaterial zu finden ist. Makrophagen haben natürlicherweise die Aufgabe, entartete Zellen zu „fressen″ und aufzulösen. Das tun sie fortwährend. Bei jedem Gesunden ist daher Tumorzellmaterial in Fresszellen zu finden. Ab welchem Grenzwert von einer Tumorzellbelastung die Rede sein kann, ist daher fraglich. Außerdem gibt es innerhalb der einzelnen Nachweisverfahren erhebliche Unterschiede. Vergleichende Studien zwischen diesen Tests liegen bislang nicht vor, weshalb man auch nicht sagen kann, welcher Test am sichersten und aussagekräftigsten ist. Rückschlüsse auf das Krebsgeschehen sind mit diesen Testverfahren allenfalls indirekt möglich.
Hinzu kommt, dass jeder gesunde Mensch Tumorzellen und damit auch Tumorzellfragmente im Blut hat, die jedoch im Laufe seines Lebens keinerlei Krebserkrankung verursachen. Wie viele Tumorzellen im Blut als „normal″ gelten können, lässt sich nicht wissenschaftlich fundiert behaupten. Unserer Ansicht nach ist es problematisch, wenn bei solchen Analysen festgelegt wird, dass bei mehr als fünf Tumorzellen in 7,5 ml Blut eine „Tumorzellpersistenz″ vorliegt. Immerhin gestehen selbst Experten auf diesem Gebiet ein, dass die prognostische Bedeutung von zirkulierenden Tumorzellen noch nicht eindeutig geklärt ist und in Studien überprüft werden muss.
Von den Anbietern des Maintrac-Tests wird betont, dass dieser Test nicht zur Krebsfrüherkennung angeboten wird und auch ganz bewusst keine Grenzwerte angegeben werden. Es sollte auch hier beachtet werden, dass die absolute Größe des Wertes nicht auf die Dynamik des Krebsgeschehens schließen lässt, eventuell aber die Dynamik der Zellzahl in weiteren Verlaufskontrollen. Hier muss die zukünftige Forschung zeigen, ob auf Grund eines Zellzahlanstiegs durch weitere diagnostische Schritte frühzeitig ein Rezidiv entdeckt werden und dies einen positiven Einfluss auf den weiteren Verlauf der Erkrankung haben kann. Fazit: Bisher kann man sagen, dass es noch nicht geklärt ist, wie die Information über Tumorzellbestandteile im Blut verwertet werden kann. Der praktische Nutzen dieser Diagnostik für die Betroffenen sollte individuell hinterfragt werden. So kommt eine aktuelle Studie mit sechsjähriger Beobachtungszeit zu dem Ergebnis, dass der Nachweis von Tumorzellen im Knochenmark zwar mit einem kürzeren Überleben assoziiert ist, der Unterschied in der 5-Jahres-Überlebensrate jedoch nur bei 4,9 Prozent (90,1 Prozent gegenüber 95,0 Prozent) liegt (Giuliano AE/AMA 2011).
Unser Rat: Wenn bei solchen Untersuchungen zirkulierende Tumorzellen oder Tumorzellbestandteile gefunden werden, ist es sinnvoll und notwendig, auch das therapeutische Vorgehen zu überdenken und anzupassen. Hat der Test keine Konsequenz für die Therapie, besteht unserer Ansicht nach die Gefahr, dass die Patienten psychisch unnötig belastet werden.

Immunstatus – wann sinnvoll ?

Ich habe vor kurzem eine Chemotherapie abgeschlossen. Mein Hausarzt schlägt mir nun vor, einen sog. Immunstatus machen zu lassen, um genauere Rückschlüsse ziehen zu können, wie meine Immunabwehr funktioniert. Was halten Sie von dieser Untersuchung?

Krebserkrankungen gehen häufig mit Veränderungen der Aktivität des Immunsystems einher, insbesondere nach Chemo- oder Strahlentherapie. Heute bestehen zwar sehr komplexe Untersuchungsmöglichkeiten, die Labormedizin kann den Zustand des Immunsystems dennoch nur ansatzweise prüfen.
So werden anhand des so genannten Immunstatus bestimmte Abwehrzellen, die Lymphozyten und deren Untergruppen bestimmt. Allerdings können mit dieser Untersuchung vor allem die Absolutzahl bestimmter Abwehrzellen und nur eingeschränkt deren Funktion bestimmt werden. Auch wenn alle Zellen des Abwehrsystems absolut gesehen in richtiger Anzahl vorliegen, können trotzdem Immundefizite bestehen. So sind für die Immunabwehr Flexibilität und Funktionsfähigkeit der einzelnen Zellen wichtig, auf die durch einen Immunstatus nur grob orientierend zurückgeschlossen werden kann.
Wie bei vielen anderen diagnostischen Methoden setzt die richtige Bewertung der Befunde jedoch eine entsprechende Erfahrung bei Ihrem behandelnden Arzt voraus. Fragen Sie Ihren Hausarzt ruhig, ob er diese Erfahrung hat. Denn nur so kann die Bestimmung des Immunstatus auch eine bessere auf Sie abgestimmte Therapie nach sich ziehen.


Bauchspeicheldrüsenkrebs

Bauchspeicheldrüsenkrebs und Mistel

Wie wirksam ist eine Misteltherapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Umfragen und Studien belegen den Trend: Gut zwei Drittel aller Krebspatienten wünschen sich eine zusätzliche, das Immunsystem aufbauende Behandlung.
Die meisten Betroffenen entscheiden sich dabei für eine Misteltherapie. Seit 1917 werden Injektionspräparate aus Viscum album in der Krebsbehandlung eingesetzt. Diese Therapieform wurde von dem Anthroposophen Rudolf Steiner entwickelt. Sie fand in den letzten Jahrzehnten steigendes wissenschaftliches Interesse. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Studien, die die Wirksamkeit einer Misteltherapie auch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs unterstreichen.
Bereits 2005, 2008 und 2010 untersuchte Matthes vom Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in mehreren Studien die Wirkung der Misteltherapie an Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs. Seine Ergebnisse verdeutlichen, dass Patienten mit Misteltherapie seltener tumor- oder therapiebedingte Beschwerden erleiden. Auch das Gesamtüberleben war in den Mistelgruppen länger. Eine aktuelle Untersuchung von Tröger aus 2013 dokumentiert in einem qualitativ hochwertigen Studien-Design (Phase-3-Studie) die Überlebenszeit mit und ohne Mistel. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass mit einer Misteltherapie das Überleben von Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs um drei Monate verlängert werden konnte. Das Ergebnis ist deshalb von großer Bedeutung, weil selbst aggressive schulmedizinische Therapien meistens nur einen Gewinn von wenigen Monaten Überlebenszeit für die Betroffenen bringen – unter entsprechenden Nebenwirkungen der Therapien. Aus diesen Fakten leitet sich unsere dringende Empfehlung ab, bei Bauchspeicheldrüsenkrebs zusätzlich und unverzüglich mit einer Misteltherapie zu beginnen.
Sie sollte in Kombination mit anderen Maßnahmen der biologisch-ganzheitlichen Krebsbehandlung durchgeführt werden. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs haben sich vor allem L-Acetyl-Carnitin, Brokkoliextrakt und Vitamin-C-Infusionen in der Praxis bewährt, um die Lebensqualität bestmöglich zu erhalten.

Bauchspeicheldrüsenkrebs

Ich habe Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Lebermetastasen und würde gerne wissen, was außer einer Chemotherapie noch getan werden kann?

Eine Heilung ist bei metastasierendem Bauchspeicheldrüsenkrebs selten möglich. Die Erfolge einer Chemotherapie sind begrenzt und verbessern nur in Einzelfällen auch tatsächlich das Überleben. Auch der Einsatz neuer Chemotherapeutika, wie z. B. Irinotecan und Oxaliplatin erzielen keine Verbesserung der Überlebenszeit (Conroy T / NEJM 2011), haben jedoch meistens erhebliche Nebenwirkungen. Insofern sollte vor dem Einsatz von belastenden schulmedizinischen Therapien sorgfältig zwischen voraussichtlicher Lebenserwartung und Beeinträchtigung der Lebensqualität durch Nebenwirkungen abgewogen werden. Es gibt zwei Naturstoffe, die für Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs besonders interessant sind: L-Carnitin und Sulphoraphan. L-Carnitin ist eine vitaminähnliche Substanz, die aus Aminosäuren gebildet wird und vor allem in Fleisch (besonders in rotem Fleisch, insbesondere in Schaf- und Lammfleisch) enthalten ist. Aktuelle Studienergebnisse der Universität Greifswald (CARPANStudie) zeigen, dass bei Patienten mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs die orale Gabe von L-Carnitin die Lebensqualität verbessert und sogar zu einer Verdoppelung der Überlebenszeit führen kann. Laut der Forschergruppe sind die Ergebnisse, die mit L-Carnitin erzielt wurden, durchaus mit dem Erfolg einer Chemotherapie vergleichbar. Durch L-Carnitin erreichten die Patienten in dieser Studie trotz des weit fortgeschrittenen Tumorstadiums eine Prognose, die mit der nach Entfernung des Tumors vergleichbar ist. Auch wenn es das 5-Jahres-Gesamtüberleben nicht verbessern konnte, empfehlen wir die Gabe von L-Carnitin mit dreimal einem Gramm zusätzlich zur Chemotherapie, da die Patienten so eine deutlich bessere Lebensqualität hatten. Der andere Naturstoff, das Sulphoraphan, ist ein Wirkstoff aus Kohlgewächsen, besonders in Brokkoli enthalten. Forschungsergebnisse des Deutschen Krebsforschungszentrums aus Tierexperimenten zeigen, dass diese Substanz widerstandsfähige Tumorstammzellen von Bauchspeicheldrüsenkrebs mehr schwächen kann als herkömmliche Krebsmedikamente (Herr I / DZO 2009). Jetzt soll geprüft werden, welche Wirkung Sulphoraphan beim Menschen hat. Dazu wird ein Schrot aus gefriergetrockneten Keimlingen (Grünkohl, Brokkoli, Rosenkohl) verwendet, welche auf einen besonders hohen Gehalt an Glukosinolaten hin gezüchtet wurden. Ein solcher Extrakt bzw. Tabletten gibt es zum Beispiel von der Firma Agrinova (www.agrinova.biz) oder von der Firma Supersmart (www.supersmart.com, »Broccoli Sprouts Extract«). Eine gute Alternative ist der Verzehr von Brokkolisprossen (in Feinkostläden und Bioläden erhältlich). Setzen Sie neben Brokkoli auch andere Kohlgewächse wie Blumenkohl, Rosenkohl, Grünkohl, Wirsing, Rotkohl, Kohlrabi, Chinakohl sowie Kresse, Senf, Rettich, Radieschen, Meerrettich und Raps (Rapsöl!) häufig auf Ihren Speiseplan.

Vitamin-C-Infusionen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Ich habe Bauchspeicheldrüsenkrebs und mein Heilpraktiker würde mir gerne Infusionen mit Vitamin C während der Chemotherapie geben. Meine Chemo-Ärzte sind jedoch strikt dagegen. Was können Sie mir raten?

Vitamininfusionen, besonders hochdosiertes Vitamin C, können bei Bauchspeicheldrüsenkrebs nur empfohlen werden. Eine kleine Studie aus den USA hat ergeben, dass in die Vene gespritztes Vitamin C, das zusätzlich zur Standard-Chemotherapie mit Gemcitabine gegeben wird, die Überlebenszeit von Patienten mit Pankreas-Karzinom verlängern kann (Welsh JL/Cancer Chemother Pharmacol 2013). Dabei erhielten neun Patienten zweimal wöchentlich 15 bis 125 Gramm Vitamin C intravenös nach einem speziellen Titrationsschema. Das Ergebnis der Studie: Die Kombinationstherapie war sehr gut verträglich. Und die Überlebenszeit war mit 13 ± 2 Monaten gegenüber 5,65 Monaten deutlich verlängert. Die Vorteile von Vitamin C als Infusion bei Krebspatienten sind übrigens schon seit Langem bekannt. Bei Laborversuchen hat sich hochdosiertes Vitamin C für zahlreiche Krebsarten als zytotoxisch erwiesen. Zusätzlich konnte es sogar die Wirkung verschiedener herkömmlicher Chemotherapie-Medikamente verstärken.
Bereits vor etwa 30 Jahren haben erste klinische Studien ergeben, dass Krebspatienten von intravenös verabreichtem Vitamin C profitieren können. So berichteten Cameron und Pauling in den 1970er Jahren, dass dieser Vitalstoff die Überlebenszeit von Krebspatienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen verlängert. Auch erste kleinere Studien haben gute Erfolge bei Brustkrebspatientinnen gezeigt.
Den biochemischen Hintergrund, warum hochdosiertes Vitamin C Krebszellen unschädlich macht, während gesunde Zellen unbehelligt bleiben, hatte vor einigen Jahren eine Studie von Levine (Chen Q/PNAS 2005) beleuchtet. Ein möglicher Wirkungsmechanismus könnte sein, dass sich unter Vitamin-C-Einfluss in Krebszellen vermehrt zellschädigendes Wasserstoffperoxid bildet. Offensichtlich wirkt Vitamin C im Tumorgewebe anders als in gesunden Zellen. Diesen Mikronährstoff in hohen Dosen kurmäßig als Infusion zu verabreichen, hat sich insbesondere zur Stärkung des Allgemeinbefindens und zur Tumorabwehr bewährt und gewinnt durch diese Studienergebnisse auch für Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs an Bedeutung.
Hersteller empfehlen, Vitamin C zeitversetzt zur Chemotherapie zu verabreichen, da klinische Daten über mögliche Wechselwirkungen bisher nicht vorliegen. Die Infusionen sollten daher spätestens 24 Stunden vor der Chemotherapie gegeben werden. Bei Vitamin-C-Infusionen nach der Chemotherapie empfehlen die Hersteller einen Abstand von mindestens drei bis vier Halbwertszeiten der angewendeten Chemotherapeutika. Die Wirkungen von Vitamin C und anorganischem Selen heben sich gegenseitig auf.
Bitte achten Sie daher darauf, dass zwischen der Anwendung bzw. Einnahme dieser beiden Substanzen mehr als zwei Stunden liegen.
Patienten mit Nierensteinen, Nierenschwäche, Eisenspeichererkrankungen oder einem bestimmten Enzymmangel (G-6-PDH-Mangel) können therapeutische Mengen von Vitamin C nicht bedenkenlos einnehmen. Sie sollten die Behandlung mit hochdosiertem Vitamin C unbedingt im Vorfeld mit ihrem behandelnden Arzt besprechen.


Eierstockkrebs

Metastasen im Bauchraum

Wegen einem Eierstockkrebs musste ich mich im letzten Jahr einer Unterleibstotal-Operation unterziehen und wurde mehrfach mit unterschiedlichen Formen der Chemotherapie nachbehandelt. Inzwischen ist leider eine ausgedehnte Metastasierung im Bauchfell mit starker Bauchwasserbildung (Aszites) aufgetreten. Dem Vorschlag einer erneuten systemischen Chemotherapie stehe ich sehr skeptisch gegenüber. Gibt es aus Ihrer Sicht dazu Alternativen? 

Wir empfehlen Ihnen im vorliegenden Fall eine spezielle Art der Hyperthermie- (= Überwärmungs-)Therapie, die so genannte IPHC (= intraperitoneale Hyperthermie). Dabei wird die Bauchhöhle mit einer bis zu 48 Grad vorgewärmten Kochsalzlösung ca. ein bis zwei Stunden durchspült, in die zusätzlich zytostatische (= tumorzellhemmende) Mittel gegeben werden können und die im Bauchraum zu Temperaturen von ca. 42 bis 43 Grad führen. Dadurch kann die örtliche Wirksamkeit der Chemotherapie erhöht und gleichzeitig die Menge an Zytostatika verringert werden. Die Nebenwirkungen dieser örtlichen Chemotherapie sind dadurch auch wesentlich geringer. Besonders bei Eierstockstumoren, die auf anderere therapeutische Methoden kaum reagieren, aber auch bei anderen Geschwülsten, die in das Bauchfell metastasieren (= Tochtergeschwülste bilden), wie beispielsweise Magen-, Darm- und Lebertumore, kann diese besondere Art der Überwärmungsbehandlung sehr erfolgreich sein. Weitere Einzelheiten über die Therapie und Anwenderadressen können Sie über die GfBK erhalten.

Misteltherapie bei Eierstockkrebs

Ist Ihnen eine negative Wirkung von Mistelpräparaten bei Eierstockkrebs bekannt ? Nach neueren Erkenntnissen sollen angeblich Mistelpräparate bei Eierstockkrebs möglicherweise krebsfördernd wirken im Gegensatz zur krebshemmenden Wirkung bei Brustkrebs ?  Stimmt diese Aussage? Gibt es dazu Untersuchungen bzw. Veröffentlichungen? Müßte ich dann nicht dieses Präparat absetzen?

Bei der Anwendung einer Misteltherapie bei Eierstockskrebs bestehen keinerlei Bedenken. In mehreren klinischen Studien an insgesamt 419 Patientinnen mit Eierstockskrebs konnte die krebshemmende Wirkung der Mistel nachgewiesen werden. Dies zeigen auch die höheren überlebenszeiten von mit Mistel behandelten Patientinnen sowie deren gesteigerte Lebensqualität. Behauptungen, die Mistel könne den Eierstockskrebs fördern, gehen auf Untersuchungen mit isolierten Wachstumsfaktoren (Vorstufen und Botenübertragungsstoffe der weißen Blutkörperchen), den sog. Zytokinen (wie z.B. Interleukin-6, Tumor-nekrosefaktor- a) zurück. Dort wirkten im Reagenzglas die einzelnen Zytokine gegenüber Eierstockskrebszellen sowohl wachstumshemmend als auch stimulierend. Obwohl durch eine Misteltherapie die körpereigene Freisetzung von diesen Zytokinen gefördert wird, kann man allerdings nicht die umgekehrte Schlussfolgerung ziehen, Mistel wirke bei Eierstockskrebs negativ. Denn es ist schon lange bekannt, dass man die Wirkung von isolierten Zytokinen nicht mit der Beeinflussung des gesamten Zytokinspektrums - so wie es bei der Mistelgabe der Fall ist - vergleichen kann. Die positive Wirkung der Misteltherapie bestätigt sich auch in den oben beschriebenen Untersuchungen an Patientinnnen mit Eierstockskrebs. Leider geschieht es jedoch immer wieder, dass Untersuchungen im Reagenzglas allzu leicht auf den Patienten übertragen werden. Dieser Widerspruch zeigt sich auch darin, dass durch die direkte Einspritzung in Bauchdeckenmetastasen bei Eierstockskrebspatientinnen sowohl durch Mistel als auch durch isolierte Zytokine (TNF-a) Tumorrückbildungen erreicht werden konnten !


Hautkrebs

Hautkrebs - Tumorimpfung

Ich habe Hautkrebs und soll eine Interferontherapie durchführen. Nun wurde mir von anderer Seite eine Tumorimpfung empfohlen. Was halten Sie davon?

Um der Bildung von Metastasen vorzubeugen, wird oftmals eine vorbeugende (adjuvante) Behandlung mit Zytokinen durchgeführt, meistens mit Interferon alpha. Ein Überlebensvorteil durch die Zytokintherapie konnte trotz unzähliger Studien nicht nachgewiesen werden. Lediglich bei sehr dicken, ulzerierten Primärtumoren und Mikrolymphknotenmetastasen kann ein geringer Überlebensvorteil erreicht werden. Dieser Effekt muss aber durch zum Teil sehr starke Nebenwirkungen erkauft werden. Forscher deuten immer mehr an, dass eine Alternative zur Therapie mit Interferon alpha in Zukunft die Tumorimpfung sein könnte. Auf diese Therapie sprechen Krebspatienten sehr oft deutlich besser an als auf eine Chemotherapie, in Einzelfällen können sogar Metastasen zum Verschwinden gebracht werden. Die Impfung wird mit Zellen aus dem Krebsgewebe des Patienten durchgeführt. Dieses wird ihm zuvor bei der Operation oder durch gesonderte Eingriffe entnommen. Die Tumorimpfung soll vor allem das Auftreten von Metastasen oder Rückfällen verhindern oder verzögern (Rezidiv-Prophylaxe nach der Operation). In klinischen Studien wird die Impfung meistens erst eingesetzt, wenn die Chemo-Immuntherapie fehlgeschlagen ist. Sehr wahrscheinlich ist, dass die Impfung oder andere Immuntherapien wirksamer sind, wenn vorher keine Chemotherapie erfolgte. Außerhalb von Studien und auf Wunsch des Patienten kann der Impfstoff von speziellen Labors hergestellt werden (siehe GfBK-Info Tumorimpfung). Einziger Wermutstropfen: Von den meisten Kassen werden die hohen Kosten nicht übernommen. Interessierte Patienten können sich an die Universitätshautklinik in Erlangen wenden unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch unter 09131 85 45833. In Erlangen werden vor allem Patienten mit Metastasen behandelt. Da Melanome zu den Tumorarten gehören, die gut auf Immuntherapien ansprechen, eignen sich zur allgemeinen Aktivierung des Abwehrsystems auch Mistel- oder Thymuspräparate. Mistel steigert die Produktion von körpereigenen Zytokinen, ähnlich denen, die in der adjuvanten Therapie verwendet werden. Erfahrungsberichte zeigen, dass sich dadurch vor allem in den Stadien I und II die Bildung von Metastasen verhindern oder verzögern lässt. Meistens werden diese Immuntherapien über mehrere Jahre durchgeführt, um anhaltende Effekte zu erreichen. Auch Vitamine und Spurenelemente helfen, das Abwehrsystem zu stärken. Erstaunlich sind im Zusammenhang die Ergebnisse einer Untersuchung an 872 Hautkrebspatienten: Bei höheren Vitamin-D-Werten hatten sie dünnere Tumore, ein geringeres Rückfallrisiko und ein verbessertes Gesamtüberleben (Newton et al. / J Clin Oncol 2009). Neben einer Therapie mit Mistel, Thymus etc. kann daher die Gabe von hoch dosierten Vitaminen, v. a. Vitamin D und Selen, sinnvoll sein.


Hirntumore

Mistel bei Hirntumoren

Ich bin an einem Glioblastom, einem bösartigen Hirntumor erkrankt und würde gerne Mistel spritzen. Ich bin mir allerdings unsicher, ob dies wirklich sinnvoll ist, da ich mehrfach gehört habe, dass eine Mistelgabe bei Hirntumoren Hirnödeme auslösen kann. Wie beurteilen Sie die Gabe von Mistel bei Hirntumoren?

Bei Hirntumoren lassen sich in der Praxis die Bedenken, dass eine Misteltherapie bei Hirntumoren Hirnödeme bzw. Hirndrucksteigerungen hervorrufen könne, bisher nicht bestätigen. So ist bisher noch nie festgestellt worden, dass die Misteltherapie zu einer Hirndruckerhöhung geführt hat, sondern dass vielmehr Hirntumore diesen erhöhten Hirndruck bewirken. Außerdem gibt es keine Veröffentlichungen, in denen Hirndrucksteigerungen nach Anwendung einer Misteltherapie bei Hirntumoren beschrieben worden sind. Die bisherigen Studie zur Misteltherapie bei Glioblastomen fanden diesbezüglich ebenfalls kein erhöhtes Risiko (zum Beispiel Lenartz D/Anticancer Res 2000 und Augustin M/Arzneim-Forsch/Drug Res 2005).
Auch die für die Zulassung der Mistelpräparate zuständige Kommission C beim ehemaligen Bundesgesundheitsamt hatte aufgrund der vorliegenden ärztlichen Erfahrungen Hirntumoren nicht als Kontraindikation in die Fachinformationen der Hersteller mit aufgenommen. So kann man zusammenfassend feststellen, dass man aus den leider nur spärlich vorliegenden Veröffentlichungen nicht den Schluss ziehen kann, dass eine Misteltherapie bei Hirntumoren nicht angewandt werden sollte.
Selbstverständlich gibt es Patienten mit schnell wachsenden Hirntumoren, bei denen auch die Beschwerden durch den Hirndruck krankheitsbedingt zunehmen und die dann behandelt werden müssen. Die Hirndruckzeichen sind dann aber nicht unbedingt eine Kontraindikation für die Misteltherapie, sondern nur eine Indikation für eine adäquate Behandlung mit Kortison und/oder Weihrauch. Außerdem ist es wichtig, dass Sie die Misteltherapie von einem in dieser Therapieform erfahrenen Therapeuten durchführen lassen.

 

Weihrauch bei Hirnmetastasen

Mein Mann ist seit etwa zwei Jahren an einem kleinzelligen Bronchialcarcinom erkrankt. Nach Operation und Chemo- bzw. Strahlentherapie sind inzwischen leider Hirnmetastasen aufgetreten. Ist auch in diesem Fall eine Weihrauch-Therapie unterstützend sinnvoll ?

Unserer Erfahrung nach kann eine Weihrauch-Therapie sowohl bei primären Hirntumoren als auch bei Hirnmetastasen, egal aus welchem Organtumor abgesiedelt, eingesetzt werden. Bestandteile des Weihrauchs, genauer die Boswelliasäuren, bewirken wissenschaftlich belegt eine Verminderung der Ödembildung (= Wasseransammlung im Gewebe). Dadurch gelingt es häufig, Beschwerden wie z. B. Lähmungen, Sprachstörungen oder Kopfschmerzen wie auch die im Regelfall verordnete Anti-Ödem-Therapie mit einem Cortisonpräparat zu verringern.  Weitere Details der Weihrauchtherapie einschließlich von Bezugsadressen enthält das Informationsblatt der GfBK über "Hirntumore".

Weihrauch statt Cortison?

Mein Sohn ist an einem bösartigen Gehirntumor, einem Glioblastom, erkrankt. Nach Operation und Bestrahlung steht er weiterhin unter einer Cortisontherapie, um die Ödembildung im Gehirn (Wasseransammlung im Gewebe) zu begrenzen. Inzwischen sind die Nebenwirkungen des Cortison, insbesondere eine starke Gewichtszunahme und eine Wasseransammlung im Gesichtsgewebe, zu beobachten. Kann eine Weihrauchtherapie eigentlich das Cortison ersetzen?

Die grundlegenden Empfehlungen der GfBK für ein biologisches Therapiekonzept bei Gehirntumoren umfassen auch die Weihrauchtherapie.
In einer Freiburger Studie aus dem Jahr 2011 zum Beispiel erhielten Hirntumorpatienten eine Woche lang neben der Radiotherapie das Weihrauchextrakt H15. Bei 60 Prozent der Patienten verringerte sich das Hirnödem um mehr als 75 Prozent (Kirste S/Cancer 2011). Gleichzeitig sprach der Tumor besser auf die Radiotherapie an. Medizinisch wirksam sind dabei die im Weihrauch enthaltenen Boswelliasäuren, die eine stark entzündungshemmende und abschwellende Wirkung haben.
Um eine solche Wirkung zu erzielen, sind allerdings gewisse Konzentrationen des Wirkstoffes im Blut notwendig, so dass eine tägliche Einnahme von vier bis sechs Gramm der Wirkstoffe des Weihrauchextraktes erforderlich sind. Darunter kann nach einem Vorlauf von drei Wochen versucht werden, die Cortisondosis schrittweise langsam abzubauen. Wir empfehlen, diesen Versuch nur unter ärztlicher Kontrolle vorzunehmen. Ob das Cortison völlig durch Weihrauch ersetzt werden kann, lässt sich im Individualfall nicht im Voraus bewerten.


Leberkrebs

Kostenaufklärung

Bei mir soll eine Laserbehandlung an Lebermetastasen durchgeführt werden, und ich habe noch keine Übersicht der Kosten erhalten. Wie soll ich vorgehen?

Eine Aufklärung über die Kosten alternativer Behandlungsmethoden ist Pflicht. Wird eine Kostenaufklärung verweigert, verstößt dies gegen die Berufsordnung der Ärzte § 12 Absatz 4. Patienten sind schriftlich über die Höhe des nach der GOÄ zu berechnenden voraussichtlichen Honorars zu informieren. Auch müssen sie darüber in Kenntnis gesetzt werden, wenn ein Anspruch auf Übernahme der Kosten durch eine Krankenversicherung oder einen anderen Kostenträger nicht gegeben oder nicht sicher ist. Für neue innovative Verfahren der konventionellen Medizin, wie z. B. TACE, SIRT und LITT sowie für zahlreiche Verfahren der Komplementäronkologie (Hyperthermie u. v. a.) gibt es noch keine entsprechenden Abrechnungspositionen. Laut ärztlichem Berufsrecht sollen Ziffern aus der GOÄ verwendet werden, die der Art, Schwierigkeit und dem Umfang der neuen Leistung ähnlich sind. Diese sogenannte Analogabrechnung wird mit dem Buchstaben A bei der entsprechenden Ziffer gekennzeichnet. Geben Sie sich nicht mit wenig konkreten Kostenaussagen zufrieden. Fragen Sie immer nach einer Honorarvereinbarung. Ärzte sind laut ihrer Berufsordnung an bestimmte Grenzen gebunden. Die Honorarforderung muss angemessen sein, und der Arzt hat bei Abschluss des Behandlungsvertrages Rücksicht auf die Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Patienten zu nehmen. Ohne umfassende Aufklärung im Vorfeld, Honorarvereinbarung und abgeschlossenen, gültigen Behandlungsvertrag hat der Arzt kein Recht auf ein Honorar. Oft ist es ratsam, noch nach anderen Kliniken zu suchen, in denen die gewünschte Behandlung stationär vorgenommen wird und damit im Rahmen der Fallpauschale mit den gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden kann.

Resektion der Leber

Vor vier Wochen habe ich den linken Leberlappen entfernt bekommen, wobei der histologische (Gewebs-) Befund bösartig war. Da die Ärzte in der Uniklinik kein Risiko eingehen wollen, sollen mir demnächst weitere Teile der Leber entfernt werden. Jetzt stellt sich für mich die Frage, wie es sich mit einem Leberanteil von 40-50% leben lässt ? Denn dies konnten mir die  Ärzte nicht sagen? Was denken Sie darüber?

Lebergewebe ist grundsätzlich in der Lage, sich schnell zu regenerieren und auch bei sehr starker Schädigung, als Entgiftungsorgan funktionsfähig zu bleiben. Dies sieht man in der Medizin insbesondere bei Patienten mit Leberzirrhose (fortgeschrittene Lebererkrankung nach einer Leberentzündung), bei denen oftmals eine Schädigung von mehr als 70% des Lebergewebes vorliegt, ohne dass sich Funktionseinschränkungen zeigen. Nach Entfernung z.B. des linken Leberlappens regeneriert der verbliebene rechte Leberlappen, und schon nach etwa 2 Jahren kann er meistens die Gesamtgröße der ehemals gesunden Leber erreichen. Unterstützend können Sie sicher die Einnahme pflanzlicher Leberschutzstoffe erwägen. Zu nennen sind vor allem Löwenzahn, Mariendistel, Artischocke, Bärlapp und Berberitze. Abends eingenommen, wirken sie besonders gut, da nach der chinesischen Organuhr der traditionellen chinesischen Medizin die Leber nachts zwischen 1.00  -  3.00 Uhr ihre höchste Aktivität entfaltet.

Lebermetastasen bei Darmkrebs

Nach einer Dickdarm-Carcinom-Erkrankung sind Lebermetastasen aufgetreten. Da eine Laserbehandlung aufgrund der Vielzahl der Metastasen nicht möglich ist, wurde mir eine Chemotherapie empfohlen. Nach Abwägung von Pro und Contra habe ich die Chemotherapie abgelehnt. Auch wenn mir bewußt ist, dass es keine direkte Alternative zur Chemotherapie gibt, möchte ich dennoch durch eine biologische Therapie mein Immunsystem und meine Leber stärken und damit den Krankheitsverlauf vielleicht bremsen. Gibt es eine Leber stärkende Ernährung bzw. was ist in meinem Fall zu beachten?

Der Darm und die Leber können durch eine entlastende, d. h. den Stoffwechsel nicht zusätzlich belastende Kostform in ihrer Funktion gestärkt werden. Sie sollten dabei so wenig Rohkost wie möglich, Vollkorn nur in fein vermahlenem Zustand und Säfte nur stark verdünnt zu sich nehmen. Weiterhin sind Masttierprodukte, raffinierter Zucker, Fertigprodukte und Fast Food absolut zu meiden. Wenn Sie statt mit Pfeffer und Salz eher mit Kräutern würzen, gründlich kauen und beim Einkauf weniger durch Dünge- und Sprühmittel belastete Nahrungsmittel bevorzugen, verschaffen Sie sich weitere Vorteile. Unterstützend auf die Darmflora und den Leberstoffwechsel können milchsauer vergorene Getränke, wie beispielsweise der Brottrunk wirken. Zinn- oder Schachtalmkrauttee in Maßen getrunken und/oder auch äußerlich als Leberwickel angewandt oder Präparate mit Artischockenblätterextrakt sind ebenfalls sinnvolle Zusatzmaßnahmen.


Magenkrebs

Magenkrebs – was tun bei Gewichtsverlust ?

Seit meiner Magenkrebsoperation vor einigen Monaten habe ich leider noch mehr an Gewicht verloren, da ich an immer wiederkehrenden Durchfällen unabhängig von den Mahlzeiten leide. Was raten Sie mir, damit ich wieder zunehme und was kann die Ursache für die Durchfälle sein?

Leider sinkt bei Magenkrebspatienten nach der Operation durch die veränderten Verdauungswege und die evt. sehr belastenden Therapien das Körpergewicht häufig noch weiter. Daher ist es nach der Operation umso wichtiger, dass sowohl Patienten wie auch betreuende Angehörige rechtzeitig dieses Problem anzugehen versuchen. Spezielle diätetische Empfehlungen sind gerade bei Magenkrebsoperierten unbedingt einzuhalten. Diese sollten aber individuell angepasst werden; mit viel Geduld, um herauszufinden, was schmeckt und bekömmlich ist.
Die wichtigste Maßnahme ist das langsame Essen vieler kleiner, über den Tag verteilter Mahlzeiten. Gerade wenn der Magen fehlt, muss die Nahrung gründlich gekaut und durch den Speichel vorverdaut werden. Deswegen sollte man sich für die Mahlzeiten ausreichend Zeit nehmen und langsam essen. Außerdem sollten sehr süße Speisen und Getränke gemieden werden. Besser sind ballaststoffreiche, stärkehaltige Kohlenhydrate (z. B. in Vollkornerzeugnissen und Kartoffeln). Obwohl auch Magenkrebspatienten viel trinken müssen, ist es besser, die Nahrung beim Essen nicht noch zusätzlich zu verdünnen, sondern nur vor oder einige Zeit nach den Mahlzeiten zu trinken.
Gelingt das Zunehmen trotzdem nicht oder ist die Nahrungspassage durch den Tumor verhindert, können hochkalorische Nahrungskonzentrate (Astronautenkost) oder eine Sondenernährung weiterhelfen.
Nahrungsmittel, die eher schlecht vertragen werden, sind: Unreifes, unzerkleinertes rohes Obst, Nüsse, grobe Kohlgemüse, Hülsenfrüchte, gebratene Speisen, frisches Brot, Blätterteig, fette oder süße Backwaren, Süßigkeiten, fettes Fleisch, fette Fischsorten, Bohnenkaffee, kohlensäurehaltige Getränke, Limonaden, saure Fruchtsäfte, panierte oder stark gewürzte Speisen, hocherhitztes Fett.
Ein weiteres Problem ist, dass aufgrund der eingeschränkten Durchmischung der Nahrung mit Verdauungsenzymen der Hauptkalorienträger Fett, einschließlich der fettlöslichen Vitamine (A, D, E und K) nicht vollständig verwertet werden kann. Bei fast allen Patienten ist dies der Fall; sie leiden unter Blähungen, neigen zu durchfallartigen Fettstühlen, und scheiden die eigentlich wertvollen und dringend gebrauchten Kalorien zu schnell wieder aus.
Eine Gewichtszunahme erreichen Magenkrebspatienten daher normalerweise nicht dadurch, dass einfach fetter gegessen wird; viel wichtiger ist die ausgewogene Zusammenstellung kalorienreicher, aber nicht belastender Ernährung. Damit auf Fett nicht ganz verzichtet werden muss, helfen die schon erwähnten Verdauungsenzyme, die der Arzt verschreibt.
Abhilfe können auch sogenannte mittelkettige Fette (MCT-Fette) schaffen, die auch nach einer Magenoperation vom Darm aufgenommen werden können. MCT-Fette gibt es u. a. als Öl, Streichfett, Brotaufstrich.
Die Ursachen für Durchfälle bei Magenoperierten sind vielfältig. Denken sollte man neben einer Unverträglichkeit von bestimmten Nahrungsmitteln und einer gestörten Fettverwertung auch an eine bakterielle Fehlbesiedelung des Darmes, da bei Magenoperierten die „Säure-Barriere“ des Magens für die Passage von Bakterien fehlt. Da bei vielen Magenoperierten auch eine Milchzuckerunverträglichkeit und damit eine Unverträglichkeit von Milchprodukten besteht, kann dies auch die Ursache für Durchfälle und starke krampfartige Bauchschmerzen sein, da das nun allein von der Bauchspeicheldrüse abgegebene Enzym Lactase den Milchzucker nicht ausreichend aufspalten kann. Ggf. kann man die bereits im Handel erhältlichen lactosefreien Milchprodukte (sogenannte „Minus-L-Milch“) ausprobieren oder das in Milchprodukten enthaltene Kalzium gesondert zuführen. Eine Darmregulation nach Bestimmung der vorhandenen Darmbakterien ist anzuraten (siehe auch GfBK-Info Darmregulation GfBK-Info Magenkrebs).


Immunsystem

Darmflora als Schaltstelle des Immunsystems

Immer wieder höre ich, dass die Darmflora wichtig für das Immunsystem des Körpers ist. Was hat es konkret damit auf sich? Gibt es hierzu Untersuchungen in Zusammenhang mit Krebs?

Die Oberfläche der menschlichen Darmschleimhaut ist enorm: Auf 400 bis 600 m² leben ungefähr 100 Billionen Bakterien – in einem Ökosystem, das aus zehn bis hundertmal mehr Zellen besteht als der menschliche Körper. Die Gesamtheit dieser Mikroorganismen wird als intestinale Mikroflora oder Darmflora bezeichnet. Diese Mikroorganismen leben von der Nahrung, die wir aufnehmen. Sie bilden mit uns und wir mit ihnen eine Symbiose. Dafür leisten sie uns wertvolle Dienste: Erst durch Darmbakterien werden viele Nahrungsteile aufgeschlossen und für den menschlichen Körper verwertbar gemacht. Außerdem bilden einige Mikroorganismen Vitamine und essenzielle Fettsäuren, die vor krebserregenden Schadstoffen schützen. Und sie errichten an der Darmwand eine Abwehrfront gegen Viren, Bakterien oder Pilze. So verhindern sie, dass es zu Infektionen kommt. Diese nützliche Symbiose ist nur möglich, wenn die Mikroorganismen im Darm in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Dann ist gewährleistet, dass sich nicht schädliche Keime an Stelle der nützlichen ausbreiten. Die Darmflora ist für den Menschen so bedeutend, dass einige Wissenschaftler sie als »lebenswichtiges Organ« bezeichnen. Die Formulierung vom »darmassoziierten Immunsystem« etabliert sich immer mehr. Der Darm ist das größte Immunorgan des Körpers. 80 Prozent aller Abwehrzellen sind hier tätig. Im Bauch liegen die meisten Lymphknoten und das mit gutem Grund: Der Darm stellt die größte Berührungsfläche des Körpers mit der Umwelt dar. Die Haut z. B. bietet der Umwelt zwei Quadratmeter Kontaktfläche, die Lunge mit ihren vielen Verästelungen hat eine Oberfläche von etwa 80 Quadratmetern. Und beim Darm sind es rund 300 Quadratmeter. Die Fläche eines Darms, würde man sie glätten, wäre so groß wie der Garten eines Reihenhauses. Es ist einleuchtend, dass hier die Abwehrkräfte konzentriert sind. Sie sollen verhindern, dass mit der Nahrung aufgenommene Schadstoffe oder Krankheitserreger in den Körper gelangen. Darüber hinaus gehen von den Immunzellen im Darmbereich wichtige Impulse für das ganze Abwehrsystem aus. Rund 70 Prozent seiner Leistung sind auf den ständigen Kontakt mit den Mikroorganismen der Darmflora und den mit der Nahrung aufgenommenen Erregern zurückzuführen. Über den Darm findet also ein ständiges und notwendiges Immuntraining statt. Erst in den vergangenen Jahren belegten Forschungsergebnisse, dass die Darmflora bei der Bildung des Immunsystems im Darm eine wesentliche Rolle spielt. Sie zeigten auf, dass Veränderungen der Darmflora ein gesteigertes Risiko für Lebensmittelallergien oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen darstellen. Aktuelle Untersuchungen der Freiburger Mikrobiologen Diefenbach und Ganal an Tieren ergaben, dass Signale von natürlichen Darmbakterien notwendig sind für eine effektive Immunantwort gegen virale oder bakterielle Erreger. Erstmals sprechen die Forscher davon, dass man möglicherweise epigenetische Veränderungen beeinflussen kann, die auf die Reifung von Abwehrzellen positiv wirken. Wie die Ernährung Einfluss auf die Ausbildung der Darmflora hat, untersuchten jüngst kanadische Wissenschaftler. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass eine Ernährung mit einfachen Kohlenhydraten das Darmkrebsrisiko erhöhen kann. Und zwar produzieren Darmbakterien aus Kohlenhydraten Butyrat, das bei Mäusen die Bildung von Polypen förderte (Belcheva A et al./Cell 2014). Durch eine kohlenhydratarme Ernährung hingegen konnte die Bildung von Darmpolypen bei den Tieren reduziert werden. Außerdem wiesen die Forscher nach, dass sich die Darmflora unter einer kohlenhydratarmen Ernährung verändert. Gerade die Bakterienpopulation, die Kohlenhydrate in Butyrat verstoffwechselt, wurde seltener nachgewiesen. Andere Studien um Hazen (Nature/2011; 472:57–63) zeigten schon früher, dass die Beschaffenheit der Darmflora von der Ernährungsweise abhängt. So gibt es Unterschiede in der Darmflora von Vegetariern und starken Fleischessern. Sie entscheiden wahrscheinlich darüber, ob ein schützendes oder schädigendes Milieu entsteht. Diese Ergebnisse sind insofern bedeutsam, da sie offenkundig zeigen, dass unser Lebensstil erhebliche Auswirkungen auf das gesamte Immunsystem hat, weil unsere Ernährung die Verteilung der Darmbakterien beeinflusst. Und nicht nur, was wir essen, ist entscheidend, sondern auch, unter welchen Umständen: Wir brauchen Ruhe und Schlaf für eine gesunde Verdauung. Unter Stress fährt das Nervensystem automatisch die parasympathische Aktivität herunter, wodurch der Darmtätigkeit praktisch lahmgelegt wird. Zwangsläufig kommt es dann zu Blähungen und einem reizbaren Darm, und es werden deutlich weniger Nährstoffe aus dem Nahrungsbrei verwertet. Bei vielen Naturvölkern hat daher die Ruhe nach dem Essen Vorrang. An ihnen können wir uns ein Beispiel nehmen.

Grippeschutzimpfung dringend notwendig?

Ich bin 65 Jahre und ehemaliger Krebspatient, allerdings habe ich keine Metastasen. Mein Hausarzt hat mir dringend empfohlen, eine Grippeschutzimpfung durchzuführen. Was halten Sie davon?

Die Empfehlungen für eine Grippeschutzimpfung werden aus unserer Sicht zu pauschal und zu wenig individuell gegeben. Wenn bei Ihnen keine wesentlichen Herz-Lungen-Belastungen bestehen, die eine als Folge eines grippalen Infektes auftretende Lungenentzündung riskant werden lassen könnten, oder Sie durch z. B. eine Chemotherapie nicht zu stark beeinträchtigt sind, halten wir eine Grippeschutzimpfung für nicht sehr sinnvoll. Außerdem gibt es homöopathische Grippemittel, die Influenza Virus vom Typ H1N1 in potenzierter Form enthalten und die sich ebenfalls zur Grippeprophylaxe eignen. Auch die tägliche Gabe von mindestens 1000 I.E. (bei Erwachsenen eher 2000 I.E.) Vitamin D ist in der Lage, das Abwehrsystem positiv zu beeinflussen und das Risiko für eine echte Influenza-Grippe zu senken. So konnte bei Schulkindern durch die tägliche Einnahme von 1200 IE Vitamin D das Risiko für eine echte Influenza-Grippe um die Hälfte und bei zu Infekten neigenden Kindern um fast Zweidrittel gesenkt werden.

Kolloidales Silber?

