Aktuelle Meldungen der GfBK

Aktuelle Meldungen

Ärzte, die auf leitliniengerechte Behandlung pochen, Patienten, die bei der Wahl der Therapie ihrer Erkrankung mitentscheiden möchten. Die Konstellation ist konfliktreich. Die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V. plädiert für eine integrative Medizin: Ärzte und Patienten entscheiden gemeinsam.

Häufig sind die Leitlinien von Fachgesellschaften Grundlage für Therapieentscheidungen bei Krebs. „Konflikte zwischen Arzt und mündigen Patienten sind vorprogrammiert, wenn diese Leitlinien nicht als Empfehlung, sondern als notwendiger Behandlungskatalog gesehen werden, an den sich die Patienten halten sollen”, sagt Dr. med. Nicole Weis von der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V. (GfBK) in Heidelberg.

Beispiel Brustkrebs: Zwei Drittel der Patientinnen möchten aktiv in die Therapieentscheidungen einbezogen werden. Besonders Brustkrebspatientinnen haben den Wunsch, auch komplementär-medizinisch beraten zu werden, so die langjährige Erfahrung der Krebsabwehr (GfBK), eine wachsende Zahl von Frauen ist kritisch gegenüber Chemo- und Strahlentherapien eingestellt.

Für 70 Prozent der Krebspatienten ist das persönliche Gespräch mit dem Arzt die wichtigste Informationsquelle, so das Ergebnis einer Studie der Universität Frankfurt/Main. Patienten suchen eine individuelle Beratung, die sie bei ihrem persönlichen Umgang mit der Krankheit Krebs unterstützt. Diesem Wunsch steht der Zeitmangel in Kliniken und Praxen gegenüber. „Den erleben die Patientinnen spätestens dann, wenn sie individuelle Fragen stellen oder Therapievorschläge kritisch hinterfragen”, so Weis weiter.

Viele Frauen machen dann die Erfahrung, dass im zu kurzen Arztgespräch Zeitdruck und Angst aufgebaut werden. Patientinnen würden dazu gedrängt, die Operation oder Chemotherapie innerhalb kürzester Zeit durchführen zu lassen. Angst werde zum Hauptgrund für die Therapieentscheidung. „Dabei ist Brustkrebs kein Notfall.” So zeigte eine dänische Studie mit 750 Frauen, dass ein früher Beginn einer Chemotherapie innerhalb der ersten drei Wochen nach Operation keinen Überlebensvorteil bedeutet.

Im Klinikalltag werde die gemeinsame Entscheidungsfindung häufig verwechselt mit dem Konstrukt des „informed consent”, der informierten Entscheidung. Der Patient wird aufgeklärt und stimmt den vorgeschlagenen „leitliniengerechten” Therapieoption der ärztlichen Experten zu.

Die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V. setzt sich für das „Shared Decision Making”, also die gemeinschaftliche Entscheidungsfindung ein. Ausgangsthese hier ist: Es gibt nicht die eine optimale Therapie für den einzelnen Patienten, die von Experten bestimmt wird. Die aktive Mitarbeit der Patienten und die Einbeziehung der persönlichen, körperlichen und seelischen Gegebenheiten ist notwendig, um die optimale Therapie in einer gemeinsamen Entscheidung festzulegen.

Therapiefreiheit der Ärzte und Selbstbestimmungsrecht der Patienten
Leitlinien bzw. Empfehlungen der jeweiligen Fachgesellschaften beinhalten keine rechtliche Verpflichtung. Werden Patienten über mögliche Risiken aufgeklärt, darf der behandelnde Arzt im Interesse des Patienten und der Weiterentwicklung der medizinischen Wissenschaft von den Leitlinien abweichen und neue bzw. unkonventionelle Behandlungsmethoden einsetzen. Rechtlich gesehen ist die Basis der heilberuflichen Profession die sogenannte Therapiefreiheit.

