Täglich entstehen in jedem gesunden Körper Krebszellen, die durch das körpereigene Immunsystem erkannt und zerstört werden. Bei einer Krebserkrankung hat dieser Mechanismus versagt und der Körper erkennt die Krebszellen nicht mehr als feindliche Zellen. Durch eine Tumorimpfung werden die im Labor inaktivierten Krebszellen den Abwehrzellen als feindlich vorgeführt, so dass sie und auch alle anderen Tumorzellen als nicht zum Körper gehörig erkannt und vernichtet werden können.

Die Impfung wird mit autologen, also körpereigenen Krebszellen aus Krebsgewebe des Patienten durchgeführt. Dieses wird dem Patienten zuvor bei der Operation oder durch gesonderte Eingriffe entnommen. Es gibt zwei Verfahren: Aus der Aktiv-Spezifischen-Immuntherapie (ASI) mit Tumorzellen oder Tumorzellbruchstücken wurde die Impfung mit dendritischen Zellen abgeleitet. Beide Verfahren wirken nach dem gleichen Prinzip und werden mit dem gleichen Ziel angewandt:

  • Das Auftreten von Metastasen oder Rückfällen soll verhindert oder verzögert werden (Rezidiv-Prophylaxe nach der Operation).
  • Aufgetretene Metastasen oder Rezidive sollen bekämpft werden.

Die Impftherapien sind dann am günstigsten, wenn der Tumor komplett entfernt werden konnte und noch keine Metastasen vorliegen. Außerdem sind die Ergebnisse besser, je weniger das Immunsystem vorher durch die Zellgifte einer Chemotherapie geschädigt wurde. Die potentielle Wirksamkeit hängt auch von der Tumorart ab. Es gibt nämlich Tumorarten, die eher auf eine Immuntherapie ansprechen, wie zum Beispiel das Melanom und das Nierenzellkarzinom. Viele Erkenntnisse zur Wirksamkeit von Tumorimpfungen konnten Forscher aus Studien mit diesen Tumoren gewinnen.

Es gibt aber auch andere Tumorarten, wie z.B. Glioblastome, bei denen Erfolge mit der dendritischen Zellimpfung erzielt werden konnten (Rutkowski S/Br J Cancer 2004 und Yamanaka R/Br J Cancer 2003). Und auch bei Darmkrebs ist die Tumorimpfung nach Resektion von Lebermetastasen vorbeugend wirksam. Dies zeigte eine Studie von Prof. Volker Schirrmacher vom Deutschen Krebsforschungsinstitut (Cancer Immunology 2009): Von den geimpften Patienten lebten nach zehn Jahren über 50 Prozent ohne Metastasen, in der Kontrollgruppe ohne Impfung waren es weniger als 20 Prozent.

Voraussetzung für die Impfungen ist, dass bei der Operation oder anderen Formen der Gewebeentnahme das Tumorgewebe dabei nicht verändert wird (das Tumorgewebe wird lediglich schockgefroren). Daher sind entsprechende Absprachen mit dem Chirurgen vor der Operation zwingend notwendig.

Die dendritische Zellimpfung wird heute bevorzugt angewandt, da aus rechtlichen Gründen die meisten Hersteller in Deutschland momentan keine ASI-Impfstoffe mehr herstellen können.

GfBK-Info: Tumorimpfung