Eine Bekannte hat mir die Anwendung von kolloidalem Silber als Immunstärkung nach meiner Darmkrebserkrankung empfohlen. Meine Recherche im Internet hat mich vollkommen verwirrt. Ist Ihnen dieses viel gepriesene Allheilmittel bekannt? Was halten Sie davon?

Das auch als Silberwasser bekannte kolloidale Silber besteht aus kleinsten Partikeln und Ionen, die in Wasser verteilt sind. Eine klare wissenschaftliche Definition der Wirkung scheint schwierig. Silber wurde früher schon zur Infektionsbekämpfung bzw. als natürliches Antibiotikum eingesetzt und im Altertum als keimtötendes Element in Form von Behältern für Flüssigkeiten und als Geschirr angewandt. Auch heutzutage wird Silber aufgrund seiner antimikrobiellen Wirkung äußerlich z. B. in Cremes, Lotionen, Wundauflagen verwendet.
Alle bisherigen antimikrobiellen Anwendungen von Silber, sei es in der Industrie oder der Medizin, beruhen wohl auf der Wirkung von Silber-Ionen, nicht Silberpartikeln, wie mancherorts behauptet wird. Von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) wird kolloidales Silber als Naturheilmittel bewertet. In Deutschland ist kolloidales Silber laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ein Arzneimittel nach den Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes und kann daher nicht als Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden. Äußerlich kann insbesondere bei Neurodermitis oder eitrigen Wunden eine Behandlung mit kolloidalem Silber sinnvoll sein. Zur innerlichen Einnahme soll kolloidales Silber vorwiegend gegen Viren, Bakterien oder Pilze wirken. Angewandt kann es daher werden bei Gelenksentzündungen, Herpes, Nagelpilzbefall, Borreliose nach Zeckenstich uvm. Im Gegensatz zu den meisten Antibiotika sind wohl keine schädigenden Einflüsse auf die Darmflora bekannt. Kurmäßig eingesetzt ist durchaus eine Abwehrstärkung durch eine Entlastung des Immunsystems denkbar.
Bezugsquellen von Fertiglösungen von kolloidalem Silber gibt es zwar vielfältig im Internet – das Internet ist inzwischen aber auch zur Quelle der größten Irritationen geworden, da jeder behaupten und verkaufen kann, was er will. Gut möglich ist heute auch eine Eigenproduktion im häuslichen Umfeld durch eine sogenannten Ionic Pulser® und Aqua bidest. Da das Silberwasser leicht herzustellen ist, glauben viele, damit ein Geschäft machen zu können und nehmen jede Gelegenheit wahr, das selbst gebraute Wunderwasser mit den kühnsten Behauptungen an den Mann oder die Frau zu bringen. Doch die andere Seite ist nicht besser: Kritiker und sogar regelrechte Gegner gibt es inzwischen viele. Vom einfachen Infragestellen der Wirkung bis hin zum Ausmalen von Horrorszenarien durch Schwermetallvergiftung reicht die Palette der oft fragwürdigen Argumente.
Fazit: Obwohl Nebenwirkungen nicht gänzlich ausgeschlossen werden können, stellt kolloidales Silber bei entsprechender Indikation und einer verantwortungsvollen Verwendung eine mögliche Alternative zu herkömmlichen Antibiotika dar. Unter: www. kolloidales-silber.org bekommen Sie relativ ausgewogen und gute Informationen zum Thema. Empfehlenswerte Literatur: Pies/Reinelt : Kolloidales Silber – Das große Gesundheitsbuch.
Im Zweifelsfall wenden Sie sich bitte an unseren ärztlichen Beratungsdienst.

Grippeschutz

Ich habe Krebs und würde gerne etwas für die akute Abwehrstärkung in den Wintermonaten tun, um keine grippalen Infekte zu bekommen. Ich halte nicht viel von einer Grippeschutzimpfung. Was können Sie mir diesbezüglich raten?

Eine Grippeschutzimpfung wollen auch wir nicht allgemein, sondern nur in besonders begründeten Krankheitssituationen empfehlen. Von Seiten der Pflanzenheilkunde gibt es verschiedene Möglichkeiten, einem grippalen oder schon bereits beginnenden Infekt vorzubeugen. So wärmt ein Ingweraufguss von innen und ist vor allem abends eine gute Alternative zu herkömmlichen Teesorten. Wird der Geschmack des Ingwers als zu unangenehm empfunden, kann man dem Ingweraufguss (3 cm Ingwer aufschneiden und 10 Min. lang köcheln) auch ein bisschen Kräutertee hinzufügen.
Wer gerne Holunderblütentee trinkt, kann damit die Schleimhäute vor Bakterien und Viren schützen. Bei ersten Infektanzeichen ist übrigens die innerliche Einnahme eines Extraktes aus Kapuzinerkresse und Meerettichwurzel (in Apotheken erhältlich) empfehlenswert, das es wie ein natürliches Antibiotikum wirkt. Selbst hergestellter Saft aus Zwiebeln oder Rettich hilft bei beginnendem Husten; dann auch unbedingt mit Thymian und/oder Kamille inhalieren. Wichtige Nahrungsergänzungsmittel bei Infekten sind übrigens Vitamin C (am besten natürlich aus der Acerolakirsche oder als Sanddornextrakt) bzw. Zink. Auch auf eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung sollte man achten, da Vitamin-D-Mangel die Infektanfälligkeit zusätzlich erhöhen kann. Vorbeugend wirken auch Extrakte aus dem roten Sonnenhut, der Taigawurzel oder homöopathische Grippemittel, die einen Influenza Virus in potenzierter Form enthalten.

Immunstatus – wann sinnvoll ?

Ich habe vor kurzem eine Chemotherapie abgeschlossen. Mein Hausarzt schlägt mir nun vor, einen sog. Immunstatus machen zu lassen, um genauere Rückschlüsse ziehen zu können, wie meine Immunabwehr funktioniert. Was halten Sie von dieser Untersuchung?

Krebserkrankungen gehen häufig mit Veränderungen der Aktivität des Immunsystems einher, insbesondere nach Chemo- oder Strahlentherapie. Heute bestehen zwar sehr komplexe Untersuchungsmöglichkeiten, die Labormedizin kann den Zustand des Immunsystems dennoch nur ansatzweise prüfen.
So werden anhand des so genannten Immunstatus bestimmte Abwehrzellen, die Lymphozyten und deren Untergruppen bestimmt. Allerdings können mit dieser Untersuchung vor allem die Absolutzahl bestimmter Abwehrzellen und nur eingeschränkt deren Funktion bestimmt werden. Auch wenn alle Zellen des Abwehrsystems absolut gesehen in richtiger Anzahl vorliegen, können trotzdem Immundefizite bestehen. So sind für die Immunabwehr Flexibilität und Funktionsfähigkeit der einzelnen Zellen wichtig, auf die durch einen Immunstatus nur grob orientierend zurückgeschlossen werden kann.
Wie bei vielen anderen diagnostischen Methoden setzt die richtige Bewertung der Befunde jedoch eine entsprechende Erfahrung bei Ihrem behandelnden Arzt voraus. Fragen Sie Ihren Hausarzt ruhig, ob er diese Erfahrung hat. Denn nur so kann die Bestimmung des Immunstatus auch eine bessere auf Sie abgestimmte Therapie nach sich ziehen.

Allergie gegen Thymus?

Zur Aktivierung meines Immunsystems nach Operation eines Ovarial-Carcinoms (Eierstockkrebserkrankung) und daran anschließender Chemotherapie schlägt mein behandelnder Arzt für Naturheilverfahren u. a. eine Thymustherapie vor. Ich habe Bedenken wegen möglicher allergischer Reaktionen. Wie schätzen Sie das Risiko ein?

In der komplementären Therapie bei onkologischen Erkrankungen werden häufig auch Thymuspeptide zur Aktivierung des Abwehrsystems eingesetzt. Durch die bisherigen Veröffentlichungen in Fachzeitschriften konnte belegt werden, dass Thymuspeptide bei Tumorerkrankten eine Verbesserung der Lebensqualität, eine Verringerung der Infektanfälligkeit und der Rezidivrate sowie eine überlebenszeitverlängerung bewirken. Thymus-Gesamtextrakte werden seit mehr als 30 Jahren in standardisierter pharmazeutischer Qualität hergestellt und in der komplementären Onkologie von erfahrenen Therapeuten mit Erfolg eingesetzt. Daher kann auch in Ihrem Erkrankungsfall in Absprache mit dem behandelnden Arzt eine Thymustherapie prinzipiell empfohlen werden. Die möglicherweise sehr unterschiedlichen Reaktionen und die unterschiedliche Immunsituation von Patienten machen eine sehr individuelle Therapie mit Thymuspeptiden notwendig.  Die Gefahr von örtlichen allergischen Reaktionen mit Rötungen, Schwellungen und/oder Juckreiz wie auch ähnlichen Symptomen im ganzen Organismus mit möglicher Atemnot und/oder übelkeit ist bei sachgerechter Anwendung der Thymustherapie als allgemein gering anzusehen. Durch eine Vortestung des Thymuspräparates in sehr geringer Dosierung an der Unterarm-Innenseite lässt sich zudem Ihre individuelle Allergiebereitschaft bewerten. Detaillierte Erklärungen zur Thymustherapie enthält eine Informationsschrift der Gesellschaft für biologische Krebsabwehr über "Thymusextrakte und Peptide" .

Kann man das Immunsystem überstimmulieren?

Kann man das Immunsystem eigentlich durch biologische Therapieverfahren überstimulieren? Lässt sich eine "überstimulation" durch Laboruntersuchungen feststellen? 

Nach dem Verständnis der Biologischen Medizin geht mit der Tumorerkrankung auch ein geschwächtes Immunsystem einher. Im Umkehrschluss bedarf daher das geschwächte Immunsystem einer erfolgreichen Aktivierung und Stabilisierung, um eine gute Prognose hinsichtlich einer Rezidiv- bzw. Metastasenprophylaxe zu erreichen. Dabei sollte jedoch keinesfalls nach dem Grundsatz "Viel hilft viel" therapiert werden. Ein biologisches Grundgesetz mit dem Hinweis, dass starke Reize hemmen und schwache Reize stärken, verpflichtet indirekt zu einer Vermeidung der Kombination stark aktivierender Immuntherapeutika wie z. B. der Mistel-, Thymus-, Organpräparate-, Sauerstoff-, Ozon-, Eigenblut- und Echinacintherapie. Neben der therapeutischen Erfahrung des Arztes können sich durch entsprechende Blutbildkontrollen der "Lymphozyten-Untergruppen" aus einem deutlich erhöhten Quotienten für das Verhältnis der Helfer-/Suppressorzellen ("CD4/CD8-Quotient") Hinweise für eine "Überstimulation" ergeben. Allerdings sind diese Laborbefunde von Ärzten zu interpretieren, die sich mit diesen Untersuchungen wirklich auskennen.

Infrarot-Wärmekabine

Seit meiner Brustkrebsoperation führe ich eine Misteltherapie durch. Seither fühle ich mich deutlich wohler. Eine Bekannte empfahl mir zur gezielten Immunsystemaktivierung zusätzlich eine Art häuslicher Schwitztherapie mittels einer Infrarotwärmekabine. Was halten Sie davon?

Wenn bei Ihnen keine Lymphabfluss-Störungen bzw. keine fortgeschrittene Herz-Kreislauf- Erkrankungen vorliegen, können Sie regelmäßig eine häusliche Schwitztherapie in der o. a. Form durchführen. Zur Ihrer Sicherheit sollten Sie aber die Anwendung mit Ihrem in Naturheilverfahren erfahrenen Arzt absprechen. Empfehlenswert sind dabei eine Verweildauer von jeweils 30 bis 50 Minuten in der Wärmekabine, um die Körpertemperatur auf ca. 38 Grad zu bringen, sowie eine Nachruhephase von ca. 30 Minuten. Das Schwitzen wird zusätzlich gefördert durch die vorherige Einnahme eines Homöopathikums wie "Ferrum phosphoricum" D 3, 2 Tabl., sowie durch eine Mischung von Lindenblüten- und Holundertee. Von der regelmäßigen (zwei- bis dreimal die Woche) Schwitztherapie können Sie sich neben der Aktivierung Ihres Immunsystems eine verstärkte Entgiftung über die Haut, eine Stärkung des Kreislaufs, eine Lockerung von Muskelverspannungen sowie insgesamt eine deutliche Steigerung Ihres Allgemeinbefindens erwarten.


Mistel

Kann ich Antikörper unbedenklich mit anderen Therapien kombinieren?

Ich habe Krebs im fortgeschrittenen Stadium und erhalte seit einigen Monaten zusätzlich zur Chemotherapie einen Antikörper. Nun äußerte mein Arzt Bedenken bezüglich der bei mir durchgeführten Misteltherapie und den anderen naturheilkundlichen Therapien (Vitamine, Enzyme), die ich ergänzend einsetze. Ist es tatsächlich unbedenklich, diese miteinander zu kombinieren?

Zu den sogenannten Antikörpern zählen ganz verschiedene Substanzen, die sich entweder gegen spezifische Zielstrukturen auf den Tumorzellen richten, die gezielt in den Stoffwechsel der entarteten Zellen eingreifen oder anti-angiogenetisch wirksam sind, d. h. die eine Gefäßneubildung im Tumorgewebe hemmen. Diese neuen Arzneistoffe werden in der Schulmedizin zunehmend eingesetzt.
Die von Schulmedizinern geäußerten Bedenken, dass durch Mistel, Enzyme oder Vitamine z. B. eine Wirkabschwächung hervorgerufen würde, entsprechen theoretischen Überlegungen. Eine Wirkungsabschwächung konnte in der Praxis bisher nicht nachgewiesen werden. Da viele in der biologischen Krebsbehandlung eingesetzten Substanzen ebenfalls über die Hemmung von Gefäßneubildungen wirksam sind oder den natürlichen Zelltod (sog. Apoptose) von Tumorzellen fördern, ist es im Umkehrschluss auch durchaus denkbar, dass diese die Wirksamkeit der Therapie mit Antikörpern unterstützen.
Außerdem müsste die von Ihnen zitierte Befürchtung Ihres Arztes, durch die Gabe von biologischen Präparaten bei gleichzeitiger Antikörpertherapie den Erfolg dieser neuen Arzneimittel zu gefährden, theoretisch für jede Kombination – also auch für die parallele Verabreichung einer Chemotherapie – gelten.
Vorsicht ist lediglich bei entzündlichen Nebenwirkungen dieser neuen Substanzen wie Fieber, Schüttelfrost, Gelenkschmerzen und Überempfindlichkeitsreaktionen geboten, insbesondere dann, wenn gleichzeitig direkt das Immunsystem beeinflussende Substanzen, wie Mistel oder Thymuspräparate, gegeben werden. In diesen Fällen empfehlen Experten so lange abzuwarten, bis diese Nebenwirkungen abgeklungen sind.

Reaktionen auf die Mistel – sind ihre Wirkungen fühlbar und/oder messbar?

Ich spritze seit mehreren Jahren einen Mistelextrakt. Nun hat mir ein Arzt eine relativ teure Blutuntersuchung empfohlen, um festzustellen, ob die Mistel wirksam ist. Was halten Sie von solchen ergänzenden Untersuchungen?

Zunächst einmal ist der wichtigste Anhaltspunkt, um einfach festzustellen, ob die Mistel wirksam ist, eine immer wieder auftretende leichte Lokalreaktion an der Einstichstelle bis maximal 5 cm im Sinne einer Rötung oder Schwellung. Medizinisch gesehen handelt es sich hierbei um eine bestimmte entzündliche Reaktion, indem bestimmte Abwehrzellen in die Haut einwandern und dort eine Antwort des Abwehrsystems hervorrufen.
Oft ist in der Einleitungsphase der Misteltherapie diese Hautreaktion ein brauchbarer Hinweis zur Dosisfindung. Während der Langzeittherapie kann jedoch die Hautreaktion immer mehr abklingen. Hier kann dann ein weiterer wichtiger Anhaltspunkt (die Temperaturreaktion) zu Rate gezogen werden, um einfach festzustellen, ob die Misteltherapie noch wirksam ist.
Typischerweise findet man dosisabhängig eine Steigerung des Tagesmittelwertes der Körpertemperatur sowie der Tagesamplitude, die 0,7 – 1,5 °C betragen sollte. Auch an den injektionsfreien Tagen kann man gegenüber den Vorbefunden einen Anstieg der Tagesamplitude beobachten. Diejenige Dosis, die eine deutliche Temperaturerhöhung bewirkt, sollte beibehalten werden. Kommt es längerfristig zu einer zunehmenden Abnahme der Amplitude, sollte der behandelnde Therapeut grundsätzlich an eine Steigerung der Dosis oder auch an einen Sortenwechsel denken.
Allerdings ist die Temperaturmessung nur bei exakter Messtechnik aussagefähig; und sie ist nicht verwertbar bei Tumorfieber oder Chemotherapie Die Temperatur sollte während der Einleitungsphase täglich, während der längerfristigen Therapie nur noch sporadisch zur Kontrolle (z. B. alle 3 Monate eine Woche lang) gemessen werden.
Außerdem steht dem Therapeuten mit dem Differentialblutbild ein weiteres wichtiges und relativ preiswertes diagnostisches Mittel zur Verfügung, um die Wirksamkeit einer Misteltherapie einzuschätzen. Dies sollte bei jedem Patienten in regelmäßigen Abständen bestimmt werden. So kommt es im Blutbild unter einer Misteltherapie zu einem Anstieg der Lymphozyten bzw. Neutrophilen und oft auch der Eosinophilen.
Die relativ teure Bestimmung der sog. Lymphozyten-Subpopulationen ist in ihrem Wert umstritten. So werden anhand eines so genannten Immunprofils bestimmte Abwehrzellen, die Lymphozyten und deren Untergruppen bestimmt. Experten kritisieren vor allem, dass anhand der Untergruppenbestimmung der Lymphozyten nur deren Absolutzahl und nicht deren Funktion bestimmt werden kann. Vor allem bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren, bei denen es in erster Linie um die Besserung der Lebensqualität geht, ist diese Untersuchung nicht sinnvoll. Bei den meisten Patienten ist daher die Bestimmung der absoluten Lymphozytenzahl vollkommen ausreichend. Wird die Misteltherapie jedoch mit anderen immunwirksamen Substanzen wie z.B. Thymus kombiniert, sind Lymphozyten-Subtypisierungen empfehlenswert, um eine Überstimulation des Abwehrsystems nicht zu übersehen.
Fazit: Zur Beurteilung des Ansprechens auf eine Misteltherapie sind die Kontrolle der Lokalreaktion und des Differentialblutbildes unerlässlich, während teure und aufwändige Immunanalysen in vielen Fällen entbehrlich sind. Sehr zu empfehlen ist auch die kostenlose, aber zeitaufwändige Temperaturkontrolle. Am allerwichtigsten ist jedoch, dass sich das Allgemeinbefinden bessert. Viele Betroffene berichten z.B. von einer deutlichen Stimmungsaufhellung, wenn sie Mistel spritzen.

Misteltherapie und Herceptin

Ich habe Brustkrebs und soll demnächst eine Therapie mit Herceptin® beginnen. Nun hat mein Arzt gehört, dass man Mistel und Herceptin® nicht zusammen einer Patientin geben sollte. Ist diese Aussage Ihrer Meinung nach begründet? Wie soll ich mich verhalten?

Der Antikörper Trastuzumab (Markennname Herceptin®) ist für die Behandlung von Brustkrebs zugelassen. Er blockiert die Wirkung eines wachstumsfördernden Botenstoffes (humaner epidermaler Wachstumsfaktor). Der Rezeptor dieses Botenstoffes mit dem Namen HER2 kommt auf Zellen eines Teils bösartiger Brusttumoren zahlreicher vor als auf normalen Zellen. Der Antikörper bindet an den HER2-Rezeptor und „sperrt" ihn so für Wachstumssignale, wodurch sich das Wachstum von entsprechenden Tumoren möglicher-weise verlangsamen lässt.
Am ehesten verspricht eine Behandlung bei stark positivem HER2-Status Erfolg (20 – 30 % der Brusttumoren). Das bei einer Biopsie oder Operation entnommene Tumorgewebe wird im Labor daraufhin untersucht, ob und wie viele HER2-Rezeptoren auf Krebszellen zu finden sind. Danach wird die Entscheidung getroffen, ob eine Behandlung mit Trastuzumab in Frage kommt.
Der HER2-Rezeptor ist in viel geringerem Umfang im Vergleich zu Tumorzellen auch auf normalen Zellen nachweisbar, daher ist die Herceptin-Behandlung nicht nebenwirkungsfrei, auch wenn sie weniger belastend ist wie eine Chemotherapie. Insbesondere bei der ersten Infusion haben viele Patienten grippeartige Symptome mit Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit; auch Gelenkschmerzen und Hautausschläge können auftreten. Selten kommt es zu einer allergischen Reaktion auf die Infusion. Viele der Nebenwirkungen sind selten stark ausgeprägt und lassen sich meist gut mit entzündungshemmenden, fiebersenkenden oder antiallergischen Medikamenten behandeln. Sie treten ab der zweiten Infusion in der Regel nicht mehr auf oder lassen deutlich nach. Zurzeit werden auch Herzschäden durch Herceptin® diskutiert, da HER2-Rezeptoren sich auf Herzmuskelzellen finden lassen. Einzelne Patientinnen hatten starke gesundheitliche Probleme am Herzen als Folge der Therapie.
Zurzeit gibt es weder eine ausreichende Anzahl von Einzelfallberichten noch klinische Studien zur Kombination von Mistelpräparaten mit onkologischen Antikörpern. Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand ist eine mögliche Gefährdung der Patienten oder eine Reduktion der onkologischen Wirkung dieser Antikörper weitgehend ausgeschlossen. Vielmehr ist es denkbar, dass eine Misteltherapie durch ihren apoptotischen (Apoptose = Förderung des natürlichen Zelltodes von Tumorzellen) und ihren antiangiogenetischen Effekt (Antiangiogenese: Hemmung der Blutgefäßneubildung von Tumoren) die Wirksamkeit einer Chemotherapie als auch der Antikörpertherapie unterstützt. Auch nach ersten praktischen Erfahrungen spricht nichts gegen die kombinierte Anwendung. Leider beruhen diese Bedenken nicht auf begründeten Studien, so dass wir nicht der Meinung sind, dass bei einer laufenden Herceptintherapie eine Misteltherapie nicht durchgeführt werden sollte. Vorsicht ist lediglich bei entzündlichen Nebenwirkungen der Antikörpertherapie wie Fieber, Schüttelfrost, Gelenkschmerzen und Hautausschläge geboten. Dann sollte mit der Mistelgabe so lange abgewartet werden, bis diese Beschwerden abgeklungen sind.

 

Mistel bei Leukämie

Ich habe eine Form der akuten Leukämie (Blutkrebs) und möchte gerne wissen, ob eine Misteltherapie bei dieser Erkrankung empfohlen wird?

Prinzipiell liegt der Hauptschwerpunkt bei der Behandlung von Leukämien, besonders dann wenn sie akut verlaufen, auf einer konventionellen schulmedizinischen Behandlung. Von biologischer Seite kommen bei Leukämien und Lymphomen die Nahrungsergänzung mit Vitalstoffen (Vitamine und Spurenelemente), die Gabe von Enzymen sowie gezielte Maßnahmen im Sinne einer Entgiftung und Ordnungstherapie in Betracht. Stark wirksame Immunsystem-Aktivatoren wie z. B. Mistel, Thymus, Sauerstoff, Ozon, Echinacin und Eigenblut bleiben außen vor, da man bei einer sogenannten Systemerkrankung wie den Leukämien und Lymphomen damit »Öl ins Feuer schütten« kann. Auch wenn bisher Studienergebnisse nicht dagegen sprechen und Erfahrungswerte darauf hinweisen, dass die Mistel bei Lymphomen und insbesondere bei chronisch verlaufenden Leukämien sinnvoll sein kann, sind wir mit einer generellen Empfehlung zurückhaltend. Bei Leukämien und Lymphomen sind Blut- bzw. Abwehrzellen in besonderer Weise betroffen. Mistel-Therapeuten mit ausreichend Erfahrung bei diesen Blutkrebserkrankungen sind eher selten zu finden. Schöpfen Sie daher zunächst alle Möglichkeiten einer Ordnungs- und Nährstofftherapie aus (s. o.), bei denen negative Einflüsse auf die Grunderkrankung ausgeschlossen sind. Für alle anderen Tumoren (solide Tumoren wie Darmkrebs, Magenkrebs, Leberkrebs, Hautkrebs, Brustkrebs etc.) ist eine Mistelbehandlung selbstverständlich sinnvoller Bestandteil einer biologischen Tumortherapie.

Misteltherapie bei Lungenkrebs – Wirtsbaum und Therapiepausen?

Ich habe Lungenkrebs und wurde operiert. Jetzt wird eine konventionelle Therapie mit Antikörpern (Tarceva) durchgeführt. Von der biologischen Seite möchte ich meine Heilkräfte unter anderem auch mit einer Misteltherapie unterstützen. Ich bin aber verwirrt, da andere Patienten in der anthroposophischen Klinik mit gleichem Krankheitsbild ein Präparat von einem anderen Wirtsbaum bekamen und diese durchgehend ohne Pausen verabreicht werden, während man mir zu Pausen zwischen den einzelnen Serien riet. Können Sie mit weiterhelfen?

Die Misteltherapie nach den Vorgaben einer anthroposophisch orientierten Medizin gestaltet sich wesentlich individueller als die Therapie mit Mistelpräparaten, die auf einen bestimmten Wirkstoff standardisiert sind. So kann es durchaus sein, dass Sie von Ihrem behandelnden Arzt ein Mistelpräparat von einem anderen Wirtsbaum bekommen als eine Patientin mit dem gleichen Krankheitsbild, da Frauen und Männern oft Mistelpräparate von unterschiedlichen Wirtsbäumen verordnet werden. Die nach anthroposophischen Gesichtspunkten entwickelten Mistelpräparate sind jeweils in verschieden Stärken und von unterschiedlichen Wirtsbäumen erhältlich. Die Serien beginnen mit der niedrigsten Stärke und gehen im Verlauf auf höhere Konzentrationen über. Die Behandlung erfolgt in rhythmischen Zyklen. Bei den auf den Inhaltsstoff Mistellektin standardisierten Präparaten, die im Allgemeinen von Laubbaummisteln stammen und die keine unterschiedliche Konzentration aufweisen wird beispielsweise nach dem Schema 8 bis 12 Wochen Therapie und dann 4 bis 6 Wochen Pause verfahren. In Ihrem Fall bekamen Sie wahrscheinlich ein Mistelextrakt von der Eiche. Da diese Mistelextrakte dann in unterschiedlichen Serien, die in sich nochmals steigende Konzentrationen enthalten, verabreicht werden, hängt der Fortlauf der Therapie von Ihrer Reaktion ab : reagieren Sie beispielsweise recht  stark, d.h. Sie haben eine mehr als zwei Euro große Rötung an der Einstichstelle, die auch nach einem halben Tag nicht schwindet oder einen recht lang anhaltenden Juckreiz, so wird man eher langsamer die Serie steigern und größere Therapiepausen machen. Das Vorgehen kann und soll dem Patienten individuell angepasst werden - je nach seinem Allgemeinzustand und seiner Reaktion. Es würde den Rahmen dieser Frage sprengen alle Aspekte der Verordnung von Mistelextrakten zu besprechen, wir hoffen aber, dass wir Ihre Zweifel ein wenig beheben konnten. Die GfBK hat auch ein ausführliches Infoblatt zur Misteltherapie herausgebracht. Schließlich sei noch auf das ausgezeichnete und für den Laien gut verständliche Buch von Annette Bopp, Die Mistel – Heilpflanze in der Krebstherapie, erschienen 2006 bei Rüffer&Rub hingewiesen.

Mistelinjektion trotz Macumar?

Seit meiner Dickdarmtumor-Erkrankung vor zwei Jahren führe ich auch eine Misteltherapie durch. Im Gefolge eines Schlaganfalls vor acht Wochen muss ich jetzt bis auf Weiteres ein Blut verdünnendes Medikament (Marcumar) einnehmen. Aus Sorge, bei den Mistelinjektionen jeweils einen Bluterguss zu provozieren, habe ich die Misteltherapie abgesetzt. Sind meine Bedenken berechtigt?

Aus unserer Sicht und Erfahrung können Sie die Mistelinjektionen trotz der Marcumar-Therapie unbedenklich weiterführen. Da Sie auf einen sogenannten Quick-Wert von 25  -  30 % (= Maß der Blutverdünnung) eingestellt sind, haben Sie bei sachgerechter Injektionstechnik unter die Haut (Fachausdruck: subcutan) beispielsweise im Bauchbereich keine Bluterguss-Probleme um die Einstichstelle zu befürchten. Es ist ratsam nach der Injektion den Hautbereich mit einer Calendula-Echinaceasalbe einreiben. Eine Alternative zum normalerweise empfohlenen Injektionsareal um den Bauchnabel herum wäre der Bereich der äußeren Oberschenkelregion, der relativ gefäßarm ist. Allerdings kann dort die Injektion deutlich schmerzhafter sein. Injektionen tief in den Muskel, die allerdings bei der Misteltherapie nicht üblich sind, dürfen natürlich nicht durchgeführt werden.

Rezidiv trotz Mistel

Trotz meiner intensiven therapeutischen Bemühungen mit Mistel- und Enzymtherapie sowie der Einnahme von Vitaminen etc. trat im Bereich der linken Brust ein Rezidivtumor auf. Ich bin über diese Entwicklung frustriert. Wie ist das zu erklären?

Biologische Therapie kann nur so gut wirken, wie der Organismus regulationsfähig ist. Das Regulationsvermögen hängt von vielen individuellen Faktoren wie z.B. der genetischen Vorbelastung, Vorerkrankungen und der Lebensführung ab. Zusätzlich wird es von sogenannten Herd- und Störfeldern wie z.B. durch Zahnmetalle, wurzeltote Zähne, Narben, Elektrosmog, Umweltgifte, Schlafplatzbelastungen und insbesondere durch psychische Belastungen negativ beeinflußt. Demnach müssen parallel zu jeder biologischen Therapie Korrekturen von möglichen Regulationsstörungen durchgeführt werden, um langfristig die Voraussetzung für Behandlungserfolge zu erreichen.


Prostatakrebs

Fremdeinflüsse auf den PSA-Wert

Seit vielen Jahren bin ich (48 Jahre) ein begeisterter Mountainbiker. Zwei bis drei Mal pro Woche sitze ich jeweils zwei bis drei Stunden auf dem Rad. Nun habe ich gehört, dass die mechanische Reizung der Dammregion (zwischen Hoden und After) durch den Fahrradsattel einen Einfluss auf meinen PSA-Wert haben kann. Was ist davon zu halten?

In der Tat beeinflussen verschiedene Faktoren von innen und von außen den PSA-Wert. Zu den äußeren Faktoren zählen beispielsweise Radfahren und Ejakulation sowie medizinische Maßnahmen wie Koloskopie, Zystoskopie, transrektaler Ultraschall und Prostatabiopsie. Von innen wirkt eine erhöhte Ent zündungsbereitschaft auf den PSAWert, z. B. durch Herd-/Störfelder der Zähne oder Nasennebenhöhlen, durch Infektionskrankheiten oder chronische Erkrankungen wie Rheuma, Fibromyalgie, Autoimmunerkrankung oder Kolitis. Interessanterweise wird PSA, wenn auch nur in geringem Umfang, auch in Zellen außerhalb der Prostata gebildet: in Gehirn, Halsspeicheldrüse, Bronchien, Bauchspeicheldrüse, Leber, Nebennieren und Darm. Es gibt also noch andere Gründe, warum der PSA-Wert steigen kann, als eine krankhafte Veränderung der Vorsteherdrüse. Für Mountainbiker empfehlen wir einen Spezialsattel, der die Dammregion schont, und eine Sattelfederung – wahrscheinlich haben Sie diese bereits. Lassen Sie neben dem PSAGesamt-Wert stets den PSA-Quotienten und den CRP-Wert bestimmen. Letzerer ist ein sensibler Entzündungsmarker: das C-reaktive Protein.

PSA-Wert erhöht: Was tun?

Mit 76 Jahren bin ich bisher »in Sachen Prostata« gut weggekommen. Mein aktueller PSA-Wert liegt bei 5,8. Die urologische Diagnostik mit DRU (digitaler rektaler Untersuchung) und TRUS (transrektalem Ultraschall) ergab einen unauffälligen Befund. Subjektive Beschwerden wie Probleme beim Wasserlassen oder vermehrter nächtlicher Harndrang machen mir nicht zu schaffen. Vor Kurzem las ich in einem Artikel eines bekannten Wochenmagazins, dass sich ein starker Trend zur Überdiagnostik und Übertherapie bei Verdacht bzw. bei Prostatakarzinom etabliert habe. Was ist darunter zu verstehen?

Aus Sicht des ärztlichen Beratungsdienstes der GfBK können wir diesen Trend leider nur bestätigen. Die S3-Leitlinien geben für die deutsche Urologie die Maßnahmen in Diagnostik und Therapie bei Verdacht auf Prostatakrebs und für dessen Behandlung vor. Dieses Regelwerk ist unserer Meinung nach zu pauschal und zu wenig individuell passend. In der Praxis wird häufig viel zu schnell biopsiert – schon ab einem PSA von 4,0 – ohne Fremdeinflüsse auf den Laborwert vorher zu prüfen und ohne die bildgebende Diagnostik ausreichend genutzt zu haben. Vor einer Biopsie empfehlen wir zuerst die Differenzierung des PSA-Wertes in freies und gebundenes PSA. Mithilfe des Quotienten freies PSA/ Gesamt-PSA ist eine Unterscheidung zwischen gutartiger Prostatavergrößerung und Prostatakrebs eher möglich. Wenn die Analyse der Gewebeprobe ein Prostatakarzinom ergibt, wird die Malignität (Einschätzung, wie bösartig der Tumor ist) gegenwärtig in den meisten Kliniken nur nach dem Gleason-Score bewertet. Wir raten eindringlich dazu, zusätzlich eine DNA-Bildzytometrie zu veranlassen. Dabei wird die DNA-Menge (DNA-Desoxyribonucleinsäure) pro Zellkern an mehr als 300 Zellkernen in einer Gewebeprobe durch eine spezifische Anfärbung der DNA und nachfolgend durch ein computerisiertes mikroskopisches Verfahren von speziell darin geschulten Pathologen bestimmt. In 2011 wurde die DNA-Zytometrie in die »S3-Diagnostik- und Therapieleitlinien« für das Prostatakarzinom als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen.
Damit hätten viele Prostatakrebspatienten die Chance auf eine »aktive Überwachung«. Das würde den Betroffenen belastende und risikoreiche Behandlungen ersparen, wie operative Eingriffe, Bestrahlung-, Anti-Hormonoder Chemotherapie. Zurück zu Ihrer Person: Mit 76 Jahren dürfen Sie sich einen PSA von 5,8 »erlauben«, da der PSA auch altersabhängig ansteigt, ohne dass sich dahinter eine Krebserkrankung versteckt. Weitere Informationen finden Sie in unserem neuen GfBK-Informationsblatt Prostatakrebs.

Prostatakrebs?

Durch eine Prostatakrebserkrankung im Freundeskreis sensibilisiert, habe ich (63 Jahre) eine PSA-Bestimmung und eine manuelle Abtastung, d. h. eine digitale rektale Untersuchung (DRUS) bei einem Urologen durchführen lassen. Bei einem PSA von 6,3 und einem unklaren Befund der DRUS drängt mich der Urologe zu einer baldigen Biopsie (Stanze). Diese möchte ich zunächst vermeiden und suche nach diagnostischen Alternativen.

Es gibt die sogenannte »biopsiefreie Diagnostik« mit verschiedenen bildgebenden Verfahren und zwei Urin-Testmethoden (Diapat-Test bzw. PCA-3-Test). Der weitere für Sie infrage kommende »unkonventionelle Diagnostikweg« könnte zunächst einen Computer-gestützten transrektalen Ultraschall, die »Echtzeit-Elastografie«, beinhalten. Falls sich hier ein konkreter Tumorherdverdacht ergibt, wären bildgebende Verfahren mit dem Kontrastmittel »Cholin«, das Cholin-PET/CT, bzw. das MRT/MRS anzuschließen (Infos dazu über www.prostatakrebs-bps.de). Wird dadurch der Tumorherdverdacht verstärkt, bietet sich statt der üblichen 12-Stanzen-Biopsie eine »Feinnadelaspirationsbiopsie« unter bildgebender Kontrolle an. Durch diese in den skandinavischen Ländern übliche Standardmethode bei Prostatakrebsverdacht wird die »DNA-Zytometrie« mit einer Aussage über den Malignitätsgrad des Prostatakarzinoms möglich. Davon hängt in entscheidendem Maße die Bewertung der Therapiepflicht ab. In vielen Studien wird die Vorhersagekraft der FNAB dem Gleason-Score (konventionelle Bewertung durch Stanzen) mindestens gleichgestellt. Detaillierte Informationen zur Durchführung einer FNAB erhalten Sie über www.sanfte-krebsdiagnostik.de. Zusätzlich können Sie biologische, Prostata-stärkende Therapieempfehlungen über den ärztlichen Beratungsdienst der GfBK in Heidelberg erhalten. Ausführliche und aktuelle Informationen hierzu finden Sie auch im Ergänzungsblatt der GfBK-Info Prostata-Krebs.

Omega-3-Fettsäuren krebsfördernd?

Wie ich gelesen habe, wurde in einer Studie gezeigt, dass Omega-3-Fettsäuren Prostatakrebs fördern können. Können Sie das bestätigen?

Das ist richtig. Vor einigen Monaten wurde eine Studie aus den U.S.A. veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kam, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren die Bildung von Prostatakrebs fördern können (Brasky M et al./ JNCI J Natl Cancer Inst 2013). Dabei fiel auf, dass hohe Blutspiegel von EPA, DPA und DHA – drei in fettigen Fischen enthaltenen und häufig in Nahrungsergänzungsmitteln verwendeten Omega-3-Fettsäuren – mit einem erhöhten Prostatakrebsrisiko verknüpft waren.

Dies ist nicht die erste Studie, die auf mögliche Risiken der lange Zeit eher positiv bewerteten Omega-3-Fettsäuren hinweist. Auch andere Wissenschaftler stellen die schützende Wirkung von Fischölkapseln in Frage. Die sogenannte DART-Studie zeigt, dass der Effekt bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen fraglich ist: Der anfängliche Nutzen wurde nach längerer Einnahme durch eine erhöhte Schlaganfallrate und andere Komplikationen wieder aufgehoben (Ness AR/Europ J Clin Nutr 2002). Bei den Eskimos kommt es durch ihre fischreiche Ernährung entgegen weit verbreiteter Meinung nicht zu einem Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Ebbesson SOE et al./ Int J Circumpolar Health 2005). Im Gegenteil: Ihr Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, ist sogar erhöht.

Es gibt aber auch Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen: So senkte zum Beispiel eine fischreiche Ernährung bei Patienten mit Prostatakrebs das Sterblichkeitsrisiko um 63 Prozent (Konrad M et al. / American Journal of Clinical Nutrition 2010) und eine mit Omega-3-fettsäuren-reiche, fettarme Diät reduzierte die Teilungsrate von Prostatakrebszellen (Aronson W et al. / Cancer Prevention Research 2011).

Die scheinbar widersprüchlichen Studienergebnisse legen die Vermutung nahe, dass es auf die Qualität und die Verarbeitung der Öle ganz wesentlich ankommt. Omega-3-Fettsäuren sind aufgrund ihrer ungesättigten Doppelbindungen sehr oxidationsempfindlich und können damit auch potentiell krebsfördernd wirken. Öle, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind (z. B. Leinöl, Hanföl, Rapsöl, Walnussöl), dürfen nicht zu hell gelagert werden und auch nicht zu warm oder zu lange. Keinesfalls sollte man sie zum Braten verwenden; denn dies erzeugt wiederum krebserregende Stoffe, wie zum Beispiel Lipidperoxide.

Außerdem kommt es natürlich darauf an, wie das Ernährungskonzept in Gänze ausschaut. Fette sind nur ein Teil der Betrachtung, wenn auch ein wichtiger. Wir empfehlen Eiweiß und Fett möglichst nur in geringen Mengen in Form von Fleisch und Wurst. Meiden oder reduzieren Sie Zucker, Weißmehlprodukte, hocherhitzte Speisen (über 180° C), Fertigprodukte und Fast Food, Bevorzugen Sie stattdessen Vollkorngetreide und –produkte (nicht zu grob!) sowie Rohkost (in kleinen Mengen) und Biogemüse. Detaillierte Informationen zu einer ausgewogenen Ernährung finden Sie in der GfBK-Broschüre Ernährung bei Krebs.

 

 

Prostatakrebs – vorbeugende Brustdrüsenbestrahlung bei antiandrogener Therapie?

2004 wurde bei mir die Diagnose Prostatakrebs gestellt. Nach einer Totaloperation und Bestrahlung des Prostatalagers stiegen meine PSA Werte trotzdem wieder an. Im Moment bin ich im Begriff eine Androgenentzugstherapie mit Trenatone und Biclutamid zu beginnen. Meine Fragen: Was halten Sie von einer prophylaktischen Brustdrüsenbestrahlung? Welche antiandrogene Therapie ist am nebenwirkungsärmsten? Gibt es auch andere naturheilkundliche Behandlungsmöglichkeiten, die mir bei meinem Prostatakrebs helfen könnten?

Zusätzliche begleitende naturheilkundliche Maßnahmen bei Prostatakrebs sind beispielsweise Ernährungsmaßnahmen, eine Nahrungsergänzung mit Vitaminen und Spurenelementen (insbesondere die Vitamine A, C, D3, E und Selen), abwehrstärkende Maßnahmen mit Mistel und/oder Thymus sowie die Gabe von Enzymen.
Bemerkenswert ist der Schutzeffekt von bioaktiven Pflanzenstoffen, besonders der Phytohormone, wie sie vor allem in Sojabohnen vorkommen. Sehr günstig wirken auch Kurkuma (Gelbwurz), Olivenöl, Rotwein und das in Tomaten enthaltene Lycopin. In letzter Zeit zeigten auch verschiedene Studien, dass sich Granatapfelsaft und vor allem fermentierter Granatapfelextrakt bei Prostatakrebs als schmackhafte und sinnvolle therapeutische Unterstützung erwiesen hat.
Nun zu Ihren speziellen Fragen: Die Bestrahlung der Mamillen (Brustdrüsen) ist heute etwas veraltet, da durchaus Nebenwirkungen auftreten können. Außerdem wurden schon schwere Hautveränderungen gesehen. Daher sollte über diese Risiken aufgeklärt werden; denn tatsächlich kann es unter der antiandrogenen Therapie zu einer sog. Gynäkomastie (= Vergrößerung und Schmerzhaftigkeit der Brustdrüsen) kommen. Eine kombinierte antiandrogene Therapie mit Biclutamid und Trenantone kann übrigens bei zu frühem Einsatz zu einer medikamentös induzierten Unwirksamkeit dieser Maßnahmen führen. Als "mildestes" Antiandrogen ohne wesentliche Nebenwirkungen wirkt Finasterid.
Eine weitere empfehlenswerte Maßnahme kann das "Versiegeln" der Knochen mit Bisphosphonaten sein, um das Knochenmetastasenrisiko zu senken: Besprechen Sie diese Aspekte und das weitere Vorgehen bitte mit Ihrem behandelnden Urologen oder wenden sich gern an den ärztlichen Beratungsdienst der GfBK. Gern können Sie auch jederzeit das Informationsblatt Prostatakrebs von der GfBK anfordern oder hier downloaden.

 

Prostatakrebs - Soja, Grüntee, Lycopine und Granatapfel: Unterstützung oder Heilmittel ?

In den asiatischen Ländern ist Prostatakrebs sehr selten. In meiner Prostataselbsthilfe-gruppe wird in diesem Zusammenhang immer wieder über das für und wider gesunder Nahrungsmittel bei unserer Erkrankung gesprochen. Ich selbst wurde vor einem Jahr mit einer Brachytherapie (spezielle Form der Strahlenbehandlung) behandelt, bekam keine weitere Nachbehandlung und bin tumorfrei. Mein PSA Wert ist im Normbereich. Macht eine sekundäre Prävention über die Ernährung Sinn?