Patienten wiederum haben aufgrund des verfassungsrechtlich garantierten Selbstbestimmungs-rechtes die Wahl, von welchem Arzt und mit welchen Therapien sie sich behandeln lassen wollen. Das beinhaltet auch das Recht auf eine (vermeintlich) medizinisch unvernünftige Entscheidung. Jede in den Leitlinien fixierte Therapie darf abgelehnt werden.

Dr. med. Nicole Weis fordert eine neue Kultur der Integration in der heutigen Medizin. „Neu im Sinne davon, dass die Medizin wieder als Dienstleistung am Patienten verstanden wird.” Auch wenn die am Patienten orientierte, individualisierte, ganzheitliche Beratung mehr Zeit erfordert. „Sie lohnt sich, da die Patienten besser in der Lage sind, die für sie stimmige Entscheidung und deren Konsequenzen mitzutragen.”

Dr. med. Nicole Weis Patientenkompetenz und Leitlinien-orientierte Medizin – ein Plädoyer Dr. med. Nicole Weis, „Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Patientenkompetenz und Leitlinien-orientierte Medizin – ein Plädoyer”, Deutsche Zeitschrift für Onkologie 2016; 2/2016, Band 48: S. 48–54

Hier finden Sie einen stimmungsvollen Rückblick auf die Veranstaltung. Die slideshow wird uns zur Verfügung gestellt von Joanna Brügmann und Marleen Schenk

Am 23.9.2016 lud die GfBK-Beratungsstelle Hamburg zum Patienteninformationstag ein
Die Beratungsstelle ist seit 33 Jahren in Hamburg Ansprechpartnerin für KrebspatientInnen. Unter dem Motto "Selbstheilung - das Potenzial in uns" feierten die TeilnehmerInnen und ReferentInnen das 10jährige Jubiläum in der VHS West.
Jutta Trautmann, Leiterin der Beratungsstelle berichtete über das Projekt "ÜberLebensKunst", Dr. med. György Irmey, Ärztlicher Direktor der GfBK kam aus Heidelberg und hielt einen inspirierenden Vortrag zum Thema Selbstheilung - Das Potential in uns.
Angela Keller, Beraterin in der Hamburger GfBK, sorgte für eine Bewegungspause mit wunderbar auflockernden Übungen und nach dem Auftritt des Improvisationstheaters "hidden shakespeare" freuten sich alle Teilnehmer über die Gelegenheit zum Austausch und Beisammensein.

Dr. Ebo Rau, GfBK-Vorstand von 2006 bis 2016Mit einem besonderen Dankeschön wurde Dr. med. Ebo Rau aus der bisherigen aktiven Vorstandsarbeit verabschiedet.
Seit 2006 war er Vorstandsmitglied und hat sich in dieser Funktion in besonderem Maße um die Belange der GfBK gekümmert. Die vielfältigen Benefizprodukte der GfBK sind unter seiner Federführung und durch sein großes Engagement entstanden. Sein Wunsch war und ist es immer noch, dass es eine noch intensivere Zusammenarbeit zwischen der Schulmedizin und der biologischen Medizin bzw. der GfBK gibt, die geprägt ist durch gegenseitigen Respekt und der Anerkennung der ergänzenden Heilmethoden zum Wohle des Patienten.
Seinen außergewöhnlichen Weg (vom früher praktizierenden Allgemeinmediziner zum Bauchspeicheldrüsenkrebspatienten) und seinen nachfolgenden Gesundungsweg beschreibt er immer wieder eindrucksvoll in seinen Vorträgen und Seminaren. Unterstützende Methoden, die er für sich dabei gefunden hat, möchte er an andere Betroffene weitergeben. Sein Weg steht in besonderem Maße dafür, Hoffnung zu geben auch in einer vermeintlich aussichtslosen Situation mit schwerer Erkrankung oder schlechter Prognose.
GfBK-Vorstand, Mitarbeiter/-innen und die Mitgliederversammlung wünschen Dr. Ebo Rau alles Gute und tägliche Freude in seinem weiteren „Un-Ruhestand”.