Für das extrem geringe Auftreten von Prostatakrebs in Asien werden u.a. die Sojaisoflavone (Ballaststoffe, B-Vitamine, pflanzliches Protein, antioxidativ und phytoöstrogen wirksame Soja-Isoflavone) und Grüntee (Katechine, insbesondere EGCG) verantwortlich gemacht. Tatsächlich wirken beide Nahrungsmittel auf äußerst vielseitige Weise der Krebsentstehung entgegen. In klinischen Studien ist sogar eine milde PSA-Stabilisierung beobachtet worden. Für die Kombination von Soja und Grüntee sind sich ergänzende Synergieeffekte beschrieben worden. Das Ansprechen von Prostatakrebs-Patienten hängt scheinbar von dem Stadium der Erkrankung und dem individuellen Rezeptormuster ab. Isoflavone und potente Phytoöstrogene reduzieren deutlich das Risiko des lokalisierten Prostatakarzinoms, können aber selten einen negativen Einfluss auf das fortgeschrittene Prostatakarzinom haben.
Auch zum Grüntee gibt es eine Vielzahl teils widersprüchlicher Studien. Der Effekt scheint dosisabhängig zu sein: Für eine wirksame Prävention sollte man ca. 1 Liter pro Tag davon trinken.
Zur Prävention des Prostatakarzinoms rechtfertigen die Ergebnisse vieler Studien generell das Zuführen von lykopinreichen Tomatenprodukten, Soja, Grüntee, Kurkumin (Gelbwurz) und Granatapfelsaft-Polyphenolen wie auch die Nahrungsergänzung mit Vitamin E in Form von Tocopherolen und Selen bei nachgewiesenem Mangel. In der Regel dürfte dadurch auch eine gewisse Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung erreicht werden. Alle diese Naturstoffe können aber weder eine sichere Heilung erreichen noch eine notwendige kurative Behandlung ersetzen. Während Lykopin und Tocopherole besonders beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom zu einer Risikoreduktion führen können, scheint die Wirkung von Soja-Isoflavonen besonders das lokalisierte Prostatakarzinom zu betreffen.
Eine günstige Wirkung von Granatapfel-Polyphenolen, Grüntee und Selen dürfte in jedem Stadium zu erwarten sein. Neueste präklinische Forschungsergebnisse zeigen zudem auf, dass beim hormonrefraktären Prostatakarzinom die antientzündlich wirkenden Granatapfel-Polyphenole günstig wirken, indem sie u. a. den Androgenrezeptor und Androgensynthese-Enzyme herabregulieren, die Metastasierung und Tumorgefäßneubildung hemmen können. Auch sind sie möglicherweise eine wirkungsvolle Ergänzung zu den üblichen Standardtherapien (Chemo- und Strahlentherapie, Hormonblockade). Bioaktivität und -verfügbarkeit von Granatapfel-Polyphenolen sind am höchsten in ihrer lebendfermentierten Form. Im Zweifel halten Sie bitte Rücksprache mit dem ärztlichen Beratungsdienst der GfBK.

Prostata-DNA-Zytometrie?

Durch eigene Recherchen habe ich herausgefunden, dass für Patienten mit Prostatatumoren neben der Bestimmung des PSA-Wertes die Durchführung einer sog. DNA-Zytometrie wichtig sein kann. Ich habe hierdurch in letzter Sekunde einen Operationstermin nicht wahrgenommen, da die entsprechenden Untersuchungen ergaben, dass eine Operation nicht sinnvoll gewesen wäre. Welche konkreten Informationen liegen Ihnen hierüber vor und können Sie eine solche Untersuchung befürworten?

Bei Prostatakrebs ist in der Tat der PSA-Wert alleine nicht aussagefähig für eine Bewertung, ob ein Tumorherd in der Prostata lokalisiert ist oder nicht. Wir empfehlen grundsätzlich, folgende Laborparameter zusätzlich zu überprüfen: PSA-Quotient (freies/gebundenes PSA), PSA-Anstiegsgeschwindigkeit sowie die PSA-Verdoppelungszeit.
Weitere Diagnostikbestimmungen im Vorfeld sind: Echtzeit-Elastographie, MRT mit Endorektalspule und ab einem PSA von 1,0 eine Cholin-PET/CT. Aus dem Urin können DIAPAT-Test und der PCA-3-Test weitere Aufschlüsse über die Abgrenzung zu einem bösartigen Geschehen im Bereich der Prostata geben. Am besten ist es, für eine unblutige Diagnostik ohne Biopsie mehrere verschiedene diagnostische Methoden zu Rate zu ziehen und dann aus dem Gesamtbild eine Bewertung zu treffen.
Die DNA-Zytometrie ist unserer Ansicht nach sicher kein alleiniges Entscheidungskriterium, ob eine Operation sinnvoll ist oder nicht. Viel wichtiger ist die Tumorzelle selbst, das sogenannte Gleasongrading und die weitere Ausbreitungsdiagnostik (Knochen, Lymphknoten, PSA, PCA 3, Alter d. Patienten, Begleiterkrankungen, Familienanamnese). Alternativ wäre statt einer Operation, sofern sinnvoll, die Protonenbestrahlung, die z.Zt. effektivste Therapie mit geringsten Nebenwirkungen zu diskutieren. (In München: Rinecker Protonenzentrum: Kosten ca. 36.000€, Operation und herkömmliche Bestrahlung kombiniert kosten etwa das gleiche).
Wo die DNA-Zytometrie hilfreich sein kann, ist vor allem in der Auswahl der medikamentösen Tumortherapie, da man bei haploiden DNA-Sätzen vorsichtig mit der antihormonellen Therapie sein muss, die bei Diploidie wiederum sinnvoll sein kann.

 

Antibiotika und PSA

Seit Längerem habe ich einen leicht ansteigendenPSA-Wert. Nun habe ich gehört, dass die Anwendungvon Antibiotika den PSA-Wert senken kann. Ist das richtig?

Das PSA (prostataspezifisches Antigen) ist ein Protein (Eiweiß), das in der Prostata gebildet wird, auch bei Gesunden vorkommt und sich in der Samenflüssigkeit und im Blut nachweisen lässt. Die eigentliche Aufgabe des PSA ist es, das Sperma zu verflüssigen. Grundsätzlich ist das prostataspezifische Antigen jedoch trotz seines Namens nicht prostataspezifisch. Das heißt, nicht nur krankes Prostatagewebe scheidet PSA aus, das im Blut gemessen wird. Fast jede Zelle besitzt das genetische Programm zur PSA-Produktion. So kann PSA von Bronchial-, Herz-, Darm-, Pankreas-, Eierstock-, Leber- und Nierenzellen gebildet werden und bei 30 Prozent aller Betroffenen auch in Brustkrebszellen. Selbst die amerikanischen Urologen sprechen inzwischen von einem einmaligen »Marketing-Trick«, mit dem sehr viel Geld verdient wird. Schätzungen zufolge sind dies 600–800 Mio. Euro pro Jahr allein in Deutschland. Besonders Prostataentzündungen verursachen eine enorme PSA-Wert-Erhöhung, genauso wie mechanische Irritationen der Prostata (Abtasten, trans-rektaler Ultraschall, aber auch Fahrradfahren und Geschlechtsverkehr). Hier ergibt sich für viele Männer oft eine Grauzone, wenn der PSA-Wert zwischen 4 und 10 ng / ml liegt und nicht klar ist, ob diese Erhöhung von Krebszellen in der Prostata herrührt.
Liegt eine bakteriell bedingte Prostataentzündung vor, so ist es logisch, dass durch Abheilung mithilfe von Antibiotika auch der PSA-Wert sinkt. Wir empfehlen insbesondere bei PSA-Werten zwischen 4 und 10 ng / ml, die Prostatagröße mit Ultraschall messen zu lassen (eine im Alter größer werdende Prostata bedingt mehr Prostatagewebe und dadurch einen höheren PSA-Wert im Blut), und das freie PSA zu bestimmen. Der Quotient zwischen freiem und Gesamt-PSA gibt Hinweise, ob es sich um eine gutartige Prostatavergrößerung oder um Prostatakrebs handelt.
Im Blut kommt das PSA in Verbindung mit Transport- Eiweiß als sogenanntes gebundenes PSA und auch »alleine« (freies PSA) vor. Mit dem PSA-Wert meint man das »Gesamt-PSA« als Summe aus beiden Formen. Bei Prostatakrebs ist meistens das Verhältnis des freien zum Gesamt-PSA kleiner als bei einer gutartigen Prostatavergrößerung oder gesunden Männern. Auch der PSA-Verlauf (Messung des PSA-Wertes in kürzeren Zeitabständen) kann eine Verdachtsdiagnose erhärten. Ein Gramm Prostatakrebsgewebe erhöht den PSA-Wert zehnmal mehr als gesundes Prostatagewebe. Der Prostatakrebs kann stetig wachsen und so den PSA-Wert schneller ansteigen lassen als es bei einer gutartigen Prostatavergrößerung der Fall wäre. Lassen Sie daher im Zweifelsfall diese Zusatzuntersuchungen durchführen.

Prävention bei Prostatakrebs

Ich bin 70 Jahre alt und wurde kürzlich an Prostatakrebs operiert. Was kann ich selbst tun, um einer erneuten Erkrankung vorzubeugen?

Das Prostatakarzinom ist meistens ein typisches, langsam wachsendes Alterskarzinom. Daher ist es besonders wichtig, die Zeit bis zur Metastasierung zu verlängern, damit der Patient möglichst lange eine hohe Lebensqualität genießt und nicht an seinem Prostatakrebs, sondern eines Tages mit seinem Prostatakrebs verstirbt. Hier bieten Veränderungen der Lebens- und Ernährungsweise einen vielversprechenden Ansatz. Zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte ist es ratsam, bei Prostatakrebs schon von Anfang an ergänzende Behandlungen mit Mistel- oder Thymusinjektionen durchzuführen, zusammen mit Selen und den antioxidativen Vitaminen A (bzw. Karotin), C und E sowie Vitamin D3. Durch sinnvolle Ernährungsmaßnahmen (Grüntee, Tomatenmark, Soja, Selen, Vitamin E, Fisch, wenig Fleisch, viel Pflanzenkost, Gemüse, Obst, Granatapfel) und eine positive Lebensweise (regelmäßige Bewegung und Entspannung, Visualisierungsübungen, Meditation) kann das Fortschreiten der Krankheit verzögert werden, wie eine aktuelle Studie zeigt (Frattaroli et al., 2008).

Prostatakrebs ist in den westlichen Industrieländern zehnmal häufiger als in Ostasien. Das wird auf die dortige Ernährung zurückgeführt, die reichlich Pflanzenstoffe enthält, insbesondere Phytohormone aus Soja und Grüntee sowie Ballaststoffe und Fisch, aber wenig Fleisch. Weitere günstige Bestandteile in der Ernährung sind Kurkuma (Gelbwurz), Olivenöl, Rotwein und das in Tomatenmark enthaltene Lycopin. Bestandteile aus Ingwer können ebenfalls Prostatakarzinomzellen schädigen. So fand eine Gruppe von US-Wissenschaftlern Hinweise, dass schon relativ geringe Konzentrationen der im Ingwer enthaltenen Phenole das Wachstum von Krebszellen hemmen. Rezepte für die Zubereitung von ayurvedischem Ingwerwasser sowie für einen Gelbwurz-Tomaten-Cocktail finden Sie hier. In letzter Zeit zeigen verschiedene (auch klinische) Studien, dass Granatapfelsaft gerade bei Prostatakrebs eine schmackhafte und sinnvolle therapeutische Unterstützung ist. Durch die tägliche Aufnahme von Granatapfel-Extrakt über sechs Monate verlängerte sich die mittlere PSA-Verdopplungszeit, ein wichtiger Prognoseparameter, von 11,9 auf 18,5 Monate. Die Bioaktivität und Bioverfügbarkeit des Extrakts ist am höchsten in seiner fermentierten Form. Einige Vitalstoffe sollen in erhöhter Dosierung aufgenommen werden: 200 μg (Mikrogramm) Selen (Natriumselenit) – Dauereinnahme nur bei Mangel (sonst Erhöhung des Diabetesrisikos), mindestens 1 000 I. E. Vitamin D3 (am besten Vitamin-D-Spiegel bestimmen lassen), 50 I. E. natürliches Vitamin E. Generell sollten höher dosierte Supplemente unter Beobachtung der PSA-Dynamik genommen werden, da insbesondere beim fortgeschrittenen Prostatakrebs Substanzen ihre Wirkung verlieren oder verändern können.

 

Freies und gebundenes PSA und Prostatakrebsfrüherkennung?

Ich bin 70 Jahre und habe Prostatakrebs. Obwohl mir von allen Seiten zu einem operativen Eingriff geraten wurde, habe ich mich dagegen entschieden und eine andere Vorgehensweise gewählt. Das ist aber nicht meine Frage. Immer wieder werde ich im Bekannten- und Freundeskreis von meinen Altersgenossen nach dem Sinn von PSA-bestimmungen zur Vorbeugung einer Tumorerkrankung befragt. Könnten Sie auf den Sinn der PSA-Bestimmung genauer eingehen, insbesondere auf die Bestimmung des freien und gebundenen PSA?

Zunächst einmal geht es darum ein wichtiges Missverständnis im Vorfeld zu klären: Mit der PSA-Bestimmung kann allenfalls ein Tumor früher erkannt werden, von einer Vorbeugung kann man dann nicht mehr sprechen. Eine weitere Tatsache: Bei ca. der Hälfte aller Männer über 70 Jahre wird das Vorliegen eines Tumors der Prostata vermutet. Die Mehrzahl dieser Tumore wird ihrem Wirt aber tatsächlich nicht schaden. Welche Tumore das sind, dafür gibt es Anzeichen, aber die Medizin kann das gegenwärtig noch nicht eindeutig herausfinden und daher ist ihr Vorgehen auf jeden Fall sehr mutig.

Das PSA (Prostata spezifisches Antigen) ist ein Protein (Eiweiß), das in der Prostata gebildet wird, auch bei Gesunden vorkommt und sich in der Samenflüssigkeit und im Blut nachweisen lässt. Die eigentliche Aufgabe des PSA ist es, das Sperma zu verflüssigen. Als Prostata spezifischer Tumormarker wird der PSA-Wert im Blut bestimmt. Dort kommt es in Verbindung mit sog. „Transport-Proteinen” (gebundenes PSA) und auch „alleine” (freies PSA) vor. Das gesamte PSA setzt sich aus der Summe von gebundenem und freiem PSA zusammen; mit dem PSA-Wert meint man das „gesamt-PSA”. Der PSA-Wert kann durch verschiedene Faktoren erhöht sein, wobei auch das Lebensalter eine Rolle spielt (im Alter größer werdende Prostata bedingt mehr Prostatagewebe und dadurch einen höheren PSA-Wert im Blut), so dass ein erhöhter PSA-Wert nicht unbedingt das Vorliegen eines Prostata- Ca bedeutet.

Bei Prostatakrebs ist jedoch das Verhältnis des freien zum gesamt-PSA kleiner als bei einer gutartigen Prostatavergrößerung oder gesunden Männern, da das Prostata-Ca wesentlich mehr gebundenes PSA produziert als die gesunde oder gutartig vergrößerte Prostata. Aus dem sog. PSA-Quotienten können sich somit Hinweise auf das mögliche Vorliegen eines Prostata-Ca ergeben. Auch der PSA-Verlauf (Messung des PSA-Wertes in kürzeren Zeitabständen, z. B. alle 4 Wochen) kann eine Verdachtsdiagnose erhärten. 1 g Prostatakrebs-Gewebe erhöht den PSA-Wert 10 Mal mehr als gesundes Prostatagewebe. Der Prostatakrebs kann stetig wachsen und so den PSA-Wert schneller ansteigen lassen als bei einer gutartigen Prostatavergrößerung.
Es gelten folgende Werte für den Gesamt-PSA:
•    normal:                         bis  4,0 ng/ml
•    Grauzone:                     4 bis  10,0 ng/ml
•    carcinomverdächtig:      über 10,0 ng/ml
Ab einem gesamt-PSA von 4,0 ng/ml ist gegebenenfalls die zusätzliche Bestimmung des freien PSA zu empfehlen, da mit Hilfe des Quotienten freies PSA/Gesamt-PSA eine Unterscheidung zwischen gutartiger Prostatavergrößerung (=benigner Prostatahyperplasie = BPH) und Prostata-Ca möglich sein kann. Eine sichere Festlegung ist die Bestimmung aber nicht!
Die alleinige Bestimmung des freien PSA bringt keinen diagnostischen Gewinn, sondern es ist folgender Quotient PSA-Ratio (PSA-Quotient oder f/t-PSA) zu bilden: freies PSA (f-PSA) : gesamt PSA (t-PSA)
Es findet sich folgende Verteilung in % gesunder Männer, Männer mit BPH und Männer mit Prostata-Ca:
Prostata-Ca:
65 % haben einen Quotienten  ≤ 0.15
35 % haben einen Quotienten  > 0.15
Gesunde u. BPH:
75 % haben einen Quotienten  > 0.15
25 % haben einen Quotienten  ≤ 0.15
Diese Werte sind nur ein Anhaltspunkt. Im Zweifelsfall sprechen Sie mit Ihrem Urologen oder holen Rat beim ärztlichen Beratungsdienst der GfBK.

Paprika / Casaicin

Ich bin 62 Jahre und habe Prostatakrebs. Ich habe nun gelesen, dass Paprika gegen Prostatakrebs wirken soll. Was wissen Sie darüber? 

 

Der Wirkstoff Capsaicin scheint wie viele sekundäre Pflanzenstoffe den natürlichen Zelltod von Tumorzellen zu fördern. So stellten Forscher der Universität von Kalifornien fest, dass der Schotenextrakt das Wachstum von Prostatakrebszellen bei Mäusen reduzierte. Insgesamt verabreichten die Wissenschaftler den Mäusen über die Nahrung Capsaicin-Mengen, die drei wöchentlichen Dosen von 400 mg für einen 100 Kilo Mann entsprechen. Soviel Capsaicin steckt, je nach Schärfegrad, in drei bis acht mexikanischen Habanera-Schoten, der schärfsten bekannten Chilisorte. Unser Kritikpunkt: In der Praxis dürfte es schwierig sein, diese Menge zu sich zu nehmen. Klinische Studien bei Tumorpatienten zu dieser Substanz sind bisher noch nicht durchgeführt worden. Außerdem ist letztendlich im Reagenzglas oder im Tierversuch für viele Antioxidantien in Obst und Gemüse nachgewiesen worden, dass sie entweder die Tumorentstehung verhindern oder das Tumorwachstum hemmen. Dazu gehören eine Reihe von sekundären Pflanzenstoffen, schätzungsweise über zehntausend Substanzen! Infolge Ihres weit verbreiteten Vorkommens in Obst und Gemüse halten wir es deshalb für besser, eine Krebsvorbeugung in Form von einer ausgewogenen vielseitigen Vitalkost mit viel Obst und Gemüse gegenüber isolierten Einzelextrakten vorzuziehen. Die Palette der sekundären Pflanzenstoffe kommt in einer Vielzahl von Gemüsen (besonders in Broccoli, Knoblauch, Zwiebeln, Kohl, Sojabohnen und Tomaten) bis hin zu Gewürzen, Kaffee, Tee, Wein und Heilkräutern vor. Interessant ist für Prostatakrebsbetroffene insbesondere die Tatsache, dass Männer, die häufig Ketchup, Tomatenmark oder Tomatensaft verzehren, weniger häufig an Prostatakrebs erkranken. Diese Beobachtung wird auf das in Tomaten enthaltene stark antioxidativ wirksame Lycopin zurückgeführt. Lycopin wird durch vorheriges Erhitzen der Tomaten wohl besser für den Körper verfügbar gemacht, daher ist die bessere vorbeugende Wirkung von z.B. Tomatensaft im Gegensatz zu "rohen Tomaten" zu erklären. Diese Wirkung kann man sich mithilfe des sogenannten Gelbwurz-Tomaten-Drink zunutze machen. Grundsätzlich empfehlen wir zur Rezidivprophylaxe bei Prostatakrebs abwehrstärkende Maßnahmen, z.B. mit einer Mistel- oder Thymustherapie und die Gabe von best. Vitaminen und Spurenelementen (insbesondere Selen, Vitamin E und Vitamin D3) sowie den oben genannten Gelbwurz-Tomaten-Drink. Informationen hierüber können Sie bei der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr anfordern. {backbuton}

Curcumin (Gelbwurz) und Prostatakrebs

Ich bekam unlängst in der Prostata-Selbsthilfegruppe die Empfehlung, zusätzlich zu einem biologischen Therapiekonzept Curcumin Kapseln zur Behandlung meines Prostatakrebses im Frühstadium (Krebs der männlichen Vorsteherdrüse) einzunehmen. Was halten Sie davon?

Kurkuma (Gelbwurz) ist ein traditionelles indisches Gewürz und gehört zur Ingwerfamilie. Das Gelbwurzpulver ist die Basis der bei uns bekannten Currygewürzmischung. In der indischen Medizin (Ayurveda) wird Gelbwurz als Heilmittel gegen verschiedene Krankheiten eingesetzt,sei es innerlich als Magentonikum, als blutreinigendes Mittel, bei Leber- und Harnwegserkrankungen bzw. äußerlich bei Hauterkrankungen. Die Bedeutung von Kurkuma in der Medizin hat mit der Entdeckung der antioxidativen (=Radikalempfänger) und entzündungshemmenden Eigenschaften der im Kurkuma natürlich vorkommenden sogenannten Phenole enorm zugenommen. Bisher zwar nur im Laborversuch nachgewiesen kann Kurkuma speziell bei Prostatakrebs die Umwandlung von hormonabhängigen Prostata-Zellen (=die Zellen, die auch auf eine Hormonblockade-Therapie ansprechen) zu hormonunabhängigen Krebszellen verzögern sowie den spontanen Zelltod (=Apoptosis) beider Zelltypen auslösen helfen.  Anstatt der Einnahme der recht teuren handelsüblichen Kurkuma Kapseln empfehlen wir eine mögliche natürliche Zubereitung eines Gelbwurz-Drinks nach folgendem Rezept:

500 ml Tomatensaft, 5 g Gelbwurzpulver (erhältlich in gut sortierten Bio-Läden oder Reformhäusern, ca. € 1,20 pro 100 g), 1 g schwarzen Pfeffer, 3 EL bestes Olivenöl    

Alles zusammen gut mit einem Mixstab sämig verrühren. Der Cocktail kann täglich auf einmal oder über den Tag verteilt über einen Zeitraum von zunächst vier Wochen getrunken werden. Da Gelbwurz in Indien zur Nahrungszubereitung in einer Dosis von täglich bis zu mehreren 100 mg verwendet wird, brauchen Sie mit Sicherheit keine Überdosierung zu befürchten.

Boron

Ich bin an Prostatakrebs erkrankt, wurde operiert und bestrahlt und fühle mich heute gesund. Zu welchen unterstützenden Maßnahmen im Rahmen einer biologischen Zusatztherapie raten Sie? Immer häufiger taucht bei uns in der Selbsthilfegruppe die Frage auf, welchen Nutzen Boron im Rahmen einer Rezidivprophylaxe bei Prostatakrebs haben könnte. Ein Apotheker warnte mich sogar vor unkalkulierbaren Schäden bei der Einnahme von Boron. Was meinen Sie und welche Dosierung würden Sie gegebenenfalls empfehlen?

Grundsätzlich empfehlen wir zur Rezidivprophylaxe bei Prostatakrebs abwehrstärkende Maßnahmen, z.B. mit einer Mistel- oder Thymustherapie und die Gabe von bestimmten Vitaminen und Spurenelementen (insbesondere Selen, Vitamin E und Vitamin D3) sowie einen speziellen Gelbwurz-Tomaten-Drink, da insbesondere dem Kurkumin wichtige antitumoröse Eigenschaften gerade bei Prostatakrebs nachgesagt werden. (Das Rezept erhalten Sie jederzeit gern bei der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V.)  Nahrungsergänzung mit Boron - die bioorganische Verbindung eines Bor-Salzes - ist bei an Prostatakrebs erkrankten Männern unserer Ansicht nach vorsichtig zu empfehlen. So zeigen Studien, dass Prostatakrebspatienten niedrigere Boronspiegel als gesunde Männer aufweisen und dass durch zusätzliche Gabe von Boron ein Fortschreiten von Prostatakrebs über die Hemmung der PSA-Aktivität verhindert werden kann. Ob jedoch Boron zusätzlich als Präparat eingenommen werden sollte oder ob es nicht einfach nur ausreicht, bestimmte Nahrungsmittel zu bevorzugen, kann gegenwärtig noch nicht eindeutig beantwortet werden. Sicher ist nur, dass die tägliche Aufnahme etwa 2 - 3 mg betragen sollte und in dieser Menge auf jeden Fall keine negativen Auswirkungen hat. Sinnvoll ist auch eine Kombination mit einer vermehrt vegetarischen Ernährung. Natürliche Boronquellen sind Trauben, getrocknete Früchte, Avocados, Rotwein und Traubensaft. Diese enthalten neben Boron auch viele andere wertvolle bioaktive Pflanzenstoffe, die bei Prostatakrebs hilfreich sein können. Andere bei Prostatakrebs günstige Pflanzenstoffe sind z.B. in gedünsteten Tomaten, Olivenöl und Soja enthalten. In asiatischen Ländern, in denen vorwiegend diese Lebensmittel konsumiert werden, treten nur ein Fünftel so viel Prostatakrebserkrankungen auf wie bei uns.


Psyche

Seelische Faktoren

Meiner Meinung nach beschäftigt sich die Medizin viel zu wenig mit dem Einfluss seelischer Faktoren in der Behandlung von Brustkrebs? Immer wieder höre ich in den Kliniken, dass nur die Gene oder evidenzbasierte wissenschaftliche Therapien einen Einfluss auf den Krankheitsprozess haben. Welche Meinung vertritt die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr in dieser Hinsicht? Was können Patientinnen tun, die sich für diese Fragestellung interessieren?

Seelische Einflussfaktoren werden sowohl im Hinblick auf die Entstehung wie auch die Behandlung von Brustkrebs in der Psychoonkologie zu wenig erforscht. Wie in der Wissenschaft nicht selten scheinen bislang einerseits viele Ergebnisse widersprüchlich, andererseits werden wichtige Erkenntnisse bewusst nicht zur Kenntnis genommen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. So wird zwar seelischen Einflussfaktoren bei der Behandlung von Brustkrebs eine Verbesserung der Lebensqualität zugebilligt - die eindeutigen Hinweise auf die Verlängerung der überlebenszeit bei diesem Krankheitsbild werden aber negiert. Obwohl schon die Studienergebnisse von David Spiegel Anfang der 90-er Jahre die Verlängerung der überlebenszeit durch seelische Unterstützung bei Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs eindeutig belegten und auch die Ergebnisse einer aktuellen Studie, die im Artikel Motivation und Hoffnung (Signal 1/2009, Seite 10) zitiert werden, eine Senkung der Sterblichkeitsrate bei Brustkrebs um 68% beweisen, kümmert sich die Medizin um solche im Grunde genommen sensationellen Ergebnisse kaum. Im Vergleich zu den ungeheuren und mit Milliardenbeträgen finanzierten Forschungsanstrengungen mit pharmazeutischen Produkten und technischen Innovationen - denen die Berechtigung nicht grundsätzlich abgesprochen werden soll - sind die Fortschritte der Erkenntnisfindung und praktischen Umsetzung einzelner Forschungsergebnisse in der Psychoonkologie ein kleiner Tropfen auf einen heißen Stein. Beispielsweise wurden in der wissenschaftlichen öffentlichkeit auch die Ergebnisse einer Aufsehen erregenden norwegischen Studie mit annähernd 110.000 Frauen, die unlängst in einer renommierten amerikanischen Fachzeitschrift veröffentlicht (Journal Archives of Internal Medicine, Zahl - 2008) und sogar in der New York Times diskutiert wurden, nicht zur Kenntnis genommen. Die Studie diente dem Vergleich von Frauen, die das Mammographiescreening in Anspruch nahmen und einer vergleichbaren Gruppe, die dem Angebot nicht folgte. Da es in der Gruppe der Frauen, die nicht an dem Screening teilnahmen über ein fünftel weniger Brustkrebs gab, muss man davon ausgehen, dass es bei 22% der Frauen in dieser Gruppe zu einer Spontanheilung gekommen sein muss. In dem Zusammenhang mit obiger Frage soll nicht über die Sinnhaftigkeit von Screeningprogrammen diskutiert werden. Es ist nur sehr bedauerlich, dass erneut ernsthaften Hinweisen auf Spontanheilungen nicht nachgegangen wird und dieses Phänomen trotz bahnbrechender Erkenntnisse der jungen Wissenschaft der Psychoneuroimmunologie nicht eingehend erforscht wird. Welche Schlussfolgerungen lassen sich praktisch ziehen? Eine "hoffnungslose" Prognose gibt es nur für die Patientinnen, die die Hoffnung selbst aufgegeben haben. In jedem Menschen ist ein unendliches Heilungspotential angelegt, welches auch bei sehr fortgeschrittenen Krankheitsbildern noch eine Umkehr des Krankheitsprozesses bewirken kann. Daher können bei Krebskranken durchaus Mittel und Methoden eine positive Wirkung entfalten, denen die konventionelle Medizin eine Unwirksamkeit nachsagt. Jeder Krebskranke wird von Angehörigen, Mitpatientinnen und Mitpatienten sowie Therapeuten und ärzten mit einer Vielfalt gut gemeinter Ratschläge überschüttet und ist mit sehr vielen Informationen sein Krankheitsbild betreffend konfrontiert. In dieser Situation ist es für den Betroffenen besonders wichtig, den "inneren Arzt" zu entdecken. Durch angstlösende Gespräche, Entspannungs- und Visualisierungsübungen, Meditation und ähnliche Verfahren kann der Krebskranke lernen, Entscheidungen für sich und nicht nur gegen die Krankheit zu fällen. Eine innere Stabilität hilft dem Patienten auch, sich im Spannungsfeld schulmedizinischer und unkonventioneller Heilmethoden besser zurechtzufinden. Viele weitere wertvolle Hinweise enthält die Broschüre "Wege zur seelischen Begleitung".

Familienstellen

Zu Ihrem 11. Internationalen Kongress in Heidelberg haben Sie den bekannten Therapeuten Bert Hellinger zu einem Vortrag und Seminar eingeladen. Im SPIEGEL  Anfang Februar las ich, dass Herr Hellinger sehr umstritten ist und sogar Patienten in seinen Seminaren demütigt.  Können Sie mir kurz Ihre Beweggründe erläutern, warum Sie Herrn Hellinger dennoch zu Ihrer Veranstaltung einladen ?

Der GfBK ist vollkommen bewusst, dass das Familienstellen nach Hellinger sowohl in Fachkreisen als auch in der Laienpresse sehr kontrovers diskutiert wird. Das von Hellinger geprägte Verfahren passt einerseits nicht in das Weltbild der heutigen Schulpsychologie, andererseits bringen zuviele selbsternannte und nicht adäquat ausgebildete Therapeuten dieses sehr tief wirkende Verfahren in Verruf. Der aggressiv-manipulativ gehaltene Spiegel-Artikel jedoch ist ein mustergültiges Beispiel politischer Meinungsmanipulation und zeichnet sich durch eine schlechte Recherche aus, die man jedoch erst bemerkt, wenn man mit dem Thema etwas vertrauter ist. Wenn auch die GfBK nicht mit allen äusserungen von Bert Hellinger konform geht, so kann von einer Demütigung von Patienten natürlich nicht die Rede sein! Die GfBK integriert bewusst auch kontrovers diskutierte Themen bei ihren Veranstaltungen.  Denn so unterschiedlich wie die Patienten sind, sind auch die Mittel und Methoden, die den Patienten helfen. So ist es durchaus möglich, dass für einige Teilnehmer das Familienstellen nach Hellinger keine adäquate Methode darstellt. Für andere Patienten ist das Familienstellen aber vielleicht ein ganz wichtiger Punkt auf ihrem Weg zur Genesung und diesen Patienten soll die Methode nicht vorenthalten werden. Bei dem Familienstellen nach Hellinger handelt es sich um eine Methode, bei dem auf einer sehr tiefen Ebene Emotionen angesprochen und angeregt werden. Der Therapeut sollte sehr sensibel und in der Methode erfahren sein, damit Patienten nicht in eine mögliche Krise stürzen. Darum sollte man sich gut kundig machen, bei wem man einen Kurs oder Seminar durchführt. Außerdem sollte gerade bei tiefergehenden Problemen auch eine therapeutische Nachbetreuung gewährleistet sein.


Ausleitung

Was ist "Ölkauen"?

Nach einer Ovarial-Ca-Erkrankung vor zwei Jahren bemühe ich mich, ein von der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr empfohlenes biologisches Therapiekonzept konsequent durchzuführen. Bei insgesamt gutem Allgemeinzustand bin ich seither rezidiv- und metastasenfrei geblieben. Eine Bekannte empfahl als zusätzliche Maßnahme, die Entgiftung im Körper mit einer speziellen "Mundhygiene", dem so genannten "Ölkauen" zu unterstützen. Was ist darunter zu verstehen?

Selbst bei gewissenhafter Zahn- und Mundpflege werden Zunge und Zahnfleisch über Nacht mit einem Bakterienfilm überzogen. Spülen ("ölkauen") Sie jedoch morgens nach dem Aufstehen die Mundhöhle mit 1 Esslöffel Sonnenblumenöl mind. 10, max. 20 Minuten lang, kann das Öl einen Großteil der Bakterien absorbieren. Wenn Sie das Öl gut "gekaut" haben, sollte es eine weissliche Farbe haben. Nach dem Ausspucken des Öles sollten Sie gründlich mit Wasser nachspülen, dann Zähne und Zahnfleisch mit der Zahnbürste reinigen und abschließend die Zunge von hinten nach vorne mit einem Zungenschaber (erhältlich in jedem Drogeriemarkt) zusätzlich abstreifen. Diese Prozedur können Sie gegebenenfalls tagsüber jeweils vor den Mahlzeiten und zuletzt vor dem Schlafengehen wiederholen. Bei langfristiger Durchführung des Ölkauens werden vielfältige günstige Wirkungen auf den Gesamtorganismus und insbesondere auf Zähne und Zahnfleisch beobachtet.


Darmregulation

Darmregulation

Seit der Chemotherapie plagt mich mein Darm. Ich habe mit unregelmäßigem Stuhlgang und Blähungen zu tun. Hätten Sie einen Tipp für mich, wie ich die lästigen Beschwerden in den Griff bekommen kann?

Die Die Krebsbehandlung führt häufig zu schweren Schäden am Darm. Zytostatika, Antibiotika oder Strahlen können die lebenswichtige Darmflora ganz oder teilweise zerstören. Dadurch wird die Funktion unseres Immunsystems geschwächt und der Heilungsprozess beeinträchtigt. Dann kann eine Regulation der Darmflora, die Mikrobiologische Therapie, auch Symbioselenkung oder Darmsanierung genannt, eine sinnvolle Ergänzung einer biologischen Behandlung sein. Ihr Ziel ist, therapiebedingte Schäden zu beseitigen, die Darmfunktion zu normalisieren, den Stoffwechsel anzuregen, den Körper von Schad- und Giftstoffen zu entlasten und dadurch eine Regenerierung und Stärkung der Abwehrkräfte zu  bewirken. Bei länger bestehenden Beschwerden empfehlen wir, die Darmflora mittels Stuhluntersuchung analysieren zu lassen. Adressen von entsprechenden Labors erhalten Sie bei der GfBK. Wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten ist, halten wir eine Darmsanierung für erfolgversprechend, die idealerweise auf den individuellen Befund abgestimmt ist. Geeignet sind Präparate, welche die schützenden Bakterien in sehr hoher Konzentration enthalten. Wenn die Stuhluntersuchung einen übermäßigem Pilzbefall zum Vorschein bringt, haben sich natürliche Mittel bewährt, wie z. B. Teebaumöl (dreimal täglich ein Tropfen in einem Glas Wasser vor den Mahlzeiten), Präparate mit Myrrhe (Myrrhinil intest®) oder eine Kur mit Aloe vera. Eine gute Alternative für alle, die es gerne natürlicher haben wollen, ist bei leichten Beschwerden das Trinken von Kanne Bio Brottrunk® mit zusätzlichen Enzymfermenten. Er enthält eine große Menge an Milchsäurebakterien. Damit können Sie fürs erste schon sehr viel für Ihren Darm erreichen. Auch eine Kur mit Colostrum kann hilfreich sein: www.colostrum.de oder www.biestmilch.com. Unterstützen Sie Ihre Darmsanierung durch eine ballaststoffreiche Pflanzenkost und milchsäurehaltige Lebensmittel. Reduzieren oder meiden Sie nach Möglichkeit Zucker sowie tierische Eiweiße und Fette.


Pflanzenstoffe

Mariendistel zur Leberstärkung

Die Behandlung nach der Operation meines Darmtumors ist jetzt abgeschlossen. Von einem naturheilkundlich tätigen Arzt wurde mir neben anderen Maßnahmen ein pflanzliches Präparat empfohlen, dessen Hauptbestandteil die Mariendistel ist. Damit soll meine Leber unterstützt werden. Was meinen Sie dazu?

 Die Mariendistel gehört zu den großen europäischen Heilpflanzen, die bereits seit der Antike bekannt sind. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich gezeigt, dass sie bei Krebserkrankungen und den damit verbundenen Therapien hilfreich ist, um möglichen Leberschädigungen entgegenzuwirken. Der Wirkstoffkomplex Silymarin aus der Mariendistel stärkt, entgiftet und schützt die Leber. Zudem fördert er den Fluss und die Zirkulation der Gallenflüssigkeit. So trägt die Mariendistel zur Leberregeneration und zur Normalisierung der Gallenfunktion bei. Sie unterstützt auch die Bildung neuer Leberzellen. Präparate mit dem Wirkstoff Silymarin helfen daher auch bei Leberschäden, die durch Metastasen oder Leberoperationen verursacht wurden. Die Mariendistel ent faltet wie viele andere Schätze der Pflan zenheilkunde ihre Wirkung erst nach einer gewissen Zeit. Es ist empfehlenswert, sie konsequent über mehrere Monate hinweg einzusetzen. Dann können sich im Idealfall zeitweilig erhöhte Leberenzymwerte verbessern oder normalisieren. Die Patienten fühlen sich oft wohler, wenn Symptome wie Appetitstörungen, Blähungsneigung und Obstipation nachlassen.
Einige der gebräuchlichsten Präparate sind Legalon forte, Ardeyhepan, Hepa-Loges, Hepar-Pasc, Silymarin, Natuhepa. Die individuell passende Dosierung sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.
Die Entgiftungsfunktion der Leber wird auch durch Ornithinaspartat (z. B. Hepa Merz®, Hepa-Vibolex®) oder durch Bitterstern gefördert. Ein besonderes Lebermittel aus der anthroposophischen Apotheke ist Hepatodoron®. Es besteht aus Blättern der Weinrebe und der Walderdbeere. Wenn die Cholesterinwerte erhöht sind, ist allerdings die Mariendistel zu bevorzugen, z. B. Weleda Carduus marianus. Der gute alte Leberwickel unterstützt das Organ und ist zusätzlich eine sehr entspannende Maßnahme zur Leberentgiftung. Viele Patienten berichten, dass sie nach seiner Anwendung (endlich wieder) schlafen konnten wie ein Murmeltier. All diese Mittel können begleitend zur Chemotherapie und auch danach eingesetzt werden.

Graviola – angebliches Wundermittel

Aus der Presse habe ich von der Wunderwaffe Graviola gegen Krebs erfahren. Was ist das und sind die überaus positiven Aussagen ernst zu nehmen?

Die Früchte, die von Obstbäumen aus der Familie der Annonaceae kommen, werden in den Anbauländern Mittel- und Südamerikas sowie in Asien traditionell als Obst und Gemüse gegessen. Sie sind je nach Herkunftsland und Unterart unter den Namen Guanabana, Guyabana, Indianerbanane u. a. bekannt. Wegen ihrer schlechten Lagerfähigkeit sind sie bei uns im Handel selten frisch zu kaufen. Für den Export erfolgt meist die Verarbeitung zu Saft oder Grundlagen für Konserven. Es kursieren Aussagen, Graviola (die sogenannte Stachelannone) sei 10 000-mal stärker gegen Krebs wirksam als herkömmliche Chemotherapeutika. Diese Behauptung ist falsch. Die Arzneimittelforschung beschäftigte sich in erster Linie mit den Samen der Früchte. Sie sind fast bei allen Arten sehr giftig und können zu schweren irreversiblen Nervenschäden führen. Zu den zahlreichen bisher isolierten Toxinen zählen z. B. verschiedene Acetogenine. In der Hoffnung, daraus tumorwirksame Medikamente zu gewinnen, wurden entsprechende Extrakte in vielen Ländern bereits präklinisch untersucht. In die Klinik haben diese Forschungen bisher nicht geführt: Das heißt, sie wurden noch nie an Menschen getestet. Daher gibt es keine Medikamente auf Basis von Acetogeninen. Allerdings werden Tees, Säfte und Nahrungsergänzungsmittel aus Annonafrüchten vollmundig mit angeblicher antitumoraler Wirksamkeit beworben. Bisher ist nicht ausreichend belegt, dass diese wirklich bei Krebserkrankungen helfen.

Brokkolisamen keimen oder so essen?

Ich habe eine Frage zu den Brokkolisamen: Habe ich es richtig verstanden, dass die Samen auch ungekeimt – also pur – gegessen werden können und dabei genauso wirksam sind wie die gekeimten? Gibt es Brokkoli auch als Fertigpräparat?

Senföle wie zum Beispiel Sulphoraphan gehören zu den wertvollsten Inhaltsstoffen von Brokkoli. Leider wird Sulforaphan durch Hitze weitgehend zerstört.Deshalb sollte Brokkoligemüse nur ganz leicht gedünstet und noch knackig verzehrt werden. Im Vergleich zur ausgewachsenen Brokkolipflanze enthalten Brokkolisprossen je nach Sorte und Herkunft ein Vielfaches (20–100 ×) an Sulforaphan und Glukoraphan.
Leider gibt es bisher keine Untersuchungen darüber, ob es dieselbe gesundheitliche Wirkung hat, wenn man anstelle der Sprossen die Samen verzehrt. Denkbar ist es, da die wichtigen Inhaltsstoffe Laboranalysen zufolge bereits im ungekeimten Samen enthalten sind und nicht erst beim Keimen entstehen. Durch die Keimung werden allerdings bestimmte Enzyme erst aktiviert. Daher empfehlen wir, die Einnahme von Brokkolisamen mit der von Sprossen zu kombinieren. Erhitzen Sie beides nicht. Die Sprossen eignen sich hervorragend zum Mischen mit anderen Keimlingen. Sie können damit Suppen, Eintöpfen und Salate bestreuen. Das ist schmackhaft und gesund. Wenn Sie Brokkolisprossen selbst herstellen wollen, achten Sie bitte auf eine kurze Ankeimzeit. So werden die nützlichen Enzyme wie bei allen anderen Samen besser aktiviert. Sie können also die Keime (Sprossen) bereits nach etwa ein bis drei Tagen (je nach Temperatur) verwenden. Die ideale Länge der Keime liegt bei zwei bis drei Millimetern. Inzwischen sind zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel auf Brokkoli-Basis erhältlich. Ihre Qualität ist nur schwer überprüfbar. Anbieteradressen können Sie bei der GfBK erfragen. Die Präparate unterscheiden sich meistens darin, dass sie entweder Brokkoli-Extrakt oder einzelne Wirksubstanzen, z. B. Indol-3-Carbinol enthalten. Bei Brustkrebs raten wir eher zu Indol-3-Carbinol, da dieser Wirkstoff antihormonelle Eigenschaften hat. Achten Sie bei Indol-3-Carbinol-Präparaten darauf, dass Sie mindestens 400 mg der Wirksubstanz täglich einnehmen; bei einem Körpergewicht über 65 kg werden 600 bis 800 mg empfohlen. Wenn Kapseln oder Ähnliches eingenommen werden, halten wir es grundsätzlich für besser, diese durch Nahrungsmittel (Brokkoli, Brokkolisprossen oder deren Samen) zu ergänzen. So nutzen Sie das ganze Potenzial der Pflanze. Es ist wichtig, neben einzelnen Aspekten, wie dem Brokkoli, das gesamte Ernährungskonzept im Blick zu haben und insgesamt auf einen vitalstoffreichen Speiseplan zu achten. Denn das ultimative Wundermittel in der Medizin gibt es leider noch nicht.

Salvestrol, ein neues Wundermittel?

Im Internet und von Bekannten habe ich von dem Mittel Salvestrol erfahren, dass als Kapseln eingenommen werden und das Krebswachstum unterbinden soll. Was ist von dieser Empfehlung zu halten?

Salvestrol kommt in verschiedenen Gemüsesorten, Gewürzkräutern und Obst vor und soll die über eine Aktivierung eines bestimmten Enzymsystems aus dem Ruder gelaufene Zellen zur Apoptose (dem natürlichen Zelltod) veranlassen und vor Krebswachstum schützen. Bisher gibt es jedoch nur Reagenzglasversuche, die diese Wirkung beschreiben und keine am Menschen durchgeführten Untersuchungen. Auch wir haben bisher keine Erfahrungen gesammelt, die die Wirkung bei Krebserkrankten bestätigen konnten.
Übrigens ist im Reagenzglas oder im Tierversuch für viele Pflanzenfarbstoffe nachgewiesen worden, dass sie entweder die Tumorentstehung verhindern oder das Tumorwachstum hemmen. Dazu gehören eine Reihe von sekundären Pflanzenstoffen, schätzungsweise über zehntausend Substanzen! Infolge Ihres weit verbreiteten Vorkommens in Obst und Gemüse halten wir es grundsätzlich für besser, eine Krebsvorbeugung in Form von einer ausgewogenen vielseitigen Vitalkost mit viel Obst und Gemüse gegenüber isolierten Einzelextrakten vorzuziehen. Die Palette der sekundären Pflanzenstoffe kommt in einer Vielzahl von Gemüsesorten bis hin zu Gewürzen und Kräutern vor. Wenn Sie Salvestrole vermehrt aus der Nahrung aufnehmen möchten, bevorzugen Sie eher den bitteren Geschmack von Gemüse- und Obstsorten, da diese Sorten mehr Salvestrole enthalten. Natürliche Quellen von Salvestrolen sind zum Beispiel: Äpfel, Heidelbeeren, Preiselbeeren, Erdbeeren, Weintrauben, Orangen, Mandarinen, Avocados, Brokkoli, Blumenkohl, Chinakohl, Rosenkohl, Oliven, Artischocken, Basilikum, Löwenzahn, Mariendistel, Minze, Petersilie, Rosmarin, Salbei, und Thymian.

 

Wechselwirkungen von Pflanzenstoffen mit Medikamenten

Ich bin Krebspatientin und habe in einem Zeitungsartikel gelesen, dass vor der Einnahme von grünem Tee und Johanniskraut bei Krebspatienten gewarnt wird. Was können Sie mir dazu sagen?

Ob und in welchem Umfang sich Naturstoffe und schulmedizinische Substanzen in ihrer Wirkung beeinflussen können, ist ein Thema, zu dem schon viele Halbwahrheiten geschrieben wurden. Die Betroffenen werden oft mehr verunsichert als aufgeklärt.
Ein Beispiel ist der Grüne Tee: Mehrere Untersuchungen haben darauf hingewiesen, dass grüner Tee die Chemotherapie unterstützen und die Nebenwirkungen mildern kann. Nur bei einem bestimmten Medikament (Bortezomib) ließ im Reagenzglas und bei Mäusen der krebszerstörende Effekt des Mittels nach, wenn EGCG (Hauptwirkstoff von grünem Tee) dazugegeben wurde. Bortezomib ist ausschließlich für die Behandlung einer eher selten auftretenden Unterart von Lymphkrebs zugelassen. Bei anderen ähnlich wirkenden Substanzen zeigte sich diese Wechselwirkung nicht. Dies liegt wohl daran, dass nur Bortezomib einen bestimmten Borsäure-Rest enthält, an den EGCG sich binden kann, was Bortezomib unwirksam werden lässt. Auch Vitamin C in Dosierungen von mehr als 1g soll an den Borsäure-Rest binden und Bortezomib unwirksam werden lassen.
Dieses Beispiel zeigt, dass Studienergebnisse stets im Zusammenhang gesehen werden müssen. Nach Veröffentlichung dieses Experimentes erschienen in der Presse immer wieder verallgemeinernde Meldungen wie „Grüner Tee kann Chemotherapie behindern" (so auch im Deutschen Ärzteblatt, wobei Bortezomib per definitionem keine Chemotherapie ist) oder „Grüner Tee stört Krebschemotherapie" (Ärztezeitung). Diese Meldungen verunsichern die Betroffenen, denen die genauen Hintergründe solcher Untersuchungen oft genauso unbekannt sind wie ihren behandelnden Ärzten.
Dabei ist mit diesem Experiment lediglich bewiesen worden, dass ein Bestandteil des Grünen Tees bei einem in der Krebstherapie eher selten eingesetzten Medikament (keine Chemotherapie!) die Wirksamkeit im Mausmodell und im Reagenzglasversuch gesenkt hat. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass diese Ergebnisse sich auch im menschlichen Körper so zeigen müssen. Dieses Problem wird leider allzu selten angesprochen. Viele Zusammenhänge bleiben ungeklärt, wie z.B. ob die Dosis im Tierversuch auch tatsächlich der beim Menschen verabreichten entspricht. Auch ist fraglich, ob die beiden Substanzen im menschlichen Körper überhaupt zusammentreffen, wenn die Tabletteneinnahme und das Trinken des Tees zu unterschiedlichen Zeiten erfolgen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Johanniskraut. In Deutschland ist das Pflanzenpräparat für milde Depressionen zugelassen. Es wird oft von Krebspatienten nachgefragt.
Johanniskraut ist an einer Vielzahl von Enzym– und Transportsystemen in der Leber beteiligt. Dadurch kann es den Abbau anderer Medikamente beeinflussen. Dies soll vor allem zu einem langsameren Abbau und dadurch zu einer erhöhten Giftigkeit oder auch zu einem beschleunigten Abbau und dadurch zu einer geschwächten Wirksamkeit von anderen Medikamenten führen. Auch Grapefruitsaft beeinflusst auf diese Weise die Abbautätigkeit der Leber.
Unklar ist, ob sich diese Wechselwirkungen im komplexen menschlichen Organismus ebenfalls so beobachten lassen wie im Labor. Im Zweifelsfall empfehlen wir, leichte Depressionen durch homöopathische Komplexmittel oder Bachblüten zu behandeln. Manchmal kann auch alleinige psychoonkologische Betreuung die Einnahme eines Präparates ersetzen.
Zusammenfassend kann man also festhalten, dass es nicht sicher ist, inwieweit Experimente im Reagenzglas oder Tier auf den menschlichen Organismus übertragbar sind. Bevor dies nicht eindeutig geklärt ist, empfehlen wir, Grünen Tee oder Johanniskraut am Tag zeitlich versetzt zu anderen Medikamenten einzunehmen. Auf Grünen Tee deswegen ganz zu verzichten, halten wir für schlichtweg übertrieben.

Brokkoliextrakt

Ich habe Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Von Bekannten habe ich über die positiven Wirkungen von Brokkoli gehört. Gibt es dazu Forschungsergebnisse?

Vielen sekundären Pflanzenstoffen werden antikanzerogene Wirkungen zugesprochen. Während Unternehmen der Biotechnologie an der Entwicklung spezieller Krebsmedikamente arbeiten, kann der Mensch in seiner alltäglichen Ernährung die Entwicklung von Tumoren beeinflussen oder unterdrücken. Hierbei spielen die so genannten sekundären Pflanzenstoffe eine Schlüsselrolle. Geforscht wird derzeit insbesondere an Glukosinolaten bzw. am Sulphoraphan der Kreuzblütlergewächse – wie Kohl, Senf und Meerrettich. In Zell- und Tierversuchen wirken sie krebsvorbeugend. Am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg wird der Einfluss von Sulphoraphan auf die Entstehung des Prostatakarzinoms untersucht: Das Risiko, ein Prostatakarzinom zu bekommen, sank, je mehr Sulphoraphan aufgenommen wurde um bis zu 30 %. Andere Untersuchungsdaten des Deutschen Krebsforschungszentrums weisen darauf hin, dass Sulphoraphan widerstandsfähige Tumorstammzellen von Bauchspeicheldrüsenkrebs mehr schwächen kann als herkömmliche Krebsmedikamente. Auch konnte die Wirkung von Krebsmedikamenten durch den Einsatz von Sulphoraphan verstärkt werden.
Alle Kohlarten enthalten Sulforaphan und dessen Vorläuferstoff Glukosinolat, in Brokkoli ist der Stoff am höchsten konzentriert. Brokkoli-Sprossen, die gelegentlich frisch in Naturkostläden angeboten werden, weisen einen zwanzig bis zu hundertfach höheren Gehalt auf als reifer Brokkoli, d.h. ein Teelöffel Brokkoli-Sprossen kann dieselbe Wirkstoffmenge enthalten wie ein ausgewachsener Brokkoli-Kopf. Zur unterstützenden therapeutischen Anwendung ist daher die regelmäßige Einnahme von Brokkoli-Sprossen bei Krebserkrankungen durchaus zu empfehlen.

Apigenin

Ich habe im Internet etwas über Apigenin zur Krebsbehandlung gelesen und möchte gerne Näheres dazu erfahren. Würden Sie diesen Pflanzenstoff bei Krebserkrankungen empfehlen?

Apigenin ist ein hellgelber Pflanzenfarbstoff aus der Gruppe der Flavone. Es kommt unter anderem in verschiedenen Kräutern vor wie Basilikum, Estragon, Petersilie, Rosmarin, Thymian, Dill, Koriander, Minze, Salbei, schwarzem Pfeffer, ferner in Gemüse wie Artischocke, Sellerie, Möhren, Zwiebeln, in Obstsorten wie Äpfeln und in Heilpflanzen wie Kamille, Weißdorn, Mariendistel, Süßholz, Augentrost sowie im Teestrauch. Apigenin hat, wie andere Pflanzenfarbstoffe auch, antientzündliche Eigenschaften und soll das Absterben von Tumorzellen auslösen (sog. Apoptose). Dies konnte in Laborversuchen gezeigt werden. Darüber hinaus verminderte Apigenin in Laboruntersuchungen die Gefäßbildung in Tumoren. Andererseits gibt es jedoch auch andere Experimente, in denen Apigenin die tumorwachstumshemmende Wirkung von Tamoxifen, einem in der Therapie von Brustkrebs häufig eingesetztem Antihormon aufhebte.
Nur eine klinische Studie wurde bisher zu Apigenin veröffentlicht. In dieser wurde gezeigt, dass Apigenin (in Kombination mit Grünem Tee Extrakt) das erneute Auftreten von Darmtumoren und bösartigen Polypen bei operierten Darmkrebspatienten verhindern helfen kann (Quelle: Hönsch / World J Gastroentrol 2008). Der Leiter dieser Studie, Prof. Hönsch, hat dazu eine Kombination aus zwei Tee-Pflanzenfarbstoffen entwickelt (Apigenin und Epigallocatechin-Gallat aus Kamille und Grünem Tee), welches in Tablettenform als Nahrungsergänzungsmittel verfügbar ist und vor allem bei Darmkrebspatienten eingesetzt wird. Da Apigenin in vielen Pflanzenstoffen enthalten ist, ist durchaus denkbar, mit einer vielfältigen Ernährung, die reich an og. Kräutern ist, den Bedarf an Apigenin zu decken.
Übrigens ist im Reagenzglas oder im Tierversuch für viele Pflanzenfarbstoffe nachgewiesen worden, dass sie entweder die Tumorentstehung verhindern oder das Tumorwachstum hemmen. Dazu gehören eine Reihe von sekundären Pflanzenstoffen, schätzungsweise über zehntausend Substanzen! Infolge Ihres weit verbreiteten Vorkommens in Obst und Gemüse halten wir es grundsätzlich für besser, eine Krebsvorbeugung in Form von einer ausgewogenen vielseitigen Vitalkost mit viel Obst und Gemüse gegenüber isolierten Einzelextrakten vorzuziehen. Die Palette der sekundären Pflanzenstoffe kommt in einer Vielzahl von Gemüsen (besonders in Broccoli, Kohl, Knoblauch, Zwiebeln, Sojabohnen, Weintrauben, Rote Beete und Tomaten) bis hin zu Gewürzen (Gelbwurz und Ingwer) und Kräutern (s.o) vor. Essen Sie daher alles was bunt ist und nutzen Sie die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe von Kräutern.

Grapefruitkernextrakt – ein Allheilmittel?

Ich habe Pilze im Darm, und eine Bekannte hat mir Grapefruitkernextrakt empfohlen. Was wissen Sie darüber?

Grapefruitkernextrakt wird aus den zermahlenen Kernen der Grapefruit mithilfe eines Extraktionsmittels gewonnen. Im Internet finden sich die unterschiedlichsten Angaben zu seiner Anwendung. Am häufigsten wird Grapefruitkernextrakt bei Erkrankungen durch Viren, Bakterien oder Pilze empfohlen. Kritische Stimmen machen auf eine Untersuchung aufmerksam, die ergab, dass die antimikrobielle Wirkung nur bei den Präparaten nachzuweisen war, die die Konservierungsstoffe Benzethoniumchlorid und Triclosan enthielten (Thomas von Woedtke, Barbara Schlüter, Peter Pflegel, Ulrike Lindequist: Die wundersame Natur des Grapefruitkernextraktes. Pharmazeutische Zeitung 1999). Konservierungsstofffreie Präparate zeigten hingegen keine Wirksamkeit. Besonders problematisch ist daran, dass beide Konservierungsstoffe in Deutschland als Lebensmittelzusatzstoffe nicht zugelassen sind. Außerdem konnte damals nicht eindeutig geklärt werden, wie die Konservierungsstoffe in die Extrakte gelangten. Das ehemalige Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) riet deswegen zur Vorsicht bei Produkten mit Grapefruitkernextrakten, da der Zusatz von Benzethoniumchlorid nicht unbedenklich sei. Demgegenüber stehen die unzähligen positiven Erfahrungsberichte, die den Grapefruitkernextrakt als universelles Heilmittel anpreisen. In der Literatur lassen sich jedoch fast nur experimentelle Belege über die antimikrobielle Wirksamkeit finden. Zusammengefasst ist dies ein Beispiel dafür, dass man natürlich auch bei Nahrungsergänzungsmitteln auf die Qualität achten sollte. Meiden Sie Produkte, die zusätzliche Hilfsstoffe enthalten, insbesondere wenn Sie beim Lesen des Beipackzettels den Eindruck haben, dass Sie ein Chemiestudium brauchen. Wer von chronischem Pilzbefall des Darms geplagt ist, sollte vor allem auf eine zuckerarme Ernährung achten. Außerdem haben sich natürliche Mittel bewährt, wie z. B. Teebaumöl (3 × täglich 1 Tropfen in einem Glas Wasser vor den Mahlzeiten), die Einnahme von Präparaten, die Kamille und Myrrhe enthalten sowie die kurmäßige Verwendung von Kanne Brottrunk oder Rechtsregulat. Übrigens: Da nicht nur das Grapefruitfleisch, sondern auch der Extrakt der Kerne die Inhaltsstoffe Naringin und Isonaringin enthält, sollte man während einer Chemotherapie eher keine Grapefruitkernextrakte und auch möglichst keine Grapefruit (als Frucht oder als Saft) zu sich nehmen.
Denn diese in der Grapefruit befindlichen Substanzen wirken als Unterdrücker von bestimmten Enzymen (CYP1A2 und CYP3A4) in der Dünndarmschleimhaut, was wiederum zur Folge hat, dass die Chemotherapie in höherer Konzentration im Organismus ankommt. Viele Patienten berichten dann von einer schlechteren Verträglichkeit der Therapie. Dieser Effekt hält sogar noch mehrere Tage nach der Einnahme an und ist umso stärker, je mehr Grapefruit verzehrt wird. Bitte kommen Sie auf keinen Fall auf die Idee, Ihre Chemotherapie mit Grapefruit „unterstützen" zu wollen. Das Ausmaß der Wechselwirkung ist nicht kalkulierbar.

Artemisin

Ich habe gerade Informationen über ein Medikament gegen Malaria gelesen, das auch bei Krebserkrankungen wirksam sein soll. Der Artikel klang so überzeugend, dass ich dieses gerne einnehmen würde. Können Sie mir näheres darüber mitteilen?

Artemisin ist ein zugelassenes Malariamittel und enthält Wirkstoffe aus dem chinesischen Beifuss. In jüngster Zeit erforschten die Professoren Henry Lai und Singh von der Universität Washington DC den Wirkmechanismus bei bestimmten eisenanreichernden Tumoren. Wahrscheinlich entfaltet Artemisin seine zellschädigende Wirkung im Krebsgewebe über die Entstehung von aggressiven Sauerstoffteilchen (H2O2). Allerdings befindet sich die Prüfung von Artemisin als potentielles Krebsmedikament noch in einem sehr frühen Stadium. So liegen derzeit abgesehen von Tier- und Laborexperimenten keine Ergebnisse von Studien an Krebspatienten vor, so dass die Schilderungen von Erfolgen bei Krebskranken nur auf Einzelfallbeobachtungen basieren. In Deutschland beschäftigt sich Prof. Efferth aus Mainz mit der antitumoralen Wirksamkeit von Artemisin.
Artemisin soll neben der Wirkung am Tumor u.a. Schmerzen lindern und das Allgemeinbefinden verbessern. Die Hauptnebenwirkungen, die Artemisin-Medikamente haben, sind jene, die in der freien Natur die Pflanzenfresser davon abhalten sollen, vom Einjährigen Beifuss zu fressen: Dies sind Kopfschmerzen, Schwäche und Benommenheit.
Da die positiven Aussagen über die Wirksamkeit bei Krebserkrankungen lediglich auf Einzelfallbeobachtungen beruhen, möchten wir Ihnen zu bedenken geben, dass diese Therapieform nur ein Teilaspekt einer komplementären Krebsbehandlung sein kann.
Eine Eigenmedikation möchten wir Ihnen nicht empfehlen. Am besten Sie besprechen die Einnahme mit Ihrem behandelnden Arzt, da bei der Behandlung auch ein Eisenpräparat verordnet werden muss, weil Artemisin erst mit Eisen aktiv reagiert.

Ginseng

Meine Frau erhält eine Chemotherapie und möchte zur Stärkung Ginseng-Kapseln einnehmen. Nun haben wir gehört, dass dies während einer Chemotherapie nicht sinnvoll sei. Was genau ist Ginseng und wie sollte er verwendet werden?

Die getrockneten Wurzeln des Ginseng werden in der traditionellen asiatischen Medizin zur Behandlung unterschiedlicher Erkrankungen eingesetzt. Die meisten Studien zu Ginseng stammen daher aus dem asiatischen Raum. In Laborstudien aktivierte Ginseng die Immunzellen. Verschiedene Ginsengextrakte sind Laborexperimenten zufolge in der Lage, das Wachstum von Tumorzellen zu verhindern und zu einem Absterben von Tumorzellen zu führen. Allerdings gibt es erst eine Studie an operierten Magenkrebspatienten, bei denen durch die Gabe von Ginseng eine verbesserte Überlebenszeit und eine schnellere Wiederherstellung der Abwehrlage erreicht wurden.

Ginseng weist östrogenähnliche Wirkungen auf, weshalb die Einnahme für Patientinnen mit Brustkrebs oder anderen hormonabhängigen Tumoren eher nicht empfehlenswert ist. Ginsengpräparate sollten insbesondere bei Brustkrebspatientinnen nur unter gewissenhafter Abwägung dieser Aspekte eingesetzt werden. Auch die möglichen Nebenwirkungen von Ginseng müssen bedacht werden. Dies sind zum Beispiel eine erhöhte Herzfrequenz, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Unruhe, Hautausschläge und allergische Reaktionen. Wird parallel Koffein zugeführt, kann Ginseng vermehrt zu Schlafstörungen und Nervosität führen.

Außerdem sind Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten möglich. So wurde eine erhöhte Blutungsneigung bei gleichzeitiger Therapie mit Blutgerinnungshemmern wie Cumarin oder ASS beschrieben. Bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Antidepressiva (MAO-Hemmer) können Kopfschmerzen, neurologische Erscheinungen (Tremor) und ernst zu nehmende psychische Störungen (manische Episoden) auftreten. Die Wirkung von Antidiabetika, insbesondere Sulfonylharnstoffen und Insulin, kann verstärkt werden, so dass Unterzuckerungen möglich sind. Der Serumspiegel des Herzmittels Digoxin kann ansteigen und zu gefährlichen Überdosierungen führen. Wegen der möglichen Neben- und Wechselwirkungen halten wir es für sinnvoll, in jedem Fall vor der Einnahme einen Arzt zu befragen. Von einer Eigenmedikation mit Präparaten aus dem Drogeriemarkt raten wir entschieden ab.

Wie hilft Aloe vera?

Seit geraumer Zeit beobachte ich in den Medien sowie im Angebot der Reformhäuser und Naturkostläden einen wahren "Aloe vera"-Boom. Angeblich helfen Präparate, aus dieser Pflanze hergestellt, in gleichsam wundersamer Weise gegen alle möglichen körperlichen Beschwerden. Als Betroffene mit einem Ovarial-Ca ( Krebsgeschwulst der Eierstöcke ) bitte ich um Ihre kritische Bewertung.

In der Naturheilkunde und biologischen Medizin ist Aloe vera seit alters her als Heilpflanze mit vielfältig günstigen Wirkungen bekannt. Es ist aber kein Allheilmittel wie es in unkritischen Pressemeldungen oder Werbeschriften häufig dargestellt wird! äußerlich angewandt wirkt das aus dem Mark der Blätter gewonnene Gel bei Hautausschlägen, Brand- und Schnittwunden sowie Insektenstichen entzündungshemmend. Als Saft bzw. in homöopathischer Potenzierung als Tabletten oder Dilution (= alkoholischer Lösung) eingenommen, kann Aloe regenerativ auf die Darmschleimhaut einwirken und, was für Tumorkranke besonders wichtig ist, das Immunsystem aktivieren. Allerdings sollte beim Kauf von Aloe-Produkten auf ein Qualitätssiegel des "International Aloe Science Council, IASC" geachtet werden, um nach bestimmten Regeln angebaute, geerntete, verarbeitete und konservierte Produkte zu erhalten. Bei homöopathischen Präparaten können Sie den geforderten Qualitätsstandard voraussetzen. Wegen der abführenden Wirkung einerseits und um Wechselwirkungen mit anderen biologischen Mitteln zu klären ist bei langfristiger Einnahme die Rücksprache mit einem erfahrenen naturheilkundlichen Arzt sinnvoll.

 

Flor-Essence oder Essiac

Vor zwei Jahren wurde ich an einem Hauttumor im Gesunden operiert und brauchte keine Nachbehandlung von klinischer Seite. Jetzt trinke ich auf Empfehlung seit einigen Monaten Flor-Essence-Tee. Nun habe ich gehört, dass die Wirksamkeit bei Krebserkrankungen umstritten sein soll. Was empfehlen Sie mir?

Flor-Essence oder Essiac-Tee ist ein Kräuterauszug indianischen Ursprungs, der um 1920 von der kanadischen Krankenschwester Renée Caisse zu Behandlung von Krebserkrankungen wieder entdeckt wurde. Damals wurden die Inhaltsstoffe in Spritzenform verabreicht; erst später erfolgte die Weiterentwicklung als Tee, der um einige Kräuter ergänzt und modifiziert wurde. Inhaltsstoffe sind Kräuter und Pflanzenteile aus Klettenwurzel, Sauerampfer, Ulmenrinde, Brunnenkresse, Benediktenkraut, Braunalge, Rotkleeblüten, Rhabarberwurzel.  In der Presse wird mit zahlreichen Heilungsberichten geworben. Allerdings sind naturgemäß Erfahrungsberichte und Einzelfallberichte schwer nachprüfbar. Laborversuche mit Tieren und im Reagenzglas zeigten zwar eine Anti-Tumor-Aktivität; allerdings sind Studien am Patienten nicht durchgeführt worden. Unser Fazit: Flor-Essence-Tee kann in der Krebsbehandlung zwar bedenkenlos als ergänzende Maßnahme angewandt werden und ist preislich nicht überteuert; allzu optimistische Darstellungen des Produktes sind jedoch mit Skepsis zu betrachten.

Katzenkralle

Ich hatte vor mehreren Jahren Brustkrebs im Anfangsstadium ohne Tochtergeschwülste und fühle mich wohl. Die Nachsorge gibt keinen Anlaß zur Sorge. Im Internet habe ich nun gelesen, dass die Katzenkralle bei Krebserkrankungen helfen kann. Soll ich andere Maßnahmen zur Stärkung der Abwehrkräfte sein lassen? Haben Sie dazu nähere Informationen?

Man kennt noch lange nicht das gesamte Anwendungsgebiet dieser im peruanischen Regenwald bekannten Pflanze "Uncaria tomentosa", die in der westlichen Welt hauptsächlich zur unterstützenden Schmerztherapie bei rheumatischen Beschwerden eingesetzt wird. Bei den Indianern des Regenwaldes gilt die Katzenkralle als Liane mit besonderer Heilkraft, die bei den unterschiedlichsten Krankheitsbildern eingesetzt wurde.
Im Jahr 1970 beschäftigte sich erstmals ein deutscher Wissenschaftler mit der Katzenkralle und ihrer Wirkung und entdeckte in der Wurzel der Pflanze sechs verschiedene Inhaltsstoffe, die Alkaloide, die vor allem abwehrstärkend, entzündungshemmend und durchblutungsfördernd wirken. Interessante Untersuchungen wurden auch am Institut für Arzneipflanzenforschung an der österreichischen Universität in Innsbruck durchgeführt, wobei man feststellte, dass Katzenkralle die Produktion der weißen Blutkörperchen erhöht und dass die Aktivität von Fresszellen gesteigert werden kann.
Zur Anwendung von Katzenkralle bei Krebs liegen bisher außer Erfahrungsberichten keine aussagekräftigen klinischen Untersuchungen vor, so dass eine Beurteilung der Wirksamkeit am Patienten schwierig ist. Wir geben daher zu bedenken, dass die Gabe von Katzenkralle nur ein Teilaspekt einer komplementären Krebsbehandlung sein kann. Zusätzliche begleitende und in der Krebsmedizin bewährte Maßnahmen sind z.B. Modifizierung der Ernährung, Nahrungsergänzung mit Vitaminen und Spurenelementen, abwehrstärkende Maßnahmen mit Mistel und/oder Thymus sowie die Gabe von Enzymen.


Nahrungsergänzung

Vitamine in der Kritik 2

In einem Zeitungsartikel las ich von Studien,in denen Tumoren unter dem Einfluss von Vitaminen vermehrt zu Metastasen neigten. Nun bin ich verunsichert, da ich als Krebspatient seit Längerem Vitamine zu mir nehme. Was ist Ihre Meinung?

Immer wieder finden sich in der Presse Meldungen, in denen vor der Einnahme von Vitaminen gewarnt wird. Der Artikel bezieht sich vermutlich auf eine Studie der Universität Göteborg. Dort wurde der Einfluss von Vitaminen und Antioxidanzien auf das Wachstum von Hautkrebs in einem Laborversuch an Mäusen untersucht. Die Mäuse, die an einem malignen Melanom erkrankt waren, erhielten das Antioxidans N-Acetylcystein sowie Trolox, ein wasserlösliches Vitamin-E-Derivat (Le Gal K et al. / Science Translational Medicine 2015).
In diesem Experiment zeigte sich, dass die Mäuse mit diesen beiden Substanzen doppelt so viele Metastasen aufwiesen wie die Tiere in der Kontrollgruppe. Auch die Zahl der befallenen Lymphknoten und die Menge der Tumorzellen in den Metastasen waren deutlich erhöht. Die Primärtumoren dagegen blieben unverändert. Die Forscher vermuteten deshalb, dass die Antioxidanzien den wandernden Tumorzellen geholfen hatten, sich auszubreiten.
Vor diesem Hintergrund empfehlen die Autoren der Studie, dass Krebspatienten Nahrungsergänzungen mit antioxidativer Wirkung (also Vitamine und Spurenelemente) generell meiden sollen. Dieser Empfehlung schließen wir uns nicht an.
Die Thematik ist wesentlich komplexer als der Tunnelblick auf einen einzelnen Tierversuch verrät. Hier werden Ängste geschürt und Unsicherheiten gestreut, die dem Einzelnen nicht weiterhelfen.
Die Ergebnisse der schwedischen Forscher zeigen lediglich, dass im Tierversuch die synthetischen Vitaminabkömmlinge NAC und Trolox die Metastasierung von Tumoren der Haut fördern können. Andererseits ist bekannt, dass ein Mangel an Vitamin C aufgrund der unzureichenden Kollagenbildung ebenfalls die Metastasierung fördert (Cha J et al. / Exp Oncol 2011 und Cha J et al. / Int J Oncol, 2013). Außerdem konnten Wissenschaftler der Universität Tübingen nachweisen, dass hoch dosiertes Vitamin C die Erbsubstanz beim Melanom auf epigenetischer Ebene beeinflusst und den natürlichen Zelltod in Hautumorzellen auslösen kann (Venturelli S et al. / Frontiers in Oncology 2014).
Aus unserer Sicht kann man mögliche Therapien für den Menschen nur beurteilen, wenn man klinische Studien an Patienten zurate zieht und nicht Laboruntersuchungen an Zellkulturen oder Nagetieren. Mehrere aussagekräftige Untersuchungen belegen, dass die Einnahme von Multivitaminpräparaten die Wirksamkeit von schulmedizinischen Therapien nicht beeinträchtigt (z.B. Prasad KN et al. / J Am Coll Nutr 2001,
Gröber U/Breastcare 2009, Kwan ML et al. / Breast Cancer Res Treat 2011 und Wassertheil-Smoller S et al. / Breast Cancer Res Treat 2013). Auch andere Forscher befürworten den Einsatz von Antioxidanzien ergänzend zur schulmedizinischen Therapie. Beispielsweise begutachteten Simone und Kollegen 50 klinische Studien mit insgesamt 8.521Patienten. Ihre Meta-Analyse zeigte einen klaren Vorteil für rezeptfreie Antioxidanzien, die zeitgleich zur Chemotherapie eingenommen wurden: Die Nebenwirkungen konnten dadurch deutlich reduziert werden. In 15 Studien mit insgesamt 3.738 Patienten wurde bei Einnahme solcher Antioxidanzien sogar eine längere Überlebenszeit beobachtet (Simone CB et al., Antioxidants and other nutrients do not interfere with chemotherapy or radiation therapy and can increase kill and increase survival, part 1. Altern Ther Health Med, 2007; 13(1): 22-8). Der überwiegende Anteil der heute üblichen Chemotherapeutika erzielt seine Wirkung nicht primär über oxidativen Stress (Mutschler E/Arzneimittelwirkungen 2008, S. 907 ff.). Also greifen Antioxidanzien nicht in deren Wirkmechanismus ein. Auch entscheidet der Stoffwechsel der Tumorzelle mit, wie ein Vitamin wirkt (Sagar SM/Focus on Alternative and Complementary Therapies 2004). Man kann beobachten, dass hoch dosiertes Vitamin C Krebszellen unschädlich macht, während gesunde Zellen unbehelligt bleiben (Chen Q/PNAS 2005).
Bei Antioxidanzien bzw. Vitaminen sind einige Zusammenhänge zu beachten, wenn man sie verantwortungsvoll einsetzen will: Forschungsergebnisse dokumentieren, dass es für die Wirkung von antioxidativen Substanzen einen gravierenden Unterschied macht, ob ein Patient hierin einen Nährstoffmangel aufweist oder nicht. Die SELECT-Studie belegt das beispielsweise für Selen. Wir halten es daher für unbedingt empfehlenswert, Vitamingaben bedarfsorientiert anzuwenden: Wenn z.B. Selen über einen längeren Zeitraum eingenommen wird, muss der Selenblutspiegel regelmäßig kontrolliert werden, um eine optimale Versorgung zur gewährleisten. Dasselbe gilt für die Vitamine B12 und D und auch für Zink.
Kommen wir zurück zu dem Artikel: An dem Experiment gibt es zwei wesentliche Kritikpunkte.
Zum einen ist es grundsätzlich fraglich, ob Laborergebnisse am Mausmodell auf den Menschen übertragbar sind. Zum anderen werden die künstliche Antioxidanzien NAC und Trolox bei Krebspatienten so gar nicht eingesetzt. NAC ist ein schleimlösendes Mittel, das bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) indiziert ist.
Weder NAC noch Trolox sind physiologische Vitamine. Eine Verallgemeinerung, mit der man hurtig alle Vitamine und Mineralstoffe als potenziell schädliche Antioxidanzien abstempelt, ist vollkommen unzulässig. Der Schluss entbehrt jeder seriösen Wissenschaftlichkeit.
Eine kaum überschaubare Zahl von wissenschaftlichen Veröffentlichungen zeigt, dass die Mehrzahl dieser Substanzen zwar auch antioxidative Eigenschaften aufweist. Viel wesentlicher jedoch sind weitere, hochspezifische Wirkungen, unter anderem auf die epigenetische Regulation des Zellstoffwechsels. Allein Vitamin D hat Einfluss auf rund 1000 Gene, wie man inzwischen herausgefunden hat.
Eine Mikronährstofftherapie hat nicht zum Ziel, dem Körper pauschal ein paar Antioxidanzien zuzuführen – nach dem Motto: „Viel hilft viel.“ Sinnvoll ist es, Mangelzustände gezielt auszugleichen, damit der Zellstoffwechsel wieder das tun kann, wofür er von Natur aus gedacht ist: den Organismus in
seiner Regulationsfähigkeit zu unterstützen und so Heilung zu ermöglichen.

Vitamin C hoch dosiert als Infusion

Mein Heilpraktiker hat mir Vitamin-C Infusionen empfohlen. Ist das aus Ihrer Sicht für Krebspatienten sinnvoll? Und was sollte man dabei beachten?

Krebspatienten leiden besonders häufig an Vitamin-C-Mangel. Doch die meisten wissen nichts davon. Besonders nach einer schulmedizinischen Behandlung mit Operation, Strahlen- oder Chemotherapie ist der Verbrauch an Vitamin C im Körper so hoch, dass der Vitamin-C Spiegel unter die Nachweisgrenze fallen kann. Jeder 30. Krebspatient entwickelt sogar die Vitamin-C-Mangel-Erkrankung Skorbut, an der früher Seefahrer litten, die monatelang ohne frisches Obst und Gemüse auskommen mussten. Der Vitamin-C-Bedarf kann dann weit über die Menge hinausgehen, die der Organismus über den Magen-Darm-Trakt aufnimmt. Zudem sind die Darmschleimhäute durch die Krankheit häufig so geschädigt, dass ihre Aufnahmefähigkeit reduziert ist. Mangelerscheinungen  lassen sich durch eine hoch dosierte Vitamin-C-Therapie vermeiden, bei der Vitamin C per Injektion oder Infusion direkt über die Blutbahn in den Körper gelangt.
Bereits vor etwa 30 Jahren haben erste klinische Studien ergeben, dass Krebspatienten von intravenös verabreichtem Vitamin C profitieren können. So berichteten Cameron und Pauling in den 1970er-Jahren, dass hoch dosiertes Vitamin C die Überlebenszeit von Krebspatienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen verlängert. Den Patienten wurden 10 g Vitamin C pro Tag gespritzt. Die Untersuchung wurde wegen ihres Studiendesigns heftig kritisiert: Die Patienten, die das Vitamin C erhielten, waren nicht zufällig bestimmt worden (keine Randomisierung). Außerdem äußerten Kritiker Zweifel an der Vergleichbarkeit mit der Kontrollgruppe. Daraufhin führte die Mayo-Klinik kurze Zeit später zwei Studien durch, in denen die Teilnehmer ebenfalls 10 g Vitamin C erhielten. Diese Studie entsprach den Kriterien der Kritiker. Die Ergebnisse zeigten keinerlei Wirkung des Vitamin C gegen Krebs. Sie standen damit im Widerspruch zu der vorangegangenen Studie. Allerdings gab es einen entscheidenden Unterschied: Cameron und Pauling hatten das Vitamin gespritzt. Die Studienteilnehmer der Mayo-Klinik hatten es geschluckt.
Vermutlich muss hoch dosiertes Vitamin C gespritzt werden, um eine Wirkung gegen Krebs zu entfalten, weil die Kapazität des Darmes zur Aufnahme von
Vitamin C begrenzt ist.
Warum macht Vitamin C Krebszellen unschädlich, während gesunde Zellen unbehelligt bleiben? Mit dieser Frage befassten sich vor einigen Jahren Forscher um Marc Levine (Chen Q et al. / Proc Natl Acad Sci USA 2005 und Chen Q et al. / Proc Natl Acad Sci USA 2008). Ihre Studien bestätigen, dass manche Wirkungsmechanismen nur auftreten können, wenn Vitamin C intravenös verabreicht wird. So bewirkt Vitamin C in hohen Dosen die vermehrte Bildung von zellschädigendem Wasserstoff peroxid in den Krebszellen. Tumorzellen verfügen über sehr viel weniger Superoxid-Dismutase und können deshalb Wasserstoff peroxid schlecht entgiften. So erklärt sich auf biochemischer Ebene, warum Vitamin C Tumorzellen schädigt und gesunde Zellen nicht. Andere Forschungsergebnisse zeigen, dass dieser Mechanismus durch das saure Milieu in der Tumorumgebung noch verstärkt wird.
Eine Kur mit hoch dosierten Vitamin-C Infusionen hat sich zur Besserung des Allgemeinbefi ndens und zur Tumorabwehr in der Praxis bewährt. Während der Nachsorge und auch bei Metastasen wird Vitamin C insbesondere bei sehr geschwächten Patienten eingesetzt. Sie erhalten acht bis zehn Wochen lang wöchentlich mindestens 15 Gramm Vitamin C. Das genaue Behandlungsschema stimmt der Therapeut individuell auf die Situation des Patienten ab.
Bei Patienten mit Nierensteinen, Nierenschwäche, Eisenspeichererkrankungen oder einem bestimmten Enzymmangel (G-6-PDH-Mangel) darf Vitamin C nicht
eingesetzt werden.
In Laborstudien (Ma Y et al./Sci Transl Med 2014) zeigt Vitamin C eine synergistische Wirkung zu diversen Chemotherapeutika. Die meisten Hersteller und Therapeuten empfehlen jedoch, Vitamin C zeitversetzt zur Chemotherapie zu verabreichen, da aussagekräftige Daten über mögliche Wechselwirkungen aus Studien am Patienten bisher nicht vorliegen. Zwischen der Vitamin-C-Infusion und einer darauffolgenden Chemotherapie sollten mindestens 24 Stunden liegen.
Nach der Chemotherapie empfehlen die Hersteller einen Mindestabstand von drei bis vier Halbwertszeiten der angewendeten Chemotherapeutika, bevor Vitamin C infundiert werden soll. Das sind in der Regel mindestens ein bis drei Tage. Außerdem sollte Vitamin C nicht zusammen mit anorganischem Selen verabreicht werden, da sich die Wirkungen der beiden Substanzen sonst gegenseitig aufheben. Mit der Einnahme von Selen nach Vitamin C und umgekehrt sollte man mindestens zwei Stunden warten.
Bei Tumoren des blutbildenden Systems sowie bei Lymphomen wird aufgrund der uneinheitlichen Studienlage die Gabe von Vitamin-C-Hochdosis-Infusionen nicht empfohlen.

Vitamine in der Kritik 1

Immer wieder finden sich in der Presse Meldungen, in denen vor der Einnahme von Vitaminen gewarnt wird. Das Thema ist komplex und sicher sollte mit dem Einsatz von Nahrungsergänzungsmittel achtsam umgegangen werden. Angst machen hilft hier nicht weiter. Die GfBK möchte Vertrauen schaffen und gibt seit Jahren gut recherchierte Informationen zum Thema Vitamine und Krebs heraus. Hier haben wir einige Beispiele zusammengefasst.

Folsäure krebserregend?

Sie raten in Ihren Infoblättern zur Vorsicht bei Folsäure. Was ist der genaue Hintergrund dieser Empfehlung?

Folsäure ist in vielen Salat- und Gemüsesorten sowie in Vollkornprodukten enthalten. Sie hat ihren Namen von dem lateinischen Wort »folium« (Blatt). Die Substanz wurde 1941 in Spinat entdeckt. Eine große Vielzahl an Studien bringt die Einnahme von Folsäure mit einem erhöhten Krebsrisiko in Zusammenhang. Zuerst sorgte eine Studie aus Großbritannien für Aufsehen: Sie dokumentierte, dass Mütter, die während der Schwangerschaft hohe Dosen Folsäure einnahmen, später häufiger an Brustkrebs verstarben als Frauen ohne FolVitamin säureeinnahme (Charles D et al./BMJ 2004). Im Jahr 2009 verzeichnete eine Untersuchung an Männern ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs durch die regelmäßige Einnahme von Folsäure (Figueiredo JC et al./J Natl Cancer Inst 2009). Eine Metaanalyse bestätigte ein minimal erhöhtes Krebsrisiko bei gesteigerter Folsäureaufnahme (Vollset SE et al./ Lancet 2013). Dasselbe Ergebnis konnte in einer Analyse aus Norwegen gezeigt werden (Ebbing M et al./JAMA 2009). Andere Untersuchungen weisen hingegen nach, dass das Darmkrebsrisiko durch Folsäure reduziert werden kann (Gibson TM et al./J Clin Nutr 2011).
Die Studienergebnisse erscheinen auf den ersten Blick widersprüchlich. Für die unterschiedlichen Resultate gibt es eine logische Erklärung: Wahrscheinlich ist es für die Wirkung der Folsäure im menschlichen Organismus entscheidend, in welcher Form sie  aufgenommen wird. Natürliches Folat aus unserer Nahrung wird anders verstoff wechselt als das synthetisch hergestellte, das in  Nahrungsergänzungsmtteln verwendet wird. Letzteres muss durch das Enzym Dihydrofolsäure-Reduktase zu Tetrahydrofolsäure umgewandelt werden. Die biochemischen Abläufe erklärt Dr. Runow schlüssig in seinem Buch »Krebs – eine Umweltkrankheit«. Wird synthetische Folsäure nicht mithilfe der enzymatischen Prozesse verstoff wechselt, dann reichert sich un metabolisierte Folsäure (= UMFA) im Organismus an. Das kann zu DNA-Schäden führen. Besonders bei Frauen ist die Aktivität dieses Enzyms häufig gedämpft. Dann wird die Folsäure nicht ausreichend umgewandelt und es kommt zu Schäden im Erbgut. Auch bei Stress oder Entzündungen soll Folsäure aus Nahrungsergänzungsmitteln zu einer aggressiven Form umgewandelt werden, die ebenfalls Zellschäden begünstigt. Bei natürlichem Folat bestehe dieses Risiko nicht, so Dr. Runow. Dieser sehr komplizierte Vorgang im Stoff wechsel könnte erklären, warum mache Studien einen schützenden und andere einen schädigenden Effekt von Folsäure nachweisen konnten – je nachdem, ob natürliche oder synthetische Folsäure verwendet wurde. Diese Erkenntnisse zeigen einmal mehr: Es ist besser, sich auf eine optimale Ernährung zu fokussieren als auf Vitaminpillen. Wenn man Folsäure unbedingt in Tablettenform zu sich nehmen will, raten immer mehr Experten dazu, nur die aktive Form (5MethylTertrahydrofolsäure = Metafolin) einzunehmen. Inzwischen bieten einige Hersteller Metafolin an. Ihr Apotheker kann Ihnen geeignete Produkte empfehlen. Und auch der ärztliche Beratungsdienst der GfBK berät Sie gerne.

Vitamin K für die Knochen?

Ich mache mir Sorgen wegen meines Risikos für Osteoporose. Jetzt habe ich gelesen, dass Vitamin K2 Schutz bietet. Stimmt das?

Die Gruppe der K-Vitamine untergliedert sich in Phyllochinone (Vitamin K1) und Menanchinone (Vitamin K2). K1 kommt vor allem in grünem Gemüse, Fleisch und Milchprodukten vor, K2 in Käse. Studien (Plaza SM, Lamson DW/Altern Med Rev 2005) zeigen, dass Vitamin K2 vom menschlichen Organismus besser aufgenommen wird als Vitamin K1. Beide Vitamine spielen eine wesentliche Rolle dabei, dass Kalzium aus dem Blut in die Knochen gelangt. Vitamin K soll auch die Aktivität der knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) hemmen. Bevor Sie Vitamin K2 einnehmen, empfehlen wir Ihnen, den 25-OH-Spiegel im Blut bestimmen zu lassen. Er gibt Aufschluss über die Versorgung des Körpers mit Vitamin D. Wenn hier ein Mangel vorliegt – und das ist sehr wahrscheinlich – nehmen Sie zunächst Vitamin D in ausreichend hoher Dosis ein (siehe GfBK-Info Vitamin D).

Mehr dazu lesen: Vitamin K für die Knochen?

Vitamin B12

Ich bin 65 Jahre alt, hatte vor mehr als 10 Jahren Krebs und bin heute tumorfrei. Ich nehme seit längerem zur allgemeinen Kräftigung ein Präparat, das Vitamin B12 enthält. Soll ich es weiternehmen?

Vitamin B12 ist vor allem bei der Entwicklung aller Körperzellen von Bedeutung. Im Verbund mit Folsäure wird es für die Intaktheit und Reparatur der Zellmembranen benötigt. Bei Vitamin B12-Mangel kann es zu Blutarmut und Störungen im Nervensystem kommen. Vitamin B12 ist ebenfalls an Zellteilungsprozessen beteiligt und kann dadurch sich schnell teilende Zellen, wie z. B. Blutzellen beeinflussen. Da die Krebszellen ebenfalls rasch wachsen und damit durch Vitamin B12 in ihrer Vermehrung unterstützt werden könnten, wurde die Anwendung von Vitamin B12 bei Krebs in der Vergangenheit oft kontrovers diskutiert. Eine bedarfsgerechte Zufuhr von Vitamin B12 ist bei Krebspatienten oder ehemalig Erkrankten aber wichtig, damit der Körper nicht zusätzlich durch einen Nährstoffmangel geschwächt wird. Insbesondere bei vegetarischer Ernährung kann es zu einem Mangel kommen, da Vitamin B12 v.a. in tierischen Produkten (Rindfleisch, Filet, Kalbsleber, Hühnerei, Lachs) enthalten ist. Wir raten daher dazu, erhöhte Dosierungen von Vitamin B12 (ab 100µg pro Tag) langfristig bei Krebserkrankten nur dann einzusetzen, wenn im Blut ein Vitamin B12-Mangel vorliegt. Bestimmen lässt sich dies zum Beispiel anhand des Marker Holotranscobalmin und Methylmalonsäure. Fragen Sie Ihren behandelnden Therapeuten danach.

 

Amygdalin / B17

In letzter Zeit habe ich immer wieder von Vitamin B17 gehört. Wie wirkt diese Substanz?

„Vitamin B17” ist genau genommen kein Vitamin. Die Bezeichnung ist im Sinne der Definition falsch. Die Substanz heißt korrekt Amygdalin. Sie zählt zu den sekundären Pflanzeninhaltsstoffen und kommt vor allem in Aprikosenkernen und in Bittermandeln vor, in geringerer Menge auch in Apfelkernen. Amygdalin enthält eine inaktive Blausäureform. Sie zerfällt durch den Einfluss bestimmter Enzyme in Cyanid (Blausäure). Dieser Wirkstoff soll den gesunden Zellen nicht schaden, aber eine giftige Wirkung auf Krebszellen haben.
Forscher der Uniklinik Frankfurt haben inzwischen auch andere mögliche Wirkmechanismen von Amygdalin entdeckt. Sie konnten in Laborexperimenten zeigen, dass Amygdalin bestimmte Eiweiße verändert, die im Zellwachstum regulierend eingebunden sind. Dadurch konnte das Wachstum isolierter Tumorzellen gehemmt werden (Makarević J, Blaheta RA et al./ PLoS One. 2014, siehe auch www.muth-stiftung.de)
Amygdalin ist als alternatives Heilmittel äußerst beliebt. Es wird von Patienten häufig nachgefragt. Im deutschen Sprachraum wird Amygdalin in erster Linie durch Philip Day propagiert. Er empfiehlt es in seinem Buch „Krebs-Stahl, Strahl, Chemo und Co - vom langen Ende eines Schauermärchens“.
Schon in den 1920er Jahren beschäftigte sich der Wissenschaftler Ernst Krebs mit Amygdalin. Basierend auf Tierversuchen wurden der Substanz tumorhemmende Eigenschaften zugeschrieben. Seit den 1970er Jahren ist Amygdalin in den Blickpunkt des naturheilkundlichen Interesses gerückt. Seine Bedeutung als potenzielles Antitumormittel wird kontrovers diskutiert. Zwei extreme Positionen stehen sich nahezu kompromisslos gegenüber. Befürworter betrachten Amygdalin als alternatives oder natürliches Mittel zur Behandlung von Tumorerkrankungen. Sie verweisen dabei auf angebliche Erfolge bei der Krebsbekämpfung. Gegner sehen in Amygdalin ein unseriöses Wundermittel und warnen vor möglichen Vergiftungen durch die Blausäure. Beide Seiten können ihre Meinungen nicht wissenschaftlich belegen. Detaillierte Studien zu dieser Fragestellung fehlen bis dato.
Das National Cancer Institute (NCI) und die FDA sponserten Ende der 1970er Jahre eine Amygdalin-Studie an Tumorpatienten. Bei der Untersuchung ließ sich das Zellwachstum nicht durch Amygdalin hemmen. Damals wurde daraus geschlossen, dass Amygdalin unwirksam in der Krebstherapie und mit teilweise erheblichen Nebenwirkungen behaftet sei (Moertel CG, Fleming TR et al./ N Engl J Med. 1982). Kritiker bemängelten allerdings das Design der Studie und die fehlende Vergleichsgruppe. Sie postulierten, dass eine unwirksame Substanz eingesetzt worden sei (“Laetrile”/ N Engl J Med. 1982).
Diese Unsicherheit wird in einem Übersichtsartikel deutlich, den Milazzo und seine Mitarbeiter veröffentlicht haben. Zwar fassen die Autoren zusammen, Amygdalin sei als Antitumor-Mittel ungeeignet, ihre Detailanalyse bringt aber ganz andere Aussagen auf den Tisch: 12,5 Prozent der Studienteilnehmer sprachen komplett oder teilweise auf Amygdalin an. Die Krankheit konnte durch den Wirkstoff bei 6,8 Prozent der Patienten stabilisiert werden und 22,9 Prozent der 368 untersuchten Tumorpatienten erlebten unter Amygdalin eine Linderung ihrer Beschwerden. Separat aufgeführte Einzelfallberichte dokumentieren einen positiven Effekt von Amygdalin in vier von neun Fällen (Milazzo S, Lejeune S, Ernst E/ Support Care Cancer 2007).
Zusammenfassend müssen wir feststellen, dass der aktuelle Wissensstand leider keine Bewertung zum Wirkungsgrad von Amygdalin erlaubt. Die positiven Aussagen über die Wirksamkeit bei Krebserkrankungen beruhen vor allem auf Erfahrungsberichten. Dennoch kann diese Therapieform im Rahmen eines individuellen Heilungsversuches und als ein Teilaspekt einer komplementären Krebsbehandlung durchaus erwogen werden.
Zur Höhe der Tagesdosis findet man in der Presse sehr unterschiedliche Empfehlungen. Gewarnt wird vor einer Blausäurevergiftung. Bei Einmaldosen von mehr als 1 g könnten lebensbedrohliche Komplikationen auftreten. Das Enzym, welches Amygdalin in die giftige Blausäure umwandelt, heißt ß-Glucosidase. Es soll in Tumorzellen in 3000fach höherer Konzentration enthalten sein als in gesunden Zellen. Außerdem kann die Leber durch die Aktivität des Enzyms Rhodanase Blausäure abbauen. Die Erfahrungen von Betroffenen und Ärzten bestätigen die gute Verträglichkeit der Aprikosenkerne: Selbst bei hohen Dosierungen von täglich 40 bis50 Aprikosenkernen treten keine toxischen Nebenwirkungen auf. Das Oberlandesgericht Niedersachsen stellte 2007 höchstrichterlich fest, dass das reine Amygdalin ungiftig ist, unabhängig davon, ob es oral oder als Infusion gegeben wird. Anfänglich können allerdings vorübergehend Übelkeit oder Schwindel auftreten. Wird die Dosis reduziert, klingen diese Nebenwirkungen vollständig ab. Steigern Sie also Anzahl der Aprikosenkene langsam: Beginnen Sie mit drei Kernen, z. B. abends. Die Substanz wird besser vom Organismus aufgenommen, wenn Sie getrocknete Aprikosen dazu essen. Bei guter Verträglichkeit kann die Dosis alle drei Tage um drei Kerne gesteigert werden bis auf maximal 20 bis 40 Kerne pro Tag. Kauen Sie die Kerne gut durch und schlucken Sie sie keinesfalls unzerkaut. Für Patienten, die einen wachsenden Tumor haben, ist die Wirkung durch das Verzehren von Aprikosenkernen alleine meistens nicht ausreichend. Hier sind hoch dosierte Infusionen über einen längeren Zeitraum notwendig. 18 Gramm Amygdalin je Infusion entsprechen der Wirkstoffmenge aus 36.000 Aprikosenkernen. Eine Infusion kostet etwa 180 Euro.

Vitamine gefährlich bei Krebs?

Mit der Überschrift »Antioxidantien fördern resistente Tumore« titelte Die Welt am 9. Januar 2013. Sie fasste damit die Ausführungen des Nobelpreisträgers von 1962, James Watson, in der Fachzeitschrift Open Biology zusammen. Laut Watson wirken die meisten Chemotherapien über die Bildung von reaktiven Sauerstoff verbindungen, weshalb er den Einsatz von Vitaminen und speziell von Vitamin C als gefährlich betrachtet. Wie stehen Sie dazu?

Die Gabe von Vitaminen während einer Chemotherapie wird immer noch kontrovers diskutiert, da die Wirkungsweise von Zytostatika zum Teil auf der Bildung von freien Radikalen beruht. Antioxidantien fangen freie Radikale ab, machen diese unschädlich und stehen daher im Verdacht, die Wirkung einer Chemotherapie zu beeinträchtigen. Diese theoretischen Bedenken sind berechtigt und nachvollziehbar. In der Praxis bewahrheiten sie sich aber nicht, wie Studien an Patienten zeigen. Im Gegenteil: Es gibt Hinweise darauf, dass die Einnahme von ausgewählten Mikronährstoffen die schulmedizinische Behandlung unterstützen kann, insbesondere weil dadurch weniger Patienten ihre Chemotherapie abbrechen (müssen). In Studien an Patienten konnte keine Beeinträchtigung der Wirksamkeit von schulmedizinischen Therapien durch die Gabe von Vitaminen nachgewiesen werden (Gröber U/Breastcare 2009). Dies liegt sehr wahrscheinlich daran, dass der überwiegende Anteil der heute üblichen Chemotherapeutika seine Wirkung nicht primär über oxidativen Stress erzielt (Mutschler E/Arzneimittelwirkungen 2008, S. 907 ff .) und dass der Stoff wechsel der Tumorzelle mitentscheidet, wie ein Vitamin wirkt (Sagar SM/Focus on Alternative and Complementary Therapies 2004). Letzteres würde auch erklären, warum man beobachten kann, dass hoch dosiertes Vitamin C Krebszellen unschädlich macht, während gesunde Zellen unbehelligt bleiben (Chen Q/PNAS 2005). Außerdem gibt es inzwischen eine Vielzahl an Studien, die belegen, dass hohe Dosen von Vitamin C die Tumormasse schrumpfen lassen und auch das Risiko für Metastasen reduzieren.
Leider geht Watson nicht auf den genauen Inhalt der von ihm zitierten Untersuchungen ein, in denen gezeigt wurde, dass parenterales (also über die Vene verabreichtes) Vitamin C den Effekt des Zytostatikums Arsentrioxid verstärkt: Vitamin C wirkte an der Tumorzelle nämlich auch hier prooxidativ und führte den natürlichen Tod der Tumorzelle herbei. Diese differenzierte Wirkung – antioxidativ im gesunden Gewebe und prooxidativ gegenüber vielen Tumorzellen – begründet möglicherweise das therapeutische Potenzial einer Vitamin-C-Hochdosis-Therapie. Watson meint, dass Antioxidantien (also Vitamine) für die Therapieresistenz fortgeschrittener Tumore verantwortlich seien. Er postuliert, dass Antioxidantien wie BetaCarotin, Vitamin A, C, E und Selen nicht vor Krebs schützen, sondern ihn eventuell sogar fördern. Diese These stützt Watson auf zwei Argumente, die man durchaus kritisch hinterfragen darf: Erstens nennt er einen Einzelfall, und zwar Linus Pauling, der täglich oral bis zu 12 g Vitamin C einnahm und im Alter von 93 Jahren an Prostatakrebs gestorben ist. Welches Schicksal diesen Mann ereilt hätte, wenn er das Vitamin nicht zu sich genommen hätte, steht in den Sternen. So funktioniert seriöse Wissenschaft natürlich nicht. Sein zweites Argument ist eine wackelige MetaAnalyse (Bjelakovic G/JAMA 2007). In ihr wurden 68 randomisierte, klinische Studien mit Nahrungsergänzungsmitteln, die Antioxidantien enthielten, untersucht. Diese Analyse wurde von vielen Wissenschaftlern  aufgrund ihres in wichtigen Teilen nicht nachvollziehbaren Studiendesigns kritisiert. Selbst wenn wir die methodischen Mängel beiseitelassen und nur auf die Ergebnisse schauen, zeigt sich dort ein Anstieg des Sterberisikos ausschließlich bei fettlöslichen Antioxidantien. Wenn man sie überdosiert, können sie sich im Organismus anreichern, sodass Vergiftungserscheinungen durchaus denkbar sind. Wasserlösliche Antioxidantien wie Vitamin C akkumulieren nicht. Was zu viel ist, wird ausgeschieden. In dieser Hinsicht sind sie toxikologisch – Anzeige – unbedenklich – was auch in dieser MetaAnalyse erneut bestätigt wurde. Sehr häufig leiden Krebspatienten, insbesondere bei fortgeschrittenen Tumoren, nachweislich an einem Vitamin-C-Mangel. Er korreliert mit einer verminderten Lebensqualität und schlechterer Überlebensprognose (Mayland CR/Pall Med 2005). Vitamin-C-Infusionen wirken im gesunden Gewebe antioxidativ. Sie verbessern viele Beschwerden und erhöhen die Lebensqualität bei Krebs (Yeom C/J Korean Med Sci 2007; Vollbracht C/In vivo 2011). In einer aktuellen Studie konnte sogar gezeigt werden, dass Vitamin C die Stimmung deutlich aufhellt (Wang Y/Am J Clin Nutr 2013). Unserer Erfahrung nach wird in den Medien und leider auch oft von Experten über Vitamine allzu schnell geurteilt, ohne wirklich die wissenschaftlichen Hintergründe zu beleuchten. Wenn Vitamine die Chemotherapie beeinträchtigen würden, dürften Patienten auch keine gesunden Lebensmittel wie Obst und Gemüse verzehren bzw. grünen Tee und frische Säfte trinken. Dies wird selbst von Hardlinern der Schulmediziner nicht empfohlen. Die pauschale Ablehnung von Vitaminen während einer Chemotherapie ist aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt, die Argumente sind widersprüchlich, teilweise unlogisch und mitunter an den Haaren herbeigezogen. Unsere Empfehlung: Um die Nebenwirkungen zu reduzieren und das Abwehrsystem zu stärken, halten wir die Gabe von Vitaminen und Spurenelementen während einer Chemotherapie für sinnvoll und unbedenklich. Unterstützen Sie den therapeutischen Einsatz der Vitalstoffe durch eine vitalstoffreiche Ernährung, bevorzugt mit Vollkorngetreide und -produkten (nicht zu grob!), Rohkost (in kleinen Mengen), Biogemüse, naturbelassene pflanzliche Öle und Fette (insbesondere Olivenöl und Leinöl). Wichtig ist auch, dass die Gabe von Vitaminen und Spurenelementen auf den Bedarf des Einzelnen individuell abgestimmt wird. Fragen Sie daher Ihren behandelnden Arzt nach entsprechenden Blutanalysen.

Dosierung von Vitaminen

Als Krebspatient mit lebhaftem Interesse an der orthomolekularen Therapie (Mineralstoffe, Vitamine u.ä.) stellt sich mir immer wieder die Frage hinsichtlich der Dosierung von Vitaminen: Ist möglichst hoch dosiert wirklich so enorm wichtig?

Weltweit gibt es keine gültigen Richtlinien, was die Dosierung von Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln betrifft. Inzwischen gibt es jedoch vermehrt Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass ein entscheidender Gesichtspunkt bei der Einnahme von Vitaminen die ausreichend hohe Dosierung sein könnte, da einige Vitamine nur in höheren Dosierungsbereichen auch eine eindeutige zellabtötende Wirkung hervorrufen.
Im Einzelfall muss es jedoch nicht immer sinnvoll sein, besonders hoch zu dosieren, da alle Vitamine verstoffwechselt werden müssen und besonders die fettlöslichen Vitamine, wie z.B. Vitamin A und E die Leber belasten und dort gespeichert werden können. Besonders in der Nachsorge kann es manchmal ratsamer sein, mittlere Dosierungen im Intervallprinzip einzunehmen (3x/Woche), um die Ansprechbarkeit des Organismus zu erhalten und einer Überforderung der Stoffwechselorgane vorzubeugen. Außerdem ist es von enormer Wichtigkeit Vitamine in natürlicher Form einzunehmen, da diese für den Organismus optimaler verfügbar sind. Übrigens kann Vitamin C über den Mund aufgenommen nur mit ca. 500 mg verstoffwechselt werden; das bedeutet alles darüber hinaus wird über die Nieren wieder ausgeschieden. Hier sollte man insbesondere darauf achten, die Tagesdosis in mehrere Portionen aufzuteilen. ( s.a. GfBK-Info : Vitamine )
Nicht jeder Krebspatient ist übrigens an Vitaminen unterversorgt. Hier sollte immer die konkrete Erkrankungssituation und der körperliche Zustand mitbedacht werden. Außerdem stellt die Gabe von Vitaminen bei Patienten ohne Krankheitsrückfall immer eine Nahrungsergänzung dar; das heißt im Vordergrund steht eine gesunde vitastoffreiche Ernährung, die durch die Gabe von Vitaminen ergänzt werden kann.

SELECT - Studie in der Kritik

Ich hatte vor einigen Jahren Krebserkrankung, an der ich damals operiert wurde, und nehme seit einiger Zeit vorbeugend die Vitamine E und C wie auch das Spurenelement Selen ein. Ich bin sehr verunsichert, da ich aktuell immer wieder in der Presse lese, dass eine große Studie abgebrochen wurde, weil Vitamin E und Selen darin nicht vor Krebs schützen konnten. Sollte ich diese Substanzen überhaupt noch weiter einnehmen?

Ende Oktober 2008 wurde die groß angelegte SELECT-Studie (Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial) unter großem Medienecho abgebrochen, eine Studie, mit der untersucht werden sollte, ob durch Gabe von Vitamin E und Selen die Häufigkeit von Prostatakrebs verringert werden kann.
Der Grund für den vorzeitigen Abbruch: Eine im September 2008 vorgenommene Zwischenauswertung ergab, dass weder Selen noch Vitamin E, noch beide Substanzen kombiniert eindeutig das Risiko auf ein Prostatakarzinom senken. Außerdem zeigten sich zwei Trends: Im Studienarm mit der alleinigen Vitamin E-Gabe kam es zu einem leichten Anstieg der Erkrankungen am Prostatakrebs und im Studienarm mit der alleinigen Selen-Gabe stieg die Zahl der Diabeteserkrankungen.
Die daraufhin häufig zu lesende Schlussfolgerung, dass der Abbruch der SELECT-Studie quasi die Bedenklichkeit von Antioxidantien belege, kann so jedoch nicht nachvollzogen werden, da die gemessenen Effekte gering und nach statistischen Kriterien nicht bedeutsam waren. So gibt selbst das National Cancer Institute zu, dass dies durchaus Zufallsergebnisse gewesen sein könnten.
Darüber hinaus ist es sehr fraglich, inwieweit eine Zufuhr Sinn macht, ohne dass man diese dem wirklichen Versorgungszustand des Betroffenen anpasst. Gerade beim Selen besteht die Gefahr einer Überdosierung, weshalb viele Therapeuten eine vorherige Bestimmung des Selenspiegels im Vollblut empfehlen. Diese Problematik zeigt sich auch in der Veröffentlichung der Zwischenergebnisse: Während bei uns in Deutschland Serum-Selenwerte von etwa 60 - 80 Mikrogramm pro Liter gemessen werden, lagen die Selenwerte bei den Studienteilnehmern in den USA um 135 Mikrogramm, also bei etwa 170 Mikrogramm bei Messung im Vollblut - weit über dem deutschen Referenzbereich von 100 - 140 Mikrogramm! Durch die Gabe von grundsätzlich 200 Mikrogramm Selenomethionin wurden diese Werte sogar bis auf 250 Mikrogramm angehoben, so dass nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Studienteilnehmer einen Selenmangel hatten.
Außerdem geben Experten zu Bedenken, dass die falsche Molekülform von Vitamin E sowie von Selen gegeben und es versäumt wurde, eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C sicherzustellen, um das Vitamin E im Organismus zu regenerieren.
Insofern sollte der Abbruch der SELECT-Studie nicht dazu führen, die Gabe von Antioxidantien bei Krebspatienten oder Gesunden verallgemeinernd in Frage zu stellen. Vielmehr ist es erforderlich, dass jeder eine auf ihn abgestimmte individuelle Antioxidantiengabe erhält und dass natürlich auch eine gesunde Ernährung dazu beiträgt, Defizite auszugleichen.
Auch aufgrund einer anderen aktuellen amerikanischen Untersuchung wurde Krebspatienten geraten, während der Chemo- oder Strahlentherapie keine zusätzlichen Antioxidantien einzunehmen, weil das die Wirksamkeit der Behandlung beeinträchtigen könnte. Absolut unverständlich bleibt jedoch, warum bei dieser Veröffentlichung die Autoren vor einer Antioxidantieneinnahme warnen, obwohl es bei den analysierten sechzehn Studien keine Hinweise gab, dass Antioxidantien den Behandlungserfolg einer konventionellen Therapie reduzieren!
So ist es auch kein Wunder, dass andere Wissenschaftler aufgrund der Studienlage zu anderen Ergebnissen gelangen und die zeitgleiche Gabe von Antioxidantien zur Chemotherapie positiv bewerten.
Insofern kann die GfBK der Empfehlung nicht folgen, unter laufender Therapie keine Antioxidanzien einzunehmen. Im Gegenteil: Die Gabe von Vitaminen und Spurenelementen reduziert die Nebenwirkungen belastender Therapien, wie z. B. der Schleimhäute. Und es gibt sogar Studien, die zeigen, dass z. B. durch die Gabe von Selen gesunde Zellen vor Strahlung geschützt und Tumorzellen sogar strahlensensibler werden. Selen sollte in Form des anorganischen Natriumselenit und Vitamin-E nur auf pflanzlicher Basis gegeben werden.

Enzyme vor OP?

Bei meiner Mutter wurde vor kurzem Krebs in der Gebärmutter diagnostiziert. Die Entfernung des Tumors erfolgt in der nächsten Woche. Meine Frage: Ist es sinnvoll, im Vorfeld der OP zum Beispiel ein Enzympräparat zur Unterstützung zu geben?

Ein wichtiger Bestandteil der biologischen Krebsmedizin ist die Behandlung mit Enzymen. Sie können in jeder Phase der Erkrankung zur ergänzenden Behandlung hilfreich sein und werden in der Krebstherapie vor allem in Form von proteolytischen, also eiweißspaltenden Enzyme eingesetzt, u.a. um die Erkennung von Tumorzellen und die Immunantwort zu verbessern. Es sind vornehmlich Bromelain aus der Ananas, Papain aus der Papaya, sowie Trypsin und Chymotrypsin aus Bauchspeicheldrüsen von Tieren.
Da Enzyme die Blutgerinnung beeinflussen, werden diese daher am besten erst nach Abschluss der Operation und wenn keine Nachblutungsgefahr mehr besteht, d.h. mindestens 3-4 Tage nach der Operation, gegeben.
Andere zusätzliche Maßnahmen vor und nach einer Operation sind übrigens die Gabe von hochdosiertem Selen und von Homöopathika. Download GfBK-Kurzinfo OP-Vor- und Nachbereitungstherapie.

Vitamin C im Nature-Artikel in der Kritik

Ich selbst habe Krebs und bin durch die Berichterstattung über Vitamin C in der Welt Online verunsichert. Dort stand, dass Vitamin C angeblich das Tumorwachstum fördern könne. Sie empfehlen in Ihren Veröffentlichungen ausdrücklich die Anwendung des Vitamin C. Was ist von dem Bericht zu halten?

Schon am 19. August 2009 erschien unter der Rubrik „Letters" in der Zeitschrift Nature der ein Beitrag von Schafer und Kollegen. Die Veröffentlichung führte noch am selben Tag zu einer sehr negativen Berichterstattung in Welt-online mit dem Titel „Die dunkle Seite des Vitamin C". Diese Berichterstattung ist zugleich ein Beispiel dafür, dass in der Laienpresse bereits im Titel falsche Hinweise gegeben werden, da in der Studie von Schafer Vitamin C (eines der wichtigsten Antioxidantien des Körpers) überhaupt nicht vorkommt!
Schafer und Kollegen untersuchten im Reagenzglas unter anderem die Wirkung von Antioxidantien (N-Acetylcystein NAC und Trolox) auf die ersten Schritte der Tumorentwicklung von Brustkrebszellen. Und zwar wurde in dieser Versuchsanordnung u.a. der Einfluss auf Faktoren, die den natürlichen Zelltod beeinflussen, untersucht. Dabei wurde lediglich beobachtet, dass in Epithelzellen, die keinen Kontakt zu ihrem Ursprungsgewebe mehr haben, die Gabe von Antioxidantien wie N-Acetylcystein und Trolox die ATP-Bildung durch Oxidation von Fettsäuren erhöhen. (ATP ist die Abkürzung für Adenosintriphosphat, einem Molekül, welches in der Zelle für die grundlegenden energieverbrauchenden Prozesse aller Lebewesen eine entscheidende Rolle spielt.) Welche Relevanz diese Forschungsergebnisse für den Menschen haben, kann mit dieser Reagenzglasuntersuchung überhaupt nicht beurteilt werden. Denkbar wäre auch, dass die ATP-Bildung zu einem beschleunigten Zelltod führt, da Oxidationsprodukte die Zellen schädigen können. Die hier verwendeten Antioxidantien sind jedoch überhaupt nicht vergleichbar mit den Antioxidantien (z.B. Vitamin C, Vitamin E und Selen), die der Mensch mit der Nahrung direkt oder durch sogenannte Nahrungs-ergänzungsmittel (z.B. Vitamintabletten) aufnimmt. Insofern wurden hier völlig falsche Schlussfolgerungen gezogen, die allzu leichtfertig in der Laienpresse verbreitet wurden. Wir empfehlen weiterhin Krebspatienten in konkreten Belastungssituationen die individuell angepasste Gabe von Vitaminen und Spurenelementen. Im Zweifelsfall berät Sie sehr gern der ärztliche Beratungsdienst unserer Gesellschaft.

Omega-3- Fettsäuren schädlich?

Ihre ärztliche Beratung hat mir als Brustkrebspatientin während einer Chemotherapie unter anderem empfohlen, Omega-3-Fettsäuren unterstützend anzuwenden. Gerade las ich nun im Internet, dass die Einnahme von Fettsäuren schädlich sei, wenn zeitgleich eine Chemotherapie erfolgt. Könnten Sie dazu bitte Stellung nehmen?

Leider kommt es im Zusammnehang mit der Anwendung der Chemotherapie immer wieder zu unserer Meinung nach unqualifizierten und die Patienten verunsichernden Aussagen von Ärzten in der Onkologie. Dabei werden harmlose Nahrungsergänzungsmittel, die in vielerlei Hinsicht die Nebenwirkungen der Chemotherapie deutlich mindern, aufgrund von Untersuchungen im Labor oder tierexperimentellen Studien pauschal als gefährlich eingestuft.
Nun zu Ihrer konkreten Frage: Forscher der Universität Utrecht haben in einem Versuch mesenchymale Stammzellen sowie krebskranke Mäusen mit Hauttumoren mit einem Chemotherapeutikum, dem Cisplatin behandelt. Dabei zeigte sich, dass die Tumorzellen Fettsäuren freisetzen, die sie unempfindlich gegen die Einwirkung des Chemotherapeutikums machten. Die chemische Analyse der Fettsäuren ergab, dass es sich um Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren handelte, wie sie auch in Fischölkapseln oder in Algenextrakten enthalten sind. Allerdings geben selbst die Forscher zu, dass noch völlig unklar ist, ob sich die Ergebnisse auch auf die Therapie von Krebserkrankungen beim Menschen übertragen lassen. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass nur ein einziges Zytostatikum getestet wurde, das bei den häufigsten Krebsformen überhaupt nicht angewendet wird.
Außerdem muss man in Frage stellen, ob das künstlich hergestellte Gemisch wirklich den Fettsäuren in zum Verzehr erhältlichen wertvollen Ölen entspricht. Vieles spricht bisher dafür, dass Omega-3-Fettsäuren in natürlichen Ölen die Entzündungsreaktionen abmildern, die dazu führen, dass Stammzellen zu aggressiven Tumorzellen werden. Insbesondere diese Entzündungsbereitschaft ist laut renommierter Forscher dafür verantwortlich, dass sich um die Tumorzelle herum ein ungünstiges chemotherapieresistentes Millieu entwickelt. Außerdem bestärkt ein weiteres Experiment mit Olivenöl die bisherige Praxis, wertvolle kaltgepresste Öle, wie Olivenöl, Leinöl, Fischöl auch weiterhin zu empfehlen. So konnte in einem Experiment gezeigt werden, dass Olivenöl eine ähnliche Wirksamkeit wie das in der Brustkrebstherapie häufig verwendete Herceptin hat und deren Wirksamkeit sogar verdoppeln kann. Insofern bestehen hier deutliche Widersprüche, die zeigen, dass ein Reagenzglas -oder Tierversuch alleine nur wenig Aussagekraft hat.

Herzschutz mit Coenzym Q10

Ich bin Brustkrebspatientin und mir wurde von meiner Therapeutinvor allem während der anstehenden Chemotherapie Coenzym Q10 empfohlen. Was wissen Sie darüber?

Coenzym Q10 ist eine vitaminähnliche Substanz, die an allen energieliefernden Prozessen im Organismus beteiligt ist. In jeder menschlichen Zelle wird die Energie aus der Nahrung in körpereigene Energie (ATP) umgewandelt. Coenzym Q10 ist als Coenzym an dieser Umwandlung beteiligt, über die 95 % der gesamten Körperenergie erzeugt wird. Die Organe mit dem höchsten Energiebedarf - wie Herz, Lunge und Leber - weisen deshalb auch die höchste Q10-Konzentration auf.
Coenzym Q10 wird zum Teil über die Nahrung aufgenommen, aber auch im Körper selbst produziert. Allerdings nimmt die körpereigene Q10-Synthese ab dem mittleren Alter immer weiter ab, sodass die Q10-Zufuhr gerade dann empfehlenswert ist. Auch bei einem erhöhten Anfall an Freien Radikalen oder unter herzschädigender Chemotherapie ist eine ergänzende Q10-Zufuhr bei Krebspatienten anzustreben.
Hier werden insbesondere bei Brustkrebspatientinnen unter Herceptin-Therapie und während einer Therapie mit Anthrazyklinen (Wirkstoffe der Chemotherapie) hoch dosiert Coenzym Q10 mit 300 mg täglich in Kombination mit L-Carnitin mit 2-3 g (Einnahme 3 bis 4 Stunden vor der Chemotherapie) während der Dauer der gesamten Chemotherapie empfohlen.

Haifischknorpel – eine sinnvolle Nahrungsergänzung?

Von Freunden habe ich einen Extrakt aus Haifischknorpel gegen meine Krebserkrankung empfohlen bekommen? Was halten Sie von diesen Präparaten?

Haie erkranken erstaunlich selten an Krebs, weshalb von mehreren Herstellern Haifischknorpelextrakte angeboten werden. Ob Haifischknorpelextrakte bei Krebserkrankungen tatsächlich wirksam sind, wurde nun in mehreren klinischen Studien geprüft, wobei die Ergebnisse bisher eher unbefriedigend waren und keine positiven Ergebnisse zeigten. Außerdem ist der Handel mit Haifischknorpeln auch aus ökologischen Gründen nicht unproblematisch, da dadurch der natürliche Bestand der beiden Haifischarten, aus denen der Knorpel gewonnen wird, bedroht ist.
Andere Forscher kommen auch zu anderen Erklärungen, die plausibel und sympathischer erscheinen, warum Haifische nur selten an Krebs erkranken: nämlich dass der Hai quasi keinen Stress hat, weil er keine natürlichen Feinde hat. Das ist eine Erkenntnis, die auch aus dem Forschungsgebiet der Psychoneuroimmunologie bekannt ist, nämlich, dass wir mit unserer Psyche das Immunsystem beeinflussen können und dass negativer Stress krank machen kann. Auch in einer aktuellen Studie konnte die Bedeutung eines positiven Lebensgefühls untermauert werden. So leben Menschen, die im Alter über 50 Jahren ihre Lebensfreude verloren hatten, deutlich kürzer als Menschen, die ihre Lebensfreude bewahren konnten. Diese Überlegungen zeigen, dass wir trotz aller Forschungsbemühungen um neue teure Medikamente unsere Psyche und seelische Stabilität zur Gesunderhaltung nicht vergessen dürfen.

Vitamine erhöhen Sterberisiko

In einer großen Tageszeitung und im Fernsehen war zu lesen bzw. zu hören, dass Vitamine das Leben älterer Frauen gefährden? Da die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr oftmals die ergänzende Anwendung von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen empfiehlt, bin ich verunsichert: Was können Sie über diese Berichterstattung sagen?

Viele Medienberichte über Risiken von Vitaminen bzw. Nahrungsergänzungspräparate sind eher verunsichernd und geben in den meisten Fällen leider nur ungenau den Inhalt von Studien wieder. Forschungsergebnisse werden in den Medien zu vereinfacht und undifferenziert dargestellt. Grundlage für die letzten Medienberichte war die kürzlich veröffentlichte Studie „Iowa Women's Health Study". Es wurden in dieser Studie 41.836 Frauen über einen Zeitraum von 22 Jahren beobachtet. Zu Beginn waren die Studienteilnehmerinnen durchschnittlich 62 Jahre alt. Während des Studienzeitraumes wurden Sie dreimal befragt, welche Vitamine Sie einnehmen. Abschließend wurde ausgewertet, wie das Sterberisiko mit der Einnahme von Vitaminen zusammenhing. Dabei wurde festgestellt, dass das Sterberisiko angeblich mit der Vitamineinnahme zusammenhing. Wenn man die diversen Pressemeldungen genauer anschaut, steht dort auch, dass selbst die Forscher zugeben, dass „die Ergebnisse nur ein sehr grober Hinweis dafür seien, dass zu viele künstliche Vitamine möglicherweise schaden". Denn in der Studie wurde nicht der Gesundheitszustand der Teilnehmerinnen oder sonstige Lebens- und Ernährungsgewohnheiten mit berücksichtigt. So kann im Nachhinein nicht festgestellt werden, ob die Frauen die Vitamine einnahmen, weil sie vorher bereits krank geworden waren.
Lediglich die Einnahme von Kalzium wirkte sich positiv aus und reduzierte in dieser Studie das Sterberisiko. Jedoch sieht man hier, dass dieses Ergebnis nicht mit neueren Erkenntnissen übereinstimmt, die eindeutig gezeigt haben, dass die unkritische Einnahme von Kalziumpräparaten beispielsweise mit einem deutlich erhöhten Herzinfarktrisiko assoziiert ist.
So ist es bei der Einnahme von Vitaminen wichtig, folgende Punkte zu beachten: Die Einnahme sollte individuell erfolgen. Das bedeutet auch, dass sich gewisse Mangelzustände nur mit Laboranalysen abklären lassen, um eine optimale Dosierung festlegen zu können. Dies betrifft vor allem das Spurenelement Selen und Vitamin D. So weiß man inzwischen, dass zu wenig aber auch zu viel Selen im Blut ungünstige Auswirkungen haben kann. Außerdem zeigen Studien immer wieder, dass die kombinierte Gabe auf pflanzlicher Basis der isolierten Gabe von künstlichen Vitaminen überlegen ist. Ein typisches Beispiel ist das Vitamin E, das sich in künstlicher Form ungünstig auf den Organismus auswirkt. Achten Sie daher darauf, dass Sie Vitamin-E als alpha-Tocopherol einnehmen und nicht als künstliches dl-alpha-Tocopherol. Besonders hohe Gehalte an Vitamin E weisen übrigens pflanzliche Öle wie Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl, rotes Palmöl und Olivenöl auf. Besonders interessant scheint auch der hohe Gehalt an „ungesättigten" Tocopherolen, den sog. Tocotrienolen in Palmöl zu sein, die die Zellen besser schützen sollen als andere Vitamin-E-Formen.
Besonders bei Krebspatienten ist die Einnahme von hoch dosierten Gaben von Vitamin B12 und Folsäure problematisch, da Vitamin B12 und Folsäure an Zellteilungsprozessen beteiligt sind und dadurch sich schnell teilende Zellen, wie z. B. Blutzellen oder Krebszellen unterstützen können. Dies zeigte sich auch in der oben zitierten Studie, in der Folsäure, aber auch Eisen dosisabhängig das Sterberisiko am meisten steigerten. Auch andere Studien haben gezeigt, dass eine zu hoch dosierte Gabe von Folsäure das Krebsrisiko erhöhen kann, insbesondere wenn kein Mangel vorliegt.
Beachten sollte man außerdem, dass die Gabe von Vitaminen durch eine vitalstoffreiche Ernährung unterstützt werden sollte, bevorzugt mit Vollkorngetreide und –produkten (nicht zu grob!), Rohkost (in kleinen Mengen), Biogemüse, naturbelassene pflanzliche Öle und Fette (insbesondere Olivenöl und Leinöl). Da Untersuchungen zufolge noch nicht einmal 90 Prozent der Bevölkerung die Hälfte der empfohlenen Menge an Obst und Gemüse zu sich nimmt, halten wir eine Nahrungsergänzung auf pflanzlicher Basis unter besonderer Berücksichtigung des Ernährungszustandes des betroffenen Patienten für eine wichtige begleitende Maßnahme.

Erhöhen Vitamine die Sterblichkeit?

Aus einer Fernsehsendung habe ich entnommen, dass Beta-Karotin und Vitamin E eine erhöhte Sterblichkeit verursachen sollen. Kann ich die Nahrungsergänzungsmittel nun bedenkenlos weiter einnehmen? Meine Ernährung habe ich seit meiner Prostata-Operation wegen Prostatakrebs ebenfalls umgestellt. Ich esse mehr Obst und Gemüse in denen allerdings auch die oben genannten Vitamine auftreten. Muss ich mich hier auch umstellen?

Vitamin E und Beta-Karotin (wasserlösliches Vitamin A) werden sehr häufig von Krebspatienten in Form von Nahrungsergänzungsmittel zusätzlich eingenommen, mit dem Ziel, den Heilungsprozess fördern und die Nebenwirkungen aggressiver Behandlungen zu mindern.
Insbesondere die Anwendung von Vitamin E und Beta-Karotin wurde in jüngster Zeit in der Öffentlichkeit eher negativ (erhöhtes Sterberisiko, erhöhtes Lungenkrebsrisiko) dargestellt. Bevor man daraus allerdings falsche Schlussfolgerungen zieht, sollte man sich die Studienergebnisse, auf denen diese Pressemeldungen beruhen, genauer anschauen.
So hat Prof. Miller von der John Hopkins Universität 2004 eine sogenannte Metaanalyse zur gesundheitlichen Wirkung von Vitamin E veröffentlicht. Dabei hat er 19 Studien untersucht, in denen Patienten mit unterschiedlich starken chronischen Erkrankungen und in unterschiedlichen Altersgruppen in verschiedenen Dosierungen 16-20.000 I.E. synthetisches Alpha-Tocopherol (nicht natürliches Vitamin E) pro Tag erhalten haben. Aus dieser heterogenen Personengruppe hat er dann abgeleitet, dass tägliche Vitamin-E-Dosierungen von mehr als 150 I.E. pro Tag (in den Studien wurde allerdings nie das natürliche Vitamin E sondern immer nur das synthetische Alpha-Tocopherol eingesetzt) das allgemeine Sterberisiko bei den Patienten erhöhe. Interessanterweise wurde das allgemeine Sterberisiko in der untersuchten Studie mit der höchsten Vitamin-E-Gabe von 2.000 I.E. tatsächlich aber verringert. Diese Metaanalyse von Prof. Miller ist von internationalen Fachleuten heftig kritisiert worden. Zu aller Überraschung schreibt Prof. Miller am Ende seiner Veröffentlichung selbst: "Die untersuchten Studien mit hoher Vitamin-E-Zufuhr wurden an kleinen Patientengruppen mit verschiedensten chronischen Erkrankungen durchgeführt, daher ist die Übertragbarkeit unserer Ergebnisse auf gesunde Menschen unsicher."
Bezüglich der Gabe von Beta-Karotin sollte in zwei großen Studien (ATBC-Studie und CARET-Studie) ein möglicherweise schützender Effekt von Beta-Karotin unter anderem vor Lungenkrebs bei Rauchern untersucht werden. Es zeigte sich bei der Auswertung der Studie bei den Teilnehmern, die weiterhin mehr als 20 Zigaretten pro Tag rauchten und gleichzeitig Betakarotin einnahmen, ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs. Bei den Teilnehmern jedoch, die weniger als 20 Zigaretten rauchten, zeigte sich ein leicht erniedrigtes und bei den Teilnehmern, die aufhörten zu rauchen, sogar ein deutlich erniedrigtes Risiko. Beta-Karotin erhöht also nur bei den starken Raucher (mehr als 20 Zigaretten) das Lungenkrebsrisiko, senkt es aber bei allen anderen! Experten nehmen an, dass dabei nicht das Beta-Karotin, sondern deren Oxidationsprodukte zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko bei noch aktiven Rauchern führen könnten. So gibt es wiederum andere Studien, die zeigen konnten, dass eine kombinierte Gabe von Beta-Karotin mit anderen „Antioxidantien" wie Vitamin E und Vitamin C durchaus positive Effekte haben kann. Weiterer Kritikpunkt: An beiden Studien nahmen nur Personen teil, die bereits bei Studienbeginn sehr lange stark geraucht hatten, Personen also, bei denen möglicherweise bei Studienbeginn schon Lungenkrebs induziert war. Wenn Beta-Karotin in den frühen Phasen der Krebsentstehung, nicht aber in der späten Wachstumsphase wirkt, kann bei dieser Personengruppe kein schützender Effekt erwartet werden.
Unser Fazit lautet daher: Es gibt sowohl Studien, die positive als auch negative Effekte von Vitaminen zeigen. Diese oben genannten Beispiele verdeutlichen aber, dass man sich das Design der Studien, deren Ergebnisse und auch die verwendeten Präparate genauer anschauen muss, um daraus Schlussfolgerungen ziehen zu können.
Grundsätzlich sind pflanzliche Vitamine synthetischen Vitaminen vorzuziehen. Unterstützt werden sollte dies zusätzlich durch eine vitalstoffreiche Ernährung bevorzugt mit Vollkorngetreide und -produkte (nicht zu grob!); Rohkost (in kleinen Mengen); Biogemüse; naturbelassene pflanzliche Öle und Fette (insbesondere Olivenöl und Leinöl).
Interessant gerade auch für an Prostatakrebs Erkrankte ist die Tatsache, dass Männer, die häufig Ketchup, Tomatenmark oder Tomatensaft verzehren, weniger häufig an Prostatakrebs erkranken. Diese Beobachtung wird auf das in Tomaten enthaltene stark antioxidativ wirksame Lycopin zurückgeführt. Lycopin wird durch vorheriges Erhitzen der Tomaten wohl besser für den Körper verfügbar gemacht, daher ist die bessere vorbeugende Wirkung von z.B. Tomatensaft im Gegensatz zu „rohen Tomaten" zu erklären. In Laborversuchen konnte Gelbwurz (=Kurkumin) bei Prostatakrebs die Umwandlung von hormonabhängigen zu hormonunabhängigen Zellen verzögern und den spontanen Zelltod beider Zellarten herbeiführen. Das Rezept für einen Gelbwurz-Tomaten-Drink erhalten Sie bei der GfBK. Umgekehrt konnte in anderen epidemiologischen Studien gezeigt werden, dass ein Mangel an Selen und Vitamin D vermehrt zu Prostatakrebs führt. Bei bereits an Prostatakrebs Erkrankten haben aktuelle Studien zudem einen positiven Effekt von Granatapfelextrakt und Leinsamen zeigen können.

 

Vitamine und Krebs

In meiner Familie gibt es mehrere an Krebs Erkrankte,und ich nehme deswegen seit einiger Zeit Vitamine ein. Halten Sie das für sinnvoll?

Es gibt dazu inzwischen zahlreiche Studien, die jedoch in ihren Ergebnissen widersprüchlich sind. Sie können auch gar keine einheitlichen Ergebnisse zeigen, da verschiedene Dosierungen in unterschiedlich langen Zeiträumen verwendet wurden. Außerdem wird der Lebensstil nicht immer ausreichend berücksichtigt; d. h., ob sich die Studienteilnehmer z. B. gesund ernähren oder regelmäßig Sport treiben.
Inzwischen ist bekannt, dass Menschen vor allem dann von einer zusätzlichen Vitamingabe profitieren, wenn ein Mangel an Vitaminen oder Spurenelementen vorliegt. So gibt z. B. eine aktuelle Untersuchung erneut Hinweise, dass Selen entgegen früherer Behauptungen durchaus vor Prostatakrebs schützen kann und dass dieser Effekt vom gemessenen Selenspiegel abhängt (Hurst R / Am J Clin Nutr 2012). Daher raten wir gesunden und kranken Menschen, bestimmte Blutspiegel (z. B. Selen, Vitamin B12 und Vitamin D) vor einer Gabe untersuchen zu lassen.
Eine aktuelle Auswertung der Physicians' Health Study II an 14 700 US-Ärzten kommt zu dem Schluss, dass Männer mit einer zusätzlichen Vitamingabe ihr Krebsrisiko um mindestens acht Prozent senken können (Gaziano JM / JAMA 2012). Besonders Männer über 70 scheinen von einer Vitamineinnahme zu profitieren. Der Schutzeffekt war besonders deutlich, wenn sie bereits zu Studienbeginn an Krebs erkrankt waren. Bei diesen Patienten konnte das Risiko, erneut an Krebs zu erkranken, sogar um 27 Prozent gesenkt werden.
Zum Vergleich: Eine Studie mit 2 705 Prostatakrebspatienten belegt, dass die prostatakrebsspezifische Sterblichkeit um ganze 61 Prozent gesenkt werden kann, wenn mindestens drei Stunden pro Woche intensive körperliche Aktivität betrieben wurde (Kenfield SA / J Clin Oncol 2011). An diesen Effekt reicht die Wirkung von Vitamintabletten bei Weitem nicht heran. Oft sind kombinierte Vitamin-Präparate sinnvoll.
Bevorzugen Sie pflanzliche Vitamine und unterstützen Sie Ihr Ziel durch eine vitalstoffreiche Ernährung: Vollkorngetreide und –produkte (nicht zu grob!); Rohkost (in kleinen Mengen); Biogemüse; naturbelassene pflanzliche Öle und Fette (insbesondere Olivenöl und Leinöl). Verzehren Sie möglichst wenig: Eiweiß und Fett in Form von Fleisch und Wurst, Zucker, Weißmehlprodukte, hocherhitzte Speisen (über 180° C), Fertigprodukte, Fast Food, Kuhmilch.

Vitamin D

Ich habe Krebs und wurde darauf aufmerksam gemacht, meinen Vitamin-D-Spiegel bestimmen zu lassen. Ist das sinnvoll?

Bisher sahen Mediziner in erster Linie die Bedeutung von Vitamin D für den Knochenstoffwechsel. Inzwischen weiß man, dass eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D auch vor Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen kann. Die Wirkung auf Krebserkrankungen wird vor allem auf seine antientzündliche und immunstabilisierende Wirkung zurückgeführt. Außerdem sind Tumorzellen auch direkt durch Vitamin D beeinflussbar: Es greift an der Zelldifferenzierung an und begünstigt den natürlichen Zelltod.
In Deutschland reicht die Sonneneinstrahlung nur zwischen Mai und September aus, um in der Haut genügend Vitamin D zu bilden. Das Risiko einer schlechten Versorgung mit Vitamin D ist deshalb hierzulande nicht nur bei älteren Menschen (bei denen die Fähigkeit nachlässt, in der Haut Vitamin D zu bilden) gegeben. Viele Ärzte stellen bei einer genauen Blutanalyse sehr häufig Mangelzustände und suboptimale Werte bei Krebspatienten und auch bei Gesunden fest. So kommt die Nationale Verzehrstudie zu dem Ergebnis, dass insgesamt 82 Prozent der Männer und 91 Prozent der Frauen die empfohlene tägliche Zufuhr von Vitamin D bei Weitem nicht erreichen. Besonders kritisch ist dies in den Wintermonaten: Gemäß einer Studie der Universitätsklinik Heidelberg aus dem Jahr 2010 haben etwa 75 Prozent von 209 untersuchten Frauen zwischen 14 und 86 Jahren in den Wintermonaten einen Vitamin-D-Mangel, das heißt, eine Serumkonzentration von unter 20 ng / ml. Nahezu jede dritte Frau hatte einen schweren Vitamin-D-Mangel mit Werten unter 10 ng/ml.
Zahlreiche Studien bei Krebspatienten belegen, dass eine gute Vitamin-D-Versorgung auch vor Rückfällen und Metastasen schützen kann (z.B. Review des Deutschen Krebsforschungsinstitutes: Maalmi H/Eur J Cancer 2014). Dies ist bisher vor allem für Patienten mit den häufigen Krebsarten Brust- und Darmkrebs nachgewiesen. Eine optimale Aufnahme über die Nahrung ist nicht möglich. Daher sollten Krebspatienten zumindest im Winter zusätzlich Vitamin-D-Präparate mit 2.000 I. E. täglich einnehmen. Noch besser ist eine Überprüfung des Vitamin-D-Spiegels im Blut, um die individuelle Dosierung festlegen zu können.
Gehen Sie auch gezielt und in vernünftigem Maß in die Sonne: Wir empfehlen ein tägliches Sonnenbaden zwischen 11 und 15 Uhr ohne Sonnenschutz. Schon ein Lichtschutzfaktor 15 blockiert die Vitamin-D-Produktion um 99,5 Prozent. Stimmen Sie die Dauer des Sonnenbadens unbedingt auf den Hauttyp ab (etwa 10 –20 Minuten) und besonnen Sie möglichst viel unbedeckte Haut.
Beachten Sie auch, dass die Normalwerte des Labors nicht unbedingt die Optimalwerte sind. So gelten unter Experten Werte über 40 ng Vitamin D pro ml Blut als erstrebenswert, wenngleich von vielen Labors immer noch Werte zwischen 20 und 40 ng/ml als Normalbereich angesehen werden. Möglicherweise entsteht so der Eindruck, es sei alles in Ordnung, in Wahrheit liegt aber ein Mangel vor.

 

Eisenpräparate bei Krebs

Ich leide an einem metastasierendem Bronchialcarcinom (Lungenkrebserkrankung). Mir wurde von meinem Hausarzt ein Eisenpräparat empfohlen. Nun hab ich gehört, dass Eisen die Bildung von Tumoren begünstigen soll. Was soll ich tun?

Eisen ist ein Spurenelement, was von außen, d.h. über die Nahrung zugeführt werden muss, weil es unser Organismus nicht selber bilden kann. Eisen wird u.a. zur Bildung des Sauerstoff übertragenden roten Blutfarbstoffes Hämoglobin gebraucht. Eisenmangel kann sich in einer Anämie (Blutarmut) und den damit verbunden Beschwerden, wie Blässe, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Reizbarkeit, Haut- und Nagelveränderungen äußern. Die frühere Annahme, Eisen könne die Krebsentstehung begünstigen, beruht auf der Beobachtung im Laborversuch, dass Eisen durch Oxidation zur übermäßigen Bildung von sog. freien Radikalen führt, die wiederum Zell- und Gewebeschäden hervorrufen können. So kann man z.B. auch im menschlichen Organismus nachweisen, dass durch zusätzliche Gabe von Eisen die Bildung von freien Radikalen im Darm zunimmt. Ob dadurch jedoch das Krebsrisiko ansteigt, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Jedenfalls ist es nicht ratsam, bei nicht nachgewiesenem laborchemischem Eisenmangel zusätzlich Eisenpräparate einzunehmen. Beachten sollte man auch, dass der Mensch Eisen sowieso nur in 10-15% aus der Nahrung über den Darm aufnehmen kann und die Aufnahmeleistung u.a. auch vom verabreichten Eisenpräparat abhängt.   Am besten ist die Aufnahme von pflanzlich gebundenem Eisen (in Fleisch und Gemüse) und als Präparat in Form von zweiwertigem Eisen. Außerdem empfiehlt es sich, zusätzlich Vitamin C einzunehmen, wodurch die Eisenaufnahme deutlich verbessert wird. Oft reicht es auch einfach aus, mehr eisenhaltige Nahrungsmittel (auch gegebenenfalls Fleisch) in Kombination mit Vitamin C zu sich zu nehmen. Menschen, die regelmäßig Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide zu sich nehmen, sollten darauf achten genügend eisenhaltige Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, da Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide Phytinsäure enthalten, das wiederum Eisen im Darm bindet und an der Aufnahme in den Stoffwechsel zu hindern vermag. Zu viel Kaffee oder Schwarzer Tee sollte ebenfalls gemieden werden, da dadurch die Eisenaufnahme ebenfalls beeinträchtigt wird.  Ein weiteres Problem stellt insbesondere auch die bei Krebspatienten noch ungeklärte Problematik dar, ob das Eisen überhaupt adäquat verstoffwechselt werden kann. Bei vielen Krebspatienten liegt eine sog. Eisenverwertungsstörung vor, was zur Folge hat, dass das zusätzlich eingenommene Eisen nicht gespeichert und für den Organismus verbraucht werden kann, sondern der Patient meist nur die unangenehmen Nebenwirkungen der Eisenpräparate im Magendarmtrakt wie Übelkeitsgefühle und Verstopfung zu spüren bekommt.

Schädigt Vitamin C das Erbgut?

Für mich völlig unverständlich wird in letzter Zeit von immer mehr Ärzten in der Onkologie vor der Einnahme von Vitaminpräparaten gewarnt. In diesem Zusammenhang habe ich auch gehört, dass Vitamin C das Erbgut schädigen soll. Stimmt das?

Diese Aussage einer angeblich krebserregenden Wirkung von Vitamin C ist auf eine im Jahr 2001 veröffentlichte Studie zurückzuführen, wobei der Fehler gemacht wurde, diese Ergebnisse allzu vorschnell auf den menschlichen Organismus zu übertragen. In dieser Laboruntersuchung wurden Vitamin C und bestimmte Fettsubstanzen zusammen in ein Reagenzglas gegeben. Nach zwei Stunden beobachtete man, dass sich Stoffe gebildet haben, die das menschliche Erbgut schädigen können. Daraus wurde allzu schnell der Schluss gezogen, das Vitamin C Krebs erzeugen kann. Nun muss man sich aber vorstellen, dass es im menschlichen Organismus sehr unwahrscheinlich ist, dass diese beiden Substanzen an der gleichen Stelle und zudem in so hohen Konzentrationen wie bei diesem Reagenzglasversuch vorkommen und dann auch noch zwei Stunden miteinander reagieren können. Dass die übertragbarkeit dieses Laborversuches auf den Menschen unrealistisch ist und stattdessen eindeutig der Nutzen von Vitamin C überwiegt, haben renommierte Wissenschaftler bestätigt.

Macht ein Vitaminprofil Sinn?

In einem Informationsblatt Ihrer Gesellschaft las ich von der Empfehlung zur Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen in der Nachbehandlung von Krebserkrankungen bzw. als Begleittherapie zur Minderung der Nebenwirkungen aggressiver Therapien. Ich habe nun von meinem Arzt gehört, dass man durch ein so genanntes Vitalstoffprofil im Labor exakt die Vitaminversorgung des Organismus feststellen und die Therapie darauf abstimmen kann. Stimmt das?

Es gibt heute auf diesem Sektor verschiedene Laboruntersuchungen, die auf unterschiedlichen Testmethoden beruhen und sehr häufig nicht miteinander vergleichbar sind. Bei diesen Testmethoden sollte immer hinterfragt werden, inwieweit durch die Bestimmung einzelner Parameter im Blut Rückschlüsse auf die genauen Vitalstoffkonzentration im Gesamtorganismus bzw. im Körperspeicher gemacht werden können. Problematisch ist auch, dass bisher nicht eindeutig bewiesen werden konnte, ob die Bestimmung einzelner Parameter und die Interpretation des momentanen Verteilungsprofils auch wirklich eine bessere individualisierte Therapie nach sich ziehen. Zwar ist eine gezielte Vitamin- und Mineralstoffeinnahme gerade im Zusammenhang mit Krebserkrankungen wünschenswert, ein optimales objektives Testverfahren gibt es bisher kaum. Daher geben unserer Meinung nach sogenannte Vitalstoffprofile zwar schon Hinweise - sind aber für den praktischen ärztlichen Alltag nur begrenzt verwendbar und aussagefähig.

Colostrum zur Abwehrstärkung

Eine Freundin hat mir Colostrum empfohlen. Das Mittel soll meine Abwehr stärken. Können Sie mir sagen, wie Colostrum auf das Immunsystem wirkt? Ist das ein sinnvoller Tipp?

Colostrum wird auch als Biestmilch oder Vormilch bezeichnet. Genau genommen ist es jedoch keine Vorstufe von Milch. Alle säugenden Muttertiere produzieren in den ersten Stunden nach der Geburt und bis zum 5. Tag danach Colostrum. Erst dann geben sie Milch zur Aufzucht und zum Wachstum. Da zum Zeitpunkt der Geburt die Abwehrfunktionen des Nachwuchses noch nicht ausgereift sind, bessert die Natur nach: Colostrum ist besonders reich an Abwehrstoffen. Seit etwa 1960 wird der medizinische Wert dieser Substanz auch in der deutschen Naturheilkunde anerkannt. Ärzte und Heilpraktiker setzen Colostrum bei einer Vielzahl von Erkrankungen ein, die mit einer Schwächung des Abwehrsystems einhergehen. Colostrum enthält einen Cocktail aus verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen sowie Immunfaktoren. Darin sind auch alle Immunglobuline IgA, IgM, IgE, IgG und IgD vorhanden. Das Colostrum der Kuh hat eine nahezu identische Zusammensetzung wie das des Menschen. Und einige Immunfaktoren sind höher konzentriert als in menschlicher „Vormilch“. Daher gilt das Colostrum der Kuh für die Behandlung von Menschen als besonders wertvoll. Das therapeutische Spektrum von Colostrum ist breit. Es wird besonders bei Patienten mit Haut- und Schleimhauterkrankungen eingesetzt, wie beispielsweise bei Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Allergien, Psoriasis und Neurodermitis. Bei Krebs ist Colostrum vor allem für Patienten mit hartnäckigen Darmbeschwerden (z. B. Durchfällen nach Chemotherapie) geeignet. Außerdem kann es beim Fatigue-Syndrom angewendet werden. Auch zum Vorbeugen von Infekten und bei chronischer Infektanfälligkeit hilft Colostrum: In einer Studie wurde sogar gezeigt, dass Colostrum grippale Infekte besser vorbeugen kann als eine Grippeschutzimpfung (Cesarone MR et al. / Clin Appl Thromb Hemost 2007). Colostrum wird in verschiedenen Varianten angeboten, z. B. als Getränk oder in Form von Kapseln. Um einen nachhaltigen Effekt auf Ihr Immunsystem zu erzielen, sollten Sie Colostrum täglich und mindestens drei Monate lang einnehmen. Viele Patienten wenden Colostrum oder Stutenmilch zweimal im Jahr als Kur an. Die Dauer einer Kur richtet sich nach dem individuellen Bedarf. Sie kann 90 bis 150 Tage und noch mehr betragen. Inzwischen gibt es sogar Präparate aus Colostrum, die Irritationen und Entzündungen im Scheiden- und Vulvabereich lindern (Vicosan intim). Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Colostrum enthält geringe Spuren von Laktose. Dennoch ruft es bei Patienten mit Laktoseintoleranz fast nie Beschwerden hervor. Theoretisch besteht das Risiko einer BSE-Kontamination. Um dieses Risiko auszuschließen, empfehlen wir, Colostrum aus verlässlichen Quellen zu beziehen, bei denen Sie genau wissen, aus welchem Herkunftsland das Mittel stammt. Weltweit gibt es noch drei BSE-freie Länder: Argentinien, Australien und Neuseeland. Nur dort werden die Rinder ohne Zufütterung von Futtermitteln gehalten und auch keine Tiere importiert. Kritiker bemerken allerdings, dass die enthaltenen Antikörper vor allem gegen die spezifischen Krankheitserreger aus den einzelnen Regionen wirksam sind. Daher sollten ihrer Ansicht nach Europäer Colostrum aus Europa bevorzugen. Kaufen Sie nur Colostrum, das innerhalb der ersten zwei bis drei Tage nach der Geburt entnommen wurde. Denn die Qualität sinkt ab dem 3. Tag nach der Geburt rapide ab. Dann enthält es kaum mehr Immunglobuline und andere Immunfaktoren, darf aber bis zum 5. Tag noch als Colostrum vertrieben werden. Für den therapeutischen Wert ist auch der Herstellungsprozess entscheidend. Colostrum muss sorgfältig und schonend verarbeitet werden. Man darf es nicht über 40 °C erhitzen oder mit Röntgenstrahlen behandeln. Und es sollten auch keine Konservierungsstoffe zugesetzt werden. Bevorzugen Sie Colostrum daher in Bio-Qualität aus artgerechter Haltung. Das hat natürlich seinen Preis. Preisgünstige Präparate sind hinsichtlich ihrer Qualität kritisch zu hinterfragen. Ein besonders billiges Colostrum ohne nennenswerten medizinischen Effekt ist trotzdem zu teuer.


Zahngesundheit

Ist eine Zahnsanierung sinnvoll?

In einem bekannten deutschen Wochenmagazin habe ich unlängst einen sehr negativ gehaltenen Bericht über die alternative Zahnmedizin und über einige ihrer Opfer gelesen. Als Krebskranke bin ich nun sehr verunsichert, ob ich eine geplante Zahnsanierung mit Entfernen meiner zahlreichen Amalgamfüllungen überhaupt durchführen soll?

Kein Bereich der Medizin, auch nicht der sogenannten "alternativen" oder "biologischen" Zahnmedizin war und ist gegen negative Entwicklungen bzw. extreme Auswüchse gefeit. Innerhalb einer ganzheitlich orientierten Medizin gilt der Zahn-Kiefer-Apparat unstrittig als potentielles Herd- bzw. Störfeld, von dem negative Effekte auf einzelne Organe oder Organsysteme bzw. den Gesamtorganismus ausgehen können. Eine streng sachkundig betriebene und nicht an finanziellem Gewinnstreben ausgerichtete biologische Zahnmedizin bewertet z. B. Amalgamfüllungen, das gleichzeitige Vorhandensein verschiedener Metall-Legierungen, wurzeltote Zähne, aber auch Implantate als mögliche Belastungsfaktoren insbesondere für das körpereigene Immunsystem. Somit sollte nach Meinung der GfBK bei Tumorerkrankungen auch eine Abklärung auf mögliche Zahn-Kiefer-Störfelder vorgenommen werden. Zahnärztliche Sanierungsvorschläge, die offenkundig in Gebissverstümmelungen münden bzw. mit überhöhten finanziellen Forderungen einhergehen, bedürfen der kritischen Kontrolle einer kompetenten Zweitmeinung. Dabei kann die Internationale Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin (GZM) www.gzm.org, oder der Bundesverband der naturheilkundlich tätigen Zahnärzte (BNZ) www.bnz.de mit Adressen helfen. Hier finden Sie das GfBK-Info „Ganzheitliche Zahnmedizin".


Operation

Verbesserung der Wundheilung

Mit Angst und Bangen erwarte ich die operative Entfernung eines Tumors und benachbarter Lymphknoten in etwa zehn Tagen. Kann ich vor und nach der Operation etwas einnehmen, um die Wundheilung zu beschleunigen?

Gut, dass Sie sich schon vor dem Eingriff melden. Sie können in der Tat schon im Vorfeld etwas zur besseren Heilung beitragen. Wundheilungsstörungen, Nachblutungen oder Ödeme können vermieden oder gelindert werden. Hierzu haben sich homöopathische Arzneien in der Praxis bewährt. Nehmen Sie direkt vor und nach dem Eingriff Arnica C30 jeweils ein Kügelchen und ein weiteres einen Tag nach der Operation. Wenn Sie unsicher sind, ziehen Sie einen erfahrenen Homöopathen zurate. Alternativ können Sie das Komplexmittel Traumeel verwenden. Hoch dosiertes Selen dient dem gleichen Zweck. Proteolytische Enzyme (z.B. Wobe-Mucos® NEM ®“, Karazym® oder Bromelain®) unterstützen die biochemischen Prozesse auf vielfältige Weise und hemmen unter anderem mögliche Entzündungen. Daher sind sie prinzipiell wertvolle Hilfen. Bitte nehmen Sie sie keinesfalls vor dem Eingriff und erst dann wieder, wenn nach der Operation keine Blutungsgefahr mehr besteht. Diese Enzyme verdünnen das Blut. Auch andere Mittel mit blutverdünnender Wirkung sind beizeiten in Absprache mit dem Arzt kritisch zu betrachten und ggf. abzusetzen. Denken Sie bitte auch an das scheinbar harmlose Aspirin. Im Rahmen der Tumorentfernung werden einige Medikamente zur Narkose, Schmerzlinderung usw. eingesetzt. Es ist daher sinnvoll, die Leber als Entgiftungsorgan zeitnah zu entlasten. Dazu eignen sich Basenpräparate und milchsauer vergorene Gemüsesäfte. Schenken Sie auch jetzt, wo die körperliche Behandlung im Vordergrund steht, Ihrer Seelenlage Beachtung. Die Psyche beeinflusst entscheidend das Immunsystem und die Heilung. Ängste und Sorgen sind in ihrer Situation normal und verständlich. Um die Spitzen etwas zu mildern, helfen „Bach-Blüten-Notfall-Tropfen (Rescue)“. Nehmen Sie bei Bedarf mehrmals täglich 4 Tropfen auf die Zunge oder in Wasser aufgelöst. Eine weitere bewährte Maßnahme zur Beruhigung und Stärkung ist die Einnahme von Ceres® passiflora incarnata Urtinktur: Trinken Sie täglich 2–3 x 2 Tropfen in einer Pfütze Wasser.


Umwelt

Untersuchung auf Wasseradern

Nach meiner Brustkrebserkrankung habe ich auf die Empfehlungen des ärztlichen Beratungsdienstes der GfBK in Heidelberg hin mit einem biologischen Therapiekonzept begonnen. Dazu gehört auch die Abklärung möglicher Belastungsfaktoren in Form sogenannter Herd- oder Störfelder, wie z. B. des Schlafplatz. Wie kann ich schon im Vorfeld die Fachkompetenz eines Rutengängers bzw. seine Seriosität bewerten?

Schon beim telefonischen Erstkontakt, d. h. vor einer Terminvereinbarung, sollten Sie die Fachkompetenz und Seriosität eines Rutengängers mit folgenden Fragen und Antworten abklären:  Ist der Rutengänger dogmatisch und überbewertet  er seine Kompetenz, dann sollten Sie seine Aussagen kritisch sehen. Der Rutengänger sollte Ihnen zusichern, dass eine Skizze des Schlafplatzes mit Ihrer Schlafposition in Bezug auf festgestellte Wasseradern, Erdstrahlen und auf beide die Erde überziehenden Gitternetze wie das Curry- und das Hartmann-Gitter angefertigt wird. Die Skizze dient dazu, Kreuzungslinien unter Ihrer Schlafposition und damit mögliche Organbelastungen aufzuzeigen. Wie hoch sind die Kosten der Untersuchung des Schlafplatzes? Maximal 150-200 Euro halten wir für zulässig.  Werden Abschirmmethoden wie z. B. Kupfermatten, Korkplatten oder Edelsteine empfohlen? Ein Nein auf diese Frage ist unbedingt notwendig, da Hilfsmittel zur Abschirmung völlig nutzlos und überdies teuer sind! Weitere Informationen zu diesem Thema können Sie dem Informationsblatt „Erdstrahlen” unserer Gesellschaft entnehmen.

Blasenkrebs durch Haarfarbe?

Eine Bekannte von mir, die an Blasenkrebs erkrankt ist, färbt sich regelmäßig die Haare. Nun habe ich gelesen, dass durch Haarefärben ein erhöhtes Blasenkrebs-Risiko wissenschaftlich nachgewiesen sei. Ist das so richtig?

Mit Sicherheit waren diese Färbemittel nicht alleine Ursache der Erkrankung Ihrer Bekannten.  Aber: wer sich regelmäßig und ohne Unterbrechung die Haare färbt, hat nach statistischen Aussagen tatsächlich ein erhöhtes Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken. Gleiches gilt für Berufsgruppen, die regelmäßig mit Färbechemikalien in Berührung kommen wie z. B. Friseure. Verantwortlich dafür sind gewisse chemische Verbindungen aus den Färbemitteln, die so genannten "Arylamine", die beispielsweise auf die Blasenschleimhaut kanzerogen (= Krebs erzeugend) einwirken können. Um dieses Risiko so gering wie möglich zu halten, empfiehlt die GfBK, auf regelmäßiges Haarefärben mit chemisch-synthetischen Substanzen möglichst zu verzichten.

Erhöhtes Krebsrisiko

Kann man generell sagen, dass bestimmte Berufsgruppen ein erhöhtes Krebsrisiko aufweisen?

Nicht nur die GfBK vertritt die Meinung, dass Berufsgruppen mit über Jahre dauerndem engem und intensivem Kontakt zu sogenannten kanzerogenen     (= Krebs erzeugenden) Stoffen ein erhöhtes Krebserkrankungsrisiko aufweisen. Vor allem im Zusammenhang mit ausgeprägten psychischen, genetischen und/oder weiteren Umweltbelastungen kann dieses Risiko deutlich erhöht sein. Als Beispiele sind Berufein Laboratorien, in der chemischen Industrie, in der Fotoentwicklung, in Tankstellen und chemischen Reinigungsbetrieben, im Friseurhandwerk, in Lackierbetrieben und im konventionellen Land- und Weinbau zu nennen. Tumorerkrankten aus den aufgeführten Risikogruppen ist anzuraten, sich einer umweltmedizinischen Diagnostik unterziehen. Weiterführende Informationen bekommen Sie über die interdisziplinäre Gesellschaft für Umweltmedizin (IGUMED)


Chemotherapie

Schleimhautschäden durch Chemotherapie

Infolge der Chemotherapie sind meine Schleimhäute sehr angegriffen, besonders betroffen ist meine Mundschleimhaut. Haben Sie dazu einen praktischen Tipp für mich?

Schleimhautprobleme im Mund- und Rachenbereich treten recht häufig als Nebenwirkung einer Chemotherapie auf. Erfahrungsgemäß ist es zunächst wichtig, Ihre Ernährung unter die Lupe zu nehmen. Stellen Sie achtsam Speisen und Getränke zusammen, die Ihre Beschwerden nicht noch zusätzlich verstärken. Rohkost oder saures Obst werden eher schlecht vertragen. Auch bei heißen, salzigen oder stark gewürzten Speisen ist Vorsicht angebracht. Am besten, Sie beschränken sich in dieser Phase auf leicht bekömmliche Nahrung, z. B. gedünstetes Obst und Gemüse, fein vermahlene Vollkornprodukte (Dinkel, Hafer), verdünnte und möglichst milchsauer vergorene Säfte, Bio-Geflügel, Tiefseefisch, Kartoffeln als Pell- oder Salzkartoffeln, „bittere“ Kräutertees, kohlensäurearme Mineralwässer. Wenn Ihre Schleimhäute schon sehr angegriffen sind, können Sie übergangsweise auf sanfte Speisen ausweichen, wie etwa Cremesuppen, Kartoffel- oder Karottenpüree, Hafer, Reis oder Leinsamenschleimsuppen sowie Apfelmus. Reichern Sie Ihre Mahlzeiten mit wertvollen Ölen an, z. B. aus Leinsamen, Oliven oder Walnüssen. Tägliche Mundspülungen mit Kamille, Salbei oder speziellen Teemischungen und auch regelmäßiges Ölkauen wirken schon vorbeugend. Ein praktischer Tipp für die Prophylaxe während der Infusion: Lutschen Sie Eiswürfel! Durch die Kälte werden die Schleimhäute schlechter durchblutet und nehmen so weniger Gifte auf. Auch wenn Ihre Beschwerden schon gravierend sind, lohnt es sich, naturheilkundliche Maßnahmen zu ergreifen: Nutzen Sie die oben beschriebenen Mundspülungen. Das homöopathische Komplexmittel Traumeel dient der Schadensbegrenzung und Regeneration. Zink (z. B. Zinkorot 25mg) schützt die Schleimhaut generell. Am besten, Sie kauen die Tabletten. Falls Ihre Speiseröhre und/oder der Magen entzündet sind, können Sie zusätzlich auch Heilerde einnehmen. Bei manchen Patienten hilft schon einer der genannten Tipps, andere brauchen mehrere Maßnahmen. Finden Sie die Kombination, die für Sie passt. Weitere Hinweise lesen Sie in der GfBK-Broschüre Nebenwirkungen aggressiver Therapien - ein Ratgeber bei Chemo- und Strahlentherapien. Wie aussagefähig sind Tumormarker? Vor sieben Jahren wurde bei mir ein Darmtumor entfernt. Er war örtlich begrenzt, sodass laut Arzt keine Nachbehandlung notwendig war. Alle drei Monate werden meine Tumormarker kontrolliert. Einer der Werte (CA 19-9) war bei einer der letzten Untersuchungen erhöht. Nach dem Absetzen meines Cholesterinsenkers befand er sich wieder im Normbereich. Muss ich mir jetzt Sorgen machen? Und wie oft soll ich Ihrer Meinung nach zur Kontrolle? Leicht bekömmliche Nahrung mit wertvollem Öl unterstützt die Schleimhäute. Tumormarker können in vielen Fällen bei der Verlaufsbeurteilung von Krebserkrankungen hilfreich sein. Sie sind aber nur bedingt aussagefähig. Das Auf und Ab der Werte kann sehr verunsichernd wirken. Daher haben wir eine ausführliche Patienten-Information zu dem Thema zusammengestellt: die GfBK-Info Tumormarker. Wenn überhaupt, dann ist bei Ihnen eine halbjährliche bis jährliche Kontrolle sinnvoll. Diese Parameter können meist nur im Verlauf ihrer Entwicklung bewertet werden. Ziemlich eindeutig einem Tumorgeschehen zuzuordnen sind sehr hohe Abweichungen vom Normalwert. Geringe Erhöhungen können viele andere Ursachen haben. Gerade bei dem am häufigsten verwendeten Marker CEA sind sie oft ohne Krankheitswert. Bei Rauchern ist dieser Befund sehr häufig aus der Norm. Auch ein grippaler Infekt, eine simple Erkältung oder eine kürzlich durchgeführte Grippeschutzimpfung sind mögliche Gründe für das meist vorübergehende Ansteigen von Tumormarkern. Leberbelastende Medikamente, zu denen auch die synthetischen Cholesterinhemmer zählen, können sich ebenfalls auf die Tumormarker auswirken und zu falschen Rückschlüssen führen. Übrigens: In der Mehrzahl der Fälle, in denen heute cholesterinsenkende Medikamente von Ärzten verordnet werden, kann der Cholesterinwert durch adäquate diätetische und naturheilkundliche Maßnahmen auch ohne kritische Nebenwirkungen gesenkt werden.

Chemo: Wann weniger mehr ist

Ich frage mich als Brustkrebspatientin, ob nicht auch weniger Chemotherapiezyklen ausreichen. Gibt es hierzu Untersuchungen?

Zur Frage, wie lange eine vorbeugende Chemotherapie dauern soll, gibt es tatsächlich eine aktuelle Untersuchung. Sie wurde 2012 von der Cancer and Leukemia Group B (CALGB 40101) im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht. Betrachtet wurden die Krankheitsverläufe von 3171 Frauen mit operablem Brustkrebs, 90 Prozent von ihnen hatten keinen Lymphknotenbefall. In der Zeit von 2002 bis 2008 erhielten die Patientinnen entweder vier oder sechs Zyklen von vier verschiedenen Chemotherapieprotokollen. Die wichtige Essenz dieser Studie: Weder die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall noch das Gesamtüberleben waren am Ende der Untersuchung (nach durchschnittlich 5,3 Jahren) von der Therapiedauer beeinflusst.
Die Autoren der Studie resümieren daher, dass eine Verlängerung der Chemotherapie von vier auf sechs Zyklen Frauen mit operablem Mammakarzinom und maximal drei positiven Lymphknoten erspart werden kann. Leider haben diese Erkenntnisse bisher nicht dazu geführt, die übliche Behandlung dahingehend zu verändern. Wir möchten den Patienten Mut machen, ihre Therapieentscheidung individuell zu treffen, auch was die Anzahl der Chemozyklen angeht. Schon in 2002 ergab eine Analyse (Colleoni M et al./Brit J Cancer 86), dass bei drei Zyklen und bei sechs Zyklen CMF kein Unterschied im rückfallfreien 5-Jahres-Überleben besteht. Die Gefahr, dass sich therapieresistente Zellen entwickeln, nimmt mit der Dauer der Chemotherapie zu. Mehr Therapie bedeutet also nicht unbedingt mehr Wirksamkeit.

Chemotherapie mit Folgen

Wegen eines hochmalignen Non-Hodgkin-Lymphoms musste ich eine Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzellentransplantation durchführen lassen. Die Therapie hat optimal angeschlagen. Ich befinde mich seit zwei Jahren in einer Vollremission. Leider wird meine Lebensqualität durch ständige, wechselstark ausgeprägte Weichteil- und Gelenkbeschwerden getrübt. Gibt es eine naturheilkundliche Therapieoption als Alternative zu den empfohlenen Schmerzmitteln und Psychopharmaka?

Ihr Körper ist durch die Abbauprodukte der Hochdosis-Chemotherapie belastet, in Ihrem Bindegewebe sind Säuren sozusagen als »Altlasten« deponiert. Von dort aus können sie noch Jahre später vielfältige Beschwerden auslösen. Wir empfehlen Ihnen daher eine Ausleitungstherapie über wenigstens vier, besser acht Wochen und eine langfristige Basentherapie unter fachkundiger therapeutischer Begleitung (Details erfährt Ihr Behandler durch die entsprechenden Therapie-Infos der GfBK). Über die Haut können Schadstoffe z.B. durch Basenbäder, Alka-Wear® (www.p-jentschura.com) oder Fußsohlenpflaster (»Netterumani«) ausgeleitet werden. Wenn Schmerzpunkte tastbar sind, helfen durchwärmende Salben oder ABC-Pflaster bzw. durchblutungsfördernde Öle (z. B. Weleda Arnika-Massageöl). Sie können auch eine ganzheitliche Behandlung im Sinne der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) mit Akupunktur und Kräutermedizin in Betracht ziehen. Jederzeit können Sie gerne den ärztlichen Beratungsdienst der GfBK mit der Fragestellung ansprechen, Terminvereinbarung Tel. 06221-138020.

Palliative Chemotherapie – eher Schaden als Nutzen?

Mein Arzt rät mir dringend zu einer sogenannten palliativen Chemotherapie. Ich habe Krebs mit Leber- und Lungenmetastasen. Was meinen Sie, soll ich mich der Tortur aussetzen?

Eine palliative Chemotherapie wird dann durchgeführt, wenn bereits Metastasen vorliegen. Meistens zielt sie darauf, ein weiteres Wachstum der Metastasen zu verhindern oder – in seltenen Fällen – diese zur Rückbildung zu bringen. Während eine kurative Therapie auf Heilung ausgerichtet ist, will man mit einer palliativen Behandlung die Beschwerden lindern. Das Anliegen von palliativen Maßnahmen, auch schwer kranken Menschen ein Leben in Geborgenheit und Würde zu ermöglichen, spiegelt sich in der Herleitung des Begriffes wieder: Er stammt vom lateinischen pallium (Mantel) oder palliare (umhüllen), also »ummantelnde, umsorgende« Medizin. Unsere Erfahrung ist leider die, dass eine Heilung durch chemotherapeutische Substanzen ab einem gewissen Zeitpunkt sehr unwahrscheinlich ist, auch wenn Schulmediziner das immer wieder in Aussicht stellen. Es ist zu beobachten, dass die Tumorzellen nach der palliativen Chemotherapie meistens sehr schnell wieder zu wachsen anfangen. Ein dauerhafter Erfolg durch Zytostatika ist bei den meisten Patienten mit Metastasen nicht erreichbar.
Eine Chemotherapie am Ende des Lebens bewirkt keine Überlebensverlängerung. Sie erhöht nur die Wahrscheinlichkeit, auf einer Intensivstation zu sterben. Das macht eine Studie aus den USA deutlich (Wright AA/BMJ 2014). Die Forscher wollten untersuchen, welchen Nutzen eine palliative Chemotherapie hat. Dafür wurden die Daten von 386 Krebspatienten ausgewertet, die zwischen 2002 und 2008 in die Studie aufgenommen wurden und in ihrem Verlauf gestorben sind.
56 Prozent der Patienten erhielten eine palliative Chemotherapie, als sie in die Studie aufgenommen wurden. Es wurde ausgewertet, welcher Anteil der Patienten wie viele Wochen vor dem Eintritt des Todes eine Chemotherapie erhielt. Zwei Wochen vorher waren es nur 6,2 Prozent, vier Wochen vorher zwischen 20 und 50 Prozent und acht Wochen vorher sogar 62 Prozent.
Nur 37 Prozent der Patienten mit Chemo hatten mit ihren Ärzten darüber gesprochen, wie sie sich ihr Lebensende wünschen.
Bei Patienten ohne palliative Chemotherapie war das dagegen bei fast jedem Zweiten der Fall. Außerdem starben wesentlich mehr Patienten mit Chemotherapie während des Aufenthaltes auf einer Intensivstation (11 gegenüber 2 Prozent) und weniger zu Hause (47 gegenüber 66 Prozent). Insgesamt ging es den Patienten mit Chemotherapie am Lebensende deutlich schlechter als den Patienten ohne Chemotherapie. So waren in der letzten Lebenswoche bei den Patienten mit Chemotherapie häufiger Wiederbelebungsmaßnahmen, Beatmungen oder beides erforderlich (14 gegenüber 2 Prozent).
Die wichtigste Aussage der Studie betrifft die Überlebenszeit: Patienten mit palliativer Chemotherapie lebten nicht länger als Patienten ohne palliative Chemotherapie!
Daher unser Rat: Entscheiden Sie sich zu einer Chemotherapie nicht aufgrund von Druck seitens der behandelnden Ärzte. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für Ihren Entschluss und suchen Sie sich einen Arzt, der sowohl schulmedizinische als auch naturheilkundliche Methoden einschätzen kann. Idealerweise ist dies ein Mediziner, der Sie begleitet und Ihnen zuhört, der an Ihrem Schicksal Anteil nimmt und authentisch ist. Auch wenn Sie bereits eine palliative Chemotherapie begonnen haben: Sie müssen diese nicht endlos fortführen. Die Wirksamkeit einer Chemotherapie sollte spätestens nach den ersten Behandlungen (meistens zwei bis drei Zyklen) überprüft werden, um sie ggf. zu stoppen, wenn der Tumor nicht darauf anspricht. Jeder Patient hat das Recht, eine Chemotherapie bei zu heftigen oder unerträglichen Nebenwirkungen abzubrechen. Insbesondere bei schwerwiegenden Nebenwirkungen ist fraglich, ob diese in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen der Behandlung stehen. Es gibt hoffnungsvollere Ansätze: Untersuchungen zeigen, dass beispielsweise Zuwendung einen lebensverlängernden Effekt haben kann (Temel J/New England Journal of Medicine 2010).

Chemotherapie zur Vorbeugung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Ich hatte Bauchspeicheldrüsenkrebs und mein Tumor wurde operativ entfernt. Nun hat mir mein Arzt eine adjuvante Chemotherapie nahegelegt. Welchen Nutzen kann ich davon erwarten?

Nach der Operation von Bauchspeicheldrüsenkrebs raten manche Ärzte zu einer vorbeugenden (adjuvanten) Chemotherapie. In den USA wird sogar die Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie durchgeführt. Allerdings haben bisher weder Strahlen noch Zytostatika die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen können: Die Rolle einer adjuvanten Chemotherapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs wird derzeit noch in Studien überprüft. Ihre Wirksamkeit ist nicht eindeutig belegt. Eine aktuelle Studie hat den Nutzen einer adjuvanten Chemotherapie bei 350 Patienten mit Pankreaskarzinom untersucht. Sie hatten zwischen 1998 und 2004 das Zytostatikum Gemcitabine erhalten. Die Langzeitdaten dieser Untersuchung wurden jetzt nach mehr als elf Jahren ausgewertet (Oettle H et al./ JAMA 2013). Demnach war die Erkrankung bis September 2012 bei 87 Prozent der Patienten erneut aufgetreten. In der Gruppe mit Gemcitabine lag die Rezidivrate bei 81 Prozent, in der ohne adjuvante Chemotherapie bei 93 Prozent. Nach zehn Jahren lebten mit der adjuvanten Therapie noch 12,2 Prozent und 7,7 Prozent ohne sie. Die Dauer der Lebenszeitverlängerung betrug allerdings nur 2,6 Monate. Es kann also keine Rede davon sein, dass eine adjuvante Chemotherapie bei Bauch speicheldrüsenkrebs ein Wundermittel sei. Letztendlich kann niemand vorhersagen, welche Patienten von einer adjuvanten Chemotherapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs wirklich profitieren werden. Daher muss man im Einzelfall ganz genau abwägen, ob eine Chemotherapie sinnvoll ist unter Berücksichtigung der individuellen Lebensumstände, zumal auch andere Maßnahmen aus der biologischen Medizin zur Verfügung stehen wie z. B. L-Acetyl-Carnitin, Brokkoliextrakt, Vitamin C-Infusionen und Misteltherapie.

Grapefruit während Chemotherapie

Ich habe gelesen, dass man Grapefruit/Pampelmusen nicht während einer Chemotherapie essen sollte. Stimmt das? Und muss ich dann auch auf Zitronen oder Orangen verzichten?

Bestimmte Bestandteile der Grapefruit oder Pampelmuse (Furanocumarine) hemmen manche Enzyme und führen so zur höheren (und unter Umständen sogar gefährlichen) Konzentrationen von eingenommenen Arzneimitteln im Blut.
Daher ist es in der Tat ungünstig, während einer Behandlung mit Zytostatika diese Früchte oder ihren Saft zu verzehren. Viele Patienten berichten dann von einer schlechteren Verträglichkeit der Therapie. Dieser Effekt tritt schon bei recht kleinen Mengen (ein Glas Saft) ein und hält sogar mehrere Tage an. Bei der Behandlung mit Tamoxifen sollte aus den gleichen Gründen keine Grapefruit bzw. Pampelmuse verzehrt werden. Dieser Wirkstoff wird ebenfalls über bestimmte Enzyme in der Leber verstoffwechselt. Weniger bekannt ist, dass auch falsch gelagerte Sellerieund Pastinakenknollen in beträchtlichen Mengen Furanocumarine enthalten, die gefährliche Wechselwirkungen mit bestimmten Arzneimitteln auslösen können. Dies gilt ebenso für einige andere Früchte, wie z. B. für die Seville Orange, aber nicht für die bei uns übliche Apfelsine/Orange. Fazit: Nur selten wird im Rahmen der onkologischen Therapie auf mögliche Wechselwirkungen mit sogenannten Sekundärmetaboliten aus unserer Nahrung hingewiesen. Die interessante Frage, ob durch die hervorgerufene Konzentrationserhöhung des eingenommenen Arzneimittels bei Grapefruitverzehr eine niedrigere Einnahmedosis möglich sein könnte, ist bisher leider noch gar nicht untersucht worden. Was man aber weiß, ist zum Beispiel, dass Frauen ihr Brustkrebsrisiko senken können, indem sie täglich mindestens 75 g Zitrusfrucht oder -saft (am besten Orangen) zu sich nehmen. Besonders die Kerne und das Fruchtfleisch sind reich an Limoiden. Diese bewirken das Abtöten von Brustkrebszellen.

Durchfall während Chemotherapie

Ich bekomme eine Chemotherapie und habe ständig Duchfälle. Was kann ich dagegen tun?

Durch die Zytostatika werden auch gesunde Darmzellen geschädigt. Das kann zu Verdauungsstörungen führen. Manchmal wechseln sich Durchfälle und Verstopfungen ab. Auch bei Bestrahlungen des Bauchraums treten häufig anhaltende Durchfälle auf.
Die Behandlung mit LC-Extrakt vermindert nachweislich Durchfälle während einer hochdosierten Chemo- oder nach einer Strahlentherapie. Selen in hohen Dosen wird zur Linderung der Nebenwirkungen schon während der Chemo oder Bestrahlung eingenommen. Es vermindert die durch freie Radikale entstehenden Entzündungen der Darmschleimhaut. Milchsauer vergorene Lebensmittel beeinflussen das Darmmilieu günstig. Daher hat es sich bewährt, sie schon vor dem Auftreten der Nebenwirkungen vorbeugend zu verzehren. Geeignet sind Sauerkraut, milchsauer eingelegtes Gemüse, Joghurt, Sauermilch, Kefir, fermentiertes Getreide und Kanne-Brottrunk. Bitte beachten Sie bei allen Ernährungstipps stets die individuelle Verträglichkeit.
Treten dennoch Durchfälle auf, ist es ratsam, nur fettarme Milchprodukte und diese eher sparsam zu verzehren, z. B. Quark, Joghurt, Magerkäse, Buttermilch oder abgekochte Magermilch. Bevorzugen Sie Bananen, Apfelmus oder geriebene Äpfel sowie Heidelbeeren als ungesüßtes Mus oder als getrocknete Beeren. Essen Sie leichte, blähungsfreie, fettarme, ballaststoffarme Gerichte und viele kleine Mahlzeiten. Cremesuppen aus verschiedenen Gemüsen oder gedünstetes Gemüse mit Kartoffeln oder Kartoffelmus werden meistens sehr gut vertragen. Heilerde entgiftet und stopft übrigens auf natürliche Weise.
Bitte trinken Sie reichlich, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Bevorzugen Sie dabei stilles Wasser, Kamillen-, Fenchel- oder Leinsamentee.
Bei sehr starken Durchfällen ist es ratsam, den Getränken etwas Salz hinzuzufügen. Eher schlecht vertragen werden gebratene und fettreiche Speisen, Vollkornbrot, Nüsse, rohes Gemüse und rohes Obst (außer Äpfeln) sowie starke Gewürze, Süßigkeiten, Alkohol, Kaffee oder Chips.
Falls die Beschwerden sechs bis acht Wochen nach der Chemotherapie weiterhin bestehen, empfehlen wir eine Diagnostik der Darmflora durch eine mikrobiologische Untersuchung. Je nach Befund kann das gesunde Milieu dann gezielt mit bestimmten Präparaten wieder aufgebaut werden (Mikrobiologische Therapie, Symbioselenkung). Weitere Informationen erhalten Sie auch in unserer GfBK-Info Darmregulation.

Ginseng

Meine Frau erhält eine Chemotherapie und möchte zur Stärkung Ginseng-Kapseln einnehmen. Nun haben wir gehört, dass dies während einer Chemotherapie nicht sinnvoll sei. Was genau ist Ginseng und wie sollte er verwendet werden?

Die getrockneten Wurzeln des Ginseng werden in der traditionellen asiatischen Medizin zur Behandlung unterschiedlicher Erkrankungen eingesetzt. Die meisten Studien zu Ginseng stammen daher aus dem asiatischen Raum. In Laborstudien aktivierte Ginseng die Immunzellen. Verschiedene Ginsengextrakte sind Laborexperimenten zufolge in der Lage, das Wachstum von Tumorzellen zu verhindern und zu einem Absterben von Tumorzellen zu führen. Allerdings gibt es erst eine Studie an operierten Magenkrebspatienten, bei denen durch die Gabe von Ginseng eine verbesserte Überlebenszeit und eine schnellere Wiederherstellung der Abwehrlage erreicht wurden.

Ginseng weist östrogenähnliche Wirkungen auf, weshalb die Einnahme für Patientinnen mit Brustkrebs oder anderen hormonabhängigen Tumoren eher nicht empfehlenswert ist. Ginsengpräparate sollten insbesondere bei Brustkrebspatientinnen nur unter gewissenhafter Abwägung dieser Aspekte eingesetzt werden. Auch die möglichen Nebenwirkungen von Ginseng müssen bedacht werden. Dies sind zum Beispiel eine erhöhte Herzfrequenz, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Unruhe, Hautausschläge und allergische Reaktionen. Wird parallel Koffein zugeführt, kann Ginseng vermehrt zu Schlafstörungen und Nervosität führen.

Außerdem sind Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten möglich. So wurde eine erhöhte Blutungsneigung bei gleichzeitiger Therapie mit Blutgerinnungshemmern wie Cumarin oder ASS beschrieben. Bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter Antidepressiva (MAO-Hemmer) können Kopfschmerzen, neurologische Erscheinungen (Tremor) und ernst zu nehmende psychische Störungen (manische Episoden) auftreten. Die Wirkung von Antidiabetika, insbesondere Sulfonylharnstoffen und Insulin, kann verstärkt werden, so dass Unterzuckerungen möglich sind. Der Serumspiegel des Herzmittels Digoxin kann ansteigen und zu gefährlichen Überdosierungen führen. Wegen der möglichen Neben- und Wechselwirkungen halten wir es für sinnvoll, in jedem Fall vor der Einnahme einen Arzt zu befragen. Von einer Eigenmedikation mit Präparaten aus dem Drogeriemarkt raten wir entschieden ab.

Haarausfall infolge Chemotherapie – was tun?

Durch die Chemotherapie sind mir leider die Haare ausgegangen. Leider wachsen Sie nur sehr spärlich nach. Diese belastet mich psychisch sehr. Was kann ich machen, um das Haarwachstum wieder anzuregen?

Die bei einer Chemotherapie eingesetzten Zellgifte („Zytostatika") gelangen über den Blutkreislauf in den gesamten Organismus. Daher machen sich die Nebenwirkungen einer Chemotherapie immer auch „systemisch" bemerkbar, d. h. sie erfassen den ganzen Körper. Eine sehr häufige Nebenwirkung ist dabei die Schädigung der Haarwurzelzellen, was in vielen Fällen zum vorübergehenden totalen Haarausfall führt. Nach Abschluss der Chemotherapie kann die Regeneration der Haarwurzelzellen und damit das "neue" Haarwachstum durch spezielle biologische Therapieverfahren begünstigt und beschleunigt werden. Dazu gehören eine "Ausleitungstherapie" für eine Dauer von ca. 4 Wochen, die Einnahme von „aktiviertem Bockshornklee" (3 x 1 Kapsel über 1 – 2 Monate – erhältlich in Apotheken unter der Pharma-Zentral-Nummer = PZN 6889061) bzw. die Einnahme von Mineralstoffpräparaten mit dem Wirkstoff Biotin. Alle genannten Empfehlungen können gleichzeitig oder parallel durchgeführt werden, um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen.
Wir möchten allerdings davor warnen, dass zuviel Hoffnung in diese Präparate gesetzt wird, da sich die Haarwurzelzellen nur langsam regenerieren können. Misserfolge bleiben daher nicht aus; und nicht jeder Patient spricht in gleicher Weise auf die oben beschriebenen Maßnahmen an. Daher hilft meist nur: ausprobieren, was individuell hilfreich ist und zunächst ein Wirkprinzip bevorzugen. Bei der Pflege der "neuen" Haare sollte man übrigens darauf achten, diese zukünftig weder künstlich zu färben noch zu tönen. Denn dabei gelangt eine Fülle von Chemikalien über die Haarwurzelzellen in den Organismus, die immunsystem- und gesundheitsbelastend wirken. Aus den gleichen Gründen sind als Shampoo Präparate z. B. der Firmen Weleda, Wala oder Tautropfen bevorzugen. Weitere, empfehlenswerte Haarshampoo bzw. Haarkuren sind von Thymu-Skin in Apotheken erhältlich.
Download GfBK-Kurzinfo "Haut-, Haar- und Mundpflege bei Tumorerkrankungen".

Magenprobleme / Sodbrennen

Ich habe seit der Chemotherapie Probleme mit dem Magen. Was kann ich naturheilkundlich gegen mein Sodbrennen tun?

Magenprobleme äußern sich meistens mit den typischen Symptomen von Sodbrennen. Viele Patienten berichten zumindest vorübergehend von diesen Beschwerden (Brennen hinter dem Brustbein, saures Aufstoßen) während einer Chemotherapie.

Bitte informieren Sie auf jeden Fall zunächst den behandelnden Arzt. Bei chronischen Beschwerden wird er eine Untersuchung veranlassen, mit der festgestellt wird, ob eine Infektion der Magenschleimhaut mit dem Helicobacter-Bakterium als Ursache infrage kommt. In diesen Fällen können eine gezielte Antibiotika-Therapie oder auch naturheilkundliche Maßnahmen weiterhelfen. Letztere sind zum Beispiel der Verzehr von Weißkohl(-saft), Knoblauch und Zistrosentee. Außerdem hilft hier wie bei allen anderen Magenbeschwerden das Trinken von milchsauer vergorenen Säften (z. B. Sauerkrautsaft, Weißkohlsaft), bzw. eine Kur über drei Monate mit Kanne Brottrunk oder Rechtsregulat.

Abgeklärt werden sollte auch, ob den Beschwerden eine Unterproduktion von Magensäure zugrunde liegt. Der Test ist einfach: Essen Sie einen Apfel oder trinken Sie frisch gepressten Zitronensaft bzw. Sauerkrautsaft. Werden die Beschwerden dadurch besser, so liegt eher ein Magensäuremangel vor. Bei vielen Patienten wird dieser ausgelöst oder verstärkt durch Medikamente, die die Magensäureproduktion eindämmen (Antazida). Fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie solche Mittel einnehmen.

Vielen Patienten hilft die Einnahme von Basenmitteln auf organischer Citratbasis (z. B. Dr. Jacobs Basenpulver), um leichtem Sodbrennen entgegenzuwirken, da häufig durch unsere Ernährungsweise die Puffersysteme des Organismus erschöpft sind, so dass eine chronische Übersäuerung des Gewebes auch zu einer Übersäuerung des Magens führen kann.

Ein bewährtes Hausmittel ist die Einnahme von Heilerde, die überschüssige Säure und andere schädliche Stoffe binden kann. Liegt eine Nahrungsmittelunverträglichkeit vor, denken Sie auch an den Einsatz von Klinoptilolith-Zeolithen (z. B. Toxaprevent).

Außerdem ist es wichtig, ausreichend zu kauen und nicht zu viel auf einmal zu essen. Insbesondere frittierte oder geröstete Nahrungsmittel und Fertigprodukte können Sodbrennen auslösen. Dies gilt ebenso für fettiges, stark gewürztes Fleisch, süße Backwaren, Kaffee und Alkohol. Besonders abends kann eine Kombination dieser Nahrungsmittel heftige Probleme mit dem Magen auslösen. Halten Sie sich daher bei Magenbeschwerden eher an die Regel: Esse morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettler.

Um die Ernährung langfristig umzustellen, eignet sich insbesondere der Verzehr von grünen Smoothies, um wichtige Nährstoffe zuzuführen, ein gutes Darmmilieu zu schaffen und die Verdauung durch den höheren Rohkostanteil nicht zusätzlich zu belasten. Essen Sie außerdem mehr gedämpftes Gemüse mit Kräutern. Als Beilagen eignen sich neben Bio-Fleisch hervorragend Kartoffeln, Hirse oder Quinoa.

Und nehmen Sie sich bitte Zeit zum Essen. Seien Sie achtsam mit sich und genießen Sie die Ruhe schon bei der Vorbereitung der Speisen. Vielleicht hilft eine Visualisierungs-Übung, indem Sie sich beispielsweise vorstellen, wie die Mahlzeit sonnengelb leuchtet und wie dieses Leuchten nach dem Essen auch ihren Körper angenehm erfüllt.

Chemotherapie individuell abwägen

Ich habe Brustkrebs ohne Lymphknotenbefall und stehe nun vor der Entscheidung, vorsorglich eine adjuvante Chemotherapie machen zu lassen. Allerdings stehe ich einer Chemotherapie eher ablehnend gegenüber, da ich gehört habe, dass diese nicht sehr viel bringen soll. Was können Sie mir diesbezüglich raten? 

Die Entscheidung darüber, ob bei kleinen und mittelgroßen Tumoren ohne Befall der Lymphknoten (sog. mittleres Risiko) im Anschluss an die Operation eine Chemotherapie durchgeführt werden soll oder nicht, muss heute nicht mehr aus dem Bauch heraus getroffen werden. Bei Frauen nach den Wechseljahren mit positiven Hormonrezeptoren genügt oft eine Antihormontherapie. Andere Schätzungen gehen dahin, dass in dieser großen heterogenen Gruppe nur rund die Hälfte der Patientinnen eine Chemotherapie benötigt.
Inzwischen gibt es neue Prognoseparameter, die eingesetzt werden können, um das individuelle Risiko besser abschätzen zu können. Mit dem so genannten uPA/PAI-1 Test oder anderen Testverfahren (wie z.B. „MammaPrint", „Oncotype") ist es möglich, vorab festzustellen, wie hoch das Risiko ist, dass der Tumor Metastasen bildet, ob also eine Chemotherapie notwendig ist oder nicht. Diese Tests sind in Studien bislang jedoch nur bei kleinen und
mittelgroßen Tumoren ohne Lymphknotenbefall geprüft worden. Wenn beispielsweise bei negativem Lymphknotenbefall, negativem HER2-Rezeptor und G2-Tumor ein niedriger uPA/PAI-1 (uPA<3 ng/mg und PAI-1<14 ng/mg) festgestellt wurde, dann lebten auch ohne Chemotherapie nach zehn Jahren noch fast 90 % der Patientinnen (Harbeck N/European Journal of Cancer 2013). Auch ein niedriger Oncotype-Recurrence-Score (RS < 18) bedeutet, dass die Patientin auf eine Chemotherapie verzichten könnte. Ob diese Tests auch bei Tumoren größer als 2 cm oder positivem Lymphknotenbefall eine zuverlässige Aussage über das Rückfallrisiko treffen können, müssen weitere Studien klären.
Auch die Durchführung eines Chemosensitivitäts- bzw. Chemoresistenztests in speziellen Laboratorien kann hilfreich sein (siehe GfBK-Info Wirksamkeitstest).
Wichtig ist unserer Ansicht nach auch vor allem eines: Die Entscheidung zu einer Chemotherapie sollte nicht auf Grund von Druck seitens der Ärzte erfolgen. Bis zu Beginn der Chemotherapie ist genügend Zeit, um eigene Wege im Umgang mit der Erkrankung zu finden und um Maßnahmen zu ergreifen, die das Immunsystem stärken helfen. So hat eine dänische Studie gezeigt, dass ein früher Beginn der Chemotherapie innerhalb der ersten drei Wochen nach der Operation keinen Überlebensvorteil für die Patientinnen bedeutet (Cold S/Brit J Cancer 2005). Am besten soll diese Entscheidung mit einem zweiten Arzt, der sowohl schulmedizinische als auch immunbiologische Therapieverfahren kennt und einschätzen kann, besprochen werden.
Lesen Sie zu dem Thema auch unser neues Infoblatt: "Chemotherapie eine Entscheidungshilfe".

Herzschutz mit Coenzym Q10

Ich bin Brustkrebspatientin und mir wurde von meiner Therapeutinvor allem während der anstehenden Chemotherapie Coenzym Q10 empfohlen. Was wissen Sie darüber?

Coenzym Q10 ist eine vitaminähnliche Substanz, die an allen energieliefernden Prozessen im Organismus beteiligt ist. In jeder menschlichen Zelle wird die Energie aus der Nahrung in körpereigene Energie (ATP) umgewandelt. Coenzym Q10 ist als Coenzym an dieser Umwandlung beteiligt, über die 95 % der gesamten Körperenergie erzeugt wird. Die Organe mit dem höchsten Energiebedarf - wie Herz, Lunge und Leber - weisen deshalb auch die höchste Q10-Konzentration auf.
Coenzym Q10 wird zum Teil über die Nahrung aufgenommen, aber auch im Körper selbst produziert. Allerdings nimmt die körpereigene Q10-Synthese ab dem mittleren Alter immer weiter ab, sodass die Q10-Zufuhr gerade dann empfehlenswert ist. Auch bei einem erhöhten Anfall an Freien Radikalen oder unter herzschädigender Chemotherapie ist eine ergänzende Q10-Zufuhr bei Krebspatienten anzustreben.
Hier werden insbesondere bei Brustkrebspatientinnen unter Herceptin-Therapie und während einer Therapie mit Anthrazyklinen (Wirkstoffe der Chemotherapie) hoch dosiert Coenzym Q10 mit 300 mg täglich in Kombination mit L-Carnitin mit 2-3 g (Einnahme 3 bis 4 Stunden vor der Chemotherapie) während der Dauer der gesamten Chemotherapie empfohlen.

Übelkeit während Chemotherapie

Ich bekomme eine Chemotherapie, die mich sehr schwächt, da ich darunter starke Übelkeit habe. Was kann ich naturheilkundlich dagegen tun? 

Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen sind häufige Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Die Ursache ist weniger eine Reizung von Magen oder Darm durch die Präparate, sondern eine Aktivierung des Brechzentrums im Gehirn. Zusätzlich werden bestimmte Darmzellen geschädigt, die dann einen Stoff (Serotonin) freisetzen, der über den Vagus-Nerv ebenfalls das Brechzentrum stimuliert. Die Beschwerden reichen von Übelkeit und Brechreiz bis zum Erbrechen. Meist beginnen sie ein bis vier Stunden nach der Medikamentengabe.
Das Erbrechen kann stunden- und tagelang anhalten. Oftmals löst schon die Angst davor einen Brechreiz aus. Auch kann sich ein Brechreflex ausbilden. Das Erbrechen wird mit bestimmten, vorher gegessenen Lebensmitteln in Verbindung gebracht. Dann genügen der Geruch oder der Anblick dieser Lebensmittel, um die Übelkeit auszulösen. Deshalb sollten vor der Therapie keine »Lieblingsspeisen« gegessen werden, um sich nicht den Appetit darauf für längere Zeit zu verderben. Für die Behandlung von Erbrechen (Emesis) gibt es einen Stufenplan. Je nach Schwere der Beschwerden werden schwache bis starke Medikamente verordnet, meist als Kombination von einem Sedativum (Beruhigungsmittel) und einem Antiemetikum (Antibrechmittel). Die Präparate können in vielen Fällen gut helfen. In leichteren Fällen genügen oft Baldrian, Hopfen oder andere pflanzliche Beruhigungsmittel sowie Homöopathika. Folgende homöopathische Einzelmittel können symptomatisch dem Erbrechen entgegenwirken: Tabaccum C 30 oder Nux vomica C 30 mehrmals täglich 3–4 Globuli. Auch eine Akupressurtherapie mittels eines Akupressurbandes (www.akupressur-band.de) und eine Akupunkturbehandlung können helfen. Viele Patienten berichten auch über die positiven Effekte von Ingwer als Tee oder Ayurveda-Ingwer-Wasser. Inzwischen gibt es Ingwer auch als Kapseln (zum Beispiel Zintona®). Ein für jeden wirksames Rezept gegen Übelkeit gibt es leider nicht. Bei schwerem Erbrechen oder Durchfall müssen in Absprache mit dem Arzt Elektrolyte (Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine) zugeführt werden. Außerdem ist es wichtig, die Beschwerden rechtzeitig dem behandelnden Arzt mitzuteilen, damit dieser eventuell die Dosis der Antibrechmittel vor der Chemoinfusion erhöhen oder andere stärker wirksame Präparate verordnen kann. Nach der Chemotherapie helfen folgende Ernährungsmaßnahmen weiter: Nur eine kleine, leicht verdauliche Mahlzeit einnehmen. Fette, salzige oder stark gewürzte Nahrung meiden, ebenso starke Essensgerüche. Den Tag über sehr viel trinken, um die Ausscheidung der Zytostatika zu beschleunigen (etwa 2 bis 2,5 l Flüssigkeit). Nach dem Essen hinlegen und ruhen, dabei den Kopf deutlich höher legen als die Beine. Viel an die frische Luft gehen. Entspannungsübungen anwenden.
Zu schlafen versuchen, eventuell auch mithilfe eines natürlichen Schlafmittels, z. B. Valeriana ® Heel oder Avena Sativa Comp®.

Mistel während Chemotherapie

Ich möchte gerne während der Chemotherapie eine Misteltherapie durchführen. Nun hat mir mein behandelnder Arzt gesagt, dass ich dies besser nicht tun sollte, da dies das Tumorwachstum fördern könnte? Wie ist Ihre Meinung dazu?

Eine Misteltherapie kann und sollte wenn möglich während einer Chemotherapie eingesetzt werden, um die Verträglichkeit der Chemotherapie zu verbessern und das Abwehrsystem zu stärken. Dabei ist es wichtig, niedrig dosiert zu beginnen und langsam die Dosis zu steigern. Bei richtiger Handhabung sind Nebenwirkungen relativ selten. Außerdem sollte die Einleitung einer Misteltherapie möglichst frühzeitig, am besten noch vor Beginn der Chemotherapie begonnen werden.
Die Aussagen zur Misteltherapie und möglichen krebsfördernden Eigenschaften beziehen sich vor allem auf einzelne Laborversuche, in denen die Versuchsanordnung nicht unumstritten war. Am wichtigsten sind in diesem Zusammenhang jedoch nicht Laborversuche, sondern das Vorliegen von mehr als 100 veröffentlichten klinischen, d.h. am Menschen durchgeführten Studien, die einen tumorwachstumsfördernden Effekt nie nachgewiesen haben und außerdem zeigen konnten, dass eine Misteltherapie während Chemotherapie die Nebenwirkungen reduzieren und die Lebensqualität verbessern hilft (Kienle GS, Kiene H/Eur J Med Res 2007). Unter der Misteltherapie verbesserten sich in diesen Studien vor allem die unter Chemotherapie sehr belastenden Nebenwirkungen wie Müdigkeit (Fatigue), Depression, Angst, Schmerzen und Übelkeit/Erbrechen, sowie teilweise auch der Abfall der weissen Blutkörperchen (Leukopenie).
Weitere begleitende Maßnahmen während Chemotherapie sind z. B. Ernährungsmaßnahmen, Nahrungsergänzung mit Vitaminen und Spurenelementen, die Gabe von Enzymen sowie gezielte Maßnahmen im Sinne einer Ausleitung und Entgiftung. Informationen hierüber erhalten Sie jederzeit gern bei der GfBK.

Heilerde zur Unterstützung des Darmes?

In unserer Frauenselbsthilfegruppe schwören einige Mitglieder auf die regelmäßige Anwendung von Heilerde, da viele Frauen über Sodbrennen als Folge der Chemotherapie klagen. Ist die Einnahme von Heilerde nicht gefährlich oder schädlich? Da ich mich ein wenig davor ekle, bitte ich Sie auch, auf Alternativen hinzuweisen. 

Aus ethnologischen Untersuchungen ist bekannt, dass sog. primitive Völker auch heute tonhaltige Heilerden bei bestimmten Erkrankungen konsumieren. Im griechisch-römischen Altertum war die Produktion von Säure bindenden Mineraliengemischen Teil des medizinischen Wissens.
Dass spezielle Mineralpulver, zu denen auch Heilerde zählt, tatsächlich Sodbrennen lindern können, zeigen wiederholt durchgeführte Untersuchungen. Untersucht wurde beispielsweise die Säurebindungskapazität eines Heilerde-Pulver Herstellers. Die Säurebindungskapazität beziffert die Fähigkeit eines Antazidums (eine die Magensäure ausgleichende Substanz), Säure im Magen zu neutralisieren bzw. zu binden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) empfiehlt in einem Monographie-Entwurf der B-Kommission die Säurebindungskapazität von 25 mVal für eine Einzeldosis eines säureblockierenden Arzneimittels. Dieser Wert kann schon mit einem Teelöffel, also ungefähr 6,5 Gramm des oben erwähnten Produktes erreicht werden. Wenn Ihnen die direkte Einnahme nicht so zusagt, können Sie Heilerde auch in Kapselform in der Apotheke bekommen. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.luvos.de.
Eine andere Alternative aus der Naturheilkunde bei Sodbrennen wäre Kartoffelsaft aus rohen Knollen, der selbst hergestellt werden kann oder der als Frischpflanzen-Pressaft mit arzneilicher Zulassung in Reformhäusern oder Apotheken erhältlich ist.
Natürlich muss in diesem Zusammenhang auch grundsätzlich die Ernährung angesprochen werden und es ist darauf hinzuweisen, dass der Verzehr von basisch wirkenden Lebensmitteln mit einem hohen Gehalt an säurebindenden Mineralstoffen und Spurenelementen wie Gemüse, Kartoffeln, Obst und Nüssen wesentlich zur Entsäuerung beitragen kann. Erwähnt werden sollen in diesem Zusammenhang auch die Chufas-Nüssli. Dabei handelt es sich um eine Erdknolle der Sorte Cyperus esculentes - die Knollen schmecken ähnlich wie Haselnüsse oder natursüße Mandeln. Sie werden deshalb auch als Erdmandeln bezeichnet, feinflockig durch ein Spezialverfahren hergestellt und eignen sich hervorragend im Müsli, zu Joghurt, Rohkost, zum Kochen und Backen.

Regionale Chemotherapie?

Bei meiner Mutter wurde dieses Jahr ein nicht kleinzelliger Lungenkrebs diagnostiziert. Sie wird jetzt in einer Studie mit einer Chemotherapie behandelt. Der Tumor ist mittlerweile 1 cm kleiner geworden, die befallenen Lymphknoten auch. Ihr Allgemeinzustand ist allerdings aufgrund der Nebenwirkungen im Laufe der Chemotherapie immer schlechter geworden. Wir suchen nun eine Alternative zur derzeitigen Chemotherapie und haben schon von sehr viel von der so genannten regionalen Chemotherapie gehört. Wäre das eine Möglichkeit?

Im Unterschied zu der allgemein üblichen Applikation der Chemotherapie in eine Vene (intravenös), bei der die Substanzen gleichmäßig im gesamten Organismus (systemisch) verteilt werden, gibt es die Möglichkeit, Chemotherapeutika nur dort zu verabreichen, wo sie wirken sollen. Diese lokal begrenzte Applikation wird als regionale Chemotherapie bezeichnet. Die regionale Chemotherapie ermöglicht eine erhöhte Wirkung von Zytostatika auf den Tumor bei einer gleichzeitigen Minderung der Nebenwirkungen auf den gesamten Organismus. Vermeiden lassen sich Schäden am Blutbild, Schleimhautentzündungen und Haarausfall. Sinnvoll ist diese Methode vor allem dann, wenn der Tumor lokal begrenzt ist und sich noch keine Metastasen im Körper gebildet haben. Die regionale Chemotherapie kann dadurch erfolgen, dass Substanzen direkt in den Tumor eingebracht werden, dass Substanzen in vom Krebs befallene Hohlorgane (wie z.B. die Blase) gegeben werden oder dass Substanzen selektiv über die das Krebsgewebe versorgende Arterien mittels eines Kathetersystems verabreicht werden (wie z.B. bei Lebermetastasen). Häufig werden dabei Mittel eingesetzt, die zu einer -zeitlich begrenzten- Verstopfung (Embolisation) der Adern führen. Dieses Verfahren wird dann Chemoembolisation genannt. Besonders gute Erfolgsaussichten bestehen bei Leberkrebs oder bei Krebs des Bindegewebes an Armen und Beinen. Begrenzte Erfolge wurden beobachtet bei Krebs im Beckenraum, aber auch bei Krebs der Bauchspeicheldrüse, bei Brustkrebs, bei Tumoren im Hals/Kopfbereich und bei Lungenmetastasen. Die Behandlung verlangt einen Klinikaufenthalt von ungefähr einer Woche. Wegen der Anlage eines Katheters ist die Behandlung technisch aufwendig und wird von den Patienten als unterschiedlich belastend empfunden. Die regionale Chemotherapie wird inzwischen auch in einigen schulmedizinischen Kliniken durchgeführt (z.B. Uniklinik Frankfurt /Prof. Vogl, Kliniken Essen-Mitte); auch Prof. Dr. Aigner in Burghausen (www.prof-aigner.de) und Dr. Müller in Würzburg (www.surgicaloncology.de) sind auf diese Behandlung spezialisiert.

Individuelle Entscheidung

Bei der Fernsehsendung "Menschen bei Maischberger" im Rahmen der Themenwoche Krebs der ARD Anfang April habe ich als betroffener Patient bei den Aussagen Ihres ärztlichen Direktors Herr Dr. Irmey eine eindeutige Stellungnahme gegen die Chemotherapie vermisst. Nach meiner Meinung wird durch diese Behandlung zu vielen meiner Mitpatientinnen und Mitpatienten Schaden zugefügt, sie leiden sehr unter der Therapie und der Nutzen ist äußerst fraglich. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Zunächst gilt es festzustellen, dass es Krankheitsbilder wie beispielsweise kindliche Tumore, Tumore des Bindegewebes, Hodenkrebs und einige Blutkrebsarten gibt, bei denen eine Chemotherapie mit Sicherheit gute Erfolge aufweist und trotz heftiger Nebenwirkungen sinnvoll ist. Wie schon Dr. Irmey in der Sendung ausgeführt hat, ist die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie in vielen Situationen sehr individuell zu sehen. Ohne Zweifel gibt es in der Medizin gerade im Zusammenhang mit der Chemotherapie von Krebserkrankungen in fortgeschrittenem Stadium viele zweifelhafte Studien bis hin zu offensichtlichen Fälschungen von Studienergebnissen. Chemotherapien werden heute in vielen Fällen als Standardtherapie eingesetzt. Und dies obwohl ihre Wirksamkeit keineswegs so gut durch Studien belegt ist, wie es den Patienten oftmals suggeriert wird. Daher sollte jeder Betroffene ausführlich und ganz eindeutig über Vor- und Nachteile einer Chemotherapie aufgeklärt werden. Wichtig ist auch der Hinweis auf mögliche Wirksamkeitstests der Chemotherapie (siehe entsprechendes GfBK- Infoblatt). Diese Aufklärung geschieht jedoch nur selten. Eher werden Patienten und deren Angehörige mit fragwürdigen statistischen Argumenten unter Druck gesetzt, eine Chemotherapie durchzuführen. Einer Umsatzsteigerung chemotherapeutischer Medikamente, der sogenannten Zytostatika von weltweit über 300 % in den letzten zehn Jahren (5,16 Milliarden US-Dollar 1996 versus 16,11 Milliarden US-Dollar 2004) stehen statistisch gesehen nur geringfügige Therapieverbesserungen und leider wenig verbesserte Heilungsaussichten gegenüber. Die Wirksamkeit biologischer Therapien wird häufig vonseiten der konventionellen Medizin dem Placeboeffekt (Scheinwirkung von Medikamenten) zugeordnet. Nachgewiesenermaßen kann dieser Effekt bei 30 bis 40 % aller Menschen - vielleicht sogar noch mehr - wirksam sein. Sogar Scheinoperationen beispielsweise bei Kniegelenkbeschwerden haben ganz ähnliche Wirkung wie tatsächlich durchgeführte. Dieser Effekt wird in der Medizin nur als statistischer Bewertungsmaßstab beachtet  -  unserer Meinung nach drückt er aber die immer mehr nachgewiesene Bedeutung unserer geistigen und seelischen Kräfte aus. Sogar das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" widmet im April einen Leitartikel dem Thema Intuition. Warum soll dieser Placeboeffekt nicht auch für die Chemotherapie in vielleicht sonst aussichtslosen Fällen zutreffen? Wenn das der Fall ist, dann möchte die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr bei solchen Patientinnen und Patienten, die ihre Hoffnung auf die Chemotherapie setzen, diese Hoffnung nicht enttäuschen. Für uns scheint weiterhin am Wichtigsten, dass Patientinnen und Patienten in ihrem Innersten die bei Ihnen angewandten Therapien mittragen und dabei von unserer Seite keine Schwarz-Weiß-Malerei betrieben wird. Daher unterstützt die GfBK mit ihren Möglichkeiten jeden Patienten, ob er sich für oder gegen eine Chemotherapie entscheidet!

Wirksamkeit der Chemo?

Meine Frau verstarb vor einigen Monaten an den Folgen Ihrer Brustkrebs-Erkrankung mit  Lungen- und Lebermetastasen in der Folge. Eine intensive Chemo- und  Strahlentherapie konnten dies trotz der im Vorfeld sehr optimistischen Prognose der behandelnden Klinik nicht verhindern. Seither habe ich viel inbesondere über die Wirkungen  der Chemotherapie recherchiert und dabei sehr ernüchternde Zahlen im Hinblick auf die wirkliche Erhöhung der Heilungschancen gefunden. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Es ist tatsächlich so, dass die Wirkmöglichkeiten der Chemotherapie bei fast allen so genannten soliden Tumoren, zu denen auch die Brustkrebserkrankungen zählen, schon im Ansatz recht eingeschränkt sind. Tumore des blutbildenden Systems wie Lymphome und Leukämien sind selbstverständlich anders zu bewerten!  Die Gründe liegen darin, dass diese Therapien vor allem Tumorzellen erfolgreich angreifen können, die in der Teilungsphase sind. Außerdem können Tumorzellen auf Chemotherapeutika resistent werden. Der Organismus liefert darüber hinaus täglich im Zuge der millionenfachen Zellteilungen reichlich Nachschub an Tumorzellen. Leider suggerieren die Anwender der Chemotherapie  immer wieder auch aus eigener Hilflosigkeit heraus gegenüber Erkrankten und Angehörigen einen zu hohen Effektivitätsgrad dieser Methode. 
Download GfBK-Info "Chemotherapie - eine Entscheidungshilfe"

Chemotherapie vor der OP

Vor ca. vier Wochen wurde bei mir mammographisch ein Brusttumor von etwa 3 cm Größe diagnostiziert. Man rät mir jetzt zu einer Chemotherapie, um den Tumor verkleinern und damit besser Brust erhaltend operieren zu können. Soll ich mich darauf einlassen?

In der konventionellen Medizin zeichnet sich seit einiger Zeit ein neuer Therapietrend bei Brustkrebs (Mamma-Carcinom) ab. Damit auch größere Tumore bei relativ kleinem Brustvolumen noch Brust erhaltend operiert werden können, wird eine Chemotherapie vor der Operation empfohlen bzw. durchgeführt. Wir meinen, dass in jedem Einzelfall eine sorgfältige Abwägung vorgenommen werden sollte, die dabei deutlich mehr als bisher auf die Wünsche der betroffenen Frauen hinsichtlich der Therapieoptionen eingeht. Es kann im Vorfeld natürlich nicht garantiert werden, dass eine Chemotherapie ihr Ziel erreicht. Ob das kosmetische Ergebnis bei Brust erhaltender Vorgabe und kleinem Brustvolumen wirklich zufriedenstellend ist, hängt sehr von der Erfahrung und Geschicklichkeit des Operateurs ab. Daher ist es sinnvoll, beispielsweise über die nächstgelegene Frauenselbsthilfegruppe, Informationen über Ihren Operateur zu erfragen. Die möglichen negativen Summationseffekte einer Chemotherapie vor Operation im Hinblick auf einen weiteren Chemozyklus nach Operation für das Brustdrüsengewebe sind gegenwärtig auch noch wenig erforscht. Daher sollten Sie Ihre Fragen in sich bewegen und mit den Behandlern vor der endgültigen Entscheidung noch einmal sehr eingehend diskutieren, bevor Sie Ihre Zustimmung zu der geplanten Vorgehensweise geben.


Gebärmutterhalskrebs

Scheidenfloraregeneration

Meine Frauenärztin stellt bei mir wiederholte Male einen PAP-IIID-Befund beim Krebsabstrich des Gebärmutterhalses fest. Nun empfiehlt sie eine Konisation. Gibt es nicht auch Alternativen?

Da ein PAP IIID-Abstrich nur einen Krebsverdacht bedeutet, können Sie auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchführen lassen und über ein Regenerationsprogramm zur Stabilisierung der Scheidenflora versuchen, die Muttermundveränderungen positiv zu beeinflussen (Infos hierüber erhalten Sie bei der GfBK).
Die Entstehung einer Zellveränderung am Gebärmutterhals (sog. Zervixdysplasie) wird neben viralen Faktoren durch eine fettreiche Ernährung und langjährige Verwendung der Pille begünstigt. Außerdem haben Raucherinnen ein 3-10mal höheres Risiko als Nichtraucherinnen, eine Zervixdysplasie zu entwickeln, und es wird angenommen, dass eine erhöhte Schwermetallbelastung, z. B. aus Amalgamfüllungen ein begünstigender Faktor sein kann. Ergänzend kann die Einnahme von Vitaminen (Vitamine C, E und Carotin), Spurenelementen (Zink, Selen) sinnvoll sein. Auch eine Umstellung der Ernährung in Richtung basenreich fördert die Heilungskräfte.
Gute Erfahrungen hat Prof. Schulte-Übbing aus München mit der lokalen Anwendung von Vitamin-D als Zäpfchen gemacht. Zu dieser Anwendung hat er auch eine Studie veröffentlicht (Schulte-Übbing C/Dermato-Endocrinology 2014). Die Zäpfchen stellt die Klösterl-Apotheke in München (www.kloesterl-apotheke.de) oder auch jede andere Apotheke her. Dafür muss jedoch ein Rezept ausgestellt werden.
Alternativ kann die Vitamin D- Behandlung auch mittels Vaginal-Tampon erfolgen. Dabei wird empfohlen, dreimal pro Woche abends vor dem Einschlafen 10 Tropfen Vitamin-D (z.B. Bio-D-Mulsion-Trpf. oder Vigantol Tropfen; 1 Tropfen Vigantol enthält ca. 500 I.E. Vitamin D) auf einen in Olivenöl getränkten Tampon zu tropfen, einzuführen und über Nacht einwirken zu lassen. Da Bio-D-Mulsin pro Tropfen nur 400 I.E. Vitamin D enthält, können hier 12 Tropfen auf den Tampon getropft werden.

Gebärmutterhalskrebs und Impfung – Todesfälle?

Meiner Tochter, 14 Jahre alt, wurde eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs empfohlen. Nun habe ich viel Widersprüchliches gehört und hätte gerne gewusst, wie Sie zu dieser Impfung stehen.

Die GfBK ist dieser Impfung gegenüber kritisch eingestellt. Eine 100%ige Sicherheit bietet die Impfung nicht. Denn bei etwa 30-50% der Frauen sind andere, seltenere Typen von HPV für die Infektion verantwortlich. Außerdem irreführend ist, dass diese Impfung häufig als „Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs” bezeichnet wird. Man impft aber nicht gegen Krebs, sondern gegen Viren, die an der Entstehung beteiligt sind. Geimpft wird auch nur gegen 4 Viren, deren Infektion zu Gebärmutterhalskrebs führen kann. Gegen 14 weitere gefährliche HPV-Virustypen schützt diese Impfung überhaupt nicht. Die Impfung wirkt auch nicht vorbeugend, das heißt eine bereits bestehende Infektion kann damit nicht behandelt werden. In Frage kommt diese Impfung somit grundsätzlich nur für junge Menschen, im Idealfall vor dem ersten Geschlechtsverkehr, da die Viren beim Sex übertragen werden. Außerdem sollte man bei der Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs bedenken, dass weitere Risikofaktoren wie fettreiche Ernährung, langjährige Einnahme der Pille und Rauchen das Risiko erhöhen, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken.
Experten kritisieren außerdem, dass der Impfstoff voreilig auf den Markt kam und viel zu teuer ist. Mit bis zu 500 Euro ist die HPV-Impfung hierzulande die mit Abstand teuerste Impfung für Kinder und Jugendliche. In den USA z.B. ist der Impfstoff mit 280 Euro wesentlich günstiger zu haben!
Unser Fazit: Millionen Mädchen lassen sich gegen Gebärmutterhalskrebs auslösende HP-Viren impfen, obwohl die Wirkung der HPV-Impfung begrenzt ist. Außerdem weiß man nicht genau, wie lange der Impfschutz anhält. So sind die Studien maximal vier Jahre gelaufen. Und ob der Schutz danach noch weiter anhält oder ob nachgeimpft werden muss, ist nicht bekannt.
Außerdem schüren zwei aktuelle Todesfälle Zweifel bei einem der beiden Impfstoffe, dem seit Herbst 2006 zugelassenen Gardasil. Ein 17-jähriges Mädchen aus Deutschland starb einen Tag nach der HPV-Impfung, ein 19-jähriges Mädchen aus Österreich drei Wochen, nachdem ihr der Impfstoff verabreicht wurde. Das pharma-unabhängige "arznei-telegramm" sagt dazu: "Man kann nicht sagen, dass die Todesfälle ursächlich bedingt sind, aber man kann auch nicht ausschließen, dass sie nicht durch die Impfung bedingt sind". Deswegen möchten wir Ihnen raten, die Entscheidung individuell abzuwägen. Denn inzwischen betonen auch ärztliche Fachkreise, dass die Impfung die Früherkennung nicht ersetzt und umgekehrt brauchen Frauen, die regelmäßig zur Früherkennung gehen, auch keine Impfung.

Impfung gegen Krebs

Ich bin Mutter einer 17-jährigen Tochter und vor einem Jahr wurde bei mir ein Krebs des Gebärmutterhalses diagnostiziert und die Gebämutter entfernt. Halten Sie bei meiner Tochter die neue Impfung mit Gardisil für sinnvoll?

Zunächst einmal: Geimpft wird gegen eine Infektion, nicht gegen Krebs. Geimpft wird nur gegen 4 Viren, deren Infektion zu Gebärmutterhalskrebs führen kann. Gegen andere ebenfalls auftretende Virusformen wird nicht geimpft, so dass die Impfung nicht 100%ig schützen kann. Jedoch kann sie einen 100%igen Schutz gegen Neuinfektionen vor den sog. humanen Papillomavirustypen 16 und 18 bieten, die in ca. 70 % der Fälle von Gebärmutterhalskrebs vorkommen. Allerdings sind weiterhin regelmäßige Abstrichuntersuchungen im Sinne einer Früherkennung wichtig, da sich die Impfung eben nicht gegen alle krebsauslösenden Viren richtet. Unser Fazit: Die Wirkung der Impfung kann nicht 100%ig vor Krebs schützen, kann aber bei Jugendlichen durchaus empfohlen werden. Es bleibt aber abzuwarten, ob die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut diese Impfung generell empfehlen wird. Davon ist abhängig, ob die Krankenkassen diese als Kassenleistung anbieten. Grundsätzlich sollte bei der Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs beachtet werden, dass die Entstehung neben Viren durch eine fettreiche Ernährung und langjährige Verwendung der Pille begünstigt wird. Außerdem haben Raucherinnen ein 3 - 10-mal höheres Risiko als Nichtraucherinnen, eine Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs zu entwickeln, und es wird angenommen, dass eine erhöhte Schwermetallbelastung, z. B. aus Amalgamfüllungen ein begünstigender Faktor sein kann.

Konisation

Seit Jahren habe ich Probleme mit Zellveränderungen im Gebärmuttermund-Bereich, die bisherigen Behandlungsversuche brachten keinen dauerhaften Erfolg. Da der Befund weiterhin kontrollbedürftig ist, wurde mir bei der letzten Kontrolle eine "operative Sanierung" in Form einer "Konisation" empfohlen. Da ich noch relativ jung bin (35 Jahre) und Kinderwunsch habe, schrecke ich vor diesem Eingriff zurück. Gibt es für mich biologische Therapiemöglichkeiten?

Zervixdysplasien (= atypische Zellveränderungen) im Gebärmuttermundbereich können u. a. über folgende Faktoren begünstigt werden: fettreiche Ernährung tierischen Ursprungs, Rauchen, Einnahme der Pille, Schwermetallbelastungen (Amalgam), häufige Anwendung von Intimsprays, Pilzbelastungen im Bereich des Darmes und der Scheide. Wir raten Ihnen daher die aufgeführten Risikofaktoren zu beachten. Zusätzlich sollten Sie sechs bis acht Wochen lang einen biologischen Therapieversuch mit einem speziellen Scheidenflora-Regenerationsprogramm durchführen. Die Therapie umfasst einige Nosoden (in homöopathischer Verdünnung abgeschwächte Erreger) und ein Milchsäurepräparat als Zäpfchen. Zusätzlich werden Präparate zur Unterstützung der Darmflora gegeben. Das genaue Schema können Sie über die GfBK erhalten. Während der Durchführung sind Vollbäder, Sauna-, Whirl-Pool- und Schwimmbadnutzung zu meiden.


Strahlentherapie

Bestrahlung nicht immer notwendig

Ich möchte wissen, welchen Nutzen eine Strahlentherapie der Brust hat.

Nach einer brusterhaltenden Operation wird zur Rückfallverhütung fast immer eine Bestrahlung durchgeführt. Der Grund: Es lässt sich nicht ausschließen, dass bei der Operation winzige Krebsnester im Brustgewebe übersehen wurden. Diese können zu einem örtlichen Rezidiv (Rückfall) führen. Durch die Bestrahlung wird dieses Risiko um etwa 21,7 Prozent gesenkt. In einer entsprechenden Untersuchung traten ohne Bestrahlung bei 32 Prozent und mit Bestrahlung bei 10,3 Prozent der Betroffenen örtliche Rezidive auf (Clarke M/Lancet 2005). Betrachtet man das Überleben, so senkt eine Bestrahlung das Risiko innerhalb von fünf Jahren zu sterben von 25,2 auf 21,4 Prozent (EBCTCG/Lancet 2011). Eine Bestrahlung verbessert nur dann die Überlebenschancen deutlich, wenn Lymphknoten befallen sind. Aufgrund dieser Zahlen ist es sinnvoll, die individuelle Notwendigkeit einer Bestrahlung zu hinterfragen. Ein wichtiges Argument wird im Rahmen der Therapieentscheidung oft nicht beleuchtet: Mögliche Rezidive sind nach einer Bestrahlung schwerer zu behandeln. In vielen Fällen ist es dann erforderlich, die Brust zu entfernen.
Die Prognosefaktoren für ein Lokalrezidiv sind vielfältig: Das Alter der Patientin, befallene Operationsränder und die mammografische Dichte des  Brustgewebes spielen eine Rolle. Wie dicht das Brustgewebe ist, geht aus dem Mammografiebefund hervor. Schon länger ist bekannt, dass diese Dichte einen Einfluss auf die Brustkrebsentstehung hat. Nun konnte eine Studie zeigen (Tulin C/Cancer 2009), dass auch das Rezidivrisiko von der Dichte abhängt. Ist sie hoch, steigt das Risiko für einen Rückfall nach der Operation – vor allem wenn nicht bestrahlt wurde. Dagegen profitieren Patientinnen mit einer geringen Brustdichte eher wenig von einer Strahlentherapie. Es wäre daher sinnvoll, die Brustdichte zu berücksichtigen, wenn die Entscheidung über eine Strahlentherapie getroffen werden soll.
Dass auf eine Strahlentherapie bei älteren Frauen verzichtet werden kann, belegt eine Studie, die im Jahr 2013 auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium vorgestellt wurde (PRIME-II-Studie).
Untersucht wurden Frauen über 65 Jahren, deren Heilungschancen als sehr hoch eingestuft worden sind. Die Kriterien für diese Einstufung waren: Tumor Östrogenrezeptor-positiv und kleiner als 3 cm sowie brusterhaltende Operation ohne Tumornachweis im Randbereich. Nach fünf Jahren Beobachtungszeit war bei Patientinnen ohne Strahlentherapie nur geringfügig häufiger ein Rezidiv aufgetreten als in der bestrahlten Vergleichsgruppe (4,1 gegenüber 1,3 Prozent). Auf die 5-Jahres-Überlebensrate hatte die Bestrahlung keinen wesentlichen Einfluss (96,4 gegenüber 98,5 Prozent).

Selen während Strahlentherapie?

Ich bin an einem Unterleibstumor operiert und bekomme eine Strahlentherapie im Beckenbereich. Ich wollte eigentlich Selen nehmen, um die Nebenwirkungen ab zu lindern; aber mir ist geraten worden, dies auf keinen Fall während einer Strahlentherapie zu tun, da Selen die Tumorzellen vor der Bestrahlung schützen würde. Was können Sie mir raten?

Die Gabe von Selen während Strahlentherapie ist insofern sinnvoll, als das vierwertige Selen (Se4+) als Radikalfänger im Wesentlichen die gesunden Zellen vor Schädigung schützt: Die während einer Strahlentherapie entstehenden freien Radikale greifen sowohl die Tumorzellen als auch die umliegenden gesunden Zellen an. Während die Tumorzellen aufgrund der Strahlen-Fokussierung auf das befallene Gewebe vollständig zugrunde gehen, werden die Normalzellen je nach Abstand zum Bestrahlungsfeld mehr oder weniger geschädigt. Bei jeder Zellschädigung entstehen jedoch freie Radikale, die sich über das Plasma im Körper verteilen und so sekundär weitere gesunde Zellen angreifen. Das systemisch verabreichte vierwertige Selen (Se4+) fängt die Radikale im Extrazellulärraum ab und schützt so vor sekundärer Zerstörung gesunder Zellen.

Die GfBK gibt zu bedenken, dass es keinerlei Literaturhinweise gibt, die den befürchteten Effekt einer Schutzwirkung von Selen auf Tumorzellen nahe legen. Dagegen existieren zahlreiche Hinweise dafür, dass Tumorzellen anders auf Selen reagieren als gesunde Zellen und dass Tumorzellen durch Selen eher empfindlicher für die Standardtherapie werden, aber auf jeden Fall nicht geschützt werden. So wiesen die Arbeitsgruppe um Prof. Rodemann Dörr (Dresden) et al. nach, dass mit Selenit behandelte Normalgewebszellen bei Bestrahlung eine höhere Überlebensrate aufwiesen als Nichtbehandelte. In Tumorzellen war diese radioprotektive Aktivität hingegen nicht nachweisbar. Ein anderer Versuchsansatz von Prof. Bamberg (Tübingen) zeigte sogar, dass selenitbehandelte Tumorzellen empfindlicher auf Strahlung reagieren (Hehr T/ InFo Onkol 1999). Forscher aus dem Universitätsklinikum Hamburg schließlich konnte nachweisen, dass Selen ebenso wie Amifostin die Wirksamkeit einer Bestrahlung nicht einschränkt (Sagowski C/Onkologie 2004). Außerdem zeigte eine Studie an Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren, dass die Gabe von Selen (500 µg als Natriumselenit) parallel zur Strahlentherapie zu einer Verringerung der Schluckbeschwerden und Schleimhautentzündungen führte (Bruns F/Med Princ Pract 2004). Und eine aktuelle Untersuchung von Dr. Mücke aus Lemgo konnte bei Patientinnen mit Unterleibstumoren nachweisen, dass unter Natriumselenitgabe weniger häufig durch die Bestrahlung bedingte Durchfälle auftraten (Muecke R/International Journal of Radiation Oncology Biology Physics 2010). Im Rahmen diese Studie konnte sogar gezeigt werden, dass die hoch dosierte Selengabe mit 500µg an den Bestrahlungstagen und 300 µg an den bestrahlungsfreien Tagen die Wirksamkeit der Strahlentherapie nicht negativ beeinflusst. So lag die 5-Jahres-Überlebensrate der mit Selen behandelten Frauen sogar leicht über der Überlebensrate der Frauen, die kein Selen erhalten hatten (94,1 gegenüber 86,1 Prozent). Insofern sollte eine zusätzliche Selengabe zur Standard-Begleittherapie während Strahlentherapie gehören.

Bestrahlung Kopf-Hals-Bereich

Ich habe Mundboden-Krebs und werde im Kopf-Hals-Bereich bestrahlt. Die starken Nebenwirkungen, wie Mundschleimhautentzündung, plagen mich sehr. Was kann ich dagegen tun?

Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitiden) treten als Nebenwirkungen einer Chemotherapie auf. Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren sind davon besonders schwer betroffen, da meistens auch noch eine Bestrahlung im Mund-Rachen- Bereich erfolgt. Die Naturheilkunde bietet verschiedene Therapieansätze, um diesen Entzündungen vorzubeugen bzw. sie zu lindern. Besonders bewährt haben sich Salbeispülungen, die lokale Applikation von Traumeel-Ampullen und das Ölkauen (siehe S. 14). Außerdem empfehlen wir Ihnen, vor allem während der Bestrahlung hoch dosiert Selen (300 μg) einzunehmen, am besten als Selenase Trinkampullen. Behalten Sie das Selen vor dem Herunterschlucken einige Sekunden im Mund. Wenn Zinktabletten zerkaut werden können und der Geschmack nicht allzu sehr stört, liegen auch gute Erfahrungen mit Zinkorotat vor – die Tablette zerkauen und mit dem Speichel im Mund wirken lassen. Zusätzlich ist es hilfreich, während der Chemotherapie einen Eiswürfel in den Mund zu nehmen und zu lutschen. Durch die Kälte werden die Schleimhäute schlechter durchblutet und nehmen weniger Gifte auf. Gestalten Sie Ihre Ernährung während der Zeit der Therapie möglichst entlastend. Meiden Sie eher heiße, salzige oder stark gewürzte Speisen; dies gilt auch für saures Obst oder Rohkost. Eine Alternative bieten hier fein gemixte »grüne Smoothies«, die durch deren starke Zerkleinerung während Chemo- und Strahlentherapie besser vertragen werden.
Folgende Nahrungsmittel sind während dieser belastenden Phase empfehlenswert: Obst und Gemüse wertschonend gegart bzw. gedünstet, fein vermahlene Vollkornprodukte (Dinkel, Hafer), Säfte möglichst milchsauer vergoren und verdünnt (z.B. Kanne-Brottrunk®), Bio-Soja-Produkte, Bio-Geflügel, Tiefseefisch, Bio-Öle (Lein-, Olivenöl), Kartoffeln als Pell- oder Salzkartoffeln, „bittere” Kräutertees, kohlensäurearme Mineralwässer, zum Süßen in geringer Menge, z. B. Honig, Ahornsirup, Birnen- bzw. Agavendicksaft. Bei sehr starker Beeinträchtigung der Schleimhäute im Mund-Rachen-Bereich kann es ratsam sein,  vorübergehend auf Cremesuppen, Kartoffel- oder Karottenpüree, Hafer, Reis- oder Leinsamenschleimsuppen sowie Apfelmus auszuweichen. Diese dürfen mit wertvollen Ölen (z. B. Leinöl, Olivenöl, Walnussöl) angereichert werden.
Führen Entzündungen im Mund- oder Rachenraum zu erheblichen Schluckbeschwerden, sodass eine Nahrungsaufnahme kaum mehr möglich ist, besprechen Sie dies bitte mit dem behandelnden Arzt. Um dem Verlust an Körpergewicht entgegenzuwirken, kann eine Ernährung über die Vene notwendig werden. Diese sollte möglichst frühzeitig eingeleitet werden, da Studien zeigen, dass die Therapie schlechter vertragen wird, wenn man währenddessen zu stark abnimmt.
Folgende Präparate wirken lokal in der Mundschleimhaut: Paramirum-Tropfen (Fa. Erbasens), Granaimmun-Tropfen (Dr. Jacobs) und Echinacin-Tabletten (z.B. Esberitox). Echinacin darf erst nach der Chemotherapie gegeben werden, da komplexe Wechselwirkungen über Entgiftungsenzyme der Leber möglich sind. Denkbar ist vor allem, dass Präparate, die direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen werden, auch helfen können, das Rückfallrisiko zu minimieren. Dies gilt vor allem für Patienten mit Zungen(-grund) karzinomen oder Tumoren des Rachenbereichs. Eine solche Therapie lässt sich gut mit der hoch dosierten Einnahme von Enzymen (siehe GfBK-Info Enzyme) kombinieren.

Vitamine während Bestrahlung

In einem Artikel einer Zeitschrift für Krebskranke habe ich gelesen, dass ein renommierter Ernährungsexperte, Herr Prof. Dr. Biesalski  zwar grundsätzlich bei Tumorleiden die Anwendung von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen befürwortet, von der Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen unter Chemo- und Strahlentherapie aber abrät. Gefährde ich den Erfolg meiner Strahlentherapie, wenn ich zusätzlich bei der Behandlung Vitamine einnehme?

Prof. Biesalski empfiehlt in seiner Aussage völlig zu Recht die Einnahme von Antioxidantien (d.h. Vitaminen und Spurenelementen) bei operativen Eingriffen und mit deutlichen Einschränkungen auch bei belastenden Therapien (wie z. B. Strahlentherapie oder Chemotherapie). Auf die Frage nach dem nötigen zeitlichen Abstand antwortet Biesalski allerdings etwas verwirrend: "Patienten dürfen die Ernährung bis unmittelbar vor der Behandlung mit antioxidativen Vitaminen ergänzen. Nach Abschluss einer Bestrahlung darf man sofort wieder beginnen, nach einer Chemotherapie muss man drei Tage warten." Durch Untersuchungen ist bekannt, dass der Bedarf an Antioxidantien während belastender Therapien ansteigt. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass durch Schädigungen der Darmschleimhaut essentielle Nährstoffe nur ungenügend aufgenommen werden können. In Studien an Patienten konnte eine Beeinträchtigung der Wirksamkeit von schulmedizinischen Therapien durch Gabe von Antioxidantien jedoch nicht nachgewiesen werden. Im Gegenteil: Die Gabe von Vitaminen und Spurenelementen reduziert die Nebenwirkungen belastender Therapien, wie z. B. der Schleimhäute. Es gibt sogar Studien, die zeigen, dass z. B. durch die Gabe von Selen gesunde Zellen vor Strahlung geschützt, Tumorzellen hingegen strahlensensibler werden. Insofern können wir der Empfehlung nicht folgen, unter laufender Therapie keine Antioxidanzien einzunehmen. Vorsicht gegeben ist lediglich bei der Einnahme von hochdosierten Gaben von Vitamin B12 (ab 100µg pro Tag) während laufender Chemotherapie, da Vitamin B12 an Zellteilungsprozessen beteiligt ist und dadurch sich schnell teilende Zellen, wie z.B. Blutzellen oder Krebszellen unterstützen kann. In den hier in Deutschland erhältlichen Nahrungsergänzungspräparaten ist Vitamin B12 aber meist nur in niedrigen Dosierungen enthalten. Weitere Ausnahmen: Hochdosierte Vitamin-C-Infusionen sollten erst wieder etwa 48 Stunden nach Chemotherapie gegeben werden. Selen jedoch kann unproblematisch unmittelbar vor der Chemotherapie auch hochdosiert als Infusion verabreicht werden, um die Verträglichkeit einer Chemotherapie zu verbessern und Belastungen zu minimieren. Orale Vitaminkombinationen können jedoch unbedenklich während einer Chemo- oder Strahlentherapie eingenommen werden. Unterstützt werden sollte dies durch eine vitalstoffreiche Ernährung bevorzugt mit Vollkorngetreide und -produkte (nicht zu grob!); Rohkost (in kleinen Mengen); Biogemüse; naturbelassene pflanzliche öle und Fette (insbesondere Olivenöl und Leinöl).

 

Schilddrüsenkrebs

Selen und Schilddrüsenkrebs

Ich habe Schilddrüsenkrebs gehabt, mit Total-OP und Radiojodtherapie. Im Mai muss ich eine weitere Radiojodtherapie machen. Man riet mir nun, Selen als Nahrungsergänzungsmittel zu mir zu nehmen. Eine ärztin für Naturheilkunde riet mir jedoch davon ab, da Selen Bestandteil des Schilddrüsenhormons sei. Was ist richtig?

 

Die Gabe des Spurenelementes Selen während der Strahlentherapie ist insofern sinnvoll, als das Selen als Radikalenfänger im Wesentlichen die gesunden Zellen vor Schädigung schützen kann. Außerdem existieren zahlreiche Hinweise dafür, dass Tumorzellen anders reagieren als gesunde Zellen und dass Tumorzellen insbesondere durch Selen eher empfindlicher für die Standardtherapie werden, auf jeden Fall aber nicht geschützt werden. So wiesen Rodemann et al. nach, dass mit Selenit behandelte Normalgewebszellen bei Bestrahlung eine höhere überlebensrate aufwiesen als Nichtbehandelte. Die Rolle von Selen ist übrigens für eine normale Schilddrüsenfunktion sehr wichtig. So konnte in Studien gezeigt werden, dass Schilddrüsenfunktionsstörungen häufig mit einem Mangel an Selen einhergehen und ein Selenmangel so genannte Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse begünstigen können. Eine negative Beeinflussung von Schilddrüsenkrebs ist jedoch nicht bekannt. Daher ist die zusätzliche Gabe von Selen insbesondere unter dem Aspekt der Erhöhung der Strahlenempfindlichkeit empfehlenswert.

Mistel bei Schilddrüsenkrebs

Wegen eines papillären Schilddrüsenkrebses wurde ich vor einem halben Jahr operiert. In meiner Selbsthilfegruppe kam die Misteltherapie zur Sprache und deren Anwendung wurde von vielen Mitpatientinnen als sehr positiv geschildert. Ist die Misteltherapie auch für mich empfehlenswert ?  Gibt es Studien zur Anwendung von Mistel bei Schilddrüsenkrebs?

Wegen der relativen Seltenheit des Schilddrüsen-Karzinoms gibt es bezüglich der Misteltherapie keine Studien. Die Notwendigkeit und das Ansprechen einer Misteltherapie sind allerdings auch hier von der immunologischen Ausgangssituation abhängig. Bei operierten Patientinnen mit papillärem Schilddrüsenkarzinom ist aufgrund der guten Prognose jedoch fraglich, ob eine Rezidivprophylaxe mit Mistel tatsächlich notwendig ist. Bei über 45-jährigen Patienten halten wir eine Misteltherapie aber in den meisten Fällen für empfehlenswert.


Kinder

L-Carnitin und Fatigue bei Kindern

Mein Sohn (12 Jahre) leidet nach seiner Chemotherapie sehr unter ausgeprägter Schwäche. Nun habe ich gehört, dass Carnitin hilfreich sein soll. Können Sie etwas darüber sagen? Und was können wir biologisch unterstützend noch für ihn tun?

Krebserkrankungen und die schulmedizinischen Therapien gehen häufig mit Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue-Syndrom) einher. Eine neuere Untersuchung weist darauf hin, dass krebsbedingte Fatigue bei Kindern und Jugendlichen Folge eines gestörten Carnitin-Stoffwechsels ist und dass unterschiedliche Chemotherapeutika verschieden großen Einfluss haben. So scheint die Gabe von Cisplatin und Ifosfamid den Carnitin-Spiegel im Blut besonders deutlich zu reduzieren. Schäden für das Nervensystem und für das Herz in diesem Zusammenhang können durch die Anwendung von L-Carnitin gemindert werden.
Carnitin, genauer L-Carnitin, ist eine natürlich vorkommende, vitaminähnliche Substanz. Sie spielt eine essentielle Rolle im Energiestoffwechsel der Zellen. L-Carnitin wird vor allem in der Muskulatur gespeichert und daher vielfach im Leistungssport eingesetzt.
Schon seit längerem wird es zur Behandlung des Fatigue-Syndroms bei erwachsenen Krebspatienten genutzt. Auch bei Kindern ist es ratsam, an diese einfache Therapieoption zu denken.
Die Dosierung muss gegenüber der Erwachsenen-Dosis entsprechend dem Alter und dem Körpergewicht des Patienten reduziert werden. Weitere biologische Hilfen bei der Behandlung des Fatigue-Syndroms: Ausgleichen einer bestehenden Blutarmut, Stärkung des Immunsystems, Ausgleich von Nährstoffdefiziten durch Gabe von Vitaminen und Spurenelementen sowie Sanierung der durch die Chemotherapie geschädigten Organe Leber und Darm (z. B. Säure-Basen-Regulation, Darmregulation, Entgiftungsverfahren). Siehe auch GfBK-Info "Krebs bei Kindern".

Vitamindosierung bei Kindern?

Mein Neffe ist 18 Monate alt, hat ein Ewing-Sarkom (eine Art Knochen- Krebs ) und bereits die vierte Chemotherapie bekommen. Es haben sich noch keine Metastasen gebildet und ein normaler Kernspin lässt keinen Tumor mehr erkennen. Da es nicht genügend Erfahrung in diesem Kleinkindalter gibt, suche ich nach begleitenden Therapiemaßnahmen insbesondere Nahrungsergänzungsmitteln, weil das Kind immer wieder große Probleme mit der Immunabwehr wie Fieber, Infekte etc. hat. Können Sie mir weiterhelfen? Leider gibt es nur sehr wenig Erfahrungswerte bei der Behandlung von Kleinkindern mit biologischen Therapieverfahren. Daher ist es unbedingt erforderlich, die individuelle Dosierung mit dem behandelnden Arzt zu besprechen, um überdosierungen z.B. von Nahrungsergänzungsmitteln zu vermeiden.

Grundsätzlich können bei Kindern als zusätzliche begleitende Maßnahmen eine Nahrungsergänzung mit Vitaminen und Spurenelementen sowie die Gabe von Enzymen eingesetzt werden. Die Gabe dieser Präparategruppen ist auch während einer belastenden Therapie, wie z.B. Strahlentherapie oder Chemotherapie möglich. Die genaue Dosierung ist immer dem Körpergewicht anzupassen. Um Überdosierungen zu vermeiden ist es wichtig, die individuelle Dosierung auch mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Inzwischen sind auf dem deutschen Markt auch Vitaminkombinationspräparate speziell für Kinder erhältlich. Pflanzenextrakte, die meist zur Nahrungsergänzung von Erwachsenen eingesetzt werden, wie z.B. Zell oxygen plus, Cellagon aurum oder La Vita, können ebenfalls sinnvoll begleitend als Nahrungsergänzung für Kinder eingesetzt werden.  Weitere wichtige und einfach durchzuführende Maßnahmen während Chemotherapie sind beispielsweise: eine Säure-Basen-Regulation und entsprechende Ernährungsmaßnahmen, die dem Alter des Kindes und den evtl. aufgetretenen Beschwerden, wie möglichen Schleimhautschädigungen angepasst werden sollten. Die Ernährung ist grundsätzlich in dieser Zeitphase für das Kind entlastend und nicht zusätzlich belastend zu gestalten. Empfehlenswert sind z.B. Obst und Gemüse wertschonend gegart bzw. gedünstet, fein vermahlene Vollkornprodukte (Dinkel, Hafer), Säfte möglichst milchsauer vergoren und verdünnt, Bio-Soja-Produkte, Bio-Geflügel, Tiefseefisch, Bio-Öle (Lein-, Olivenöl), Kartoffeln als Pell- oder Salzkartoffel, Kohlensäure arme Mineralwässer.


Vorbeugung

Krebs durch Limonade?

Ich habe Gebärmutterkrebs und würde gerne mehr über die Risikofaktoren bei dieser Erkrankung wissen.

In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 11 000 Frauen erstmals an einem Endometriumkarzinom. Der Altersgipfel liegt zwischen 65 und 85 Jahren. Mit ca. 75 bis 80 Prozent stellt das Typ-I-Karzinom die häufigere Variante dar. Sie wird in der feingeweblichen Untersuchung als endometrioides Adenokarzinom klassifiziert. Zu den Risikofaktoren zählen beim hormonabhängigen Typ-I-Karzinom das metabolische Syndrom mit Fettleibigkeit sowie die Langzeiteinnahme von weiblichen Hormonen, den Östrogenen. Etwa 10 bis 15 Prozent der Endometriumskarzinome gehören zum Typ II. Sie werden meistens als seröse oder klarzellige Karzinome beschrieben. Die Betroffenen sind häufig schlank und weisen nicht die typischen Risikofaktoren wie bei Typ-I-Karzinomen auf. Eine aktuelle Studie (die Iowa Womens Health Study mit mehr als 23 000 Frauen) beschreibt ein deutlich erhöhtes Risiko für Typ I bei Frauen nach den Wechseljahren, die häufig gesüßte Softdrinks konsumieren – und das unabhängig von Risikofaktoren wie Rauchen, Körpergewicht und Diabetes. Frauen, die mindestens viermal pro Woche Cola & Co. trinken, hatten ein um 72 Prozent erhöhtes Risiko gegenüber denjenigen, die auf solche Getränke verzichten. Dieser Zusammenhang zeigte sich jedoch nicht für Typ-II-Karzinome. Die Forscher nehmen daher an, dass der übermäßige Konsum von Softdrinks zu einer Veränderung des Östrogenstatus führt. Eigentlich ist längst bekannt, dass Süßgetränke nicht gesund sind. Ihre Zuckerlast ist erheblich. Süßstoffe wie z. B. Aspartam sind keine Alternative: Sie stehen schon lange im Verdacht, krebserregend zu sein. Eine große Studie von Schernhammer zeigte, dass der Konsum von süßstoffhaltigen Softdrinks die Wahrscheinlichkeit erhöht, an Leukämie zu erkranken. Dieser Effekt tritt bereits ab einer Diät-Limonade täglich ein. Diät-Limos erhöhen das Risiko für Leukämien unabhängig vom Geschlecht um 42 Prozent. Bei Männern erhöhen solche Drinks die Risiken für multiple Myelome (Knochenmarkskrebs) um 102 Prozent und um 31 Prozent für Non-Hodgkin-Lymphome. Angesichts dieser Datenlage, sollte in der Bevölkerung ein entsprechendes Konsumbewusstsein dringend gefördert werden.

Nachtschichten verursachen Krebs

Ich würde gerne wissen, inwieweit Schlafmangel Auswirkungen auf eine Krebserkrankung haben kann?

Mehrere Studien gehen der Frage nach, ob Schichtarbeit Krebs auslösen kann. Der Zusammenhang gilt als weitestgehend nachgewiesen. In Dänemark ist Brustkrebs bei Frauen, die regelmäßig in Schichten arbeiten, daher als Berufskrankheit anerkannt. Durch Nachtarbeit wird weniger Melatonin gebildet. Dieses Schlafhormon unterdrückt das Tumorwachstum und hemmt die Produktion von Östrogenen. So erklärt sich auch die Beobachtung aus Studien, dass Nachtschwestern deutlich weniger Melatonin und mehr brustkrebsfördernde Östrogene im Blut haben. Ältere Untersuchungen bestätigen diesen Mechanismus: In einer Studie zeigte sich, dass Wechselschichten über ein bis vierzehn Jahre mit einem erhöhten Krebsrisiko von acht Prozent und einem erhöhten Brustkrebsrisiko um 23 Prozent einhergingen (Schernhammer ES et al./J Natl Cancer Inst 2001; 93). Eine andere Untersuchung zeigte sogar, dass bei Patientinnen häufiger aggressive Brusttumore auftraten, wenn sie sich im Mittel für höchstens sechs Stunden schlafen gelegt hatten (Thompson CL/Breast Cancer Res 2012). Auch eine aktuelle Auswertung von kanadischen Forschern kommt zu dem Schluss, dass Nachtschichten für ein erhöhtes Tumorrisiko verantwortlich sind (Parent M-E et al./Am J Epidemiol 2012; 176: 751–759). Bei der Auswertung fiel auf, dass Männer mit Krebs deutlich häufiger als solche ohne Krebserkrankung in der Vergangenheit nachts gearbeitet hatten. Die Wissenschaftler bereinigten die Studie um andere bekannte Risikofaktoren und errechneten, dass Schichtarbeiter ein etwa dreifach erhöhtes Risiko für Prostatakrebs, ein 2,3-fach erhöhtes Risiko für Non- Hodgkin-Lymphome und Pankreaskarzinome, ein doppelt so hohes Risiko für Kolon- und Rektalkarzinome sowie ein 1,8-fach erhöhtes Risiko für Lungen- und Blasenkrebs hatten. Dagegen schien das Risiko für Magen-, Leber- und Ösophagustumoren sowie Melanome nicht oder nur geringfügig erhöht zu sein. Aus diesen Forschungsergebnissen lässt sich die Bedeutung eines ausgeglichenen Tag-Nacht-Rhythmus in Zusammenhang mit dem Krebsrisiko ableiten.

Aspirin und Krebs

Ich nehme seit Jahren wegen eines Herzklappenfehlers Aspirin und habe nun gehört, dass dies auch Krebserkrankungen vorbeugen soll. Wie ist Ihre Einschätzung?  

Inwieweit Acetylsalicylsäure (ASS®, Aspirin®) vor Krebs schützt und Metastasen verhindern kann, untersuchten drei Studien aus den Jahren 2007, 2010 und 2011. Sie wurden ursprünglich zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durchgeführt. zusammengefasst zeigen sie, dass unter Einnahme von Acetylsalicylsäure die Krebssterblichkeit allgemein um 15 Prozent abnahm. Die Metastasierungsrate lag bei Patienten mit Acetylsalicylsäure nach 6,5 Jahren sogar um 36 Prozent niedriger als ohne das Medikament. Am ehesten scheint die Gabe von Acetylsalicylsäure einen Nutzen auf Darmkrebserkrankungen zu haben, und zwar dann, wenn das Mittel länger als drei Jahre und am besten bis zu zehn Jahre eingenommen wird. Allerdings wird von Experten zunehmend vor ernsthaften Komplikationen von ASS und Aspirin gewarnt, die sich auch in diesen Studien zeigten und den Vorteil in den ersten Jahren zunichtemachten. Acetylsalicylsäure greift die Schleimhäute im Verdauungstrakt an, daher kann sie Geschwüre und Blutungen im Magen-Darm-Trakt verursachen. Außerdem können in seltenen Fällen besonders bei Dauereinnahme Nierenschäden ausgelöst werden. Friedrich Hagenmüller (Chefarzt der Abteilung für Gastroenterologie der Asklepios-Klinik in Hamburg) sagte erst kürzlich in einem Beitrag des NDR zur Zahl der jährlichen Todesfälle in Deutschland, an denen Acetylsalicylsäure beteiligt ist: »Man muss annehmen, dass sich die Anzahl der Fälle zwischen 1000 und 5000 bewegt.« Ob Acetylsalicylsäure zur Prävention von Tumoren eingesetzt werden soll, kann daher am ehesten mit einem Nein beantwortet werden. Unbestritten ist jedoch, dass bei Patienten, die Acetylsalicylsäure wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen einnehmen müssen, die Vorteile überwiegen. Interessant ist, welche Wirkungsweise von Acetylsalicylsäure für den Krebsschutz verantwortlich gemacht wird. Acetylsalicylsäure soll Mikroblutungen in der Darmschleimhaut verursachen, die den Eisenspeicher leeren (Mascitelli L, Goldstein MR/Int J Cancer 2012), wodurch den Tumorzellen u.a ein wichtiger Nährstoff entzogen wird. So wurde in den obigen Studien zur Acetylsalicylsäure-Einnahme nicht nur ein erniedrigtes Krebsrisiko, sondern auch ein niedrigerer Ferritinspiegel festgestellt (Fleming DJ/Am J Clin Nutr 2001). Eine andere Studie belegt, dass das Tumorrisiko sinkt, wenn die Studienteilnehmer zur Ader gelassen werden, was ebenfalls verringerte Eisenwerte zur Folge hat (Zacharski LR/J Natl Cancer Inst 2008). Dieser Mechanismus stellt übrigens ein anderes gängiges Vorgehen infrage, nämlich Krebserkrankten mit niedrigen Ferritinspiegeln Eisen zu verordnen.

Krebsprophylaxe

In meiner Familie sind Mutter und Schwester an Brustkrebs erkrankt. Ich (32 Jahre alt) lebe seither mit der Angst, auch daran zu erkranken. Was kann ich vorbeugend tun?

Sie sollten vorbeugend regelmäßig eine Brust-Selbstuntersuchung 3 - 7 Tage nach Beginn der Regelblutung durchführen. Es gibt inzwischen darüber ein Lernprogramm, das sogenannte "MammaCare-System". Falls Sie eine Veränderung des Brustgewebes ertasten, wäre baldmöglichst eine ärztliche Kontrolle und Abklärung sinnvoll. Weiterhin können Sie über verschiedene biologische Diagnostik- bzw. Therapieverfahren Ihr Immunsystem testen bzw. aktivieren sowie etwaig bestehende Herd- und Störfelder (können das Immunsystem schwächen) abklären und korrigieren. Eine vollständige Zusammenfassung dieser Vorschläge im Sinne eines Vorsorge-Therapie-Konzeptes können Sie über die zentrale Beratungsstelle der GfBK in Heidelberg erhalten.


Nierenkrebs

Nierenkrebs und Misteltherapie

Ich habe seit 2001 Nierenkrebs, das 2002 lokal rezidiviert ist und trotz Chemotherapie bzw. Interferon weiter wächst. Ich möchte gerne wissen, ob bei mir eine Mistel-Therapie sinnvoll ist, da ich diesbezüglich unterschiedliche Meinungen gehört habe. Außerdem wurde mir ein Immunaktivitätstest, bei dem z.B. die Aktivität der NK-Zellen geprüft wird und mit dem gleichzeitig ein Medikamententest gemacht wird, empfohlen. Ist dies sinnvoll?

Zur Anwendung von Mistel bei Nierenzellkrebs bestehen unsererseits keine Bedenken. So gibt es bisher zwei veröffentlichte Studien zur Misteltherapie bei Nierenzellkrebs (Kjaer, M. 1989, Lümmen G. 2001). In diesen Studien konnten keine ungünstigen Effekte zur Anwendung einer Misteltherapie bei Nierenzellkrebs gezeigt werden. Im Gegenteil: Die Mistel schnitt in einer der Studien gleich gut wie die schulmedizinische Standardtherapie ab, in der anderen sogar besser.
Es ist bekannt, dass insbesondere Nierenkrebs (aber auch Hautkrebs) besonders gut auf Immuntherapien reagiert. Dies macht man sich ja auch in der schulmedizinischen Behandlung mit Interferon/z.B. Roferon zunutze; auf biologischer Basis kann dies z. B. eine Tumorimpfung oder eine Mistel- bzw. Thymustherapie sein.
Die prinzipielle Durchführung von sog. NK-Zell-Funktionstests beurteilen wir hingegen zurückhaltend, da die Labormedizin den Zustand und die Aktivität des Immunsystems bisher nur ansatzweise prüfen kann und noch unklar ist, inwieweit solche Testungen wirklich die notwendigen Therapien adäquat vorhersagen können.


Blasenkrebs

Rezidivierender Blasenkrebs – was tun?

Mein Blasenkrebs ist mehrfach zurückgekehrt, obwohl ich schon einige Chemotherapien hinter mir habe. Nun bin ich auf der Suche nach Behandlungsalternativen. Wer kann mir weiterhelfen?

Die hohe Wahrscheinlichkeit, mit der Blasenkrebs wiederholt auftritt, ist für die Betroffenen besonders belastend: Die Rückfallrate liegt zwischen 30 und 70 Prozent. Schon seit Jahrzehnten versuchen daher die Schulmediziner, einer Wiederkehr der Tumoren in der Harnblase vorzubeugen. Die bislang standardmäßig eingesetzten Verfahren wie Chemotherapie können die Anzahl der Rezidive allerdings nur um etwa ein Drittel senken.
Einen neuen Ansatz zur Vermeidung von lokalen Rückfällen bietet die Hyperthermie-Chemotherapie. Dabei wird die Harnblase mit einem Chemotherapeutikum gespült und gleichzeitig erwärmt. Vorreiter dieser sogenannten Synergo®-Methode ist das Universitätsklinikum Gießen (Prof. Dr. Wolfgang Weidner). Auch die Urologischen Universitätskliniken in Berlin, Frankfurt, Erlangen, München und Tübingen sowie andere Krankenhäuser bieten diese Behandlung an.
Bei der Hyperthermie werden Tumorzellen mittels hochfrequenter Wellen überwärmt. Dadurch kommt es zu Sauerstoffmangel im Tumor (Hypoxämie), ein saures Zellmilieu entsteht und die Krebsgeschwulst wird weniger gut mit Nährstoffen versorgt. Ihr Zellstoffwechsel ist gestört und es kann zum Zelltod kommen. Wenn man gleichzeitig eine Chemo- und/oder Strahlentherapie durchführt, dann wird deren Wirkung durch die Hyperthermie verstärkt. In Einzelfällen konnte auf diese Weise eine zuvor unwirksame Chemotherapie doch noch zur Wirksamkeit gebracht werden.
Zur lokalen Überwärmungstherapie finden Sie hier den Erfahrungsbericht eines ehemals von Blasenkrebs betroffenen Patienten.
Lassen Sie bitte Ihren Selenspiegel im Blut überprüfen. Das Blasenkrebsrisiko steht nicht nur mit den bekannten Risikofaktoren wie Rauchen und Farbe in Verbindung, sondern auch mit einer schlechten Selenversorgung. Der Mikronährstoff kann bei Bedarf in ein Gesamtkonzept zur Nahrungsmittelergänzung eingebunden werden. Wenden Sie sich an Ihren Heilpraktiker oder an einen naturheilkundlich orientierten Arzt.
Einen Ernährungstipp haben wir auch: Der Verzehr von Kreuzblütlern (Kohl sorten wie Weißkohl, Blumenkohl, Rotkohl, Brokkoli etc.) hat positive Effekte auf die Vorbeugung von Blasenkrebs gezeigt.
Bei lokalen Rückfällen gibt es gute Erfahrungen mit Mistelpräparaten, die direkt in die Blase eingebracht werden. Bisher wird diese Behandlung nur von wenigen Kliniken durchgeführt (uns bekannt: Klinik Havelhöhe, Klinik Öschelbronn). Anfang 2015 hat eine Studie zur therapeutischen Instillation eines Mistelextrakts (Kurzbezeichnung TIM) begonnen. Sie vergleicht erstmals den Erfolg einer Mistelinstillation mit dem einer Chemotherapie. Bundesweit beteiligen sich 31 Zentren an dieser Studie. Prof. Dr. Dr. Herbert Rübben, Universitätsklinikum Essen, leitet sie.


Weitere Themen

Kostenaufklärung

Bei mir soll eine Laserbehandlung an Lebermetastasen durchgeführt werden, und ich habe noch keine Übersicht der Kosten erhalten. Wie soll ich vorgehen?

Eine Aufklärung über die Kosten alternativer Behandlungsmethoden ist Pflicht. Wird eine Kostenaufklärung verweigert, verstößt dies gegen die Berufsordnung der Ärzte § 12 Absatz 4. Patienten sind schriftlich über die Höhe des nach der GOÄ zu berechnenden voraussichtlichen Honorars zu informieren. Auch müssen sie darüber in Kenntnis gesetzt werden, wenn ein Anspruch auf Übernahme der Kosten durch eine Krankenversicherung oder einen anderen Kostenträger nicht gegeben oder nicht sicher ist. Für neue innovative Verfahren der konventionellen Medizin, wie z. B. TACE, SIRT und LITT sowie für zahlreiche Verfahren der Komplementäronkologie (Hyperthermie u. v. a.) gibt es noch keine entsprechenden Abrechnungspositionen. Laut ärztlichem Berufsrecht sollen Ziffern aus der GOÄ verwendet werden, die der Art, Schwierigkeit und dem Umfang der neuen Leistung ähnlich sind. Diese sogenannte Analogabrechnung wird mit dem Buchstaben A bei der entsprechenden Ziffer gekennzeichnet. Geben Sie sich nicht mit wenig konkreten Kostenaussagen zufrieden. Fragen Sie immer nach einer Honorarvereinbarung. Ärzte sind laut ihrer Berufsordnung an bestimmte Grenzen gebunden. Die Honorarforderung muss angemessen sein, und der Arzt hat bei Abschluss des Behandlungsvertrages Rücksicht auf die Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Patienten zu nehmen. Ohne umfassende Aufklärung im Vorfeld, Honorarvereinbarung und abgeschlossenen, gültigen Behandlungsvertrag hat der Arzt kein Recht auf ein Honorar. Oft ist es ratsam, noch nach anderen Kliniken zu suchen, in denen die gewünschte Behandlung stationär vorgenommen wird und damit im Rahmen der Fallpauschale mit den gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden kann.

Und wer interessiert sich für die Angehörigen?

Mit großem Interesse lesen meine Frau und ich immer die Erfahrungsberichte von ehemaligen Krebspatienten in Ihrem Heft. Während der Brustkrebserkrankung meiner Frau haben diese Genesungsgeschichten uns immer wieder Hoffnung zu Zuversicht vermittelt. Ich persönlich hätte auch den Wunsch, meine Erfahrungen zu teilen. Allerdings bin ich selber nicht krank gewesen, sondern war als Ehemann mit der Krebsdiagnose meiner Frau und ihrem körperlichen und seelischen Leiden konfrontiert, bis sie endlich wieder gesund war. Wohin kann ich mich wenden, wenn ich meine Erlebnisse und Erkenntnisse in schriftlicher Form mitteilen möchte?

Wir freuen uns über Ihre Zuschrift, auch wenn Sie »nur« als Angehöriger von der Erkrankung betroffen waren. Um die Angehörigen von Menschen mit Krebs wird sich unserem Erleben nach viel zu wenig gekümmert. Der Fokus der Aufmerksamkeit liegt meist ganz bei dem, der die Lebensbedrohung am eigenen Leib erfährt. Dass Ehepartner, Eltern, Kinder und andere Menschen aus dem direkten Umfeld in solchen Situationen selber existenzielle Krisen erleben, wird nur am Rande wahrgenommen, wenn überhaupt. Dabei haben Angehörige schon für sich selber natürlich ein berechtigtes Bedürfnis nach Beachtung ihrer eigenen Belastung. Und auch für den Kranken ist ein Umfeld wichtig, das auch gut für sich selbst sorgt und nicht nur mit Tunnelblick auf ihn und den Krebs fixiert ist. Oft beginnt mit der Krebsdiagnose eine Zeit des Ausnahmezustandes für die ganze Familie. Wir hatten daher die Signal 3/2010 komplett dem Thema Familie und Angehörige gewidmet und bieten bei den GfBK-Kongressen auch immer Veranstaltungen für Mit-Betroffene an.
Auch in unserer Beratung sind Angehörige willkommen, nicht nur als Begleitperson. Aktuell gibt es ein neues Buchprojekt von Christel Schoen, die Erfahrungsberichte von Angehörigen sammelt und veröffentlichen wird. Frau Schoen hat bereits ein »Mut-mach-Buch« mit bewegenden
Genesungsgeschichten herausgegeben, die sie von Krebspatienten gesammelt hatte. »Alles ist möglich – auch das Unmögliche« erschienen im St. Benno-Verlag. Angehörige von Krebspatienten können sich bis zum Jahresende mit ihren Erlebnisberichten an Frau Schoen wenden (s. Kontakt). Wir wünschen Ihnen und Ihrer Gattin weiterhin alles Gute!
Kontakt: Projekt-Initiatorin u. Herausgeberin: Christel Schoen, Auf der Höhe 15, 85051 Ingolstadt, Tel.: 08 41 1 28 48 03, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Dr. med. Nicole Weis, Vorstandsmitglied und Leiterin der Beratungsstelle Stuttgart der GfBK, spricht hier über die Rolle der Angehörigen von Patienten

Übertragbarkeit experimenteller Untersuchungen

In einem medizinischen Artikel über Glutamin wird beschrieben, dass beim Multiplen Myelom die Tumorzellen auf einen permanenten Nachschub von Glukose und Glutamin angewiesen sind, um sich zu teilen und zu wachsen. Entzieht man diesen Zellen Glutamin, sterben sie. Was bedeutet das für Menschen mit Krebs und für Gesunde? Sollen Krebspatienten generell oder nur solche mit Multiplen Myomen Glutamin meiden? Oder gilt Glutamin damit allgemein als krebserregender Stoff?

Glutamin ist eine für den Menschen nicht essenzielle Aminosäure, die vor allem im Blutplasma und in den Muskelzellen vorkommt. Dort ist sie für die Wassereinlagerung in die Zellen zuständig. Vor allem nach Operationen, schweren Verletzungen oder Verbrennungen sollen häufig Mangelzustände vorkommen. Quark ist das Nahrungsmittel mit dem höchsten Glutamingehalt, in geringerem Maß kommt es noch in Milch und Joghurt vor sowie in Soja und Weizen. Ihre Frage betrifft eine ganz grundsätzliche Problematik in der Medizin. Es ist generell unsicher, ob die Ergebnisse aus Tierexperimenten und Versuchen im Reagenzglas auf den komplexen menschlichen Organismus übertragbar sind. Solche isolierte Wirkmechanismen greifen nicht verlässlich auch im Körper des Menschen. So ist das Multiple Myelom eine spezielle eher selten auftretende Art von Blutkrebs. Ob daher dieser Versuch auch auf andere Tumorarten übertragbar ist, lässt sich schlichtweg nicht beantworten. Man weiß beispielsweise auch nicht, wie weit der Blutzuckerspiegel (Blutglucose) im menschlichen Organismus gesenkt werden muss, um wirklich erwünschte Wirkungen auf das Krebsgeschehen im Körper zu erreichen. Es ist unklar, ob Tumorzellen auf andere Energiequellen umsteigen, wenn nicht mehr genügend Glucose angeboten wird. Experten bemerken außerdem, dass der Tumor auf einen Zuckerentzug mit der Überproduktion von Glukosetransportern reagiert und sich dann auch bei niedrigen Blutzuckerspiegeln noch Brenn- und Baustoffe aus dem Blut holen kann. Es ist deshalb davon auszugehen, dass eine Glukoseabsenkung unter normalen Bedingungen nicht ausreicht, um die Energieversorgung von Krebszellen zu gefährden. Es ist wahrscheinlich, dass dies auch für den Entzug von Glutamin gilt. Wie wenig aussagekräftig Tierversuche für den Einsatz von Wirksubstanzen beim Menschen sein können, zeigt eindrucksvoll eine tierexperimentelle Studie an Mäusen und Ratten. Die Gabe von Gingko-biloba-Extrakten löste bei den Nagern Krebserkrankungen in der Leber und der Schilddrüse aus. Allerdings wurden in diesen Versuchen die Tiere über eine längere Zeit mit Wirkstoffmengen behandelt, die weit oberhalb der therapeutischen Dosierung beim Menschen liegen. Die armen Ratten mussten 100, 300 oder 1.000 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht fressen. Bei Mäusen kamen bis zu 2.000 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht zum Einsatz. Die in Deutschland käuflichen Ginko-Präparate enthalten jedoch eine Tagesdosis von nur etwa 100 bis 400 Milligramm! Bei einem durchschnittlichen Körpergewicht von 70 Kilogramm sind das etwa anderthalb bis sechs Milligramm pro Kilo Körpergewicht. Viele bewährte Arzneimittel würden in einer Überdosis wie in diesem Tierversuch zu erheblichen Gesundheitsschäden führen. Es lohnt also oft, das Studiendesign kritisch zu hinterfragen.